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Medienrundschau:
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News vom 16. -
31. Juli 2003
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NEIDHART, Christoph (2003): "Wir stecken in einem Chaos".
Haruki Murakami, der populärste japanische Schriftsteller, schreibt
Romane für die Erneuerung seines Volkes, betrachtet die Neue Rechte
als persönlichen Feind und würde gerne mit einer Katze sprechen
können,
in: Weltwoche Nr.31 v. 31.07.
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OESTREICH, Heide (2003): "Die Armut in Deutschland wird wachsen".
Kinder und Sozialhilfeempfänger profitieren, Frauen verlieren eher
bei dieser Reform, mein AWO-Sozialreferenzt Apostolos Tsalastras,
in: TAZ v. 31.07.
- Inhalt:
Was Singles zu allererst interessieren wird:
"Diese
neuen Armen sollen mehr dazuverdienen können als bisher.
Das lohnt sich erst für Familien mit mehreren Kindern. Wer
allein ist oder nur ein Kind hat, kann nicht mehr zuverdienen als
bisher. Erst mit mehreren Kindern summiert sich der Zuverdienst auf
einen attraktiven Betrag. Vor allem, da man für diese auch den neuen
Kinderzuschlag bezieht."
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RM-THEMA: Eine neue Bevölkerungspolitik muss her
- RUTZ, Michael (2003): Kinder für das
Land.
Die Gesellschaft wird alt. Mit Elan wird an den Symptomen
kuriert. Die Therapie jedoch sieht anders aus: Deutschland braucht
Nachwuchs,
in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 31.07.
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BIRG, Herwig (2003): Auf der schiefen
Bahn.
Deutschlands Rolle in der Welt. Sterben die Deutschen aus? Fest
steht: Die derzeitige Zahl der Geburten von - statistisch gesehen -
1,3 Kindern pro Frau reicht nicht aus, den Bestand der Bevölkerung
zu sichern. Doch wer das Defizit auf Dauer durch Zuwanderung
ausgleichen will, betreibt "demografischen Kolonialismus",
in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 31.07.
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FLORIN, Christiane (2003): Das
Reichtumsrisiko.
Babyboom. Einst traten prominente Frauen öffentlich in den
Gebärstreik, heute zeigen sie öffentlich Ultraschallfotos. Warum
Schwangersein wieder schick ist. Ein Musterbeispiel,
in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 31.07.
- Inhalt:
Berichterstattung über die Medienoffensive in
Sachen Schwanger ist schick.
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SCHÖNEBERGER, Markus (2003): Manager machen mobil.
Immer mehr Initiativen, Think-Tanks und Stiftungen treiben die
Modernisierungsdebatte voran. Sie verstehen sich nicht als
Protestbewegung. Sie wollen vielmehr den Politikern Anstöße für
Reformen liefern und die Bürger überzeugen,
in: Rheinischer Merkur Nr.31 v. 31.07.
- Kommentar:
Es wäre völlig falsch, die neuen
Bürgerbewegungen in die Nähe der sozialen Bewegungen der
Post-68er-Generation zu rücken, vielmehr geht es hier um einen
Wandel des Systems der organisierten Interessen.
Im Zeitalter der Mediendemokratie ist nicht
mehr das Parlament oder die Ministerialbürokratie der primäre Ort
der Einflussnahme auf die Regierungspolitik, sondern vermittelt über
die Medien wird der Wähler direkt angesprochen.
Meinhard MIEGEL und
Daniel DETTLING sind die prototypischen Vertreter eines erweiterten
Systems organisierter Interessen, in dem Vereine, Think-Tanks und
Stiftungen die Wirtschaftsinteressen effektiver vertreten als
traditionelle Lobbyisten.
Die Verfechter generieren sich zwar als
Alternative zum Verbandswesen, sind aber nur sein aktuellster
Auswuchs im Zeitalter der Mediendemokratie.
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KIONTKE, Jürgen (2003): Die Wertarbeit der Maschine.
Warum Terminatoren die besseren Väter sind,
in: Jungle World Nr.32 v. 30.07.
- Inhalt:
Jürgen KIONTKE
erklärt, dass es in der »Terminator«-Reihe nur um eines geht:
"darum,
wie in einer postmodernen Gesellschaft, in der alle sozialen
Beziehungen längst aufgelöst sind, der perfekte Vater aussieht".
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Der singlefreundliche Beitrag
BUTTERWEGGE, Christoph (2003): "Kinder bilden die am stärksten von
Armut bedrohte Altersgruppe".
Bedenkliches Zeugnis in einem Land wie der Bundesrepublik.
Konsequente Beschäftigungspolitik verringert Arbeitslosigkeit und Not
der Jugend,
in: Frankfurter Rundschau v. 30.07.
- Kommentar:
Familienpolitik muss nicht singlefeindlich
sein. Das beste Beispiel dafür ist Christoph BUTTERWEGGE:
"»Umverteilung von oben nach
unten!«, nicht »Umverteilung von den Kinderlosen zu den Eltern!«
müsste die Devise einer gerecht(er)en Familienpolitik lauten. Statt
alle Eltern materiell besser zu stellen, wie es die traditionelle
Familienpolitik getan hat, müssten sozial benachteiligte Kinder
besonders gefördert werden. Dabei sollte die Hilfestellung
unabhängig von der jeweiligen Familienform und der Erwerbsbiografie
der Eltern erfolgen. Denn die Rechte eines Kindes leiten sich aus
seiner Identität als Kind, nicht aus seinem Verhältnis zu einem
anspruchsberechtigten Elternteil ab. Politik für Kinder muss auch
Politik von und mit Kindern sein. Das deutsche System der sozialen
Sicherung ist erwerbsarbeits-, ehe- und erwachsenenzentriert. Eine
kinderorientierte Sozialpolitik würde ausschließen, dass kommunale
Betreuungsangebote wegen leerer Kassen verringert werden."
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RB/EPD (2003): Armut in Deutschland wächst.
Vor allem viele Singles in der Bundeshauptstadt sind auf
Sozialhilfe angewiesen,
in: Frankfurter Rundschau v. 29.07.
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RIDDER, Michael (2003): Idole der 80er Jahre
"Ein Colt für alle Fälle" passt in die Zeit wie nie zuvor,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.07.
- Kommentar:
RIDDER
meint, dass die US-Serie Ein Colt für alle Fälle aus einen
aufschlussreichen Beitrag zum überall proklamierten 80er-Jahre-Kult
leistet:
"Lange
bevor Florian Illies, Bodo Schäfer, Markus Koch - und wie die
Schreibtisch-Weichspüler alle heißen - zu Topstars der Generation
Golf avancierten, fieberten die um 1970 geborenen männlichen
Fernsehzuschauer im ZDF den Abenteuern eines Kopfgeldjägers und
Stuntmans entgegen. Damals (...) wussten die Golffahrer in spe (...)
noch, wie man als Mann sein muss: wie Colt Seavers eben. Da wollten
sie noch keinen Golf fahren, sondern so einen coolen Truck wie Colt.
(...).
Das Geheimnis der Serie war freilich, dass die zusehenden Jungs zwar
davon träumten, so zu werden wie Colt, aber doch schon wussten, dass
sie eher so enden würden wie Howie (Douglas Barr) - der
sympathisch-schusselige Cousin und Assistent des Helden, der immer
staunte, wenn Colt gut gebaute Bikini-Damen abschleppte."
Warum
passt das so genau in unsere Zeit?
In seinem neuen Bestseller "Generation Golf
zwei" schreibt Florian ILLIES:
"Die
68er befinden sich zurzeit im Stadium eines gefährlichen
Selbstbewusstseins. Bis auf Heinz sehen alle Männer aus wie Richard
Chamberlain in Dornenvögel, wie Lehrer Doktor Specht oder wie
Ulrich Wickert und werden plötzlich zu gefährlichen Konkurrenten um
die schönsten Frauen, die sie uns in der Regel, braun gebrannt und
charmant parlierend, beim Stehempfang ausspannen."
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SCHMIDT, Volker (2003): Neid,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.07.
- Inhalt:
SCHMIDT befasst sich mit der
Titelgeschichte des Juli-Heftes von GEO über den Neid:
"Wenn der
Sozialstaat zur Ruine renoviert wird, Firmenvorstände sich
sechsstellige Erfolgsprämien für Entlassungen zahlen und
Arbeitskämpfe ergebnislos abgebrochen werden, die gleichen Lohn für
gleiche Arbeit zum Ziel hatten, entsteht eine Gerechtigkeitsdebatte.
Die, die Besitzstände zu wahren haben, bringen dann gern den Begriff
Neid ins Spiel, um jene zu diskreditieren, die Forderungen stellen.
Die Zeitschrift Geo etwa, deren Leser nach Verlagsangaben zumeist
»in gehobenen bis mittleren Berufen tätig« sind, »über ein
entsprechend hohes Haushalts-Nettoeinkommen« verfügen und von denen
ein Viertel »höchsten gesellschaftlich-wirtschaftlichen Status«
genießt, hat den Neid gerade zum Titelthema gemacht und auf 20
Seiten in Wort und Bild verunglimpft."
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LEERSCH, Hans-Jürgen (2003): Abgeordnete aller Parteien fordern
das Wahlrecht ab Geburt.
Initiative will Einfluss der Familien stärker - Auf einen Schlag
gäbe es 13,8 Millionen mehr Wähler in Deutschland,
in: Welt v. 28.07.
- Kommentar:
Singles sollen Menschen zweiter Klasse werden.
Dies fordern alle jene, die für ein
Familienwahlrecht eintreten. Der Rückkehr zur patriarchalischen
Gesellschaft mit ihrem
Mythos vom ganzen Haus stünde dann nur noch das Wahlrecht der
Frau entgegen. Vielleicht sollte das der Mann ausüben, denn wir
leiden ja bereits unter einer Verweiblichung der Kultur, wie das
Frank SCHIRRMACHER
und Hans-Christoph BUCH
diagnostiziert haben.
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THIELS, Gabriele (2003): Haben Frauen ein "Verfallsdatum"?
Selten haben sich Frauen mit dem Altern so schwer getan wie heute.
Dabei ist alles nur eine Frage der Einstellung,
in: Welt am Sonntag v. 27.07.
- Kommentar:
THIELS setzt Singlefrauen im mittleren
Lebensalter unter Druck:
"Nach
45 Jahren Frauenbewegung und 26 Jahren »Emma«, nach
Gleichberechtigungsbeauftragten und Frauenquote kehrt am Anfang des
21. Jahrhunderts ein Gespenst zurück, von dem wir glaubten, es
längst verbannt zu haben. Es ist der jüngere Bruder der
»Torschlusspanik« und heißt »Verfallsdatum«. Es taucht auf in
Zeitungen wie dem Londoner »Independent«, der kürzlich fragte:
»Haben Frauen ein Verfallsdatum?« Es spiegelt sich in Statistiken.
Die Zahlen über Eheschließungen in Deutschland etwa belegen, dass es
in jeder Altersgruppe ab 30 mehr Männer als Frauen sind, die
heiraten. Schlechte Nachrichten für reife Mädels: Ab 30 sinkt die
Chance, vor den Altar zu treten, rapide, bei Männern dagegen steigt
sie."
Da
in Deutschland - wenn überhaupt - ein
Männerüberschuss im mittleren
Lebensalter besteht, argumentiert THIELS nicht mit diesen Daten,
sondern weicht auf Zahlen über Eheschließungen aus.
In
der Kategorie, die THIELS nennt, sind auch Männer über 60 und wie
jeder weiß, bevorzugen alte Männer jüngere Frauen.
Das hat bereits Florian ILLIES bemerkt. Männliche Rentner sind
häufiger verheiratet als weibliche Rentnerinnen, die auch die größte
Gruppe der Einpersonenhaushalte stellen. THIELS aber legt nahe, dass
die Karrierefrauen vom Heiratsengpaß bedroht sind. Das hat
Tradition:
"Das
Aquarium scheint leer gefischt. Und zu allem Überfluss erinnern sich
weibliche Singles irgendwann wieder an jenes - zugegeben umstrittene
- Untersuchungsergebnis amerikanischer Forscher der Universitäten
von Yale und Harvard aus den 80ern, das periodisch für
Fassungslosigkeit unter ihnen sorgt. Danach wird eine Frau über
vierzig mit größerer Wahrscheinlichkeit von Terroristen getötet, als
dass sie das erste Mal heiratet".
Susan
FALUDI hat mit
"Backlash"
ein ganzes Buch über dieses Thema geschrieben.
Im
nächsten Schritt kommt dann der Vorwurf, dass Single-Karrierefrauen
zu anspruchsvoll seien.
Dazu
holt sich die Autorin die Unterstützung von Regine SCHNEIDER, die
mit ihrem
Ratgeber "Nimm die Männer wie sie sind - es gibt keine anderen"
gerade diese Zielgruppe anspricht. Dort hätte THIELS auch nachlesen
können, dass ein Männermangel nicht existiert. Gerade deshalb sieht
SCHNEIDER in überhöhten Ansprüchen das Problem:
"Daß
gerade Sie noch keinen von denen erwischt haben, die wieder frei
sind, liegt eventuell auch an Ihnen. Obwohl Sie eine gutaussehende,
persönlich gereifte, beruflich unabhängige Powerfrau sind. An dieser
Stelle kommen wir nicht umhin, mit unseren Schwestern einmal
ordentlich ins Gericht zu gehen. Die sogenannte Powerfrauen müssen
nämlich bisweilen noch mächtig an sich arbeiten, was ihre
Beziehungsreife und ihre Beziehungsfähigkeit angeht. Das lange
vorherrschende Feindbild Mann sollte langsam überholt sein".
Obwohl
gerade das
Peter-Pan-Syndrom aktuell ist,
stellt SCHNEIDER das Petra-Pan-Syndrom vor. Leider ist noch nicht
bis zu Regine SCHNEIDER vorgedrungen, dass Single-Haushalte nicht
unbedingt etwas mit Partnerlosigkeit zu haben.
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WEIDENFELD, Ursula (2003): Wenn ich Königin von Deutschland
wär'.
Der Kanzler heißt Gerhard Schröder und nicht Ursula Weidenfeld.
Doch was wäre, wenn sie die Macht hätte? Ihre Regierungserklärung,
in: Tagesspiegel v. 27.07.
- Kommentar:
Junge
Singles hätten nichts zu lachen, wenn Sozialpopulisten wie
Hans-Werner SINN oder
Meinhard MIEGEL im Kabinett von Weidenfeld säßen. Die alten Rentner könnten sich dagegen freuen:
"Die
Jahrgänge, die derzeit in Rente sind, erhalten ihr Geld wie bisher.
Schließlich haben sie uns in die Welt gesetzt: die Kinder der
Fünfziger- und Sechzigerjahre, von denen es so reichlich gab, dass
uns nicht umsonst der Name Babyboomer umgehängt wurde.
Wir dagegen, die
Generation der heute Dreißig-, Vierzig- und Fünfzigjährigen, haben
vorsorgetechnisch bislang versagt: Zu wenig Kinder, zu wenig
Arbeitskräfte, zu wenig Beitragszahler".
Offenbar
hat Frau WEIDENFELD keine eigene Meinung, sondern delegiert sie an
SINN und MIEGEL...
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LÜTSCHER, Michael (2003): Lange lebe das Alter!
Ruth Metzler, DJ Bobo oder Roger Federer: Die Jungen von heute
können sich auf ein langes, bewegtes Leben gefasst machen. Dass wir
immer älter werden, hat positive und negative Folgen,
in: SonntagsZeitung v. 27.07.
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WACHE, Petra (2003): "Wer am lautesten jammert, bekommt am
meisten".
Zukunftsforscher Horx über die deutsche Mentalität, Umdenken und
die Arbeitswelt von morgen,
in: Berliner Zeitung v. 26.07.
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BREUER, Ingeborg (2003): "Es gibt einen enormen spirituellen
Hunger".
Der Soziologe Amitai Etzioni über den "Krieg gegen den Terror", den
Verfall der Werte und die Notwendigkeit zur Neuorientierung,
in: Frankfurter Rundschau v. 26.07.
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GOOSEN, Frank (2003): Und wer küsst Oma?
Was kann nicht alles schief gehen bei einer Hochzeit?
in: Frankfurter Rundschau v. 26.07.
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METZGER, Oswald (2003): Wie Deutschland den demographischen
Wandel meistern kann.
Ohne Gegensteuer schrumpft der Gestaltungsspielraum der jungen
Generation,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.07.
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WERNEBURG, Brigitte (2003): Hans-Christoph Buch und die Frauen.
dämmernde Männer etc.
in: TAZ v. 26.07.
- Inhalt:
Brigitte WERNEBURG erwidert auf
Hans-Christoph BUCHs
Artikel:
"seine
Kirche ist leer. Ja, die Männer bilden keine ästhetischen Gemeinden
mehr, sie lesen keine Belletristik, keine Literatur, und sie gehen,
so sie jung sind, das ist die letzte erhobene Erkenntnis, in keinem
Fall ins Theater. Das alles ist seit Jahr und Tag bekannt - und
ignoriert von den Stützen des Literatur- und Kulturbetriebs. In
diesem Wegsehen liegt eine Entscheidung. Diese macht Buch und Anhang
zu ähnlich tragikomischen Figuren, wie sie die Herren auf der Kanzel
sind".
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STELLING, Anke (2003): Der Bauch von Berlin.
Die Geburtenrate ist rückläufig, die Deutschen sterben aus - aber
halt: Ein Berliner Bezirk leistet erbitterten Widerstand: Prenzlauer
Berg. Ein Ort, wo man bald für einen Schaukelplatz Schutzgeld zahlen
muss,
in: Welt v. 26.07.
- Kommentar:
Die Welt reagiert mit dem Untertitel auf
Martina MEISTERs
Artikel. Anke STELLING darf darüber
schreiben wie eine Mutter den Prenzlauer Berg erlebt und warum dort
nun Kinderkriegen in ist:
"Natürlich
liegt dieser enorme Babyboom auch an der Bevölkerungsstruktur - all die
Studentinnen, die vor zehn Jahren dem Trend und den günstigen Mieten
folgten, sind jetzt endlich so weit - aber potenziert wird das Ganze
ohne Frage durch eine Art Ansteckung. In Prenzlauer Berg ist es
nicht nur in Ordnung, Kinder zu haben, es gehört jetzt tatsächlich
dazu."
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RADDATZ, Fritz J. (2003): Pardon, Madame.
Nostalgie gilt als schick, wenn es sich um Himbeermarmelade oder
Cocktail-Shaker handelt. Aber es ist höchste Zeit, dass auch gute
Manieren wieder modern werden,
in: Welt v. 26.07.
- Kommentar:
Ermuntert von den neuen
SPIEGEL-Werten erteilt
RADDATZ dem Nouveau Rich Nachhilfeunterricht:
"»Wenn
du denkst, du bist alleine, mach' dir deine Finger reine«: Das war
ja noch nicht direkt der Aufruf zu Krieg und Mord und Totschlag.
Letzterer droht heute eher in fast jedem Restaurant -
Sterne-Etablissements keineswegs ausgenommen -, wo am Nebentisch der
reich gewordene Tankstellenwart in der linken Faust das Messer
ragend emporstemmt, so bedrohlich, wie man ansonsten nur die
Hellebarde in schlechten Wagner-Inszenierungen sieht."
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SCHRAMME, Thomas (2003): Sozial- statt Standortpolitik.
Franz-Xaver Kaufmann vergleicht Wohlfahrtsstaaten,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.07.
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KEEVE, Viola (2003): Der Nächste, bitte.
Partnersuche. Romantik ist sogar nach Feierabend Zeitverschwendung.
Effektive Singles verabreden sich gleich mit mehreren Interessenten.
Die Idee aus den USA findet auch in Deutschland ihre Liebhaber,
in: Rheinischer Merkur Nr.30 v. 24.07.
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- MAYER, Rainer (2003): Biedermann und
die Sinnstifter.
Generationenroman. Warum selbst Florian Illies und all die anderen
deutschen Popliteraten von Dan Zevin noch etwas lernen können,
in: Rheinischer Merkur Nr.30 v. 24.07.
- Kommentar:
Rainer MAYER möchte den
US-amerikanischen Roman "Uncool" (als Fortsetzung von
Generation X vermarktet) für die
deutsche Generation Golf zwei
schmackhaft machen und preist die Familie als Alternative
zur verschlossenen Karriere:
"Der
kalte Wind der Rezession bläst den popliterarischen Kitt aus
den Fugen der Feuilletons und treibt erbarmungslose
Journalisten-Jungstars über leere Straßen in Richtung
Arbeitsamt. Kein Wunder, wenn eine Else Buschheuer heuer
nicht mehr bei Lilo Wanders ist, sondern Hochzeitsbücher
herausgibt. Ihre Alters- und Leidensgenossinnen, neudeutsch
Peergroup, dürfen erzählen, wie das so vor dem Traualtar
ist. Was bleibt einem auch anderes übrig? Wenn die Pipeline
zum Börsengang, neudeutsch Initial Public Offering, zu ist,
bestellt man eben das öffentliche Aufgebot. Statt Startup
macht man ein Kind, mit neun Monaten time to market. So
eins, das auf dem Boden kriecht und Anlass zu immer neuen
jammervollen Nabelschauen ist."
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- KESSLER, Manuela (2003): Liebe von Amts
wegen.
Weil die Geburtenrate sinkt, hat in Singapur der Staat die
Eheanbahnung in die Hand genommen - den Frauen ist damit nicht
wirklich geholfen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.07.
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HERBERMANN, Jan Dirk (2003): Das Schweizer Modell -
hochgelobt auf wankenden Säulen.
Die Lebenserwartung der Eidgenossen steigt, und damit steigen wohl
auch die Rentenversicherungsbeiträge,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.07.
- Kommentar:
Das Schweizer Vorzeigemodell der neoliberalen Sozialpopulisten in
Deutschland ist
in der Schweiz umstrittener als in Deutschland, die kritischen
Berichte mehren sich jedoch selbst in der deutschen Mitte-Presse.
HERBERMANN berichtet über die gleichen Probleme wie hierzulande:
"Jetzt
(...) kämpfen auch die Schweizer mit dem demographischen Dilemma:
Geburtenrückgang und steigende Lebenserwartung lassen den Anteil der
Rentner an der Bevölkerung steigen. Zugleich sinkt die Zahl der
Beitragszahler. »Man rechnet heute damit, dass die Hälfte der Frauen
mit Jahrgang 1950 den 90. Geburtstag erreicht, bei den Männern
werden es auch 30 Prozent sein«, sagt
François Höpflinger, Soziologe und Altersforscher an der
Universität Zürich: »Das hat natürlich Folgen für die
Rentenversicherungen.« Wie sollen diese Folgen gemeistert werden?
Auch in der Schweiz scheinen höhere Beiträge unvermeidlich".
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ALTHEN, Michael (2003): Wunderbare Welt der deutschen
Schwerkraft,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.07.
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BÄCKER, Gerhard (2003): Wer nicht arbeitet, wird kaum etwas
kaufen.
Kräftige, aber unüberlegte Schnitte ins soziale Netz schaffen noch
lange keine Jobs, fördern aber die Verarmung,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.07.
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- MARTENSTEIN, Harald (2003): die Angst vorm
großen Orang Utan.
Er ist wie Heinz Rühmann, aber mit Muskeln. Er wurde zum
Vorzeige-Achtunsechziger einer Fernseh-Generation. Heute feiert der
Schauspieler Götz George seinen 65. Geburtstag. Ist er der typische
deutsche Mann?
in: Tagesspiegel v. 23.07.
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- IDE, Robert (2003): Generation Trabant.
Die jungen Ostdeutschen können mit der westdeutschen
Identitätskrise nichts anfangen - sie haben schon einen Crash hinter
sich,
in: Tagesspiegel v. 22.07.
- Inhalt:
"Beim Generationenkonflikt warten wir ab, wie sich
die Sache entwickelt. Schlimmstenfalls bricht das Sozialsystem
zusammen. Aber auch das haben wir schon einmal überstanden", meint
Robert IDE aus ostdeutscher Sicht.
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MACHNIG, Matthias (2003): Aufforderungen zur Häutung.
Die Sozialreformen bewirken wenig - bereiten aber wirklichen
Sozialreformen den Weg,
in: Welt v. 22.07.
- Inhalt:
Der frühere SPD-Geschäftsführer MACHNIG
erklärt den Welt-Lesern den Sinn der Agenda 2010:
"Unter
Beratern und Journalisten gibt es den Begriff der hidden agenda
(versteckte Agenda), oder die Agenda der Agenda. Die Agenda 2010 ist
auch eine hidden agenda. Sie kann neben der notwendigen,
kurzfristigen Sanierung des Bundeshaushalts und der Sozialsysteme
endlich einen Mentalitätswandel in Deutschland einleiten. Die
Einschnitte (Krankengeld, Arbeitslosengeld etc.) werden an
symbolischen Einzelpunkten diskutiert, die einen Paradigmenwechsel
in deutscher Politik markieren können. In Wahrheit ist die Agenda
ein erster Offenbarungseid und Realitätsschock. Der geschaffene
Sozialstaat ist unter den Bedingungen von Globalisierung,
Steuerflucht, demografischem Wandel, Massenarbeitslosigkeit und
andauerndem Aufbau Ost nicht mehr zu finanzieren".
(...).
"Zunächst brauchen wir einen neuen Elitekonsens in Deutschland und
über einen Elitekonsens einen neuen gesellschaftlichen Konsens. Die
nächsten Jahre sind Jahre der Strategen, nicht der Taktiker, die
Jahre der Politik, nicht der Verteilung, die Jahre schöpferischer
Erneuerung, nicht des Verwaltens. Der kulturellen Modernisierung
Deutschlands muss auch eine ökonomisch nachholende Modernisierung
aus der Mitte folgen. Dies ist die Agenda der Agenda".
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- ESCH, Christian (2003): Der Mann, der Wolf,
der Orang-Utan,
in: Berliner Zeitung v. 22.07.
- Inhalt:
"Müßig die Frage, ob Menschen und Orang-Utans in
ihrem Sozialverhalten vergleichbar seien - interessant ist ja nur,
in welcher Tierart man sich wiedererkennt. Die FAZ zum Beispiel ist,
so wurde der halbstarke Volontär dort gleich zu Beginn von einem
älteren Kollegen belehrt, »ein Wolfsrudel - und glauben Sie bloß
nicht, sie seien der Welpe der Alpha-Wölfin und könnten hier
rumschnappen«. Die Worte sind ihm noch lange nachgegangen. Aber wer
war bloß mit der Alpha-Wölfin gemeint in diesem Männerrudel? fragt
sich ESCH angesichts von Kennwort Y.
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HEINE, Matthias (2003): Alle Unlust will Ewigkeit.
In Generations-Gewittern: Das Gejammer über Altersgruppen nimmt
kein Ende - man muss den Autoren beherzt "No Future" zurufen,
in: Welt v. 21.07.
- Kommentar:
Matthias HEINE ist wenig erfreut über den
Generationen-Dschungel. Nach Florian ILLIES' "Generation Golf zwei"
bringt das 2. Halbjahr weitere Bücher:
"Bis
eben gerade hatten wir uns der trügerischen Hoffnung hingegeben,
dass Florian Illies mit seinem neuen Buch nicht nur die »Generation
Golf«, sondern auch gleich das ganze Phänomen des
Generationen-Machens zu Grabe tragen würde. Dann fiel uns die
Ankündigung des Argon-Verlags in die Hände: Dort erscheint bald
Reinhard Mohrs »Generation Z«, ein
Versuch, den »Zaungästen« oder »78ern«, die Mohr 1992 schon einmal
folgenlos erfunden hatte, ein neues zeitgeistiges Label zu verpassen.
Und der Journalist Matthias Kalle schreibt für Kiepenheuer & Witsch
schon mit 27 ein Buch »über das Versagen seiner Generation«.
Es nimmt kein Ende mit dem Generationsgejammer. Alle Lust will
Ewigkeit. Alle Unlust offenbar erst recht. Aber wenn irgendwann der
letzte Baum für das letzte Buch gefällt ist, werdet ihr feststellen,
dass man Generationen nicht essen kann".
Ein
Vorgeschmack darauf, was den Leser bei
Reinhard MOHR erwarten könnte, wenn es
denn stimmen würde (laut
Buchkatalog ist der ARGON-MOHR nicht 1955 wie der SPIEGEL-MOHR
geboren, sondern 1969!) - das liefert bereits eine
kürzlich erschienene Titelgeschichte des SPIEGEL.
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- SHAHD, Maurice (2003): Flüchtige
Shopping-Kicks.
Konsumenten haben ihre Gewohnheiten geändert - die alten
Kaufreflexe funktionieren nicht mehr,
in: Tagesspiegel v. 20.07.
- Inhalt:
SHAHD berichtet über die These von Marktforschern,
die den Kummer der Markenhersteller auf "Lifestyle-Verweigerung"
zurückführen.
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NZZ-Zeitfragen: Die zerbrechliche Coolness
-
HOFMANN, Markus (2003): Ach, die Jugend,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.07.
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FARIN, Klaus (2003): Die (un?)politische Jugend
Pragmatik und Emotion bestimmen das Engagement der Jugend,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.07.
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TOBLER, Elsbeth (2003): Die zerbrechliche Coolness.
Junge Menschen sehnen sich wieder nach sozialen Werten,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.07.
- Kommentar:
Soll die Familie-Ideologie durchgesetzt
werden, entdecken die Journalisten plötzlich die Statistik als
Fehlerquelle, obwohl dies seit mehreren Jahrzehnten bekannt ist:
"Auch
der Basler Soziologe Ueli Mäder bestätigt: «In Zeiten des Wandels
und der Auflösung gewinnen verbindliche Beziehungen als emotionale
Heimat der Menschen neue Wertschätzung.» Der Privatdozent für
Soziologie an der Universität Basel sieht keinen signifikanten
Trend zur Single-Gesellschaft. Tendenziell steige zwar die Zahl
der Einpersonenhaushalte. «Doch relativ wenige Menschen leben
überzeugt ohne Partner gemäss dem Credo der Single-Bewegung.»
Fehlerquelle vieler Berichte über den Boom der Alleinlebenden ist
die Statistik selbst. Zwar wies die Schweizer Volkszählung 1990
dreimal mehr Einpersonenhaushalte als 1960 aus, nämlich rund 920
000, wovon etwa die Hälfte auf die Städte Zürich, Bern, Basel,
Genf und St. Gallen entfielen. Nach der vorläufigen Auswertung der
Volkszählung 2000 muss dieser Wert nochmals nach oben korrigiert
werden, so das Bundesamt für Statistik (BfS). Erstes
Zwischenergebnis: rund 1,12 Millionen Einpersonenhaushalte.
Allerdings darf man diese Zahl nicht gleichsetzen mit
Single-Ideologie oder Vereinzelung. Denn darin enthalten sind
viele Geschiedene und Verwitwete, die gerne wieder eine
Zweierbeziehung eingehen würden, sowie jüngere allein lebende
Menschen, die erst einmal mit verschiedenen Partnern
«experimentieren», bevor sie sich langfristig binden. Zudem haben
viele ältere Menschen zwar keinen Lebensgefährten mehr, wohl aber
erwachsene Kinder und somit Familie."
Mit
dem letzten Satz wird Familie nicht mit Familienhaushalt
gleichgesetzt, wie das bei den sozialpopulistischen Berichten der
Fall ist, sondern Familie wird als haushaltsübergreifendes
Netzwerk begriffen.
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- ZUCKER, Renée (2003): Verfall,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.07.
- Inhalt:
"Gründe, warum auch diese Zeiten ihr Gutes haben,
gibt es einige, mal abgesehen davon, dass so (...) richtig
abgedrehter Ghettoflachwichs nur noch auf
www.dotcomtod.com zu bewundern ist.
Hier muss man nachschauen, wenn man über den
geistigen und körperlichen Verfall der Generation Golf
und ihrer
Plastevorläufer aus den geburtenstarken Sechziger Jahren etwas
erfahren will. So viel glatt rasierte, untertemperierte Koks- und
Prozacverseuchte Hohlbirnen trifft man selten auf einmal an. Schön
an diesen Zeiten ist aber eindeutig, dass auch sie, wie alles
hienieden, dem Untergang geweiht sind", urteilt
Renée ZUCKER.
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- SCHMÄHL, Winfried (2003): Die Kleinen muss
man fördern.
Rentenreform vergrößert die Einkommen-Unterschiede. Änderungen in
der gesetzlichen Altersvorsorge begünstigen reiche Alleinstehende,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.07.
- Kommentar:
Die Schlagzeile verfälscht den Artikel von
SCHMÄHL,
denn während der zuständige Redakteur
des Greisenblatts "reiche Alleinstehende" titelt, heisst es bei
SCHMÄHL dagegen "Personen mit unterschiedlichem Einkommen" und damit
können auch Familienväter reich sein!
Dazu
passt, dass nach einer
Kids-Verbraucheranalyse (Welt v. 10.07.2003) die Kaufkraft der
6-19jährigen einen Spitzenwert erreicht hat.
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UNFRIED, Peter
(2003): Daddy Cool.
Schlampen, Luder, Sexsymbole sind out. Und auf Partys sieht man nur
noch Frauen mit Bauch. Großartig. Für Männer,
in: TAZ v. 19.07.
- Kommentar:
Peter Unfried fasst nochmals die Mitte-Presse
zum Thema Baby-Boom und Frauenherrschaft zusammen:
"Falls irgendjemand die neun spektakulärsten
gesellschaftlichen Thesen der letzten Zeit nicht parat haben sollte,
hier der Schnelldurchlauf:
1. Einfühlsame und doch taffe Moderatorinnen moderieren Deutschland
(FAZ).
2. Sex ist out (FAS).
3. Schlampen sind out. Luder haben geheiratet (J.
Elvers-Elbertzhagen), sind verreist (A. Sommer), geplatzt (N. Abdel
Farrag), verletzt worden (B. Schäfer).
4. Dosenpfand hat gute Seiten - und schlechte (Quelle: taz).
5. Ehemalige Sexsymbole werden "asexuell" inszeniert (Moore, Diaz,
Barrymore).
6. Oder halten jetzt auch in D. statt der üblichen Körperteile ihren
Bauch in die Kamera (Feldbusch, demnächst Connor).
7. Die Kleinfamilie ist in. (Quelle: u. a.
SZ-Magazin ).
8. Die Generation G. sitzt zu Hause und versucht das Scheitern des
großen, neuen Entwurfs ("Start-up", arbeiten, leben, Tischfußball
spielen mit Gleichgesinnten) durch Rückbesinnung auf die "Start-up-Familie"
zu kompensieren (Quelle: Frankfurter Rundschau ).
9. Der Bauch der Frau ist Gott.
Letzteres ist eindeutig die spektakulärste These des Monats (auch FR
- hm, was ist denn mit denen los?). Deshalb soll hier auch nicht
unnötig verkomplizierend die Rede sein von der
Geburtsratenrealität im Land (kaum Kinder), vom Retromoralismus
oder der problematischen Neudefinition eines ohnehin seltsamen
Rituals ("Heirat") als Ausstellung eines in der Regel von der Frau
definierten Konsumstils. Die Frage, die sich mir stellt: Wenn Sex
und Sexsymbole wie ja auch Singles out sind, aber zumindest in einem
Teil der Gesellschaft Bauch, Kinder, Kleinfamilie usw. in - was hat
denn das für Auswirkungen für Leben und Image eines
Kleinfamilienvaters?
Tja, und sehen Sie, die Antwort ist: Rundum positive."
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HANIKA, Iris (2003): Geschlechterspannungsgenerator,
in: Welt v. 19.07.
- Inhalt:
Iris HANIKA bezeichnet
Hans-Christoph
BUCHs Artikel als missratene Frauenbeschimpfung, während
Frank SCHMIRRMACHER gelobt wird, denn:
"Mit
der Beschimpfung nämlich wird eine gewisse Gereiztheit erzeugt, also
eine Spannung, und die ist unverzichtbar zwischen den Geschlechtern,
weil sie in der Konsequenz zu den Handlungen führt, die die Art
erhalten. Instinktiv wissen die Menschen das. Die Männer unter ihnen
tun darum regelmäßig so, als wären sie gar keine Frauenversteher. Dann
hören sie auf mit dem Katergeschnurr, stellen sich hin wie Löwen und
brüllen, so laut sie können."
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PÄTZOLD, Brigitte (2003): Die Bobos im Quartier Oberkampf.
Schick ist Schock. Die Bourgois Bohémiens erobern den Pariser
Osten,
in: Freitag Nr.30 v. 18.07.
- Inhalt:
"Das neue Eden der
Bobos ist das Dreieck der Straßen Oberkampf, Jean-Pierre
Timbaud, Saint-Maur. Die Namen der aneinander gereihten Cafés und
Bars bezeugen das industrielle Paris, das im urbanen Sog
verschwunden ist: »La Mercerie«, »Café Charbon«, »Mecano-Bar«. Aus
einstigen Handwerkerbetrieben sind Domizile des Happenings geworden,
in denen sich Slam-Poeten, Cineasten und Fotografen vor jungem
Publikum produzieren", weiß PÄTZOLD über den Pariser Osten zu
berichten.
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Stern-Titelgeschichte:
Das Märchen von der Chancengleichheit.
Warum Herkunft und Beziehungen mehr zählen
als Leistung |
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WÜLLENWEBER, Walter (2003): Das Märchen von der Chancengleichheit.
Es war einmal eine Gesellschaft, die glaubte: Wer tüchtig ist,
kann es nach ganz oben schaffen. Sogar Arbeiterkinder. Neue Studien
enthüllen den Selbstbetrug der Deutschen: Noch immer ist die Elite
eine GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT. Eines der wichtigsten politischen
Ziele der Nachkriegszeit wurde verfehlt,
in: Stern Nr.30 v. 17.07.
- OCHMANN, Frank (2003): Chancengleichheit -
biologisch gesehen.
Persönlichkeit und verhalten sind ebenso genetisch begründet wie
unsere Haarfarbe. Doch bestimmt das Erbgut noch lange nicht, wer es
in den Vorstand schafft,
in: Stern Nr.30 v. 17.07.
- SCHEYINK, Doris &
Walter WÜLLENWEBER
(2003): "Mein Weg war natürlich eine Ochsentour".
Bayer-Chef Werner Wenning hat es aus kleinen Verhältnissen bis
ganz nach oben geschafft. Er ist der einzige Vorstandsvorsitzende
eines Dax-Unternehmens, dem ein solcher Aufstieg gelang,
in: Stern Nr.30 v. 17.07.
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HEUSER, Uwe Jean (2003): Die Krise im Kopf.
Mit ihrem Klein-Klein vergeudet die Generation Schröder - Stoiber
jede Reformenergie in Deutschland. Und die Jüngeren lassen sich das
gefallen,
in: Die ZEIT Nr.30 v. 17.07.
- Kommentar:
Uwe Jean HEUSER klingt wie Florian ILLIES in seinem
neuen Buch: "Vielleicht müssen sich die Machthaber von morgen heute
eine andere Republik erstreiten gegen Konsenspolitiker,
Verbandsfürsten und andere Würdenträger".
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- MEISTER, Martina (2003): Zurück in den
Kreißsaal.
Der medial inszenierte Baby-Boom verhält sich umgekehrt
proportional zur Geburtenrate,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.07.
- Kommentar:
"Der medial inszenierte Baby-Boom, das ist seine
innere Logik, verhält sich umgekehrt proportional zu den
Geburtenraten.
Man kann es auch so formulieren: Es steht mit dem
Verhältnis von Bildern und Berichten über Schwangere zu den
wirklichen Geburten wie um das Verhältnis vom Prenzlauer Berg zum
Rest der bundesrepublikanischen Welt: Inmitten des unfruchtbaren
Landes findet sich ein kleines, phantastisches Eiland segensreicher
Vermehrung",
behauptet Martina MEISTER und versucht sich
im Kampf ums Überleben auf dem Zeitungsmarkt gegenüber
der SPRINGER-Presse abzugrenzen.
"Die
Statistik spricht die wahre Sprache", während Medien inszenieren!
Wie naiv muss eine Journalistin sein, um so etwas zu behaupten?
Geburtenraten
müssen INTERPRETIERT werden! Und diesen Spielraum der Interpretation
nutzen Polarisierer, die wie MEISTER, das Aussterben
herbeiphantasieren. Nicht nur Arbeitslosenstatistiken werden
geändert, auch die Erfassung und Erfassbarkeit von Geburten
unterliegt historischen Veränderungen.
Um
den Wert statistischer Daten einschätzen zu können, empfiehlt sich
Jürgen LINKs Versuch über den Normalismus. Dort wird die
Produktion von Normalität in einer zahlengläubigen Gesellschaft
erörtert.
Die
Veröffentlichung statistischer Daten zur Bevölkerungsentwicklung ist
Teil postmoderner Normalitätsproduktion.
Dass
hierüber bislang keinerlei Forschung existiert, sagt etwas über die
Machtverhältnisse in dieser Republik aus, aber nichts über die
Wahrheit der statistischen Sprache.
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LOTTMANN, Joachim (2003): Mein Leben mit Stuckrad-Barre.
Alle mal herhören. Letzte Durchsage: joachim lottmann erklärt die
Popliteratur,
in: Jungle World Nr.30 v. 16.07.
- Kommentar:
"Warum erkennt man nicht, dass »Soloalbum«
einer der zehn besten Romane der Bundesrepublik ist?",
fragt sich
Joachim LOTTMANN, um dann eine Hymne auf Benjamin von
STUCKRAD-BARRE zu singen (Bereits
Katharina
RUTSCHKY im MERKUR und die SPEX im April 2003 haben ihn - jetzt
nach dem
Ende der Popliteratur -
verteidigt!):
"Sein Ritt durch die Medien war gut durchdacht und
genau so, wie ich es mir von einem politisch bewussten Menschen, ja,
einem Marxisten immer gewünscht hatte. Er war nicht ein Opfer der
Medien, also der Umstände, des Systems, des Kapitalismus et cetera,
sondern ein Benutzer und bewusstseinsstiftender Entlarver desselben.
Wo er hinkam, kannte er die ungeschriebenen Gesetze und setzte sie
gnadenlos um. Woher er sie kannte? Durchs Hinschauen! Der Mann hat
eben mit seinem Fernseher wirklich gearbeitet, anstatt sich
berieseln zu lassen. Seine Mittel: Übertreibung, Beschleunigung,
Ästhetisierung. Seine Lehrer: Schlingensief, Harald Schmidt,
J.D.
Salinger. Natürlich auch Kracht und Lottmann. Sein Busenfreund
Rainald (»Irre«) hat ihn dagegen ästhetisch eher behindert.
»Soloalbum« ist das eine und einzige Buch, das jeder Mensch
schreiben kann und meiner Ansicht nach auch sollte (nach Baum
pflanzen und Kind kriegen). Jeder trägt eben ein gutes Buch in sich.
Danach erst beginnen die
Second-Order-Erfahrungen, das Ausgedachte, die Literatur, also
der Krampf."
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DIERING, Frank (2003): Abgerechnet wird zum Schluss.
Die No-Future-Generation kommt in die Jahre - und wird zum Problem
in: Welt v. 16.07.
- Kommentar:
"Jede Generation hat
ihre Zeit, und in der mit Sorge beäugten Alterspyramide der
Deutschen fällt eine Gruppe als letzte Bastion eines geburtenstarken
Jahrzehnts besonders ins Gewicht. Die No-Future-Generation als
Spitze der Baby-Boomer (1946 bis 1969). Die Jahrgänge zwischen 1959
und 1969 beschäftigen Demographen ebenso wie Banker und
Arbeitswissenschaftler" informiert und DIERING.
Die
Gründerväter des Punk und des Hip Hop sind das Feindbild von
DIERING, der hier den Generationenkonflikt anheizen möchte und zum
Schluss folgendes Szenario aufzeigt:
"Abgerechnet
wird zum Schluss, könnte zum Schlachtruf der No-Future-Generation
avancieren. Mit Argusaugen werden sie über die Karrieren der Damen
und Herren aus der Spaßgesellschaft, der Generation Golf und X
wachen. Die Pilzhaube steht auf einem dünnen Fuß. Die ehemaligen
Punker werden zu Besitzstandswahrern mutieren, die ihre Saat der
Vergangenheit nun kräftig abernten möchten."
Das
Problem von DIERING ist offenbar, dass er sich im
Generationendschungel verlaufen hat, denn
Generation X und No-Future-Generation sind eher Synonyme als
unterschiedliche Generationen, wobei im exakten Sinne immer nur von
Generationeneinheiten zu sprechen wäre.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 01. - 15. Juli 2003
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Bitte beachten Sie:
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