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Medienrundschau:
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News vom 16.
- 31. Januar 2002
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- VAHABZADEH,
Susan (2002): Schaum der Vergangenheit.
Es
war einmal ein Zwischenreich... "Was tun,
wenn's brennt?",
in: Süddeutsche Zeitung v.
31.01.
- Kommentar:
"Was
tun, wenn's brennt" von Gregor
Schnitzler läuft
heute in den Kinos der Republik an und
ist deshalb Thema in verschiedenen
Tageszeitungen.
Der Film
spaltet die Kritiker in die Spassfraktion
der
Generation Golf und die
Ernstler
der Anti-Spassgesellschaft, denen der
Film zu postmodern, d.h. realitätsfern,
ist.
Der
Tagesspiegel hat deshalb gestern gleich
eine Pro- und Contra-Kritik geliefert und
die Süddeutsche Zeitung verbindet eine
Filmkritik und ein Interview mit einer
Reportage vom "echten" Vorbild
eines Hausbesetzers.
Bei der TAZ
wird aus der Perspektive des
"wahren" Häuserkämpfers der
Hausbesetzersozialkitsch und das
Unauthentische kritisiert:
"Dass wir
damals Fehlfarben auf Demos vom
Lautsprecherwagen gehört haben, stimmt,
nur haben die wohl nicht die Genehmigung
gegeben, ihren dialektischen Song »Ein
Jahr (Es geht voran)« für diesen Film
zu verwenden. Also hört es der Zuschauer
als aufgepeppte Coverversion von Ex-Selig
Jan Plewka."
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- FUHRIG, Dirk (2002):
Hautenge T-Shirts in Fernost.
Die
neue chinesische Literatur drückt aufs Tempo und
Wei Hui setzt sich mit "Shanghai Baby"
an die Spitze,
in: Frankfurter Rundschau
v. 31.01.
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- PAMPUCH,
Thomas (2002): Die guten alten Jugendforscher.
Onlinedatenbanken
könnten schon heute Forschungsergebnisse viel
besser speichern als herkömmliche Publikationen.
Aber gerade wissenschaftliche Institutionen haben
in Deutschland immer noch große Hemmungen, diese
Technik zu nutzen,
in: TAZ v. 31.01.
- Kommentar:
PAMPUCH kritisiert
anlässlich der Vorstellung des 11.
Kinder- und Jugendberichts, dessen
Ergebnisse auch auf Forschungen des
Deutschen Jugendinstitut (DJI) beruhen,
die Enthaltsamkeit des Instituts in
Sachen Internet-Öffentlichkeitsarbeit.
Das DJI
verfügt mit den Daten des
"Familiensurvey" über das
einzigste repräsentative Datenmaterial,
das über den dominanten Haushaltsansatz
der amtlichen Statistik hinausgeht. Mit
Hilfe des Netzwerkansatzes lässt sich
der Gegensatz "Familien contra
Singles" auflösen. Dies ist
angesichts des bevorstehenden
Familienwahlkampf jedoch politisch
unerwünscht. Die Abhängigkeit der
Wissenschaft(ler) von staatlichen
Geldgebern - rationalisiert als Postulat
der Wertfreiheit - erklärt wohl zum
großen Teil die Zurückhaltung der
Wissenschaftler, selbst an die
Öffentlichkeit zu gehen.
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- KOCH,
Hannes (2002): "Attac in den
Währungsfonds".
Der
Soziologe Ulrich Beck will Stimmrecht in
transnationalen Organisationen für
Globalisierungskritiker,
in: TAZ v. 31.01.
- Kommentar:
Der Soziologe
Ulrich BECK, ein
Sprachrohr der zweitmodernen,
transnationalen Eliten, muss eingestehen,
dass die
globalen Nomaden auf die
vor-zweitmodernen Sicherheitsstaaten
angewiesen sind, denn sie haben ein
existentielles - notgedrungen
körperlich-geografisches - Interesse
"an einem sicheren Leben, an
Wohlstand und Bildung".
BECK
fordert deshalb eine "Weltinnenpolitik", d.h. eine Politik,
die Nationalstaaten dazu zwingen soll, die zweitmodernen
Interessen der transnationalen Eliten gegen die erstmodernen
Interessen der jeweiligen Staatsbürger durchzusetzen. Damit
dies auch moralisch korrekt erscheint, werden die
zweitmodernen, transnationalen Eliten zu Anwälten von
Flüchtlingen und Migranten.
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- IRLE, Katja (2002):
Rückkehr zur Großfamilie.
Die
Genossenschaft Wohnsinn will in Darmstadt Alt und
Jung als Zweck-WG unter einem Dach versammeln,
in: Frankfurter Rundschau
v. 29.01.
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- JOHLER, Jens (2002): Zur Menschenfrage.
Rede eines Freien Bürgers
in zweieinhalb Jahrhunderten,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 29.01.
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- RIK (2002):
Führerkult,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 29.01.
- Inhalt:
HOUELLEBECQ hat dem
Nachrichtenmagazin Focus eines seiner
berüchtigten Interviews gegeben, das RIK
für die FAZ-Leser zusammenfasst.
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- WOLFSGRUBER, Axel
(2002): Unheiliger Abend.
Anwälte und Eheberater
registrieren zum Jahresanfang einen massiven
Anstieg von Trennungswilligen,
in: Focus Nr.5 v. 28.01.
- Kommentar:
WOLFSGRUBER
beschäftigt sich mit der Weihnachtskrise
der Ehepaare, von der die Anwälte
profitieren. Wenn die Erklärung jedoch
so einfach wäre, wie der Autor es
darstellt, dann wäre die Abschaffung der
Weihnachtsfeiertage ein Beitrag zur
Stabilisierung der Ehe.
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DOTZAUER,
Gregor (2002): "Ich bin ein bisschen
reaktionär".
Jonathan
Franzen ist der amerikanische Romanautor der
Saison. Ein Gespräch über Literatur und Erfolg,
in: Tagesspiegel v. 28.01.
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- FAS
(2002): Die 100 wichtigsten deutschen
Intellektuellen.
Geistige
Wirkung ist meßbar: Ein erstes Internet-Ranking
für die gebildeten Stände,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v.
27.01.
- Kommentar:
"Der erste
Gedanke ist natürlich: Könnten wir in
Deutschland auch gebrauchen",
schreibt Georg DOTZAUER im heutigen
Tagesspiegel und fügt
hinzu:
"So eine Liste mit den 100
einflussreichsten Intellektuellen, wie
sie Richard A. Posner gerade für Amerika
veröffentlicht hat: errechnet aus allen
Erwähnungen, die 546 zumeist
universitär verankerte Kandidaten durch
ihre wissenschaftlichen und
publizistischen Veröffentlichungen in
Leitartikeln, Essays oder Webkommentaren
zwischen 1995 und 2000 gefunden haben.
Denn was haben wir? Die 100 peinlichsten
Berliner, die 50
meistbegehrten Singles - und in
der nächsten Talkshow schon wieder Guido
Westerwelle als liberalen Vordenker. Gut,
dass zumindest in den Staaten endlich mal
einer anhand einer solchen Aufstellung
darüber nachdenkt, in welchem
Verhältnis Leistung und öffentliche
Präsenz stehen."
Die
FAS hat DOTZAUER erhört und liefert das
gewünschte Internet-Ranking für
Deutschland. Auf der Basis der
Suchmaschinen
Google und
Alltheweb, hat die FAS das Web als
"Intellektuellenmacher"
erforscht.
Single-Dasein.de
hat seinen Beitrag zu dieser neuen
Sportart geleistet. Unter den 100
bekanntesten
GOOGLE- und
ALLTHEWEB-Intellektuellen befinden sich
Ulrich BECK (Platz 7),
Martin
WALSER (9),
Elfriede
JELINEK (15),
Alice
SCHWARZER (20),
Peter GLOTZ (25),
Botho
STRAUß (26),
Dietrich
SCHWANITZ (35),
Christoph
HEIN (39) und
Diedrich
DIEDERICHSEN (84).
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- TRABANT,
Jürgen (2002): Wühlen in Europas Wunden.
Eine
trostlose Suche nach Liebe und Glück: Michel
Houellebecqs Roman "Plattform",
in: Tagesspiegel v. 27.01.
- Inhalt:
Professor TRABANT
begnügt sich nicht mit einer Rezension
von
"Plattform", sondern
bewertet auch die Romane
"Ausweitung der
Kampfzone" und
"Elementarteilchen". Sein
Fazit:
"Wie Voltaire ist auch
Houellebecq kein
wirklich großer Erzähler. Aber mit
Houellebecq hat Frankreich endlich wieder
etwas Wichtiges und etwas sehr
Französisches beizutragen zum aktuellen
Roman"
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- SONNTAGSZEITUNG
(2002): Volkszählung 2000: Die Schweiz wächst,
in:
SonntagsZeitung v. 27.01.
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- DPA/LSW (2002): Mehr
Singles und "wilde Ehen",
in: Stuttgarter Zeitung v. 26.01.
- Inhalt:
In
Baden-Württemberg sind die Mehrzahl der
Menschen, die einen Einpersonen-Haushalt
führen, entweder jugendliche Singles in
der Vor-Familien-Phase oder ältere
Witwen in der Nach-Familienphase.
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TAZ-Thema
"25 Jahre Emma"
Vor
25 Jahren gründeten Alice Schwarzer und ihre
Mitstreiterinnen die feministische Zeitschrift
"Emma", die noch heute die klaffende
Lücke zwischen "Amica" und den
"Männermedien" füllt. So streitbar es
war, so viele Gegenreflexe hat das Magazin
hervorgerufen. Eine Alternative gibt es nicht.
-
OESTREICH,
Heide (2002): Der femagogische Komplex,
in:
TAZ v. 26.01.
- TAZ
(2002): "emma" in zahlen,
in:
TAZ v. 26.01.
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Berliner
Zeitung - Magazin-Thema
- LEINKAUF,
Thomas (2002): Editorial. Der kleine
Unterschied,
in:
Berliner Zeitung v. 26.01.
- HAASE,
Gerhard (2002): Die unversöhnlichen
Frauen.
Wie
Alice Schwarzer zur engagierten
Feministin wurde. Vor 25 Jahren gründete
sie die Zeitschrift "Emma",
in: Berliner
Zeitung v. 26.01.
- BERLINER
ZEITUNG (2002): Alice Schwarzer
in:
Berliner Zeitung v. 26.01.
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- LAGER,
Sven (2002): Eine Nacht in der Sukhumvit Road.
Das
literarische Kneipenquartett: Ein Gespräch in
der Bangkok Bar, ebendort, über den abwesenden
Herrn Houellebecq, dessen lang erwarteter und
kontrovers diskutierter Sextourismusroman
"Plattform" kommende Woche auf Deutsch
erscheint
in: TAZ v. 25.01.
- Kommentar:
Sven LAGER
debattiert vor Erscheinen der deutschen
Übersetzung über den neuen
Roman
"Plattform" von
"HouelleBECK".
Die
Verballhornung des Namens soll wohl
darauf hinweisen, dass es im Denken und
Schreiben des französischen Literaten
Michel
HOUELLEBECQ und des
deutschen Soziologen
Ulrich BECK mehr
Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt.
Obwohl BECK
- wie der Sozialwissenschaftler
Volker
STORK in seiner
Abrechnung mit dem
"Phänomen
BECK" durchaus
richtig beschreibt - seine
Individualisierungsthese gegen die
Position von HOUELLEBECQs
"Atomisierungsthese" genauso
abgrenzen würde wie vom neoliberalen
"Homo Oeconomicus", so gibt es
doch bei diesen drei Perspektiven
unverkennbar eine grundlegende,
gemeinsame Vorstellung vom Funktionieren
der Gesellschaft als Marktkonkurrenz von
Individuen.
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- KLAUS, Michael (2002):
Frühes Leid.
Von Spießern und Rebellen,
in: Frankfurter Rundschau
v. 25.01.
- Inhalt:
KLAUS erzählt den
Lebenslauf eines Angehörigen der
Single-Generation. Es wird
deutlich, dass sich auf dem Wohnungsmarkt
seit Anfang der 70er Jahre so manches
geändert hat:
"Ohne
die Erlaubnis der Eltern keine Trauung,
ohne Trauschein keine Wohnung zu zweit.
Ich musste abwarten.
Der
magische einundzwanzigste Geburtstag
rückte näher. Die Feiern begannen schon
drei Tage vorher. Die letzte Nacht wurde
durchgemacht. Und am Morgen hätten Anna
und ich natürlich zum Standesamt gehen
können. Als Verheiratete hätten wir
dann endlich den Wohnberechtigungsschein
und den Mietvertrag gekriegt. Aber
inzwischen war Anna abgesprungen."
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- SCHLÜTER, Christian
(2002): Intellektueller Volkstribun.
Dank
seines Blicks für feine Unterschiede wurde alles
anders: Zum Tod des französischen Soziologen
Pierre Bourdieu
in: Frankfurter Rundschau
v. 25.01.
- Kommentar:
Der bekannteste
französische Soziologe Pierre BOURDIEU
ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Mit
dem Buch "Die feinen
Unterschiede" stellte der die
Politik der Lebensstile in den
Mittelpunkt.
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- FAZ.NET (2002):
Bevölkerungswissenschaftler Birg.
"Wir brauchen ein
anderes Zuwanderungsgesetz,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung Online v. 24.01.
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-
BUHR, Elke (2002):
Alle so anders.
Die aktuelle
Familienkampagne der Bundesregierung,
fotografiert von Herlinde Koelbl,
in: Frankfurter Rundschau
v. 24.01.
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- PFLEIDERER,
Verena (2002): Mit 30 Buchstaben zum
Traumpartner.
Nogambo: Neues
Computersystem sucht bei Single-Party für jedes
einsame Herz einen Partner,
in: Augsburger Allgemeine
v. 23.01.
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- BAUSCHMID,
Elisabeth (2002): Die Amme der Emma.
Die Frau mit dem Heft in der
Hand: "Wenn ich mich klonen könnte..."
in: Süddeutsche Zeitung v.
23.01.
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- POHL,
Ronald (2002): Franz Innerhofer 1944 - 2002.
"Leibeigener",
Sprachbezwinger - der Autor beging Selbstmord,
in: Der Standard v. 23.01.
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SPIEGEL
-Titelgeschichte: Der künstliche Kindersegen.
Baby-Boom aus der Retorte |
- BLECH,
Jörg/LAKOTTA, Beate/NOACK, Hans-Joachim
(2002): Babys auf Rezept.
Jedes 80. Kind in
Deutschland kommt heute aus der
Petrischale. Die einst verteufelte
künstliche Fortpflanzung ist zum
globalen Geschäft geworden. Und die
"Retortenkinder" gedeihen
prächtig. Nur an einem scheitern die
Babymacher bisher - die biologische Uhr
der Frau zu stoppen.
in: Spiegel Nr.4 v. 21.01.
- BLECK,
Jörg & Gerald TRAUFETTER (2002):
"Laborbabys werden mehr
geliebt".
Der Chemiker und
Schriftsteller Carl Djerassi über den
Erfolg der Anti-Baby-Pille, die Trennung
von Sex und Fortpflanzung und die Zukunft
des Kinderkriegens,
in: Spiegel Nr.4 v. 21.01.
- Kommentar:
DJERASSI
widerspricht der landläufigen
These vom
"Pillenknick":
"Der
Rock'n'Roll, die Hippiekultur,
die Drogen, die Frauenbewegung -
all das hat in den sechziger
Jahren eine Rolle gespielt. Die
Pille hat die ganze Revolte nur
erleichtert - und natürlich
angenehmer gemacht."
Seine
Vision für die Zukunft der
wohlhabenden Staaten:
"Ich
behaupte, dass am Ende Verhütungsmittel total
unnötig sein werden. Die Menschen werden ihre
Spermien und Eier in einer Bank auf Eis legen können
und lassen sich anschließend sterilisieren."
Damit
soll die bessere Vereinbarkeit von Beruf und
Karriere bei Frauen ermöglicht werden.
DJERASSI
hält die Reproduktion sogar für
einen Segen für die
traditionelle Familie:
"Die im Labor entstandenen
Kinder sind stets gewünscht: Sie
werden deshalb mehr geliebt als
natürlich gezeugte Kinder, was
die Familie auch sehr stärken
könnte."
Eine
solche Sichtweise ist jedoch zu
einseitig. Wenn dadurch die
biologische Elternschaft
gestärkt wird, dann bedeutet das
gleichzeitig eine Schwächung der
sozialen Elternschaft und damit
werden Scheidungs- und
Waisenkinder noch stärker zu den
Problemkindern dieser schönen
neuen Familienwelt.
- LAKOTTA,
Beate (2002): Drillinge - die
Schattenseite der Fortpflanzungsmedizin.
Zwei Nürnberger
Ärzte fühlen sich von den
Reproduktionsmedizinern missbraucht: Der
eine ist Pränatalmediziner und muss
immer wieder Drillingskinder aus der
Retorte im Mutterleib töten, damit ihre
Geschwister eine Chance haben, der andere
päppelt Mehrlinge im Brutkasten auf.
in: Spiegel Nr.4 v. 21.01.
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- KEIL,
Lars-Broder (2002): Was kommt nach der
Spaßgesellschaft?
Freizeitforscher
Horst W. Opaschowski hält die Angestellten- und
Versorgungsmentalität in Deutschland für
besonders ausgeprägt
in: Berliner Morgenpost v.
20.01.
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SonntagsZeitung-Thema:
Fairplay-at-home
- MORELL,
Marco (2002): Hausgemachter Krach.
Permanenter Streit in
der Beziehung ist der Preis für die
Erprobung neuer gleichheitlicher
Rollenmodelle im Haushalt,
in: SonntagsZeitung v. 20.01.
- KRÄHENBÜHL,
Eva (2002): Die Patrons spielen
Krippengötti.
Grosse Firmen
investieren in Kinderkrippen, aber nur
dort, wo es sich rechnet,
in: SonntagsZeitung v. 20.01.
- GREGORIO,
Walter de (2002): Die Mammas machen sich
davon.
Italiens Frauen
zeigen, was Emanzipation wirklich heisst:
Für ihr Glück brauchen sie weder einen
Ehemann noch dessen Karriere
in: SonntagsZeitung v.
20.01.
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- HUBSCHMID,
Christian (2002): "Lieber nichts machen als
Quatsch".
Sven
Regener über die Zukunft von Element of Crime
und seinen Herrn Lehmann,
in: SonntagsZeitung v.
20.01.
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-
WEIDERMANN,
Volker (2002): Unter die Netzhaut.
Der
amerikanische Schriftsteller Jim Knipfel ist
sechsunddreißig und fast völlig erblindet.
Sein Roman "Blindfisch", der jetzt auf
deutsch erscheint, erzählt von seinem Weg in die
drohende Dunkelheit,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 20.01.
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-
PAOLI,
Guillaume/RICHTER, Peter/SIEMONS, Mark/STAUN,
Harald/SEIDL, Claudius (2002): An allen Tagen
sollst du ruhn!
Der
ewige Sonntag als Chance und Utopie: Thesen zur
Kultur der arbeitslosen Gesellschaft,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 20.01.
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- ZIELKE, Anne
(2002): Vernunft in Zeiten der Liebe.
Heiraten nach Plan: Indien
feiert die Love Season,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 20.01.
- Kommentar:
Anne ZIELKE berichtet von
einem Ehemodell das in westlichen
Ländern unbeliebt ist, außer bei
Bevölkerungswissenschaftlern, Soziologen
und konservativen Kulturpessimisten:
"93 % der jungen Inder wünschen
sich noch immer eine arrangierte
Hochzeit. Wenn es schiefgeht, kann man es
einfach auf die Eltern schieben."
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- LEHNARTZ,
Sascha (2002): Vor die gläserne Wand gerannt.
Was
Angela Merkel widerfahren ist, passiert auf dem
Weg in Führungspositionen eigentlich ständig,
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 20.01.
- Kommentar:
Sasha LEHNARTZ beruft sich
auf Rita SÜSSMUTH, um das
Problem von MERKEL zu
umschreiben: ihre Kinderlosigkeit, denn
"die effektivsten Karrierekiller
sind für Frauen in der Wirtschaft immer
noch Kinder".
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- GERMIS,
Carsten (2002): Krippenplätze statt Kindergeld.
Der Kinder- und
Jugendbericht fordert eine neue Politik für die
Familie
in: Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung v. 20.01.
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- FRÖMEL,
Susanne (2002): Ich könnte platzen vor Glück.
Hera
Lind ist die erfolgreichste Autorin Deutschlands
und liebt die Idylle. Intime Einblicke in ein
fast perfektes Leben
in: Welt am Sonntag v.
20.01.
- Kommentar:
Eine Homestory von
FRÖMEL über
Hera LIND, deren
neuestes Buch nicht die erhoffte Auflage
bringt.
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- MÄNZ,
Christina (2002): Weiblich, ehrgeizig, erfolglos.
Viele
der amerikanischen Top-Managerinnen scheiterten
in den vergangenen Monaten. Frauen haben sich in
der Männerdomäne noch lange nicht etabliert
in: Welt am Sonntag v.
20.01.
- Inhalt:
Scheitern ist
weiblich! MÄNZ nimmt den Misserfolg von
Angela MERKEL zum
Anlass, um über das Schicksal der
amerikanischen Top-Managerinnen zu
berichten:
"Viel
zu gucken gibt es da allerdings immer
noch nicht. Gerade mal neun der
Top-1000-Unternehmen in den Vereinigten
Staaten werden von Frauen geleitet; in
den Fortune-500-Unternehmen beläuft sich
ihre Zahl auf sechs. Im Jahr 2000 waren
es nur zwei. Und dann auch noch das:
Viele der ambitionierten Business-Ladys,
die die Hitliste der exklusiven
Männer-Enklave Top-Management'
erklommen hatten, scheiterten in den
vergangenen Monaten."
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- KAISER,
Alfons (2002): Namenlos
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.01.
- Kommentar:
KAISER beschäftigt
sich auf der Titelseite angesichts
"1,4 Kinder pro Frau" mit dem
Problem der Namensfindung in
individualisierten Ein-Kind-Familien, die
er
fälschlicherweise
zur Regelfamilie macht.
Er folgt
damit zwar der weitverbreiteten Logik von Ulrich BECK, der die
Neue Mitte mit der Gesamtgesellschaft
gleichsetzt und damit die Mehrheit der
Gesellschaft ignoriert. Aber in einer
Zeitung für die Neue Mitte interessiert
dies sowieso niemand.
KAISER
hält deshalb Namen für "Symptome
sich verändernder Lebensstile. So wie
man sich heute im Individualisierungssog
seine Biographie wie aus dem Setzkasten
zusammenbaut (...) so zeigt man auch gern
Weltläufigkeit im Eigennamen. Man geht
nicht mehr in die Welt hinaus und zeigt
seine Herkunft." Denn der
"Bestand an Vornamen ist größer
als je zuvor. Die
Erlebnisgesellschaft hat in
Urlaubsbekanntschaften,
Seriendarstellern, Popmusikern und
Sportgrößen aus aller Welt ein
gigantisches Reservoir an Vorbildern
gefunden. Deren Namen umglänzt Verehrung
oder auch nur Sympathie. Kevin Keegan,
Kevin Costner und die Flut kleiner
deutscher Kevins illustrieren die
Bedeutung der Populärkultur in einer
Zeit, die sich vielfach vom Herkommen
gelöst hat. Das macht Vornamen auch
schlicht und einfach zu
Modeartikeln."
Kulturkritik ist eben
chic und wer Alfons heißt, den
identifiziert man namensmäßig
zwangsläufig mit untergegangenen Zeiten.
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- KLÜVER,
Reymer (2002): Gelähmt in ein anderes Leben.
Tumorpatienten
werden medizinisch bestens betreutaber wer
hilft den Zurückgebliebenen, auf den Trümmern
ihrer Familien wieder gehen zu lernen
in: Süddeutsche Zeitung v.
19.01.
- Inhalt:
KLÜVER berichtet
über den Fall eines Mannes, der durch
den Tod seiner 36jährigen Frau zum
allein erziehenden Vater wurde.
Martina
NICOLAIDIS (siehe
ZEIT
vom 10.01.2002) hat
aufgrund ähnlicher Erfahrungen eine
Selbsthilfeorganisation für verwitwete
Mütter & Väter gegründet, die auch
im Web unter
www.verwitwet.com präsent
ist.
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- KÄPPNER,
Joachim (2002): Ein Professor für die CSU.
Wie ein
akademischer Außenseiter die Angst schürt, die
Deutschen würden zur Minderheit im eigenen Land
in: Süddeutsche Zeitung v.
19.01.
- Kommentar:
KÄPPNER berichtet
über die Vorstellung des Gutachtens von
Herwig BIRG (siehe FR vom 18.01.) und den
daran anschließenden Professorenstreit
zwischen BIRG und seinen Kollegen BADE
und OBERNDÖRFER.
KÄPPNER behauptet,
dass die Prognosen von BIRG
wissenschaftlich unumstritten seien. Dies
mag vielleicht für Deutschland stimmen,
aber nicht international! Die deutsche
Praxis wird z.B. von dem belgischen
Demografen
Ron
LESTHAEGE
kritisiert.
- OBERNDÖFER,
Dieter (2002): Altersheim Deutschland.
Ein drastisches Plädoyer
für mehr Zuwanderung,
in: Süddeutsche Zeitung v.
19.01.
- Kommentar:
Der Freiburger
Politikwissenschaftler
Dieter OBERNDÖRFER
kritisiert nicht die - keinesfalls
unumstrittene - Prognose von BIRG,
sondern forciert dessen
Rhetorik
des Aussterbens noch,
indem er sogar Voraussagen bis zum Jahr
2075 vorträgt.
Offenbar möchte er nur BIRGs These, dass eine Trendwende beim
demografischen Wandel ohne Zuwanderung
möglich sei, widerlegen. Eine solche
Strategie ist um keinen Deut besser als
jene von BIRG, sondern geht auf Kosten
der Singles.
Singlefeindlichkeit statt
Fremdenfeindlichkeit, das darf nicht die
Alternative sein!
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- GRIESE,
Inga (2002): Familienbilder.
Zwei
Frauen, zwei Familienmodelle: Karin Stoiber
organisiert es klassisch - langjährige Ehe, drei
Kinder, Enkel...,
in: Welt v. 19.01.
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- RUTSCHKY,
Michael (2002): Putzfrau
in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
- Kommentar:
Die neue Mitte hat
ein Problem:
"Fast jeder
beschäftigt unterdessen eine; und immer
wieder gibt es Schwierigkeiten zu
erzählen - Schwierigkeiten, welche die
Putzfrauen machen, keinesfalls die
Herrschaft."
Im
Gegensatz zu
Susanne RIEDEL widmet
sich der Essayist den zentralen Problemen
in den Mitte-Haushalten der Berliner
Republik, die nicht wie
RUTSCHKY in einem
großbürgerlichen Haus wohnen.
Früher in
den guten alten autoritären,
frühliberalen Zeiten der Erstmoderne
löste die Dienstmädchenkammer das
Dienstbotenproblem auf elegante Weise.
Vielleicht
hilft in diesem Fall
Florian
ILLIES' "Anleitung zum
Unschuldigsein" zur
Überwindung dieser mentalen Barriere auf
dem Weg in die frühliberale
Zweitmoderne.
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- HÖFLER,
Barbara (2002): Generation Kukident.
Zu alt fürs Leben? Im Kölner
"Büro Zeitsprung" wehren sich wackere
Mittsechziger gegen die Altersdiskriminierung.
in: Frankfurter Rundschau
v. 18.01.
- Kommentar:
Die alternde
68er-Generation ist zur
"Generation Kukident" geworden
und bereitet gerade die zweite Revolution
vor, diesmal jedoch keine Jugend- sondern
eine Altersrevolte.
Der Verein
"Büro gegen
Altersdiskriminierung" wendet sich
gegen die "neueste" Form der
Diskriminierung. Seit Demografen nur noch
verachtend von "Alterslasten"
und "Vergreisung" parlieren,
ändert sich das gesellschaftliche Klima.
Die
stärkste Altersgruppe stellt zur Zeit
die
Generation
Golf als Inbegriff der
Neuen Mitte. Sie wird deshalb von allen
Parteien umworben.
Bis sich
das Gewicht zugunsten der Älteren
verschiebt, bleibt den 68ern deshalb nur
die Aufklärung mittels eigener Website:
www.altersdiskriminierung.de
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- GRIESE,
Inga (2002): Reicher ER sucht ebensolche SIE.
Seit
über 25 Jahren bahnt sich bei Claudia
Püschel-Knies etwas an. Die Annoncen ihrer
Partnervermittlung haben längst Kultstatus. Ein
Besuch bei der Heiratsvermittlerin
in: Welt v. 18.01.
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- RIEDEL,
Sabine (2002): Illegal.
Geschichte
einer "Perle" aus dem Osten,
in: Frankfurter Rundschau
v. 18.01.
- Kommentar:
RIEDEL erzählt die
Geschichte einer tschechischen
Haushaltshilfe, die im Alter von 18
Jahren als Au-Pair-Mädchen mit einem
Touristenvisum nach Deutschland einreiste
und im Haushalt einer
Vorstadtmittelschichtfamilie arbeitete.
Nach Ablauf ihres Visums arbeitete sie
illegal für eine städtische
Mittelschichtfamilie weiter.
RIEDEL
liefert zwischendurch die spärlichen
offiziellen Fakten, die über solche
Haushaltshilfen bekannt sind und über
die politische Debatte um
Teillegalisierung im Anschluss an eine
groß angelegte Polizeirazzia, die diese
Praxis exemplarisch aufdeckte.
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- HSF (2002):
Spricht das Ruhrgebiet bald Türkisch?
Sprach- und
Integrationsprobleme in den Grossstädten des
alten Industriereviers,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 18.01.
- Inhalt:
HSF hat in
Gelsenkirchen eine Grundschule ausfindig
gemacht, in der die Ausländer in der
Mehrheit sind, um Herwig BIRGs
Bedrohungsszenario zum Thema machen zu
können:
"So
schockierte gerade Heinz Birg,
Bevölkerungswissenschafter an der
Universität Bielefeld, in einem
Zeitungsinterview die Öffentlichkeit:
«Wir denken immer, wenn wir von
Integration sprechen, an eine
deutsche
Mehrheitsgesellschaft, in die eine
Minderheit zu integrieren ist. Es kommt
aber genau umgekehrt. In den
Grossstädten kippt bei den unter
40-Jährigen schon ab 2010 das
Mehrheitsverhältnis Deutscher zu
Zugewanderten. Integration bedeutet dann:
Wie integriere ich mich als Deutscher in
eine neue Mehrheitsgesellschaft aus
Zugewanderten?»"
HSF zitiert
hier die Welt vom 02.01.2002.
Dies war sozusagen
die inoffizielle Eröffnung des
STOIBER-Wahlkampfes, denn BIRG hat im
Auftrag der bayrischen Landesregierung
ein Gutachten (siehe FR vom 18.01.)
erstellt, das die Kontroverse Familien
contra Singles forcieren wird.
- FRANKFURTER
RUNDSCHAU (2002): "Von Zuwanderung
profitiert vor allem der Migrant, nicht der
Staat".
Was
der Bielefelder Bevölkerungsforscher Herwig Birg
im Auftrag des Landes Bayern herausgefunden hat /
Die Zusammenfassung seines Gutachtens
in: Frankfurter Rundschau
v. 18.01.
- Kommentar:
Die
FR dokumentiert BIRGs Gutachten für die
Bayrische Landesregierung. Die zentrale
Aussage ist:
"Die
bis 2020 nur mäßige Abnahme des
Arbeitskräftepotenzials um rd. 8 Prozent
bietet den benötigten zeitlichen
Spielraum zur Vorbereitung und
Durchführung einer von Zuwanderungen
unabhängigen, demographisch orientierten
Familienpolitik zur Anhebung der
Geburtenrate. Dies bedeutet, dass das
Ziel, langfristig zu einer demographisch
nachhaltigen Bevölkerungsentwicklung
zurückzukehren, nicht unerreichbar
ist."
Der Begriff
"demographisch orientierte
Familienpolitik" ist die neudeutsche
Sprachregelung für Bevölkerungspolitik.
Wie ist dies zu erreichen?
"Um
das Ziel einer bestandserhaltenden
Geburtenrate von zwei Kindern pro Frau zu
erreichen, müsste sich die
Familienpolitik vor allem auf einen Abbau
der lebenslangen Kinderlosigkeit
konzentrieren."
Eine solche
Zielsetzung läuft zwangsläufig auf eine
Verschärfung der Kontroverse
"Familien contra Singles"
hinaus.
Frankreich
ist BIRGs Vorbild. Obwohl dort
Bevölkerungspolitik eine lange Tradition
hat, ist die dortige Geburtenrate kaum
höher als in Deutschland. Da Frankreich
länger als Deutschland ein Agrarstaat
war, dürfte dort der Geburtenrückgang
erst noch bevorstehen.
Dreh- und
Angelpunkt des Überfremdungsarguments
ist der angebliche Zuwanderungsdruck aus
den Mittelmeeranrainerstaaten:
"Wer
über Zuwanderung spricht, muss auch die
demographische Entwicklung in den
potenziellen Herkunftsländern
berücksichtigen. In unmittelbarer
Nachbarschaft zu Deutschland und Europa -
in den südlichen Anrainerstaaten des
Mittelmeers von Marokko über Algerien,
Tunesien, Libyen und Ägypten bis zur
Türkei".
Gerade
diese Länder zeigen jedoch, dass die
Bevölkerungsentwicklung nicht so
voraussehbar ist, wie BIRG das gerne
behauptet. Im Maghreb, den ehemaligen
französischen Kolonien Algerien, Marokko
und Tunesien hat nach einem Bericht des
französischen
Nachrichtenmagazins
L'Express vom 25.01.2001 in den
letzten 30 Jahren ein dramatischer
Geburtenrückgang stattgefunden: von 7,5
Kinder auf etwas mehr als 2 Kinder pro
Frau. Würde man BIRGs Prinzipien einer
linearen Fortschreibung von Geburtenraten
auf diese Länder anwenden, dann gäbe es
dort in 30 Jahren eine Region ohne Volk.
Keiner würde jedoch so etwas für
realistisch halten. Aber genau nach
diesem Grundmuster sind BIRGs Prognosen
für Deutschland gestrickt!
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- SCHADER,
Angela (2002): Arbeitskraftreserven.
Unter den "working
poor" in Amerika,
in: Neue
Zürcher Zeitung v. 17.01.
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- OXFORT,
Christina (2002): Den Generationenvertrag
"leben".
Großes Interesse am Projekt
"Gemeinschaftliches Wohnen"/Haus in der
Blücherstraße im Visier,
in: Wiesbadener Kurier v.
17.01.
- Inhalt:
Bericht über ein
Projekt, bei dem Alleinerziehende,
Singles und Familien verschiedener
Altersstufen, Berufen und Interessen das
gemeinschaftliche Wohnen praktizieren
wollen.
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- HÖPFNER,
Marc (2002): Ich habe einen Traum,
in:
Die ZEIT Nr.4 v. 17.01.
- Kommentar:
Der
britische
Bestsellerautor Nick HORNBY träumt
von San Francisco und erzählt von seiner
nicht-konventionellen Familie, die jeden
Statistiker alter Schule die Haare zu
Berge stehen lassen würde.
Polarisierer
wie
Herwig BIRG oder
Jürgen
BORCHERT würden
sich die Hände reiben, denn HORNBY ist
in ihren statistikblinden Augen ein
Single, weil er nicht mit seinem Sohn
zusammenwohnt, sondern "ein paar
Meter entfernt wohnt" von seiner
Ex-Frau.
Warum er
seinen Traum nicht lebt, erklärt er
damit, dass seine Familie die
Immobilität erfordert. Auch so kann das
angeblich hochmobile Singleleben
aussehen!
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- GREFE,
Christiane/MAYER, Susanne/THADDEN, Elisabeth
(2002): Was Familien jetzt brauchen.
Alle
wissen, das Leben mit Kindern ist schwierig. Aber
wie helfen? Zum Schluss der ZEIT-Serie über
Familien fragen wir nach Ideen: bei der
zuständigen Ministerin, einem
Verfassungsrechtler, einem Jugendforscher, einer
Grünen-Politikerin,
in: Die ZEIT Nr.4 v. 17.01.
- Kommentar:
Die ZEIT beendet
ihre Familienserie mit 4 Interviews. Die
Familienministerin Christine BERGMANN
darf über Kinderbetreuung reden.
Der
konservative Verfassungsrechtler
Paul
KIRCHHOFF darf seine
Vorstellungen über das Erziehungsgeld
für Eltern verbreiten. Offensichtlich
ist er der etwas naiven Ansicht, dass die
Angleichung der Erziehung an die
Erwerbsarbeit auf den finanziellen Aspekt
begrenzbar bleiben könnte. Idylle pur!
Wahrscheinlicher ist jedoch, dass der
Beruf Mutter dann endgültig von der
biologischen Mutterschaft abgelöst
werden wird. Das Leistungsprinzip muss
dann auch im Privathaushalt eingeführt
werden - Kapitalismus pur und nicht
Familiensozialismus!
Während
der Fragesteller vom SPD-Familienbegriff
"Familie ist da, wo Kinder
leben" (Familie als
Familienhaushalt) ausgeht, antwortet
KIRCHHOF jedoch, indem er einen
statistisch nicht erfassten,
alltagssprachlichen Familienbegriff benutzt:
"Menschen, die keine
Kinder haben, sei es, dass sie keine Kinder wollen oder dass
ihnen dieses Glück nicht beschieden ist".
Während
also der Fragesteller Familie als Minderheit stilisiert,
spricht KIRCHHOFF von Familie als Mehrheit, aber so, als ob
dies die angesprochene Minderheit wäre. So einfach lässt
sich aneinander vorbei argumentieren. Dies ist nicht die
Ausnahme, sondern die Regel bei der Scheinkontroverse
Familien contra Singles.
Ingo
RICHTER spricht über GASCHKEs
"Erziehungskatastrophe". Im
Gegensatz zu GASCHKE sieht er hier jedoch
das Problem nicht in den Mittelschicht-,
sondern bei den Migrantenfamilien und
fordert deshalb Jugendhilfe, statt
Bildung.
Zuletzt
darf die
grüne
Familienrebellin Katrin GÖRING-ECKARDT
aus der Generation Golf ihre neoliberale Familienpolitik
vertreten. GÖRING-ECKARDT sieht zumindest realistisch, dass
eine kompensatorische Bildungspolitik nur erfolgreich sein
kann, wenn man denjenigen Eltern Zeit mir ihren Kindern
wegnimmt, die ihre Kinder selbst erziehen wollen. Aus diesem
Grunde vertritt sie konsequenterweise die Interessen der
neuen Mitte:
"Am liebsten würde ich
überall kostenlose Programme für die Bildungsverlierer
auflegen. Aber die Eltern im Engagement für ihre Kinder
einschränken: das nicht."
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- FLEER,
Cornelia (2002): Dogma ohne Dogma.
In
"Italienisch für Anfänger" leihen
sich dröge Dänen das Temperament des Südens,
in: Jungle World Nr.4 v.
16.01.
- WEGNER,
Sven (2002): Viel Witz, wenig Make-up.
Interview
mit der Dogma-Regisseurin Lone Scherfig,
in: Jungle World Nr.4 v.
16.01.
- ROTHER,
Hans-Jörg (2002): Wenn wir Nervösen uns regen.
Wieviel Dogma braucht der
Süden? Lone Scherfig lehrt "Italienisch
für Anfänger" im Kino,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 16.01.
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- KOTHENSCHULTE,
Daniel (2002): Der Nomade im Speck.
Mobile Möbel für das
Gepäck des modernen Wanderers: Flüchtiges von
der Kölner Möbelmesse,
in: Frankfurter Rundschau
v. 16.01.
- Inhalt:
"Die Leute
ziehen oft um, und kaufen dann spontan
das eine oder andere dazu, was sie sich
leisten können und irgendwie zu dem
passt, was sie schon haben", zitiert
KOTHENSCHULTE den Chef-Designer Per
WEISS. Sein Markenzeichen:
"Unter
jedem Tisch und Schemel stehen (...) die
schlichten Rollen von Krankenhausbetten
für Mobilität."
Besser gefällt
dem Autor jedoch die
Idee des
Jobnomadentums
"durch den Zeltstoff ausgedrückt,
der sich als ähnlich universell
einsatzfähiger Werkstoff erweist wie
einst Pantons Kunststoffe."
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- KLINGENSTEIN,
Susanne (2002): Generationstexte.
Ende der Verschiedenheit,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 16.01.
- Kommentar:
KLINGENSTEIN
referiert über ein Treffen der
Literaturwissenschaftler. Sie endet ihren
Bericht damit, dass sie einen
Zusammenhang zwischen Literatur und
Gesellschaftsform herstellt:
"Verbindliche
Kriterien für den
Umgang mit Texten gibt es nur in
dogmatischen Gesellschaften. Für
Demokratien gilt Emersons Wort: 'Jede
Generation muß ihre eigenen Bücher
schreiben.'"
Die neue
Website
www.single-generation.de wird sich
u.a. in diesem Sinne zukünftig dem
Generationenthema widmen.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. - 15. Januar
2002
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