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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 11. - 35. Januar 2005

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Die liebenswerte Solistin, wie wir sie in »Ally McBeal«, »Sex and the City« oder den »Bridget Jones«- Filmen vorgeführt bekommen, ist ein vergleichsweise neues Klischee. Jahrhundertelang kam ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben für »anständige« Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter nicht infrage. Die Hochzeit war eine Pflichtveranstaltung, und solange der passende Partner nicht gefunden war, lebte man zu Hause unter der Aufsicht der Familie, Frauen, die sich einer Heirat verweigerten und allein lebten, mussten häufig eine Existenz am Rande der Gesellschaft führen - als alte Jungfern, Huren oder Hexen diffamiert. Neben dem nicht gerade hoch angesehenen Dasein als Witwe war die Existenz als Nonne die einzige Möglichkeit, sich auf gesellschaftliche anerkannte Weise einer Paarbeziehung zu entziehen.
      
  Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts verließen immer mehr Frauen ihre Familien, um in den großen Städten als Wäscherinnen, Scheiderinnen, Verkäuferinnen oder Fabrikarbeiterinnen ihr Geld zu verdienen. Allerdings galten diese Ahninnen der modernen Single-Kultur nicht als urbane Trendsetterinen, sondern als bemitleidenswerte Kreaturen, die mangels eines solventen Ehemannes schutzlos und isoliert in der Großstadt schuften mussten.
      
  An Glanz gewann das Image der Singles  erst im Zuge der gesellschaftlichen Revolution von 1968.
(...).
Bis in die neunziger Jahre hinein wurde der Single als Symbol eines befreiten, erfüllten, genussvollen Lebensstils gefeiert. (...). Doch in den letzten Jahren hat das Klischee vom schwerelosen Single-Leben Risse bekommen. Angesichts hoher Trennungs- und Scheidungsquoten sowie niedriger Geburtenraten wird die fortschreitende »Individualisierung der Gesellschaft« zunehmend kritisch wahrgenommen. »Zurück zur Familie« - diese Losung hört man jetzt wieder häufiger, und zwar nicht nur vom rechten Rand des politischen Spektrums."
«
(aus: Katja Hertin "Lexikon des weiblichen Klischees", 2005, S.32f.)
 
 
 
  • ALEXANDER, Robin (2005): Warum sind die Deutschen den Nationalsozialisten gern gefolgt, Herr Aly?
    "Der Holocaust geschah zum Vorteil aller Deutschen",
    in: TAZ v. 15.01.
    • Kommentar:
      Die taz startet einen neuen Angriff auf die Festung Sozialstaat. U. a. wird das ungeliebte Ehegattensplitting, das Hätschelkind der alten Mitte und der Arbeitnehmergesellschaft diskreditiert.

            
        Der Historiker Götz ALY liefert die moralische Munition für den linksneoliberalen Sozialstaatsabbau:
            
        "taz: Herr Aly, hat Adolf Hitler den deutschen Sozialstaat erfunden?
            
        Götz Aly: Nein, doch er hat den Sozialstaat mit Schwung weiterentwickelt. Unsere Steuerklassen I bis IV etwa stammen aus der Reichsfinanzreform von 1934, auch das Ehegattensplitting oder die Kilometerpauschale, die Edmund Stoiber heute so mannhaft verteidigt. Sie wurde getreu dem "nationalsozialistischen Grundsatz" eingeführt, dass auch der deutsche Arbeiter die Möglichkeit haben sollte, im Grünen zu leben. Unsere Rentner sind erst seit 1941 Mitglieder der gesetzlichen Krankenkasse, vorher hatten sie sich an Wohltätigkeitsorganisationen zu wenden; einen Arztbesuch konnten sich die meisten bis dahin nicht leisten. Die Beispiele, wie die Sozialverfassung der Bundesrepublik en detail im Nationalsozialismus vorgeprägt wurde, lassen sich fast endlos aneinander reihen."
 
WELTWOCHE-Titelgeschichte: Sag mir, wo die Männer sind
  • SCHLAG, Beatrice (2005): Kein Salz auf unserer Haut.
    Schweizer haben kein Herz für Schweizerinnen, fast jeder dritte heiratet eine Ausländerin. Stichwort Ausländerin: Was haben sie, was einheimische Frauen nicht haben? Wenn Alleinsein der Preis der Emanzipation ist – dann gute Nacht,
    in: Weltwoche Nr.2 v. 13.01.
    • Kommentar:
      Die Globalisierung bringt nicht nur Lohndumping auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch "Liebesdumping" auf dem Heiratsmarkt mit sich.

            
        SCHLAG rechnet vor, dass Schweizer Männer europaweit bei der Heirat mit Ausländerinnen vorne liegen und deren Ehen auch noch eine höhere Stabilität aufweisen:
            
        "Bald jeder dritte Schweizer heiratet eine Ausländerin, Tendenz steil ansteigend. Vor acht Jahren war es noch jeder vierte, vor zwölf jeder fünfte.
      Die Neigung der Schweizerinnen zum ausländischen Ehemann ist ebenfalls gestiegen, aber deutlich weniger ausgeprägt. (...). Ihre Chance auf langes Glück mit einem Ausländer ist auch nicht besonders gut: Die Scheidungsrate bei Ehen zwischen Schweizerinnen und Ausländern beträgt über 45 Prozent, diejenige zwischen Schweizern und Ausländerinnen hingegen sensationell tiefe 30 Prozent. Der Durchschnitt aller in der Schweiz geschiedenen Ehen liegt bei 41 Prozent.
      Das sind beachtliche Zahlen. Zum Vergleich: In Deutschland sind lediglich vier Prozent der Einheimischen mit Ausländern verheiratet, deutsche Frauen etwas häufiger als deutsche Männer. In Frankreich ist immerhin jede fünfte Ehe binational; die Zahl der Französinnen mit ausländischen Partnern liegt fast ein Drittel höher als die der Franzosen. Aber so häufig wie in der Schweiz sind Mischehen nirgends in Europa.
      "
            
        Die Präferenzen hinsichtlich der bevorzugten Nationalität differiert geschlechtstypisch:
            
        "Schweizer heiraten vorwiegend Brasilianerinnen, Thailänderinnen, Afrikanerinnen und Kubanerinnen; wenn Europäerinnen, dann mit Vorliebe aus dem Osten – die besonders gefragten Russinnen werden in der Statistik unter «Europa» aufgeführt. Der Schweizerinnen liebste ausländische Ehemänner hingegen sind die Italiener, gefolgt von anderen Westeuropäern."
            
        Für SCHLAG ist die Sache klar: Die Schweizer Frauen sind zu anspruchsvoll und haben zu wenig zu bieten.
            
        Die von SCHLAG interviewten Männer bevorzugen Frauen, die sich widerspruchslos in die traditionelle Frauenrolle fügen.
            
        Die Zukunft der Schweizer Frau sieht SCHLAG in der Vermännlichung:
            
        "Die Zahl der Schweizer, die bei Ausländerinnen aus fernen Ländern Wärme, Direktheit und klare Rollenverteilungen suchen, wird weiter ansteigen. Die Schweizerinnen werden häufiger allein bleiben, was nicht bedeutet, dass es keine Männer in ihrem Leben gibt. Aber sie fallen eher unter Freizeitgestaltung als unter Partnerschaft. Mit Ideologie wird es nichts zu tun haben. Die Praxis allerdings wird von ferne an die 68er erinnern: Der Bubentraum von gestern als Realität der Frauen von morgen.
 
  • Tagesthema: Meinungsumfragen zum Kinderwunsch in Deutschland

    • KAPPUS, Monika (2005): "Veraltetes Partnermodell".
      Brunhilde Raiser vom Frauenrat warnt vor schlichten Erklärungen für Kinderlosigkeit,
      in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
      • Inhalt:
        "
        Es liegt doch nicht daran, dass die Frauen zu wählerisch sind, wenn sie einen geeigneten Partner zum Kinderkriegen vermissen. Sie finden keinen, der akzeptiert, dass sie sowohl Familie als auch Beruf miteinander verbinden wollen. Das heißt: Wir haben ein veraltetes Partnermodell. Die Erwartungen von Frauen und Männern sind offenkundig nicht deckungsgleich. Die Nachwuchsfrage betrifft in ihren Ursachen und Auswirkungen die gesamte Gesellschaft. In dieser Untersuchung aber wird sie auf ein individuelles Problem jeder Frau und ihres möglichen Partners reduziert", klagt RAISER über die ideologischen Verzerrungen bei der Bewertung der Ergebnisse.
        • Kommentar:
          Mit der mangelhaften Differenziertheit von Meinungsumfragen à la FORSA oder ALLENSBACH hat sich Bernd EGGEN kritisch auseinandergesetzt.

                
            Er kritisiert z.B. dass nicht zwischen jüngeren und älteren Kinderlosen unterschieden wird. Viele Einstellungsunterschiede sind möglicherweise nicht Ausdruck verschiedener Mentalitäten sozialer Gruppen wie Eltern oder Kinderloser, sondern die Konsequenz lebensphasenspezifischer Bedürfnisse. Alter und nicht Gruppenzugehörigkeit erklären dann die unterschiedlichen Präferenzen.
    • MONATH, Hans (2004): Schneewittchen ohne Zwerge.
      Ein Imageproblem: Familien sind in Deutschland glücklicher, als die meisten glauben,
      in: Tagesspiegel v. 13.01.
      • Kommentar:
        "
        Wer über Familie redet oder schreibt, bestimmt (...) schon über ihre Zukunft. Das gilt umso mehr, als immer mehr Menschen Kinder gar nicht mehr aus eigener Anschauung kennen, sondern ihr Bild vom Zusammenleben der Generationen durch Medien geprägt ist. Nach deren Gesetzen stehen bekanntlich Probleme im Mittelpunkt, nicht das Glück", übt MONATH Selbstkritik zu einem Zeitpunkt, da die wichtigsten politischen Ziele (z.B. die Strafsteuer in der Pflegeversicherung) gegen die Kinderlosen - widerstandslos - durchgesetzt worden sind. Jetzt heißt es also erst einmal wieder das Selbstbewusstsein der Familien zu stärken - bis zur nächsten Runde im Ringkampf um die Familienpolitik.
    • SCHMITT, Cosima (2005): Verhüte sich, wer kann.
      Konservative wollen sich die Familienhoheit zurückerobern. Mit einer eigenwilligen Auslegung
      einer Allensbach-Umfrage machen sie nun Front gegen Kinderbetreuung - auf Kosten junger Frauen,

      in: TAZ v. 13.01.
      • Kommentar:
        SCHMITT ist empört über die FAZ-Artikel vom Vortag, obwohl sie mit der FAZ darin übereinstimmt, dass Familienpolitik nicht primär für die armen Familien gemacht werden soll, sondern für die deutsche Elite.

              
          Aber während sich die alte Mitte lieber ihre Haushaltshilfen und Tagesmütter bezahlen lassen möchten (schließlich ist hier die von der Erwerbsarbeit zu Repräsentativzwecken freigestellte Frau an seiner Seite das Role Model), steht in der Neuen Mitte die Doppel-Karriere-Familie auf der Agenda:
              
          "Akademikerinnen (...) sind die Hauptzielgruppe aller Familienpolitiker - weil sie stärker noch als andere zum Leben ohne Nachwuchs neigen. Gerade eine studierte Frau wird die hart erarbeitete Karriere nicht mit dem "Jobkiller Kind" gefährden. Doch gerade sie dürfte jene gebildeten Mittelschichtkinder großziehen, die später die Sozialsysteme sichern sollen", begründet SCHMITT ihr Plädoyer für den Ausbau der Kinderbetreuung.
              
          Zum Schluss wird natürlich noch der Prenzlauer Berg-Babyboom bemüht.
    • SIEMS, Dorothea (2005): Republik der Kinderlosen.
      Die Deutschen verzichten zunehmend auf Nachwuchs. Warum? Die wichtigsten Fakten und Facetten,
      in: Welt v. 13.01.
      • Kommentar:
        SIEMS fasst für den Welt-Kreuzzug gegen die Kinderlosen noch einmal alle Argumente zusammen, die unsere nationalkonservative Werteelite aufzubieten hat
        .
    • STÜRMER, Michael (2005): "Chronik eines angekündigten Todes",
      in: Welt v. 13.01.
      • Kommentar:
        Der Historiker Michael STÜRMER propagiert das Buch "Allemagne. Chronique d'un mort annocé" von Yves-Marie LAULAN.

              
          Für den Nachweis eines  "Selbstmordraum der westlichen Welt" (ZELTNER) sind seit dem Erscheinen von HOUELLBECQs Bestseller "Elementarteilchen" bereits ganze Wälder zum Opfer gefallen.
              
          Gerade in Frankreich wurde der "demografische Schrecken" seit dem 1. Weltkrieg kultiviert wie in keinem anderen westlichen Land. Es verwundert deshalb kaum, dass jetzt ein demografielastiges Werk über den Untergang des Abendlandes in Frankreich erscheint.
              
          So wie jedoch der "demografische Schrecken" zum Großteil nichts als Propaganda war, so werden spätere Generationen über die gegenwärtige Hysterie nur den Kopf schütteln, denn die Geburtenzahlen für Westdeutschland stehen im krassen Gegensatz zur Rhetorik des Aussterbens.
              
          Seit 25 Jahren liegen die Geburtenzahlen im angeblich hedonistischen Westdeutschland immer über dem Geburtentiefststand von 1978.
              
          Nach dem Lieblingsslogan unserer Nationalkonservativen, dass ungeborene Kinder keine Kinder gebären, müssten sich die Geburtenzahlen inzwischen wieder halbiert haben. Offensichtlich ist das nicht geschehen wie jeder selber nachprüfen kann!
              
          Es ist also etwas oberfaul an den Horrorszenarien unserer Apokalyptiker...      
    • Das lesenswerte Interview:
      KAMANN, Matthias (2005): Deutsche Paare im Glücksstreß,
      in: Welt v. 13.01.
      • Kommentar:
        Die Welt wollte sich von Gunter SCHMIDT, der die paarorientierte deutsche Gesellschaft empirisch untersucht, die These von der zunehmenden Partnerlosigkeit unserer Single-Gesellschaft bestätigen lassen.

              
          Gunter SCHMIDT erteilt diesen sowohl im wertkonservativen als auch im und 68er-Milieu weit verbreiteten Vorstellungen jedoch eine klare Absage.
              
          Er verweist u.a. darauf, dass Single-Haushalte kein brauchbarer Indikator für Partnerlosigkeit sind:
              
          "Natürlich sind viele Menschen »gerade mal wieder« Single, also partnerlos, aber diesen Zustand erfahren gerade auch die Jüngeren nicht etwa als attraktiven Lebensstil voller Abenteuer und sexueller Erlebnisse, sondern fast immer als Zeit des Wartens auf die nächste Beziehung. Das Single-Dasein ist die Übergangsphase zwischen zwei Beziehungen. Insofern sind wir gerade keine Single-Gesellschaft.
        DIE WELT: Wir haben aber viele Single-Haushalte.
        Schmidt: Das sagt doch nichts über die Beziehungen aus. Denn in diesen Haushalten leben viele Menschen, die eine Beziehung führen, in der sie nicht oder noch nicht mit dem Partner zusammenleben.
    • KLEIN, Michael (2005): Das Klischee von der Kinderarmut.
      Durch Geld läßt sich die Verwahrlosung in vielen Familien nicht beheben,
      in: Welt v. 13.01.
      • Kommentar:
        KLEIN knüpft mit seiner Downbreeding-Argumentation, die inzwischen auch in linksneoliberalen Kreisen (siehe SCHMITT in der TAZ von heute) salonfähig wird, an Nazi-Traditionen an.

              
          Im Jahre 1961 hat der spätere Direktor des Bevölkerungsinstitut in Wiesbaden Hans W. JÜRGENS ein Buch über "Asozialität als biologisches und sozialbiologisches Problem" publiziert.
              
          Darin sieht JÜRGENS eine wesentliche Aufgabe der Asozialenforschung in der Untersuchung des generativen Verhaltens, denn die Reproduktion asozialer Großfamilien ist in seinen Augen gesellschaftlich unerwünscht.
              
          JÜRGENS kann seine Zeitgenossen für die damalige Zeit zwar beruhigen (seine Untersuchung ergibt, dass es Ende der 50er Jahre kein akutes Asozialenproblem gab), aber er verweist darauf, dass dies nicht so bleiben wird:
              
          "In Anbetracht der äußerst komplizierten Struktur eines modernen Wohlfahrtsstaates muß es utopisch erscheinen, sich mit defensiven Maßnahmen gegen eine Sozialgruppe zu wenden, die - und zwar in negativer Beziehung - vielfach in vollkommener Weise dieser Sturktur angepaßt ist. Es wird also erforderlich, die Asozialität aktiv zu bekämpfen.
        Diese Bekämpfung wird sich, auf längere Sicht gesehen, nicht auf fürsorgerische und pädagogische Maßnahmen beschränken. Die Forderung einer wirksamen Begrenzung und Ausschaltung des Nachwuchses der Asozialen wird daher immer wieder auftauchen. Man wird sich darüber klar sein dürfen, daß eine solche Anregung gegenwärtig auf wenig Zustimmung stoßen (...) würde, sind doch die staatlichen Miß- und Übergriffe (..) noch zu deutlich in aller Erinnerung. (...) Man wird jedoch zu fragen haben, ob man deswegen dauernd auf die Diskussion der Einbeziehung solcher Präventivordnungen und damit auf eine wichtige Großmaßnahme in der Bekämpfung des Asozialentums und seines Ballastes wird verzichten können." (S.161).

              
          KLEIN geht natürlich nicht so weit wie JÜRGENS das als erforderlich erachten würde, aber die Forderung "asozialen" Familien (Familien, die nicht die Kriterien unserer Leistungsgesellschaft erfüllen) die  finanzielle Förderung zu verwehren, geht in diese Richtung.
              
          Die Definition des Asozialentums sind mittlerweile ungleich feinsinniger (hier spielen in erster Linie wirtschaftliche Anforderungen die zentrale Rolle) als noch bei den Nazis.
              
          Aber auch den Nazis ging es nicht um die generelle Anhebung der Geburtenrate, sondern um die Geburt wertvoller Kinder:
              
          "In den Dreißiger Jahren, als die Bevölkerungspolitik die kinderreiche Familie stark förderte, wurde sogar streng zwischen kinderreichen Vollfamilien und asozialen Großfamilien unterschieden, denen man selbst in der Literatur das Prädikat kinderreich strich" (JÜRGENS, 1961, S.44).
              
          JÜRGENS weist darauf hin, dass Bevölkerungspolitik ohne die Definition asozialer Familien nicht zu haben ist.
              
          Gesellschaften mit aktiver Bevölkerungspolitik unterscheiden sich demnach nur danach wie Asozialität jeweils definiert ist. Nur hierin bestehen die Unterschiede zwischen der Nazidiktatur und demokratischen Gesellschaften.      
 
  • MAT (2005): Immer mehr Single-Haushalte auf dem Land.
    Statistisches Landesamt Hessen legt neue Zahlen vor. 40 000 Männer sind alleinerziehend. Kaum noch Großfamilien,
    in: Frankfurter Rundschau v. 13.01.
 
  • ÖHLER, Andreas (2005): Eine peinliche Affäre.
    Die Schimpfkanonade auf das berühmte Grips-Theater erweist sich als Rohrkrepierer,
    in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 13.01.
    • Inhalt:
      ÖHLER berichtet über den TAGESSPIEGEL-Intrigantenstadel um Harald MARTENSTEIN,
      Sophie DANNENBERG und das Grips-Theater:
            
        "Volker Ludwig ist der meistgespielte deutsche Bühnenautor im Ausland, er steht damit weit vor Brecht. (...).
      Geistig ist deshalb nicht nachvollziehbar, dass vom Berliner »Tagesspiegel« (...) ohne aktuellen Anlass eine Rufmordaktion ihren Ausgang nahm, die Volker Ludwig treffen sollte, die für die Autorin und den zuständigen Redakteur jedoch nach hinten losging. Frei nach dem Motto »Wer im Dunkeln rumballert, trifft immer ins Schwarze« bestellte Harald Martenstein bei Sophie Dannenberg (Pseudonym) einen Text, in dem die 1971 geborene Autorin die psychischen Folgeschäden ihrer Besuche im Grips-Theater auflistete.
      (...).
      Es war alles schön ausgedacht vom Redakteur Martenstein (...). Doch Volker Ludwig spielte (...) nicht mit. (...) Dies wiederum brachte Harald Martenstein (...) auf die Palme. In der Hamburger Wochenzeitung bezichtigte er (...), Volker Ludwig habe dem „Tagesspiegel“ mit Abo-Kündigungen gedroht und massiv versucht, den Artikel von Sophie Dannenberg zu unterdrücken. (...).
      Dem »Tagesspiegel« hat Martensteins Flucht nach vorn nicht viel genützt. Abo-Kündigungen und empörte Leserbriefzuschriften gegen Dannenbergs Artikel führten dazu, dass in der Redaktion des Berliner Blattes nun der Haussegen schief hängt. Die zuständigen Feuilletonredakteure, an denen Martenstein den Dannenberg-Artikel vorbeigeschleust hatte, fühlten sich überrumpelt und solidarisierten sich nun mit dem Grips-Theater.
      Volker Ludwig erklärte jetzt in der Berliner Stadtzeitung »Zitty« in einem Interview seinen Standpunkt zu dieser leidigen Affäre, nachdem auch dieses Blatt zunächst Dannenbergs Thesen kritiklos kolportierte.
      Verwirrungen und Irrungen an allen Fronten."
 
  • POSENER, Alan (2005): Ach, Rudi...
    Dutschke und die politische Sentimentalität,
    in: Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 13.01.
    • Inhalt:
      "
      Zugegeben, ich bin parteiisch. Rudi Dutschke gehörte zu meinen Jugendidolen, neben John Lennon und Mick Jagger. Wegen Dutschke bin ich als Teenager auf Demonstrationen gegangen, habe mich von Wasserwerfern bespritzen, von Tränengas halb ersticken, von Polizisten verprügeln lassen. Wenn jetzt die Kochstraße in Berlin umbenannt werden soll in »Rudi-Dutschke-Straße«, habe ich also eine ziemlich entschiedene Meinung dazu", beginnt Alan POSENER seine Stilisierung zum Opfer der 68er.
 
  • HILDEBRAND, Katrin (2005): Grinsekater sucht Kater.
    Eine RTL-Produktion weiß ganz genau, was Singles fühlen: "Was Sie schon immer über Singles wissen wollten", RTL, 20.15 Uhr,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.01.
    • Inhalt:
      Eine vernichtende Kritik für die RTL-Komödie:

            
        "Ohne diesen Film lässt sich der Abend stilvoller genießen: beim Tapete-Anstarren oder Kloputzen."
 
  • SCHWÄGERL, Christian (2005): Das Umfeld zählt:
    Wenn Kinderlose von Kindern träumen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.
    • Kommentar:
      "
      Einer Studie des Allensbach-Instituts zufolge sind 47 Prozent der Kinderlosen, die selbst keine Kinder möchten, seltener als einmal im Monat mit Kindern zusammen, 53 Prozent der Kinderlosen mit Kinderwunsch seltener als dreimal im Monat. Daraus wird deutlich, wie tiefgreifend die Halbierung der Geburtenzahl von 1,4 Millionen (1964) auf 706.000 Kinder im Jahr 2003 bereits das Alltagsleben verändert hat".
            
        Die statistische Begründung von Christian SCHWÄGERL zeigt das Problem unserer neuen Familienfundamentalisten.
            
        Wer im Westen aufgewachsen ist, für den galt, dass sich die Geburtenzahl von 1,065 Millionen (1964) auf 576.468 Kinder im Jahr 1978 fast halbierte. Seitdem ist die Geburtenzahl im Westen immer höher gewesen.
            
        SCHWÄGERLs Zahlen suggerieren also eine Vergangenheit, die es so nie gab, sondern sie ist eine NACHTRÄGLICHE Konstruktion, die für die historische Bewusstseinsbildung keinerlei Bedeutung haben kann.
            
        Aber was interessiert den hysterischen Familienkrieger der Popmoderne schon die Realität der Kinderlosen?  
 
  • BERTH, Felix (2005): Deutschland, Familienland,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.01.
    • Inhalt:
      Die SZ zeigt sich angesichts der geballten Ladung konservativer Meinungsforschung völlig ignorant! Die Studien werden mit keinem Wort erwähnt, denn der SZ-Autor hat anderes im Sinn.

            
        BERTH zeigt auf, dass Deutschland zwar der Alleinverdiener-Familie europaweit die beste finanzielle Unterstützung bietet.
            
        Die Geburtenrate bleibt davon jedoch seiner Meinung nach völlig unbeeindruckt.
            
        Die Steigerung der Geburtenrate verlangt gemäß BERTH deshalb nach einer Umverteilung von der Alleinverdiener- auf die Doppelverdiener-Familie:
            
        "Eine Million Euro für die Kinderbetreuung bewirkt mehr als fünf Millionen Euro Kindergeld".
 
  • Tagesthema: Meinungsumfragen zum Kinderwunsch in Deutschland

  • Kommentar:
    Obwohl es bei der Geburtenrate offenbar keine grundlegende Veränderung gibt, hat sich die Einstellung der Meinungsmacher zur Geburtenrate grundlegend geändert.

          
      Partnerschaft ist kein Wert mehr an sich, sondern darf nur noch - wie in den 50er Jahren - mit der Elternschaft zusammen gedacht werden, so will es zumindest der politisch korrekte Zeitgeist.
  • HOLL (2005): Der wichtigste Grund für Kinderlosigkeit: Es fehlt "der" Partner.
    Betreuungsmöglichkeiten von untergeordneter Bedeutung. Allensbach- und Forsa-Umfrage,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.
  • KUM (2005): Familiensozialismus,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.
    • Kommentar:
      Bei KUM lernt man: Staatsinterventionismus zugunsten der Armen (KUM benutzt hier natürlich das Deckmäntelchen demografischer Probleme zur Kaschierung dieses Sachverhalts) heißt Familiensozialismus, während der Staatsinterventionismus zugunsten der Besserverdienenden als Freiheit firmiert. Der Trick ist: Die steuerliche Absetzbarkeit von Tagesmüttern läßt sich als Liberalismus vermarkten (das funktioniert sogar beim Elterngeld wie die FAZ schon demonstriert hat!), während Maßnahmen zur Förderung von armen Familien als staatliche Regulierung diffamiert werden kann.   
  • DSI (2005): Deutsche Eltern wollen mehr Hilfe vom Staat.
    Studie: Drei Viertel der Befragten beklagen "Kinderfeindlichkeit" - Der Hälfte der Kinderlosen fehlt der Partner,
    in: Welt v. 12.01.
    • Kommentar:
      Im Artikel wird behauptet, dass Deutschland "weltweit mittlerweile die höchste Kinderlosenquote hat".

            
        Eine schöne Spekulation, die sich nicht beweisen lässt, denn nur eines ist klar: Deutschland leistet sich die weltweit schlechteste Kinderlosenstatistik!
            
        Seit Jahren wird die steigende Scheidungsrate beklagt, einzig die amtliche Statistik berechnet die Kinderlosenquote so als ob es in Deutschland nur Menschen gibt, die lebenslange Ehen führen.
            
        Die Folge: Die Kinderlosigkeit von Unverheirateten wird überschätzt, einzig bei lebenslang verheirateten Frauen ist die Zuordnung zu ihren Kindern korrekt möglich. Hat sich darüber aber schon einmal jemand aufgeregt?
            
        Die Devise heißt hierzulande: Alles was die statistische Kinderlosigkeit in die Höhe treibt ist politisch korrekt.
            
        Was aber noch nachdenklicher stimmen müsste. Deutschland weist nicht erst seit 1968 viele Kinderlose auf, sondern der Schweizer Soziologe François HÖPFLINGER hat aufgezeigt, dass Kinderlosigkeit in Westdeutschland eine lange Tradition hat.
  • SIEMS (2005): Bewußter Verzicht auf Kinder.
    Immer mehr junge Menschen finden keinen geeigneten Partner für eine Familiengründung,
    in: Welt v. 12.01.
  • KAMANN, Matthias (2005): Kinder,
    in: Welt v. 12.01.
  • GAJEVIC, Mira (2005): Suche Partner möchte Kind.
    Umfrage zu Gründen des Geburtenknicks in Deutschland,
    in: Berliner Zeitung v. 12.01.
  • SEIDLER, Ulrich (20059: Kind gegen Quittung,
    in: Berliner Zeitung v. 12.01.
    • Kommentar:
      SEIDLER lässt seinen kinderlosenfeindlichen Phantasien freien Lauf:

            
        "Wenn man aus den Antworten, die gegeben wurden, familienpolitische Konsequenzen ziehen wollte, müsste man als erstes eine Behörde einrichten, die sich mit der praxisnahen Partnerbereitstellung zu befassen hätte, die kompetente, individuell operierende Findungskommissare beschäftigte oder staatliche Aufträge an Patnervermittlungsagenturen vergäbe. Sodann wäre mit scharfen Krallen an dem skandalösen Zufriedenheitsgefühl von Kinderlosen zu kratzen. Dieses vorelternschaftliche Behagen ließe sich mit behördlicher Regulierungsfantasie und einer Handvoll Verordnungen wirkungsvoll versauen. Mit diesen beiden Maßnahmen wären die beiden meistgenannten Gründe aus der Welt geschafft: »Weil ich keinen geeigneten Partner finde« und »Weil ich auch ohne Kind mit meinem Leben zufrieden bin«."
  • MONATH, Hans (2005): Kinder, zum Glück.
    Eine Umfrage zeigt das Imageproblem von Familien,
    in: Tagesspiegel v. 12.01.
    • Kommentar:
      Auch MONATH benutzt die stumpfe statistische Waffe der Halbierung von Geburten in Deutschland. Immerhin weist MONATH jedoch darauf hin, dass es in Deutschland eine wachsende Kluft zwischen Arm und Reich gibt, d.h. es gibt einen wachsenden Anteil gut verdienender Elternhaushalte.
  • HONSELL, Johannes (2005): Mehr Laune für mehr Kinder.
    Zwei aktuelle Umfragen fördern zutage: Eltern wünschen sich mehr Kinderfreundlichkeit und Anerkennung. Kitaplätze nicht so wichtig. Doch fast die Hälfte der Befragten findet auch einfach keinen geeigneten Partner zur Familiengründung,
    in: TAZ v. 12.01.
    • Kommentar:
      Einzig in der ehemals linksalternativen TAZ wird der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG zitiert.
 
  • HÖFFE, Otfried (2005): Wer aber ist arm?
    Formale Kriterien helfen nicht bei grundlegenden Fragen sozialer Gerechtigkeit,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.01.
 
  • WILLEMSEN, Roger (2005): Im Dienste aller Gerechten und Gerechtinnen.
    Gut und Böse: Warum der Kabarettist Matthias Beltz (1945 - 2002) dieser Republik fehlt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.01.
 
  • JAUER, Marcus (2005): Wickeltisch statt wilder Partys,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 11.01.
    • Kommentar:
      JAUER berichtet über den Baby-Boom im Berliner Szeneviertel Prenzlauer Berg.

            
        Wurde im Hamburger Szeneviertel Mitte der 80er Jahre der Single als Yuppie erfunden, so wird nun in Berlin die Familie als neue Stadtfamilie in Szene gesetzt.
            
        Einer ist immer am Ort des Geschehens: Der Alt-68er Hartmut HÄUßERMANN, der erst in Hamburg und nun in Berlin Lifestyle politisch korrekt stadtsoziologisch begleitet.
            
        Was keinen erstaunt: im neuen Einführungsbuch in die Stadtsoziologie des Alt-68er fehlt nunmehr ein Kapitel zur Gentrificationsforschung!
            
        Die Mutation des Yuppies zum Family-Gentrifier gilt nunmehr als erwünscht.
            
        Die Verdrängung von armen "Kinderlosen" kann sich nun im Unsichtbaren vollziehen...  
 
  • MIES, Petra (2005): Das Geschäft mit dem Zweifel.
    Anonyme Vaterschaftstests boomen in Deutschland angesichts von jährlich bis zu 70 000 "Kuckuckskindern",
    in: Frankfurter Rundschau v. 11.01.
    • Kommentar:
      Kuckuckskinder galten bislang als Marotten von Männerzeitschriften wie Men's Health. Dank  Justizministerin ZYPRIES avanciert das Thema nun selbst in Tageszeitungen zum Tagesthema...
 
  • PÖTTER, Bernhard & Matthias URBACH (2005): "»Geiz ist geil« ist eine Spätfolge der 68er".
    Warum redet ide SPD nicht über Werte, Herr Hauff?
    Die Bundesregierung begründet ihre Politik nur mit Sachzwängen, meint Volker Hauff, Vorsitzender des Nachhaltigkeitsrates. Das liege am Hedonismus der Politikergeneration um Schröder und Fischer,
    in: TAZ v. 11.01.
    • Kommentar:
      Volker HAUFF, während der Yuppieära und der Festivalisierung der Stadt SPD-Oberbürgermeister in Frankfurt , war bislang nicht als Wertefanatiker bekannt.

            
        Aber wer wundert sich heutzutage noch über 68er, die sich von ihrer Vergangenheit dadurch freisprechen möchten, dass sie nun zu neuen Reaktionären mutieren?
            
        "Die heutige »Geiz ist geil«-Ellenbogenmentalität ist doch eine Spätfolge des damaligen Hedonismus. Die 68er erkennen heute, dass einiges zerstört wurde, was bewahrenswert war. Doch sie sind zurückhaltend, eine neue Wertedebatte zu beginnen - weil sie sich in gewisser Weise geirrt haben", verkündet der 68er HAUFF.
            
        Gibt es eigentlich z. Z. überhaupt noch ein anderes Thema als die Wertedebatte? Offenbar zumindest unter den Meinungsmachern nicht, weswegen der Selbstaufruf zur Wertedebatte seltsam verlogen daher kommt...  
 
  • WULF, Jan-Hendrik (2005): Eine neue Verzagtheit.
    Schriften zu Zeitschriften: Die Zeitschrift "Vorgänge" erklärt die Protestmüdigkeit bei Hartz IV, Mariam Lau geißelt im "Merkur" die larmoyante Stimmung der gegenwärtigen 68er-Kritik,
    in: TAZ v. 11.01.
    • Inhalt:
      Auch bei WULF geht es um die Wertedebatte. Er bespricht die Kritik von Mariam LAU an Sophie DANNENBERG in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift Merkur.

            
        LAU erblickt in dem Buch "Das bleiche Herz der Revolution" den Mief der 50er Jahre, möchte aber lieber die 70er Jahre ins Visier nehmen.
   

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