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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
     
       
       
   

News vom 16.-31. Juli 2001

 
       
     
       
       
   
  • JOOP, Wolfgang (2001): Glamour war gestern.
    Seit dem Absturz der Börsenkurse ist es mit dem Konsumrausch vorbei. Nun zeichnet sich eine Suche nach dem Echten ab. Das Glück liegt in der Beschränkung.

    in: Spiegel Online v. 31.07.
 
   
  • SANTIAGO, Marlise (2001): Kind ja, Heiraten nein?
    Der Steffi-Graf-Effekt: Zuerst das Baby und erst dann unter die Haube - vielleicht.
    in: Brückenbauer Nr.31 v. 31.07.
 
   
  • BRAUN, Sebastian (2001): Kooperation und Korruption.
    Produktive Beziehungen: Das "soziale Kapital" als individuelle und als kollektive Ressource
    in: Frankfurter Rundschau v. 31.07.
    • Inhalt:
      BRAUN konfrontiert den Sozialkapitalbegriff von Robert D. PUTNAM mit dem Kapitalbegriff des französischen Soziologen Pierre BOURDIEU, um die Idealisierung des Sozialkapitals durch die kommunitaristische Perspektive deutlich zu machen.
                  Die zivilgesellschaftliche Debatte blendet nach BRAUN sowohl den Aspekt der Reproduktion sozialer Ungleichheit aus, als auch die negativen Effekte von Netzwerken, die mit Begriffen wie "Seilschaften", "Vetternwirtschaft" oder "Vitamin B" umschrieben werden können.
 
   
  • ALTHAUS, Claudia (2001): Im Identitätscontainer.
    Lagerung und Bewusstsein: Eine Tagung zur Geschichte der Generationen im zwanzigsten Jahrhundert,
    in: Frankfurter Rundschau v. 31.07.
    • Inhalt:
      Bericht über eine Tagung zum Thema "Generationalität und Lebensgeschichte im 20. Jahrhundert" im Münchner Historischen Kolleg.
                  Kontrovers diskutiert wurde die Frage:
                  "Handelt es sich bei Generationen um objektive, der Klassenlage vergleichbare Erscheinungen mit einheitlicher Identität, oder sind Generationen das Ergebnis massenmedialer Konstruktionsprozesse, deren Angehörige sich mit gewissen geistigen und kulturellen Trends identifizieren?".
                  Nach ALTHAUS werden Etiketten wie "Generation X", "68er Generation" oder "Generation Golf" für unterschiedliche Zwecke genutzt:
                  "Sei es zur Selbststilisierung, zur Mobilisierung von Solidarität oder gar zur Markierung eines feindlichen Terrains. Nicht selten geht die generationelle Selbstkonstruktion mit Mythisierungen einher, wie der Rückblick auf die Studentenbewegung von 1968 gezeigt hat."
 
   
  • FRÖMEL, Susanne (2001): Hab Sonne im Herzen.
    In den Kontaktanzeigen ist es jetzt Hochsommer,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
    • Inhalt:
      "Wer klug ist, bleibt in der Stadt. Die Hitze macht die Hiergebliebenen leicht und licht im Hirn, Nachbarn grüssen plötzlich im Treppenhaus und Menschen sitzen bis spät in der Nacht in Straßencafés und benehmen sich mediterran. Sie fühlen sich plötzlich feurig wie Italiener und heißblütig wie Spanier.
      Zur Kanalisation ihrer sommerlichen Begierden wählen sie dann nicht selten den Weg der Kontaktanzeige", lässt uns FRÖMEL wissen und präsentiert eine Auswahl von sommerlichen
      Kontaktanzeigen.
 
   
  • SPETH, Rudolf (2001): Allein gelassen in der Masse Mensch.
    Traditionelles soziales Engagement geht zurück - neue Formen von Hilfe bilden sich heraus,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
 
   
  • FELIXBERGER, Peter (2001): Der Trendscout versucht sich als Philosoph.
    Ein Gesellschaftsforscher verbindet die vielen Diskussionsbeiträge über die Neue Ökonomie zu einem besonderen Weltbild,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 30.07.
    • Kommentar:
      Nach FELIXBERGER ist Matthias HORX ein "Go-West-Cowboy", d.h. "eine Art Berufsjugendlicher, der davon lebt, die Brennpunkte des Wandels als erster zu entdecken und sie in den großen Weltenlauf hinein zu erklären. Dankbare Abnehmer findet er bei jenen Verfechtern einer urbanen Zeitgeistkultur, deren Orientierung immer wieder auf vollen Durchblick getrimmt werden muss".
                  Diese Einschätzung liegt ein wenig daneben, vielmehr ist HORX ein Adept von Ulrich BECK, wobei er dessen Individualisierungsthese positivistisch gewendet und von allem Kulturpessimismus gereinigt hat. Heraus kommt dann eine Ode an den Neuen Menschen des Zeitalters der Individualisierung:
                  "Konturen einer Zivilgesellschaft werden sichtbar, in der Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen, in der die Ichlinge zu solidarischen Vorkämpfern für eine bessere Welt werden – 'die Kernformel der Zukunftsgesellschaft'".
 
   
  • GREENBERG, Susan H. (2001): Kleine Prinzen.
    Die Geburtenraten sinken weltweit, das Familienbild wird vom Einzelkind beherrscht,
    in: Focus Nr.31 v. 30.07.
    • Kommentar:
      Offensichtlich gibt es schwerwiegende Differenzen beim Thema "Einzelkind".
                  Renommierte Demographen wie Jürgen DORBRITZ und Karl SCHWARZ gehen von einer zunehmenden Polarisierung zwischen Kinderlosen und Mehr-Kind-Familien aus, während GREENBERG einen Trend zur Ein-Kind-Familie belegen möchte.
                  Wenn die Geburtenrate bei 1,3 Kindern pro Familie liegt, dann stützt dies auf den ersten Blick die These von GREENBERG. Erst beim zweiten Blick wird deutlich, dass zwischen einer niedrigen Geburtenrate und der Anzahl von Kindern pro Familie kein besonders enger Zusammenhang bestehen muss.
                  Auch die Haushaltsstatistik, auf der sowohl die Polarisierungsthese als auch GREENBERGs These beruhen, hilft hier nicht weiter, sondern trägt wesentlich zum "Mythos der Ein-Kind-Familie" (Peter KRAFT) bei.
                  GREENBERG fasst Familien mit einem geschwisterlosen Kind und Familien, deren Haushalt nur ein Kind zugeordnet worden ist, zum Konstrukt "Ein-Kind-Familie" zusammen. Wenn aber ein alleinerziehender Vater mit seinem Kind und eine alleinerziehende Mutter mit ihrem Kind in einer gemeinsamen Wohnung als Paar leben, dann haben wir es haushaltsstatistisch gesehen mit zwei Ein-Kind-Familien zu tun, obwohl es eher unwahrscheinlich ist, dass beide Kinder wie Einzelkinder leben.
                  Jedes erstgeborene Kind ist zudem bis zur Geburt des zweiten Kindes ein Einzelkind. Wenn also eine Aussage richtig ist, dann diejenige, dass es heutzutage immer öfter vorkommt, dass ein Kind zeitweise alleine mit seinen Eltern in einer Wohnung zusammenwohnt, weil entweder das zweite Kind noch nicht geboren ist oder bis auf ein Kind bereits alle anderen Kinder aus dem Elternhaus ausgezogen sind. Ob die Schwester oder der Bruder nun ganz ausgezogen ist, nur unter der Woche nicht bei den Eltern wohnt oder in einer Einliegerwohnung im gleichen Haus wohnt, das ist der Haushaltsstatistik nicht zu entnehmen. Studien, die solche Differenzierungen nicht berücksichtigen, können bei der Untersuchung des Sozialverhaltens von angeblichen "Einzelkindern" zu schweren Fehlschlüssen führen. Welche Auswirkungen die Telekommunikationstechnik auf das Kontaktverhalten von Geschwistern hat, das wird von der überwiegend technikfeindlichen Soziologie erst recht vernachlässigt.
                  Auch wenn es keinen allgemeinen Trend zur Ein-Kind-Familie gibt, könnte es durchaus Milieus geben, in denen dieser Familientyp vorherrscht. Möglicherweise gehören die Beschäftigten in den neuen Berufen zu jenem Milieu in dem dieser Typ besonders verbreitet ist. Die Beispiele, die GREENBERG aufführt, würden dafür sprechen. Aber nur Milieustudien könnten darüber Auskunft geben.
  • BETTERMANN, Stella (2001): Einzelkinder - die Singles von morgen.
    Individualisten mit Grips und Allüren - der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann über die Generation der Geschwisterlosen,
    in: Focus Nr.31 v. 30.07.
  • FOCUS (2001): Pädagogisch wertvoll verzogen.
    Wer sich nur um sein Einzelkind dreht, habt leicht ab - Familienberater Jan Uwe Rogge warnt vor der perfekten Erziehung,
    in: Focus Nr.31 v. 30.07.
    • Kommentar:
      Der Begriff "Einzelkind", den Jan Uwe ROGGE benutzt, unterscheidet sich vom Einzelkind-Begriff in den vorangegangenen Beiträgen. Haushaltsstatistiken können nach ROGGE nichts über die Verbreitung von "Einzelkindern" aussagen, da sie das Produkt eines elterlichen Erziehungsstiles sind.
 
   
  • TAGESSPIEGEL (2001): Wo schauen Sie denn hin?
    Wir dachten immer, Verlieben sei eine romantische Angelegenheit. Biologen sehen das ganz anders. Sie berufen sich auf die Evolution. Und erklären damit jeden Seitensprung,
    in: Tagesspiegel v. 28.07.
  • TAGESSPIEGEL (2001): Genetisches - Die Biologie des Fremdgehens,
    in: Tagesspiegel v. 28.07.
  • TAGESSPIEGEL (2001): Mikroskopisches - Krieg der Spermien,
    in: Tagesspiegel v. 28.07.
    • Kommentar:
      Sommer, Sonne, Seitensprung - Die 3S, die zusammengehören. Keine Zeitung oder Zeitschrift, die deshalb zur Zeit nichts zum Seitensprung zu berichten hätte...
 
   
  • FRIED, Nico & Christoph SCHWENNICKE (2001): "Die Grünen sterben nicht aus".
    Joschka Fischer ist für seine Partei zuversichtlich - wenn sie nicht wieder einen Fehler à la Magdeburg macht. Der Außenminister über Gewalt in Genua, Wahlaussichten, Familienpolitik und seinen biografischen Horizont,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 28.07.
    • Textauszug:
      SZ: Die Grünen haben jetzt die Familienpolitik entdeckt. Allerdings gibt es da noch keine einhellige Meinung. Einige befürchten, dass durch die Orientierung auf die Bedürfnisse von Kindern die klassische Frauenpolitik zu kurz kommt.
                  Fischer: Es geht um die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist keine ideologische Debatte, sondern gerade für viele junge Frauen die zentrale Frage der Gleichstellung der Geschlechter.
                  SZ: In Ihrer Partei wird der Einwand erhoben, man benachteilige damit Frauen ohne Kinder.
                  Fischer: Jede Frau und jeder Mann entscheidet allein, ob sie oder er Kinder will. Und es gibt zu respektierende Gründe, keine Kinder zu wollen. Diese Gründe achte ich, und ich würde mich sofort dagegen verwahren, wenn das diskriminatorisch eingesetzt würde. Es geht nicht darum, irgendjemandem seinen Lebensstil vorzuschreiben. Aber wer Kinder will, soll dafür gute Bedingungen vorfinden. (...) Flächendeckend Ganztagsschulen, das steht jetzt an.
                  (...)
      SZ: Herr Fischer, es gibt Deutungen, dass zum Beispiel hinter der Debatte um die Familienpolitik, die gerade von jungen Grünen vorangetrieben wird, auch ein Generationenkonflikt steckt...

                  (...)
      SZ: Gibt es nun einen Generationenkonflikt oder nicht?

                  Fischer: Nein. Aber natürlich wird sich auch bei uns die Frage eines Generationswechsels stellen. Ich nehme an, in der nächsten Legislaturperiode wird das in den Vordergrund rücken.
 
   
  • MICHALZIK, Peter (2001): Pater absconditus.
    Der Vater ist als Rollenfigur so verbraucht wie offen für eine Neuerfindung,
    in: Frankfurter Rundschau v. 28.07.
    • Inhalt:
      Ein Beitrag zur Entkopplung von biologischer und sozialer Vaterschaft und dem Verschwinden des Vaters anlässlich der Vaterstudie im Auftrag des Familienministeriums. MICHALZIK diskutiert das Thema anhand verschiedener Literatur, z.B. von Axel HACKE und Dietrich SCHWANITZ.
 
   
  • SCHROER, Markus (2001): Im Supermarkt des Lebens.
    Jeden Tag stöhnen wir unter der Vielfalt der Möglichkeiten - und nie sind wir sicher, ob wir richtig gewählt haben. Von der Lust an Optionen, der Last der Entscheidungen und der List der Individuen
    in: TAZ v. 28.07.
    • Kommentar:
      Entscheidungsterror? Wer wie Markus SCHROER einen quantitativen Entscheidungsbegriff benutzt, bei dem die Wahl zwischen rotem, gelbem und grünem Paprika genauso wichtig ist wie die Entscheidung für oder gegen ein Kind, der verstellt den Blick für die Grenzen der Wahlfreiheit und unterschiedliche Entscheidungsqualitäten.
                  SCHROERs Logik an einem typischen Beispiel: Wenn wieder einmal der einzige Supermarkt in der Nähe schließt, dann bleibt das lethargische Selbst wohnen, obwohl Umzug angesagt wäre (Nichtentscheidung). Das gehetzte Selbst sucht sich einen neuen Wohnsitz zwischen drei Supermärkten, die gleich weit entfernt sind (Entscheidungskonflikt). Das verunsicherte Selbst sucht in Buchhandlungen nach einem Ratgeber für diesen Fall (Entscheidungsübertragung). An dem Beispiel wird jedoch gleichzeitig sichtbar, dass SCHROERs Entscheidungsbegriff bereits die Unverhandelbarkeit gewisser Entscheidungen (Verlegung eines Supermarktes) voraussetzt.
                  Völlig ausgeblendet bleibt bei SCHROER die lebenszeitliche Dimension von Entscheidungen. Der Soziologe Günter BURKART hat in dem Aufsatz "Biographische Übergänge und rationale Entscheidungen" (BIOS 1/1995) und in dem Buch "Die Entscheidung zur Elternschaft" (1994) grundlegende Kritik am Entscheidungsbegriff von Individualisierungstheoretikern wie SCHROER geübt. BURKART geht davon aus, dass Entscheidungen in Paarbeziehungen und Familien das Ergebnis von Aushandlungsprozessen sind. Weiterhin unterscheidet er zwischen Alltags- und Lebensentscheidungen. Letztere sind biographische Entscheidungen mit weitreichenden Folgen wie z.B. die Entscheidung zur Elternschaft.
 
   
  • STORM, Andreas (2001): Von Sonntagsreden zur realen Politik.
    Die Familienpolitik in Deutschland muss einen höheren Stellenwert und mehr Geld bekommen
    in: Frankfurter Rundschau v. 27.07.
    • Inhalt:
      Der CDU-Politiker STORM plädiert für eine Familienpolitik als "Geburtenförderungspolitik", die sich aber nicht explizit als solche ausgeben sollte.
                  STORM möchte einen Umbau des Sozialstaates, der Kinderlose gegenüber Eltern deutlich schlechter stellt. Den Grundsatz einer solchen impliziten Bevölkerungspolitik formuliert STORM folgendermaßen:
                  "Es muss (...) darum gehen, die Entscheidung des Einzelnen für oder gegen Kinder von finanziellen und beruflichen Erwägungen weiter abzukoppeln."
                  Durch die Einführung eines erwerbs- und einkommensunabhängigen Familiengeldes, kinderzahlabhängige Beiträge zur Rentenversicherung und höhere Rentenleistungen für Eltern möchte STORM Vollzeitmütter fördern. Berufstätigen Müttern soll durch eine Ausweitung der Betreuungsmöglichkeiten für Kleinkinder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert werden.
 
   
  • FRANZEN, Günter (2001): Verführung und Verfügbarkeit...
    ...schließen sich aus. Warum durch die sexuelle Freizügigkeit seit 1968 das Köstliche der Liebe abhanden kam,
    in: Welt v. 27.07.
    • Kommentar:
      Für alle, die glauben, dass vor 1968 die Welt noch in Ordnung war.
 
   
  • LORENZ-MEYER, Lorenz (2001): Intime Notizen für alle.
    Die "Blogger" führen öffentlich ein Protokoll ihres Internet-Lebens,
    in: Zeit Nr.31 v. 26.07.
    • Inhalt:
      LORENZ-MEYER berichtet über Blogger, d.h. Menschen die Internet-Tagebücher (spezieller: Weblogs) verfassen.
                  Chris ALDEN vom britischen Guardian sieht in den Weblogs Surfhilfen, die Katalogen wie Yahoo oder Suchmaschinen wie Google aufgrund ihrer Spezialisierung weit überlegen sind. Jörg KANTEL möchte den Begriff Weblog an spezielle Softwareprogramme wie Blogger oder Groksoup gebunden sehen, aber LORENZ-MEYER hält eine solche Definition zu restriktiv. Im weitesten Sinne ist diese News-Seite ebenfalls ein Weblog...
 
   
  • ROGGENKAMP, Viola (2001): Nachfolger von Mutti und Vati,
    in: TAZ v. 25.07.
    • Inhalt:
      Viola ROGGENKAMP beschäftigt sich mit der Frage, ob Hannelore Kohl der Prototyp einer "Reihenhausmutti" aus der Vor-Emanzipationszeit ist. Sie kommt zu dem Schluss:
                  "Die propagierte Erscheinung einer sich dem Mann unterwerfenden Frau ist heutzutage anders als in der Elterngeneration. Poliert, strahlend, fit. Der heutige Mann wäre ja der Spießer, der sein Vater ist, würde seine Plastikpuppe nicht so emanzipiert aussehen wie Verona Feldbusch, die darin nur mehr die Tochter einer Hannelore Kohl bleibt. Der Frau ist ihre Selbstidealisierung heute erlaubt, wenn sie darin dem Mann als Objekt nicht verloren geht."
 
   
  • FALK, Marcel (2001): Treue ist ein fast widernatürlicher Kraftakt.
    Strenge Monogamie ist im Tierreich wie auch beim Menschen sehr selten. Nur die gemeinsame Sorge um den Nachwuchs fördert monogames Verhalten

    in: Welt v. 23.07.
    • Inhalt:
      Eine Rechtfertigung des Seitensprungs aus der Perspektive der Zoologie.
 
   
  • KAMANN, Matthias (2001): Wie wir lieben,
    in: Welt v. 23.07.
    • Kommentar:
      KAMANN stellt einen Wandel der Erklärungsmuster in den letzten 50 Jahren fest: ökonomische, psychoanalytische und feministische Interpretationen der Paarbeziehung wurden abgelöst von soziobiologischen Erklärungen.
                  Den Wandel der Erklärungen sieht er kurzschlüssig in Verbindung mit dem Gegenstand selbst (Verfallsgeschichte der Institution Ehe vs Liebe als zentraler Lebenssinn), obwohl es doch offensichtlich ist, dass der Wandel der Erklärungsmuster erstens nicht auf einen Gegenstand beschränkt ist, sondern Ausdruck eines allgemeinen Wandels des Wissenschaftsbetriebes selbst ist und zweitens die genannten Erklärungsmuster durchaus nebeneinander koexistieren.
  • KAMANN, Matthias (2001): Ein Kuss ist nur ein Kuss.
    Zum Auftakt der WELT-Serie "Wie wir lieben": Der Sexualforscher Gunter Schmidt im Gespräch,
    in: Welt v. 23.07.
 
   
  • Focus-Coverstory "Die Geliebte. Blick in das Schattenreich der heimlichen Leidenschaft"

    • GERBERT, Frank (2001): Große Liebe, große Zweifel.
      Weder Vamps noch Betthäschen: Deutschlands "Nebenfrauen" revoltieren gegen böse Klischees und berichten, wie es wirklich ist, die zweite Geige zu spielen,
      in: Focus Nr.30 v. 23.07.
    • FOCUS (2001): In der Untreue anständig bleiben".
      Der Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer über die Seelenlage ehebrüchiger Männer und die Risiken, die sie eingehen,
      in: Focus Nr.30 v. 23.07.
    • GERBERT, Frank (2001): "Wir - die Frauen von nebenan".
      Drei Geliebte berichten über ihre Beziehungen zu verheirateten Männern und werben um Verständnis für ihr Verhalten,
      in: Focus Nr.30 v. 23.07.
 
   
  • BEHREND, Till (2001): Der einsamste Mann der Welt.
    Festtag für eine extreme Fernbeziehung: Nach knapp einem Jahr kehrt Weltumsegler Erdmann zu seiner Frau zurück,
    in: Focus Nr.30 v. 23.07.
 
   
  • THIELERT, Anette (2001): Flirten im Sieben-Minuten-Takt.
    Endlich gibts die Möglichkeit, langweilige Flirter sofort loszuwerden und sieben Leute in sechzig Minuten zu testen,
    in: SonntagsZeitung v. 22.07.
    • Inhalt:
      Bericht über Speed-Dating in der Schweiz
 
   
  • NZZ-Zeitfragen "Tauschhandel - archaisch oder modern?

    • MÜLLER, Christoph (2001): Die nichtende Ökonomie.
      Zum Existenzialismus in der Informationswirtschaft,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.07.
    • HOFFMANN, Günter (2001): Nicht für Euro oder D-Mark, sondern für Talente und Blüten...
      Regionale Tauschsysteme in den Modernen Industriestaaten,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 21.07.
 
   
  • BURGER-BONO, Sibylle (2001): Die Entdeckung eines unbekannten Landes.
    Familienpolitik in der Schweiz,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.07.
 
   
  • LAU, Mariam (2001): Kinder machen alles falsch!
    In Deutschland ist Familienpolitik wieder eine Arena der Glaubenskämpfe. Wer die Wiederkehr von Vollzeitmutter und restriktiver Erziehung fordert, übersieht die Realität
    in: Welt v. 20.07.
 
   
  • GIRSBERGER, Esther (2001): Der Amtsschimmel wiehert weiter.
    Fünfundzwanzig Jahre lang war das Paar verheiratet. Dann liess es sich scheiden, um gleich wieder vor den Traualtar zu treten. Und das alles wegen der Mehrwertsteuer
    in: Weltwoche Nr.29 v. 19.07.
 
   
  • LIEBS, Holger (2001): Übernachten und Schlafen.
    Terence Riley, Chefkurator des MoMA, über Prada, Orwell und die Zukunft des Wohnens,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.07.
 
   
  • SAI (2001): Angesurft: www.maennerseiten.de: Bügeltipps für männliche Singles.
    Die ultimative Internetseite für einen unfallfreien Männerhaushalt,
    in: Rheinpfalz v. 19.07.
 
   
  • GRÖCKEL, Mathias (2001): Single-Wohnungen auf dem Vormarsch.
    Alleinstehende leben zumeist in Hochhaus-Vierteln,
    in: Schweriner Volkszeitung v. 19.07.
    • Inhalt:
      GRÖCKEL räumt auf mit dem Yuppie-Klischee der Alleinstehenden:
                  "Das Bild vom jungen, bindungsunwilligen, karriereorientierten und gutverdienenden Alleinwohnenden trifft zumindest für Schwerin nicht zu. Im Gegenteil: In den genannten Stadtteilen leben viele verwitwete oder geschiedene Personen zumeist fortgeschritteneren Alters. Ebenso finanziell eher weniger gut gestellte junge Personen, darunter viele alleinerziehende Mütter. Die Armut ist in Mecklenburg-Vorpommern nirgendwo größer als im Mueßer Holz: 40 Prozent aller hier lebenden unter 15-Jährigen sind laut Bericht der SPD-Stadtvertreterin Karen Müller auf Sozialhilfe angewiesen. Die Einkommen der Singles liegen mehrheitlich zwischen 1000 und 2500 Mark brutto."
 
   
  • URBAN, Martin (2001): Die Pflegeheime abschaffen?
    Professor Dr. Dr. Klaus Dörner, Psychiater, Hamburg, über Forderungen nach einer
    Enquêtekommission des Bundestags
    in: Süddeutsche Zeitung v. 19.07.
    • Inhalt:
      "Ein Prozent der Deutschen Bevölkerung, 800000 Menschen, leben in Alten-, Pflege- und Behinderten-Heimen". Diese Menschen sollen nach Ansicht von DÖRNER entweder zuhause oder in "Wohngruppen von familienähnlicher Größe" betreut werden.
 
   
  • SCHLÜTER, Christian (2001): Verraten und verkauft.
    Und das ist auch gut so: Bündnis 90/Die Grünen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 18.07.
    • Inhalt:
      SCHLÜTER zeichnet den Weg von den "jugendbewegten Protestler aus den 70-ern" als kurzen Weg von der Selbstverwirklichung bis zum hedonistischen Materialismus, von "Histomat" zum "Hedomat". Das Grünen-Milieu beschreibt er als Milieu des Verdachts - das Gegen- oder Anti- nach innen wie nach außen - den Grünen "eher affektiven als programmatischen Zusammenhalt" verschaffte. Vor diesem Hintergrund analysiert SCHLÜTER das neue Grundsatzprogramm, das den Übergang von der "Anti-Parteien-Partei" zur "Reformpartei" markieren soll. Er liest das Programm als Anleitung, "wie zukünftig mit dem Verrat umzugehen sei, oder als offene Frage, ob und wie die Grünen ohne ihren affektiven Glutkern leben können." SCHLÜTER zufolge haben die Grünen ihr Dilemma, dessen sichtbarer Ausdruck ihr rasanter Imageverlust ist, durch eine Programmatik der Inhaltslosigkeit gelöst: "Ihr neues Grundsatzprogramm ist inhaltlich so dünn, dass an ihm Verrat zu begehen fortan nicht mehr möglich ist."
 
   
  • LINSINGER, Eva & Lisa NIMMERVOLL (2001): "Pflege der Paschas.
    Zulasten der Frauen. Experten gegen spätere Pension für kinderlose Frauen,
    in: Der Standard v. 18.07.
 
     
   
  • OESTREICH, Heide (2001): Ende des Ernährers.
    Mit der neuen Rolle des Vaters als Erzieher, so eine Studie des Familienministeriums, fangen die Probleme erst an,
    in: TAZ v. 17.07.
    • Inhalt:
      Heide OESTREICH bezweifelt das vom Spiegel ausgerufende "Comeback der Mutter". Die empirische Studie von Wassilios FTHENAKIS spricht nach OESTREICH dagegen.
                  Der Familienforscher hat ein neues Vaterideal entdeckt. Nicht mehr der "Ernährer", d.h. Väter als Vollzeitkarrieristen mit familiärem Anhang möchte er sein, sondern "Erzieher". Die Realität sieht aber anders aus: Karriereverzicht, hier als Beantragung von Erziehungsurlaub definiert, das geht dann doch zu weit.
                  "Allerdings lehnen auch, und das dürfte neu sein, die Mütter den Karriereverzicht zugunsten des Kindes ab. Eine Renaissance der klassischen Mutterrolle ist also empirisch nicht zu belegen", schreibt OESTREICH.
                  Mütter, die ihre Karriere nicht aufgeben, sind sogar im Vorteil. Sie können damit Väter zu einer egalitäreren Arbeitsteilung zwingen und können auch im Berufsleben auf mehr Verständnis hoffen.
  • KUNZ, Harry (2001): Wenn die Küche kalt bleibt,
    in: TAZ v. 17.07.
    • Inhalt:
      KUNZ geht die Aufwertung der Erziehungsarbeit nicht weit genug, weil politisch das "Zweiernährermodell", d.h. die gleichzeitige Berufstätigkeit von Mann und Frau, gewollt ist. Dies führt nach KUNZ dazu, dass zwar mehr Frauen unter der "Dreifachbelastung von Beruf, Kinderbetreuung und Haushaltsführung stöhnen", während die Väter die Flucht aus dem Haus antreten und die Kinder vermehrt auf sich gestellt sind.
      • Kommentar:
        Weder das Einernährer-, noch das Zweiernährermodell ist heutzutage das Standardmodell bei Familien, sondern das Zuverdienermodell ist weiterhin am weitesten verbreitet.
                    Frauen sind überwiegend teilzeitbeschäftigt, während Männer Vollzeit arbeiten. In der Debatte wird diese wesentliche Unterscheidung selten berücksichtigt. Dies ist auch der Grund für die großen Einkommensunterschiede, die den Erziehungsurlaub für Väter unattraktiv machen.
 
   
  • GERMIS, Carsten (2001): Generation Papa.
    Kinderbetreuung - damit hatten Männer hier zu Lande lange nichts zu tun. Das hat sich geändert, sagt die Familienministerin. Die Rolle des alleinigen Ernährers ist nicht mehr attraktiv. Zwei Drittel aller Befragten wollen auch Erzieher sein,
    in: Tagesspiegel v. 17.07.
  • MARTENSTEIN, Harald (2001): Von Kindern lernen,
    in: Tagesspiegel v. 17.07.
  • ULRICH, Bernd (2001): Unser Atem - Von den Erfahrungen eines Vaters,
    in: Tagesspiegel v. 17.07.
 
   
  • PETROPULOS, Kostas (2001): Wir brauchen das Erziehungsgehalt.
    Haushalte mit Kindern werden immer stärker vom allgemeinen Lebensstandard abgekoppelt,
    in: Welt v. 17.07.
    • Kommentar:
      PETROPULOS fordert ein Erziehungsgehalt, um "tatsächliche Wahlfreiheit für Eltern" zu schaffen. Der Ausbau der Betreuungsangebote für Mütter ist angesichts der Verschlechterungen auf dem Arbeitsmarkt kein Allheilmittel. Um seinen Forderungen Nachdruck zu verleihen, muss ein ökonomischer Vergleich herhalten. PETROPULOS vergleicht das verfügbare Pro-Kopf-Einkommen eines Familienhaushaltes mit einem Kinderlosenhaushalt.
                  Solche ökonomischen Vergleiche sind jedoch aus vielerlei Gründen unsinnig, wenn dabei ein "nichtexistierender" Durchschnittssingle mit einem Familienhaushaltsvater verglichen wird.
                  Die einzigste Legitimation eines solchen Rosinen-Picker-Vergleiches ist der, dass die Berechnung kostengünstig durchzuführen ist.
                  Ein Vergleich, der weder gleiche Altersgruppen, noch die Verbreitung der betrachteten Haushalte berücksichtigt, kann nicht ernst genommen werden. Es wird nahegelegt, dass Singles per se Besserverdienende (Yuppies) sind. Tatsache ist jedoch, dass erstens die Einkommen von Einpersonenhaushalten stark differieren und zweitens in den Altersgruppen 30-40 Jahre die Zahl der Familienhaushalte weit überwiegen.
                  Topgehälter verdienen vor allem die Familienväter. Es gibt keine einzige Studie, die belegen kann, dass männliche Singles bessere Verdienstchancen haben als Familienväter. Tatsache ist dagegen, dass männliche Singles stärker als Frauen zu den Geringverdienern gehören.
                  Wer als geschiedener Mann im Einpersonenhaushalt lebt, der ist nicht unbedingt kinderlos, sondern vor allem ein Zahlvater. Wer deshalb nur die Einkommensseite berücksichtigt und nicht die Ausgabenseite, zwar Kindergeld vom Familieneinkommen abzieht, aber keine Unterhaltszahlungen berücksichtigt, der möchte keinen realen Vergleich, sondern nutzt gesellschaftliche Vorurteile für seine Zwecke aus.
                  PETROPULOS vergleicht keine Familien mit Singles, sondern nur Familienhaushalte mit Einpersonenhaushalte und das ist ein entscheidender Unterschied. Ein Vergleich von Haushaltsformen ist für Aussagen über den Lebensstandard von Lebensformen unzureichend.
                  Kindergeld ist nicht die einzige Transferleistung, die Familien genießen. Wer wie PETROPULOS alle finanziellen Vorteile von Familien im Alltag aufführen müsste, der käme in Schwierigkeiten, denn ein solcher Vergleich ist derzeit unmöglich! Familien sind wie Singles in der Regel in einen Haushaltsverbund eingebunden. Familiensoziologen sprechen dagegen lieber von der "multilokalen Mehrgenerationen-Familie". Die staatlichen und persönlichen Transferleistungen in einem solchen Haushaltsverbund bleiben bei ökonomischen Vergleichen grundsätzlich unberücksichtigt (siehe hierzu den Artikel über die Thesen des Altersforschers Martin KOHLI im Weser Kurier vom 31.05.2001).
 
     
   
  • SALOMON, Martina (2001): Experte: Kinderlose Frauen sollen wie Männer in Pension gehen.
    Regierungsberater Mazal kritisiert "ungerechtfertigtes Privileg",
    in: Der Standard v. 17.07.
  • SALOMON, Martina (2001): Die Berater der Republik.
    "Katastrophale Kommunikation des ganzen Projektes"
    in: Der Standard v. 17.07.
    • Inhalt:
      Interview mit dem österreichischen Sozial- und Arbeitsrechtler Wolfgang Mazal, u.a. über das Pensionseintrittsalter von kinderlosen Frauen und Müttern:
                  "STANDARD: Sollten Frauen, die keine Kinder haben, das gleiche Pensionsantrittsalter wie Männer haben?
                  Mazal: Der Verfassungsgerichtshof hat 1991 das ungleiche Pensionsalter als verfassungswidrig aufgehoben, weil auch Frauen, die keine Doppelbelastung haben, in den Genuss des früheren Pensionsalters kommen. Danach hat man die Ungleichbehandlung von Frauen per Verfassungsgesetz zementiert.
                  STANDARD: Wieso Ungleichbehandlung? Handelt es sich nicht eher um Gleichbehandlung, die für einen Teil der Frauen eben ein Privileg ist?
                  Mazal: Dieses Privileg bleibt ungerechtfertigt, wenn Frauen nicht doppelbelastet sind und trotzdem früher in Pension gehen können. Die Doppeltbelastete ist damit im Nachteil gegenüber der anderen. Sie bekommt keinen Ausgleich."
 
   
  • PROFIL-Titelstory "Baustelle Ich"

  • HAGER, Angelika & Marie-Louise PITZL (2001): Baustelle Ich.
    Jugendforschung. Wie kauft, liebt und lebt die Generation Y? Was hört und sieht sie? Und womit braucht man ihr überhaupt nicht kommen? Zwei große Jugendstudien durchleuchten jene Kids, denen nichts so verhasst ist wie Uniformität,
    in: Profil Nr.29 v. 16.07.
  • PROFIL (2001): "Das große Sampling".
    Bernhard Heinzelmaier, Geschäftsführer der T-Factory, über das Funktionsprinzip einer unfassbaren Generation,
    in: Profil Nr.29 v. 16.07.
 
   
  • KEMWA, Russel Njiken (2001): Badewanne mit Aussicht.
    Bisher gab es das in New York oder Hongkong. Jetzt offeriert auch Frankfurt am Main Luxuswohnungen im Hochhaus - Rundum-Service durch Dienstboten inklusive,
    in: Spiegel Online v. 16.07.
    • Inhalt:
      KEMWA stellt das Konzept "Luxusappartements mit Ausblick in zentraler Lage und Rundum-Versorgung durch Dienstboten und Doorman vor, das auf Yuppies, flexible Menschen und Akademiker-Ehepaare in der "Empty-Nest"-Phase zugeschnitten ist.
 
   
SPIEGEL -Titelgeschichte: Der neue Mutterstolz.
Kinder statt Karriere
  • BEYER, Susanne & Marianne WELLERSHOFF (2001): Comeback der Mutter.
    Die Emanzipation steckt in einer Krise: Überraschend viele Frauen suchen neuerdings ihre Erfüllung nicht mehr im Beruf, sondern im Zusammenleben mit Kindern. Die Rolle des Superweibs, das locker Karriere und Familie verbindet, überfordert sie. Triumph althergebrachter Mütterlichkeit?
    in: Spiegel Nr.29 v. 16.07.
    • Kommentar:
      Am 23.10.2000 wurde im Spiegel der Single verabschiedet, am 19.04.2001 titelte der Spiegel "Zurück zur Familie" als Konsequenz des Urteils vom Bundesverfassungsgericht zur Pflegeversicherung und jetzt ist die Frau im Spiegel zur stolzen Mutter geworden. Von der Verabschiedung des Singles bis zur Mutterschaft dauerte es fast genau 9 Monate! Wie konnte es soweit kommen?
                  "Als die Hausfrau und Mutter CÖLSCH-LIMBACHER vor kurzem zum Arbeitsamt in Schwäbisch Hall ging, weil sie einen Job als Soziologin suchte, antwortete der Berater: 'Ich schlage vor, Sie kriegen noch mehr Kinder. Sie wissen ja, dass die Deutschen aussterben, und Vollzeit-Mutter zu sein ist eine ehrenvolle Aufgabe.' Eine Arbeit hat der Mann ihr nicht angeboten."
                  Der SPIEGEL ist also bei der Diskriminierungs- und Rezessions-Kultur angelangt. In Zeiten der Rezession und des Nachwuchsmangels wird klar:
                  "Kinder gelten plötzlich nicht als Belastung, sondern als Glücksversprechen. Selbst das Zeitgeistmagazin 'Max' (...) warb kürzlich mit einem properen Windelbaby zwischen den schlanken Frauenbeinen für das 'Abenteuer Kind'.
      Das mythische Ideal der Mutterschaft kehrt jedenfalls zurück -, 'back to the fifties'. Allenfalls damals wurden Frauen, die ein Kind zur Welt bringen, so hoch geschätzt wie heute. 'Die Mutter ist wieder das vorherrschende Frauenbild'".

                  Belegt wird das nicht anhand statistischer Zahlen, sondern es werden die üblichen Prominenten angeführt, um das SPIEGEL-Frauenleitbild als plausibel darzulegen.
                  "Back to the fifties". Es ist offensichtlich, dass damit nicht die Familienrealität der 50er Jahre gemeint ist, sondern jenes Familienideal, das erst durch die Medien konstruiert wurde, nachdem in den 60ern die Familie in Frage gestellt worden war.
            Leitbilder sind Ausdruck von Kulturkämpfen:

                  "Der Imagewandel ist radikal: Heute, so gibt das neue, alte Leitbild es vor, ist eine Frau erst mit Kind vollständig. In den siebziger Jahren dagegen galten Kinder vielen Feministinnen als 'schwere Ketten' der Frauen."
                  Die SPIEGEL-Autoren zitieren hier den Kulturkampf zwischen kinderlosen Karrierefrauen und berufstätigen Müttern, der seit Mitte der 70er Jahre die Frauenbewegung prägt. Mit der Realität in Deutschland hat das nichts zu tun, denn:
                  "im Topmanagement gibt es nur noch mickrige 3,5 Prozent Frauen".
                  Davon sind die Hälfte sogar Mütter! Die kinderlose Powerfrau ist also genauso wie Hera LINDs Superweib keine statistisch relevante gesellschaftliche Grösse. Wenn die Autoren deshalb einen Wertewandel konstatieren, dann scheint dies - wenn überhaupt - nur ein Wertewandel der Elite zu sein.
                  Die Proklamierung des SPIEGEL-Frauenleitbilds "50er-Jahre-Vollzeitmutter" ist bevölkerungspolitisch motiviert: "Ob die aktuelle Wandlung des kulturellen Leitbildes - von der Powerfrau zur Brutpflegerin - am Ende zu einem neuen Kindersegen führt?" fragen sich die Autorinnen bange.
                  Das EMMA-Frauenbild ist dagegen die kinderlose Karrierefrau: "Gebärstreik" titelte deshalb die Frauenzeitschrift von Alice SCHWARZER in der Juli/August-Ausgabe. Nicht die Vollzeitmutter, sondern die berufstätige Karrieremutter ist das Mutterleitbild von Alice SCHWARZER.
                  Die Autorinnen gehen aber noch weiter. Nicht nur Frausein ist defizitär, sondern auch das Alleinerziehen. Dies ist die Rückkehr der "unvollständigen Familie". Die Kinder von Alleinerziehenden werden als "Risikokinder" bezeichnet, da sie oftmals als Partnerersatz dienten.
                  Hier werden Alleinerziehende fälschlicherweise mit alleinerziehenden Partnerlosen gleichgesetzt. Die Amtliche Statistik sagt jedoch über die Partnerschaftssituation von Alleinerziehenden gar nichts aus. Die genaue Zahl von alleinerziehenden Partnerlosen ist unbekannt. Alleinerziehende können nach der Definition des Statistischen Bundesamtes durchaus mit einem Partner zusammenwohnen. Der Status des Alleinerziehens wird dadurch nicht beeinträchtigt. Ob der Partner in der Praxis mit erzieht, das interessiert nicht. Die Kategorie "Alleinerziehende" ist deshalb für die Beschreibung der Lebensverhältnisse dieser Mütter und Väter völlig unzureichend.
  • HACKE, Axel (2001): Im Bett mit Plüschaffen.
    Axel Hacke über Öko-Essen, Hechelatmen und hysterische Schwangere,,
    in: Spiegel Nr.29 v. 16.07.
  • LAKOTTA, Beate (2001): Nachwuchs in der Warteschleife.
    Erst Karriere, dann Kinder: Ärzte verhelfen zu später Mutterschaft,
    in: Spiegel Nr.29 v. 16.07.
    • Kommentar:
      LAKOTTA rechnet mit den kinderlosen Karrierefrauen ab. Diese Gruppe von Frauen hat statistisch gesehen einen Anteil von nicht einmal 2 % an der Bevölkerung!
                  Eine Karrierefrau ohne Kinderwunsch ist defizitär, aber eine Karrierefrau mit spätem Kinderwunsch ist unverantwortlich:
                  "'Eine egoistische Einstellung: Die Frauen sehen nicht das Wohl des Kindes, sondern zuerst ihr eigenes! Nicht wenige hätten erst ein, zwei Jahre zuvor eine Abtreibung hinter sich gebracht.
      Klappt es mit dem Baby dann zum strategisch günstigen Zeitpunkt nicht, soll die Medizin die verkorkste Lebensplanung retten."

                  Die Kritik an der Karrierefrau zielte in den 80er Jahren auf ihre Kinderlosigkeit (siehe hierzu Susan FALUDIs Bestseller "Die Männer schlagen zurück"), seit den 90er Jahren steht die Karrieremutter im Mittelpunkt der Kritik. Sie ist nun nicht mehr nur eine Rabenmutter wegen der Unvereinbarkeit von Berufsarbeit mit Haus- und Erziehungsarbeit, sondern bereits die Karriereplanung gerät nun unter Beschuss. Nicht erst die Nichtaufgabe des Berufs beim Kinderkriegen, sondern das Recht von jungen Frauen auf eine Karriere wird mit diesem neuen Klischeebild - dessen Karriere als gesichert gelten dürfte - grundsätzlich in Frage gestellt.
                  Erst ein Kind, dann - wenn überhaupt - Karriere. Dies ist auch die Forderung der einflussreichen Demografen Jürgen DORBRITZ und Karl SCHWARZ, die eine Familienpolitik empfehlen, die erstens Kinderlosigkeit zurückdrängt und zweitens junge Paare dazu ermutigt, mit der Geburt der Kinder nicht zu lange zu warten ("Kinderlosigkeit in Deutschland - ein Massenphänomen?", in: Zeitschrift für Bevölkerungswissenschaft, 1996, Heft 3).
                  Das vom SPIEGEL nun verbreitete neue Klischee der Karrierefrau, die erst abtreibt, sich dann ein Kind wünscht, es nicht bekommen kann und am Schluss todunglücklich ist, zielt genau auf jene Aspekte ab, die von diesen Demographen bevölkerungspolitisch als unerwünscht betrachtet werden.
                  Bis vor kurzem war die Vollzeitmutter das Leitbild von Journalistinnen wie Karin JÄCKEL. Mit dem Verfassungsgerichtsurteil im Rücken soll dieses Leitbild nun mehrheitsfähig gemacht werden.
                  Da ist es natürlich ärgerlich, wenn die Reproduktionsmediziner der Karrierefrau in Nöten Abhilfe versprechen:
                  "Das 'Kind in der Warteschleife', so die Vorstellung der Mediziner, könnte eines Tages den Konflikt zwischen Karriereplanung und Kinderwunsch lösen: Eine Frau könnte in jungen Jahren ein Kind auf Eis legen, einen Posten ergattern und anschließend Mutter werden."
                  Diese Form der weiblichen Selbstbestimmung ist unerwünscht, weswegen am Ende des Artikels eine Frauenbeauftragte zitiert wird, die statt individueller Problemlösung die Einklagung sozialpolitischer Veränderungen fordert.
  • GATTERBURG, Angela & Marianne WELLERSHOFF (2001): "Ausnahmezustand der Seele".
    Der Münchner Psychoanalytiker Wolfgang Schmidbauer über Chancen und Risiken der Elternschaft, quengelige Säuglinge und beleidigte Mütter,
    in: Spiegel Nr.29 v. 16.07.
 
   
  • MEISNER, Matthias & Hans MONATH (2001): Kinder, Kinder.
    Die Grünen wollen mit neuem Programm erwachsener wirken. Und diskutieren über den Wert der Familie,
    in: Tagesspiegel v. 16.07.
    • Kommentar:
      Die Autoren sehen in dem Enwurf keine Vorentscheidung über den Stellenwert einer "Politik für Kinder". Grüne Kinderpolitiker der "Generation Golf" möchten die Kontroverse "Familien versus Singles" ins Zentrum grüner Politik rücken. Damit konnten sie sich jedoch nicht durchsetzen. Der Tagesspiegel nennt neben Fritz Kuhn auch Joschka Fischer als Fürsprecher von Kinderpolitik.
 
       
       
   

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Zu den News vom 01. bis 15. Juli 2001

 
       
   
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