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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 11. - 20. März 2003

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Eine etwas biedere Mutter von mehreren Kindern hielt ihren Vortrag im Schottenrock. Mit überzeugender Einfalt war es ihr möglich, die Welt in zwei Lager zu teilen: auf der einen Seite die Mutter, die Heim und Kinder schützt, der Frieden, die Blumen. Auf der anderen Seite die Männer mit Presslufthammer, Gewehr und Scheckkarte. Trotz dieser Schematik war es klar, dass sie »uns« gut gelesen hatte.
Nach dem Vortrag, bei der Diskussion, stand Rosi Braidotti auf, und machte sich über die Existenz von »Frauen« lustig. Mit ihrem ironischen Zerriss der Englisch sprechenden Hausfrau traf sie genau den wunden Punkt der meisten Artikel, die ich früher als Mitverlegerin der Courage druckfertig gemacht hatte. »Frau« war für Braidotti ein romantisches, sentimentales, unwissenschaftliches, typisch rassistisches ideologisches Konglomerat.
Ein Hochstilisieren von etwas angeblich Gemeinsamem an schottischen Hausfrauen, afrikanischen Sklavinnen, relativ unterbezahlten Leitungsbeamtinnen, arbeitslosen Habilitierten und Dienstmädchen. Braidotti sprach als Wissenschaftlerin. Sie ließ nur das als zuschreibbare Eigenschaft gelten, was gemessen werden kann und was gemessen worden ist. Ich fühlte mich mit der Schottin angegriffen, aber ich konnte nicht umhin, die Stringenz zu bewundern, mit der Braidotti alles, was als eine Substanz, eine Essenz, als Natur, ja als Körper der Frau überhaupt besprochen wurde, als ein unwissenschaftliches Emblem oder Ideologem abservierte. Damals schon im zwanzigsten Jahr meiner feministischen Erfahrung, konnte ich ebensowenig vermeiden, die politische Relevanz von Braidottis Argument zu fassen.
Warum wohl? Nach zwanzigjähriger Bewegung war es mir klar, dass politische Erfolge im Dienst der Ver-wirung aller Frauen der Welt unvermeidlich und primär der Beförderung jener Menschen gedient hatte, mit deren Eigenschaftsprofilen ich mich vergleichen kann. Und dass dieses Modell als Vorbild dienen sollte für weitaus mehr Frauen, die immer ferner und immer schmerzlich bewusster entfernt von unseren Fortschritten waren. So unakzeptabel für mich die Dekonstruktion dessen auch sein mag, als was ich mich fühle, die Dekonstruktion der traditionellen Historizität des Frauseins, in dessen Schatten ich aufgewachsen bin".

(aus: Barbara Duden im Freitag vom 07.03. 2003)

 
       
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
  • NOLTE, Dorothee (2003): "Da stimmen die Witze nicht mehr".
    Wie männlich ist die Wissenschaft? Karin Hausen, Mitbegründerin der historischen Geschlechterforschung, wird 65 - und verlässt die Universität ohne Bedauern,
    in: Tagesspiegel v. 18.03.

 
       
   
  • Die Ehe in der Debatte

    • KAST, Bas (2003): Der Hochzeitskick.
      Macht die Ehe glücklich? Studien zeigen: Schon Monate vor der Trauung fühlen wir uns besser - bei manchen hält das gute Gefühl Jahre an,
      in: Tagesspiegel v. 18.03.

    • TSP (2003): Wenn es nicht klappt.
      Kinderlos und vertraglich abgesichert - so scheitern Ehen,
      in: Tagesspiegel v. 18.03.

 
       
   
  • Wolf Haas - Das ewige Leben

    • BAßLER, Moritz (2003): Wortwaffen, großkalibrig.
      Wer schweigt, geht: Wolf Haas gibt seinem Detektiv Brenner einen letzten großen Auftritt,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.03.

 
       
   
  • Jürgen Busche - Die 68er

    • HIEBER, Jochen (2003): Schuften im keuchenden Morgenland der Erde.
      Rudi Dutschke, Star der Studentenbewegung, entfaltet in seinen Tagebüchern jene Leidenschaft für den Weltlauf, die Jürgen Busches Achtundsechziger vermissen lassen,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.03.

 
       
   
  • "1979" von Christian Kracht im Theater

    • KANSTEINER, Morten (2003): Die Hölle bin ich.
      Matthias Hartmann hat in Bochum den Roman "1979" von Christian Kracht für die Bühne adaptiert. Auch wenn der Theaterapparat manchmal ins Ächzen kommt: Der Inszenierung gelingt es, den schwierigen Vorgang abzubilden, der die schrittweise Verfertigung der Illusion beim Erzählen heißt,
      in: TAZ v. 17.03.

    • IDEN, Peter (2003): Eine Auslöschung als Glücksfall.
      Christian Krachts Roman "1979", von Matthias Hartmann multimedial umgesetzt,
      in: Frankfurter Rundschau v. 17.03.

    • WILINK, Andreas (2003): Das flüchtige Phantom der Freiheit.
      Vom Roman zum Making-Of eines Roadmovies: Matthias Hartmann inszeniert in Bochum Christian Krachts "1979",
      in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.

    • HEINE, Matthias (2003): Spiel mit romantischen Allegorien.
      Matthias Hartmann bringt in Bochum Christian Krachts "1979" auf die Bühne,
      in: Welt v. 17.03.

    • LAUDENBACH, Peter (2003): Wir Menschen vom Planeten Pop.
      Am Ende der Party: Das Schauspielhaus Bochum bearbeitet Christian Krachts Roman "1979",
      in: Tagesspiegel v. 16.03.

 
       
   
  • REMKE, Susann (2003): "Optimismus ist lernbar".
    US-Psychologe Martin Seligman verrät, wie trotz globaler Depression das persönliche Glück nicht auf der Strecke bleibt,
    in: Focus Nr.12 v. 17.03.

Im Gegensatz zu Mark SIEMONS weiß der Sozialpsychologe Martin SELIGMAN zumindest wovon er spricht.
 
       
     
       
   
  • MARZ, Eva (2003): Trauring, aber wahr.
    Wer bei Plus heiratet, handelt im Sinne der Demokratie,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 17.03.

Eva MARZ mokiert sich über die Supermarktkette Plus und ihre Hochzeit zum Niedrigpreis:

"Ob man den Discounter nun für kompetent in Stilfragen halten mag oder nicht, er leistet sich hier einen Verstoß gegen die Ordnung der Dinge, indem er nämlich das Einzigartige des schönsten Tags im Leben in das Feld des ordinären Konsums einzugliedert".

Nach Dirk SANDER ("Warum (noch) ledig? Warum nicht Ehe?) sind Heiratskosten als Ehehindernis zu sehen:

"Einige unserer Befragten (...) gaben an, daß sie nicht die finanziellen Mittel hätten, eine Hochzeitsfeier auszurichten. Die für diese Befragten mit der Eheschließung verbundenen Übergangsrituale reduzieren sich nicht auf eine schlichtere standesamtliche Trauung, vielmehr gehören hierzu alle Feierlichkeiten vom Polterabend bis hin zur kirchlichen Hochzeit »in Weiß«, darüberhinaus eine »angemessene« Hochzeitfeier".

Bei der FR hat sich Joachim WILLE auch schon Gedanken gemacht.

 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
  • Die Ehe in der Debatte

    • LATUSSECK, Rolf H. (2003): Gibt es wirklich Eheglück?
      Eine Langzeitstudie mit deutschen Paaren ergab, dass zufriedene Menschen durch den Trauschein keinen Zugewinn an Wohlbefinden erfahren,
      in: Welt am Sonntag v. 16.03.

 
       
   
  • Das Single-Dasein in der Schweiz

    • MÜLLER, Armin (2003): Jeder Dritte könnte von AHV und Pension nicht leben.
      Die Altersvorsorge in der Schweiz baut vorab auf Illusionen. Es wäre höchste Zeit für Reformen, zeigt eine Umfrage der SonntagsZeitung,
      in: SonntagsZeitung v. 16.03.

 
       
     
       
     
       
     
       
     
       
     
       
   
  • WINKLER, Willi (2003): Diederichsen, halt den Sabbel!
    Der größte Poptheoretiker der Welt sieht mal wieder das Ende des Pop statt das Ende des größten Poptheoretikers der Welt. Wir verleihen ihm jetzt mal den "Adorno des Monats",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 15.03.

 
       
     
       
   
  • WILLE, Joachim (2003): Ehepauschale.
    Hochzeit vom Discounter,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.03.

    • Joachim WILLE denkt bei der Niedrigpreis-Hochzeit an zwei Zielgruppen: Schüchterne und scheidungsfreudige Mitbürger.
 
       
   
Nach Jürgen TRITTIN vollzieht auch Renate KÜNAST die rhetorische Kehrtwende zur sozialen Gerechtigkeit und hofft ansonsten auf bessere Zeiten:

"Die Diskurshoheit haben zur Zeit noch die, die mit Reform eigentlich ihr Gegenteil meinen - einen fundamentalen Systemwechsel oder das weitgehende Abschaffen sozialer Sicherung".
         KÜNAST konvertiert sogar zur Ludwig ERHARDT-Anhängerin, wenn sie "Wohlstand für alle" verspricht. Die Rolle vorwärts zur Generationengerechtigkeit wird ebenfalls beherrscht:
         "Gerechtigkeit ist eine Frage der Generationen- UND Verteilungsgerechtigkeit".

Jetzt muss KÜNAST nur noch die Grünen überzeugen und vor allem die SPD.

 
       
   
  • HILGERS, Micha (2003): Abschied - mehr als ein Wort.
    Der Psychoanalytiker Micha Hilgers über Trennungen per SMS,
    in: Tagesspiegel v. 13.03.

Benjamin von STUCKRAD-BARREs Roman Soloalbum läuft demnächst als Film im Kino an. Wird die Freundin des "Filmhelden" per SMS Schluß machen, einfach mit dem Kürzel "leia" für "Liebling, es ist aus!" die Freundschaft aufkündigen? HILGERS spricht schon mal vorab ein psychoanalytisches Machtwort.
 
       
     
       
     
       
     
       
   
  • OCKENFELS, Wolfgang (2003): Gemeinwohl auf Abwegen.
    Kirche und Staat können gemeinsam mehr erreichen. Kein Weg führt daran vorbei: Es müssen Opfer gebracht werden. Die Deutschen sollten schnell lernen, sich selber wieder mehr zuzumuten,
    in: Rheinischer Merkur v. 13.03.

Wolfgang OCKENFELS lehrt nach Angaben des Rheinischen Merkur Christliche Sozialwissenschaften in Trier. Die Deutschen sollen Opfer bringen? Offenbar gehören die Eliten nicht zu den Deutschen! Die Aufgabe der Eliten ist es, die Auswahl der Opferbringer zu treffen. Christlich und neoliberal, das passt immer besser zusammen:

"»Soziale Gerechtigkeit« wurde immer mehr zu einer manipulativen Worthülse, die sich mit »Sozialneid«, Gleichheitsideologie und Anspruchsdenken füllte. Dadurch ist der Gedanke der Leistungs- und Tauschgerechtigkeit völlig unter die Räder gekommen".

 
       
   
Robert JACOBI predigt von der Leitartikler-Kanzel seine neoliberale Botschaft vom Sozialabbau. Ein Blick auf die Medienseite ist deshalb angebracht. Dort ehrt Roger WILLEMSEN in der Serie über große Journalisten Karl KRAUS:

"Nichts war ihm verächtlicher als »Journalisten«, nichts unerträglicher als die Verflechtung von Meinung und persönlichem Vorteil, nichts schaler als eine »Pressefreiheit« für Meinungen, die keiner Freiheit bedürfen. Anders gesagt: Er trat mit Konsequenz und Rigorosität gegen Verhältnisse auf, die heute nicht einmal mehr beklagt werden.
(...).
Mit dem Ende des Idealismus, mit der Lohnabhängigkeit des Journalisten im Dienst von Konzernen ist auch die Lust an der Moral vergangen. Heute existiert weder echte Unabhängigkeit vom Anzeigenteil, noch von den Aktivitäten von Konzernen, die sich »wertkonservativ« nennen, aber in »Wertschöpfungsketten« denken. Andere Dinge sind vorrangig: Erfolg, Image, Arbeitsplatz".

Es steht also alles in der SZ, man muss nur zusammenbringen was zusammen gehört!

 
       
   
  • JUNGLE WORLD-Titelstory: Gib's uns Kanzler!
    Deutsches Volk, aufgepasst! Der Kanzler spricht. Die Müßiggänger schieb beiseite, die Kranken hol aus den Betten, ein einig Ruck soll es sein. Denn Deutschland muss erneuert werden. Wer jetzt noch bremst, ist ein Schuft oder ein Gewerkschafter. Am 14. März heißt es: Vorhang auf für den Kanzler der Schmerzen!
 
       
     
       
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2003): Pop ist ein Absturz.
    Teddy, der Inkommensurable (3): Theodor W. Adorno verachtete Jazz und Popular Music. Dennoch nahm er als Musiksoziologe die Themen aktueller Poptheorie vorweg. Aus zutreffenden Beschreibungen leitete er allerdings fragwürdige Bewertungen ab,
    in: TAZ v. 11.03.

Nebenbei bemerkt hat Diedrich DIEDERICHSEN zwei Tage zuvor im Tagesspiegel die Pop-Position der taz kritisiert:

"sogar die »taz« macht sich, vor allem durch ihren Schlagertheoretiker Feddersen, programmatisch stark für den Grand Prix und unterstützte eine eigene Kandidatin. Wenn das nur eine PR-Aktion gewesen wäre, wäre es mir egal gewesen, aber leider gab es auch Grundsatzdebatten, die sich von der linken, Subkultur-geleiteten Pop-Hegemonie verabschieden wollen, zugunsten des geilen europäischen Massenpublikums. Das Argument war so schlicht wie ideologisch: Die linke und subkulturelle Kritik an der Massenunterhaltung erschöpfe sich darin, dem Mainstream seinen Mainstream vorzuwerfen, brächte aber umgekehrt auch nur kulturelle Grüppchen und Zirkel hervor".

 
       
     
       
   
  • TRITTIN, Jürgen (2003): Absage an die Neoliberalen.
    Modernisieren mit linkem Anspruch: Die Alternative zur Abschaffung des Sozialstaats ist seine Erneuerung - und nicht der Status Quo. Und erneuern kann nur, wer das Thema Gerechtigkeit glaubwürdig besetzt. Eine Wortmeldung vor Gerhard Schröders Regierungserklärung am 14. März,
    in: TAZ v. 11.03.

TRITTIN hat erkannt, dass das Ausspielen von Generationengerechtigkeit gegen soziale Gerechtigkeit (à la Gustav SEIBT) inzwischen - selbst der Dümmste im Lande - durchschaut hat, also tritt er die rhetorische Kehrtwende an:

"Das Grundsatzprogramm der Grünen stellt Gerechtigkeit und Selbstbestimmung nach vorne. Es geht dabei aber von einem erweiterten und nicht von einem auf vermeintliche Generationengerechtigkeit verengten Gerechtigkeitsbegriff aus. Gerechtigkeit in diesem Sinne beinhaltet Gerechtigkeit in der Verteilung - auch der Lasten, die eine Erneuerung mit sich bringt - zwischen den Generationen und zwischen den Geschlechtern".

Die Wahlniederlagen und die damit erzwungene Erkenntnis, dass selbst Wähler der Grünen nicht nur Kinder, sondern auch Eltern und damit Familie kennen, haben TRITTIN  zum Vorpreschen veranlasst. Bislang war Jürgen TRITTIN vor allem als gern gesehener Gast im neoliberalen Revoluzzer-Forum der FAZ bekannt. 

 
       
   
  • HÖGE, Helmut (2003): Die richtige Behandlung von Widersprüchen.
    Wirtschaft als das Leben selbst,
    in: junge welt v. 11.03.

 
       
       
   

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Zu den News vom 01. - 10. März 2003

 
       
   
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