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Medienrundschau:
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News vom
06. - 10. Juli 2005
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Zitat
des Monats:
"Sie
wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die
Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles
heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des
Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die
Felskanten schien.
Gegen Mittag glühte der Körper
mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher
zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In
Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die
Gischt und das Gesicht."
(aus:
Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.) |
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KAUBE, Jürgen (2005): Vaters Kind ohne sicheren Boden.
Die Identität, zwei Grundrechte und der DNA-Test bei der
Vaterschaftsanfechtungsklage,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
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BRANDT, Jan (2005): Schreiben ohne Tabu.
140 Seiten Hölle: In "Sweet Sixteen" läßt Birgit Vanderbeke ihren
Gedanken freien Lauf,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
- Kommentar:
Jan BRANDT verweigert eine inhaltliche
Auseinandersetzung mit
"Sweet Sixteen" von Birgit
VANDERBEKE fast zur Gänze und übt stattdessen Sprachkritik am neuen
Vanderbeke-Sound:
"140 Seiten (...) (können) die
Hölle sein. Vor allem dann, wenn die etwas mütterliche
Ich-Erzählerin in einem Trendbüro arbeitet und ein zehn Kilo
schweres Jugendsprachelexikon verschluckt zu haben scheint. (...).
Jeder Begriff wird erklärt, als seien Vanderbeke-Leser
hirnamputierte Hausfrauen. (...). Es gibt Dutzende Absätze, die sind
so spannend wie eine Inhaltsangabe von »Christiansen«: »und hier
solle also auch gleich auf die Gefahr der in Amerika aus dem Ruder
laufenden 'Geeks' und 'Nerds' hingewiesen werden, die das
abendländische Pendant zu den Otaka darstellen (...). Allerdings
bezeichneten sich sowohl die Otaku als auch die Geeks als
Couchpotatoes und seien im Grunde so eine Art Yuppies...« Aaaarrrgh!"
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MÜNCHHAUSEN, Anna von (2005): "Disziplinlosigkeit macht uns das Leben
schwer".
Schulleiter Bernhard Bueb nimmt Abschied von Salem: ein Gespräch
über Elite, Lehrer und was sich in deutschen Schulen ändern muß,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
- Inhalt:
Salem versteht sich als Kaderschmiede für die
neue "Verantwortungselite" der Berliner Republik.
Der scheidende Schulleiter
Bernhard BUEB, geprägt von Katholizismus und Hartmut von HENTIGs
Bielefelder Schule, erklärt den Stand der Dinge in Sachen
Eliteschulen und deutschem Nationalcharakter:
"Was man den Angelsachsen wirklich
zugute halten muß, ist die Art und Weise, wie Lehrer mit jungen
Menschen umgehen. Sie sind streng, aber unglaublich ermutigend.
Deutsche Lehrer neigen zuweilen mehr zu Kritik als zu Ermutigung.
Das liegt in unserem nationalen Charakter."
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BRUNS, Tissy & Stephan HASELBERGER (2005): "Ich werde neu
vermessen".
Andrea Nahles über die Erneuerung der SPD, die Rolle als
Hoffnungsträgerin und ihren Kinderwunsch,
in: Tagesspiegel v. 10.07.
- Kommentar:
Nachdem die Grünen mit GÖRING-ECKART und die
FDP mit Silvana Koch-Mehrin Schwangerschaften
identitätspolitisch ausgeschlachtet haben, gilt das nun auch für die
Genossinnen der SPD.
Andrea NAHLES verlegt das
Thema noch weiter vor, indem sie ihren Kinderwunsch öffentlich zur
Debatte stellt:
"Sie haben kürzlich in einem
Interview von Ihrem Kinderwunsch gesprochen. Wie waren die
Reaktionen?
Sogar politische
Freunde haben mir geraten, darüber nicht öffentlich zu sprechen,
weil mir das als Politikerin schaden würde. Es hieß: „Vergiss es
Andrea, du musst dich entscheiden.“ Das hat mich ziemlich sprachlos
gemacht. Ich will, dass sich Frauen zwischen Karriere und Kindern
nicht mehr entscheiden müssen – auch nicht in der Politik.
Die niedersächsische
Ministerin von der Leyen ist siebenfache Mutter. Gibt sie kein gutes
Vorbild ab?
Natürlich geraten die meisten Frauen in Schwierigkeiten, wenn
sie Mutter und berufstätig sein wollen. Das muss man offen
ansprechen, das müssen wir jungen Frauen in der Politik auch zeigen.
Diese Auseinandersetzung muss auf den Tisch. Es ist doch verlogen,
als Großbürgerin mit viel Personal die Supermutti zu geben und so zu
tun, als gäbe es kein Problem. Ich möchte gern ein Kind haben und
weiß, es wird nicht einfach."
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KAISER, Tina (2005): "Die Alten sind in der Überzahl".
Björn Böhning ist 26 Jahre alt und Juso-Vorsitzender. Ein
Expertengespräch über die Jugend von heute
in: Welt am Sonntag v. 10.07.
- Kommentar:
Zwei 78er unter sich - nein, diesmal nicht
78er-Generation, sondern
Geburtsjahrgang 1978.
Tina KAISER versucht den
Juso-Vorsitzenden Björn BÖHNING zum Generationenkrieg anzustiften,
was jedoch nicht gelingt:
"Die
Babyboomer sind fast doppelt so geburtenstark wie unsere Jahrgänge.
In ihrer gesellschaftlichen Position haben sie gar kein Interesse an
Veränderung.
Böhning:
Ich glaube nicht, daß es so was wie Generationenegoismus
gibt. Außerdem sind wir selbstbewußt genug, unsere Bedürfnisse
artikulieren zu können. Ein Generationenkrieg würde uns im übrigen
nicht helfen. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir den
anzetteln würden. Die Alten sind in der Tat in der Überzahl."
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AUGSTEIN, Franziska (2005): Kinder, lasst uns kichern.
Ein Linker, der anderen zuhört. Ein Verleger, der an Bücher und
nicht ans Geld denkt. Ein Flohzirkusdirektor: Besuch bei Klaus
Wagenbach zum 75. Geburtstag,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
- Kommentar:
AUGSTEIN porträtiert den Verleger Klaus WAGENBACH,
einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation, der die
"Toskana-Fraktion" der 68er-Bewegung publizistisch mitgeprägt hat.
-
MARTENSTEIN, Harald & Norbert THOMMA (2005): "Otto ist der Beste!".
Innenminister Schily – super. Claus Peymann – grauenhaft! Martin
Walser – na gut. Und wie hat Klaus Wagenbach als Linker gelernt, die
Polizei zu lieben?
in: Tagesspiegel v. 10.07.
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MANGOLD, Ijoma (2005): Die Bretterbude der Zivilisation.
Das geteilte Land mit dem berühmten Wirtschaftswunder: Eine Reise
durch Südkorea, Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
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MEJIAS, Jordan (2005): Genesungsplan für die Gelähmten.
Blick in amerikanische Zeitschriften: Abschied der Neocons,
Hoffnung für die Fast-Linke,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.07.
- Kommentar:
MEJIAS berichtet über die Einstellung der
neokonservativen Zeitschrift The Public Interest.
Nachdem der Neokonservatismus zur
"Regierungsreligion" geworden ist, besteht für das 40jährige Blatt
um Irving KRISTOL kein Bedarf mehr. Mission erfüllt.
MEJIAS stellt die Zeitschrift
Dissent als "linksliberalen Gegenentwurf" zu Publict Interest
vor. Besser wäre es jedoch von Kommunitarismus zu sprechen, denn
dafür steht der Philosoph Michael WALZER.
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SÜDDEUTSCHE
ZEITUNG MAGAZIN-Titelgeschichte:
Schluss!
Wenn Frauen verlassen werden, heulen,
schreien, verzweifeln sie. Und manche sterben daran. |
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STADLER, Rainer (2005): Vorbei!
Warum es so entsetzlich wehtut, wenn die Liebe zu Ende geht,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.27 v. 08.07.
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SET (2005): Online-Vermittlung statt Kleininserat.
Studie zur Partnersuche im Internet,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 08.07.
- Inhalt:
Ein Marktforschungsinstitut hat im Auftrag der
Online-Partnervermittlungsagentur Parship (mit der auch die gesamte
Mitte-Presse kooperiert) herausgefunden, dass die Mehrzahl der 14-
bis 59jährigen Schweizer Internet-Nutzer die Online-Partnersuche
gegenüber Kontaktanzeigen oder traditionellen Vermittlungsagenturen
bevorzugt.
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BRAUN, Michael (2005): Geheul.
Alpin: Das Leukerbader Literaturfestival
zelebriert den Mythos der Rebellion,
in: Freitag Nr.27/28 v. 08.07.
- Inhalt:
BRAUN u.a über die Epigonen der
Beat-Generation und Thomas HETTCHE (Mitverfasser eines
"Manifests" der wertkonservativen 78er):
"Von
den Prosaautoren brillierte Thomas Hettche mit der Lesepremiere aus
seinem noch unvollendeten Roman Meerkatz oder die Liebe.
Der Ich-Erzähler berichtet hier von einer Reise nach New York, ein
Jahr nach den terroristischen Ereignissen des 11. September. Die
Geschichte eines ominösen Mordes verschlingt sich auf seltsame Weise
mit den unsicheren Orientierungsversuchen des Erzählers in New York."
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KALLE, Matthias (2005): Achtung Baby!
Die Deutschen sollen mehr Kinder bekommen, die Politik muss
familienfreundlicher werden, sonst ist unsere Zukunft in Gefahr. Ein
Besuch in Prenzlauer Berg kann einen aber auf ganz andere Ideen
bringen,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
- Inhalt:
Matthias KALLE mokiert sich über
die Eltern vom Prenzlauer Berg, die "gerade eine neues
Eltern-Bild" prägen, denn sie sind Akademiker, Besserverdienende,
die gemäß dem
FDP-Politiker Daniel BAHR
in Deutschland zu wenig Kinder bekommen.
KALLE weist darauf hin, dass
der angeblich kinderreiche Vorzeige-Bezirk gar nicht so
kinderreich ist (Anmerkung: das hatte schon
Christian SCHWÄGERL in der FAZ vom 27.04.2005 mit
zweifelhaftem Erfolg vorgemacht).
KALLE kritisiert außerdem, dass
die Prenzlauer-Berg-Eltern nur Eltern-Darsteller sind, die Kinder
nicht der Kinder willen bekommen, sondern aus purem Egoismus. Die
Folge: Ihr Leben unterscheidet sich nicht von dem der Kinderlosen,
was KALLE ihnen ankreidet.
Als Kinderloser sieht er sich
jedoch in der Defensive, denn seit einiger Zeit ist Kinderkriegen
ein "patriotischer Akt" und Kinderlose sind die
Unverantwortlichen. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den
Stern-Titel "Land
ohne Kinder".
Bernd ULRICH (ZEIT v. 17.02.2005)
stimmt er in einem Punkt zu, dass sich die Politik nicht
einmischen sollte, denn Kinder zu instrumentalisieren ist das
Allerletzte:
"Sie sind schuldlos, sie können nichts dafür, dass
sie angeblich zu wenig sind und vor allem können sie nichts dafür,
wenn ihre Eltern sie aus der Sucht nach Selbstverwirklichung oder
aus schlechtem Gewissen bekommen. Kann man eigentlich noch
grausamer zu Kindern sein?
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MAISONOBE, Virginie (2005): "Was soll man sonst machen?"
Kinder? Oder nicht? Sechs Antworten,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
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MAISONOBE, Virginie (2005): Nabelschau.
Zahlen und Fakten rund ums Kinderkriegen,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
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SCHLENDER, Anja (2005): "Politische Milchmädchenrechnung".
Demografie als Demagogie - ein Gespräch mit dem
Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
- Inhalt:
Christoph BUTTERWEGGE u.a. über
die Folgen der Bevölkerungsentwicklung:
"Seriöse Berechnungen zeigen, dass
sich die Folgen des demografischen Wandels für die Renten-,
Kranken- und Pflegeversicherung in Grenzen halten. Die Höhe der
Rente ist keine Frage der Biologie - »Wie alt ist die
Bevölkerung?« -, sondern eine Frage der Ökonomie - »Wie groß ist
der erwirtschaftete Reichtum?«. Und sie ist eine Frage der Politik
- »Wie beziehungsweise auf wen wird der gesellschaftliche Reichtum
verteilt?«. Deutschland braucht nicht mehr Kinder, sondern eine
andere, sozial gerechte Politik, die es allen Generationen
ermöglicht, ohne Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung
zu leben."
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GLÄSER, Heike (2005): Du wärst eine tolle Mutter.
Teilzeit-Tante oder Single mit Katze: Was passiert, wenn Frauen
ohne Kind leben,
in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
- Kommentar:
GLÄSER reproduziert die
bevölkerungspolitisch korrekten, aber nichtsdestotrotz falschen
Zahlen über die Kinderlosigkeit des Frauenjahrgang 1965:
"Immerhin ist fast jede dritte Frau des Jahrgangs
1965 kinderlos geblieben, davon über 40 Prozent Akademikerinnen".
Christian SCHMITT hat jedoch
nachgewiesen, dass vom Jahrgang 1965 nur 20 Prozent kinderlos sind
und dass bei den Akademikerinnen die Kinderlosigkeit unter 25
Prozent liegt
Wenn jedoch selbst ein
Blatt, das der bevölkerungspolitischen Debatte kritisch
gegenübersteht, die Zahlen der
bevölkerungspolitischen Hardliner um Herwig
BIRG ( Ziel dieser Gruppe ist die Rehabilitierung der "Deutschen
Mutter") übernimmt, dann zeigt dies das ganze
Ausmaß der Misere:
Die
Single-Lüge ist zum
unhinterfragbaren Selbstläufer geworden. Die Folgen sind ein
falsches Selbstbild der Kinderlosen.
Dann bedarf es solcher Geschichten von
biologischen Uhren und Zeugungsstreik, um die Gebär- und
Zeugungsunwilligen wieder zur Räson zu bringen.
Man darf sich dann auch nicht wundern, wenn
die Suche nach positiven Vorbildern erfolglos bleibt:
"Was aber wirklich fehlt, sind Vorbilder. Und damit
sind nicht karrieregeile, egoistische, einsame Frauen gemeint, und
schon gar nicht Prominente (...). Sondern Lebensentwürfe von
Frauen ohne Kind, die eben nicht mit Verantwortungslosigkeit,
Verweigerung oder Verbitterung verbunden werden.
Selbst der Journalistin Viola Roggenkamp gelingt es
in ihrem Buch Frau ohne Kind nicht, ein positives Bild der
kinderlosen Frau zu zeigen."
Was bleibt ist dann das resignative Bild von
der "Teilzeit-Tante" oder der Singlefrau mit Katze.
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REINECKE, Stefan (2005): "Die SPD kann sich bei Lafontaine bedanken".
Wenn die Linkspartei satt über 5 Prozent kommt, wackelt nicht nur
der schwarz-gelbe Sieg. Die gesamte Machtlogik im Parlament verändert
sich. Die FDP rückt an den Rand, die SPD in die Mitte. Doch die SPD
begreift das nicht,
in: TAZ v. 07.07.
- Inhalt:
Der Politikwissenschaftler
Franz WALTER sieht im Linksbündnis
einen wichtigen Faktor, der das Parteiensystem verändert und eine
Wählerschicht anspricht, die vernachlässigt wurde:
"Die Linkspartei versammelt ein Milieu,
das früher sozialdemokratisch orientiert gewesen wäre, von dem sich
die SPD aber wertemäßig entfernt hat. Die Linkspartei steht
konsequent für Sozialstaat, kollektive Güter und
Wohlfahrtsstaatlichkeit - und auch für die Interessen derjenigen im
öffentlichen Dienst und jener, die älter als 45 sind. Damit besetzt
sie einen vakanten Ort. Wo alle, zumindest rhetorisch, für
Deregulierung sind, vertritt sie alle, die Regulierung wollen. Wenn
sie das wie bisher ohne Chaos und Sektierertum schafft, dann kann
sie ein stabiler Teil der Parteienlandschaft werden."
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MICHEL, Sascha (2005): Vielleicht andersherum.
Reimut Reiche provoziert mit Thesen zur Homosexualisierung
heterosexueller Lebensformen,
in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
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MÜLLER, Franziska K. (2005): Einzige Perspektive: Seeblick.
Die Fernsehserie macht Pause, das Leben nie: Desperate Housewives
frieren auch an der Zürcher Goldküste. Hier erzählt die Vollzeitmutter
Katharina Wille-Gut aus ihrem Leben mit den drei K: Kreditkarte,
Kindergeburtstage, Koitus am Sonntag,
in: Weltwoche Nr.27 v. 07.07.
- Kommentar:
Matthias MATUSSEK hat uns kürzlich
im Spiegel gedroht, dass uns
- dank der jungen Konservativen - die Aufwertung der Vollzeitmutter
bevorsteht.
Die Weltwoche wirft
schon einmal einen Blick auf diese
"Frauen an seiner Seite" (Karin JÄCKEL):
"Die amerikanische Fernsehserie
‹Desperate Housewives› sehen wir uns nicht an. Ich kenne niemanden
aus meinem weiblichen Bekanntenkreis, der dies tut. Was ich über die
Soap gelesen habe, zieht mich nicht vor den Fernseher. Was soll am
privilegierten Alltag von gestressten Vollzeitmüttern und
Dauerhausfrauen lustig sein? Ich bin selbst seit zwanzig Jahren
dafür verantwortlich, dass Haus, Garten, Kinder und meine Wenigkeit
gut gewartet daherkommen und wir das Bild einer intakten,
wohlhabenden Familie abgeben. Ich bin 42 Jahre alt. Die
Rollenteilung ist in den gehobenen Kreisen oft so klar, wie zu Doris
Days Zeiten.
Goldküstenfrauen sind in der
Regel nicht berufstätig."
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BÖTTIGER, Helmut (2005): Und immer wird gerade jemand anderes geküsst.
Arm an Erfahrung und handwerklich solide geschult: Warum die
deutsche Gegenwartsliteratur so brav, ordentlich und monoton ist,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.07.
- Kommentar:
Helmut BÖTTIGER hat einen Gedanken
aus seinem
Tagesspiegel-Text
zum Fest des 5jährigen Bestehens des Göttinger
Literarischen Zentrums in der SZ ausgeweitet.
BÖTTIGER konfrontiert die
"Frauenliteratur" à la Judith HERMANN mit der Männerlyrik
von Blumfeld, Tocotronic und Schamoni. Dabei sehen die Frauen alt
aus.
BÖTTIGER kann hier nichts falsch
machen, denn er wiederholt nur das unisono zu vernehmende
Klagenfurt-Lamento
und kombiniert es mit dem nervenden 68er-Gestus, dass nach diesen letzten
Heroen hierzulande keine Generation mehr Erfahrungen aufzuweisen
hat.
Literaturkritik, die
genauso brav daher kommt wie die Literatur, die sie zu kritisieren
vorgibt, steht in der sattsam bekannten Tradition jener blassen
78er, die sich zur Zeit um
Matthias POLITYCKI scharen.
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BURMESTER, Silke (2005): Und das Herz hickst.
Der WDR geht mit der Single-Show "Liebe, Lisa" in den Sommer. Dass
das nicht in die Hose geht, liegt an einer Frau: Moderatorin Lisa
Ortgies,
in: TAZ v. 06.07.
- Inhalt:
BURMESTER stellt eine neue Single-Show vor:
"Viermal nimmt der WDR
»Liebe, Lisa!« ins Programm und begleitet Ortgies dorthin, wo
das Elend zu Hause ist. In die Wohnung, an den Arbeitsplatz, zu den
Freunden derer, die keinen haben, der sie liebt, ihr Leben teilt,
sie in den Arm nimmt, einen Tee kocht, wenn der Magen krampft.
Protagonisten einer Masturbationsgesellschaft, wie Oswald Kolle die
harten Fälle unter ihnen nennt. »Singles suchen ein Zuhause« ist der
entsprechende Untertitel, passend zu den in den Sommermonaten
verstärkt auftauchenden Rubriken der Tageszeitungen, in denen
ausgesetzte Hunde und Katzen »ein neues Zuhause« suchen. Und quasi
ergänzend zum zweiten Sommerformat des WDR, der Improvisationscomdey
»Coffeeshop«, starring: drei Singlefrauen.
Das Konzept von »Liebe, Lisa!« - bei dem Menschen in der Hoffnung,
einen Partner oder eine Partnerin zu finden, so weit gehen,
Schranktüren zu öffnen und vor der Kamera die Dinge nachstellen, bei
denen sie sich besonders blöd anstellen, wie spezielle Hausarbeiten
- verspricht einer Zuschauerschaft, die zunehmend aus dem Scheitern
anderer Vergnügen zieht, viel Spaß dank unfreiwillig komischer
Momente."
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KOENEN, Gerd (2005): Rainer, wenn du wüsstest!
Der Anschlag auf die Jüdische Gemeinde am 9. November 1969 ist nun
aufgeklärt - fast. Was war die Rolle des Staates?
in: Berliner Zeitung v. 06.07.
- Kommentar:
Die 68er-Bewegung terrorisiert uns weiter als
Zombie-Generation mit ihrem Traumata, das sie bereits an die
Generation Golf weitervererbt hat.
Sophie DANNENBERG hat in ihrem
Buch "Das bleiche Herz der Revolution" nur den
Urkonflikt zwischen SDS und Kommune I recycelt, ohne ihn zu
verarbeiten.
Die öffentliche
Demütigung der Politrocker durch die Kommunarden hat
Klaus HARTUNG
auf den wunden Punkt der narzisstischen Kränkung gebracht:
"Sie
verrieten ihre Familiengeschichte, sie verrieten ihre Privatheit.
Vor allem aber kehrten sie das Verhältnis von stark und schwach um
(...). Nicht der intellektuell gewappnete Politfunktionär hat etwas
zu sagen, sondern der, der Schwierigkeiten hat".
Wenn
Gerd KOENEN Pop/Sex und Gewalt zu den zwei Seiten einer Medaille
stilisiert, dann führt dieses Denken direkt weiter zu
Michel HOUELLEBECQ und zu
Sophie DANNENBERG.
Wann werden wir dieses elendige
Politrockertum überwinden?
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HARTWIG, Ina (2005): Sind sie konservativ, Thomas Meinecke?
in: Frankfurter Rundschau v. 06.07.
- Kommentar:
Thomas MEINECKE, Angehöriger der
Single-Generation, outet sich als Feuilleton-Katholik, der äußerlich
zur Generation Golf gehört haben könnte, als es sie noch gar nicht
gab, aber mental liegen dazwischen dann doch Welten:
"es
macht mir Spaß, gegenüber denen, die sich als progressiv gerieren,
als Konservativer in Erscheinung zu treten. Zum Beispiel in der
Schule: Wir hatten in Hamburg bereits in den mittleren Siebzigern
Lehrer, die durch »68« gegangen waren, so dass wir im Unterricht
Jerry Rubin lasen oder Günter Amendts Sexfront, und die Lehrer
wollten unbedingt von uns geduzt werden. Ich erinnere mich, wie ich
im Philosophieunterricht Nietzsche lesen wollte, das war schon so
ein konservativer Affekt; und nach dem Abitur habe ich mir
meterweise Ernst Jünger gekauft. Ich habe sogar gedacht, vielleicht
gibt es die Möglichkeit zur Konservativen Revolution. Im Endeffekt
bin ich aber doch ein alter Linker."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
01. - 05. Juli 2005
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