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Medienrundschau:
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News vom 11. -
30. Juni 2003
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Zitat
des Monats:
"Während heute von den über 75-Jährigen in
Deutschland nur 32 Prozent Männer sind, wird dieser Anteil im
Jahre 2050 auf 42 Prozent steigen. Trotzdem werden es
wahrscheinlich alte Single-Frauen sein, die künftig die Trends
im Zusammenleben, in gegenseitiger Unterstützung und seelischer
Intimität bestimmen - ungeachtet einer Werbewirtschaft, die nach
wie vor das heterosexuelle Kukident-Paar am Nordseestrand als
Altersmodell vorgaukelt."
(aus:
Barbara Dribbusch in der TAZ vom 07.06.2003) |
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- KOLWITZ, Kai (2003): Verdammt lang her.
Don Alphonso und sein Roman über die New Economy,
in: Tagesspiegel v. 20.06.
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RÖSINGER, Christiane (2003): Das Leben der Lo-Fi-Boheme.
Die Zukunft der Arbeit (Teil 6): Der Bohemist von heute hält sich
mit einem komplexen Jobcocktail über Wasser. Manchmal aber wünscht er
sich etwas Erholung von der ständigen Zwangskreativität,
in: TAZ v. 20.06.
- Kommentar:
Christiane RÖSINGER schreibt die Boheme-Geschichte in
der
Tradition von Diedrich DIEDERICHSEN fort.
Die
"Privileged Poor" feiern bei RÖSINGER als "Freelance-Proletarier"
ihre Wiederaufstehung.
Wenn
RÖSINGER stöhnt: "Wir müssen Erlebnisse haben, um sie verwerten zu
können, Demütigungen erleben, um daran zu wachsen,
zwischenmenschliche Schwierigkeiten überwinden, um soziale Kompetenz
anzuhäufen", dann ähnelt sie dem Protagonisten in
Wilhelm GENAZINOs Roman "Ein Regenschirm für diesen Tag". Dort
findet sich auch die Gegenfigur des "Erlebnisproleten".
Im
Gegensatz zu RÖSINGER vermisst man bei GENAZINO das Pathos des
Bohemien. Stattdessen wird dort das Problem der Statusinkonsistenz
(die Kluft zwischen Bildungsniveau und gesellschaftlicher Position)
aus traditioneller Sicht angesprochen.
Erst
das massenhafte Auftreten von Statusinkonsistenzen führte zum Boom
der Erlebnisgesellschaft inklusive der darauf bezogenen
Lebensstilforschung (z.B.
Stefan HRADIL) und der dazugehörigen Lifestyleindustrie.
GENAZINO formuliert das in einer drastischen Sprache:
"Meiner
Bildung nach könnte ich bedeutend sein, meiner Stellung nach nicht.
Wirklich bedeutend sind nur Personen, die ihr individuelles Wissen
und ihre Position im Leben haben miteinander verschmelzen
können. Außenstehende Leute wie ich, die nur gebildet sind, sind
nichts weiter als moderne Bettler, denen niemand sagt, wo sie sich
verstecken sollen".
In
den 70er Jahren sorgte die Bildungsexpansion für den ersten Schub
von Statusinkonsistenz. Nun produziert das Ende der New Economy den
nächsten Schub...
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TIP-Titelgeschichte: Nie mehr
Single. Liebe finden in der Großstadt
- Die singlefeindliche
Berichterstattung
BRAUN, Iris & Marcus WEINGÄRTNER (2003): Aus Eins mach zwei.
Für viele Großstädter hat das Single-Dasein als urbanes
Lebensmodell ausgedient. Nicht nur Serienheldinnen wie Ally McBeal
oder Carrie Bradshaw sind ständig auf der Suche nach einem Partner.
Der tip zeigt was man tun kann, um endlich die bessere Hälfte zu
finden,
in: Tip. Berlin Magazin v. 19.06.
- Kommentar:
Man sollte den Autoren ihre Single-Statistik
um die Ohren hauen!
Wer
in einem Bericht über Partnersuchende eine Statistik der
Einpersonenhaushalte präsentiert ohne zu erwähnen, dass
Alleinlebende weder Partnersuchende noch Partnerlose sein müssen,
der muss als extrem singlefeindlich eingestuft werden.
Die
präsentierte Single-Statistik enthält nichts als NULLINFORMATIONEN!
Wer
einfach nur die Einpersonenhaushalte auflistet und noch nicht einmal
Alterskategorien präsentiert, der verdoppelt nur die Desinformation
der Statistikämter.
Was
nützt einem Partnersuchenden die Information, wie viele
Einpersonenhaushalte in einem Berliner Stadtteil existieren?
Überhaupt nichts! Erst recht nicht, wenn der 18jährige ledige
Student darunter genauso zu finden ist wie die 90jährige allein
lebende Witwe.
Die
Kategorie Alleinerziehenden-Haushalte ist genauso irreführend, wenn
es um Partner suchende allein Erziehende geht. Viele dieser
angeblich partnerlosen allein Erziehenden leben mit einem Partner
zusammen oder leben in einer Patchworkfamilie.
Seriöse
Journalisten berichten über den Missstand, dass es an Statistiken
über Partnerlose bzw. Partnersuchende mangelt. Die Autoren des TIP
dagegen vernebeln dies!
Ihnen
geht es um die sozialpopulistische Darstellung des Single-Dasein,
was leider kein Einzelfall ist. Dazu passen
Stereotypen wie:
"Sangen
Frauenzeitschriften und Szenemagazine lange ein öliges Loblied aufs
Dasein als Single - wirtschaftlich unabhängig, gesellschaftlich gern
gesehen und als Konsument aufgeregt umworben - hat sich das Blatt im
kalten Wind der wirtschaftlichen Rezession gewendet. Da man jetzt
wieder dabei ist, enger zusammenzurücken, besinnen sich viele
alleinstehende Großstädter auf elementare Werte: Zweisamkeit,
Partnerschaft und die Sicherheit, an der Seite eines anderen
Menschen die Höhe und Tiefen des Lebens zu meistern".
Wenn
überhaupt waren nur
Yuppies, aber nie
Singles umworben! Die Mär vom bindungslosen Single hat immer nur eine Minderheit der
Einpersonenhaushalte betroffen.
Im
Anschluss an das sozialpopulistische Bild vom Single schließen sich
Tips zur Partnersuche an. Dabei mangelt es nicht an EIGENWERBUNG!
Es
werden die TIP-Singleparty und die TIP-Kontaktanzeigen beworben.
Böswillig könnte man sagen, dass der ganze Artikel nur der Bewerbung
von TIP-Angeboten dient!
-
DÖRRE, Stefanie (2003): Touren, die gut ankommen.
Zehn Orte fürs erste Date - wo die Herzen garantiert höher
schlagen,
in: Tip. Berlin Magazin v. 19.06.
-
TIP: Fundbüros für Liebe,
in: Tip. Berlin Magazin v. 19.06.
-
DÖRRE, Stefanie (2003): Keine Lust auf Jammerlappen-Frauen.
Romane, in denen komplexbeladene Single-Frauen ihren Traumprinzen
finden, haben Hochkonjunktur. Nun hat tip-Autorin Jenni Zylka mit
"1000 neue Dinge" ein Kreuzberg-Version über Leben und Liebe
geschrieben,
in: Tip. Berlin Magazin v. 19.06.
- Kommentar:
Jenni ZYLKA nervt der sozialpopulistische
(TIP)-Stil:
"Mir
geht es eher auf die Nerven, dass so viel über die angeblichen Nöte
des Single-Daseins geschrieben wird."
ZYLKA beklagt dass es zu wenig Bücher über "Frauen, die keinen Mann
brauchen" gibt. Den Erfolg der Single-Bücher schreibt sie eher dem
Stil ("lustig") und weniger dem Inhalt ("Geschichten, in denen
Single-Frauen trotz O-Beinen den Mann ihres Lebens finden") zu.
Über
den Vorteil von Berlin gegenüber anderen deutschen Städten wie
Hamburg sagt ZYLKA:
"in
Berlin trifft man Leute nicht wieder, wenn man nicht will. Deshalb
leben hier so viele allein und sind auch relativ cool."
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MÜLLER, Franziska K. (2003): "Ich darf alles".
Sie wohnen an bester Lage, tragen Massanzüge und philosophieren
über den Fortgang des Lebens. Sie gehören zur Jeunesse dorée in der
Schweiz. Wie gehen sie mit so viel Glück um?
in: Weltwoche Nr.25 v. 19.06.
- Kommentar:
Eine Reportage über das Elend der neoliberalen
Modemenschen. Der Artikel ist aber nur für diejenigen erträglich,
die solche Beschreibungen nicht langweilen:
"Marc trägt am Handgelenk eine
3000-Franken-Uhr von Patek Philippe und hat sein BMW-Cabriolet
mitten auf dem Gehsteig parkiert".
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FRITSCHI, Harald (2003): Die Linke macht mobil.
Rote Rezepte gegen den Sozialstaat-Abbau: Sozialdemokraten und
Gewerkschaften kündigen einen heissen Herbst an. Ihre Vorschläge für
eine gerechte Schweiz,
in: Facts Nr.25 v. 19.06.
- Kommentar:
Eine Titelgeschichte über den Umbau des Sozialstaats
in der Schweiz. Das Cover ganz in rot...
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KIONTKE, Jürgen (2003): Die Insel-Therapie.
Madonnas Film "Stürmische Liebe" ist toll schlecht,
in: Jungle World Nr.26 v. 18.06.
- Inhalt:
Jürgen KIONTKE über den neuesten
MADONNA-Film:
"sonderlich modern ist »Stürmische Liebe« mit seinen
romantischen Idealen nicht. Nicht das gegenseitige
Auf-die-Nerven-gehen in der Beziehung, das Sich-lächerlich-machen in
der Liebe ist heutzutage das Problem, sondern das
Sich-alleine-langweilen: Wie könnte also eine zeitgemäße Bearbeitung
des Themas aussehen? Vorschlag: Amber und Giuseppe fahren Boot und
geraten in Seenot. Beide können sich retten, indem sich jeder seine
eigene einsame Insel sucht (weitere Informationen bei
Michel Houellebecq, Elfriede Jelinek und unter
www.single-dasein.de)."
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- Die singlefeindliche Sendung
GOEB (2003): Alles über die Singles von München
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.06.
- Kommentar:
GOEB kündigt die 3teilige Serie "Gesucht:
Traumfrau & Märchenprinz - Die Sehnsüchte der Single-Gesellschaft"
an, dessen erster Teil heute auf
VOX läuft.
Im
Süddeutsche TV kann man die gedruckten Single-Mythen der SZ im
Fernsehen anschauen. Wer will das jedoch?
Bereits
die Vorankündigung von VOX offenbart das typische
sozialpopulistische Bild:
"Deutschland
vereinsamt - diesen Eindruck vermitteln zumindest die
Singlestatistiken. Geschätzte zwölf Millionen Beziehungs-Solisten
leben in der Bundesrepublik, die meisten von ihnen unfreiwillig.
Davon profitiert der kommerzielle Kontaktmarkt: Tausende
Spezialdienstleister werben um das Geschäft mit den meist gut
verdienenden Singles".
In
diesem Text werden
Nesthocker,
Fernliebende, nicht-eheliche Zusammenwohnende,
WG-Bewohner,
Yuppies,
Väter von Spagatfamilien, alleinlebende Witwen,
Partnerlose usw. - eben Personen, die von Statistikern im
"schwarzen Loch"
Einpersonenhaushalt zusammengefasst werden können - als
Alleinlebende zum Klischee des
einsamen Partnerlosen zusammengemixt.
Dieses
Kunststück ist eine der leichtesten Übungen eines Sozialpopulisten!
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SPIEGEL (2003): Vom Unglück der Singles,
in: Spiegel Nr.25 v. 16.06.
- Kommentar:
Im
Mutterstolz-SPIEGEL müssen Singles 50+ per se unglücklich sein.
Da
wird nicht davor zurückgeschreckt eine noch unveröffentlichte Studie
des Soziologen Walter BIEN, der nicht gerade für ein
undifferenziertes Single-Bild bekannt ist, auf eine Kurzmeldung zu
reduzieren, in der Unfreiwilligkeit ("Tod des Partners, Scheidung
und Ähnliches") zum Unglück wird.
Unfreiwilligkeit
kann auch eine Chance zum Neuanfang sein. Dass Nicht-Singles auch
nicht immer glücklich sind, dieses Thema wird dabei ebenfalls
verschwiegen.
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ZSCHIRNT, Christiane (2003): Strukturell immer offen.
Popliteratur ist tot, nun liegt sie auf den
literaturwissenschaftlichen Seziertischen: Der Fachbereich Germanist
der Uni Heidelberg widmete in diesem Jahr seine Poetikdozentur der
Popliteratur,
in: TAZ v. 16.06.
- Inhalt:
In den Feuilletons ist die Popliteratur
totgesagt. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? ZSCHIRNT hat
nachgefragt und zugeschaut:
"Zuckt
die Popliteratur noch? Helmuth Kiesel, Germanistikprofessor in
Heidelberg und einer der Veranstalter, sagt, nur weil die
Popliteratur längst etabliert ist, bedeute dies noch lange nicht,
dass sie nicht mehr kreativ sei. Er hat Recht. Denn auf einer Lesung
präsentierte Elke Naters, gemeinsam mit ihrem Freund und Koautor Sven Lager,
unveröffentlichte Momentaufnahmen über das Leben mit Kindern. Der
Alltag von Popeltern mit ihren Popkindern birgt allerhand
sprachliches Neuland: »Kann ich?«, sagen die Kinder andauernd wie
alle Kinder und tun so, als sei das schon ein ganzer Satz."
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SCHWÄGERL, Christian (2003): William Novelli. Seniorenlobbyist,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.06.
- Kommentar:
Feuilleton-Revoluzzer SCHWÄGERL hat eine Lobeshymne auf den Chef
der American
Association of Retired Persons (AARP) verfasst. In den USA
setzt
William D. NOVELLI (Jahrgang 1941) den neoliberalen Traum durch:
"Die
Organisation streitet dafür, daß Menschen bis ins hohe Alter
arbeiten dürfen, von keiner Firma nur wegen ihrer Jahre verdrängt,
sondern im Gegenteil ständig fortgebildet werden".
In
dieser schönen neuen Arbeitswelt kommt der Zwang zur Erwerbsarbeit
aufgrund des Sozialabbaus natürlich nicht vor. Es kommt auch nicht
vor, dass es Berufe gibt, die mit höherer Wahrscheinlichkeit der
Erwerbsunfähigkeit verbunden sind.
Für
diese "Pechvögel" bleibt noch die unbezahlte Bürgerarbeit, z.B. um
die Finanznot der Kommunen zu beheben, wie das unlängst der
Wirtschaftswissenschaftler EEKHOFF in der FAZ vorgeschlagen hat.
Für
einen Artikel wie ihn SCHWÄGERL hier abliefert, ist das Alter
natürlich unwichtig,
hier zählt sowieso in erster Linie der Habitus...
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PROFIL-Titelgeschichte: Was Frauen
wirklich wollen
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HAGER, Angelika (2003): Baustelle Liebe.
Das Kräftemessen zwischen Selbstverwirklichung und der
unheilbaren Sehnsucht nach Romantik prägt nicht nur den Alltag der
"Sex and the City"-Serienheldinnen. Mit den wachsenden Ansprüchen
der Frauen an die Liebe reduziert sich auch deren Haltbarkeit,
in: Profil Nr.25 v. 16.06.
- Kommentar:
Anlässlich der 5. Staffel von
"Sex and the City" im ORF schreibt HAGER über die Natur der
Frau, die mit der bisherigen Kultur nicht mehr zurecht kommt.
Norbert
KRON hat dies als die Rückkehr des "Feuerstein-Darwinismus"
bezeichnet, der der Neoliberalisierung unserer Gesellschaft
entspricht.
"Die
Natur ist nicht auszutricksen" oder "Irgendwann erwischen einen
die Gene doch" sind die typischen Floskeln mit der das natürliche
Romantik-Revival bei HAGER eingeleitet wird.
In
die Gürtel-enger-schnallen-und-Geburten-fördern-Gesellschaft
passen Single-Verhaltensweisen nicht mehr. Bei HAGER wird das auf
die individuelle Ebene als Konflikt heruntergebrochen:
"Generell
ist das Liebesleben in Zeiten von Partnerschaftstherapien,
Penis-Implantaten und Turbo-Vibratoren zu einem verzehrenden
Kräftemessen zwischen romantischer Sehnsucht und der vom
Selbstverwirklichungswillen getragenen Ich-AG geraten".
Die
Nähe zu Axel KRÄMERs Sicht ist dabei
unverkennbar.
Am
Ende bleibt nur noch die
verzweifelte Suche nach dem "Kernerschütterer" wie potenzielle
Lebenslieben neuerdings heißen. So weit wagt HAGER dann aber doch
noch nicht zu gehen...
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HAGER, Angelika (2003): Comedy-Alarm im TV.
Warum "Sex and the City" mit der sechsten Staffel endet und
welche Projekte über das Single-Leben in Planung sind,
in: Profil Nr.25 v. 16.06.
- Kommentar:
HAGER hat nicht sehr viel als Ersatz für
"Sex and the City" zu bieten:
"Nachfolgeprodukte, die sich
mit den Paarungswirrnissen von Solisten auseinander setzen,
befinden sich zwar in »development hell«, so der Hollywood-Jargon
für den Entwicklungsstatus, aber naturgemäß ohne die
Quotengarantie. Unter anderem wird an einem Männerpendant zu den »SAC«-Girls
mit dem Arbeitstitel »Guys and the City« gearbeitet, eine
Verjüngung der Frauenproblematik soll mit den Liebesproblemen
einer Boulevardreporterin in ihren Mitzwanzigern erzielt werden."
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kristina-naeke & rainer-kerl (2003): "Die Generation TT ist auf die
Schnauze gefallen".
Vom Insider zum Auspacker: Don Alphonso über seinen Dotcom-Roman
"Liquide",
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.
- Kommentar:
Die Generation Golf ist zur
Generation Golf zwei konvertiert. Dazwischen lag das Paradies,
aus dem die Generation nun vertrieben ist. Was liegt da näher, nun
die Zeit im Paradies zum Thema zu machen. Im Nachhinein kann da
schon mal das Paradies zur Hölle werden.
Da
es inzwischen jede Menge Golf-Leute mit viel Zeit gibt, wird der
Buchmarkt in nächster Zeit mit "Es war einmal"-Büchern überschwemmt
werden. Vielleicht lässt sich damit ja bis zum Aufschwung
überwintern...
Um
Missverständnissen vorzubeugen: Das
Buch "Liquide" von Don Alphonso gehört nicht zu diesen
unkritischen Erinnerungsbüchern. Eine Art
"Manifest" des Autors kann man bei Dotcomtod.de nachlesen. Und
das
vollständige Interview mit Kommentaren gibt es bei jetzt.de.
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BEISE, Marc (2003): Fakten zur deutschen Misere.
Es ist kein Geld mehr da. Warum es keine Alternative zu einem Um-
und Rückbau des Sozialstaates gibt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.
- Kommentar:
BEISE führt die von
Nikolaus PIPER angedrohte Serie fort. Er hat von der FAZ
gelernt!
Die
Stimmung ist viel besser als die Lage, ist die inzwischen
einhellige neoliberale Parole der Abbau-Hardliner:
"Sie
argwöhnen, es handle sich um übertriebene Horrorszenarien, und
unterstellen, eine solche Darstellung diene nur der Rechtfertigung
eines kaltherzigen Sozialabbaus. Gegen diese Ansichten seien einige
Zahlen genannt", spricht BEISE überflüssigerweise die Leser des
Wirtschaftsteils an, denn die nicken sowieso nur zustimmend. Die
neoliberale Elite ist sich schließlich einig. BEISE hätte das im
Feuilleton oder im Politikteil schreiben sollen.
Was
soll also dieses ganze Zahlenmaterial, das BEISE da herunterschreibt?
Die
Zahlen mögen sogar stimmen, aber deshalb muss man weder - der vom
Autor unausgesprochen unterstellten Logik folgen - noch den Methoden
und Zielen der Reform zustimmen.
Als
Leser ist man kaum erstaunt, am Ende zu lesen, dass es "zu radikalen
Operationen keine Alternative mehr gibt". Man wurde ja schon durch
die Überschrift darauf eingeschworen.
Wozu
dient also der Artikel? Es handelt sich um simple Identitätspolitik,
die der Wir-Gemeinschaft der neoliberalen Elite Selbstbestätigung
verschafft.
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CLEMENT, Wolfgang (2003): "So kann es nicht weitergehen".
Plädoyer für einen parteiübergreifenden Konsens des Aufbruchs. Alle
gesellschaftlichen Gruppen ansprechen und mobilisieren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.
- Kommentar:
"Die Privatisierung der Erfolge und die Politisierung der Probleme
ist inzwischen ein typisches Verhaltensmuster. So kann es nicht
weitergehen", mault unser Wirtschaftsminister CLEMENT.
Der
Minister ernennt sich im Artikel zum Coach von "TeamArbeit für
Deutschland":
"Das
Ziel von TeamArbeit für Deutschland ist ambitioniert: Wir wollen das
größte Netzwerk gegen Arbeitslosigkeit in Deutschland schaffen, ein
neues Zusammenspiel von Staat und Gesellschaft".
Noch
eine
neue Bürgerbewegung, diesmal unter Anleitung eines Ministers!
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MARON, Monika (2003): Geld macht leer.
Wer sich nicht streckt, schrumpft: Ein Plädoyer für den Gemeinsinn,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.
- Kommentar:
Monika MARON ist die Dritte im Bunde der neuen
SZ-Bürgergesellschaft, die den Sozialstaat obsolet machen soll:
"Es
bleibt die Frage, warum, abgesehen von vereinzelten Aktionen derer,
die gerade betroffen sind, wir unsere Stadt nicht verteidigen und
vor einer barbarischen Zurichtung durch die Buchhalter bewahren."
MARONs
Weltbild der transzendentalen Heimatlosigkeit kennt nur zwei
Zustände: selber schuld (Individualisierung) oder Schicksal.
Sie
hat also ihre neoliberale Lektion schon gelernt, dass es keine
Gesellschaft gibt, sondern nur Individuen. Aus diesem Grunde
bevorzugt sie das Schicksal als das kleinere Übel:
"Im
Sommer 2002, als die Elbe die Städte an ihren Ufern überflutete und
wieder vernichtete, was gerade vor dem Zerfall gerettet worden war,
zogen Menschen aus allen Teilen Deutschlands in die heimgesuchten
Städte, um zu helfen. Dieser unverschuldete, gleichsam aus dem
Himmel herabgefahrene Schicksalsschlag, löste ein Mitgefühl aus, das
zu tätigem Beistand drängte und die Erinnerung wachrief, dass man zu
einer, im Notfall füreinander einstehenden Gemeinschaft gehört".
Diese
Notfallgemeinschaft möchte sie gerne auf Dauer stellen, aber wurden
unsere Institutionen nicht gerade erfunden,
um unseren Alltag vom ewigen Notfall zu
entlasten?
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CASATI, Rebecca (2003): Aus dem Album der Arten.
Heute: Der "Toller Sex"-Junge,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.06.
- Kommentar:
Im Gegensatz zum Generationskollegen
KRÄMER
bietet CASATI Übersetzungshilfen für die Angebergesellschaft an:
"Tatsächlich
lauten die häufigsten Übersetzungen für den Begriff »Toller Sex«
allerdings: »Ich kann nicht allein sein«, »Ich habe keinen Besseren
gefunden«, »Ich bin ganz versessen auf das Geld meines Partners«
oder: »Mein nächster Film darf kein Flop werden.»"
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KRÄMER, Axel (2003): Scham macht geil!
Sie gilt als Relikt der Bürgerlichkeit, als überholt und spießig:
Scham. Ist sie das wirklich? Eine Verteidigung der Züchtigkeit,
in: TAZ v. 14.06.
- Kommentar:
"Meine Eltern gehörten zu einer Generation, die immer
noch von den Verklemmungen früherer Jahrzehnte traumatisiert war:
als körperliche Scham noch mit Gefühlen der Schuld und der Schande
vermischt wurde.
Inzwischen hat eine so genannte sexuelle Revolution die letzten
Barrieren gesprengt. Scham gilt quer durch alle
Bevölkerungsschichten als Relikt aus vormoderner Zeit, das mitleidig
belächelt wird",
behauptet
KRÄMER als Angehöriger der Generation Golf.
Und es dauert nicht lange, bis der allgegenwärtige Gewährsmann für
solche Thesen genannt wird:
Michel HOUELLEBECQ.
Der
französische Schriftsteller gehört aber ganz und gar nicht zur
Generation derjenigen, die ohne Verklemmungen aufgewachsen sind.
HOUELLEBECQ ist eher ein Beispiel dafür, dass
die sexuelle Revolution nur den Verstand, aber nicht das Gefühl
erreicht hat.
Dem
Kern unserer Angebergesellschaft kommt KRÄMER erst zum Schluss
näher, wenn er zugibt, dass die Schamhaftigkeit doch weiter
verbreitet ist:
"Wer
nicht inflationär Sex hat oder zumindest nicht offen und unverblümt
darüber reden will, wer sich nicht sofort zu seinen speziellen
Vorlieben bekennen kann, wer also kurzum immer noch über einen
Funken sexuellen Schamgefühls verfügt - der gilt in manchen Kreisen
als gehemmt und blockiert."
Der
amerikanische Psychoanalytiker Michael P. NICHOLS (Nur keine falsche
Scham, 1994) schreibt z.B. dass anscheinend schamloses Verhalten auf
Schamhaftigkeit zurückgeführt werden kann: denn vor nichts fürchten
wir uns in unserer Kultur mehr als davor, als feige zu gelten!
Beim
Abriss wissenschaftlicher Schamtheorien
fehlt zudem ein wichtiger Verweis auf den
Soziologen Sighard NECKEL,
der im Essay "Achtungsverlust und Scham" (Sammelband Die Macht
der Unterscheidung) zum Wandel der Schamhaftigkeit schreibt:
"In
weiten Teilen des Alltagslebens verliert das Schamgefühl seine
Bedeutung als Tugend und Wert, um als soziale Sanktion um so stärker
in den Vordergrund zu treten. Das moderne Individuum sieht sich
dadurch einer weit verbreiteten Erwartung auf Schamlosigkeit
gegenüber, zu der sich eine latente Schamangst wie die Furcht vor
Enthüllung zum Tabu der Nacktheit verhält. Scham nimmt in diesem
Zusammenhang den Charakter einer heimlichen Emotion an, die ihren
Ausdruck bestraft, weil er sich mit dem Individualitätscode so wenig
verträgt. Wenn Scham zum Tabu des Individualitätsbewußtseins wird,
eignen sich Beschämungen in besonderer Weise dazu, als soziale Waffe
zu fungieren. Sie treten heute als »subtile Distinktionen« (Rudolf
Richter) auf - als praktische Methode in der alltäglichen Konkurrenz
individualisierter Subjekte, sich selbst als überlegen, andere
dagegen als inferior darzustellen."
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METZGER, Oswald (2003): Gier nach Ehrlichkeit.
Bei ihrem Parteitag am Wochenend können sich die Grünen nicht
länger durchmogeln. Sie müssen endlich ein eigenes Modell für unseren
Sozialstaat entwickeln,
in: Financial Times Deutschland v. 13.06.
- Kommentar:
Oswald METZGER dient den
Grünen das Sozialstaatsmodell der Westerwelle-FDP an.
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WALTHER, Rudolf (2003): Rund geschliffen.
Grünen-Parteitag zur "Agenda 2010". Ankunft in jener alten Mitte,
in der nur noch Konformismus zählt,
in: Freitag Nr.25 v. 13.06.
- Inhalt:
Rudolf WALTHER beklagt die FDPsierung der Grünen:
"Eine
geradezu idealtypische Verkörperung rundgeschliffener grüner
Mittigkeit und Mittelmäßigkeit ist
Oswald Metzger, (...) der (...) in jeder Hinsicht grüne
Gegenwart und Zukunft repräsentiert: In der brachial-plumpen Sprache
eines Stefan Effenberg plappert er die neoliberalen Lebkuchenverse
von Hans-Olaf Henkel,
Meinhard Miegel oder Arnulf Baring nach (...). Und wie die drei
Vorbeter des neoliberalen Clans lässt sich auch Metzger in seiner
Marktverblendung ebenso wenig auf Debatten darüber ein, welchen
Bevölkerungsschichten Steuern und Abgaben erspart oder mehr
Eigenleistungen zugemutet werden können oder für wen
sozialstaatliche Transferleistungen überflüssig sind.
Der nächste Schritt, den das grüne juste milieu
vorbereitet, ist die Einstimmung von Mitgliedern, Wählern und
Publikum auf eine Kooperation mit der CDU. Auch hier zählt Metzger
zu den lauten Trompetern, um die Hausmusik der Klientelpartei FDP
nachzuspielen."
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HEINKE, Nathalie (2003): Der vermeintlich letzte Ausweg.
Weit über zehntausend Menschen sterben jährlich in Deutschland
durch Selbstmord. Das sind mehr, als im Straßenverkehr umkommen. Vor
allem die über 60-Jährigen sind suizidgefährdet. Die Ursachen sind
Depression und Einsamkeit,
in: TAZ v. 13.06.
- Inhalt:
Selbstmord ist männlich: über 8000 Männer und
weniger als 3000 Frauen nahmen sich 2001 das Leben. HEINKE führt
dazu aus:
"Nach
Depressionen und Suchtmittelabhängigkeit scheint das Kriterium Alter
die dritthäufigste Gefährdungskategorie für eine suizidale
Entwicklung zu sein, so die Expertensicht.
Einsamkeit, der Verlust des vertrauen Umfeldes oder des
Lebensgefährten, Krankheit, Isolation, Armut und Misshandlungen -
die Gründe, weshalb alte Menschen an Selbstmord denken oder ihn in
die Tat umsetzen, sind vielfältig."
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- GUTSCH, Jochen-Martin & Maxim LEO (2003):
Fußmassage mit Blickfixierung.
Enklave der Fruchtbarkeit - der Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg
ist nicht unbedingt kinderfreundlich, aber er ist ziemlich
elternfreundlich,
in: Berliner Zeitung v. 12.06.
- Kommentar:
Noch ein Bericht über den
Baby-Boom auf dem Prenzlauer Berg in Berlin.
Diesmal
darf Hans SCHMOLLINGER, der Leiter des Referats für
Bevölkerungsstatistik, seine Meinung kundtun. Er hat angeblich schon
1993 gewusst, dass der Baby-Boom kommt.
Statistiker
sind bisher nicht als Propheten aufgetreten. Ihre Erklärungen
liefern sie normalerweise im Nachhinein. Wahrscheinlich hat
SCHMOLLINGER vor 10 Jahren niemand befragt, weswegen seine heutige
Aussage wertlos ist.
Tatsächlich
ist der Baby-Boom mit den üblichen Erklärungen nicht abgedeckt, denn
Eltern ziehen traditionell in die Vorstädte.
Einzig
die Stadtsoziologin
Monika Alisch
berücksichtigt das Phänomen der "Family-Gentrifier" in ihrer
Theorie. Dieser neue Elterntypus wird im Zeitungsbericht
folgendermaßen beschrieben:
"Tanja
Sahib sagt, dass die typische Mutter in Prenzlauer Berg zwischen 30
und 35 Jahre alt ist, einen akademischen Abschluss hat, bereits
einige Zeit gearbeitet hat, in einer festen Beziehung lebt und
finanziell abgesichert ist. Nach der Geburt würden die Mütter
schnell wieder in ihren Beruf einsteigen wollen (...).
Viele Prenzlauer Berg-Mütter kämen aus Westdeutschland. Sie seien
von dort weggezogen, weil sie es anders machen wollen als ihre
Eltern. Sie wollen nicht mit ihren Kindern in einem Reihenhaus am
Stadtrand sitzen. Sie wollen Mutter sein und trotzdem so weiterleben
wie sie es gewohnt sind. In Prenzlauer Berg scheint das zu gehen.
(...).
So ist der Prenzlauer Berg zu einer Enklave der Fruchtbarkeit im
überalterten Deutschland geworden. Ein Ort, an dem Eltern leben
können, ohne ein Elternleben führen zu müssen. Wo man im Trend ist,
sich jung fühlen kann, obwohl man mit Kindern zusammen lebt. Oder
gerade weil man mit ihnen zusammen lebt. Kinder sind hier kein
Zeichen von Bürgerlichkeit, sie bedeuten nicht das Ende der Freiheit
und schon gar nicht des Spaßes. Die Mütter und Väter, die mit ihren
gelbgetönten Sonnenbrillen, ihren Turnschuhen und T-Shirts an den
Nachmittagen auf den Spielplätzen sitzen, sehen nicht viel anders
aus als die Leute, die man abends im Club trifft."
Zum Abschluss der
Reportage liefert Horst SCHMOLLINGER noch eine Prognose, an der man
ihn nun tatsächlich wird messen können:
"Vielleicht
irrt sich Horst Schmollinger, der Statistiker, wenn er sagt, dass
der Trend zum Ende kommen wird. Weil der Prenzlauer Berg sich so
verändert hat, dass keine jungen Leute mehr nachkommen werden.
Schmollinger referiert die letzten Mietpreiserhebungen. Er erklärt,
dass der Stadtteil teuer geworden ist, zu teuer für Studenten oder
Berufsanfänger. Die werden woanders hingehen, sagt Schmollinger.
»Nach Friedrichshain, die Zahlen sind schon jetzt eindeutig.«
Wenn keine jungen Leute mehr kommen, gibt es auch keine neuen
Kinder. Dann wird der Boom in ein paar Jahren nur noch ein kleiner
Ausschlag sein auf einer von Schmollingers Kurven. Auch die neuen
Eltern in Prenzlauer Berg werden nicht lange bleiben, sagt
Schmollinger. Die Infrastruktur sei für junge Leute ohne Kinder
gemacht. Kaum Geschäfte, kaum Dienstleister, nur Bars und Cafés.
Irgendwann würden sich selbst die jungen Eltern von heute nicht mehr
jung genug fühlen, um zu bleiben. Dann wird eintreten, was
Schmollinger »Kontaktdiffusion« nennt. Die Eltern werden in
angrenzende Bereiche ziehen. Weißensee, Karow, Buch. »Das wäre
absolut folgerichtig«, sagt Horst Schmollinger.
Im Kopf des Statistikers ist Prenzlauer Berg schon wieder
kinderleer."
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- SCHÄFER, Karl-Heinz (2003): Witz in der
Beziehungskiste.
Ildikó von Kürthy. Die Frauenversteherin ist derzeit Deutschlands
erfolgreichste Schriftstellerin. "Sie schreiben ja über mich",
urteilte eine Leserin. Für die Autorin der Beweis, wieder einmal ins
Schwarze getroffen zu haben,
in: Rheinischer Merkur Nr.24 v. 12.06.
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- DÖRRIE, Doris (2003): Ausstieg ins neue
Leben.
Ende einer Sucht. Sei brauchte Zigaretten, weil sie dabei sein
wollte. Wie alle netten Typen. Die anderen waren Memmen. Doch
plötzlich wurde sie eine von denen - und fühlte sich ganz stark,
in: Rheinischer Merkur Nr.24 v. 12.06.
- Inhalt:
Die Filmemacherin
Doris DÖRRIE gesteht:
"Auf keinen Fall Schwäche
zeigen! Filterzigaretten waren etwas für Tussis. Ich rauchte, statt
zu essen.
Verklemmt, wie wir alle waren, obwohl wir natürlich sehr befreit
taten, lief unsere Kommunikation ausschließlich übers Rauchen. Ohne
Zigarette in der Hand oder im Mund wären wir vor
Schüchternheit umgefallen wie die Fliegen. Wie sollte man denn
mit einem Mann anders ins Gespräch kommen als über eine Zigarette?"
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KRAUSE, Tilman (2003): "Ich begreife auch mal was".
Elke Heidenreich zum zweiten: Ein neuer Typ Literaturkritik setzt
sich durch,
in: Welt v. 12.06.
- Kommentar:
In der WELT wurde die Spaßgesellschaft am eifrigsten
totgesagt. Tilman KRAUSE -
ein Hard Core-Vertreter des Niveaumilieus - hat das verschlafen,
denn in Elke HEIDENREICH sieht er einen neuen Typus der
Literaturkritik: den "Literaturkritiker für die Spaßgesellschaft".
Der
Leser der Spaßgesellschaft ist ein Leser, der sich mit den
Romanfiguren identifizieren will.
Peter UNFRIED
stellte unlängst Ildikó von KÜRTHY als typischen Vertreter vor. Für
KRAUSE ist das Pop-Literatur im Sinne von Trivialliteratur. Den
Stand in Sachen Literaturkritik beschreibt KRAUSE zum Schluss:
"Die
Überwindung des Grabens von E- und U-Kultur, die einige von uns sich in den
neunziger Jahren auf die Fahnen geschrieben hatten, diese
Überwindung ist damit einstweilen suspendiert. Nein, die Kluft ist
zementiert."
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- DIETSCHI, Irène (2003): Flaute im Gebärsaal.
In der Schweiz werden immer weniger Kinder geboren. Die
provisorische Zahl der Neugeborenen liegt mit 72 000 für das Jahr 2002
nochmals tiefer als im Vorjahr, als 73 509 Kinder zur Welt kamen. Der
Abwärtstrend ist seit 1992 feststellbar. Schweizerinnen haben nicht
nur weniger Kinder, sie werden auch immer später Mutter. Als Folge
nimmt der Altersquotient zu,
in: Weltwoche Nr.24 v. 12.06.
- Kommentar:
Verfechter einer
Bevölkerungspolitik in Deutschland - wie z.B. Jürgen BORCHERT -
preisen die Schweizer Alterssicherung als vorbildlich an.
Gebären
für die Rente statt Trittbrettfahren der Kinderlosen ist der Tenor
dieser neoliberalen Besitzstandwahrer.
Die
Schweizerinnen strafen jedoch die Befürworter einer solchen
Bevölkerungspolitik Lügen.
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- LIPICKI, Christian (2003): "Für die
Altersvorsorge ist es nie zu spät",
in: Berliner Zeitung v. 11.06.
- LIPICKI, Christian (2003): Gesetzliche
Rente.
Bonus für Kindererziehung und Pflege von Angehörigen,
in: Berliner Zeitung v. 11.06.
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PAOLI, Guillaume (2003): Mitgestalter der sozialen Skulptur.
Die Zukunft der Arbeit (Teil 5): Eigentlich, so scheint es, wird es
Arbeit nur noch für Künstler geben. Zumindest die Einstellungschancen
für arbeitslose Kulturwissenschaftler werden inzwischen wieder besser,
und Manager bedienen sich immer häufiger künstlerischer Diskurse.
Motto: No money, just fun,
in: TAZ v. 11.06.
- Kommentar:
Guillaume PAOLI wirft einen bestechenden Blick
auf die Zukunft der Arbeit und gelangt am Ende zum zentralen Problem
unserer schönen neuen Arbeitswelt:
"No
money ist ein leichtes Programm, aber wie wird fun
hervorgebracht? Auf dem Rückweg nach Berlin bekam ich eine erste
Antwort. Der Zug war mit lächelnden Pilgern bepackt, die an der
ersten Christ-Parade teilnehmen wollten, darunter wahrscheinlich
entlassene Bergarbeiter und erfolgreiche Managementkünstler,
Allzweckpraktikantinnen und bedrohte Rentner. Nun aber waren sie in
eine frömmelnde Masse vereint, die nur das Schöne und Nette im Leben
wahrnahm. Plötzlich wurde mir klar, dass die Zukunft der Arbeit von
der Zukunft der Religion abhängt. Nicht von der Unternehmenskultur,
dieser armseligen Ersatzreligion, und auch nicht von der
Spaßgesellschaft, die nur gewisse Szenen zu verkitten vermag. Es
bleibt so, wie es immer war: Einzig die Religion ist Ecstasy fürs
Volk."
Christian
KRACHT hat dies bereits in
"1979" durchexerziert, ist jedoch zu einem anderen Ergebnis
gekommen.
Kerstin
DECKER glaubt, dass katholische Verlierer am besten mit
den Wechselfällen des Lebens zurecht kommen und Michel HOUELLEBECQ
trauert sowieso dem Katholizismus nach, tröstet sich
zwischenzeitlich aber auf seiner "Plattform".
Die
Kirche vollzieht stattdessen die neoliberale Wende,
möglicherweise in der Hoffnung, dass es den Menschen endlich wieder
so dreckig gehen möge, dass sie in die Kirchen strömen.
Es
könnte aber auch ganz anders sein: Das "goldene Zeitalter der
Religion" gab es genauso wenig wie das "goldene Zeitalter der
Familie". Es sind nur Elitenerzählungen...
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NOWAK, Peter (2003): Das Echo der Euphemismen.
Der Kulturwissenschaftler Ivan Nagel greift die Rolle der Medien
bei der Berichterstattung um die "Agenda 2010" an. Schönfärbereien wie
"Ich-AG" würden eine neoliberale Gleichschaltung fördern,
in: TAZ v. 11.06.
- Kommentar:
NOWAK hat einen Artikel über die mediale
Einheitsfront zusammengeschustert, der die Debattenbeiträge von
Ivan NAGEL über
Roderich
REIFENRATH bis zu Nikolaus PIPER auf etwas
eigenwillige Weise zusammenfasst. Nur eine wichtige Fehlstelle in
der Debatte steuert NOWAK bei:
"Wenig
liest man bei Nagel auch über Gründe für die von ihm beklagten
Zustände. Da wäre darauf hinzuweisen, dass die Anzeigenkunden großer
Zeitungen in erster Linie Unternehmer und nicht Gewerkschaftler
sind."
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TEWINKEL, Christiane (2003): Hörer, höre strukturell!
Teddy, der Inkommensurable (6): Eine gewaltige Wirkung übte
Theodort W. Adorno nach dem Krieg auf die Musikpädagogik aus - und sie
hält bis heute an. "Da könnte ich mich reinsetzen!" -
Klavierlehrerinnen, die so kulinarisch über Musikstücke schwärmen,
dürfte es für ihn natürlich gar nicht geben,
in: TAZ v. 11.06.
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Zu den News
vom 01. - 10. Juni 2003
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