[ News-Hauptseite ] [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]

 
   

Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
News: 01.-15. Juni 2002
News: 16.-31. Mai 2002
News: 01.-15. Mai 2002
News: 16.-30. April 2002
News: 01.-15. April 2002
News: 16.-31. März 2002
News: 01.-15. März 2002
News: 15.-28. Februar 2002
News: 01.-14. Februar 2002
News: 16.-31. Januar 2002
News: 01.-15. Januar 2002
News: 16.-31.Dezember 2001
News: 01.-15.Dezember 2001
News: 16.-30.November 2001
News: 01.-15.November 2001
News: Oktober 2001
News: September 2001
News: 16.-31.August 2001
News: 01.-15.August 2001

News: 16.-31.Juli 2001
News: 01.-15.Juli 2001
News: 16.-30.Juni 2001
News: 01.-15.Juni 2001
News: 16.-31.Mai 2001
News: 01.-15.Mai 2001
News: April 2001
News: März 2001
News: Februar 2001
News: Januar 2001
News: Dezember 2000
News: November 2000
News: Oktober 2000
News: September 2000
News: August 2000
News: Juli 2000
News: Juni 2000
News: Mai 2000
News bis Mai 2000

 
       
     
       
       
   

News vom 16. - 30. Juni 2002

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Einer meiner ersten bezahlten Jobs bestand in der freien Mitarbeit als Szene-Reporterin in der Frankfurter Prinz-Redaktion. Auch dort wurden Lifestyle-Trends gemacht beziehungsweise frei erfunden. Oder gab es sie wirklich? Man konnte nie sicher sein, was zuerst da war, der Trend oder die Idee des Trends."
(
Katja Kullmann in "Generation Ally", 2002)

 
       
       
     
       
   

Im Gegensatz zum kinderlosen Mann über 30, strahlt Maxim LEO die Selbstgefälligkeit eines Vaters aus, der Kinderlose als Identitätsstütze missbraucht:

"Wir haben Caroline und Hans nicht wieder gesehen. Es war der letzte Versuch gewesen, etwas aus unserem früheren Leben zu retten. Es war ein Fehlschlag. Wir waren Papa und Mama. Es ließ sich nicht verleugnen. Viel später erst haben wir begriffen, dass auch Caroline und Hans gar nicht anders sein konnten, als sie es an diesem Abend waren und als sie es wahrscheinlich heute noch sind. Wir haben begriffen, dass sie unser Kind ignorieren mussten, um nicht selbst in den Strudel der Sehnsüchte gerissen zu werden. Wir haben begriffen, dass ihre Perfektion und Geschäftigkeit nur den Sinn hat, die Leere in ihrem Leben zu verdrängen.
Heute können wir sie verstehen. Die Freiheit, die sich die Paare bewahren, indem sie bewusst auf Kinder verzichten, muss erdrückend sein. Es muss furchtbar sein, ständig tun zu können, was man will."

Die Geschichte von LEO ist eine Variante von Paul WATZLAWICKs berühmter Geschichte mit dem Hammer ("Anleitung zum Unglücklichsein", 1983). In jener Geschichte benötigt ein Mann einen Hammer, um ein Bild aufzuhängen. Sein Nachbar besitzt einen Hammer, aber der Mann zweifelt an dessen Hilfsbereitschaft:

"Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir einen Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und dann bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht's mir wirklich. - Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch noch bevor er 'Guten Tag' sagen kann, schreit ihn unser Mann an: 'Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!"

LEO missbraucht in seiner Geschichte ein kinderloses Paar, um sich seine neue Identität zu bestätigen:

"Wir wollten etwas über uns erfahren. Wir wollten wissen, ob wir uns in diesen paar Monaten wirklich so verändert hatten. Wir wollten wissen, ob es noch möglich ist, einen Abend mit Caroline und Hans zu verbringen, so, wie wir früher Abende miteinander verbracht hatten. Es war ein Versuch.
            Wir nahmen uns vor, unter keinen Umständen das Thema Kinder zu berühren. Wir wollten auch nicht darüber reden, wie sehr es uns verletzt hatte, dass sie sich seit der Geburt von Anais nicht bei uns gemeldet haben. Wir wollten an diesem Abend einfach mal nicht Eltern sein. Praktisch kinderlos."

Der Ablauf des Abends ist nach dem Schema von WATZLAWIKs Geschichte vorprogrammiert. Am Ende kann LEO das Eltern-Dasein selbstzufrieden als die einzig richtige Lebensform definieren:

"Wir sind die funktionierenden Apparate einer Fortpflanzungskette. Und weil wir uns um das Überleben der Menschheit und die Rentenversicherung verdient machen, verschont man uns mit Fragen nach uns selbst. Weil wir einmal das Richtige getan haben, sind für immer entschuldigt für alles, was wir tun."

Feindbild "Single" - Die Funktion des Feindbildes als Identitätsstabilisator für unzufriedene Eltern
 
       
   
  • JOCKS, Heinz-Norbert (2002): Houellebecq: Sex mildert die Sorgen.
    Interview mit dem französischen Skandalautor,
    in: Neuß-Greuvenbroicher Zeitung v. 29.06.

 
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • ROTEN, Michèle (2002): Was Frauen wollen.
      Welche Mindestanforderungen muss ein Mann erfüllen, damit er den Sommer nicht alleine verbringt? Betrachtungen zur Badesaison,
      in: Weltwoche Nr.26 v. 28.06.

 
       
   
  • SZYDLIK, Marc (2002): Nicht weit vom Stamm.
    Die Solidarität zwischen Alten und Jungen ist intakt. Das hat Konsequenzen für die Sozialpolitik,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.

  • TENBROCK, Christian & Wolfgang UCHATIUS (2002): Raus aus dem Altersgefängnis.
    Die Deutschen werden grau. Junge Menschen sind bald eine kleine Minderheit. Deshalb braucht das Land eine neue Sicht dessen, was Altsein bedeutet und was Alte leisten können. Der Staat muss seinen Bürgern eine neue Freiheit geben: So lange zu arbeiten, wie sie wollen. Altersgrenzen gehören abgeschafft,
    in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.

Christian TENBROCK & Wolfang UCHATIUS sind im Gegensatz zu Marc SZYDLIK sozialpolitische Polarisierer. Im Rückgriff auf Roland und Andrea TICHY versuchen die beiden Autoren die Generationen gegeneinander auszuspielen:

"Der durchschnittliche Deutsche in mittleren Jahren gehört heute zu den reichsten Menschen der Welt. Wer glaubt, das liege vor allem an deutscher Wirtschaftskraft, übersieht die Bedeutung der Demografie. Ein Geheimnis des Wohlstands ist: Seit dem Zweiten Weltkrieg mussten die berufstätigen Deutschen nie so wenig Kinder und alte Menschen versorgen. Die einen wurden nie gezeugt, die anderen starben im Krieg. »Wir leben im Zeitalter des demographischen Hedonismus«, schreiben die Autoren Roland und Andrea Tichy in ihrem Buch Die Pyramide steht Kopf: Wer heute arbeitet, hat mehr Geld übrig als alle Generationen zuvor. Geld für ein Haus, das zweite Auto, den dritten Urlaub. Geld, das bald fehlen wird."

Die sozialen Ungleichheiten innerhalb einer Generation, die sich im Hinblick auf die Erbengeneration noch verschärfen, werden hier ausgeblendet.

Christoph Butterwegge - Demografie als sozialpolitische Demagogie
 
       
   
  • Singles und ihre Ängste

    • NÜBEL, Rainer (2002): Flucht ins Gefängnis.
      Jeder kennt das Gefühl der Angst. Und dass es vorübergeht. Bei manchen kommt es immer wieder - regelmäßig und zerstörerisch. Peter Mohr traut sich seit zwölf Jahren nicht mehr, aus dem Haus zu gehen,
      in: Die ZEIT Nr.27 v. 27.06.

Rainer NÜBEL berichtet über die Zunahme von Angststörungen: "Zwölf Jahre. In dieser Zeit haben Freunde geheiratet, Kinder bekommen, sich wieder scheiden lassen, den Job gewechselt, manche haben Karriere gemacht, sind umgezogen, in Urlaub gefahren - oder nur mal in die Kneipe gegangen. Peter Mohr ist in diesen zwölf Jahren nicht mehr aus dem Haus gegangen, ist auf der Stelle getreten, im wahrsten Sinne des Wortes. Sein Leben steckt fest auf 145 Quadratmetern. Schlafzimmer, Küche, Wohnzimmer, Flure, Toilette, Keller. Es ist das Haus, in dem Mohr aufwuchs und mit seiner 76-jährigen Mutter lebt."
 
       
     
       
     
       
   
  • Deutschlands Zukunft im Spiegel der Öffentlichkeit

    • LPT (2002): Viele wollen die Zahlen noch nicht wahrhaben.
      Dr. Eberhard Leibing über die Folgen des Bevölkerungsentwicklung in Deutschland: Alterspyramide wird auf den Kopf gestellt,
      in: Reutlinger General-Anzeiger v. 26.06.

 
       
   
  • Jonathan Franzen - Die Korrekturen

    • JÄHNER, Harald (2002): Mythen des Heilemachens.
      Jonathan Franzens Familienroman "Die Korrekturen" entwirft die Welt als Besserungsanstalt,
      in: Berliner Zeitung v. 26.06.

 
       
     
       
   
Yuppies nannte man sie früher , heute heißen sie Bobos oder Yetties (hier: Yetis). Das sind jene, die Silke HOHMANN für den Identitätsverlust der Städte (früher: Yuppisierung) verantwortlich macht:

"An Stelle einer vertikal ausgerichteten Bodenhaftung tritt ein horizontales Netz von Verbindungen, das Grenzen übertritt, aber keine Verankerung hat. Dieses richtet sich nach individuellen Bedürfnissen aus, statt in lokalen Gegebenheiten ein."

Bauhaus-Studenten, das sind die gegenwärtigen Pioniere, die Teil eines neuen Yuppisierungs-Zyklus sind, kritisieren das Ergebnis ihrer Vorläufer mit einer Ausstellung.

 
       
   
  • STOLTERFOHT, Barbara (2002): Auch Papa kann staubsaugen.
    Die familienpolitische Sprecherin der SPD, Renate Schmidt, über neue Rollenbilder und moderne Lebensformen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 25.06.

 
       
     
       
     
       
   
  • KUSICKE, Susanne (2002): Blues.
    Bestellt und nicht abgeholt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 23.06.

Susanne KUSICKE versucht sich in ihrer allsonntäglichen Blues-Kolumne als eine deutsche Helen FIELDUNG. Ob sich dadurch die Generation Ally an das Blatt binden lässt? Ein bisschen mager ist das schon:

"In dem großen Katalog lag außerdem ein kleiner, 'Singles zum Verlieben', den habe ich auch noch durchgearbeitet, aber mit weniger Erfolg, in meiner Gegend gibt's nur Gift (...). Das schlimmste daran war: die Jahrgänge gingen von 1975 abwärts, die Jungs sind glatt zehn Jahre jünger, außer Wali mit seinen drei Zuckermädchen. Meine Wahl fiel dann auf Dieter, der sich immerhin der dreißig nähert, ein Caterer aus Hügelsheim. Seine Stärken: schlafen, zuspätkommen. Wird traurig, wenn er früh aufstehen muß. Haßt Pingeligkeit. Das paßt. Bestellnummer MA3/10/07. Und einen Bauch hat er auch. Serena"

 
       
     
       
   
  • MÖLLER, Ute (2002): Lehrstunde zwischen den Supermarkt-Regalen
    Die Verbraucherzentrale bietet seit einigen Monaten mit "Diner for one" ein Einkaufstraining für Singles an,
    in: Nürnberger Nachrichten v. 22.06.

 
       
     
       
   
  • LOHMANN, Hans-Martin & Katherine STROCZAN (2002): Traum-Kultur.
    oder Die Hegemonie des Exzesses,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.06.

Der Situationist Guy DEBORD und seine Gesellschaft des Spektakels sind fast ein halbes Jahrhundert nach seiner Niederschrift in der Neuen Mitte angekommen. Bereits die britische Punkbewegung hatte den Situationismus adaptiert wie Greil MARCUS in seiner Kulturgeschichte Lipstick Traces. A Secret History of the Twentieth Century (1989) nachgewiesen hat. Aber erst die Debatte um das Ende der Spassgesellschaft scheint nun dem Situationismus zu neuen Ehren zu verhelfen.
 
       
     
       
     
       
   
  • REST, Tanja (2002): Die neue Mitte.
    Hollywood und die Modeindustrie haben das Mutterwerden zum irrwitzigen Trend erhoben,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 22.06.

Tanja REST arbeitet am neuen Klischee der sexy Schwangerschaft. Die Schauspielerin Sarah Jessica PARKER aus der TV-Serie Sex and the City  dient dazu als neues Rollenmodell.
 
       
   
  • MERKEL, Andreas (2002): Funktionieren wollen, leiden müssen.
    Die Liebe, ach: Mit Tests und Trainings rücken die Frauenzeitschriften den Gefühlen zu Leibe - psychische Krisen sollen mit Selbsterzählungen kuriert werden. Kleiner Rundgang durch die seltsame Gattung der populären Psychologie-Aufsätze
    in: TAZ v. 22.06.

 
       
     
       
   
  • PEUKERT, Brigitte (2002): Familie erforschen,
    in: Thüringische Landeszeitung v. 21.06.

Brigitte PEUKERT meldet die Einrichtung eines Stiftungslehrstuhls für Familienwissenschaft in Erfurt. Dies sei eine bedeutende Errungenschaft. Tatsache ist jedoch, dass die Familienforschung innerhalb der Sozialwissenschaft dominant ist. Die Begründung der Wissenschaftsministerin ist deshalb skurril:

"Familienwissenschaft ist bisher in Deutschland kein Forschungsschwerpunkt und das obwohl es immer mehr Scheidungen, Alleinerziehende und Singles gibt".

Was in Deutschland fehlt, das ist in erster Linie eine eigenständige Paarforschung. In deren Rahmen müssten ganz andere Fragestellungen im Hinblick auf das Single-Dasein gestellt werden, als dies im Rahmen der traditionellen Familienforschung der Fall ist.

 
       
     
       
   
Christoph Butterwegge - Demografie als sozialpolitische Demagogie
 
       
   
Thomas MEDICUS macht sich anlässlich der FAZ-Krise und des Kulturbetriebs Gedanken über die Zukunft der Single-Generation:

"Die vielen vergangenen Jahre bedenkend, gab sich der Briefschreiber und Buchzusender gleich zu Beginn als ehemaliger Mitbewohner einer Wohngemeinschaft zu erkennen, die vor zwanzig Jahren in Hamburg wenige kurze Sommer der Kontemplation erlebt hatte.
            Der ironische Ton (...) ließ (...) die Atmosphäre der frühen achtziger Jahre wiedererstehen. Mit den Wohngemeinschaften ging es damals zu Ende, man begann seinen Weg auf eigene Faust zu suchen - und der sollte nicht mehr aus der Gesellschaft heraus, sondern in sie hineinführen. Zwanzig Jahre später ist das Ergebnis allerdings noch immer ungewiss. (...). Er sei habilitiert, teilt der Briefschreiber nicht ohne Stolz mit, seine Stelle laufe aber Ende des Jahres aus. Mit Anfang Fünfzig sehe er deshalb eine äußerst interessante Situation auf sich zukommen.
            Noch vor kurzer Zeit hätte man solche Äußerungen als generationsspezifisch bezeichnen können: die ironisch-melancholische Klagerhetorik der in den fünfziger Jahren geborenen Kinder des Konsums, die noch immer dem Glauben an lineare Biographien anhängen, wiewohl ihre eigenen Karrieren mehr Brüche als Kontinuitäten aufweisen. Wenn die Zeichen nicht trügen, wird es jedoch in Zukunft außer biographischen Brüchen überhaupt nichts mehr anderes geben."

Die glücklichen Singles - Ein Manifest der Single-Generation
 
       
     
       
   
Eberhard SEIDEL kritisiert seine Generationsangehörigen. Die Kritik ist jedoch leicht veraltet. Bereits Mitte der 1980er Jahren hat Matthias HORX eine Bestandsaufnahme der Single-Generation geleistet, die SEIDEL nicht erweitert und Ulrich BECK hat Anfang der 1990er Jahre in Das ganz normale Chaos der Liebe den Katzenjammer der Männer beschrieben, den SEIDEL hier zum x-ten Male wiederholt. SEIDEL spricht auch nicht für die Single-Generation, sondern nur für das grün-alternative Milieu, das seiner Meinung nach von überzogenen Erwartungen Abschied genommen hat:

"Die Frauen und Männer der Generation 40 plus haben ihre großen gemeinsamen Projekte hinter sich. Bereits vor Jahren haben sie sich lautlos von der Alternativbewegung mit ihren totalitären Ansprüchen an ein gemeinsames Wohnen-Leben-Arbeiten verabschiedet. Etwas schwerer fällt das Eingeständnis, dass auch das Glücksversprechen der neuen Partnerschaft etwas Monströses in sich getragen hat. Es schmerzt und erklärt, weshalb der Anteil an Verhärmten, Frustrierten und Zynikern in dieser Altersgruppe so ungleich viel höher ist als in anderen."

Beim Jammern ist SEIDEL konkret, abstrakt wird es wenn er geheimnisvoll von "jahrelange Verdrängung geheimer Wünsche" schreibt, um dann fort zu fahren:

"Ihre Partei, die Grünen, versucht es mit nachholender Entwicklung. Die Erfahrungen aus dem kollektiven Scheitern endeten in ihrem neuen Schwerpunktthema - der Familienpolitik. Andere gönnen sich bei der Vergangenheitsbewältigung mehr Spaß - in Tantragruppen und der ganzen Produktpalette, die Männern wie Frauen Hilfestellung bei der Suche nach sexueller Erfüllung verspricht. Die einst so hoch moralische Generation lernt: Nur kein Sex ist schlimmer als bezahlter."

Das Projekt "Familienpolitik" ist definitiv kein Projekt der Single-Generation mehr, sondern der grünen Kinderpolitiker aus der Generation Golf. Die Grünen sind damit immer noch eine 1-Generationen-Partei, aber sie haben einen Generationenwechsel vollzogen, der alte Wählerschichten anderen Parteien und den Nicht-Wählern zutreibt.

 
       
   
  • CASPARI, Patricia (2002): Quadratisch, praktisch, gut.
    Mut zur Hässlichkeit: Wer in Berlin hip sein will, den zieht's in den Plattenbau,
    in: Rheinischer Merkur Nr.25 v. 20.06.

Wann ist ein Trend ein Trend? Wenn er in den Medien steht! In den 1980er Jahren wurde hierzulande das Konzept "Yuppisierung" aus den USA exportiert und wird inzwischen offensichtlich als gezielte Strategie eingesetzt. Im Bericht werden Studentinnen und Kulturschaffende als Trendsetter - der Berliner Soziologe Hartmut HÄUSSERMANN ("Neue Urbanität") bezeichnete sie noch als Pioniere - vorgestellt. Sie finden "Zurück zum Beton" chic (Das war ein Punk-Slogan und Punk erlebt spätestens seit dem Erfolg von Michel HOUELLEBECQ eine Renaissance).

Wie vermarktet man leer stehende Häuser und Wohnanlagen, in die normalerweise keiner ziehen möchte? Der Artikel bietet eine Antwort. Mit Unterstützung der Medien könnte tatsächlich der Trend entstehen, der hier herbei geschrieben wird:

"Aber hat sich der Retro-Wohntrend auch schon in Zahlen für die Baugesellschaften bemerkbar gemacht? Der Zuzug von jungen Trendsettern sei noch zu gering, um zahlenmäßig von einem Trend sprechen zu können, teilen die Wohnbaugesellschaften in Mitte und Friedrichshain mit. Und auch die gewerbliche Nutzung der Karl-Marx- und Frankfurter Allee sei nur schwach gestiegen, leer stehende Geschäfte herrschen noch immer vor. Katja ist jedoch zuversichtlich, dass sich auch das bald ändern wird."

 
       
   
  • ZELLNER, Josef (2002): Über alles reden.
    Nicht so verkniffen: Lockerungsübungen der verständnisvollen Gesellschaft,
    in: Rheinischer Merkur Nr.25 v. 20.06.

Josef ZELLNER setzt der politischen Korrektheit die verständnisvolle Gesellschaft als Beschreibungsformel für unsere Gegenwart entgegen:

"Unsere moderne Mediengesellschaft ist eine verständnisvolle Gesellschaft. Man kann über alles reden. Jene Tabus, die noch vor wenigen Jahrzehnten zu hochgezogenen Brauen bei Eltern und Großeltern führten, gibt es nicht mehr. Jenes Erstarren, das die Älteren erkennbar befiel, wenn Kinder und Jugendliche etwas über Sexualität, uneheliche Kinder oder den regelmäßigen Männerbesuch der Nachbarin wissen wollten, scheint Äonen zurückzuliegen."

Tatsächlich sind diese Arten der Diskriminierung weitgehend verschwunden. Der Wohnungsmarkt hätte ansonsten auch nicht zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor werden können. Die Mechanismen der Diskriminierung haben sich verändert und die Sozialpolitik sowie die Medien spielen dabei die zentrale Rolle. Die Bevölkerungspolitik (Schlagwort "demografischer Wandel") setzt nicht mehr auf die Kontrolle durch Nachbarschaft, sondern auf ökonomische Strafen für Kinderlose und auf Medienkontrolle.

Wenn z.B. das Magazin Stern nach kinderlosen Männern für eine Titelstory sucht, dann sind die Kategorien nach denen sie ausgesucht werden und die Bewertungen ihres Verhaltens bereits vorgegeben. Die Interviewpartner werden nur noch zur Illustration benötigt, sozusagen um der Story den Nimbus der Authentizität zu verpassen.

Mit einer verständnisvollen Gesellschaft hat das nichts zu tun, sondern mit einer Art von politischer Korrektheit, die in Deutschland nicht thematisiert wird. ZELLNER geht es in seinem Artikel auch nicht um Verständnis, sondern es handelt sich um eine der üblichen kulturpessimistischen Kritiken an der Spassgesellschaft.

 
       
     
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Tagesthema: Alternde Gesellschaft.
Es ist paradox: Einerseits beklagen viele Firmen einen Mangel an Fachkräften, gleichzeitig gibt es immer mehr Arbeitslose, vor allem in der Bevölkerungsgruppe der über 50-Jährigen. Als Lösung wird diskutiert, qualifizierte ältere Menschen stärker in die Arbeitswelt einzubinden. Es gibt sogar Überlegungen, Frührente und die bessere Bezahlung älterer Arbeitnehmer im Vergleich zu jüngeren abzuschaffen

VIERING, Jonas (2002): Schluss mit dem Jugendwahn.
Politiker und Gewerkschaftler überlegen, die Arbeitskraft der über 50-Jährigen stärker zu nutzen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

"Seit kurzem gibt es mehr Arbeitnehmer über 40 Jahre als solche, die jünger sind. 1984 kamen noch 1,5 Erwerbstätige unter 30 auf einen über 50. Heute ist das Verhältnis grob eins zu eins, im Jahr 2020 wird es 0,58 zu eins sein. Bis dahin altert die Erwerbsbevölkerung also. Danach wird sie wieder jünger - und daraus ergeben sich noch größere Probleme,

erklärt uns Jonas VIERING, der uns auch noch die Klagen der Unternehmen, die der DIHK erfragt hat, präsentiert. Massenarbeitslosigkeit bei zunehmendem Fachkräftemangel soll bei uns herrschen. Das Potenzial an Fachkräften der 55-Jährigen und Älteren sei im Vergleich zu den USA nicht ausgeschöpft:

"Arbeitslosigkeit (...): Bei den 55- bis 59-jährigen liegt sie in den neuen Bundesländern bei 20 Prozent, in den alten bei knapp 30. In der Hälfte aller Betriebe arbeitet niemand mehr, der älter als 50 Jahre ist. In den USA stehen 59 Prozent der Menschen zwischen 55 und 64 im Erwerbsleben, in Deutschland nur 45 Prozent."

Arbeitgebervertreter, Gewerkschaften, SPD und Union wollen das nun ändern, erzählt uns VIERING. Die Gewerkschaften sind jedoch gespalten: Die IG Metall Baden-Württemberg setzt auf Altersteilzeit, während Verdi mehr Teilzeitarbeit fordert und sogar bereit wäre das Senioritätsprinzip anzutasten. Auch die Lockerung des Kündigungsschutzes für Ältere steht zur Debatte.     

VIERING, Jonas (2002): Skandinavien als Vorbild.
Gespräch mit Philip Taylor: Altenpolitik in anderen Ländern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

Philipp TAYLOR propagiert das Ende der Frühverrentungspraxis und der Entlohnung nach dem Alter ("Senioritätsprinzip").

VIERING, Jonas (2002): "Die wollen zeigen, was sie können".
Einige deutsche Unternehmen stellen gezielt ältere Arbeitslose ein und haben damit großen Erfolg,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.06.

 
       
     
       
     
       
   
Brennpunkte der Single-Debatte - Dienstleistungsmetropole Frankfurt
 
       
     
       
   
  • OESTREICH, Heide (2002): Mit Frauenpolitik zur Ungleichheit.
    Was käme unter einer konservativen Regierung auf die Frauen zu? Die Bundesfrauenkonferenz der Grünen versucht, schon einmal von Österreich und den Niederlanden zu lernen. Die "Wiener Melange" zeigt: Frauenpolitik kann auch Rückschritt sein,
    in: TAZ v. 17.06.

 
       
   
  • LORENTZ, Frank (2002): Junge Menschen wollen Ordnung.
    Angst vor dem sozialen Absturz beschäftigt viele junge Bundesbürger,
    in: Welt am Sonntag v. 16.06.

 
       
   
  • Jonathan Franzen - Die Korrekturen

    • KUNCKEL, Susanne (2002): Familie im Säurebad.
      Er verweigerte sich dem amerikanischen Literaturbetrieb und wurde damit weltberühmt. Jetzt erscheint Jonathan Franzens grandioser Gesellschaftsroman in Deutschland
      in: Welt am Sonntag v. 16.06.

 
       
   

[ zum Seitenanfang ]

Zu den News vom 01. - 15. Juni 2002

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

Bitte beachten Sie:
single-generation.de ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten

 
   
 
    [ Glossar ] [ Übersicht der Themen des Monats ] [ Homepage ]  
   
 
   
© 2000-2017
Bernd Kittlaus
webmaster@single-generation.de Stand: 12. März 2017 Counter Zugriffe seit
dem 03.Juni 2002