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News vom 06. - 10. Juli 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
 
  • KAUBE, Jürgen (2005): Vaters Kind ohne sicheren Boden.
    Die Identität, zwei Grundrechte und der DNA-Test bei der Vaterschaftsanfechtungsklage,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
 
  • BRANDT, Jan (2005): Schreiben ohne Tabu.
    140 Seiten Hölle: In "Sweet Sixteen" läßt Birgit Vanderbeke ihren Gedanken freien Lauf,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
    • Kommentar:
      Jan BRANDT verweigert eine inhaltliche Auseinandersetzung mit "Sweet Sixteen" von Birgit VANDERBEKE fast zur Gänze und übt stattdessen Sprachkritik am neuen Vanderbeke-Sound:

            
        "140 Seiten (...) (können) die Hölle sein. Vor allem dann, wenn die etwas mütterliche Ich-Erzählerin in einem Trendbüro arbeitet und ein zehn Kilo schweres Jugendsprachelexikon verschluckt zu haben scheint. (...). Jeder Begriff wird erklärt, als seien Vanderbeke-Leser hirnamputierte Hausfrauen. (...). Es gibt Dutzende Absätze, die sind so spannend wie eine Inhaltsangabe von »Christiansen«: »und hier solle also auch gleich auf die Gefahr der in Amerika aus dem Ruder laufenden 'Geeks' und 'Nerds' hingewiesen werden, die das abendländische Pendant zu den Otaka darstellen (...). Allerdings bezeichneten sich sowohl die Otaku als auch die Geeks als Couchpotatoes und seien im Grunde so eine Art Yuppies...« Aaaarrrgh!"  
 
  • MÜNCHHAUSEN, Anna von (2005): "Disziplinlosigkeit macht uns das Leben schwer".
    Schulleiter Bernhard Bueb nimmt Abschied von Salem: ein Gespräch über Elite, Lehrer und was sich in deutschen Schulen ändern muß,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 10.07.
    • Inhalt:
      Salem versteht sich als Kaderschmiede für die neue "Verantwortungselite" der Berliner Republik.

            
        Der scheidende Schulleiter Bernhard BUEB, geprägt von Katholizismus und Hartmut von HENTIGs Bielefelder Schule, erklärt den Stand der Dinge in Sachen Eliteschulen und deutschem Nationalcharakter:
            
        "Was man den Angelsachsen wirklich zugute halten muß, ist die Art und Weise, wie Lehrer mit jungen Menschen umgehen. Sie sind streng, aber unglaublich ermutigend. Deutsche Lehrer neigen zuweilen mehr zu Kritik als zu Ermutigung. Das liegt in unserem nationalen Charakter." 
 
  • BRUNS, Tissy & Stephan HASELBERGER (2005): "Ich werde neu vermessen".
    Andrea Nahles über die Erneuerung der SPD, die Rolle als Hoffnungsträgerin und ihren Kinderwunsch,
    in: Tagesspiegel v. 10.07.
    • Kommentar:
      Nachdem die Grünen mit GÖRING-ECKART und die FDP mit Silvana Koch-Mehrin  Schwangerschaften identitätspolitisch ausgeschlachtet haben, gilt das nun auch für die Genossinnen der SPD.

            
        Andrea NAHLES verlegt das Thema noch weiter vor, indem sie ihren Kinderwunsch öffentlich zur Debatte stellt:
            
        "Sie haben kürzlich in einem Interview von Ihrem Kinderwunsch gesprochen. Wie waren die Reaktionen?
      Sogar politische Freunde haben mir geraten, darüber nicht öffentlich zu sprechen, weil mir das als Politikerin schaden würde. Es hieß: „Vergiss es Andrea, du musst dich entscheiden.“ Das hat mich ziemlich sprachlos gemacht. Ich will, dass sich Frauen zwischen Karriere und Kindern nicht mehr entscheiden müssen – auch nicht in der Politik.
            
        Die niedersächsische Ministerin von der Leyen ist siebenfache Mutter. Gibt sie kein gutes Vorbild ab?
      Natürlich geraten die meisten Frauen in Schwierigkeiten, wenn sie Mutter und berufstätig sein wollen. Das muss man offen ansprechen, das müssen wir jungen Frauen in der Politik auch zeigen. Diese Auseinandersetzung muss auf den Tisch. Es ist doch verlogen, als Großbürgerin mit viel Personal die Supermutti zu geben und so zu tun, als gäbe es kein Problem. Ich möchte gern ein Kind haben und weiß, es wird nicht einfach.
      "
 
 
 
  • KAISER, Tina (2005): "Die Alten sind in der Überzahl".
    Björn Böhning ist 26 Jahre alt und Juso-Vorsitzender. Ein Expertengespräch über die Jugend von heute
    in: Welt am Sonntag v. 10.07.
    • Kommentar:
      Zwei 78er unter sich - nein, diesmal nicht 78er-Generation, sondern Geburtsjahrgang 1978.

            
        Tina KAISER versucht den Juso-Vorsitzenden Björn BÖHNING zum Generationenkrieg anzustiften, was jedoch nicht gelingt:
            
        "Die Babyboomer sind fast doppelt so geburtenstark wie unsere Jahrgänge. In ihrer gesellschaftlichen Position haben sie gar kein Interesse an Veränderung.
            
        Böhning: Ich glaube nicht, daß es so was wie Generationenegoismus gibt. Außerdem sind wir selbstbewußt genug, unsere Bedürfnisse artikulieren zu können. Ein Generationenkrieg würde uns im übrigen nicht helfen. Wir wären mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir den anzetteln würden. Die Alten sind in der Tat in der Überzahl."
 
  • AUGSTEIN, Franziska (2005): Kinder, lasst uns kichern.
    Ein Linker, der anderen zuhört. Ein Verleger, der an Bücher und nicht ans Geld denkt. Ein Flohzirkusdirektor: Besuch bei Klaus Wagenbach zum 75. Geburtstag,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
    • Kommentar:
      AUGSTEIN porträtiert den Verleger Klaus WAGENBACH, einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation, der die "Toskana-Fraktion" der 68er-Bewegung publizistisch mitgeprägt hat. 
  • MARTENSTEIN, Harald & Norbert THOMMA (2005): "Otto ist der Beste!".
    Innenminister Schily – super. Claus Peymann – grauenhaft! Martin Walser – na gut. Und wie hat Klaus Wagenbach als Linker gelernt, die Polizei zu lieben?
    in: Tagesspiegel v. 10.07.

 
  • MANGOLD, Ijoma (2005): Die Bretterbude der Zivilisation.
    Das geteilte Land mit dem berühmten Wirtschaftswunder: Eine Reise durch Südkorea, Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.07.
 
  • MEJIAS, Jordan (2005): Genesungsplan für die Gelähmten.
    Blick in amerikanische Zeitschriften: Abschied der Neocons, Hoffnung für die Fast-Linke,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.07.
    • Kommentar:
      MEJIAS berichtet über die Einstellung der neokonservativen Zeitschrift The Public Interest.

            
        Nachdem der Neokonservatismus zur "Regierungsreligion" geworden ist, besteht für das 40jährige Blatt um Irving KRISTOL kein Bedarf mehr. Mission erfüllt.
            
        MEJIAS stellt die Zeitschrift Dissent als "linksliberalen Gegenentwurf" zu Publict Interest vor. Besser wäre es jedoch von Kommunitarismus zu sprechen, denn dafür steht der Philosoph Michael WALZER. 
 
 
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN-Titelgeschichte:
Schluss!
Wenn Frauen verlassen werden, heulen, schreien, verzweifeln sie. Und manche sterben daran.
  • STADLER, Rainer (2005): Vorbei!
    Warum es so entsetzlich wehtut, wenn die Liebe zu Ende geht,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.27 v. 08.07.

 
 
  • SET (2005): Online-Vermittlung statt Kleininserat.
    Studie zur Partnersuche im Internet,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 08.07.
    • Inhalt:
      Ein Marktforschungsinstitut hat im Auftrag der Online-Partnervermittlungsagentur Parship (mit der auch die gesamte Mitte-Presse kooperiert) herausgefunden, dass die Mehrzahl der 14- bis 59jährigen Schweizer Internet-Nutzer die Online-Partnersuche gegenüber Kontaktanzeigen oder traditionellen Vermittlungsagenturen bevorzugt.  
 
 
  • BRAUN, Michael (2005): Geheul.
    Alpin: Das Leukerbader Literaturfestival zelebriert den Mythos der Rebellion,
    in: Freitag Nr.27/28 v. 08.07.
    • Inhalt:
      BRAUN u.a über die Epigonen der Beat-Generation und Thomas HETTCHE (Mitverfasser eines "Manifests" der wertkonservativen 78er):

            
        "Von den Prosaautoren brillierte Thomas Hettche mit der Lesepremiere aus seinem noch unvollendeten Roman Meerkatz oder die Liebe. Der Ich-Erzähler berichtet hier von einer Reise nach New York, ein Jahr nach den terroristischen Ereignissen des 11. September. Die Geschichte eines ominösen Mordes verschlingt sich auf seltsame Weise mit den unsicheren Orientierungsversuchen des Erzählers in New York."
 
 
ZITTY-Titelgeschichte:
Kleine Monster.
Hilfe! Kinder! Muss das sein?
  • KALLE, Matthias (2005): Achtung Baby!
    Die Deutschen sollen mehr Kinder bekommen, die Politik muss familienfreundlicher werden, sonst ist unsere Zukunft in Gefahr. Ein Besuch in Prenzlauer Berg kann einen aber auf ganz andere Ideen bringen,
    in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
    • Inhalt:
      Matthias KALLE mokiert sich über die Eltern vom Prenzlauer Berg, die "gerade eine neues Eltern-Bild" prägen, denn sie sind Akademiker, Besserverdienende, die gemäß dem FDP-Politiker Daniel BAHR in Deutschland zu wenig Kinder bekommen.

            
        KALLE weist darauf hin, dass der angeblich kinderreiche Vorzeige-Bezirk gar nicht so kinderreich ist (Anmerkung: das hatte schon Christian SCHWÄGERL in der FAZ vom 27.04.2005 mit zweifelhaftem Erfolg vorgemacht).
            
        KALLE kritisiert außerdem, dass die Prenzlauer-Berg-Eltern nur Eltern-Darsteller sind, die Kinder nicht der Kinder willen bekommen, sondern aus purem Egoismus. Die Folge: Ihr Leben unterscheidet sich nicht von dem der Kinderlosen, was KALLE ihnen ankreidet.
            
        Als Kinderloser sieht er sich jedoch in der Defensive, denn seit einiger Zeit ist Kinderkriegen ein "patriotischer Akt" und Kinderlose sind die Unverantwortlichen. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Stern-Titel "Land ohne Kinder".
            
        Bernd ULRICH (ZEIT v. 17.02.2005) stimmt er in einem Punkt zu, dass sich die Politik nicht einmischen sollte, denn Kinder zu instrumentalisieren ist das Allerletzte:
            
        "Sie sind schuldlos, sie können nichts dafür, dass sie angeblich zu wenig sind und vor allem können sie nichts dafür, wenn ihre Eltern sie aus der Sucht nach Selbstverwirklichung oder aus schlechtem Gewissen bekommen. Kann man eigentlich noch grausamer zu Kindern sein?  
  • MAISONOBE, Virginie (2005): "Was soll man sonst machen?"
    Kinder? Oder nicht? Sechs Antworten,
    in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
  • MAISONOBE, Virginie (2005): Nabelschau.
    Zahlen und Fakten rund ums Kinderkriegen,
    in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
  • SCHLENDER, Anja (2005): "Politische Milchmädchenrechnung".
    Demografie als Demagogie - ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge,
    in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
    • Inhalt:
      Christoph BUTTERWEGGE u.a. über die Folgen der Bevölkerungsentwicklung:

            
        "Seriöse Berechnungen zeigen, dass sich die Folgen des demografischen Wandels für die Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung in Grenzen halten. Die Höhe der Rente ist keine Frage der Biologie - »Wie alt ist die Bevölkerung?« -, sondern eine Frage der Ökonomie - »Wie groß ist der erwirtschaftete Reichtum?«. Und sie ist eine Frage der Politik - »Wie beziehungsweise auf wen wird der gesellschaftliche Reichtum verteilt?«. Deutschland braucht nicht mehr Kinder, sondern eine andere, sozial gerechte Politik, die es allen Generationen ermöglicht, ohne Angst vor Arbeitslosigkeit, Armut und Ausgrenzung zu leben."
  • GLÄSER, Heike (2005): Du wärst eine tolle Mutter.
    Teilzeit-Tante oder Single mit Katze: Was passiert, wenn Frauen ohne Kind leben,
    in: Zitty Nr.15 v. 07.07.
    • Kommentar:
      GLÄSER reproduziert die bevölkerungspolitisch korrekten, aber nichtsdestotrotz falschen Zahlen über die Kinderlosigkeit des Frauenjahrgang 1965:

            
        "Immerhin ist fast jede dritte Frau des Jahrgangs 1965 kinderlos geblieben, davon über 40 Prozent Akademikerinnen".
            
        Christian SCHMITT hat jedoch nachgewiesen, dass vom Jahrgang 1965 nur 20 Prozent kinderlos sind und dass bei den Akademikerinnen die Kinderlosigkeit unter 25 Prozent liegt
            
        Wenn jedoch selbst ein Blatt, das der bevölkerungspolitischen Debatte kritisch gegenübersteht, die Zahlen der bevölkerungspolitischen Hardliner um Herwig BIRG ( Ziel dieser Gruppe ist die Rehabilitierung der "Deutschen Mutter")  übernimmt, dann zeigt dies das ganze Ausmaß der Misere:
            
        Die Single-Lüge ist zum unhinterfragbaren Selbstläufer geworden. Die Folgen sind ein falsches Selbstbild der Kinderlosen.
            
        Dann bedarf es solcher Geschichten von biologischen Uhren und Zeugungsstreik, um die Gebär- und Zeugungsunwilligen wieder zur Räson zu bringen.
            
        Man darf sich dann auch nicht wundern, wenn die Suche nach positiven Vorbildern erfolglos bleibt:
            
        "Was aber wirklich fehlt, sind Vorbilder. Und damit sind nicht karrieregeile, egoistische, einsame Frauen gemeint, und schon gar nicht Prominente (...). Sondern Lebensentwürfe von Frauen ohne Kind, die eben nicht mit Verantwortungslosigkeit, Verweigerung oder Verbitterung verbunden werden.
            
        Selbst der Journalistin Viola Roggenkamp gelingt es in ihrem Buch Frau ohne Kind nicht, ein positives Bild der kinderlosen Frau zu zeigen."
            
        Was bleibt ist dann das resignative Bild von der "Teilzeit-Tante" oder der Singlefrau mit Katze.    
 
 
 
  • REINECKE, Stefan (2005): "Die SPD kann sich bei Lafontaine bedanken".
    Wenn die Linkspartei satt über 5 Prozent kommt, wackelt nicht nur der schwarz-gelbe Sieg. Die gesamte Machtlogik im Parlament verändert sich. Die FDP rückt an den Rand, die SPD in die Mitte. Doch die SPD begreift das nicht,
    in: TAZ v. 07.07.
    • Inhalt:
      Der Politikwissenschaftler Franz WALTER sieht im Linksbündnis einen wichtigen Faktor, der das Parteiensystem verändert und eine Wählerschicht anspricht, die vernachlässigt wurde:

            
        "Die Linkspartei versammelt ein Milieu, das früher sozialdemokratisch orientiert gewesen wäre, von dem sich die SPD aber wertemäßig entfernt hat. Die Linkspartei steht konsequent für Sozialstaat, kollektive Güter und Wohlfahrtsstaatlichkeit - und auch für die Interessen derjenigen im öffentlichen Dienst und jener, die älter als 45 sind. Damit besetzt sie einen vakanten Ort. Wo alle, zumindest rhetorisch, für Deregulierung sind, vertritt sie alle, die Regulierung wollen. Wenn sie das wie bisher ohne Chaos und Sektierertum schafft, dann kann sie ein stabiler Teil der Parteienlandschaft werden."
 
  • MICHEL, Sascha (2005): Vielleicht andersherum.
    Reimut Reiche provoziert mit Thesen zur Homosexualisierung heterosexueller Lebensformen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 07.07.
 
  • MÜLLER, Franziska K. (2005): Einzige Perspektive: Seeblick.
    Die Fernsehserie macht Pause, das Leben nie: Desperate Housewives frieren auch an der Zürcher Goldküste. Hier erzählt die Vollzeitmutter Katharina Wille-Gut aus ihrem Leben mit den drei K: Kreditkarte, Kindergeburtstage, Koitus am Sonntag,
    in: Weltwoche Nr.27 v. 07.07.
    • Kommentar:
      Matthias MATUSSEK hat uns  kürzlich im Spiegel gedroht, dass uns - dank der jungen Konservativen - die Aufwertung der Vollzeitmutter bevorsteht.

            
        Die Weltwoche wirft schon einmal einen Blick auf diese "Frauen an seiner Seite" (Karin JÄCKEL):
            
        "Die amerikanische Fernsehserie ‹Desperate Housewives› sehen wir uns nicht an. Ich kenne niemanden aus meinem weiblichen Bekanntenkreis, der dies tut. Was ich über die Soap gelesen habe, zieht mich nicht vor den Fernseher. Was soll am privilegierten Alltag von gestressten Vollzeitmüttern und Dauerhausfrauen lustig sein? Ich bin selbst seit zwanzig Jahren dafür verantwortlich, dass Haus, Garten, Kinder und meine Wenigkeit gut gewartet daherkommen und wir das Bild einer intakten, wohlhabenden Familie abgeben. Ich bin 42 Jahre alt. Die Rollenteilung ist in den gehobenen Kreisen oft so klar, wie zu Doris Days Zeiten.
            
        Goldküstenfrauen sind in der Regel nicht berufstätig."
 
  • BÖTTIGER, Helmut (2005): Und immer wird gerade jemand anderes geküsst.
    Arm an Erfahrung und handwerklich solide geschult: Warum die deutsche Gegenwartsliteratur so brav, ordentlich und monoton ist,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.07.
    • Kommentar:
      Helmut BÖTTIGER hat einen Gedanken aus seinem Tagesspiegel-Text zum Fest des 5jährigen Bestehens des Göttinger Literarischen Zentrums in der SZ ausgeweitet.

            
        BÖTTIGER konfrontiert die "Frauenliteratur" à la Judith HERMANN mit der Männerlyrik von Blumfeld, Tocotronic und Schamoni. Dabei sehen die Frauen alt aus.
            
        BÖTTIGER kann hier nichts falsch machen, denn er wiederholt nur das unisono zu vernehmende Klagenfurt-Lamento und kombiniert es mit dem nervenden 68er-Gestus, dass nach diesen letzten Heroen hierzulande keine Generation mehr Erfahrungen aufzuweisen hat.
            
        Literaturkritik, die genauso brav daher kommt wie die Literatur, die sie zu kritisieren vorgibt, steht in der sattsam bekannten Tradition jener blassen 78er, die sich zur Zeit um Matthias POLITYCKI scharen.   
 
  • BURMESTER, Silke (2005): Und das Herz hickst.
    Der WDR geht mit der Single-Show "Liebe, Lisa" in den Sommer. Dass das nicht in die Hose geht, liegt an einer Frau: Moderatorin Lisa Ortgies,
    in: TAZ v. 06.07.
    • Inhalt:
      BURMESTER stellt eine neue Single-Show vor:

            
        "Viermal nimmt der WDR »Liebe, Lisa!« ins Programm und begleitet Ortgies dorthin, wo das Elend zu Hause ist. In die Wohnung, an den Arbeitsplatz, zu den Freunden derer, die keinen haben, der sie liebt, ihr Leben teilt, sie in den Arm nimmt, einen Tee kocht, wenn der Magen krampft. Protagonisten einer Masturbationsgesellschaft, wie Oswald Kolle die harten Fälle unter ihnen nennt. »Singles suchen ein Zuhause« ist der entsprechende Untertitel, passend zu den in den Sommermonaten verstärkt auftauchenden Rubriken der Tageszeitungen, in denen ausgesetzte Hunde und Katzen »ein neues Zuhause« suchen. Und quasi ergänzend zum zweiten Sommerformat des WDR, der Improvisationscomdey »Coffeeshop«, starring: drei Singlefrauen.
      Das Konzept von »Liebe, Lisa!« - bei dem Menschen in der Hoffnung, einen Partner oder eine Partnerin zu finden, so weit gehen, Schranktüren zu öffnen und vor der Kamera die Dinge nachstellen, bei denen sie sich besonders blöd anstellen, wie spezielle Hausarbeiten - verspricht einer Zuschauerschaft, die zunehmend aus dem Scheitern anderer Vergnügen zieht, viel Spaß dank unfreiwillig komischer Momente."
 
 
 
  • KOENEN, Gerd (2005): Rainer, wenn du wüsstest!
    Der Anschlag auf die Jüdische Gemeinde am 9. November 1969 ist nun aufgeklärt - fast. Was war die Rolle des Staates?
    in: Berliner Zeitung v. 06.07.
    • Kommentar:
      Die 68er-Bewegung terrorisiert uns weiter als Zombie-Generation mit ihrem Traumata, das sie bereits an die Generation Golf weitervererbt hat.

            
        Sophie DANNENBERG hat in ihrem Buch "Das bleiche Herz der Revolution" nur den Urkonflikt zwischen SDS und Kommune I recycelt, ohne ihn zu verarbeiten.
            
        Die öffentliche Demütigung der Politrocker durch die Kommunarden hat Klaus HARTUNG auf den wunden Punkt der narzisstischen Kränkung gebracht:
            
        "Sie verrieten ihre Familiengeschichte, sie verrieten ihre Privatheit. Vor allem aber kehrten sie das Verhältnis von stark und schwach um (...). Nicht der intellektuell gewappnete Politfunktionär hat etwas zu sagen, sondern der, der Schwierigkeiten hat".
            
        Wenn Gerd KOENEN Pop/Sex und Gewalt zu den zwei Seiten einer Medaille stilisiert, dann führt dieses Denken direkt weiter zu Michel HOUELLEBECQ und zu Sophie DANNENBERG.
            
        Wann werden wir dieses elendige Politrockertum überwinden?
 
  • HARTWIG, Ina (2005): Sind sie konservativ, Thomas Meinecke?
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.07.
    • Kommentar:
      Thomas MEINECKE, Angehöriger der Single-Generation, outet sich als Feuilleton-Katholik, der äußerlich zur Generation Golf gehört haben könnte, als es sie noch gar nicht gab, aber mental liegen dazwischen dann doch Welten:

            
        "es macht mir Spaß, gegenüber denen, die sich als progressiv gerieren, als Konservativer in Erscheinung zu treten. Zum Beispiel in der Schule: Wir hatten in Hamburg bereits in den mittleren Siebzigern Lehrer, die durch »68« gegangen waren, so dass wir im Unterricht Jerry Rubin lasen oder Günter Amendts Sexfront, und die Lehrer wollten unbedingt von uns geduzt werden. Ich erinnere mich, wie ich im Philosophieunterricht Nietzsche lesen wollte, das war schon so ein konservativer Affekt; und nach dem Abitur habe ich mir meterweise Ernst Jünger gekauft. Ich habe sogar gedacht, vielleicht gibt es die Möglichkeit zur Konservativen Revolution. Im Endeffekt bin ich aber doch ein alter Linker."
   

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Zu den News vom  01. - 05. Juli 2005

 
 
   
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