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News vom 14. - 21. Juni 2006

 
 
     
 
 

Zitat des Monats:

"Anfang Juni 1986, erschien »The Marriage Crunch« (»Die Heiratskrise«). Das angesehene US-Nachrichtenmagazin (Anm.: Newsweek) behauptete unter Berufung auf eine neue Studie: »Weiße Frauen mit College-Ausbildung, die in der Mitte der 50er-Jahre geboren wurden und die mit 30 noch Single sind, haben nur eine 20-prozentige Chance auf Verheiratung ... 40-Jährige werden eher von einem Terroristen getötet: Sie haben eine winzige Chance von 2,6 Prozent, den Bund fürs Leben zu schließen.«
(...). Genau 20 Jahre später distanzierte sich »Newsweek« jetzt in einer neuen Coverstory nicht nur von dem Satz, sondern auch von den damaligen Zahlen. Mit einem gewissen Stolz stellt man aber fest: »Der Vergleich schlug feste Wurzeln in der Popkultur und wird immer noch routinemäßig in Fernsehshows und Nachrichtenbeiträgen zitiert.« Das gilt nicht nur für die USA - auch hierzulande fand die kesse These Eingang in Presseartikel und Partygespräche."
(Frank Gerbert im Focus Nr.24 vom 12.06.2006)

   
   
 
 
 
 
 
  • SCHLÜTER, Christian (2006): National-Klamauk,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • Inhalt:
      SCHLÜTER sichtet einige Bücher, darunter "Minimum" von Frank SCHIRRMACHER:

                
       "Schirrmachers nicht anders als biopolitisch zu nennendes Projekt nationaler Erneuerung modelliert das »Neuentstehen unserer Gemeinschaft« nach dem Vorbild der Familienbande, einer homogenen, über blutsverwandtschaftliche Beziehungen geregelten und letztlich geschlossenen Einheit. Bei ihm ist von Deutschland als einer Zuwanderungsgesellschaft kaum die Rede. Vielmehr beschwört er den auf unserem Gemeinwesen lastenden Globalisierungsdruck vornehmlich im Bilde der Naturkatastrophe und damit als hinzunehmendes, alternativloses Schicksal: Wir sind eine Schicksalsgemeinschaft im Ausnahmezustand. Bedauerlich nur, dass Schirrmachers zentrales Argument - die Vorzüge des Familiären - ganz offensichtlich nicht verfängt.
      Zwar lassen sich historisch-empirisch etliche Begebenheiten anführen, was Schirrmacher auch nicht müde wird zu tun, um die Überlebensdienlichkeit verwandtschaftlicher Blutsbande darzulegen. Doch normativ folgt daraus, von Erbaulichkeiten einmal abgesehen, nichts. Denn sogar in den besten Familien kommt es zu Mord und Totschlag, ein literarischer, vor allem aber sozialpolitischer Befund, kriminalstatistisch und also auch empirisch klar belegt. Auf die liebe Verwandschaft ist nicht immer Verlass. Das Minimum bietet zu wenig, Schirrmachers biopolitischer Fehlschluss überzeugt deswegen auch nicht mit seinem Zahlenmaterial, das uns den demographischen GAU - wir sterben aus, wir vereinsamen, unsere Rente schrumpft - in Aussicht stellt.

                
       Zahlen sind aussagekräftig nur unter (normativ) plausiblen Prämissen, ansonsten fungieren sie als beliebig verwendbare Schreckgespenster."
 
  • KORTMANN, Christian (2006): Die prekäre Urlaubsfrage.
    Na, wohin geht's in diesem Jahr? Die Frage nach der sommerlichen Reiseplanung lenkt den Blick auf eine ökonomisch-soziale Spaltung, vor allem in der Generation der 30- bis 40-jährigen Akademiker,
    in: TAZ v. 20.06.
    • Inhalt:
      Christian KORTMANN widmet sich wieder einmal der "Generation Praktikum".

                
       An der Urlaubsfrage scheitern gemäß KORTMANN die Individualisierungsverheißungen und die Klassenfrage stellt sich ganz unerwartet:
                
       "So leicht es fällt, im Alltag mit sauberem Hemd und gebügeltem Anzug auch als Geringverdiener eine vornehme Figur zu machen (Karl Lagerfeld verwies darauf, dass durch H&M die Kleidung ihre Funktion als Statussymbol verloren hat), so wenig lässt sich bei der Urlaubsfrage die Realität kaschieren.
                
       Auch im engsten Freundeskreis kommen hier die Karten mit unangenehmer Direktheit auf den Tisch. Wer auf die Frage, wohin er im Sommer verreist, antwortet, dass er überhaupt nicht urlauben wird, gesteht offen ein, sich nicht das Gleiche wie der andere leisten zu können. Die in der Urlaubsfrage zum Ausdruck kommende Polarität erschreckt, weil sie eine Spaltung innerhalb einer Gruppe verdeutlicht, von der man dachte, sie würde homogen bleiben, weil sie einst homogen war.
                
       Man kann in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen noch so viel über die kontinuierlich weiter auseinander klaffende Einkommensschere lesen - es bleibt abstrakt. Welch handfeste Auswirkungen es auf die soziale Praxis hat, versteht erst, wer zum Beispiel eine Einladung zu einer Feier erhält, die ein Schulfreund am Mittelmeer steigen lässt, und sie wegen der Reisekosten ausschlagen muss. Da passiert etwas in der Generation der 30- bis 40-Jährigen, was man in den 70er- und 80er-Jahren niemals für möglich gehalten hätte, als man im Grunde egalitär zusammen aufwuchs und die Familienfinanzen keine Rolle spielten."
 
 
 
  • Das Ehegattensplitting in der Debatte (4)

    • BERTH, Felix (2006): "Der Gesetzgeber hat Spielraum".
      Ein Familiensplitting wäre verfassungskonform, sagt die Richterin Christine Hohmann-Dennhardt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 20.06.
    • SIEVERS, Markus (2006): Die neue Ungerechtigkeit,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • KRÖTER, Thomas (2006): Der Familienkrach in der Union hat Methode.
      Mit der Splitting-Debatte will die CDU-Spitze deutlich machen, dass sich die Partei um Modernisierung bemüht,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • KNAPP, Ursula (2006): Blick ins Grundgesetz.
      Splitting wurde 1958 eingeführt,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • SPERBER, Katharina (2006): Alter Zopf Splitting,
      in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • RATH, Christian (2006): Splitting kann problemlos entfallen.
      Anders als die CSU glauben macht, privilegiert der Schutz der Ehe im Grundgesetz nicht das Alleinverdiener-Modell,
      in: TAZ v. 20.06.
 
  • KLEINE-BROCKHOFF, Moritz (2006): Die Romantik-Offensive.
    Kuppelbehörde, Dating-Messe, Liebespropaganda – was Singapur sich einfallen lässt, um dem Bevölkerungsschwund zu entkommen,
    in: Tagesspiegel v. 19.06.
 
 
  • ZASTROW, Volker (2006): Politische Geschlechtsumwandlung.
    Kaum eine Frau kennt den Begriff: "Gender Mainstreaming". Dabei handelt es sich um eine durchgreifende Maxime sowohl der deutschen als auch der europäischen Politik, die vor allem den Interessen der Frauen dienen soll. Was bedeutet "Gender Mainstreaming"? Wie hängen Gleichstellung und Gleichbehandlung zusammen?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.06.
    • Inhalt:
      Volker ZASTROW sieht in der Lesbenbewegung ( = Feminismus) den wahren Feind, der die Abschaffung der Hausfrau (= Gendermainstreaming) betreibt. ZASTROW sieht (analog zu Mariam LAU) die Motive biographisch verankert:

                
       "Der Zusammenhang von Feminismus und Lesbenbewegung wird öffentlich verbrämt, dabei ist er nachgerade zwingend. Denn während  homosexuelle Männer auch ohne Frau und Kinder in der sogenannten »patriarchalen« Gesellschaft erfolgreich sein konnten, bot sich diese Möglichkeit homosexuellen Frauen kaum. Ihnen drohte die Abwertung als »alte Jungfer«; berufliche Bildung, Aufstieg und Anerkennung waren für sie erheblich schwerer zu verwirklichen als für den alleinstehenden Mann. Der Zusammenhang zwischen Frauen- und Lesbenbewegung, der in der großen Koalitition als Gleichstellungs- und Gleichbehandlungspolitik aufscheint, ist also durchweg biographischer Natur."
                
       ZASTROW beschäftigt sich deshalb im Artikel in erster Linie mit der Aufdeckung des europaweiten Netzwerkes der Lesben.
 
 
 
 
  • HEFTY, Georg Paul (2006): Familiensplitting-Modelle A und B.
    Kommt es zu einer "Erweiterung" des Ehegattensplittings oder zu einer Absage?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.06.
 
 
 
  • DILK, Anja (2006): "Beruf und Kinder passen nicht zusammen".
    Marianne Dierks hat Frauen über 60 befragt, die beides versucht haben. Fazit: Für das Familienleben blieb kaum Zeit. Wir brauchen mehr Freiräume für Eltern im Arbeitsleben und mehr Betreuungsangebote für Kinder, findet die Soziologin,
    in: TAZ v. 15.06.
 
 
 
 

JUNGLE WORLD-Titelgeschichte: Papa Staat lässt brüten.

 

ZEIT-Thema: Was ist männlich?

   

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