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Medienrundschau:
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News vom
08. - 14. Januar 2004
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Zitat
des Monats:
"Tom
Ripley ist mit fünfundzwanzig schon ein älterer Herr. Er kann es
nur sein, indem er das Leben, das seinem Stand und seiner
Herkunft nach für ihn gedacht war, auslöscht. Das fällt ihm
nicht schwer, denn Tom Ripley kommt aus dem Nichts.
Er ist Vollwaise und in bescheidenen Verhältnissen
aufgewachsen. Er hat nicht studiert und muß sich mit
erniedrigenden Jobs über Wasser halten, bevor er die Gelegenheit
bekommt, ein anderer zu werden. Die Gelegenheit kommt, als er
die Möglichkeit hat, seinen wohlsituierten Freund umzubringen
und dessen Identität anzunehmen.
(...). Eben noch ein grüner Junge aus dem Bostoner
Kleinbürgertum, überspringt er einfach die mittleren Jahre, in
denen er sich normalerweise ein Leben aufbauen, erkämpfen und
einrichten müßte, und schnappt sich die Attribute und
Ausstattungsstücke des gesetzten Alters der Upperclass. (...).
Er will zu diesen goldbeschienenen jungen Menschen gehören, weil
sie eine Vergangenheit haben und deshalb auch eine Gegenwart und
Zukunft. Sie haben, ganz banal, eine Familie. Eine Familie, die
ihn etwas vererbt hat, Geld, aber
nicht nur Geld, sondern ein Leben, in das man gehören kann."(S.43f.)
(aus: Malin Schwerdtfeger "Wir
Nutellakinder" im
Kursbuch "Die 30jährigen") |
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GREFFRATH, Mathias (2004): Der leere Sockel,
in: TAZ v. 14.01.
- Kommentar:
"Volkshochschulen,
Wüstenrot und Lesering.
Schelskys Mittelstandsgesellschaft wurde zum Spitzenslogan der
soziologischen Nachkriegsideologie. Für ein Jahrzehnt verschwanden
Klasse, Bürgertum, ja selbst
Unterschicht aus der Diskussion",
doziert Mathias GREFFRATH.
Paul NOLTE hat in der
ZEIT vom 17.12. 2003 diese konservativ-bürgerliche Idee von der
"klassenlosen" Gesellschaft verabschiedet, um sein
sozialpädagogisches Konzept der neuen Werteelite vorzustellen.
"Das
klingt fürsorglicher und weniger zynisch als etwa
Peter Glotz fatalistische Prognose, ein Drittel werde eben im
digitalen Kapitalismus nicht mehr gebraucht, man möge ihnen ein
karges Grundeinkommen garantieren, damit sie nicht mit Steinen
schmeißen. Nolte will die Prolls wieder in die
»Mehrheitsgesellschaft« integrieren, an die bürgerlichen Werte
»anschließen«", anerkennt GREFFRATH erst einmal, um anschließend
NOLTEs Vorschläge als Plädoyer für einen "Turbokapitalismus mit
guten Manieren" zu kritisieren.
GREFFRATH setzt NOLTE seine eigene
Utopie entgegen, in der die Tradition der bürgerlichen Geschichte,
und ihren beiden Strängen - Aufklärung und Kapitalismus -
vereint wird: "die der weltbürgerlichen Arbeitsgesellschaft."
"»Work
hard and play by the rules«, das ist die
halbierte Bürgerlichkeit, solange man nicht über die
rules streitet. Und deshalb bleibt, wie Adorno schon sagte, der
Sockel einstweilen leer",
entgegnet er NOLTE.
Unkritisiert bleibt dagegen der lange
Artikel von NOLTE in der TAZ vom 31.12.2003.
Möglicherweise gibt es ja zwischen GREFFRATH und NOLTE mehr
Übereinstimmungen als Unterschiede.
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RIPPLINGER, Stefan (2004): Im Dutzend billiger.
Alle wollen Elite sein,
in: Jungle World Nr.4 v. 14.01.
- Kommentar:
Die Wochenzeitung widmet dem Thema "Die Elite
will's wissen" eine Titelgeschichte. RIPPLINGER hat die anderen
Medien beobachtet und verteidigt den Elitenbegriff der
Neue-Mitte-SPD gegen die
humanistischen Verächter:
"Die
späteren Eliten außer mit Langeweile und Leere auch in Cash für ihre
Ausbildung zahlen zu lassen, ist keine unbillige Forderung. Es
befremdet an den Studentenprotesten, dass diejenigen, die nach oben
streben, noch nicht einmal den Aufzugführer entlohnen wollen.
Noch befremdlicher ist der Aufschrei gehätschelter Humanisten, die
ahnen, dass die SPD mit »Elite« sie gewiss nicht meint. (...).
Mancher Humanist ist peinlich berührt, dass ausgerechnet Durchboxer
und Putzfrauensöhne wie Scholz und Schröder von einer Elite zu
sprechen sich erdreisten. Thomas Steinfeld in der Süddeutschen: »Eine ›Elite‹ ist eine
heikle Angelegenheit. Denn solange es sie gibt, ist von ihr nicht
die Rede. Sie leistet etwas und spricht wenig darüber.« Sie ist,
meint Dr. Steinfeld wohl, so bescheiden und selten wie er selbst.
Dabei scheint der Tag nicht fern, an dem die Nanotechnologie so weit
ist, solche wie ihn im Dutzend zu erzeugen, und alle passen auf eine
Nadelspitze."
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MAYER, Verena (2004): Du bist nicht allein.
Ein Konsumartikel wie jeder andere: Ein Besuch der "Hochzeitswelt",
eine Art Fachmesse,
in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
- Kommentar:
Im Gegensatz zu
Andreas MERKEL hat Verena MAYER die
Studie "Der Konsum der Romantik" von Eva ILLOUZ zur Kenntnis
genommen:
"Es
ist interessant, wie wenig die »Hochzeitswelt« den Eindruck erwecken
soll, dass es sich beim Heiraten um ein individuelles Erlebnis
handelt, um eine romantische Angelegenheit zwischen zwei Personen.
Durch die Brille der israelischen Soziologin Eva Illouz betrachtet,
deren Studie Der Konsum der Romantik gerade so viel Aufsehen erregt, hieße
das: Hier werden Paare ihrer vielleicht authentischen Liebe
entfremdet, indem sie auf Konsumrituale der Oberschicht
hereinfallen. »Die Formeln romantischer Liebe werden heute nur noch
von kulturell Benachteiligten für bare Münze genommen«, schreibt
Illouz.
Tatsächlich gibt es überall rote Herzen und Blumengestecke, um die
Besucher romantisch zu stimmen, die alle acht Euro Eintritt gezahlt
haben. Es sind festlich geschmückte Tafeln aufgebaut, mit
Stoffservietten und goldenen Stühlen, an den Wänden hängen Schilder,
auf denen »Trau dich!« steht."
Am Ende verteidigt Verena MAYER ganz
unromantisch das Hochzeitsritual:
"Besucher
der kulissenhaften »Hochzeitswelt«
den Sinn von Hochzeiten erkannt: Hochzeiten werden der
Repräsentation wegen gefeiert, sie sind dazu da, gesellschaftliche
Potenz zu demonstrieren.
(...).
Indes stiften jene, die bei einer Hochzeit eigentlich imitiert
werden sollen, nur Verwirrung: Der Adel hat in
Heiratsangelegenheiten die wahre Liebe jenseits der Konvention für
sich gepachtet. (...).
Nicht die Leute, die auf eine Hochzeitsmesse gehen und für hartes
Geld romantische Leistung sehen wollen, sind zu belächeln. Wir sind
es, die wir erschüttert Eva Illouz lesen, die wir mit unserem von
Ironie durchsetzten Bewusstsein kunstseidene Brautkleider und
herzförmige Hochzeitstorten doof finden, Britney
Spears mit ihrer Las-Vegas-Nummer aber
»irgendwie
witzig«,
wir, die wir eine ungekünstelte Hochzeit wollen - wir sind die mit
den hoffnungslos falschen Illusionen."
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- HAGER, Isabella & Stefanie TRÄXLER
(2004): Solo sucht Supermann: Liebe auf den ersten Klick,
in: Der Standard v. 13.01.
- HAGER, Isabelle (2004): Viertueller
Traumprinz wird reeller Frosch.
"Die Realität kann oft mit der Fantasie nicht Schritt hatlen",
meint Markus Lau Christen von "Blinddate-Sexurity". Isabelle Hager
erklärt er, worauf man achten soll, wenn man Leute aus dem Chat
trifft,
in: Der Standard v. 13.01.
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KRAIS, Beate (2004): Orientierung in der wuselnden Welt.
Die so genannten Besten und
der so genannte Rest: Die gegenwärtige Eliten-Debatte hat eine
Rückseite - in ihr drücken sich immer noch apokalyptische Visionen von
einer Vermassung aus, die offensichtlich nach wie vor zur Mythologie
der bürgerlichen Mittelschichten gehören. Leider, muss man sagen,
in: TAZ v. 13.01.
- Inhalt:
"Da
fallen Begriffe wie »wirkliche Elite« oder »Geisteselite«; im
Artikel von Wolf Lotter in der taz vom 9.
Januar werden, bezogen auf die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen,
die Intellektuellen, die Wissenschaftler, die Schriftsteller der
Weimarer Republik genannt und dann die »vielen Außergewöhnlichen«,
die »Minderheit, die Elite des Widerstands«. Bildung ist also,
jedenfalls in Deutschland, immer mit im Spiel. Vor allem aber geht
es darum, das »Mittelmaß«, kurzum: die »nivellierte Masse« hinter
sich zu lassen - und hier finden wir sie wieder, die Entgegensetzung
von Masse und Elite, die Verachtung für den »Rest« der Bevölkerung,
der kein Rest ist, sondern die Mehrheit.
Die apokalyptischen Visionen von der »Nivellierung« und »Vermassung«
gehören offensichtlich nach wie vor zur Mythologie der bürgerlichen
Mittelschichten, insbesondere der Bildungsschichten,"
kritisiert die Soziologin
Beate KRAIS.
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BEYER, Susanne & HENSEL, Jana (2004): Die romantische Utopie.
In einer von wirtschaftlichen Sorgen und Zukunftsangst geprägten
Gegenwart arbeiten Werbung und Kulturindustrie emsig an der
Rekonstruktion des Romantischen: Von Liebe redeten die Menschen lange
nur ironisch - nun ist sie das Zauberwort der Stunde,
in: Spiegel Nr.3 v. 12.01.
- Kommentar:
"Die postmoderne Kultur habe den Zusammenbruch von
übergreifenden, lebenslangen, romantischen Liebesentwürfen bewirkt,
so Illouz, »und sie in die kürzere und wiederholbare Form der Affäre
komprimiert«" zitieren die Autorinnen aus "Der Konsum der Romantik".
Was hier als postmoderne Kultur
beschrieben wird, das hat der
Soziologe Niklas LUHMANN in "Liebe als Passion"
noch positiv als
das französische Entlastungs-Modell der Ehe herausgearbeitet. Von
Susanne GASCHKE wurde das dann als
"Rebellion im Reihenhaus" für die Generation Berlin propagiert.
Bei BEYER & HENSEL geht dagegen der
Niedergang der Ehe mit der Affärenkultur einher.
Das Konkurrenzmodell dazu nennt sich serielle Monogamie: wenn
die Liebe endet, dann endet auch die Ehe oder die Paarbeziehung.
Affären sind in diesem Modell - idealtypisch - nicht vorgesehen.
Im SPIEGEL-Artikel werden diese
unterschiedlichen Vorstellungen nicht deutlich, weswegen eine
Ursachenanalyse scheitern muss.
Stattdessen wird der Zeitgeist herbei
geschrieben. 200 Jahre Romantik, da wird es doch wieder einmal Zeit
für eine "Wiederverzauberung der entzauberten Welt" im Geiste von
NOVALIS, TIECK und der Gebrüder SCHLEGEL. In Werbung und Kino finden
die Autorinnen Anzeichen dafür.
Die Sehnsucht nach Romantik wird auch
mit veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erklärt:
"Die Hoffnung auf die Verheißungen der
Globalisierung ist häufig der konkreten Angst um den eigenen
Arbeitsplatz gewichen; im Gebälk des lange Zeit so
bequemen Sozialstaats knarzt es bedenklich, und die
Träume der New Economy sind schnöde zerplatzt.
Da ist Romantik (...) willkommener Seelenbalsam."
Wenn dies stimmen sollte, dann hätte der
SPIEGEL als Teil der Kulturindustrie jedoch einen gewissen Anteil an
dieser "Rekonstruktion der Romantik".
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MERKEL, Andreas (2004): Albtraum in Weiß.
Trau dich: Ein Besuch in der "Hochzeits-Welt",
in: TAZ v. 12.01.
- Inhalt:
"Wer
die Softpornoromantik der RTL-Show »Der Bachelor« (»Willst du diese
Rose?«) für einen schlechten Scherz durchgeknallter Fernsehmacher
gehalten hat, wird auf der »Hochzeits-Welt«-Messe bloß niemanden
finden, der ihn verstanden hat. Zu lachen gibt es hier eigentlich
nichts, dafür scheinen die Bachelors und Bachelorettes mitten unter
uns zu sein. Beziehungsweise wir unter ihnen: Lauter Kleinbürger -
egal ob neue Konservative oder alte Prolls - auf der Jagd nach dem
verlorenen Schatz, den Verheißungen der überkolorierten
Wegwerfwerbungen, die sie einem hier an jeder Ecke in die Hand
drücken. Dafür stellen sich plötzlich ungeahnte Sympathien für Britney Spears ein, nach dreizehn Stunden schon wieder geschieden,
das Ganze in Baseballmütze und Jeans und in Las Vegas",
meint MERKEL zur Berliner Hochzeitsmesse.
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HÖGE, Helmut (2004): Zurück aufs Land!
Das "freiwillige ökologische
Jahr" auf dem Land wird immer beliebter. Die Landverschickung von
Künstlern und Schriftstellern auch. Sind auch Sie bereit fürs Land?
tazzwei wird ab heute in unregelmäßiger Folge die "Agronauten" zu Wort
kommen lassen,
in: TAZ v. 12.01.
-
HÖGE, Helmut (2004): Suche Frau mit 150 Hektar Land.
Der norddeutsche Agrocineast
Detlev Buck über Ernährung und Unterhaltung: "Während auf einem
Dorffest Bauern über Getreide und Schweinepreise reden, reden auf
einer gelungenen Premiere alle über mögliche Filmpreise",
in: TAZ v. 12.01.
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STEINFELD, Thomas (2004): Das Wieselwort.
Einspruch gegen die Unsitte des Wir-Sagens,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.01.
- Kommentar:
Es gibt viele gute Gründe, der
Generationenrhetorik zu mißtrauen, der
Image-Designer STEINFELD
kennt jedoch nur schlechte Gründe.
Heutzutage gilt es dem falschen
WIR der Statistik etwas entgegenzusetzen.
Jürgen LINK nennt die moderne Methode, ein statistisches Wir zu
etablieren,
Normalismus.
Dagegen polemisiert STEINFELD
gegen ein anderes Wir:
"Die
Wir-Sager haben sich die Dinge, von denen sie klagend schwärmen,
redlich verdient, vom widerlich klebrigen Brotaufstrich über den
Ziegenbart bis zu Arbeitslosigkeit und Altersarmut. Denn Wir-Sager
sind Opportunisten. Sie sind Fanatiker des Mitmachens, Apologeten
des Dabeiseins, Angehörige einer obskuren Stammeskultur, begeisterte
Untertanen."
Im Gegensatz zum modernen Normalismus,
der die Interessen mittels Statistik verobjektiviert, handelt es
sich hier um die lebensweltlichen Reaktionen jener, die dem
aufoktroyierten IHR ein eigensinniges WIR entgegensetzen.
Das Wir ist dann lediglich ein Angebot,
das erst bei Nachfrage überhaupt wirkungsmächtig werden kann.
STEINFELD greift deshalb zu kurz, wenn er "Wir-Sager" mit jenen
gleichsetzt, die an die Macht der Generationen glauben.
Wenn STEINFELD dieses Genre
der Generationenerzählungen mit Florian ILLIES ("Pionier des
selbstironischen Veteranentums") beginnen lässt, dann ist dies
nichts anderes als ein eigener generationeller Abgrenzungsversuch.
STEINFELD positioniert sich als Angehöriger der Single-Generation
und der individualisierten Gesellschaft gegen "falsche Kollektive":
"Im
Englischen gibt es eine Metapher für das moderne »Wir« und alle
anderen scheinbar freundlichen Bezeichnungen für falsche Kollektive.
Man nennt sie »weasel words«, nach einer Formulierung von
Shakespeare in »Wie es Euch gefällt« (II, 5). Denn sie sind
zutraulich, vereinnahmend und sentimental wie die süßen kleinen
Pelztiere – und wie diese sind sie Räuber. Wiesel, so heißt es,
könnten ein Ei ausschlürfen, ohne die Schale zu verletzen",
doziert STEINFELD.
Für einen Image-Designer, der sich dem
Image einer konkreten Person verschreibt, mag es eine Bedrohung
darstellen, wenn andere am Image ganzer Personengruppen arbeiten.
Letzteres ist eben effizienter...
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ADORJÁN, Johanna (2004): Die neuen Frauchen.
Mutter, Hausfrau, Pin-up: Die Sehnsucht nach der guten alten Zeit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.01.
- Inhalt:
Johanna ADORJÁN über das rückwärtsgewandte Frauenbild
in den Medien:
"Kaum sind die sogenannten »Luder« aus
der Öffentlichkeit verschwunden, treten an ihre Stelle Frauen, wie
man sie seit den fünfziger Jahren nicht mehr gesehen hat. Bieder.
Proper. Unterwürfig. Trotzköpfchen war Punk dagegen. Und die
niedlichen Girlies der frühen Neunziger Ikonen der Emanzipation."
Von "Bachelor" über "Frauentausch" bis
"El, der Millionär" findet sich dieses Frauenbild und der "»Spiegel«
widmet sich in seiner morgen erscheinenden Ausgabe der Rückkehr der
Romantik", klagt ADORJÁN.
"Zur gleichen Zeit erlebt der Mann in
seiner männlichsten Form eine Renaissance", fährt ADORJÁN fort und
verweist dazu auf das neue Magazin "Dummy" und den
Musiktrend Hip-Hop.
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PETERSEN, Anne (2004): Die Träume der kinderlosen Frauen.
Deutschland scheitert bei der Familienplanung: Wenn Eltern
bemerken, dass sie Nachwuchs wollen, ist es biologisch oft schon zu
spät. Der Schock trifft meist Paare ab 30, der Staat hilft immer
weniger,
in: Welt am Sonntag v. 11.01.
- Kommentar:
PETERSENs Zielgruppe sind ungewollt
Kinderlose:
"Längst sind es nicht mehr die angeblich
so karriereorientierten, aufstrebenden Singlefrauen, die ohne
Nachwuchs bleiben. Vielmehr ist Kinderlosigkeit ein Risiko, das
mittlerweile fast jede junge Frau bedroht. In einer
individualisierten Gesellschaft geht es eben in erster Linie darum,
das eigene Leben zu optimieren", erklärt PETERSEN.
Ein Schaubild suggeriert den steilen
Abfall der Geburten in Deutschland. Es wird jedoch nicht die
Geburtenrate angegeben, sondern die demagogische Zahl der Geburten
pro 1000 Einwohner, mit der bereits
im Spiegel
Stimmung gegen Kinderlose gemacht wurde.
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- HARMS, Ingeborg (2004): Es ist, was es
ist, sagt die Liebe.
Kann es im Tanzflächenbrand noch flammende Herzen und romantische
Momente geben? Blick in deutsche Zeitschriften,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.01.
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MIES, Petra (2004): Der große Unterschied.
Glanz und Elend der Zweierbeziehung: ein Bericht zur Lage in
deutschen Betten aus therapeutischer Sicht,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.01.
- Inhalt:
Petra MIES hat mit dem Heidelberger Sextherapeuten
Ulrich CLEMENT über Sex in Deutschland gesprochen.
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NECKEL, Sighard (2004): Klasseperformance.
Elite-Unis im Licht der Ökonomie des gewöhnlichen Scheins,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.01.
- Inhalt:
Der Soziologe
Sighard NECKEL
betrachtet die gegenwärtige Elitedebatte unter
aufmerksamkeitsökonomischer Perspektive.
Hierzu unterscheidet er beim Leistungsbegriff
zwei Dimensionen:
"Im
deutschen Sprachraum (fehlt) (...) eine semantische Differenzierung
im Leistungsbegriff (...), die dem Angelsächsischen seit langem
vertraut ist. Wird dort als achievement bezeichnet, was eine Person
durch eigene Anstrengung erreicht, so als performance, wie sie sich
dabei vor anderen ausgenommen hat. Als neudeutscher Anglizismus ist
die Performance auch in die Wirtschaftssprache von Unternehmen und
Finanzmärkten eingesickert, wo man ganz zu Recht der Auffassung ist,
dass sich mithilfe des Performativen der heute hauptsächlich
gefragte Typus von Leistungsstärke am besten ausdrücken lässt. Beim
performativen Leistungsverständnis kommt es - kurz gesagt - darauf
an, möglichst gut auszusehen".
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SEIBT, Gustav (2004): Wider die Gleichgültigkeit.
Elite und Untergang: Die Manieren des Geistes können nie besser
sein als die der Gesellschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
- Kommentar:
"Das
Ständische ist verschwunden, unguter Dünkel, schlechte Tradition;
aber damit vielfach eben auch jegliche Form von höherem Streben. Das
Verschwinden des Elitären führte in eine bedrückende Indifferenz",
bedauert Gustav SEIBT aus bildungsbürgerlicher Sicht, der
SCHELSKYs Idee einer "nivellierten Mittelstandsgesellschaft"
näher steht als die Nach-68er-Gesellschaft.
Gustav SEIBT sieht sich - wie Paul NOLTE -
als Teil der neuen Werteelite in der zukünftigen
Klassengesellschaft.
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FUCHS, Oliver (2004): Vor Sonnenuntergang.
Erotik war noch nie so sehr
eine Frage des Stils wie heute. Im Zeitalter des bildgewaltigen Mülls
sollten auch wir Deutsche uns an einen Eros erinnern, den wir mal
hatten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
- Inhalt:
"Vielleicht sollten wir uns im Jahr 2004 – dem Jahr
der inneren Reinigung und Kontemplation – mal kurz besinnen.
Halblang machen. Einen Gang zurückschalten. Mindestens einen.
So wie Kylie Minogue (...). So wie die Frauen aus
»Sex and the City«, die eine Erotik des gesprochenen Worts, eine
Erotik der Pointe pflegen, bei der es mehr knistert als beim
üblichen TV-Hechelhechel. So wie Bill Murray und Walther von der
Vogelweide und Thomas Mann und die anderen Sehnsuchts-Männer, die mit
Andeutungen und Aussparungen, mit delikaten Worten, Gesten und
Blicken ein Feuer entfachen, von dem
Einmal-gepoppt-nie-mehr-gestoppt nur träumen kann. Warum werden auf
Zigarettenschachteln Warnhinweise mit Trauerrand gedruckt, wenn das
Fernsehen gleichzeitig Sex-Clips zeigen darf, die krank machen, weil
sie Bilder von der Welt machen, die schlechter riechen als ein alter
Aschenbecher?" fragt Oliver FUCHS.
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MERKEL, Rainer (2004): Heimat.
Eine Einwechslung ganz am Schluss, das ist etwas, was man sich
immer nur erhoffen kann, auch für das eigene Leben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 10.01.
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BARTSCH, Michael (2004): "Im Osten entsteht vielleicht eine radikale
Jugendbewegung", sagt. Lutz Niethammer.
Die "Zonenkinder" waren zu jung, um das Ende der DDR als Befreiung
zu erleben. Nun suchen sie nach Orientierung,
in: TAZ v. 10.01.
- Inhalt:
Der Historiker und Soziologe Lutz NIETHAMMER
sieht mit den um 1980 Geborenen, der - nach
Jana HENSELs Bestseller
benannten "Zonenkinder"-Generation, eine
Generation mit radikalem Potenzial heranwachsen:
"Jene,
die noch in ihrer Pubertät alle Repressionen und Mängel der DDR
erlebt haben und beim Mauerfall mindestens 15 Jahre alt waren, haben
in aller Regel ja die Wende genossen und die neuen Möglichkeiten
genutzt. Es geht um die Jüngeren, die keinen reifen Systemvergleich
anstellen können. Sie haben eine geschützte Kindheitswelt verloren
und sind in eine Welt von lauter Zumutungen hineingeworfen worden.
Ihre Eltern konnten nicht mehr richtig Eltern sein, weil sie selber
überlastet waren mit Verlustprozessen in der neuen Freiheit. Wenn
sie nun verstärkt die Sinnfrage stellen, erscheint der Westen als
unbefriedigend und ohne Tiefgang."
NIETHAMMER unterscheidet
drei generationsspezifische Typen:
"Sinnsucher,
Ordnungssucher und Gemeinschaftssucher. Die Sinnsucher wollen nicht
erwachsen werden. Sie wohnen lange zu Hause, fahren nicht nach dem
Westen, sondern nach Rumänien, experimentieren mit fernöstlichen
Religionen, machen Projekte in Kuba, nehmen nur zögernd oder ziellos
eine Ausbildung auf. Sie glauben nicht an einen Ordnungssinn. Der
Sinn muss dagegen entwickelt werden und wird oft nur in der Nische
gefunden. Die Ordnungssucher haben wir bisher hauptsächlich bei
jungen Männern gefunden. Sie gehen im Grunde auch von einer
Verwilderungserfahrung aus, insbesondere, wenn sie eine behütete
Kindheit in der DDR hatten. Sie finden nun z. B. in ihrer
Bundeswehrzeit eine neue Ganzheitsmaschine, die ihnen
institutionellen Schutz gibt und wo sie als Ostdeutsche nicht
diskriminiert werden. Auch die rechte Szene, um die es nur scheinbar
stiller geworden ist, bietet ein Potenzial für die Ordnungssucher.
Die Gemeinschaftssucher liegen irgendwo dazwischen."
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WOLTERSDORF, Adrienne (2004): Die große, graue Geisterstadt.
In den Industrienationen
schrumpfen die Städte. Wie so ein verschrumpelter Rest dann aussieht,
das kann man sich in Detroit anschauen. Einst war hier der
vibrierendste Industriestandort der Welt. Jetzt wirkt die Stadt wie
ausgestorben,
in: TAZ v. 10.01.
- Inhalt:
WOLTERSDORF berichtet über den morbiden Charme
schrumpfender Städte:
"Nancy
Kaffer, eine 28-jährige Journalistin aus Alabama. Sie kam zum
Studieren nach Detroit. Für das Stadtwrack Detroit verspürt sie eine
»morbide Faszination«. Ihr Freund Allen, nur 13 Meilen von Detroit
entfernt geboren und aufgewachsen, war noch nie in seinem Leben in
der Stadt. Bis er Nancy kennen lernte. »Ich hab ihn einfach ins Auto
gesetzt und ihn hineingefahren. Erst hatte er ziemlich Schiss, doch
dann fand er es cool.« Kurze Zeit später zogen die beiden, die als
Gothic-Fans stets in schwarzer Kleidung erscheinen, in eines der
wenigen renovierten Klinkergebäude der Innenstadt ein - »Lofts«
lautet der neue Detroiter Geheimtipp. Miete: immerhin rund 1.200
Dollar im Monat. Eine kleine Mittelschicht-Avantgarde beginnt es
schick zu finden, eine Adresse in der toten Stadt zu haben."
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HAAS, Franz (2004): Aufklärung in Österreich.
Wolf Haas und seine erhellenden Kriminalromane,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.01.
- Inhalt:
"Die
Brenner-Romane sind auf dem neuesten Stand der Zeit, nur ihr Held
ist es nicht. Sie handeln alle ungefähr ein Jahr vor ihrem
Erscheinungsdatum. Nur der Detektiv hinkt den Entwicklungen weit
hinterher. Noch als Pensionsanwärter verehrt er Jimi Hendrix. Mit
fünfzig Jahren telefoniert er erstmals und widerwillig mit einem
Mobiltelefon, das nicht ihm gehört. Er ist etwa 1950 geboren und
trägt auf seiner Haut ein halbes Jahrhundert österreichischer
Geschichte von unten. Aufgezogen wird er von den Grosseltern,
nachdem der Vater sich umgebracht hat und die Mutter davongelaufen
ist nach Berlin. Die Matura kann er trotzdem machen, dafür reicht
das Wirtschaftswunder mit einigem Glück noch in der hintersten
Provinz. Dann geht er zur Polizei, sieht die «weite Welt, Linz,
Salzburg, alles», macht aber als integrer Dickschädel keine Karriere
und schmeisst nach zwanzig Jahren alles hin. So trifft ihn der Leser
erstmals an, als frischgebackenen, aber gar nicht mehr jungen
Privatdetektiv",
schreibt Franz HAAS über den
österreichischen Krimiautor Wolf HAAS, der auch in der
Literaturwissenschaft Anerkennung findet:
"der
Germanist Moritz Bassler reiht in seiner
Studie «Der deutsche Pop-Roman» die Werke von Wolf Haas auf
einen Ehrenplatz in der vordersten Reihe: unter die «historischen
Romane der Gegenwart». Tatsächlich haben diese Bücher neben ihrer
sprachlichen Komik den Vorzug des subjektiv Dokumentarischen, als
hinterhältiges Archiv des Österreichischen der neuesten
Jahrhundertwende."
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GEISEL, Sieglinde (2004): Die Patriarchen sterben aus.
Zeitzeichen. Eine kleine Polemik,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.01.
- Kommentar:
Wenn die Zeitschrift EMMA
Benjamin Lebert zum Pascha des Monats wählen muss, weil es keine
richtigen Männer mehr gibt, dann heißt das nicht, dass die
Patriarchen aussterben, sondern dass die Autorin nicht dort sucht,
wo das neue Patriarchat entsteht.
Die neuen Patriarchen
nennen sich neudeutsch Werteelite. Bereits im Oktober wurden bei
Brand Eins
fleißig neue Manifeste zur Lage der Nation verfasst.
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GEYER, Christian (2004): Kinderdenker,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.01.
- Kommentar:
GEYER porträtiert den
dänischen Soziologen Gösta ESPING-Andersen, der bei der
SPD-Klausur in Weimar das zentrale "Impuls-Referat" halten durfte.
"Er
entwirft den Sozialstaat der postindustriellen Gesellschaft
sozusagen vom Wickeltisch aus",
beschreibt GEYER den Ansatz des neuen Gurus der Sozialdemokratie.
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LOTTER, Wolf (2004): Die Mitte und ihr Maß.
Weil die neue alte Mitte
nicht über Eliten reden will, bleibt Deutschland die Mittelmaßrepublik
mit Führungsfilz. Doch ein offener Diskurs ist notwendig. Wer sich
dieser Debatte verweigert, spielt den Interessen von sinistren Korps
in die Hände, die jenseits jeder demokratischen Kontrolle operieren
in: TAZ v. 09.01.
- Kommentar:
In der Regierungs-TAZ darf
Brand eins-Redakteur LOTTER den
Elitismus der Neuen Mitte
rechtfertigen.
Der Begriff
Generation Berlin wurde von
Heinz BUDE mit dem
Ziel eingeführt, althergebrachte Konzepte in Abgrenzung zur Bonner
Republik salonfähig machen zu können.
Dazu gehört nun auch der
Elitenbegriff, der hier von LOTTER - gegen die Bonner Republik
gewendet - , zum Markenzeichen einer neuen Werteelite aufgewertet
wird. Dieser "Leistungsadel" versteht sich als "die Besten, die im
Auftrag und zum Wohl aller arbeiten".
Niemand kann bestreiten, dass
in Deutschland die soziale Herkunft die soziale
Aufwärtsmobilität bestimmt. In Frankreich mit seiner
Elitenbildung hat Pierre BOURDIEU diesen Zusammenhang aufgezeigt. Es sind die
feinen Unterschiede, die in den Führungsetagen zählen und nicht
vorrangig das Wissenskapital.
Bei LOTTER wird die Elite den
Massen gegenübergestellt. Es geht bei dieser neuen Debatte also
nicht so sehr um eine Wissenselite, sondern um Führung im
traditionellen Sinne. Die Leistungselite wird deshalb weiterhin ein
Mythos bleiben.
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MIDT (2004): Jahreswechsel: Fette Welt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.01.
- Kommentar:
In Zeiten des Familienfundamentalismus wird das Single-Dasein
und Kinderlosigkeit zum abweichenden Verhalten.
MIDT liefert das Neudeutsch
dafür. Cocooning (Häuslichkeit) heißt jetzt "Going local".
Matthias HEINE hat
dazu mit dem Pantoffel bereits das passende Schuhwerk vorgestellt.
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PETROPULOS, Kostas (2004): Das Märchen vom
Halali.
Es stimmt nicht, dass Kinderlose Familien subventionieren:
Umgekehrt wird ein Schuh daraus,
in: Welt v. 09.01.
- Kommentar:
Kostas PETROPULOS, Lobbyist vom Heidelberger Büro für
Familienfragen und soziale Sicherheit, das sich als
familienfundamentalistischer Think Tank hervortut, antwortet auf den
Beitrag von Michael
KLEIN.
Die Positionen von PETROPULOS laufen auf
die These von der Transferausbeutung der Eltern durch Kinderlose
hinaus und sind - aus dem Munde von
Jürgen BORCHERT - sattsam bekannt.
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PHILIPP, Claus (2004): "Die Ich-AG ist keine Alternative".
Seit Jahren beschäftigt sich der deutsche Soziologe Dirk Baecker
mit "postheroischem Management" oder dem "Nutzen ungelöster Probleme"
- und agiert dabei gerne auf einem bei Intellektuellen mitunter
verpönten Terrain: Unternehmenskultur,
in: Der Standard v. 09.01.
- Kommentar:
Der Soziologe Dirk BAECKER betrachtet aus
systemtheoretischer Sicht Unternehmens- und Wirtschaftsprozesse. Was
ist Theorie? Wenn alles klappt, aber keiner weiß warum:
"Es
gibt tolle Theorien, die von völlig falschen Ansätzen ausgehen. Zum
Beispiel: Dass jeder Mensch ein Nutzenmaximierer ist; oder dass
Unternehmen Gewinne optimieren. Das sind empirisch falsche
Startprämissen, was aber nichts ausmacht, weil es oft trotzdem zu
richtigen Beschreibungen führt."
Zur Ich-AG hat BAECKER dagegen
eine handfeste Meinung:
"Die
Ich-AG ist zum Beispiel keine Alternative: Sie ist bestenfalls die
als Held verkleidete Opfervariante des gescheiterten Kapitalisten.
Das ist ein Köder für Leute, die keine andere Chance haben, als sich
selbstständig zu machen, aber weiterhin vom selben Unternehmer,
derselben Branche abhängig sind."
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WURZBACHER, Ralf (2004): Kanzler träumt von Eliteunis: Pfründe für die
Oberschicht?
jW sprach mit Michael Hartmann, Soziologieprofessor an der
Technischen Universität Darmstadt,
in: Junge Welt v. 08.01.
- Kommentar:
Der Elitenforscher Michael HARTMANN, der mit
"Der Mythos von der Leistungselite"
das wichtigste Buch der letzten Jahre zum Thema geschrieben hat,
kritisiert die Idee der Eliteuniversitäten, weil sie den starken
Einfluss der sozialen Herkunft noch weiter verstärkt:
"Die Qualität von Eliteinstitutionen beruht stets
darauf, daß für diese unverhältnismäßig viele Mittel zur Verfügung
gestellt werden. So entfällt zum Beispiel auf die französischen
Elitehochschulen, die gerade einmal gut 100 000 von insgesamt über
2,1 Millionen Studierenden besuchen, mehr als ein Drittel der
gesamten Hochschulfinanzen. Davon profitiert aufgrund einer scharfen
sozialen Selektion vor allem der Nachwuchs der »besseren Kreise«."
Wie der Politologe Franz WALTER
weist HARTMANN darauf hin, dass sich inzwischen ein linkes
Establishment entwickelt hat, das in einem Bündnis mit der alten
Mitte ihren Besitzstand zu wahren versucht:
"Heute werden auch die Kinder von
Chefärzten, Professoren oder Managern überwiegend in den staatlichen
Hochschulen ausgebildet, und das ist aufgrund der Finanzprobleme
eine Ausbildung mit vielerlei Mankos. Deshalb ist es politisches
Ziel maßgeblicher bürgerlicher Kreise, für den eigenen Nachwuchs
gute Studienbedingungen auf Kosten der restlichen Bevölkerungsteile
zu garantieren. Verhängnisvoll ist, daß inzwischen
viele Aufsteiger
der 60er und 70er Jahre, die vor allem in der SPD zu finden sind,
mit den Bürgerlichen eine Allianz bilden und ihren infolge der
damaligen Öffnung des Bildungssystems erreichten Status für die
eigenen Kinder ebenfalls mittels Abschottung sichern wollen."
Single-dasein.de hat diese
Allianz von alter und neuer Mitte bereits vor längerer Zeit als
Bobokratie bezeichnet.
Die Bobos wurden von dem
Konservativen David BROOKS in Amerika zu einem Zeitpunkt ins Gespräch
gebracht, als auch dort dieses neue Bündnis bereits erfolgreich
praktiziert wurde.
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Zu den News
vom 01. - 07. Januar 2004
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