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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 08. - 14. Februar 2004

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Es wird rückblickend zu den großen gesellschaftlichen Verschiebungen in Deutschland gezählt werden, daß seit dem vergangenen Jahr der demographische Wandel in allen Facetten in das Bewußtsein der Bevölkerung eindringt. Zahlreiche sozialwissenschaftliche Doktorarbeiten werden darüber abzufassen sein, wie es möglich war, daß Kindermangel, Stadtschrumpfung und kollektive Alterung derart lange tabuisiert geblieben sind. Von »verlorenen Jahrzehnten« ist nun dramatisierend die Rede"
(Christian Schwägerl in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 27.01.2004)
 
       
   
  • Der wichtige Artikel:
    HERBON, Bernd (2004): Single bells.
    "Quirkyalones": Rechtzeitig zum Valentinstag formieren sich die glücklichen Einsamen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 14.02.
    • Kommentar:
      HERBON berichtet über eine neue Single-Bewegung in den USA.

            
         "Quirkyalones" nennt Sasha CAGEN jene selbstbewussten Singles, die - entgegen dem Bridget-Jones-Stereotyp - ihr Single-Dasein nicht um jeden Preis überwinden möchten, sondern ihrem Alleinleben Positives abgewinnen können.
            
         In den USA sind Kinderlose bereits seit der Ära CLINTON Anfang der 90er Jahre massiv in die Defensive geraten. Die Regierung BUSH und ihre neokonservativen Anhänger verfechten die Familienwerte noch militanter.
            
         In diesem singlefeindlichen Klima - das mittlerweile auch in Deutschland spürbarer wird - haben die Singles das negative Stereotyp vom "schrulligen Alleinstehenden" zu einem Kampfbegriff umfunktioniert.
            
         Diese Strategie verwendete die Anti-Ehe-Bewegung bereits erfolgreich Ende der 60er bzw. Anfang der 70er Jahren als erstmals Singles massenhaft öffentlichwirksam in Erscheinung getreten sind.
            
         HERBON schreibt zur neuen Singlebewegung:
            
         "Die Anti-Gefühlsterror-Einheit meint es ernst: In einem ersten Handstreich hat sie den Valentinstag gekapert und kurzerhand zum »International Quirkyalone Day« erklärt. In diesem Jahr wird er bereits in 40 amerikanischen und europäischen Städten gefeiert.
      Initiatorin der Bewegung ist die Publizistin Sasha Cagen aus San Francisco – eine aparte 30-Jährige, deren letzte längere Beziehung nach eigenen Angaben mehrere Jahre zurückliegt. 1999 veröffentlichte sie ihre Betrachtungen eines »eingefleischten Singles« in der Zeitschrift To-Do-List und erhielt überwältigende Reaktionen. Der Essay dient nun als Grundlage des gerade erschienenen Buches »Quirkyalone: A Manifesto for Uncompromising Romantics«. Inzwischen haben die »kompromisslosen Romantiker« eine heftig frequentierte Website (www.quirkyalone.net) und die Aufmerksamkeit aller großen US-Medien.
      Cagens pathetisch-kämpferische Unabhängigkeitserklärung richtet sich gegen falsches Mitleid der Gesellschaft und eventuell aufkommendes Selbstmitleid der Alleinstehenden: »Als Romantiker, Idealisten und Exzentriker empfinden wir unser Single-Dasein als natürlichen Ruhezustand«. Quirkyalones, so Cagen weiter, sehen sich als »Rebellen« in einer von Ehe und Partnerschaft bestimmten Gesellschaft – spätere Liebesbeziehung oder gelegentliche Lebensabschnittsgefährten natürlich nicht ausgeschlossen. Denn auf keinen Fall sei man »anti-sex« und »anti-love« . Ein enges Netzwerk von Freunden und Gleichgesinnten soll dabei helfen, den Gefühlshaushalt der Quirkyalones zu stabilisieren. Damit nicht passiert, was die Journalistin Heike Faller im »Kursbuch: Die 30-Jährigen« als ultimative Horrorvorstellung ihrer Generation beschreibt: »Alleine zu bleiben. Kinderlos. Bis man schließlich mit 60 beim Fensterputzen ausrutscht und zwei Jahre später skelettiert aufgefunden wird.«
      Freundeskreise als Familienersatz propagiert der amerikanische Sachbuchautor Ethan Watters bereits als neues Zeitgeist-Phänomen. Auch dem deutschen Lifestyle-Magazin Neon ist das Thema eine Titelstory wert. Watters bezeichnet die Zweckgemeinschaften der »never-marrieds« als »urban tribes« – Stämme von städtischen Singles mit eigenen Ritualen und Treffpunkten, vorzugsweise chicen Cocktailbars.
      "
            
         Hinsichtlich der Einschätzung des politischen Einflusses von Singles in Deutschland deckt sich HERBONs Sichtweise mit jener, die von single-generation.de vertreten wird:
            
         "In Deutschland leben 13 Millionen Menschen allein – Tendenz steigend. Das entspricht einem Drittel der Privathaushalte.
      Doch die Größe dieser wachsenden Minderheit spiegelt keinesfalls ihren Einfluss. Wahrscheinlich, weil es schwer fallen dürfte, ein gemeinsames Sprachrohr für ältere Frauen mit winziger Witwenrente und Ferrari fahrende Yuppies zu finden. So dienen Singles als Zielscheiben unterschiedlichster Couleur. Im krisengeschüttelten Sozialstaat werden sie schon mal als selbstsüchtige Hedonisten etikettiert und gegen generationenvertragstreue Familien mit Kindern ausgespielt.
      "
            
         Jetzt aber aufgepasst liebe Leser! Nun folgt der Clou! Der Artikel wird von single-generation.de nur als WICHTIG, NICHT ABER als SINGLEFREUNDLICH eingestuft. Der Grund ist einfach: HERBON argumentiert unredlich!
            
         Die Rede vom "schlafenden Riesen", der von einer Singlebewegung geweckt werden könnte, lässt sich nur durch eine Argumentation auf der Haushaltsebene rechtfertigen. Bereits 1/3 Singles. WOW! Und der Anteil steigt sogar noch. WOW! Der politische Einfluss von Ehe und Familie ist in Gefahr, soll das heißen. Her mit dem Familienwahlrecht würden jetzt die Familienfundamentalisten fordern.
            
         Dies ist auch der Grund, warum single-genreation.de in der Individualisierungsthese eine Ursache des derzeit entstehenden Familienfundamentalismus sieht. HERBON benützt die singlefeindlichen Strategien der Individualisierungsvertreter, die insgeheim Familienromantiker sind.
            
         Betrachtet man die Machtverhältnisse jedoch nicht auf der Haushaltsebene, sondern auf der Personenebene, dann wird deutlich, dass hier von HERBON ein Papiertiger aufgebaut worden ist.
            
         Bei der Bundestagswahl 2002 gab es gemäß FAZ vom 24.09.2002 ca. 61,3 Millionen Wahlberechtigte. Dem stehen jedoch nur ca. 13,5 Millionen Alleinlebende in Deutschland gegenüber, d.h. die
      Alleinlebenden stellen nur ca. 22 % der Wähler und nicht etwa 1/3, wie HERBON das suggeriert!

            
         Erst nachdem dies klar herausgestellt ist, kommt das zum Tragen, was HERBON als Interessenantagonismus deutlich gemacht hat.
            
         Die Heterogenität der Single-Haushalte ist jedoch noch gravierender.
            
         Grob gesagt, gibt es mindestens drei Interessengruppen innerhalb der statistischen Gruppe der Alleinlebenden, die sich aus der Stellung im Lebenszyklus ergeben:
            
         Alleinlebende sind in erster Linie Menschen vor der Familiengründung und in zweiter Linie Menschen, deren Kinder nicht mehr im Familienhaushalt leben. Dagegen sind Alleinlebende, die ihr Single-Dasein als Alternative zu Ehe und Familie betrachten eine Minderheit der Alleinlebenden.
            
         Diese lebenszyklischen Interessengegensätze der Alleinlebenden werden dann noch einmal durch die krassen Einkommensunterschiede innerhalb der statistischen Gruppe der Einpersonenhaushalte torpediert.
            
         Nur auf diese Einkommensunterschiede hebt jedoch HERBON ab.
            
         Nun dürfte auch dem letzten Leser klar geworden sein, warum dieser Artikel zwar in der familienfreundlichen Süddeutschen Zeitung erschienen ist, in dieser Form jedoch nie für single-dasein.de geschrieben worden wäre.    
 
   
  • CALONEGO, Bernadette (2004): Goldene Geschäfte mit Singles.
    Hätte der Kanadier Bruce Croxon seine Ehefrau übers Internet kennen gelernt, besäße er ein unschlagbares Marketingargument für seine Lavalife Inc., die zu den größten und erfolgreichsten Internet-Partnerbörsen in Nordamerika zählt,
    in: Der Standard v. 14.02.
    • Inhalt:
      "
      Lavalife ist nicht, wie etwa der US-Branchenführer Match.com Inc., vor allem auf die Eheschließung ausgerichtet. Die Internetseite www. lavalife.com bedient auch Kunden, die lockere Verbindungen wollen, und bietet einen Kontaktservice für Schwule und Lesben an", schreibt CALONEGO.
 
   
  • KNUST, Christine (2004): Weißt Du noch?
    Auf der Suche nach einer neuen Erinnerung rücken nun die neunziger Jahre ins populäre Visier,
    in: Welt v. 14.02.
    • Inhalt:
      "
      Die Generation der unter 30-Jährigen entdeckt die neunziger Jahre als goldenes Jahrzehnt", berichtet KNUST und liefert danach ein Potpourri der Stile u.a. heißt es dann: "Als Gegensatz zur modernen Spaßgesellschaft wuchs der Grunge"
 
   
  • FREUND, Wieland (2004): Gegen den Dampfhammer.
    Colson Whitehead singt in seinem Roman "John Henry Days" die grandiose Ballade vom richtigen Leben,
    in: Welt v. 14.02.
    • Inhalt:
      "
      Es ist 1996, die New Economy boomt, und das Jüngste Gericht des J. Sutter ist eine Travelwebsite. J. ist freiberuflicher Journalist und »Spesenritter«, ein Mann für beliebige Inhalte, der im Dienste wechselnder Auftraggeber »Jubelprosa« schreibt, den »Hintergrundhype« der Welt seit Gutenberg. Es rauscht.
      J. und seinesgleichen haben das Wesen des Hypes längst erfasst. Ihre Geschichten sortieren sie nach den ehernen Gesetzen des Neuen, der Nachricht. Ihre Unterscheidungen sind dabei rein formal und genau deshalb allgemeingültig anwendbar: J. und Kollegen schreiben über Bobs Durchbruch, Bobs Comeback oder Bobs anhaltende Hipness, wobei Bob Mensch, Produkt oder Idee sein kann, eine Band, ein Barbiturat, eine bunt bedruckte Briefmarke wie im auserzählten Fall", erläutert FREUND zum gerade erschienenen Roman "John Henry Days" von Colson WHITEHEAD.

            
         "Vor dem Hintergrund der Ballade von John Henry bietet Colson Whitehead dem Leser die Ballade von J. an. Sie erzählt vom Versuch der Selbstbehauptung eines Menschen in der Popkultur.
      Aufschreibesystemtheoretiker aus der Schule Friedrich Kittlers werden ihre helle Freude daran haben, wie Colson Whitehead sich in den historischen Passagen seines Romans am Mythos John Henry abarbeitet. Er erklärt diesen Mythos zum Produkt derer, die ihn fortschreiben, als Zeugnis ihrer Nöte und Ängste.
      Bis in die Anfänge der Industriegeschichte populärer Musik wird der Leser so geführt, lernt Sänger und Komponisten kennen, die ihre Variante der Ballade von John Henry auf Notenpapier, im Räderwerk des mechanischen Klaviers, auf Wachs oder Vinyl sehen wollen. (...).
      So erfährt der Leser von einem Veteranen der Jubelprosa, dass sogar die Flower Power-Bewegung ihren John Henry hatte. Für ein Konzert auf dem Altamont Speedway anno 1969 hatten die Rolling Stones die Hell's Angels als Ordner engagiert. In der Nacht ermorden die Angels einen schwarzen Konzertbesucher. »Wer weint um die verlorene Gegenkultur?«
      Der Rest ist Frage. Wie frei ist der Einzelne, verstrickt in die Verhältnisse? Wer hat denn eine Wahl? Kann man, kurzum, der Popkultur entkommen, die nicht besser ist als andere Kulturen auch?" stellt Anti-Popper FREUND die Systemfrage.
 
   
  • KREYE, Andrian (2004): Große Legende, Short Cuts.
    Mann gegen Dampfhammer: Heute erscheint Colson Whiteheads Roman "John Henry Days",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.02.
 
   
  • THEMA DES TAGES: BGH-Urteil zu Eheverträgen

    • HÖLSCHER, Astrid (2004): Von der Hausfrauenehe zur Patchwork-Familie.
      Das Familienrecht reflektiert an vielen Stellen ein verändertes Frauen- und Männerbild. Ein Spruch von 1953 zwang die Adenauer-Regierung, den Gleichstellungsgrundsatz ernster zu nehmen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 12.02.
    • RATH, Christian (2004): Dämpfer für dominante Gatten,
      Der Bundesgerichtshof verhindert, dass sich finanziell überlegene Ehepartner nach der Scheidung auf unfaire Eheverträge berufen können. Erstens darf keine Zwangslage ausgenutzt werden. Zweitens können Verträge richterlich angepasst werden,
      in: TAZ v. 12.02.
    • DROBINSKI, Matthias (2004): "Zu Gunsten der Ehe".
      Dieter Schwab, emeritierter Professor für Bürgerliches Recht in Regensburg und einer der renommiertesten Familienrechtler in Deutschland, begrüßt das BGH-Urteil,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 12.02.
 
     
   
  • KÜMMEL, Peter (2004): Wie man in Deutschland als Paar lebt.
    Leben in Deutschland (20). Ein Leben zu zweit, mit oder ohne Kinder, ist noch immer die große Glückshoffnung. Doch auf Dauer zusammenzubleiben gelingt immer seltener,
    in: Die ZEIT Nr.8 v. 12.02.
    • Kommentar:
      Politisch Korrektes über das Paarleben in Deutschland!
 
     
     
     
   
  • MENSING, Kolja (2004): Aramäisches Vaterunser.
    Ein Buch kommt heute selten allein: Um die Literatur "sinnlicher" zu machen, setzen Verlage auf die Kombination mit CD und DVD. Auch die Musikindustrie hofft auf Synergieeffekte durch die Allianz,
    in: TAZ v. 12.02.
 
     
   
  • MUTTER, Bettina (2004): Die Richtigen.
    Überalterung und Nachwuchsmangel: Die Schweiz braucht dringend gut qualifizierte, junge Einwanderer. Sonst droht dem Sozialstaat der Kollaps,
    in: Facts Nr.7 v. 12.02.
 
   
  • PRANTL, Heribert (2004): Eheverträge - sittenwidrig?
    Spätere Zahlung doch nicht ausgeschlossen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.02.
    • Inhalt:
      "
      Wenn dieses Urteil heute bestätigt wird, geht im Familienrecht die Epoche endgültig zu Ende, in der die Macht des (wirtschaftlich) Stärkeren das Recht diktierte. Dann ist die ehevertragliche Diskriminierung von Hausarbeit und Kindererziehung vorbei. Der wirtschaftlich stärkere Ehepartner erhält so Nachhilfe darin, was eheliche Solidarität bedeutet", belehrt uns PRANTL.
 
     
     
     
   
  • SCHRÖDER, Ralf (2004): New Sozi.
    Die SPD nach Schröders Rücktritt,
    in: Jungle World Nr.8 v. 11.02.
    • Inhalt:
      Der Titel widmet sich der SPD nach SCHRÖDERs Rücktritt. R. nicht G. SCHRÖDER kommentiert die bisherige Neue-Mitte-Politik:

            
         "Dass mittlerweile vielen öffentlichen und sozialen Infrastrukturen der endgültige Ruin droht, führen die Regierung und ihre vertrottelten neokeynesianischen Kritiker auf die aktuelle Wirtschaftsflaute zurück. In Wirklichkeit sind die öffentlichen Kassen leer, weil Rot-Grün die Großunternehmen und die Eliten der Republik von der Pflicht befreit hat, genügend einzuzahlen.
      Um ihre Täterschaft bei der Verschärfung des Klassenkampfes von oben zu vertuschen, erfand die SPD-Spitze zwei Ausreden. Erstens würde es unter der CDU für die kleinen Leute noch schlimmer kommen; zweitens werde man zum Ausgleich für materielle Verschlechterungen die Chancen auf Bildung und soziale Teilhabe ausbauen. Doch auch dieses Versprechen, von Schröder 2000 in seinem Manifest »Die zivile Bürgergesellschaft« mit viel Pomp bekräftigt, hat sich längst vor den realen Entwicklungen blamiert.
      Mit Studiengebühren, Elite-Universitäten und ihrer gesamten Schul- und Sozialpolitik restauriert die SPD zentrale Elemente jener starren ständischen Ordnung, für die die hiesige Bourgeoisie mit ihren traditionell vormodernen Orientierungen schon immer eine Vorliebe hatte. Was auf den ersten Blick wie ein Verstoß gegen die kapitalistische Vernunft aussieht, könnte auch eine vorausschauende Reaktion auf die langfristige Verknappung guter und prestigeträchtiger Jobs sein.
      "
 
   
  • BARTELS, Gerrit (2004): Trommeln mit dem Teufel.
    Nach den Buchskandalen der letzten Zeit: Das Haltbarkeitsfeuilleton schlägt zurück. Es verdammt den Zeitgeist, erkennt den Gesamtzustand der Literatur unserer Gegenwart als erbarmungswürdig und wartet seinerseits mit Büchern und Autoren auf, "deren Namen man auch in zwanzig Jahren noch kennt"
    in: TAZ v. 10.02.
    • Kommentar:
      Gerrit BARTELS beschäftigt sich mit den Verfechtern eines "Haltbarkeitsfeuilletons", zu dem Thomas STEINFELD und Helmut BÖTTIGER in letzter Zeit Feuilletonbeiträge lieferten, die sich vor allem durch einen antipopkulturellen Affekt auszeichneten. It's hip to be square!

            
         Zum Abschluss geht BARTELS auf das demnächst erscheinende Buch (Skandal ausgeschlossen!) von Helmut BÖTTIGER ein:
            
         "In seinem im März erscheinenden Buch »Nach den Utopien. Eine Geschichte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur« stellt er ausschließlich Autoren vor, »deren Werk bereits erkennbar ist und deren Namen man auch in zwanzig Jahren noch kennt«(...).
      In Auftrag gegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung bringt dieses Buch die Kids auf den rechten Literaturpfad und hat zum Schluss noch ein Wort zum Sonntag parat angesichts des Pop-Hypes der letzten Dekade, »in der die Realität schneller gewesen sei als die Kunst«: »Literatur, die auch Politik sein möchte, erzählt davon, [von der schnellen Realität], statt darauf zu schielen, selbst zum Medienereignis zu werden.«
      (...).
      »Was ist Literatur?« heißt Böttigers Einleitung, gefolgt von »Was ist Kritik?« Hier muss eben der große Überbau her, hier muss ein Bedenkenträgertum bezüglich des Überhandnehmens von Service, Unterhaltung oder Quote gleich mit ins Rennen geschickt werden. Dass Böttiger aber eine Christa Wolf auf sieben und einen Martin Walser auf zehn Seiten vorstellen kann (...) - das will schon was heißen. Da scheinen auch die Verfechter der guten, wahren, schönen und haltbaren Literatur nach der Devise zu verfahren: Vom Zeitgeist lernen heißt siegen lernen.
      "  
 
   
  • SPIEGEL, Hubert (2004): Neue Stufe im Streit um Thor Kunkels "Endstufe",
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.02.
    • Inhalt:
      Hubert SPIEGEL kann das Verhalten von Rowohlt-Verleger Alexander FEST nicht mehr nachvollziehen:

            
         "Daß ein Verleger aus einer gestrichen Manuskriptpassage zitiert, um seinen Autor zu diskreditieren, hält Kunkel für unredlich: »Ich finde Alexander Fests Verhalten grauenvoll.» Fest räumt im Gespräch ein, daß sein Vorgehen nicht den Verlagsusancen entspricht und gibt den Vorwurf zurück: »Thor Kunkel hat das Vertrauensverhältnis als erster zerstört.«
      Endstufe? Ja, leider. Denn schlimmer kann die Form, in der hier im Namen der Literatur gestritten wird, nicht mehr werden. Sie läßt den Betrachter fassungslos zurück.
      "
 
   
  • SCHULZE, Gerhard (2004): Willkommen in der Warteschleife.
    Sich selbst überlassen hocken die Naturwissenschaften in der ewigen Abflughalle einer antiquierten Moderne,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.02.
 
     
   
  • Der wichtige Artikel
    KIESER, Albrecht (2004): Demographie und Demagogie.
    Über die "unumstößlichen" Grundlagen der Schröderschen "Agenda 2010",
    in: junge Welt v. 09.02.
    • Kommentar:
      Während Kanzler SCHRÖDER das Weiter-So der Agenda 2010 durch den Rücktritt vom Parteivorsitz retten möchte, bröckelt die mediale Einheitsfront.

            
         Lange Zeit stand Single-dasein.de mit dem Vorwurf, die Prognosen des nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG seien unrealistisch, fast völlig alleine.
            
         Der Journalist Detlef GÜRTLER hatte dann im August 2003 in der Welt zur neuesten Prognose geschrieben:
            
         "Man kann solche extrem unwahrscheinlichen Annahmen treffen. Die wissenschaftliche Redlichkeit würde dann allerdings erfordern, noch mindestens eine andere Annahme durchzurechnen. Zum Beispiel die Bevölkerungsvorausberechnung der Vereinten Nationen, die Deutschland im Jahr 2050 eine Geburtenrate von 1,64 prognostiziert. Das Statistische Bundesamt hingegen hat zwar diverse unterschiedliche Wanderungs- und Lebenserwartungsszenarien beschrieben, die Geburtenrate aber konstant bei 1,4 belassen. Warum? Unter anderem um »den Handlungsdruck auf die Politik aufrechtzuerhalten«, wie einer der Beteiligten ebenso freimütig wie anonym zugab."
            
         Das passte damals jedoch nicht zur politischen Stimmung, weswegen der Artikel in der Mitte-Presse keinerlei Widerhall fand.
            
         In der jungen Welt (17./18.02.2003) berief sich z.B. Manfred SOHN in einer zweiteiligen Serie ausdrücklich auf die Prognosen von Herwig BIRG, um den Geburtenrückgang zu dramatisieren.
            
         Nun wird erstmals ein Statistikprofessor, Gerd BOSBACH, als Kritiker der Prognose mit Namen genannt:
            
         "die demographische Prognose von der unbezahlbaren Überalterung ist offensichtlich Humbug, wie jetzt ein Statistikprofessor aufgedeckt hat, der selbst jahrelang im Statistischen Bundesamt tätig gewesen ist. Gerd Bosbach lehrt heute an der Fachhochschule Koblenz Statistik, Mathematik und Empirik, und was er Hahlen vorhält, unterstreicht einmal mehr, daß sich das derzeitige Sozialabbauprogramm auf gewagte Kaffeesatzleserei und bewußte Halbwahrheiten stützt.
      Drei Haupteinwände hält Gerd Bosbach den »vorgegebenen und unausweichlichen« Prognosen (...) entgegen: Erstens sei eine Bevölkerungsprognose bis zum Jahre 2050 als Grundlage politischer Entscheidungen heute schlicht untauglich.
      Hätte man z. B. 1953 eine Prognose für 2000 als zielsicher und handlungsleitend ausgegeben, hätte man millionenfach daneben gelegen: Wegen Anwerbeverträgen für »Gastarbeiter«, Pillenknick und 1989er Zusammenbrüchen, von mehreren Kriegen und entsprechenden Fluchtbewegungen ganz zu schweigen.
      Nicht von ungefähr betrug die »Gültigkeitsdauer« der letzten neun Bevölkerungsprognosen des Statistischen Bundesamtes im Schnitt vier Jahre. Einige Vorgängerprognosen mußten sogar gänzlich über den Haufen geworfen werden.
      Die Prognose (...) unterschlägt – das ist das zweite Argument von Gerd Bosbach – wesentliche demographische und ökonomische Größen. So kommt (...) nicht vor, daß auch unproduktive Kinder und Jugendliche ernährt werden müssen. Rechnet man aber diese Bevölkerungsgruppe in die Prognose ein, dann müssen heute hundert Menschen zwischen 20 und 60 Jahren 82 Junge und Alte ernähren. Im Jahre 2050 würden es 112 Junge und Alte sein. Nicht 80 Prozent mehr als heute sondern 40 Prozent mehr. Und nur zwölf Prozent mehr als 1970, als 100 Erwerbsfähige 100 Junge und Alte ernährten. Solche undramatischen Zahlen enthält auch die offizielle Bevölkerungsvorausberechnung. Aber der Präsident des Amtes, die hohe Politik und die Medien wollen sie offensichtlich nicht zur Kenntnis nehmen.
      Eine andere Zahl wird von den Bundesdemographen allerdings komplett ausgeblendet: die absehbare, steigende Arbeitsproduktivität.
      "
            
         Wenn jetzt plötzlich die Prognose selbst in der Kritik steht, dann zeigt dies, dass die Agenda 2010 viel grundsätzlicher zur Disposition steht, als dies die Mitte-Politiker glauben machen wollen.
 
   
  • HARTMANN, Michael (2004): Elite und Masse.
    Durch herausgehobene Leistungsträger nimmt die Spaltung der Gesellschaft immer mehr zu und sie wird undemokratischer,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.02.
 
   
  • CALONEGO, Bernadette (2004): Lavalife verkuppelt Singles im Internet.
    Das Glück kommt per Doppelklick. Kanadier hoffen auf Geschäfte mit Millionen Kunden und wollen ihr Angebot nach Deutschland exportieren,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
 
   
  • WALTER, Franz (2004): Lust der Mitte.
    Die SPD muss sein, wie sie in Wahrheit ist,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.02.
    • Kommentar:
      Zu WALTERs Analyse ist nichts mehr hinzuzufügen, denn präziser lässt sich das Dilemma der SPD und seines designierten Wundenheilers nicht beschreiben:

            
         "Eigentlich kann der Mann nur scheitern. Denn drei Aufgaben müsste Müntefering zugleich lösen. Er muss die Sozialdemokraten regierungs- und zukunftsfähig halten; er muss ihr heftiges Identitätsverlangen stillen; und er muss ihre abtrünnigen Wähler zurückholen. Doch all diese drei Aufgaben stehen in einem heftigen Kontrast zueinander. Und überdies: für alle drei Aufgaben ist Müntefering im Grunde gar nicht der richtige Mann."
            
         WALTER rechnet aber auch mit unserer neoliberalen Elite ab:
            
         "In den Modernisierungsmilieus dieses Landes muss man locker englisch parlieren, mit großer Geste von Synergieeffekten reden und sich kalt und höhnisch von der Sozialstaatlichkeit verabschieden können, um hier wirklich Resonanz zu finden und zu punkten. Auf die Müntefering-SPD werden diese Menschen immer nur mit herablassender Verachtung hinabsehen. So lief das historisch schon immer ab. Hin und wieder brauchte das Bürgertum in schwierigen Zeiten die Scheidemanns, Eberts und Ollenhauers – oder eben die Münteferings. Aber ernsthaft akzeptiert hat die deutsche Bourgeoisie die korrekten, anständigen und verantwortungsbewussten sozialdemokratischen Anführer nie."
            
         Den sozialen Aufsteigern der SPD wirft WALTER vor, dass sie sich zwar gerne als "Schutzmacht der Entrechteten" aufspielen, aber weit davon entfernt sind, dies auch tatsächlich zu sein:
            
         "Die Sozialdemokraten des Jahres 2004 sind Menschen, die längst angekommen sind, arriviert, durchaus wohlständig, im Kern saturiert. Doch weigern sie sich merkwürdigerweise, ihre gesellschaftliche Position, ihre soziale Lage und ihren kulturellen Ort auf den politischen Begriff zu bringen. Sie sind bundesdeutsche »Mitte«, aber sie wollen das partout nicht aussprechen und sich eingestehen. Sie befinden sich im wirklichen Leben keineswegs im quälenden oder gar kämpferischen Hader mit der bürgerlichen Gesellschaft, sie tun aber in papierenen, routiniert verfassten Parteitagsresolutionen so, als wären sie nach wie vor die Emanzipationskraft der Entrechteten. Die Sozialdemokraten der Geburtsjahrgänge 1941 bis 1945, die weiterhin die mit Abstand stärksten Bataillone in der Partei und ihrem Funktionärskorps bilden, haben vor dreißig Jahren ihre politische Biographie kritisch, oppositionell, kämpferisch begonnen. Das hat sie sozial, gesellschaftlich, auch politisch weit geführt, das hat sie erfolgreich aufsteigen lassen, hat sie am Ende gesellschaftlich integriert – und schließlich verändert. Doch schauen sie immer wieder melancholisch auf ihren lebensgeschichtlichen Ursprungsimpuls zurück, auch wenn nichts davon ihr gegenwärtiges Handeln noch bewegt."
            
         WALTER sieht im Bekenntnis zur "sozialen" Mitte die Chance der SPD:
            
         "Müntefering ist – wie die Sozialdemokratie insgesamt – Mitte. Und genau darin könnte dann doch vielleicht eine Chance für ihn und seine Partei liegen. Müntefering ist, denkt, handelt so wie die meisten Deutschen. Er weiß, dass sich Wirtschaft und Gesellschaft ändern müssen. (...).
      Das Motto vom sozialen Ausgleich mag dem Feuilleton langweilig klingen. Aber Müntefering hält es für richtig und wird sich daran politisch orientieren.
      Eben so, exakt so, sieht es indes auch die breite Mitte der deutschen Republik. Sie ist auf störrische Weise anders, als es die Meinungs- und Wirtschaftseliten gerne hätten. Die deutsche Mitte tickt nicht wie der Chef von McKinsey, wie die Mitglieder der Herzogkommission, wie professorale Wirtschaftsgutachter – oder wie Friedrich Merz. Die deutsche Mitte ist ziemlich münteferingisch. (...). Er muss den Sozialdemokraten lediglich beibringen, dass sie sich politisch dazu bekennen, was sie gesellschaftlich längst und unspektakulär sind: Mitte nämlich – vernünftige, leistungsorientierte, sozial ausgleichende, unelitäre Mitte.
      "
            
         Das Bekenntnis zur sozialen Mitte heißt jedoch letztlich, dass die Unterschicht sich selbst und selbsternannten Sozialpopulisten überlassen bleibt:
            
         "in den Vorstadtsilos der deutschen Städte wollen die Gestrandeten und Marginalisierten von einem solchen Bildungs- und Arbeitspaternalismus nichts hören. Das sozialdemokratische »Fordern und Fördern« spiegelt nicht ihre zerstörte, aussichtslose Lebensgeschichte. Müntefering wird daher nie zum Hoffnungsträger dieser neudeutschen Unterschichten avancieren. Dort reüssiert bekanntlich europaweit ein ganz anderer Typus, der hierzulande allerdings bislang noch nicht aus dem politischen Schlamm hervorgekrochen ist."
 
   
  • PROFIL (2004): Gesellschaft: Rezession, Mauserl!
    In den Neunzigern sah es kurz so aus, als sei es ein Privileg, Frau zu sein, und als könnten die Frauen sich jeden Tag neu und frei entscheiden, wie sie es sein wollten. Doris Knecht über die Ernüchterung im neuen Jahrtausend – und warum nur „Sex and the City“ hilft,
    in: Profil Nr.7 v. 09.02.
    • Inhalt:
      "
      Die coolen so genannten Girlies, die in den Neunzigern die Nase, wenn schon nicht vorn, dann zumindest oben und die Pappn offen hatten, die waren ja damals auch schon um die 30, dann kam das neue Jahrtausend, und plötzlich waren sie 35 und 40. Und 35, 40 ist natürlich ein verfluchtes Alter für Frauen. Weil: Die Kinderfrage muss entschieden werden; ja oder nein, für vielleicht ist keine Zeit mehr",
            
         heißt das Dilemma der postfeministischen Frau. Da die Welt alles andere als erfreulich ist, bleibt den Österreicherinnen jetzt nur noch das Warten auf die letzte Staffel von "Sex and the City" im ORF:
            
         "Die Botschaft jedenfalls lautet: Eine Frau sollte sich lieber auf niemanden verlassen als auf sich selbst (und ein bisschen auf die besten Freundinnen). Es ist zwar nett, einen Mann zu haben, aber es wird dich nicht retten. Rechne auf keinen Fall damit, dass es die Welt da draußen gut mit dir meint – mach halt das Beste daraus. Und vor allem: Die Neunziger sind vorbei, als es so aussah, als könntest du alles kriegen und alles sein, wenn du nur willst. Was immer das ist. Auch Fußballerin."
 
   
  • MAYER, Verena (2004): Die Prinzenrolle.
    Asfa-Wossen Asserate bringt den Deutschen Manieren bei – mit einem Buch, das ein Bestseller geworden ist. Sogar Gerhard Schröder beruft sich auf den äthiopischen Adeligen. Die Analyse eines Erfolgs,
    in: Tagesspiegel v. 08.02.
    • Kommentar:
      Muss es denn immer die Wahrheit sein? fragt Verena MAYER und meint, dass der gute Zweck (den Deutschen Manieren beizubringen) die Mittel heiligt:

            
         "Fälle von Fälschen oder Abschreiben mit deutscher Gründlichkeit zu ahnden, liegt im Interesse jener, deren geistiges Eigentum geklaut wurde. Was aber, wenn jemandem beim Helfen schlicht die eigene Brillanz durchgegangen ist? Natürlich, ein Hinweis hätte nicht geschadet (vergleiche: Dieter Bohlen mit Katja Kessler). Schon deshalb, um den Unterstützten vor der Peinlichkeit der Erklärungsnot zu bewahren. Besonders in Hinblick auf den 19. Februar, denn da wird Asfa-Wossen Asserate der Chamisso-Preis übergeben, ein Preis, mit dem der Autor für seinen Stil ausgezeichnet wird. Aber muss es denn wirklich immer »Nichts als die Wahrheit« sein?
      Was sind denn Manieren? Manieren sind der gekonnte Umgang mit Echt und Gekünstelt, ein Spiel, das den Menschen davor bewahrt, immer er selbst sein zu müssen, »das Parfum, das vergessen lässt, dass wir stinken, und wie beim Parfum ist es klug, sich Manieren anzueignen, die mit den persönlichen Gegebenheiten nicht in kreischendem Gegensatz stehen, sondern sie glücklich ergänzen«, wie es im Kapitel »Der schöne Schein« heißt.
      "
 
   
  • MELLER, Marius (2004) Unter Verdacht.
    Der Streit um Thor Kunkels Nazi-Roman "Endstufe" eskaliert,
    in: Tagesspiegel v. 08.02.
    • Kommentar:
      Im elitären Kulturbetrieb wird mit zweierlei Maß gemessen.

            
         Ist sich das Establishment beim Manieren-Buch über das Motto einig: "Ein bisschen Spaß muss sein", kennt man bei Thor KUNKEL keinen Spaß
            
         Image-Designer wie Thomas STEINFELD, die HOUELLEBECQ ("ein schlechter Autor", aber offensichtlich ein Autor, der den richtigen Kampf kämpft) vehement verteidigen, kennen plötzlich nicht mehr den Unterschied zwischen Romanfiktionen und Sachbüchern. Sie verwechseln dann schon einmal Marketingsprüche in Verlagsprospekten mit Romaninhalten.
            
         Henrik M. BRODER hat im Spiegel nun die Vorwürfe gegen KUNKEL auf die Spitze getrieben, wie MELLER berichtet.   
 
   

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Zu den News vom 01. - 07. Februar  2004

 
       
   
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