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News vom 05. - 10. Juli 2006

 
 
     
 
 

Zitat des Monats:

"Anfang Juni 1986, erschien »The Marriage Crunch« (»Die Heiratskrise«). Das angesehene US-Nachrichtenmagazin (Anm.: Newsweek) behauptete unter Berufung auf eine neue Studie: »Weiße Frauen mit College-Ausbildung, die in der Mitte der 50er-Jahre geboren wurden und die mit 30 noch Single sind, haben nur eine 20-prozentige Chance auf Verheiratung ... 40-Jährige werden eher von einem Terroristen getötet: Sie haben eine winzige Chance von 2,6 Prozent, den Bund fürs Leben zu schließen.«
(...). Genau 20 Jahre später distanzierte sich »Newsweek« jetzt in einer neuen Coverstory nicht nur von dem Satz, sondern auch von den damaligen Zahlen. Mit einem gewissen Stolz stellt man aber fest: »Der Vergleich schlug feste Wurzeln in der Popkultur und wird immer noch routinemäßig in Fernsehshows und Nachrichtenbeiträgen zitiert.« Das gilt nicht nur für die USA - auch hierzulande fand die kesse These Eingang in Presseartikel und Partygespräche."
(Frank Gerbert im Focus Nr.24 vom 12.06.2006)

   
   
 
  • SZ-Thema des Tages: Adoptionen

    • KAHLWEIT, Cathrin (2006): Baby per Mausclick.
      Viele Paare adoptieren Kinder au illegale Weise im Ausland - Jugendämter schlagen Alarm,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
    • KAHLWEIT, Cathrin (2006): Süßer Anfang, harter Alltag.
      Die Probleme in Adoptionsfamilien,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
      • Inhalt:
        KAHLWEIT zitiert eine schwedische Studie, bei der die Lebenswege von 11.000 ausländischen Adoptivkinder untersucht wurden. Das Fazit: "Angenommene Kinder haben es in wohlhabenden Familien schwerer als in Arbeiterfamilien. Ursache seien zu hohe Erwartungen gut situierter Eltern.
    • NÄGER, Doris (2006): Die Reifeprüfung.
      Wer ein Kind annehmen will, muss in zahllosen Gesprächen und Seminaren seine Eignung nachweisen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
      • Inhalt:
        NÄGER berichtet, dass es 2004 nach Angaben des Statistischen Bundesamt ca. 1.600 Auslandsadoptionen gab.
    • NÄGER, Doris (2006): "Die Schweiz macht es besser".
      Experte Reinhardt lobt Nachbarn,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
 
  • SZ-Feuilleton-Thema: Millionenfacher Aufbruch.
    Die weltweite Wanderung und ihre Bilder

    • STEINBERGER, Petra (2006): Das Bollwerk Europa ist ein Rezept für den Abstieg.
      Wir brauchen mehr Migration, nicht weniger: Ein Gespräch mit dem amerikanischen Urbanisten Mike Davis,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
      • Inhalt:
        Der Stadtsoziologe Mike DAVIS sieht in mehr Zuwanderung die Lösung für die Sicherung der sozialen Sicherungssysteme:

                  
         "Solange die Deutschen nicht bereit sind, Kondome zu verbieten und öffentliche Fruchtbarkeitsrituale zu veranstalten, sollten sie akzeptieren, dass Zuwanderung ihre einzige Hoffnung ist, den Transfer von Renten- und Sozialleistungen an eine alternde Bevölkerung zu sichern.
                  
         (...).
        Immigranten, legal oder illegal, (...) sind der Hauptgrund dafür, dass die USA als einzige der reichen Länder eine demographische Dynamik besitzen."
    • RABE, Jens-Christian (2006): Ein Ton, ein falscher Schritt und alle enden im Loch.
      Tahar Ben Jalloun, Mahi Binebine, Norbert Zähringer: Wie Literaten die Milieus der großen Wanderung vermessen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
      • Inhalt:
        RABE schildert die Veränderung des Marokkobildes "vom mystischen Sehnsuchtsort der amerikanischen Bohème zur notorischen Station afrikanischer Armutflüchtlinge auf dem Weg nach Europa". Von Paul BOWLES und den Beatniks führt dieser Weg zu Tahar Ben JELLOUN und zu Mahi BINEBINE.
    • HARDENBURG, Nina von (2006): Das fügsame Tier.
      Billig, willig, mobil: Migranten sind die Arbeitnehmer der Zukunft,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
 
  • PORNCHLEGEL, Clemens (2006): Das göttliche Ding.
    Die Rückkehr der Religionen im Zeitalter der Globalisierung,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 10.07.
    • Inhalt:
      "Die Dandys der ironisch blasierten Postmoderne haben sich mittlerweile ins Kultur-Kriegerkostüm geworfen und bevorzugen das apokalyptische Register", erläutert uns PORNSCHLEGEL.

                
       Die Ursache sucht er mit Gilles LIPOVETSKY in den verunsichernden Effekten des Konsumismus: "Dem Mehr an privater Autonomie entspricht ein Mehr an intimen Krisen". Gefahren sieht PORNSCHLEGEL darin, dass die Religionen wie konsumierbare Allheilmittel behandelt werden: "als eine Art schnell wirkendes Erlösungsmedikament".
 
  • ACHATZ, Juliane/ALLMENDINGER, Jutta/DRESSEL, Kathrin/KLEINERT, Corinna (2006): Mütter sitzen selten im Chefsessel.
    Frauen haben noch immer kaum Chancen auf Spitzenpositionen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 10.07.
 
  • DERNBACH, Andrea (2006): "Ohne Einwanderer wird der Reformdruck steigen".
    Deutsche gehen, Ausländer bleiben weg - Migrationsforscher Bade warnt vor Risiken fürs Sozialsystem,
    in: Tagesspiegel v. 10.07.
 
  • KREKELER, Elmar (2006): Außerbetriebliche Affirmation.
    Wie man intellektuelle Obsessionen geschmeidig macht: Die Klagenfurt-Siegerin Kathrin Passig im Gespräch,
    in: Welt v. 08.07.
    • Inhalt:
      Kathrin PASSIG über die Zentrale Intelligenz Agentur:

                
       "Für mich war das ein privates Experiment. Ich war Anfang Dreißig, als das anfing, und hatte immer nur selbständig gearbeitet. Für mich war das eine Möglichkeit in die Welt der richtigen Arbeit hinein zu gucken, in Werbeagenturen, in Redaktionen. Holm Friebe, unser Cheftheoretiker, würde jetzt weit ausholen und über ironische Firmenkonstruktionen reden. Ich fand einfach die Kombination aus völligem Quatschprojekt und seriöser Firmenfassade reizvoll. Wir haben einerseits Brotjobs gemacht wie einen Trend-Newsletter für Daimler Chrysler, die sind teils interessant, teils auch bloß anstrengend und langweilig.
                
       WELT: Und davon erholen Sie sich bei Powerpoint Karaoke...
                
       Passig: Das war von vorneherein so geplant, daß von den Brotjobs der ZIA die lustigen Projekte finanziert werden sollten. Und das ist erstaunlich gut gelaufen.
                
       WELT: Die ZIA, der letzte Ausläufer der Achtziger, der Spaßgesellschaft?
                
       Passig: Glaube ich nicht. Es ist eine Umdrehung weiter gedacht. Die Mechanismen der Spaßgesellschaft werden auf die Arbeitswelt übertragen. Das ist ein bißchen wie mit Klagenfurt. Man nimmt das alles schon ernst in seinen Formen und Ausprägungen, aber so ernst auch wieder nicht. Wir sind vielleicht insofern ein Kind der Achtziger, als uns die Affirmation selbstverständlicher ist als Leuten, die ein paar Jahre älter sind. Daß die Arbeitswelt und die Politik eher eine freundliche Spielwiese für uns ist, als etwas, wogegen man Einspruch erheben müßte."
 
 
  • GASEROW, Vera (2006): Elterngeld.
    Kurzsichtig,
    in: Frankfurter Rundschau v. 08.07.
    • Inhalt:
      "Punktgenau zielt die Mehrheit des Bundesrats deshalb jetzt auf zwei politische Reizstellen: Kein Elterngeld für Asylbewerber, selbst wenn die noch so fleißig arbeiten. Und mehr Geld für Familien mit mehreren Kindern, in denen die Mütter über Jahre zu Hause bleiben. Die eine Forderung ist schlicht schäbig - menschlich, politisch. Die andere ist unvernünftig und kurzsichtig - im beruflichen Interesse der Frauen und im Interesse der Regierungschefin in Berlin", meint GASEROW.
 
 
 
  • Unterhaltsrecht - Ledige Mütter

    • KNAPP, Ursula (2006): Härtefall ledige Mutter.
      Bundesgerichtshof billigt längeren Unterhaltsanspruch zu, wenn früher eheähnliche Gemeinschaft bestand,
      in: Tagesspiegel v. 06.07.
    • BRUNS, Tissy (2006): Alleinunterhalter.
      Ein BGH-Urteil im Trend: Die Rollenverteilung von Mann und Frau existiert nicht mehr,
      in: Tagesspiegel v. 06.07.
    • BOMMARIUS, Christian (2006): Länger Unterhalt für ledige Mütter.
      Bundesgerichtshof hält in Grundsatzurteil jedoch am Privileg der Ehe fest,
      in: Berliner Zeitung v. 06.07.
 
 
  • FRIEBE, Holm (2006): Wo kommt das alles plötzlich her?
    Ironieverdacht? Verschwörungstheorien? In den vergangenen Tagen konnte man einiges über die Berliner Bachmann-Preisträgerin Kathrin Passig lesen. Vieles war Unsinn. Hier nun ein schonungsloser Offenbarungstext über die wahren Hintergründe der Autorin und das Geschäftsjahr 2006 der ZIA,
    in: zitty v. 06.07.
    • Inhalt:
      Holm FRIEBE schildert die Zentrale Intelligenz Agentur in der Tradition der "Muße-Gesellschaft", die Bernd CILLOUX in dem Roman "Das Geschäftsjahr 1968/69" beschrieben hat:

                
       "»Jeden Tag gerieten wir aufs neue in kontroverse Debatten und vertieften aufs neue das unendliche Thema von Sinn, Zweck und Zukunft der Muße-Gesellschaft. Mit welchem Anspruch wollten wir demnächst auftreten? Als Künstlergruppe, als elektrische Derwische mit dem Blitz der Erleuchtung durch die Republik ziehen? Oder doch als Firma, als kleines, seine wahren Absichten verschleierndes Unternehmen. Das hörte sich schnöde an. Es musste noch etwas anderes geben.« Ich fühlte mich and ie ZIA erinnert und hatte das Buch zu Weihnachten an alles engeren Mitarbeiter verschenkt. Cailloux schrieb über uns, wenn er schrieb: »Noch immer schwebte mir eine lose Gruppierung, eine Firma im Schwebezustand vor, ein improvisierter, spielerischer Betrieb, ähnlich dem einer Band als der Höchstform für Teams und aus der Lamäng hingeschlackert - eine Firma als Tarnkappe auch bei der Suche nach besseren Lebenszwecken.« Genauso musste es sein. Vielleicht hatte ich es nur selbst noch nicht kapiert."
                
       Zum Schluss widerspricht FRIEBE noch - als Sprachrohr der digitalen Bohème - der zukünftigen zitty-Chefredakteurin Mercedes BUNZ:
                
       "Wenn Mercedes Bunz im April in dieser Zeitung unter der Überschrift »Meine Armut kotzt mich an« mehr ökonomischen Druck und kommerzielle Auftraggeber für Berlin einfordert, damit die »urbanen Penner« endlich Haltung annehmen und ans Geldverdienen herangeführt werden, kann ich für die ZIA sagen, dass das Gegenteil richtig war: Halbherzige Brotjobs knicken und sich ganz auf das konzentrieren, was man selbst interessant findet. Es kommt darauf an, wie die Programmierer-Legende Paul Graham im Essay »How to do what you love« auf seiner Website schreibt, wieder mehr zu tun, was man liebt (...). Die digitale Bohème verfügt über die technischen Produktionsmittel, eigene Ideen umzusetzen und davon zu leben."
                
       Der zitty-Artikel bietet einen Vorgeschmack auf das im September erscheinende Buch "Wir nennen es Arbeit - Die digitale Bohème oder Intelligentes Leben jenseits der Festanstellung" von Holm FRIEBE und Sascha LOBO.
 
  • LANDWEHR, Maren (2006): Wenn Singles reisen.
    Urlaub sollte eigentlich für alle Menschen erholsam sein. Aber während sich die einen monatelang auf die schönste Zeit des Jahres vorbereiten, beginnt für andere der Alptraum spätestens im Reisebüro,
    in: Die ZEIT online v. 06.07.
 

ZEIT -Thema: Was ist männlich?

  • KRUPA, Matthias (2006): Der Traum der Väter.
    Männer sind längst nicht mehr familienfaul und haushaltsscheu. Wenn man sie lässt, sind sie gerne Vorbild, Koch, Erzieher. Aber wer verdient dann das Geld?
    in: Die ZEIT Nr.28 v. 06.07.
 
  • COULMAS, Florian (2006): Keine Angst!
    Die Japaner blicken nach vorn und sehen nichts Gutes,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.07.
 
  • Rente nach Kinderzahl

    • RATH, Christian (2006): Drei Väter wollen Kinderlose bluten sehen.
      Väter wollen keine Rentenbeiträge zahlen, weil sie Kinder erziehen. Heute Entscheidung beim Bundessozialgericht,
      in: TAZ v. 05.07.
    • WORTASCHKA, Rainer (2006): Väter klagen gegen ihre Rentenbeiträge,
      in: TAZ v. 05.07.
      • Inhalt:
        "Vor drei Jahren hatte das Bundessozialgericht die Kläger schon einmal vor sich sitzen – und sich, wie der Sozialrichter Jürgen Borchert meint, »in juristisch blamabler Weise seitwärts in die Büsche geschlagen«. (...).
        Siegfried Schmidtke, Thomas Otten und Siegfried Stresing werden heute in Kassel erneut versuchen, das bestehende Rentenversicherungsrecht kippen", berichtet WORTASCHKA.
 
  • FR-Tagesthema: Unterhaltsrecht - Ledige Mütter

    • KNAPP, Ursula (2006). Zweierlei Maß für Mütter.
      Geschiedene bekommen länger Unterhalt vom Kindesvater als Ledige - Streitfall landet vor dem Bundesgerichtshof,
      in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
    • KNAPP, Ursula (2006). Langer Weg zum Kindeswohl.
      Ledige Mütter wurden in der Bundesrepublik benachteiligt,
      in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
    • KAPPUS,  Monika (2006): "Alte Zöpfe abschneiden".
      Moderne Familienpolitik verlangt. VAMV-Lobbyistin Edith Schwab dringt auf einen Kinder-Betreuungsanspruch von Geburt an,
      in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
    • GASEROW, Vera (2006): Unterhaltsrecht wird novelliert.
      Regierung wartet gespannt, ob die Reform vor Gericht besteht,
      in: Frankfurter Rundschau v. 05.07.
 
  • FREUND, Wieland (2006): "Weitgehend humorfreie Zone".
    Der Wiener Medienaktivist Konrad Becker über die Macht von Informations-Agenten,
    in: Welt v. 05.07.
    • Inhalt:
      Wieland FREUND spricht mit Konrad BECKER über die Zentrale Intelligenz Agentur, die durch den Sieg von Kathrin PASSIG beim Bachmannwettbewerb in Klagenfurt in den Blickpunkt der Medien rückte:

                
       "WELT: Kathrin Passig ist Mitglied der »Zentralen Intelligenz Agentur« (ZIA). Was muß man sich darunter vorstellen?
                
       Becker: Nicht nur ein amüsantes Interface für eine PR-Agentur und ein cleveres Branding als »Intelligence Agency«, sondern ein klug gewähltes Auftreten, das auf relevante gesellschaftliche Entwicklungen verweist. In der Welt der post-fordistischen Informationsökonomie sind wir zunehmend mit dem Phänomen einer unüberschaubaren Menge von Informationsagenturen konfrontiert, die über teilweise astronomische Ressourcen verfügen. Es handelt sich dabei nicht nur um klassische staatliche Nachrichtenagenturen und Geheimdienste, sondern zunehmend um eine komplex verschachtelte Welt privater ThinkTanks, PR-Agenturen, Business Intelligence Units, Strategic Communication Büros, Riskio-Management-Firmen und Private Military Companies, deren Auftrag und Interessenlage im Dunkeln bleiben."
 
 
 
   

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