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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 09. - 28. Februar 2017: [09.02.] [10.02.] [11.02.] [12.02.] [13.02.] [14.02.] [15.02.] [16.02.] [17.02.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Die Annahme einer sich ausbreitenden Kultur der Kinderlosigkeit muss revidiert werden

"Entgegen der Annahme der sich ausbreitenden »Kultur der Kinderlosigkeit« zeigen die Daten, dass Kinderlosigkeit nicht ganz so oft als gesellschaftlich »normal« bewertet wird. Die Trennlinie verläuft offenbar direkt unter der Zweikindnorm. Die Abweichung nach unten, sei es durch Kinderlosigkeit oder durch die Einkindfamilie charakterisiert, werden auch von der Gesellschaft, so wird es individuell wahrgenommen, als Normabweichung sanktioniert"
(aus: Sabine Diabaté & Kerstin Ruckdeschel "Gegen den Mainstream", Zeitschrift für Familienforschung, Heft 3, S.350)

 
       
       
   

17.02.2017

 
       
   
HANDELSBLATT-Wochenendthema: Die deutsche Mitte.
Angst vor dem Absturz

ESCHBACH, Hans u.a. (2017): Das geteilte Land.
Rund die Hälfte der Deutschen blickt sorgenvoll in die Zukunft - obwohl es den meisten materiell gut geht. Doch die Ängste um Job, Altersvorsorge und persönliche Sicherheit sind groß. Es hat sich herumgesprochen: Die Mitte ist kein sicherer Ort mehr,
in:
Handelsblatt v. 17.02.

"Die Fahrzeug- und Waffenindustrie hatte bis in die 1980er-Jahre viele Arbeiter in die Stadt gezogen. Mit der Wende gingen die Hersteller pleite. Ihr Ende leitete den Exodus aus Suhl ein, der bis heute andauert. 1995 lebten noch rund 50.000 Menschen in Suhl, 2015 waren es nur noch rund 36.000. Laut Prognosen sinkt die Einwohnerzahl weiter. Vor allem junge Leute haben Suhl verlassen. Nirgendwo sonst in Deutschland ist die Bevölkerung seit 1995 so stark gealtert",

schildern die  Autoren, nur um diese Situation auf die letzte Landtagswahl im Thüringer Wahlkreis Suhl/Schmalkalden-Meiningen IV zu beziehen, deren Ergebnis sie folgendermaßen beschreiben:

"Bei der letzten Landtagswahl in Thüringen entfielen im Wahlkreis Suhl/Schmalkalden-Meiningen IV exakt 50 Prozent der Stimmen auf Linkspartei, AfD und NPD. Auf Parteien also, die dem bundesrepublikanischen System aus Marktwirtschaft und liberaler Demokratie in mehr oder weniger ausgeprägter Fundamentalopposition gegenüberstehen."

Schaut man das Ergebnis des Wahlkreises genauer an, dann errang in diesem Wahlkreis die Linkspartei 35,7 % der Landesstimmen, die AfD kam dagegen nur auf 10,7 % und die NPD auf 3,6 %. Mit Fundamentalopposition ist also nicht in erster Linie diejenige gegen die liberale Demokratie gemeint, denn die rechten Parteien AfD und NPD kamen zusammen "nur" auf 14,3 %, sondern gegen die Marktwirtschaft. Das Attribut "sozial" zur Marktwirtschaft haben die Autoren erst gar hinzugefügt.

Vergleicht man den Wahlkreis mit dem Landtagergebnis, dann zeigt sich zudem, dass der Wahlkreis hinsichtlich AfD (Wahlkreis: 10,7 %/Landtag: 10,6 %) und NPD (Wahlkreis: 3,6 % /Landtag: 3,6 %) repräsentativ ist, lediglich die Linkspartei fällt aus dem Rahmen: 35,7 % gegenüber 28,2 % für ganz Thüringen.

Und nicht zuletzt wird das Ergebnis im Wahlkreis von den Autoren in die Nähe des Wahlsiegs von Donald TRUMP in den USA gerückt. Dies ist umso absurder als TRUMP mit dem Programm der Linkspartei nichts gemein hat.

Was also wollen die Autoren eigentlich mit dem Beispiel Suhl belegen? Dass der Niedergang einer Arbeiterstadt dem Rechtspopulismus in die Hände spielt? Das wäre naheliegend, denn die Autoren gehen danach auf die Gefahr des Rechtspopulismus in den Niederlanden und Frankreich ein. Suhl wäre vor diesem Hintergrund eher ein Beleg für die abweichende Situation in Deutschland.

Der Populismusbegriff der Autoren bezeichnet im Grund nichts anders als den Gegenbegriff zum FDP/CDU/CSU/SPD/Grünen-Mainstream und ist dadurch kein analytischer Begriff, sondern ein ideologischer Begriff. Das Establishment igelt sich in seiner Mainstreamfestung ein und hofft, dass es doch nicht so schlimm werden wird.

Hervorgehoben wird von den Autoren das Buch Sleeping Giant von Tamara DRAUT, in dem die Front zwischen Akademikern und Nicht-Akademikern gezogen wird. Aber ist eine solche Frontstellung überhaupt typisch für die aufbrechenden Konflikte in den Industrieländern? Die Beschreibung entspringt eher den Abgrenzungsbedürfnissen unserer Eliten und weniger der gesellschaftlichen Realität.

Die Autoren wollen uns Lesern klarmachen, dass unsere gefühlte Ungleichheit postfaktisch ist. Dazu präsentieren sie uns eine Studie, in denen die ungleichen Markteinkommen den weit gleicheren Nettoeinkommen gegenüber gestellt werden. Anders formuliert: Der Sozialstaat ist in Deutschland eine große Umverteilungsmaschine. Die Studie hat jedoch einen gewaltigen Haken, denn er berücksichtigt nur die unter-60-Jährigen, denn bei den über-60-Jährigen kehrt sich die Sachlage um, denn in keinem EU-Land wurden die Renten derart drastisch gekürzt wie in Deutschland, weshalb das IW Köln vor einiger Zeit die Erhöhung des Renteneintrittsalters damit begründet hat, dass der Sozialstaat an den geringen Alterseinkommen schuld sei. Es kommt eben immer darauf an, was man mit Studien beweisen will!

Fazit: Der Artikel ist eine Beruhigungspille. Soziale Ungleichheit oder zunehmende Altersarmut? Alles nur unsere Einbildung. Der soziale Aufstieg ist ein Problem? Keineswegs, denn bei uns gibt es keinen sozialen Abstieg auf breiter Front! Lediglich die Steuern sind unserer Elite ein Dorn im Auge. Davon profitiert die privilegierte obere Mittelschicht und die Einkommensoberschicht wenigstens am meisten, dafür wird dann bei den Sozialleistungen gespart, die Gering- und Schlechterverdienern mehr entgegenkommen würden. 

RICKENS, Christian & Thomas TUMA (2017): "Die Politik hat zu lange zu vieles schleifen lassen".
Die Allensbach-Chefin über die Folgen der Kölner Silvesternacht, Unsicherheiten und Zukunftsängste der Deutschen sowie die Prognosekraft der Zunft,
in:
Handelsblatt v. 17.02.

 
       
   

Der IAB-Kurzbericht Arbeitskräfteangebot sinkt auch bei hoher Zuwanderung in den Medien

SPECHT, Frank (2017): Die Arbeitskräfte verschwinden.
Demografie: Nur mit 400.000 Zuwanderern pro Jahr könnte Deutschland die Zahl der Erwerbspersonen bis 2060 stabil halten - doch das erscheint unrealistisch,
in:
Handelsblatt v. 17.02.

Frank SPECHT gibt den IAB-Kurzbericht von Johann FUCHS, Doris SÖHNLEIN und Brigitte WEBER wieder, ohne dessen überholten Grundannahmen zu kritisieren. So wird in der Projektion eine konstante Geburtenrate von 1,427 angenommen, obwohl diese inzwischen schon bei 1,5 liegt. Der aktuelle Demografiebericht geht von einem Geburtenanstieg auf 1,6 aus. Allein ein solcher Anstieg würde zu rund 1 Million Erwerbspersonen mehr führen. Bereits bei einem Wanderungssaldo von 300.000 wäre die Anzahl der Erwerbspersonen nahezu konstant.

Fazit: Von einem demografiebedingten Arbeitskräftemangel kann keine Rede sein. 

 
       
   

Massenflucht aus der privaten Altersvorsorge: Baden-Württembergs Landestagsabgeordnete kehren reumütig zur Pension zurück

SOLDT, Rüdiger (2017): Vertrauensspeck aufgebraucht.
Das Scheitern der Neuregelung der Altersversorgung im Südwesten schadet auch der Koalition,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 17.02.

 
       
   

Die Künstlersozialkasse in der Debatte

RITZER, Uwe (2017): "Man hat permanent Existenzängste".
Monika Baumgartner kennt den Gang zum Arbeitsamt - obwohl sie eine feste Serienrolle im Fernsehen hat. Ein Gespräch über Sparsamkeit, Älterwerden und die Frage, warum unklar ist, wie viel Rente sie bekommt,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 17.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

FORSTER, Christof (2017): IV vor neuer Sparrunde.
Bürgerliche Parteien geht die Reform der Invalidenversicherung zu wenig weit,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.

FORSTER, Christof (2017): Bundesrat sieht IV auf Sanierungskurs.
Die neue Reform der Invalidenversicherung kommt ohne Sparziel daher,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.

STALDER, Helmut (2017): Optimismus allein reicht nicht.
Kommentar: Invalidenversicherung,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.02.

 
       
   

16.02.2017

 
       
   

Politikerinnen als Müttervorbild in der Debatte

THADDEN, Elisabeth von (2017): Müttermacht.
Rechts oder links: Der neue Bauch ist politisch,
in:
Die ZEIT Nr.8 v. 16.02.

"Schwangerschaft ist das unweigerlich Sichtbare des sexuellen Menschen, in alternden Gesellschaften ist sie der verkörperte Verweis auf die Zukunft, und sie offensiv zu zeigen ist heute ein politischer Akt",

erklärt uns die Adlige Elisabeth von THADEN anlässlich eines öffentlichen Auftritts von Frauke PETRY (AfD), die ihr fünftes Kind erwartet.

Mit der Politikwissenschaftlerin Elisabeth WEHLING könnte man dies als politisches Framing beschreiben. Man kann die Darstellung der Gouvernantenadligen in eine Reihe von Feuilletondiskursen der letzten 15 Jahre stellen, der sich von der Rückkehr des Patriarchats (Philip LONGMAN) bis zum "Oversexed, Underfucked"-Diskurs entspannt hat und damit die Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte im Zeichen einer Demografisierung gesellschaftlicher Probleme vorangetrieben hat. Der Rechtspopulismus ist kein Unfall der Geschichte, sondern das Ergebnis eines politischen Framing, mit dem unsere obere Mittelschicht und die Oberschicht ihre Besitzstände gegen den Rest der Gesellschaft zu verteidigen versucht.

 
       
   

Die Entwicklung der Mittelschicht in der Debatte

KRAMER, Bernd (2017): Kaputter Fahrstuhl.
Zukunft: Die Eltern hatten sichere Jobs und einen sorgenden Sozialstaat. Und die Jüngeren? Werden diesen Wohlstand wohl nicht mehr erreichen, heißt es immer häufiger ein Szenario,
in:
Freitag Nr.7 v. 16.02.

Bernd KRAMER, Jahrgang 1984, beschreibt ein Zukunftsszenario des Jahres 2057, das genauso gut aus den 1980er Jahren hätte stammen können, wenn man von dem technologischen Schnickschnack absieht. KRAMER versucht uns das Konzept der Generationengerechtigkeit schmackhaft zu machen - das Gegenteil erreicht er jedoch, denn offenbar ist nicht Generationengerechtigkeit, sondern die Klassengesellschaft das Problem, d.h. die großen Unterschiede innerhalb einer Generation. Deshalb schlängelt sich das Wochenthema auch immer wieder von einem Pol zum anderen Pol des Problems, ohne dass dadurch das Konzept der Generationengerechtigkeit einleuchten will.

Angeblich war früher die Zukunft gewiss. Dabei entsteht Gewissheit immer nur im Rückblick, während jede Zukunft ungewiss ist. Betrachtet man die Prognosen, die uns im Nachkriegsdeutschland um die Ohren gehauen wurden, dann sah unsere Zukunft spätestens seit den 1970er Jahren ziemlich schwarz aus. Dumm nur, dass kaum etwas davon eingetroffen ist. Heute ist das nicht anders!  

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Mehr Geld für Rentner.
Die Bundesregierung bringt zwei Rentengesetzte auf den Weg. Vor allem für Ruheständler im Ost und Erwerbsgeminderte gibt es höhere Leistungen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 16.02.

SIEVERS, Markus (2017): Rentengrenze fällt im Jahr 2025.
Bundesregierung schafft Einheit. Junge Leute im Osten werden schlechtergestellt,
in: Frankfurter
Rundschau v. 16.02.

LAMBECK, Fabian (2017): Kabinett beschließt Rentenangleichung.
Der Rentenwert Ost soll auf Westniveau steigen, die Hochwertung der Löhne im Gegenzug wegfallen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 16.02.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

FROMME, Herbert (2017): Versicherer Ergo kürzt in Nürnberg.
Eigene Angebote einer Tochter werden eingestellt. Der Standort soll ein digitales Betreuungszentrum werden,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 16.02.

 
       
   

Die Rürup-Rente in der Debatte

MODLER, Isabelle (2017): Für wen sich Rürup lohnt.
Besonders Gutverdiener, die hohe Steuern zahlen, können bei der Altersvorsorge sparen,
in:
Welt v. 16.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SAUTER, Regine (2017): Chancen zur Modernisierung nutzen.
Gastkommentar: Altersvorsorge 2020,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.02.

 
       
   

15.02.2017

 
       
   

Die Erwerbsminderungsrente in der Debatte

ÖCHSNER, Thomas (2017): 50 Euro plus im Monat.
Für manche steigt die Erwerbsminderungsrente,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 15.02.

Thomas ÖCHSNER berichtet über den Kabinettsbeschluss zur Erwerbsminderungsrente, von dem nur die Neurentner unter den Erwerbsminderungsrentnern profitieren. Lediglich die Kritik des Sozialverband VdK wird von ÖCHSNER bei seiner Darstellung berücksichtigt. Einen Wegfall der Abschläge, die der VdK fordert, lehnt die Bundesregierung ab, denn sie unterstellt den Arbeitnehmern, dass sie dann statt der Frührente lieber Erwerbsminderungsrente beziehen würden. Dieses Argument ist fadenscheinig und soll lediglich verschleiern, dass es hier lediglich um Kosteneinsparungen geht.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

GENTRUP, Anna (2017): Die große Abwicklung.
Der Verkauf von Versicherungsbeständen wird immer beliebter,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 15.02.

Anna GENTRUP macht Werbung für Abwicklungsplattformen, mit denen sollen sich Lebensversicherer zu Lasten der Kunden sanieren:

"Bei der Digitalisierung, die Versicherern hohe Millionensummen kostet, setzt die Abspaltung von unrentablem Altgeschäft dringend benötigtes Kapital frei",

heißt es dazu verschleiern bei GENTRUP. Anders formuliert: Um die Riesterreform Anfang der Nuller Jahre durchzusetzen, haben uns die Lebensversicherer mit hohen Renditen geködert. Nun wollen sie davon nichts mehr wissen. Vielmehr wollen sie die damaligen Versprechen mittels Verkauf an spezielle Run-off-Plattformen entsorgen. Warum aber sollen die Kunden die Kosten der Digitalisierung tragen und nicht z.B. die Investoren? Diese naheliegende Frage wird von GENTRUP als Lobbyistin der Versicherungswirtschaft ausgeblendet. Sie geht stattdessen noch weiter, um die Risiken der Kunden zu verharmlosen:

"Geht ein Versicherer an seinen Altlasten zugrunde, sind es in erster Linie die Kunden, die darunter leiden. Die europäische Aufsicht Eiopa hat nichts gegen den Bestandsverkauf einzuwenden - sofern die Kunden dadurch nicht schlechter gestellt werden."

Wer bitte entscheidet, wann Kunden nicht schlechter gestellt werden? Die Versicherer und auch nicht die Aufsicht sind Interessenorganisationen der Kunden. Wer also sorgt dann dafür, dass Kunden nicht schlechter gestellt werden? Offensichtlich fehlt hier eine starke Instanz der Verbraucher. Die Lobbyisten der Versicherungswirtschaft, die über die EU den Verbraucherschutz auszuhebeln versuchen, wollen die Kunden den Abwicklungsgesellschaften in die Arme treiben:

"Beispielsweise soll geklärt werden, ob die Aufsicht das Recht bekommen soll, bei schwächelnden Versicherern einzugreifen und sie zur Bestandsabgabe zu verpflichten."

Der Begriff "schwächelnd" ist ein sehr dehnbarer Begriff, der zu Lasten der Kunden ausgelegt werden kann und sicher auch wird. Geht es um die Profite der Lebensversicherer, dann stehen die Kundeninteressen ganz am Ende!

 
       
   

Die betriebliche Altersvorsorge in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Betriebsrenten sollen noch stärker gefördert werden.
Die Bundesregierung will die betriebliche Altersversorgung stärken. Den Abgeordneten geht ihr Gesetzentwurf aber nicht weit genug. Die CDU erwägt neue Regeln für Sozialbeiträge und "sanften Druck",
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 15.02.

Anlässlich der bevorstehenden Lesung des Betriebsrentenstärkungsgesetzes im Bundestag, berichtet Dietrich CREUTZBURG über Änderungswünsche von CDU-Abgeordneten, die sich gegen die Bevorzugung des Sozialpartnermodell richten und den Arbeitgebern mehr Profitmöglichkeiten eröffnen sollen. So will Peter WEIß den Arbeitgeberzuschuss von 15 Prozent allen Wegen der betrieblichen Altersvorsorge zukommen lassen und nicht nur dem Sozialpartnermodell. Dies soll die Doppelverbeitragung bei den Krankenkassenbeiträgen kompensieren, was es natürlich nicht tut.

Entscheidender ist dagegen, dass nicht nur Geringverdiener (Einkommen von bis zu 2.000 Euro im Monat), sondern auch Verdiener mit höheren Einkommen (eine Grenze wird nicht genannt) bei der Anrechnung auf die Grundsicherung profitieren sollen. Dies ist in erster Linie ein Steuersparmodell für die Arbeitgeber:

"der Arbeitgeber soll sich von Beiträgen bis 480 Euro im Jahr dann 30 Prozent durch eine Verrechnung mit der Steuer wiederholen können."

Man könnte das als Kompensationsmodell für die Arbeitgeber betrachten: Der Arbeitgeberzuschuss würde also letztlich zu Ausfällen bei den Steuereinnahmen führen.

Zum Schluss berichtet CREUTZBURG noch über eine Herzensangelegenheit des hessischen CDU-Finanzministers Thomas SCHÄFER, der den sanften Zwang für alle Wege der Betriebsrente einführen möchte:

"Wer neu in einem Unternehmen anfängt, müsste dann künftig in jedem Fall einen Vorsorgevertrag angeboten bekommen; wer nicht vorsorgen und lieber den vollen Lohn auf dem Konto haben will, müsste künftig ausdrücklich widersprechen. Bisher ist eine solche Regelung nur im Rahmen des Sozialpartnermodells als Variante vorgesehen."

Fazit: Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz soll die gesetzliche Rentenversicherung weiter geschwächt und die Kapitaldeckung gestärkt werden, denn nicht nur die Betriebsrente, sondern auch die Riester-Rente soll viel stärker als bisher gefördert werden, obwohl sie für Gering- und Schlechterverdiener völlig unlukrativ ist. Letztlich ist das eine Umverteilung von unten nach oben, von der die Besser- und Spitzenverdiener überproportional profitieren. Dabei geschieht diese Umverteilung in erster Linie über die unterschiedliche Lebenserwartung.     

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

MOHR, Daniel (2017): Mehr Jüngere kaufen Aktien,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 15.02.

Daniel MOHR füttert uns mit der am Dienstag veröffentlichten PR des Deutschen Aktieninstituts - ohne uns jedoch die ganze Wahrheit zu den geschönten Zahlen zur "Zusatzrente" zu präsentieren, denn dazu müsste man die 12seitige Broschüre zu den Aktionärszahlen 2016 lesen:

"Annahmen: Ansparphase über 30 Jahre mit 50 Euro Anlage pro Monat, Anlage jeweils zum Stand des DAX oder REXP am Monatsende, keine Berücksichtigung von Steuern und Transaktionskosten: Zeitraum der Berechnung, 1967-2016" (S.9)

In der Printausgabe wird uns sogar nur der höchstmögliche Durchschnittswert präsentiert:

"Wer in der Vergangenheit 30 Jahre lang monatlich einen Sparbetrag von 50 Euro in Aktien investiert habe, konnte damit im Durchschnitt eine Zusatzrente von 870 Euro im Monat erzielen, die 20 Jahre lang gezahlt wird."

Online wird dagegen zumindest darauf hingewiesen, dass man auch Pech haben konnte:

"Selbst im Falle einer ungünstigeren Entwicklung der Aktienmärkte waren es immer noch 360 Euro."

Nur bezieht sich das eben nicht auf Aktien, sondern nur auf einen Indexfonds und ohne die Kosten zu berücksichtigen. Uns wird also ein nicht erreichbares Ideal präsentiert. Aufklärung sieht anders aus! Und ob in Zukunft solch hohe Renditen wie in der Vergangenheit noch möglich sind, weiß niemand.

 
       
   

Gebietsreformen in der Debatte

NEIßE, Wilfried (2017): Von Reformgegnern eingekreist.
Brandenburg: Volksinitiative übergab 129.464 Unterschriften gegen die geplante Kreisneugliederung,
in:
Neues Deutschland v. 15.02.

Anlässlich der Übergabe von mehr als genügend Unterschriften, die eine Volksinitiative aus CDU, FDP, Freien Wählern und regionalen Gruppen gesammelt hat (von der AfD distanziert man sich), berichtet Wilfried NEIßE über das Prozedere und dessen Auswirkungen auf die Durchführung der Gebietsreform. NEIßE führt nochmals die Gründe auf, die für die Gebietsreform sprechen und betont, dass die CDU einst selber den Reformbedarf festgestellt hatte als sie noch an der Regierung war.

 
       
   

Der Fachkräftemangel in der Debatte

MÜLLER, Hans Christian & Imran AHMAD (2017): Leergefegt.
Grafik des Tages: Nie seit der Wiedervereinigung war das Angebot an guten Jobs so hoch und die Nachfrage danach so gering wie heute. Immer mehr Unternehmen suchen den Arbeitsmarkt vergeblich ab - und sehen ihre Geschäfte bedroht. Der Fachkräftemangel ist längst zum Wachstumshemmnis geworden und die größte Sorge der Firmenchefs,
in: Handelsblatt
v. 15.02.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

SLODCZYK, Katharina (2017): Mehr Schulaufgaben wie aus dem Leben.
HB-Serie Ökonomische Bildung. Finanzbildung: Großbritannien hat den Unterricht über Geld und Zinsen, Kredite und Altersvorsorge zur Pflicht gemacht. Doch das reicht noch lange nicht, um das ökonomische Wissen der Schüler auf breiter Front zu verbessern,
in: Handelsblatt
v. 15.02.

"Finanzbildung gehört zum Pflichtprogramm an staatlichen Schulden in Großbritannien, auf die etwa jeder zweite Schüler auf der Insel geht. Nordirland hat damit bereits vor zehn Jahren angefangen, dann folgten Schottland, Wales und 2014 schließlich England",

berichtet uns Katharina SLODCZYK über die Erfolge bei der Verankerung der Finanzbildung in Großbritannien. Die Bankenkrise wird uns als Anlass des verstärkten Bemühens der Politik um die Finanzbildung genannt:

"Damals hat die hohe Verschuldung der Privathaushalte das Königreich zusätzlich in die Tiefe gerissen. Mit insgesamt 1,4 Billionen Pfund (1,64 Billionen Euro) waren die Briten Spitzenreiter in Europa",

erklärt uns SLODCZYK. Die Schuld für die Bankenkrise wird also den Verbrauchern zugeschrieben und nicht der Falschberatung durch die Banken. Die Finanzbranche ärgert es jedoch, dass es keine einheitlichen Vorgaben gibt, sodass Finanzbildung teilweise auch im Fach politische Bildung gelehrt wird, was die Finanzbranche gewaltig ärgert, denn mit einer kritischen Einstellung zum herrschenden Finanzkapitalismus ist ihren Profitinteressen nicht gedient. Zur Durchsetzung Finanzmarktgenehmer Lehrinhalte wurde im Jahr 2000 die Pesononal Finance Education Group (PFEG) gegründet, die Teil einer größeren und älter gemeinnützigen Organisation ist und für Großbritannien das ist, was in die Deutschland die neoliberale Bertelsmann-Stiftung ist.

Teilweise unterrichten in Großbritannien auch Bankmitarbeiter direkt an den Schulen:

"Inzwischen springen teilweise Mitarbeiter britischer Banken als Geldlehrer ein und füllen Lücken. Doch das sei problematisch, kritisieren Verbraucherschützer, waren doch gerade die Geldhäuser für Falschberatung und andere Skandale auf der Insel verantwortlich."

Den Bock zum Gärtner zu machen, das würde also dem Image schaden, weshalb die Finanzbranche die Fäden im Hintergrund zieht. Manche wollen einen "Finanzführerschein" einführen, um das Kreditgeschäft für die Geldleiher sicherer zu machen, denn was nützt die beste Melkkuh, wenn sie übermolken wird?

"Zuletzt hat die Verschuldung britischer Privathaushalte das Vorkrisenniveau überstiegen."

Das aber auf fehlende Finanzbildung zu schieben wäre naiv. Zwar stilisiert das Handelsblatt, das die Interessen der Besser- und Spitzenverdiener vertritt, Studenten aufgrund der Verschuldungsquelle Studiengebühren zu den Opfern. Am System des herrschenden Finanzkapitalismus kratzt dies nicht, denn Kreditwirtschaft und Altersvorsorgebranchen sind lukrative Märkte und die Bürger sollen durch die Finanzbildung zu prächtigen Melkkühen erzogen werden.        

 
       
   

14.02.2017

 
       
   

Der Kuss in der Debatte

KEGEL, Sandra (2017): Küsse, Bisse, Risse.
Anatomie einer Geste: Geküsst wird immer und zu allen Zeiten. Doch nicht jeder Kuss steht für den Beginn einer großen Liebe. In seinem neuen Buch untersucht der Schweizer Germanist Peter von Matt den Kuss in der Literatur. Ein Gespräch zum Valentinstag,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 14.02.

 
       
   

Federico Moccia & der Kult um die Liebesschlösser

KEIL, Gitta/DPA (2017): Wenig Liebe für Liebesschlösser.
Auch in Sachsen-Anhalt wird die zusätzliche metallene Last an Brücken ein Problem,
in:
Neues Deutschland v. 14.02.

Gitta KEIL berichtet über den Umgang mit Liebesschlössern in Magdeburg, Halle und Weißenfels sowie über den Liebesschloss-Markt, der inzwischen auch "Baby-Schlösser" anbietet, die in Liebesschlösser eingeklinkt werden können.

 
       
   

NEUES DEUTSCHLAND-Tagesthema: Fusionen von Landkreisen.
Gebietsreform - das mag in manchen Ohren dröge klingen. Derlei Vorhaben sorgen aber häufig für mächtig Zoff. In Brandenburg übergibt eine Volksinitiative heute Unterschriften gegen die geplante Kreisreform an die Landtagspräsidentin. In Thüringen lieben mehrere Klagen vor

LASCH, Hendrik (2017): Längere Wege und nichts gespart.
Studie warnt vor unerwünschten politischen Folgen von Gebietsreformen,
in:
Neues Deutschland v. 14.02.

"Zwei Forscher vom Ifo-Institut in Dresden und dem Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung der Uni München legten jetzt eine Analyse vor, für die 30 Studien zu Gebietsreformen etwa in den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz und Baden-Württemberg ausgewertet wurden. In aller Regel schreiben die Autoren Sebastian Blesse und Felix Rösel, wiesen die Untersuchungen »nicht darauf hin«, dass Fusionen zur »Erhöhung der Qualität und Effektivität im Verwaltungshandeln geführt haben«",

schreibt Hendrik LASCH über die Ergebnisse einer Studie, die die Kritiker von Gebietsreformen stärkt. Velten SCHÄFER versucht deshalb in seinem Artikel die Bedeutung der Studie herunterzuspielen, indem er Frank KUSCHEL (Linkspartei) zitiert. Der spricht von einem "»Aufsatz« eines Doktorranden, der für die FDP zur Landtagswahl 2009 in Thüringen kandidiert habe".

Als weiteren Kritiker von Gebietsreformen nennt LASCH den Greifswalder Wirtschaftsgeograf Helmut KLÜTER, der angesichts der Gebietsreform in Mecklenburg-Vorpommern von einer "Überzentralisierung" spricht

SCHÄFER, Velten (2017): Acht plus zwei gleich Zukunft?
Die für das kommende Jahr geplante Thüringer Gebietsreform ist heftig umstritten,
in:
Neues Deutschland v. 14.02.

Velten SCHÄFER versucht die Gebietsreform in Thüringen herunterzuspielen und bezeichnet sie als "Mittelweg zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt". Zudem sei Thüringen bei den ostdeutschen Gebietsreform im Rückstand.

FRITZSCHE, Andreas (2017): Landrätin widerspricht.
Linkspartei-Politikerin lehnt Fusion ab,
in:
Neues Deutschland v. 14.02.

Andreas FRITZSCHE berichtet über die Landrätin Kornelia WEHLAN (Linkspartei), die gegen eine Fusion ihres Landkreises Teltow-Fläming mit Dahme-Spreewald ist.

"Teltow-Fläming hat im Moment 167.000 Einwohner. Nach der Bevölkerungsprognose, auf die sich das Innenministerium bezieht, sinkt diese Zahl in den kommenden 23 Jahren auf 153.000.
Das jedoch zweifelt Wehlan an. Nach neueren Berechnungen werde Teltow-Fläming durch Zuwanderung und Siedlungstätigkeit sogar Bewohner hinzugewinnen, sagt sie. (...)
»Wir gehen davon aus, dass wir 2030 mindestens 175.000 Einwohner haben werden. Der Landkreis ist knapp 2100 Quadratkilometer groß und reicht schon jetzt von Berlin bis Sachsen-Anhalt (...)
«",

fasst FRITZSCHE die Position der Landrätin zusammen, die gegen eine Fusion sprechen. Er weist außerdem darauf hin, dass die Politikerin bereits 2003 gegen eine Gebietsreform war, was von anderen Gegnern nicht behauptet werden kann.

 
       
   

Die Entwicklung der Mittelschicht in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Die Mittelschicht ist sehr stabil - und unzufrieden.
Der Anteil der Bezieher mittlerer Einkommen sinkt seit 2005 nicht mehr, doch es herrschen Abstiegsängste,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 14.02.

Die Mittelschicht ist stabil? Selbst die Daten des IW Köln geben diese Interpretation nicht her, wenn man die Entwicklung der vier Schichten vergleicht, die aus der folgenden Tabelle ersichtlich sind:

Schicht 1991 2014 Differenz
Obere Mitte und Relativ Reiche 18 % 20 % + 2 %
Mittlere Mitte 50 % 48 % - 2 %
Untere Mitte 18 % 16 % - 2 %
Relativ Arme 13 % 16 % + 3 %

Sowohl die relativ Armen (+ 3 %) als auch die Oberschicht und die obere Mittelschicht (+ 2 %) hat zu Lasten der Mitte (- 4%) zugenommen. Während sich die obere Mitte mit der Oberschicht abgesetzt hat, kämpft die Mitte gegen den Abstieg, wie die Zunahme der relativ Armen belegt. 

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Vergessene Mitte.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 14.02.

 
       
   

Massenflucht aus der privaten Altersvorsorge: Baden-Württembergs Landestagsabgeordnete kehren reumütig zur Pension zurück

STIEBER, Benno (2017): Unverblümte parlamentarische Selbstbedienung.
Baden-Württemberg: Der Landtag genehmigt sich eine üppige Altersvorsorge. Doch das könnte gekippt werden - durch einen Volksbeteiligung, die das Parlament 2016 beschlossen hatte,
in:
TAZ v. 14.02.

Benno STIEBER berichtet über die Selbstbedienungsmentalität der Baden-Württembergischen Landtagsabgeordneten, denen ein Volksantrag droht. Dazu wären nur 40.000 Unterschriften nötig (O,5 Prozent der Wahlberechtigten):

"Allein die Drohung, dass die Bevölkerung die Abgeordneten via Volksantrag zum Rapport zwingen könnte, zeigt erste Wirkung".

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

VOTSMEIER, Volker (2017): Versprochen - gebrochen.
Der Versicherer Generali kappte bei Tausenden Ruheständlern die Betriebsrente. Das Resultat: eine Klagewelle,
in: Handelsblatt
v. 14.02.

Vollmundig erklären uns die Befürworter der Kapitaldeckung, dass bei diesem Verfahren Generationengerechtigkeit kein Problem sei. Der Fall Generali zeigt, dass die Altersvorsorge (ob betrieblich oder privat) der Willkür der Unternehmen ausgeliefert ist. Obwohl der italienische Versicherungskonzern Milliardengewinne macht, will er bei den Betriebsrentnern Kosten einsparen. Dagegen helfen zwar Klagen, aber die können sich in die Länge ziehen.

Volker VOTSMEIER berichtet über Rentenkürzungen bei ehemaligen Mitarbeitern der Volksfürsorge, die bereits 1988 von der Aachener und Münchener Versicherung übernommen wurde und 2009 im italienischen Generali-Konzern aufgegangen ist. Versuche Altlasten zu entsorgen und dadurch die Profite zu steigern gehören zum Alltag jedes Lebensversicherers, ob es sich nun um Betriebsrentner oder Kunden handelt.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

NARAT, Ingo (2017): Nicht im Interesse der Anleger.
Investmentfonds: Eine Anlegerlobby wehrt sich gegen zu hohe Gebühren bei Fonds, die ihrer Meinung nach viel billiger sein könnten,
in: Handelsblatt
v. 14.02.

Ingo NARAT präsentiert uns anlässlich einer Kritik der "Anlegerlobby" Better Finance an überhöhten Gebühren die Stellungnahmen der beschuldigten Firmen. Der Lobbyismusbegriff wird im Handelsblatt lediglich für Interessengruppen verwendet, die nicht die Wirtschaft vertreten und wird damit zu einem wertenden Begriff.

NARAT verweist darauf, dass die Fondsgesellschaften zu mehr Transparenz verpflichtet werden sollen. Man muss darin wohl eher eine Beruhigungspille für Verbraucher sehen.   

 
       
   

13.02.2017

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

HERZ, Carsten & Christian SCHNELL (2017): Gute Police, schlechte Police.
Versicherer prüfen die Auslagerung von zu teuer gewordenen Verträgen. Der Kauf des Basler-Bestandes durch die Frankfurter Leben könnte nur der Anfang sein. Spezialplattformen hoffen auf das große Geschäft,
in:
Handelsblatt v. 13.02.

Anlässlich der Genehmigung der Bestandsabwicklung durch die Bafin hofft nun die Versicherungswirtschaft auf profitable weitere Geschäfte. HERZ & SCHNELL berichten über Pläne der Frankfurter Leben zur Übernahme von Beständen der Düsseldorfer Arag. Auch die Viridium Gruppe plant weitere Übernahmen. Ausländische Investoren sehen in Deutschland einen großen, profitablen Markt. Das einzige Argument der Abwicklungsgesellschaften ist deren Behauptung, dass sie effizienter seien als die traditionellen Lebensversicherer. Den Kunden, die von der Übernahme betroffen sind, wird eingeredet, dass sie dadurch nicht schlechter gestellt würden. Aber wer soll das prüfen? Und wer bestimmt die Kriterien? Kein Artikel geht auf diese Problematik bisher ein, sondern die Artikel dienen primär der Generierung eines positiven Images.

HERZ, Carsten (2017): "Die Plattformen arbeiten effizienter".
Michael Klüttgens: Der Branchenexperte über die Abwicklung von Lebensversicherungen und Kundeninteressen,
in:
Handelsblatt v. 13.02.

Carsten HERZ gibt dem Versicherungswirtschaftslobbyisten Michael KLÜTTGENS von Willis Towers Watson Deutschland Raum für PR. Zum Konzern gehört u.a. der britische Versicherungsmakler Willis Re, sodass von objektivem Expertentum in Sachen Run-Off-Plattformen keine Rede sein kann.

 
       
   

Bert Rürup in der Debatte

RÜRUP, Bert (2017): Vorwärts in die Vergangenheit.
Der Chefökonom: Subventionierte Mitarbeiterbeteiligungen sind kein Rezept gegen Altersarmut,
in:
Handelsblatt v. 13.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2017): Abschied nehmen von den Pfründen.
Rentenalter 64 bei der Zürcher Kantonalbank,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 13.02.

 
       
   

12.02.2107

 
       
   

Die Gefühlskultur in der Debatte

HUMMEL, Katrin (2017): Das hässlichste Gefühl.
Der Neid hat keinen guten Ruf. Dabei ist er eigentlich normal, sehr menschlich - und richtig genommen, kann er sogar anfeuern. Eine Charakterkunde,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 12.02.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

KREMER, Dennis (2017): Häuser lohnen sich mehr als Aktien.
Immobilien sind die beste Geldanlage, sagt Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick. Er hat die Hauspreise seit dem Jahr 1870 erforscht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 12.02.

 
       
   

Die Ehe in der Debatte

SIEVERS, Anne-Christin (2017): Ehe kaputt, Haus futsch?
Wenn verheiratete Paare sich trennen, trifft sie eine Frage oft unvorbereitet: Was soll mit der gemeinsamen Immobilie nach der Scheidung geschehen?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
v. 12.02.

 
       
   

11.02.2017

 
       
   

Die politische Kultur in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Schäuble vergleicht Martin Schulz mit Trump.
Finanzminister wirft SPD-Kanzlerkandidat "postfaktische" Methoden vor,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 11.02.

"Die gesetzlichen Renten (...) sind bis etwa 2011 eher langsam gestiegen, in jüngster Zeit eilten die Rentenanpassungen aber sogar der Lohnentwicklung voraus",

lügt uns Dietrich CREUTZBURG dreist an, denn Rentenanpassungen bleiben aufgrund der Rentenformel IMMER hinter der Lohnentwicklung zurück - ein Mantra, das uns Neoliberale beim jährlichen Ritual der Veröffentlichung der neuen Rentenwerte immer wieder verkünden.

 
       
   

Zadie Smith in der Debatte

SMITH, Zadie (2017): Meine Zeit als junge Frau ist vorbei.
Zadie Smith beschäftigt wisch mit Balthasar Denners Gemälde "Alte Frau". Ihren Blick schärft der britische Kunstkritiker John Berger. Doch zu ihren überraschenden Erkenntnissen findet sie ganz allein,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 11.02.

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

BRANKOVIC, Maja & Christian SIEDENBIEDEL (2017): Kein Land der Abgehängten.
Lounge: Die Globalisierung hat die Exportnation Deutschland reich gemacht. Aber auch hier gibt es Regionen, in denen viele arbeitslos geworden sind. Die Autoren haben sich unter Profiteuren und Verlierern umgehört,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 11.02.

"Die »Abgehängten« (...) sind nicht wirklich arm, aber haben (...) ihren Status als Rückgrat der Wirtschaft eingebüßt. Ihr Verdruss gilt als eine der Ursachen dafür, dass Donald Trump (...) gewinnen konnte. (...).
Müssen auch wir (...) mit einer Revolte der »Abgehängten« gegen das »Establishment« rechnen? (...).
Wer diese Fragen beantworten will, muss sich erst einmal mit den Ökonomen Jens Südekum, Wolfgang Dauth und Sebastian Findeisen unterhalten. Sie haben untersucht, welche Regionen hierzulande gewonnen haben und welche verloren. Sie haben das vor allem daran gemessen, wie sich die Beschäftigung in den verschiedenen Teilen des Landes seit 1978 verändert hat",

beschreiben BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL die Herangehensweise ans Thema. Sie unterschlagen dabei aber, dass die Untersuchung Verlierer(-regionen) der Globalisierung in Deutschland: Wer? Warum? Was tun? von SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN vom Dezember 2016 lediglich die Situation in Westdeutschland berücksichtigt hat und die neuen Bundesländer außen vor lässt. Die wirklich Abgehängten kommen also gar nicht zur Sprache.

BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL stellen uns zuerst die Gewinnerregion Vechta vor (148 % Beschäftigungszuwachs) und stellen dem Landkreis dann die Verliererregion Südwestpfalz gegenüber:

"Inmitten der so idyllischen Hügellandschaft zwischen Kaiserlautern und der französischen Grenze ist seit 1978 mehr als jeder dritte Arbeitsplatz weggefallen - das ist der stärkste Rückgang in ganz Westdeutschland. Selbst das Ruhrgebiet (...) blutete laut der zitierten Studie weniger aus.
Bis in die sechziger Jahre gehörte Pirmasens zu den bedeutendsten Industriezentren des Landes, voll ausgerichtet auf die Schuhproduktion (...). Umso stärker war die Südpfalz betroffen, als die günstigeren Schuhe aus Osteuropa und China den Niedergang der heimischen Industrie einläuteten."

BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL malen ein düsteres Bild von der City in Pirmasens, das einer Geisterstadt nicht unähnlich ist, um dann die wirtschaftliche Situation mit einigen Indikatoren zu beschreiben:

"Liegt das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in Pirmasens mit 35.000 Euro weit unter dem Bundesdurchschnitt der kreisfreien Städte von rund 50.000 Euro, kommt das Umland nicht einmal auf 15.000 Euro. Kein Kreis in Deutschland erwirtschaftet weniger.
Hinzu kommt das geringe Bildungsniveau der Bevölkerung, das die Vermittlung der Arbeitssuchenden erschwert. Die Arbeitslosenquote in der Stadt Pirmasens beträgt 13 Prozent. Auf dem Land herrscht zwar nahezu Vollbeschäftigung, doch das hat vor allem einen Grund: Mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen pendeln zu ihrem Arbeitsplatz (...) über die Grenzen des Landkreises hinaus. (...). Von den ehemals 60.000 Einwohnern sind der Stadt nur noch 40.000 geblieben. Wer bleibt, findet heute Beschäftigung im schlechter bezahlten Dienstleistungssektor. Oder geht auf direktem Weg in die Arbeitslosigkeit. Hartz IV gehört ohnehin zur Realität vieler Kinder. Jedes dritte unter 15 Jahren lebt von staatlichen Transferleistungen."

BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL bezeichnen die Südwestpfalz als "Osten des Westens", was sich auch im Wahlverhalten ausdrücken würde:

"Seit Jahren sitzen NPD und Republikaner im Stadtrat von Pirmasens, bei der Landtagswahl im März 2016 stimmten mehr als 15 Prozent für die AfD."

Dennoch wollen sie keinen "eindeutigen" Zusammenhang zwischen Globalisierungsfolgen und dem Wahlverhalten der "Abgehängten" erkennen. Dafür steht ein Gymnasiast und ein Marketingexperte der Stadt Pirmasens ("Leiter der Wirtschaftsförderung"). Letzterer darf die frohe Botschaft für die Region verkünden:

"Der Abwärtstrend in den Bevölkerungszahlen sei mittlerweile gestoppt. Auch wirtschaftlich gehe es langsam wieder bergauf. Und schließlich zögen auch die spottbilligen Immobilienpreise immer mehr Familien an, denen die Städte schlicht zu teuer würden."

Alles bestens? Nicht die Journalisten und auch nicht die Ökonomen sind es, die uns sagen können, was die Zukunft bringt, sondern allein die Geschichte wird uns zeigen wie es weitergeht.

In der Studie von SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN, die im Mittelpunkt der Story von BRANKOVIC & SIEDENBIEDEL steht, wird uns folgende Rangliste der Regionen präsentiert, deren einziger Indikator die Beschäftigungsgewinne und -verluste zwischen 1978 und 2014 in Westdeutschland sind:

Tabelle: Entwicklung der regionalen Beschäftigung
1978-2014
Rang Kreisfreie Städte
bzw.Kreise
Beschäftigungsentwicklung
(in Vollzeitäquivalenten)
1 Vechta 149,1 %
2 Freising 143,2 %
3 München-Land 139,6 %
4 Landshut 128,6 %
5 Eichstätt 118,2 %
... ... ...
198 Hamburg 9,7 %
... ... ...
210 Frankfurt a.M. 8,4 %
... ... ...
219 Köln 6,5 %
... ... ...
319 Pirmasens - 29,4 %
320 Leverkusen - 31,1 %
321 Wuppertal - 31,1 %
322 Herne - 33,3 %
323 Gelsenkirchen - 36,1 %
324 Duisburg - 36,3 %
325 Südwestpfalz - 37,6 %
Quelle: SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN 2016, Tabelle 1, S.4

SÜDEKUM/DAUTH/FINDEISEN sehen einen direkten Einfluss der Globalisierung auf die regionale Beschäftigungssituation:

"Die Regionen im unteren Bereich der Liste (neben dem Ruhrgebiet etwa die Pfalz und Oberfranken) wiesen in den 1970er Jahren deutlich andere sektorale Beschäftigungsstrukturen auf als etwa Niederbayern oder der Stuttgarter Raum. Die Wirtschaft im Ruhrgebiet war traditionell fokussiert auf Kohlebergbau, Roheisenund Stahlerzeugung sowie auf verwandte Bereiche wie Gießereien oder Kesselbau. In der Pfalz war die Textil- und Schuhindustrie stark, in Oberfranken der Bereich der einfachen Haushalts- und Elektrogeräte und der Spielwaren. Diese Spezialisierungsmuster waren nicht zufällig. Sie spiegeln lokale Gegebenheiten und Kompetenzen wider und haben sich über Jahrzehnte entwickelt. Sie haben diesen Regionen über einen langen Zeitraum hinweg Wohlstand beschert. So gehörte Duisburg einmal zu den deutschen Städten mit dem höchsten Pro-Kopf Einkommen!
Aber im Zuge der Globalisierung entwickelten Osteuropa und Asien, allen voran China, einen komparativen Vorteil in eben jenen Branchen des einfachen verarbeitenden Gewerbes. Das bedeutet, dass sie Güter wie Rohstahl, einfache Elektroartikel, T-Shirts, Spielzeug usw. zu geringeren Lohnstückkosten als andere Produzenten herstellen konnten. Oftmals zwar in geringerer Qualität, aber dafür zu einem deutlich geringeren Preis." (2016, S.4)

Die Autoren unterscheiden jedoch zwischen Globalisierungsgewinnern/-verlierern und allgemeinen Gewinnern/Verlierern. Inwiefern eine solche Unterscheidung Sinn macht angesichts der komplexen Wechselwirkungen, ist eine andere Frage. Den Abgehängten ist es egal, aufgrund welcher Effekte sie abgehängt sind.

Was die FAZ unterschlägt: Die Ökonomen gehen davon aus, dass die Polarisierung nur durch verteilungspolitische Maßnahmen entschärft werden kann. Zur Umverteilungspolitik zählen die Autoren jedoch nicht nur Sozialtransfers, sondern insbesondere Maßnahmen des aktivierenden Sozialstaats.

Die Wahlanalyse der Ökonomen ist nicht wirklich eine Wahlanalyse, sondern rein spekulativ, d.h. auch der FAZ-Artikel steht damit auf tönernen Füßen.        

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

WAGSTAFF, Chris (2017): Behavioral Finance für die Altersvorsorge.
Standpunkt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 11.02.

Chris WAGSTAFF will statt Belehrung den Nachahmungseffekt ausnutzen, um die Bevölkerung in die Arme der Finanzwirtschaft zu treiben:

"Menschen (...) neigen (dazu), sich der sozialen Norm anzupassen. Solange die öffentliche Debatte den Eindruck vermittelt, unzureichende Altersvorsorge sei die soziale Norm, dürften Menschen wenig Anlass sehen, ihre Einstellung zu ändern. Positivbeispiele können mehr bewirken als Negativbeispiele, die bislang die Debatte bestimmen.

Die Finanzindustrie solle zudem Spielfilme und Talkshows mit dem Altersvorsorgegedankengut infiltrieren, als ob das nicht bereits der Fall wäre!

Die Altersvorsorge ist eine Wette auf die Zukunft. Pikanterweise will WAGSTAFF dieses Glücksspiel zusätzlich noch durch Gewinnspiele attraktiver machen. Je mehr gespart wird, desto höher sollen die Gewinnchancen sein. 

 
       
   

Der Wandel des Parteiensystems in Deutschland in der Debatte

HEBEL, Stephan (2017): Steinmeiers Hillary-Problem.
Leidartikel: Kann man den Aufstieg der neuen Rechten Einhalt gebieten, indem man ihnen einen führenden Repräsentanten des "Weiter so" als Bundespräsidenten entgegenstellt?
in: Frankfurter
Rundschau v. 11.02.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

JÖRG, Aurel (2017): AHV-Fonds mit solider Anlagerendite.
Banges Warten auf die Umsetzung der "Altersvorsorge 2020",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.02.

 
       
   

10.02.2017

 
       
   
SZ-MAGAZIN-Thema: Ein Heft über die Liebe

SCHNEIDER, Susanne & Josef WIRNSHOFER (2017): Building a Bridge to your Heart.
Woran machen wir unsere Liebe fest? Millionen Paare auf der Welt finden: an einem Brückengeländer. Die Liebesschlösser beschäftigen inzwischen eine ganze Industrie, die Bürokratie - und die Theologie. Stimmen zum Eisernen Steg in Frankfurt,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

WAGNER, Lorenz (2017): Halt mich.
Manchmal schläft Beth monatelang - sie leidet am seltenen Dornröschen-Syndrom. Ihr Freund Dan setzt sich dann trotzdem jeden Tag an ihr Bett. Die Geschichte einer Liebe, in der die Zeit relativ ist,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

HERPELL, Gabriela (2017): Liebe schwärmt auf allen Wegen.
Die Maler Rosa Loy und Neo Rauch sind schon lange ein Paar. Hier erzählen sie, wie sie der Ungerechtigkeit der Welt trotzen. Und sich beim Einräumen der Spülmaschine ergänzen,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

KOCH, Christoph (2017): Für immer und Dich.
Adele schrieb an die falsche Mail-Adresse. Tausende Kilometer weiter wunderte sich Phil über die Post der unbekannten Frau. Und da soll noch jemand sagen, Liebe sei kein Schicksal,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

MATTHEIS, Philipp (2017): Crazy litte Thing called Love.
Kaum war er ihr begegnet, war er ihr verfallen. Die Frau ließ ihn nie ganz nahe kommen, hielt ihn aber auch nicht wirklich auf Abstand. Unser Autor verzweifelte an dieser Liebe, doch er lernte eine Menge - über sich,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

MÜNCH, Peter (2017): Weil es Liebe ist.
Ein Mann liebt einen Mann, hat aber zwei Kinder mit einer Frau, die Frauen liebt. Sie bilden zusammen eine sehr spezielle Familie - und finden sich selbst allen Ernstes spießig,
in: SZ-Magazin Nr.6
v. 10.02.

 
       
   

Die Sozialkasse Bau in der Debatte

ÖFINGER, Hans-Gerd (2017): Rettung für die Bau-Sozialkassen.
Ein neues Gesetz hilft, soziale Errungenschaften im Baugewerbe zu erhalten,
in: Neues Deutschland
v. 10.02.

Hans-Gerd ÖFINGER berichtet anlässlich der heute geplanten Verabschiedung des umstrittenen Gesetzes zur Sicherung der Sozialkassenverfahren im Baugewerbe über die Geschichte der Sozialkassen der Bauwirtschaft (SOKA-BAU) und deren Notwendigkeit.

 
       
   

Die Altersvorsorge der Selbständigen in der Debatte

DRIBBUSCH, Barbara (2017): Zu arm für die Krankenkasse.
Gesundheit: Viele Kleinselbständige können ihre Krankenversicherung nicht zahlen, weil die Mindestbeiträge zu hoch sind. SPD-Politiker fordern Flexibilität bei der Bemessung,
in:
TAZ v. 10.02.

Barbara DRIBBUSCH berichtet über die Position von Hilde MATTHEIS, der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, die es für wünschenswert hält

"die Krankenversicherungsbeiträge entsprechend des realen Einkommens der Selbständigen zu berechnen und nicht mehr entsprechend der Mindestbemessungsgrenze für hauptberuflich Selbständige von der zeit 2.231 Euro im Monat".

In Wirklichkeit geht es jedoch um etwas anderes, denn Selbständige könnten eine Härtefallregelung in Anspruch nehmen. Dies aber würde die Aufdeckung der  Vermögensverhältnisse bedeuten:

"Für Existenzgründer in der Anfangsphase kann die Mindestbemessungsgrenze auf 1.487 Euro monatlich abgesenkt werden. (...).
Auch Solo-Selbständige mit geringen Einnahmen können dies als »Härtefall« beantragen. Dann muss das Partnereinkommen aber auch sehr niedrig sein und beim Vermögen gelten geringe Freigrenzen für die »Härtefall«."

Die Ideologie der Solo-Selbständigen liegt aber gerade in der Abgrenzung zu jenen, die auf eine Grundsicherung angewiesen sind. Der Selbstunternehmer will mit Arbeitnehmern nichts zu tun haben, so will es das Distinktionsgebaren der neuen Bürgerlichkeit oder der digitalen Bohème. Der Solo-Selbständige wird von Seinesgleichen gern zum Helden der Selbstausbeutung, weshalb Neoliberale (dazu gehört auch die AfD) den Sozialstaat weiter demontieren können und höchstens kleine Privilegien für die Helden der Selbstausbeutung schaffen, während diejenigen, die manchmal auch als Arbeitskraftunternehmer tituliert werden, weiterhin ausgegrenzt werden.

Fazit: (Solo-)Selbständige sollten sich in der gesetzlichen Rentenversicherung versichern müssen, statt Ausnahmeregelungen zu erhalten. Das würde die Solidarität aller mit einem Niedrigeinkommen erhöhen. In diesem Zusammenhang könnten dann auch die Krankenversicherungsbeiträge anders behandelt werden. Die Sozialversicherungen müssen als Gesamtheit gesehen werden, stattdessen herrscht eine isolierte Betrachtung vor. 

 
       
   

Die globalisierte Dienstleistungsgesellschaft in der Debatte

NIEBURG, Heiko (2017): Ausgehen ist so banal.
Convenience Ecnomy: Dank Start-ups wie Foodora, Helpling und Marley Spoon bleiben uns Kochen, Putzen und Einkaufen erspart. Haben wir nun mehr Zeit für die wichtigen Dinge? Oder optimieren wir nur das Private?
in:
TAZ v. 10.02.

 
       
   

Die Neubewertung des Rentners in der altersintegrativen Gesellschaft

PAPON, Kerstin (2017): Viele Senioren brauchen das Ersparte für sich selbst.
Sorge über eigenen Lebensabend. Die meisten fühlen sich nicht verpflichtet, den Erben etwas zu hinterlassen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 10.02.

Kerstin PAPON plappert die PR der Deutschen Leibrenten Grundbesitz AG nach, deren Repräsentativität sich nicht auf die Haushalte in Deutschland bezieht, sondern nur auf Mieter und Eigentümer auf dem Land bzw. der Stadt. Die Aussagekraft der Umfrage ist deshalb sehr beschränkt und verzerrt. 

 
       
   

Die Rentnermacht in der Debatte

MENKENS, Sabine (2017): Alte entscheiden die Wahlen.
Deutschland ist längst eine Rentnerdemokratie. Doch ganz so egoistisch wie vermutet sind die Senioren gar nicht,
in: Welt
v. 10.02.

Deutschland eine Rentnerdemokratie? Welch ein Unsinn. Der Medianwähler ist 52 Jahre alt, d.h. 50 Prozent der Wähler sind jünger als 52 Jahre. Bekanntlich steigt das Rentenalter bis 2031 auf 67 Jahre. Nicht einmal 2060 würde das - auch nur ansatzweise - erreicht werden.

Wir haben es hier also mit Altersdiskriminierung zu tun, denn einer heterogenen Gruppe von Älteren, die sich im Gegensatz zu den Jüngeren auch noch durch krasse Unterschiede zwischen Arm und Reich auszeichnen, wird ein gemeinsames Interesse unterstellt.

Die Welt hat ein - im Gegensatz zum Politbarometer - unbekanntes Umfrageinstitut beauftragt, die These von der Rentnerdemokratie zu bestätigen. Das ist gründlich schief gegangen. Während nämlich die Altersgruppen 18 - 64 in 4 Altersgruppen unterteilt wurden (3 x 10 und 1 x 15 Jahrgänge), wurden über 65-Jährige als Rentner zu einer einzigen Gruppe zusammengefasst, d.h. Unterschiede zwischen 65-Jährigen, 75-Jährigen oder 85-Jährigen konnten gar nicht differenziert werden. Oder anders formuliert: Was zu beweisen gewesen wäre, wurde bei dieser Befragung bereits durch die Gruppenbildung vorausgesetzt. Geht es eigentlich noch dümmer?      

 
       
   

09.02.2017

 
       
   

Massenflucht aus der privaten Altersvorsorge: Baden-Württembergs Landestagsabgeordnete kehren reumütig zur Pension zurück

KELNBERGER, Josef (2017): Sparsam ist relativ.
Die Abgeordneten in Baden-Württemberg sollen wieder staatlich fürs Alter vorsorgen können,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 09.02.

Erst 2008 setzten Baden-Württembergs Landtagsabgeordnete mit einer Reform auf die private Altersvorsorge. Nun haben sie ihren kurzen Ausflug in die raue Welt der privaten Altersvorsorge wieder beendet. Wir können dagegen nicht wählen, ob wir der privaten Altersvorsorge den Rücken kehren wollen. Wir werden von der Bundesregierung zur Subvention der Finanzdienstleister gezwungen, weil die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr lebensstandardsichernd ist.

SOLDT, Rüdiger (2017): Zurück zum alten System.
Die Parlamentsreform in Südwesten war mit heißer Nadel genäht und hat sich wenig bewährt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 09.02.

Rüdiger SOLDT ist der Meinung, dass die "Selbstbedienungsmentalität" der Abgeordneten der AfD in die Hände spielt.

 
       
   

Der Jahresbericht 2015 des Ombudsmann für Versicherungen in den Medien

TAUBER, Jonas (2017): "Erfolgsaussichten gering".
Warum Kunden Ablaufleistungen von Lebensversicherern kaum überprüfen können,
in: Süddeutsche Zeitung
v. 09.02.

"Von den 20.827 (Vorjahr: 19.897) im Berichtsjahr eingegangenen Beschwerden betrafen 18.943 (17.965) die Kategorie Unternehmensbeschwerden, was einem Zuwachs von 5,4 Prozent entspricht. Damit setzte sich im langjährigen Vergleich der Anstieg dieser Beschwerden fort (nach einem Plus von 8,9 Prozent im Jahr 2013 und 0,2 Prozent im Vorjahr). (...).
19.100 (17.588) Beschwerden gegen Versicherungsunternehmen wurden im Berichtsjahr beendet. In 635 (654) Fällen haben die Beschwerdeführer ihr Anliegen nicht weiterverfolgt. (...).
13.922 Verfahren (12.429) wurden als zulässig beendet. Davon konnten 384 (278) nicht in der Sache entschieden werden, da die endgültige Bewertung von Fragen abhing, für deren Klärung sich das vereinfachte Ombudsmannverfahren nicht eignet (§ 8 VomVO). (...).
Von den übrigen 13.538 (12.151) Verfahren beendete der Ombudsmann 8.637 (7.940) Fälle mit einer Entscheidung oder Empfehlung. In 3.256 (2.704) Verfahren half das Versicherungsunternehmen ab. Das bedeutet, der Versicherer rückte von der vom Beschwerdeführer beanstandeten Entscheidung ganz oder teilweise ab. Bezogen auf den Anteil der Abhilfen an allen zulässigen beendeten Beschwerden stellt das eine Steigerung von 1,6 Prozent dar. Ein beiderseitiges Entgegenkommen, also ein Vergleich, kam in 748 (702) Fällen zustande. In 897 (805) Verfahren zog der Beschwerdeführer seine Beschwerde zurück.
In 4.543 (4.505) Fällen musste der Ombudsmann die Befassung mit der Beschwerde ablehnen. Die Zulässigkeitsfrage ist nach der hierfür geltenden Verfahrensordnung (VomVO) zu entscheiden. (...).
Im Berichtsjahr hatten 44,3 (42,1) Prozent der Beschwerden Erfolg, sofern sie nicht die Lebensversicherung betrafen"

heißt es in dem Jahresbericht 2015, der bereits im Mai letzten Jahres veröffentlicht wurde. In Sachen Lebensversicherungen haben Kunden wesentlich schlechtere Karten als in anderen Versicherungssparten:

"Beschwerden aus der Lebensversicherung haben zwangsläufig vergleichsweise geringere Erfolgsaussichten. Sie richten sich oft gegen Standmitteilungen, die Höhe der Überschüsse oder gegen die Ablaufleistungen. Der Ombudsmann kann diesbezügliche Anliegen der Beschwerdeführer durchaus nachvollziehen, denn die Darstellungen sind für Verbraucher oft unklar oder missverständlich. Auch können die mitgeteilten Werte enttäuschen, wenn sie unter den Erwartungen liegen. Sie sind jedoch in der Regel weder hinsichtlich der Berechnung noch unter rechtlichen Gesichtspunkten zu beanstanden. Die Erfolgsquote in der Lebensversicherung bewegte sich bis einschließlich 2011 unter 20 Prozent. 2012 lag sie mit 23,3 Prozent erstmals darüber und erreichte 2013 den Höchststand von 34,0 Prozent. Dieser Anstieg beruht maßgeblich auf der Entwicklung der Rechtsprechung sowie deren Umsetzung durch die Unternehmen und wurde im Bericht 2013 an gleicher Stelle kommentiert. Nachdem sie im Vorjahr bereits wieder auf 28,3 Prozent gesunken war, ist im Berichtsjahr mit 24,1 Prozent eine weitere Reduzierung zu verzeichnen" (S.103f.),

heißt es dazu. Der Bericht geht von einem weiten Begriff der Lebensversicherungen aus, der folgendermaßen beschrieben wird:

"Im Jahr 2015 erhielt der Ombudsmann 3.640 (Vorjahr: 3.738) zulässige Beschwerden zur Lebensversicherung, das entspricht 26,3 (29,2) Prozent am Gesamteingang aller zulässigen Eingaben. Unter dem Begriff »Lebensversicherung« wird eine Vielzahl von Vertragsarten zusammengefasst. Die aus Beschwerdesicht häufigsten sind konventionelle kapitalbildende Lebens- bzw. Rentenversicherungen, danach kommen fondsgebundene Versicherungen sowie Riesterrentenversicherungen und Verträge zur betrieblichen Altersversorgung (bAV), gefolgt von Sterbegeld-, Basisrenten- und Restschuldversicherungen." (S.26)

Aus der folgenden Tabelle lässt sich die Entwicklung der zulässigen Beschwerden für die Gesamtsparte und die Teilsparte Lebensversicherung ersehen:

Jahr Versicherungswirtschaft Lebensversicherung
  Anzahl zulässiger Beschwerden Anzahl zulässiger Beschwerden Prozentanteil an Beschwerden
2014 12.815 3.738 29,2 %
2015 13.805 3.640 26,4 %

Eine Bewertung dieser Entwicklung wäre nur in Verbindung mit der Situation bei der Lebensversicherung im Vergleich mit der Versicherungswirtschaft möglich, was in dem Bericht unterlassen wird.

Ob der Rückgang der zulässigen Beschwerden bzw. der Erfolgsquote eine positive Entwicklung darstellt, ist aus diesen Zahlen nicht zu erschließen. Eine niedrige Erfolgsquote könnte genauso auf eine Verschlechterung der Lage für Versicherte gegenüber der Lebensversicherung hindeuten. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, dass die Darstellungen der Versicherungswirtschaft für Kunden "oft unklar oder missverständlich" sind wie es im Bericht heißt.

Hinzu kommt, dass eine Vielzahl von Beschwerden einfach mit Hinweis auf Absichtsbekundungen eines Versicherers durch den Ombudsmann unterschlagen werden konnten, sodass ein Vergleich der Anzahl zulässiger Beschwerden durch solche Sondereffekte ein verzerrtes Bild hinterlässt. So führt der Bericht den Fall eines Computerfehlers bei einem großen Versicherer an, der abseits der Beschwerdenstatistik behandelt wurde:

"Im Juli 2015 berichteten die Medien, dass ein großer Versicherer aufgrund fehlerhafter Computerprogramme über Jahre hinweg in hunderttausenden von Fällen sowohl zum Nachteil als auch zum Vorteil der Kunden die Erträge und Gutschriften von Lebensversicherungen falsch berechnet hat. Der Versicherer hatte dies selbst eingeräumt und eine Nachzahlung bei zu geringen Leistungen angekündigt; zu viel ausgezahlte Beträge wurden nicht zurückgefordert. Teilweise wurde die Vermutung geäußert, dass es auch bei anderen Versicherern derartige systemische Fehler gebe.
Die Veröffentlichung löste Beschwerden gegen diesen, aber auch gegen andere Versicherer aus. Die Beschwerdeführer wollten Gewissheit, ob ihre Verträge Berechnungsfehler enthielten. Der Ombudsmann erwartete zunächst von dem betreffenden Versicherer, dass er sich zur Richtigkeit der jeweiligen Berechnungen äußert. Es waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht alle Prüfungen abgeschlossen, so dass nicht immer feststand, ob der Vertrag vom Computerfehler betroffen gewesen sein konnte oder nicht. Da das Unternehmen jedoch zusagte, auf die Einrede der Verjährung zu verzichten und eine etwaige Nachzahlung ab Fälligkeit zu verzinsen, konnte der Ombudsmann diese Beschwerden abschließen. Schließlich war der Versicherer auch damit einverstanden, die Beschwerdeführer zu informieren, sobald die Überprüfung des Vertrages abgeschlossen war." (S.21f.)

Unter Punkt 2.7 wird ab Seite 21 ausführlich auf die Probleme im Bereich der Lebensversicherungen eingegangen. Sowohl Gerichtsurteile als auch Gesetzesänderungen führen immer wieder zur Konkretisierung oder gar Verschlechterungen zu Lasten der Kunden. Ein Beispiel für Gesetzesänderungen, die im Berichtszeitraum zu Beschwerden führte, wird folgendermaßen erörtert:

"Nicht wenige Beschwerden zu den Bewertungsreserven waren auf das zum 7. August 2014 in Kraft getretene Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG) zurückzuführen. Durch die Neuregelung wurden festverzinsliche Wertpapiere des Versicherers von der Beteiligung an den Bewertungsreserven teilweise ausgenommen. Der Gesetzgeber hat mit dieser Regelung entschieden, dass im Grundsatz die Erfüllung der garantierten Leistungen aller Versicherten Vorrang hat." (S.30f.)

Fehlinformationen von Medien zu Gesetzesänderungen führen nicht selten zu unberechtigten Beschwerden. Der Bericht gibt zumindest einen Überblick über die erfolgten Beschwerden und zeigt die Defizite im Bereich der Lebensversicherungen auf..

Der Bericht von Jonas TAUBER weckt außerdem Zweifel an der Stärke des Verbraucherschutzes im System der Unternehmensinteressen:

"Ob die ausgezahlten Summen - die sogenannten Ablaufleistungen - wirklich korrekt sind, können die Marktwächter ebenso wenig überprüfen wie die  Verbraucherzentralen oder der Bund der Versicherten. Der Grund: Sie haben keinen Zugriff auf die dafür nötigen Informationen, die Versicherer müssen sie nicht an die Kunden und deren Berater herausrücken."

Lediglich der Ombudsmann für Versicherungen besitzt die nötigen Informationen, aber nicht den dafür erforderlichen Sachverstand. Der Ombudsmann prüft nur die Rechtmäßigkeit, d.h. die juristische Einwandfreiheit, nicht aber ob die Berechnungen der Versicherungsunternehmen ökonomisch bzw. sozial gerechtfertigt sind.

"Das Problem sind die nicht-garantierten Überschüsse, die vom Geschäftserfolg des Unternehmens abhängig sind und zum Teil jährlich gutgeschrieben werden, zum Teil zum Ablauf des Vertrags. Wie die Versicherer diese Beiträge kalkulieren, bleibt ihr Geheimnis",

erklärt uns TAUBER. Oder anders formuliert: Die Versicherungsunternehmen besitzen einen großen Spielraum, um sich Profite auf Kosten der Versicherten zu generieren.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

KESSLER, Wolfgang (2017): Mehr Kontrolle!
Gastwirtschaft: Megafonds können tun, was sie wollen,
in: Frankfurter
Rundschau v. 09.02.

 
       
   

STUTTGARTER ZEITUNG-Titelgeschichte: Raus aus dem Speckgürtel.
Bevölkerungsentwicklung: Tausende Stuttgarter ziehen jedes Jahr ins Umland. Die meisten finden in der Landshauptstadt selbst keine Wohnung, wollen aber weiter großstadtnah leben

BURY, Mathias (2017): Stuttgart verliert Bürger ans Umland.
Einwohnerwanderung: Die Zahl der Haushalte, die in die Region ziehen, wächst seit einigen Jahren. Die Gründe sind offenbar die hohen Preise und das mangelnde Wohnungsangebot der Stadt,
in: Stuttgarter Zeitung
v. 09.02.

Mathias BURY beschreibt die Surburbanisierung der 1980er und 1990er Jahre, die nach 2000 durch die Renaissance der Großstädte abgelöst wurde, von der auch Stuttgart profitiert hat. Nun aber gäbe es eine neuartige Gegenentwicklung, von der in erster Linie die gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbaren Städte um Stuttgart zugute kommt. Dazu gehören Ostfildern, Leinfelden-Echterdingen, Fellbach und Remseck.

 
       
   

Die Entwicklung der Altersarmut in Deutschland in der Debatte

LAMBECK, Fabian (2017): Die prophezeite Massenarmut.
Warnungen gab es zuhauf - trotzdem steigt die Zahl der Älteren ohne ausreichendes Einkommen,
in: Neues Deutschland
v. 09.02.

GERNHARDT, Grit (2017): Arm und egal.
Kommentar: Die steigende Altersarmut ist bedenklich,
in: Neues Deutschland
v. 09.02.

BEEGER, Britta & Dietrich CREUTZBURG (2017): Das Armutsrisiko von Senioren ist besonders niedrig.
Laut Statistikamt leben 2,4 Prozent der deutschen Ruheständler in armen Verhältnissen - mit sinkender Tendenz,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 09.02.

BEEGER & CREUTZBURG sind der Auffassung, dass sie der Propaganda der Linksparteiabgeordneten Sabine ZIMMERMANN mit ebensolcher Propaganda entgegentreten müssen. Dabei bleibt die Wahrheit auf der Strecke, denn die EUROSTAT-Daten sind gar nicht in der Lage das zu belegen, was uns die FAZ-Journalisten weismachen wollen.

Als Haushaltsstatistik bleiben gerade jene außen vor, die von Armut am stärksten betroffen sind: Obdachlose und Heimbewohner. Hinzu kommt, dass  BEEGER & CREUTZBURG die Alten zur Gruppe der 65-Jährigen zusammenfassen. Mit Durchschnittszahlen kann jedoch weder ein Anstieg noch ein Rückgang von Altersarmut belegt werden, denn dazu müsste zwischen Neurentnern und Bestandsrentnern unterschiedlicher Geburtsjahrgänge differenziert werden. Dies aber wird unterlassen. Aufklärung sieht anders aus!

Kritisiert wird stattdessen nur, dass ZIMMERMANN auch 55- bis 65-Jährige in ihre Betrachtung einbezogen hat. Damit kommen auch Erwerbsminderungsrentner, ältere Arbeitslose und Niedriglöhner in den Blick.

Fazit: Wer meint Propaganda mit eigener Propaganda begegnen zu müssen, der erhöht nicht die Glaubwürdigkeit, sondern bestätigt lediglich das Misstrauen gegenüber der Mainstreampresse.

CREUTZBURG, Dietrich (2017): Armutszeugnis.
Kommentar,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung
v. 09.02.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

SCHICKENTANZ, Chris-Oliver (2017): Mehr Rendite im Alter.
Profi-Anlageempfehlung,
in: Handelsblatt
v. 09.02.

Der Artikel zeigt, dass beim Handelsblatt PR und Journalismus vermischt werden: Ein Commerzbank-Mitarbeiter kann hier kostenlos Werbung für einen Themen-ETF machen. Dass diese Werbung, die als "Anlageempfehlung" geadelt wird, im Gewande eines "informativen Artikels" präsentiert wird, wirft ein schlechtes Licht auf den Journalismus.  

 
       
   

Martin Greive in der Debatte

GREIVE, Martin & Jan HILDEBRAND (2017): Teures Team.
Viele Minister melden neue treure Budgetwünsche an. Kassenwart Wolfgang Schäuble wehrt sich und warnt: Die Finanzlage ist angespannter als gedacht,
in: Handelsblatt
v. 09.02.

GREIVE & HILDEBRAND produzieren in ihrer Titelgeschichte Das Milliarden-Loch viel heiße Luft. Um "Wahlgeschenke" zu verhindern, wird vom Handelsblatt immer wieder einmal der Bundeshaushalt arm gerechnet. Und auch die Politiker kennen dieses Spielchen zur Genüge:

"Ständig rechne sich Schäuble arm - um dann am Ende wieder mehrere Milliarden aus dem Hut zu zaubern, wenn es ihm gerade passt".

Auf die Fadenscheinigkeit des Berichts weisen die Autoren deshalb auch zum Ende hin:

"Natürlich wissen auch Schäubles Beamte, dass die Diskussion um das Haushaltsloch 2018 in Wahrheit eine Luxusdebatte ist. Die Lücke könnte ohne weitres (...) geschlossen werden. Schäubles Leuten geht es um etwas anderes: Sie wollen verhindern, dass im Wahljahr Geld zum Fenster rausgeworfen wird."

Fazit: Die Titelgeschichte hätte man sich sparen können. Wenn es um Steuererleichterungen für Spitzenverdiener und Reiche geht, ist plötzlich jede Menge Geld übrig!

 
       
 

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Zu den News vom 01. - 08. Februar 2017
 

   
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