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Medienrundschau:
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News vom
06. - 10. Juli
2004
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Zitat
des Monats:
"Als
gewollt Kinderloser sollte man sich beizeiten ein dickes Fell
zulegen. (...).
Der »Egoismus«-Vorwurf ist (...) der wohl populärste und dennoch
nur das erste Glied in einer langen Kette von Vorurteilen und
Vor-Verurteilungen, denen sich die Kinderlosen ständig
ausgesetzt sehen. Wohl denen, die da wenigstens alleine sind,
greift doch bei ihnen das double-income-no-kids-Argument
nicht sogleich, wenn die Gegnerschaft auch nicht müde wird zu
betonen, dass Steuern zahlen allein den Generationenvertrag ja
wohl nicht retten könne. Jetzt sind wir also auch noch Schuld an
der Unsicherheit der Renten. All denen, die daran glauben, sei
hier mitgeteilt, dass auch
unsere Altvorderen vom Beginn bis in die 30er Jahre des letzten
Jahrhunderts es nicht zum, für einen funktionierenden
Generationenvertrag entscheidenden, Reproduktionsniveau
schafften. Heißt, schon vor 70 Jahren wurden nicht genügend
Kinder geboren, um das Bevölkerungsniveau konstant zu halten.
Ein anderes Vorurteil, das sich so hartnäckig hält wie
vermeintliche Eisenanteile in Spinat, ist die Einsamkeit der
Kinderlosen im Alter. Ein echtes Ammenmärchen. Schließlich ist
alles andere als bewiesen, dass Kinderreiche per se im Alter
besser dran wären, was die Quantität und Qualität ihrer
Sozialkontakte oder die Bereitschaft ihrer Kinder zur Versorgung
und Pflege anginge. Längst ist nicht mehr selbstverständlich,
dass die eigenen Kinder im Alter für Betreuungsaufgaben zur
Verfügung stehen, und in den wenigsten Familien leben mehr als
zwei Generationen dauerhaft unter einem Dach."
(Mattias
WINKLER in der Wochenzeitung Freitag Nr.29/30 vom 09.07.2004) |
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WAGNER, Gert G. (2004): Teilkasko mit hohem Risiko.
Die Absicherung der
Pflegekosten ist nur vom Staat zu organisieren. Vernünftig diskutiert
wird dies wohl erst, wenn die Beiträge dafür nicht mehr die Lohnkosten
belasten,
in: TAZ v. 10.07.
- Inhalt:
Gert G. WAGNER wendet sich u.a. gegen die
geforderte Bestrafung der Kinderlosen in der Pflegeversicherung:
"Auf
den Nebenkriegsschauplatz, den das Bundesverfassungsgericht mit der
Forderung nach einer Begünstigung von Kindererziehenden in der
Pflegeversicherung eröffnet hat, sollte sich die Bundesregierung
jetzt nicht begeben. Statt das Verfassungsgerichtsurteil so
umzusetzen, wie von den Karlsruher Juristen erwartet wird, sollte
die Bundesregierung gesellschaftlich dafür werben, dass eine bessere
Kinderbetreuung Eltern viel mehr hilft als die Bestrafung
Kinderloser in der Pflegeversicherung."
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MAGENAU, Jörg (2004): "Träume sind unser Größtes".
In zwei Wochen erscheint "Der
Augenblick der Liebe", der neue Walser. Ein Gespräch über brüchiges
Selbstbewusstsein, Winnetous Umarmbarkeit und den Marienkomplex,
in: TAZ v. 10.07.
- Inhalt:
Martin WALSER u.a. über die unterschiedlichen
Liebesthematiken seiner Bücher:
"Wenn
ein Titel nach meinem Gefühl für ein Buch passt, dann nehme ich ihn.
»Jenseits der Liebe« musste so heißen, das war ganz klar, und das ist
ja auch nicht trivial. Da ging es um das Erloschensein von allem, was
Liebe heißen kann, in einem berufsscheußlichen Alltag.
»Der Lebenslauf der Liebe« ist das Unterwegssein zur Liebe oder
der Weg von der Liebe weg. Im neuen Roman geht es darum, dass es
Augenblicke der Liebe gibt, die hervorgehoben sind, die aber
wieder durch andere Augenblicke konterkariert werden, die auch Liebe
heißen und die mit den ersten Augenblicken überhaupt nicht zu
vereinbaren sind. Das ist eben so. Das muss man hinnehmen. Das lässt
sich nicht ausräumen. Das ist ein Widerspruch, der in uns liegt."
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- LIPPITZ, Ulf (2004): "Das müssen wir
erforschen!"
Der Soziologie-Professor Ronald Hitzler hält beim Rave eine Rede,
in: Tagesspiegel v. 10.07.
- Inhalt:
Der Soziologe
Ronald HITZLER darf u.a. zum
gleichen Thema wie
Diedrich DIEDERICHSEN Stellung
nehmen:
"Ist Techno nicht schon längst tot?
Nein. Jede Szene hat Konjunkturen. Die Frage ist: Wie innovativ
ist Techno heute? Experten erkennen Weiterentwicklungen, aber die
Wahrnehmung von außen ist: Das ist der gleiche Krach wie vorher.
Aber das stimmt inhaltlich nicht."
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- GEISEL, Sieglinde (2004): Nach der
Wohngemeinschaft.
Eine neue Unübersichtlichkeit des Familienlebens?
in: Neue Zürcher Zeitung v. 10.07.
- Kommentar:
Sieglinde GEISEL wendet sich gegen jene
Nostalgiker, die wie
Joachim BESSING in einem Zurück zur
Familie die Wiederkehr der Idylle sehen:
"Vorbei
die Zeiten, als die harmonische Zweikind-Kleinfamilie als spiessig
galt. Wo das Modell gelingt, ist es in manchen Kreisen eine
Bestätigung dafür, dass es überhaupt noch klappen kann. Ein
Unbehagen in der Gegenwart fördert unweigerlich Nostalgie. Schnell
ist die Familie von «früher» vergoldet: früher, als man sich wegen
einer mittleren Ehekrise beispielsweise nicht gleich scheiden liess,
oder noch früher, als in der bäuerlichen Grossfamilie ein Dutzend
Kinder für Leben sorgte und die Grosseltern bis zu ihrem Tod in der
Familie lebten. Die Kleinfamilie kommt einem vor wie eine moderne
Erfindung, die ihre stabilsten Zeiten in den fünfziger und sechziger
Jahren hatte, bis die Jungen rebellierten und «ausbrachen», in
chaotische Wohngemeinschaften und wilde Ehen.
Fast keine dieser Annahmen hält einer Prüfung stand."
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WINKLER, Matthias (2004): Borderline der Gürtellinie.
Demagogische Demografen. Wider die Verächter der Kinderlosigkeit,
in: Freitag Nr.29 v. 09.07.
- Inhalt:
"In
den letzten Jahren gab es etliche reißerische Medientitel wie
"Zurück zur Familie" (Spiegel) oder
"Sind Kinderlose jetzt
Sozialschmarotzer"? (Stern). Eine sachliche Diskussion
aber, statt emotional getränkter Tiefschläge, ist das, was wir
zuallererst brauchen. Eine pluralistische Gesellschaft lebt
schließlich von ihrer Toleranz der Individuen. Demagogische
Demografen und moralinsaure Geburtenregler sind da nicht wirklich
hilfreich. Vielmehr sollten sich die Verächter der gewollten
Kinderlosigkeit einfach daran gewöhnen, dass da von einem Teil der
Gesellschaft ein neuartiger Lebensstil gelebt und geprägt wird, der
alles andere als bedrohlich ist",
fordert der gewollt kinderlose WINKLER.
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FRANKFURTER RUNDSCHAU (2004): Links Neu.
Junge Grünen-Politiker aus Bund und Ländern sehen eine Pionierrolle
ihrer Partei als Motor und Vordenker einer europäischen Linken,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.07.
- Inhalt:
Die FR dokumentiert ein Positionspapier des
grünen Netzwerk "Realismus & Substanz". Zu den Unterzeichnern gehört
u.a. Anna LÜHRMANN.
"Gerechtigkeit
heißt im grünen Kontext mit an vorderster Stelle
Generationengerechtigkeit - und auch hier liegen sowohl im sozialen
wie auch im ökologischen Bereich die Themen der Zukunft vergraben.
Es geht um nichts weniger als um die Zukunftsfähigkeit der sozialen
Sicherungssysteme und damit des Sozialstaats als solchem."
Die Analyse
der zukünftigen Entwicklung ist geprägt durch eine Sichtweise, in
der zum x-ten Mal der Tod der bürgerlichen Familie behauptet wird:
"Ein
weiterer wesentlicher sozialer Faktor, der die westeuropäischen
Gesellschaften in den kommenden Jahrzehnten im Unterschied zu
anderen Wirtschaftsregionen treffen wird, ist die Verlängerung der
Lebenszeit bei gleichzeitig geringen Geburtenraten und weiterer
Marginalisierung der Familie als sozial-ökonomischer
Sicherungsinstitution. Aus dieser besonderen europäischen Situation
werden zusätzliche soziale Lasten insbesondere für das Renten-,
Pflege- und Gesundheitswesen entstehen."
Das grüne Netzwerk
hat das
Gesellschaftsbild von Ulrich BECK
in naiver Weise adaptiert...
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ILLIES, Christian (2004): Der Ethikrat.
Philosophische Hilfestellungen (156. Folge). Für Zeugungsfaule
Paare,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 08.07.
- Kommentar:
ILLIES ist offenbar ein Witzbold, denn ausgerecht der
Single Kant ist sein
Gewährsmann, um zeugungsfaulen Paaren die Leviten zu lesen!
Das wird noch kurioser,
wenn ausgerechnet der Pedant Kant den Kinderlosen den Perfektionismus
austreiben soll...
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NIEJAHR, Elisabeth (2004): Panik in der Mittelschicht.
Am Wochenende berät die
Bundesregierung in Neuhardenberg über die Reformen. Hartz IV kommt
zwar den Sozialhilfeempfängern zugute, nicht aber den besser
gestellten Arbeitslosen. Jetzt ist der Moment gekommen, eine
durchdachte Politik für die Armen in Deutschland zu entwickeln,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 08.07.
- Kommentar:
Elisabeth NIEJAHR vermisst die
Anwälte der Unterschichten und verweist darauf, dass die Erfassung der
Armut mit Problemen behaftet ist.
Drei Definitionen der Armut (weniger
als die Hälfte des durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommens, Zahl der
Sozialhilfeempfänger und Teilhabe bzw. Exklusion).
Danach widmet sich NIEJAHR den
Abstiegsängsten der Mittelschichten (Für die USA hat das
Barbara EHRENREICH 1989 in ähnlicher Weise getan, dagegen hat
David BROOKS im Jahr 2000 die Ängste der Bobo-Mittelschichten als
Resultat eines Vergleichs mit den alten Eliten gerechtfertigt), um mit
der Unterscheidung zwischen objektiver und subjektiver Sicherheitslage
die Panik der Mittelschichten als ungerechtfertigt abzutun.
Das hatte bereits die
TAZ Ende 2003 praktiziert.
Zuletzt stellt uns NIEJAHR
die wahren Armen vor: die Familien. Dies tut sie mit der Behauptung,
dass diese sich kaum artikulieren würden. Welch ein Hohn! Diese Seite
beweist das Gegenteil...
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FRANKFURTER RUNDSCHAU (2004): Eine andere Politik ist möglich.
Entwurf der "Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit" für
programmatische Grundlagen einer angestrebten neuen Linkspartei,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.07.
- Inhalt:
Der Programmentwurf ist u.a. eine Absage an
die
sozialpolitische Demagogie, die den
demografischen Wandel missbraucht, um soziale Gruppen im Sozialstaat
- unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit - schlechter zu
stellen:
"Den Sozialstaat sichern,
heißt, ihn weiter zu entwickeln und auf neue Entwicklungen
abzustimmen. Das bedeutet allerdings nicht, ihn wegen der
Globalisierung oder der Demografie zurückzunehmen oder
abzuschaffen."
Eine Konkretisierung dieses
Anspruchs steht jedoch aus...
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VORKÖTTER, Uwe (2004): Sind Kinderlose asozial?
in: Berliner Zeitung v. 08.07.
- Inhalt:
VORKÖTTER beschreibt die Sicht des
Bundesverfassungsgerichts und die Größenordnung, in der Kinderlose
zukünftig bei der Pflegeversicherung schlechter gestellt werden
sollen:
"Kinderlosigkeit,
egal ob gewollt oder vom Schicksal bestimmt, wird als
bevölkerungspolitische Verweigerungshaltung eingestuft und gilt
insofern als asozial. Das rechtfertigt dann einen Strafbeitrag. Nur
0,25 Prozentpunkte, heißt es beschwichtigend, kein Grund zur
Aufregung. Aber schon bei einem Bruttoeinkommen von 2 000 Euro
monatlich macht das fünf Euro im Monat aus, aufs Quartal gerechnet
mehr als die Praxisgebühr."
VORKÖTTER
sieht darin vor allem ein falsches Signal für potenzielle Eltern:
"Der
höhere Beitrag zur Pflegeversicherung soll für Kinderlose ab 23
Jahre aufwärts gelten. Die allermeisten 23-, 24- oder 25-Jährigen
haben aber sehr wohl das Ziel, Kinder zu bekommen - nur nicht jetzt,
sondern später. Sie verhalten sich durchaus vernünftig, beenden ihre
Ausbildung, wollen beruflich Fuß fassen, um dann den Lebensunterhalt
ihrer Familie aus eigener Kraft, nicht auf Kosten der Sozialkassen
zu finanzieren. Dafür werden sie künftig bestraft. Überlegt die
Politik sich noch, welche Signale sie der nachwachsenden Generation
sendet?"
VORKÖTTER
fordert, dass Familien nicht in der Sozialversicherung, sondern im
Steuerrecht entlastet werden sollen:
"Wer
Kinder in die Welt setzt, so die Logik der Richter, sorgt für die
Beitragszahler von morgen - ohne Beitragszahler keine
Sozialversicherung. Das stimmt soweit. Wie aber verhält es sich, zum
Beispiel, mit der klassischen Familie mit zwei Kindern, wenn der
Sohn sich später selbstständig macht und die Tochter Beamtin wird?
Beide werden dann nicht in die gesetzliche Pflegekasse einzahlen,
trotzdem kassieren ihre Eltern die Belohnung. Solche Fälle
offenkundiger Ungerechtigkeit gibt es in Hülle und Fülle, wann immer
die Sozialversicherung benutzt wird, um soziale Gerechtigkeit herbei
zu führen. Sie eignet sich dafür nicht, das ist Sache des
Steuerrechts. Beim Finanzamt muss der finanzielle Ausgleich zwischen
Alleinstehenden, Verheirateten, Eltern und Kinderlosen hergestellt
werden. Dort ist bisher vor allem die Ehe privilegiert, nicht die
Familie. Diese gesellschaftspolitische Fehlentscheidung steht
allerdings seit jeher unter besonderem Schutz der
Verfassungsrichter."
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WOLF, Naomi (2004): First Ladies,
in: Weltwoche Nr.28 v. 08.07.
- Inhalt:
Naomi WOLF hat sich mit
Candace BUSHNELL getroffen:
"«Sex
and the City» (Vorlage sind Bushnells Kolumnen für den New York
Observer) wurde als Modefetischismus, banaler Eskapismus,
antifeministischer Kitsch, als Parabel für das Elend von vier
starken, selbstbewussten Frauen, die keinen Mann kriegen, gar als
Lesbenepos geschmäht.
Tatsächlich ist es das erste globale Frauenepos – die Antwort auf
die Frage, die Virginia Woolf in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich
allein» gestellt hat: Was machen Frauen, wenn sie wirklich frei
sind."
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- BANTEL, Nadia (2004): Brachliegende
Weiblichkeit.
Viola Roggenkamp hat kinderlose Frauen in die Küche geladen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.07.
- Kommentar:
BANTEL stimmt den Leser mit der üblichen
politisch korrekten Konstruktion der
Geburtenkrise auf die damit
alternativlose Lesart des Buches
"Frau ohne Kind" von Viola ROGGENKAMP
ein.
Kinderlose Frauen werden
in dieser Mainstreamperspektive zu Opfern gesellschaftlicher
Verhältnisse stilisiert.
Was
Matthias WINKLER
als grenzverletzende Diskussion ("Borderline der Gürtellinie")
kritisiert, das wird von BANTEL begrüßt:
"Die Furcht, das Gespräch
unter den einander unbekannten Frauen könnte stocken, war
unbegründet. Kein Kind zu bekommen, das verdeutlicht das Buch, nimmt
in der Gedankenwelt eine beherrschende Rolle ein. Die Gedanken der
Kinderlosen kreisen - um das fehlende Baby, um das Altern, um die
eigene Mütterlichkeit und die Fürsorge anderer Frauen."
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- WALTER, Franz (2004):
Schneidiger Imperativ.
Der Nutzen der Abweichler für die SPD,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.07.
- Inhalt:
Der Göttinger Politikwissenschaftler
Franz WALTER sieht in der
Etablierung einer populistischen Linkspartei eine Notwendigkeit des
Machterhalts. Ohne eine solche Parteigründung würde die rot-grüne
Regierung ihre Mehrheit an das bürgerliche Lager der CDU/CSU/FDP
verlieren.
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JAHBERG, Heike (2004): Was Pflege braucht.
Die Pflegeversicherung muss
reformiert werden – hat das Verfassungsgericht geurteilt. Jetzt ist
Eile geboten
Rot-Grün plant Beitragserhöhungen für Kinderlose in der
Pflegeversicherung, um das Defizit zu reduzieren. Ist das sozial
gerecht?
in: Tagesspiegel v. 07.07.
- Inhalt:
"Darf man Kinderlose stärker zur Kasse bitten? Werden
Familien nicht schon ausreichend entlastet? Immerhin müssen Kinder
und die Elternteile, die nicht arbeiten, weder Krankenkassen- noch
Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. In der Rentenversicherung
bekommt der Elternteil, der wegen der Kinder zu Hause bleibt,
Rentenjahre gutgeschrieben, und auch im Steuerrecht gibt es
zahlreiche Erleichterungen. Und: Viele Menschen sind nicht gerne
kinderlos. Was ist mit denen, die Nachwuchs bekommen wollten, bei
denen es aber nicht geklappt hat? Darf man diese Leute noch mit
höheren Beiträgen bestrafen?
Man darf", behauptet JAHBERG lapidar.
-
GEHLEN, Martin (2004): Nur im Notfall gesichert.
Beiträge zur Pflegeversicherung,
in: Tagesspiegel v. 07.07.
- Inhalt.
GEHLEN fordert einen Systemwechsel in der
Pflege:
"Ein
steuerfinanziertes Pflegesystem wäre auf der Einnahmenseite
gerechter und auf der Ausgabenseite volkswirtschaftlich billiger.
Aber es wäre gleichzeitig auch ein weiterer Schritt in einen anderen
Sozialstaat – weg von der Legitimität einer lebenslang erarbeiteten
Sozialversicherungsleistung hin zu einer staatlich zugeteilten
Versorgung im Notfall."
-
GRIESSER, Patrick (2004): Kindische Regeln.
Eltern zahlen keinen
Aufschlag für die Pflege - wenn
die Kinder auf dem Steuer- oder Rentenbescheid stehen,
in: TAZ v. 07.07.
-
SIEMS, Dorothea (2004): Kinderlose an den Pranger?
in Welt v. 07.07.
- Kommentar:
Dorothea SIEMS plädiert für einen Systemwechsel
vom Umlageverfahren zur Kapitaldeckung, um das Problem der
Kinderlosigkeit zu lösen:
"Kinderlosen
die Rente massiv zu kürzen, wird in der Politik bereits diskutiert.
Doch der Ausweg aus der Krise der Sozialsysteme liegt nicht in der
Spaltung der Gesellschaft in Eltern und Kinderlose. Die Entscheidung
für oder gegen Nachwuchs ist eine Privatsache und vom Staat nicht zu
bewerten. Der Kern des Finanzierungsproblems des Sozialstaats sind
nicht die Menschen, die gewollt oder ungewollt kinderlos bleiben.
Vielmehr hat es sich als historischer Fehler erwiesen, die
Sozialversicherungen nach dem Krieg als Umlageverfahren zu
organisieren."
SIEMS behauptet,
dass Familien die Gewinner eines Systemwechsels wären, offenbar lesen
nur Besserverdienende die Welt...
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FUCHS, Peter (2004): Ohne Gegengabe.
Zur allmählichen Verfertigung der Arbeitszeiterhöhung,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
- Inhalt:
"Die Arbeitgeber profitieren von der Evidenz der
Arbeitslosigkeit und des damit verknüpften (durch neuere
Reformmaßnahmen) zunehmenden Elends und zunehmender Demütigung. Sie
profitieren zusätzlich von wohlfeilen Zukunftsversprechen:
Mehrarbeit statt mehr Arbeit fördere die Wirtschaft und das
Wachstum", meint der Soziologe
Peter FUCHS und interpretiert die von den Arbeitgebern forcierte
Politik der Arbeitszeitverlängerung systemtheoretisch als Inflation
und Deflation.
Sein Appell an die
Arbeitnehmer:
"Wie immer auch die Evolution zum
heutigen Medium Arbeit geführt hat, (...), ein erster und mächtiger
Weg, etwas an dieser Lage zu ändern, wäre die Verweigerung
gegengabenloser Gaben, flächendeckend, rigoros, angstfrei. Das
zumindest ist man den Arbeitslosen schuldig. Man könnte ja auch
sagen, dass das Vokabular, mit dem gedroht wird, das des fallenden
Wachstums, des sich abbremsenden Fortschritts, der sich
verdunkelnden Zukunft, des endenden Wohlstands selbst längst
inflationistisch und deflationistisch geworden ist. Man muss sich
nicht immerzu dadurch erschrecken lassen."
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JUNGLE WORLD-Thema: CDU. It's Alive!
Masterplan Deutschland!
Die Titanen des Grauens wollen die Macht zurück.
Wenn sie den Tiefen der Opposition entsteigen, werden die
Christdemokraten die Gewerkschaften zerfleischen und das Sozialsystem
endgültig zertrümmern. Eine Vorschau auf den Horrorschocker 2006.
-
WIRNER, Stefan (2004): Vor dem Sturm.
Die CDU will Deutschland
retten, und sie weiß auch schon, wie. Auf ihrem Wirtschaftstag sagte
die Partei, was sie zu tun gedenkt, wenn sie an die Regierung kommt,
in: Jungle World Nr.29 v. 07.07.
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STÖTZEL, Regina (2004): Goodbye, DGB!
Nach dem Sozialabbau ist
vor dem Sozialabbau. Im »Masterplan Deutschland« der CDU geht es vor
allem den Gewerkschaften an den Kragen,
in: Jungle World Nr.29 v. 07.07.
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RIPPLINGER, Stefan (2004): Da capo.
Herrschaft in Deutschland,
in: Jungle World Nr.29 v. 07.07.
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Kein Herz für Kinderlose.
Rot-Grün will von Kinderlosen
über 23 höhere Beiträge zur Pflegeversicherung. Grüner Plan,
Altersverwirrte besser zu stellen, ist erst einmal vom Tisch. Nur: Wer
gilt eigentlich als kinderlos?
in: TAZ v. 06.07.
- Kommentar:
Aus dem Bericht von
Ulrike WINKELMANN geht nur eines
deutlich hervor: Kinderlosigkeit ist ein dehnbarer Begriff, dessen
Definition die Zahl der vom Gesetz betroffenen entscheidend
bestimmt:
"Unklar
blieb vorläufig, wer denn überhaupt »kinderlos« ist. »Ich habe drei
Kinder - die stehen aber nicht auf meiner, sondern auf der
Lohnsteuerkarte meines Mannes«, sagte Selg. »Gelte ich deshalb als
kinderlos?« Die bisherigen Berechnungen stützen sich auf die
Statistiken über Kinderlosenhaushalte, die aber nicht für den
Beitragseinzug taugen".
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Rot-Grün einigt sich auf Gesichtswahrung.
Statt einer Pflegereform gibt
es einen Minimalkonsens mit Ausblick. Kinderlose stopfen das Defizit,
indem sie erheblich mehr in die Pflegekasse einzahlen. Dementen wird
nicht geholfen, die Kasse nicht saniert, und die Grünen lassen sich
vertrösten,
in: TAZ v. 06.07.
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OESTREICH, Heide (2004): Der Schröder-Defekt schlägt wieder zu.
Der Kanzler ärgert Kinderlose, anstatt die Pflege zu reformieren,
in: TAZ v. 06.07.
- Inhalt:
"Umfragen
im Keller? Dann keine Belastungen mehr. Mit den paar Kinderlosen
kann mans aufnehmen. Die haben keine Lobby. Vor einer
Bild-Schlagzeile: »Kanzler schröpft uns alle auch noch bei der
Pflege« dagegen graust es Schröder. Deshalb wird die Pflegekasse
eben nicht solidarisch saniert, wozu nach einer gewissen
Entlastungszeit der Eltern alle beigetragen hätten",
kritisiert Heide OESTREICH.
-
KUZMANY, Stefan (2004): Keine Kinder? Zur Kasse!
Kinderlose sollen mehr für die Pflegeversicherung bezahlen. Klingt
einleuchtend. Mehr Kinder bekommen wir damit aber nicht,
in: TAZ v. 06.07.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 01. - 05. Juli 2004
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