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Medienrundschau:
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News vom
08. - 13. Januar 2006
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Zitat
des Monats:
"Jener
bereits erwähnte Wirtschaftsforschungsinstitutsleiter
schrieb: »Wenn alle Menschen gleich viele Kinder hätten,
brauchte man die Rentenversicherung eigentlich nicht, denn jeder
könnte seine Rente von den eigenen Kindern beziehen.« Die
eigenen Kinder, die eigenen Alten, das Eigene...
Moderne Gesellschaftspolitik stellte der persönlichen
Solidarität einen vergesellschafteten Solidarverband an die
Seite, um die »eigenen« privaten Risiken von Krankheit,
Arbeitslosigkeit, Kinderlosigkeit usw. zu mindern - ein
Vorgehen, das umso gerechtfertigter war und ist, als die Nöte
der individuellen Lebensgeschichte von der herrschenden Ökonomie
und Ökologie mitverursacht sind.
Eine Politik, welche die soziale Solidarität in die familiären Bahnen
zurückdrängen möchte, widerspricht der gesellschaftlichen
Entwicklung, in deren Verlauf sich Solidarität von biologischen
Fesseln befreit hat. Eine Rückkehr zu vormodernen Verhältnissen
würde die Gestaltungs- und Freiheitsräume der Menschen verengen
und ihre Unterworfenheit unter die Natur wieder festigen.
Moderne Länder wie Deutschland würden durch vormoderne
Experimente das verschleudern, was die Länder des Südens
aufgrund der Abnahme familiärer Solidarität erst aufzubauen
versuchen."
(Judith
Klein in der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte,
Nr.12, Dezember 2005)
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SCHULZE, Gerhard (2006): Lob der Treue.
Nicht die Erotik des Seitensprungs verdient Aufmerksamkeit, sondern
das Glück alltäglicher Zweisamkeit,
in: Welt v. 13.01.
- Kommentar:
Der Soziologe Gerhard SCHULZE wurde Anfang der
90er Jahre durch sein Buch
"Die Erlebnisgesellschaft"
bekannt.
Seit dem Zusammenbruch der
New Economy ist das Nomadische megaout und die sesshaften
Neo-Spießer sind auf dem Vormarsch.
Mit ein paar Jahren
Verspätung lobt nun Gerhard SCHULZE die Treue. Wenn er jetzt mit der
selbstgefälligen Attitüde eines Tabubrechers einen Paradigmenwechsel
fordert, dann tritt er sozusagen nur offene Türen ein:
"Auch
der Diskurs ist ganz auf das Nomadische fixiert: steigende
Scheidungsziffern, Vereinsamung, Wurzellosigkeit. Über das Seßhafte,
über Treue und langjähriges Zusammenleben schweigen sich
Medien und
Sozialwissenschaft aus.
Wer unter hiesigen Bedingungen
für lebenslange Treue, für Monogamie, für Ehe plädiert, ist ebenso
naiv und zynisch wie der kleine Bürger, der das Grau in Grau seines
Alltags aufzufrischen versucht" - Volkmar Siguschs Attitüde der
Entlarvung wirkt nach einem Jahrhundert der Kritik der bürgerlicher
Ehe und der konventionellen Sexualmoral wie ein Purzelbaum, den ein
Dreijähriger stolz den Erwachsenen vorführt. Wenn es im
zeitgenössischen Beziehungsalltag noch etwas zu entdecken gilt, dann
gewiß nicht die versteckte Hölle hinter der Fassade der Harmonie,
sondern das Geheimnis des gelingenden Zusammenlebens ohne Fassade,
des unspektakulär schönen Lebens zu zweit."
Wer wie Gerhard SCHULZE
einen Vorruheständler wie den 68er
Volkmar SIGUSCH
als Beleg für seine revolutionäre Sicht benötigt, der muss sich
fragen lassen, ob er die letzten 3 Jahre im Tiefschlaf verbracht
hat.
Natürlich kann man sich auf
die Ewiggestrigen einschießen, die Debatte ist jedoch eine ganz
andere:
Ist Bindung und Glück nur
an die Ehe gebunden denkbar oder hat auch der
Single ein Recht auf Anerkennung?
Wer sich zu dieser Frage
nicht entschieden äußert, der muss - auch wenn er sich verbal von
der viktorianischen Moral der 50er Jahre distanziert - als jemand
angesehen werden, der genau dieser Moral Vorschub leistet.
Wer sich als
Sozialwissenschaftler um die Frage drückt,
wann ein Paar ein Paar ist, sollte
angesichts des neuen
Republikanismus besser schweigen, denn er ist nicht mehr
auf der Höhe der Zeit.
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BREUER, Inge (2006): Stadtentwicklung wohin?
Leben in der Stadt der Zukunft,
in: DeutschlandRadio v. 12.01.
- Kommentar:
Junge Familien erobern zunehmend die schicken
städtischen Quartiere. Im neuesten Spiegel
wird das Ende der Stadtflucht ausgerufen.
Single-dasein.de hat diesen
Trend bereits vor fast 4 Jahren aufgrund
der demografischen Situation und der wegweisenden
stadtsoziologischen Forschung prognostiziert. Seitdem wurde das
Phänomen dieser so genannten "Family-Gentrifier" immer wieder in den
Mittelpunkt gerückt.
Warum der Mainstream dieses
Phänomen nun erst entdeckt, ist deshalb hochgradig
erklärungsbedürftig!
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MISHRA, Robin (2006): Riesige Baustelle.
Zukunft. Umfragen zeigen Licht und Schatten,
in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 12.01.
- Kommentar:
Der Rheinische Merkur hat aus einigen
Studien, u.a. der Konrad-Adenauer-Stiftung, des Berlin-Instituts
und dem B.A.T.-Institut (OPASCHOWSKI), das herausgepickt, was zum
Weltbild der eigenen Zeitung passt. Herausgekommen ist eine
düstere Zukunft, die sich aus einer
nationalkonservativ-kirchlichen Weltsicht speist.
- FLORIN, Christiane (2006): Papas Krawatte
muss weg.
Wertewandel. Die Rückkehr der Tradition - ein frommer Wunsch,
in: Rheinischer Merkur Nr.2 v. 12.01.
- Kommentar:
Aus der Sicht von
Christiane FLORIN, für die Ehe als christliche Tradition der
einzige Bezugspunkt ist, ist die Zukunft niederschmetternd.
Nicht-Heirat, keine Zucht & Ordnung. Überall Hedonisten, wohin das
Auge blickt! Alle anderen dürfen sich dagegen freuen. Der
Monopolverlust der Ehe wird sich weiter fortsetzen!
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SCHNEIDER, Peter (2006): Wir Angstsparer.
Warum wir Deutschen uns ans Geld klammern, wo wir es doch besser
ausgeben sollten,
in: Die ZEIT Nr.3 v. 12.01.
- Kommentar:
Die 68er wurden bereits vor langer Zeit als
die melancholische Generation bezeichnet. Das Problem ist nur, dass
sie von sich auf den Rest schließen. Das tut auch Peter SCHNEIDER,
der sich in Deutschland offenbar von seinesgleichen umzingelt sieht.
Deshalb kommt er zum Schluß:
"In
keinem anderen Land der Welt ist die Perspektive, als Single zu
leben, so populär wie in Deutschland. Immer mehr Frauen (14,6
Prozent) und Männer (26,3 Prozent) sind von dem sehnlichen Wunsch
beseelt, kein Kind zu haben. »Eine Absage an Kinder«, kommentierte
Bundesinnenminister Otto Schily die Zahlen aus Wiesbaden, »ist eine
Absage an das Leben.« Andere Kommentatoren sprechen von einem
versteckten Todeswunsch. In einer Talkshow fand sich prompt eine
beherzte Verteidigerin des Niedergangs der Geburtenrate. Die Dame
hielt es für eine eher attraktive Vorstellung, dass die Deutschen
demnächst nur noch 60 oder 50 Millionen zählen werden. Die Erfinder
der »Geiz ist geil«-Kampagne scheinen ein Prinzip formuliert zu
haben, das die Deutschen längst auf ihre eigene Reproduktion
anwenden.
Ich trage hier Daten, Beobachtungen und Vermutungen über einen
Gemütszustand zusammen, den man wohl als »die deutsche Melancholie«
bezeichnen muss."
Peter SCHNEIDER hat mit seinem
Roman "Paarungen" bereits Anfang der 90er Jahre seinen Teil zur
Single-Lüge beigetragen.
Dass wir uns immer noch nicht von
diesen 68ern emanzipiert haben, ist unser größtes Problem.
Die Single-Lüge verstellt den Blick darauf, dass hier das
individualisierte Milieu als deutsches Problem wahrgenommen werden
möchte.
Die Tatsache, dass
Kinderlose einen Niedergang der Geburtenrate verteidigen können, der
in diesem Maße gar nicht existiert, zeigt das ganze Ausmaß des
Problems.
Dass sowohl die Verfechter
einer rigiden Steigerung der Geburtenraten um Herwig BIRG, als auch
die Verfechter einer Vereinbarung von Beruf und Familie, an einer
Dramatisierung der Geburtenentwicklung
- unabhängig von der tatsächlichen Entwicklung - interessiert sind,
hat folgerichtig dazu geführt, dass die Deutschen sich nun - auch in
ihren Aussagen über ihre Kinderwünsche - an dieser medial
inszenierten Entwicklung orientieren. Alles andere wäre eher
verwunderlich!
Intellektuelle wie Peter
SCHNEIDER sind nicht die Lösung, sondern das Problem!
Single-dasein.de hat immer wieder belegt, wie wir angelogen
werden.
Die Single-Lüge ist mitverantwortlich für die
derzeitige Situation.
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GRÖZINGER, Gerd/MASCHKE, Michael/OFFE,
Claus (2006): 60.000 Euro für jeden 18-Jährigen.
Eine "Sozialerbschaft" kann Bildungshunger wecken und die
Selbständigkeit fördern,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.01.
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TAZ-Brennpunkt: Das neue Modell - Ein Guthaben vom Staat
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RUTSCHKY, Michael (2006): Der Kopf hinter Merkel.
Wer die Republik von Angela Merkel (CDU) verstehen möchte, sollte
sich dringend mit Søren Kierkegaard vertraut machen. Warum der
dänische Philosoph das Lebensgefühl in Merkelland bestimmen wird - und
wie man ihm entkommt,
in: TAZ v. 12.01.
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LENKE, Kai (2006): Liebe in Alphaville.
Gemeinsam einsam: Haruki Murakamis Roman „Afterdark“ erzählt
von schlaflosen Träumern,
in: Tagesspiegel v. 11.01.
- Inhalt:
"Murakamis Figuren sind allesamt Flüchtlinge vor der
eigenen Biografie, die sich im Exil der Nacht begegnen. Und aus den
versprengten Individualisten wird plötzlich ein Wir – zumindest bis
der Tag anbricht", schreibt LENKE zum neuen Roman
"Afterdark" von Haruki Murakami.
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HAARHOFF, Heike (2006): Hin und Weg.
Bei den Wochenendpendlern von Philippsreut: Hier lebt in jedem
zweiten Haushalt mindestens ein Pendler. Einer, der nur am Wochenende
daheim ist, der sich in seinem eigenen Haus fühlt wie ein Besucher.
Denn Philippsreut in Bayern ist malerisch, das macht sesshaft. Aber
Philippsreut ist auch arm, und das macht zwangsläufig mobil,
in: TAZ v. 10.01.
- Kommentar:
Heike HAARHOFF widmet sich in ihrer Reportage den
Wochenendpendlern ("Shuttles"). Hierzu werden auch
Schätzungen
über die Verbreitung geliefert.
Im Gegensatz dazu hat der Soziologe Norbert F. SCHNEIDER in der
Studie "Berufliche Mobilität und Lebensform" fünf mobile Lebensformen
untersucht.
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HANSEN, Sven & Regine HAFFSTEDT (2006): Die Abtreibungen weiblicher
Föten.
In den vergangenen 20 Jahren wurden in
Indien pro Jahr 500.000 Föten weiblichen Geschlechts getötet - um die
Geburt einer Tochter zu verhindern. Denn noch immer gelten Töchter als
Kinder zweiter Klasse. Auch in China wird es deshalb bald einen
dramatischen Frauenmangel geben,
in: TAZ v. 10.01.
- Inhalt:
In einem Brennpunkt berichtet die taz über
Abtreibungen weiblicher Föten in Indien,
China und
Südkorea.
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SIGUSCH, Volkmar (2006): Nicht schwanger.
Die sexuelle Frage,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.01.
- Kommentar:
Der 68er SIGUSCH mokiert sich über die
Nach-68er, die sich einfach nicht an die moralischen Vorgaben der
68er-Generation halten.
Dafür rächt sich SIGUSCH mit
Nullinformationen wie:
"95 Prozent aller Koitus ereignen
sich in festen Beziehungen, zeigt die neueste empirische
Sexualforschung um Gunter Schmidt. Nur ein Bruchteil kommt durch
Fremdgehen zustande. Und die Singles bringen es nur auf etwa 5
Prozent des Gesamtaufkommens, obwohl sie in der Stichprobe 25
Prozent ausmachen: Schöne sexuelle Revolution!"
SIGUSCH will uns
offensichtlich sagen, dass Singles zu bedauern sind, weil sie dem
68er-Klischee vom "Swinging Single" nicht entsprechen.
Was hier verschwiegen wird,
ist zweierlei:
1) Wenn SIGUSCH hier von Singles
spricht, dann sind ausschließlich die Partnerlosen und nicht
etwa Alleinlebende oder Unverheiratete gemeint.
Gunter SCHMIDT und sein Forschungsteam hat die Paare ohne
gemeinsamen Haushalt, die meist mit den Alleinlebenden in einen Topf
geworfen werden, zu den Paaren gezählt.
2) Verschwiegen wird ebenfalls,
dass das Single-Dasein bei den unter 65-Jährigen überwiegend eine
kurze Lebensphase zwischen zwei Beziehungen ist.
Im Sinne des Prinzips der
sexuellen Monogamie zeigen die Befunde von Gunter SCHMIDT also nur,
dass die Beziehungen der Post-68er mit den veralteten Kategorien der
typischen 68er-Sozialforschung à la SIGUSCH nicht richtig erfasst
werden können.
Die Zeit dieser Vulgär-68er-Sozialforschung
sollte längst abgelaufen sein.
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- KESSEN, Peter (2006): Narziss und
Falschgold.
Warum macht die Popkultur krank? Die Stars, die Fans und das
Borderline-Syndrom,
in: Tagesspiegel v. 10.01.
- Kommentar:
Der neue Alterswahn kommt im Gewande des
Republikanismus
daher. Devianz ist die neue Schlüsselkategorie, mit der nun die
Phänomene des Unerwachsenseins
eingeordnet werden können.
Die Popkultur gilt den
Verfechtern unserer neuen Altenrepublik als Hauptübel. Wenn das
Borderline-Syndrom nun als
Pop-Phänomen behandelt wird, dann sind wir bereits mitten in diesem
Kulturkampf:
"Obwohl Borderline nach Ansicht des
Psychoanalytikers Otto F. Kernberg eine narzisstische
Persönlichkeitsstörung ist, die auf Vernachlässigung oder Missbrauch
durch die Eltern zurückgeht, werden Betroffene nicht als Außenseiter
wahrgenommen. Während
Neurotiker unter ihren Abwehrhandlungen leiden und sich bald als
Fremdkörper fühlen, inszenieren Borderliner ein Größen-Ich, das sie
beglückt – und andere auch. So kristallisiert sich in dieser Form
des pathologischen Narzissmus, Philosoph Slavoj Zizek zufolge, ein
zentraler psychischer Defekt unserer Zeit. Hinter dem Typus des
krankhaften Narzissten verberge sich »ein Konformist, der sich als
Outlaw begreift«. (...). Im Grenzland zwischen Psychose und Neurose
zeigt sich eine Pop-Krankheit."
Joseph HEATH & Andrew POTTER
haben in ihrem Buch
"Konsumrebellen" die
republikanische Rechtfertigung geliefert:
"Zur Aufrechterhaltung des für alle vorteilhaften Systems bedarf es
sozialer Kontrolle. (...). Wichtig ist (...) die Unterscheidung
zwischen solchen Akten der Rebellion, die sich gegen sinnlose oder
überholte Konventionen richten und solchen, die gegen legitime
gesellschaftliche Normen verstoßen. Wir müssen also zwischen
Dissens und Devianz (Abweichung) unterscheiden. Dissens
gleicht dem zivilen Ungehorsam. (...). Devianz tritt hingegen auf,
wenn man die Regeln aus purem Eigeninteresse verletzt. (...). Viele
praktizieren ein bloß abweichendes Verhalten, sind aber ganz
aufrichtig der Meinung, dass ihr Verhalten eine Form von Dissens
darstellt." (S.103f.)
Fällt diese politische
Rechtfertigung für den Umgang mit öffentlichen Phänomenen weg, dann
sind wir unvermittelt beim medizinischen Diskurs über Pathologien
angelangt, um den es bei KESSEN geht.
Die Entscheidung jedoch, ob ein
öffentliches Phänomen als politisch oder medizinisch zu betrachten
ist, ist bereits Teil des neuen Kulturkampfes.
Sowohl HEATH & POTTER als auch
KESSEN führen Promiskuität bzw. "instabile Beziehungsmuster" als
Beispiele auf, um einen gesellschaftlichen Kulturwandel zu belegen.
Sexualforscher wie
Gunter SCHMIDT verweisen dagegen darauf, dass
Sex auch in unserer Kultur normalerweise in stabilen Beziehungen
stattfindet. Treue ist ein hoher Wert, selbst für die
Verfechter von Seitensprüngen.
Wenn das Borderline-Syndrom
gerade jetzt öffentlich entdeckt wird, dann ist dies
Ausdruck eines Kulturwandels. Wir
befinden uns im Zeitalter der Demografiepolitk...
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FEDDERSEN, Jan (2006): "Die Menschen brauchen keine Moral".
Gunter Schmidt, einer der prominentesten deutschen Sexualforscher,
über die Entdramatisierung des Sexuellen, die falsche Kulturkritik an
Pornografisierung und die drohende Schließung des Frankfurter
Instituts für Sexualwissenschaft. Ein Hausbesuch in Hamburg,
in: TAZ v. 09.01.
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BEYER, Susanne (2006): Triumph der City.
Jahrzehntelang haben Stadtplaner Familien in die Vororte verbannt.
Nun sollen Mittelständler durch ambitionierte Wohnprojekte -
Stadthäuser - im Zentrum gehalten werden,
in: Spiegel Nr.2 v. 09.01.
- Kommentar:
"Immer neue Studien werden vorgelegt - vom
Deutschen Institut für Urbanistik, vom BAT
Freizeit-Forschungsinstitut, vom Hamburger Institut für Stadt- und
Regionalökonomie -, die das Ende der Stadtflucht junger Familien
prognostizieren. Eine überraschende Kehrtwende: Acht Jahrzehnte lang
waren Stadtplaner davon überzeugt, dass Familien lieber in
Vorstädten leben, und nun heißt es, der Traum vom Haus im Grünen sei
ausgeträumt, die Innenstädte würden wiederentdeckt", schwadroniert
BEYER.
Fakt ist etwas ganz
anderes: Der Trend zum Stadtwohnen junger Familien existiert bereits
seit mehreren Jahren. Single-dasein.de hat sich diesem Thema
bereits im März 2002 gewidmet.
Offenkundig wurde
das aber erst ein Jahr später durch das
Prenzlauer Eltern-Medienspektakel.
Zukunftsorientierte Stadtforscher wie Monika
ALISCH haben bereits Anfang der 90er Jahre vorausgesehen,
dass der Wunsch von Frauen, Beruf und Familie zu vereinbaren, die
Attraktivität des innenstadtnahen Wohnens für junge Familien,
insbesondere mit einem Kind, erhöht.
Wer Augen hatte zu sehen,
der hatte dies auch wahrgenommen. Nur war dies bislang nicht
politisch korrekt, denn angeblich wird das städtische Wohnen von den
Singles geprägt.
Während das Medienbild den
städtischen Single-Yuppie in den Vordergrund rückte, ist die
städtische Realität jedoch differenzierter. Immer noch dominieren
ältere Alleinlebende und nicht die unter 65jährigen Singles das
Leben im Einpersonenhaushalt. Dieser Trend wird sich sogar noch
verstärken.
Die
68er-Stadtforschung und die feministische Stadtforschung haben lange
Zeit verhindert, dass die städtischen Realitäten jenseits der
politischen Korrektheit wahrgenommen wurden. Single-dasein.de
hat diese Einseitigkeiten bereits im Jahr 2002 in einer
Bibliografie der Gentrificationsforschung
dokumentiert.
Erst Stadtforscher
der Single-Generation wie Monika ALISCH und
Jörg BLASIUS haben diese
Einseitigkeiten durch bislang unbeachtete, aber wegweisende Studien
bereits Anfang der 90er Jahre zurecht gerückt.
Es dauerte aber
offensichtlich noch ein ganzes Jahrzehnt bis nun auch der Mainstream
diese Fakten wenigstens zur Kenntnis nimmt.
Es ist also
hochgradig erklärungsbedürftig, dass erst jetzt das Ende der
Stadtflucht prognostiziert wird...
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WORATSCHKA, Rainer (2006): Der Staat muss stärker ran.
Wer die Sozialsysteme retten will, muss auch bereit sein, Steuern
zu erhöhen: vor allem für die, die sich bisher heraushalten,
in: Tagesspiegel v. 08.01.
- Kommentar:
"Wer sein Geld nicht für Kindererziehung ausgebe, dem
könne zugemutet werden, es für seine Rente auf dem Kapitalmarkt
anzulegen, argumentiert Ifo-Präsident Hans- Werner Sinn. Dass dies
sonderlich populär oder auch nur politisch durchsetzbar wäre, ist zu
bezweifeln. Dem gesellschaftlichen Zusammenhalt förderlich wäre es
in keinem Fall", kritisiert WORATSCHKA.
Verschwiegen wird dagegen, dass das Ausmaß der lebenslangen
Kinderlosigkeit viel geringer ist als unsere
Familienfundamentalisten behaupten. Die Umdefinition von Eltern zu
Kinderlosen wie sie in der Haushaltsstatistik betrieben wird,
täuscht darüber hinweg, dass letztendlich hauptsächlich Eltern für
Eltern bezahlen werden. Denn kinderlos sind immer die anderen...
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JOEL, Antje (2006): Die Männer & ich.
Der eine will kein Kind, der andere trägt Tattoos. Liebe ist
schwierig. Aber unsere Autorin weiß eine Lösung,
in: Tagesspiegel v. 08.01.
- Inhalt:
"Ich bin 38, ich habe zwei Ehen gelebt und ein paar
Affären. Die Männer, die ich mir fand, waren immer die Falschen",
bekennt JOEL.
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JACQUEMART, Charlotte (2006): Noch 962 Jahre bis zur Gleichstellung.
Eine kleine Welle von Berufungen in jüngster Zeit täuscht: Frauen
sind in den obersten Firmen-Etagen weiterhin selten vertreten,
in: Neue Zürcher Zeitung am Sonntag v. 08.01.
- Inhalt:
JACQUEMART erläutert den Schweizern:
"Der
Verzicht auf Kinder als Preis für den Aufstieg? Dann wär es kein
Zufall, dass die drei neuen Chefinnen von Converium, ABB Schweiz und
Ruag Aerospace kinderlos sind. Und auch nicht erstaunlich, dass
Frauen immer häufiger auf Nachwuchs verzichten: Die Zürcher
Kantonalbank hat im Rahmen des Projektes «Frauen in
Führungspositionen» (...) festgestellt, dass 80% der Frauen mit
Führungsfunktionen kinderlos sind. Gesamtschweizerisch haben 38,6%
der zwischen 1960 und 1964 geborenen Frauen mit Hochschulausbildung
kein Kind.
Doch
selbst Kinderlosigkeit ist kein Garant für einen Aufstieg in höhere
Sphären. Das zeigt eine aktuelle Umfrage der «NZZ am Sonntag» bei
den grössten börsenkotierten Unternehmungen der Schweiz (SMI). In
der obersten Börsen-Liga bleiben Männer auch nach dem Jahreswechsel
unter sich. Nur gerade 7 Frauen (von 237) finden sich in den
Geschäftsleitungen der 26 SMI-Firmen, davon ist gerade einmal eine
CEO, die (kinderlose) Heliane Canepa von Nobel Biocare."
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Zu den News vom 01. -
07. Januar 2006
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