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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 09. - 15. März 2004

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Der »Morgen danach«, der Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht (...) ist eine Art mehrdeutiges Intervall, an dem die verschiedenen konstitutiven Elemente der Liebe ins Spiel kommen können. Die Leidenschaft des Vorabends ist zur Ruhe gekommen, die Atmosphäre ist ruhiger; zärtliche Sinnlichkeit kann das Verlangen jedoch wieder zum Erwachen bringen. Alles ist möglich am Morgen danach, es ist ein besonders inhaltsreicher und offener Augenblick. (...).
Die typischen Szenen (das Aufwachen, das Bett als Refugium, das Aufstehen, der Gang ins Badezimmer und das Frühstück) spielen sich innerhalb weniger Stunden ab und beschränken sich auf zwei oder drei Zimmer (das Schlafzimmer, das Badezimmer, die Essecke). (...).
Der Morgen danach ist (...) ein entscheidendes Ereignis, ein Ereignis, das heute in der Folge von Mikro-Abenteuern, die Auslöser für ein Leben zu zweit sind, das entscheidendste ist. In seiner scheinbaren Bedeutungslosigkeit (...) ist der Morgen danach alles andere als ein Nicht-Ereignis. Denn fortan entscheidet sich am Morgen danach die Zukunft des Paares."
(aus: Jean-Claude Kaufmann "Der Morgen danach", 2004, S.10ff.)
 
       
       
     
   
  • SCHULLER, Alexander (2004): Bitte neu sortieren: Eigentum, Familie, Bildung,
    in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio v. 15.03.
    • Kommentar:
      SCHULLER verteidigt die Großerben und begründet mittels ELTERNpolitik, warum den Reichen eine Erbschaftssteuer nicht zumutbar ist:

            
         "Ohne Familie kommen wir aus dem Nichts und gehen ins Nichts. Ohne Kinder sind wir das Letzte - zumindest im wörtlichen Sinne. Nach uns die Sintflut. Familie, Gut und Geschichte bedingen sich. Kinder zeugen, Eigentum vererben, Geschichte sichern: das ist eine Einheit. Auf die Zerstörung dieser Einheit zielt bekanntlich die Erbschaftssteuer, ein sozialistisches Lieblingsprojekt."
            
         Fakt ist , dass der Reichtum in der Erbengeneration extrem ungleich verteilt ist.
            
         Um sich das ganze Ausmaß dieser sozialen Ungleichheit vorzustellen, genügt ein Blick auf die Daten des repräsentativen Alterssurvey von 1996. Marc SYDLYK schreibt:
            
         "Allerdings machen ein Fünftel der bisherigen und ein gutes Sechstel der gesamten Erbschaften nicht einmal 5 000 DM aus. Fünf bzw. acht Prozent der Erben erhalten mindestens eine halbe Million Mark; zwei bzw. drei Prozent mindestens eine ganze Million." ("Lebenslange Solidarität", 2000, S.160).
            
         Wer eine Erbschafts- bzw. Vermögenssteuer ablehnt, der muss begründen, wie er verhindern will, dass zukünftig die soziale Herkunft die Chancengleichheit noch stärker beschränkt, als dies Studien heutzutage bereits beweisen.
            
         Der Elitenforscher Michael HARTMANN hat eindrucksvoll nachgewiesen, dass die soziale Herkunft selbst noch im Berufssystem als Selektionskriterium dient.
            
         Wer eine Leistungsgesellschaft tatsächlich möchte und nicht nur beschwört, der muss ständische Privilegien abbauen, ansonsten macht er sich unglaubwürdig.
 
   
  • Der wichtige Artikel:
    SCHIRRMACHER, Frank (2004): Die Revolution der Hundertjährigen.
    Warum wir unser Altern neu erfinden müssen,
    in: Spiegel Nr.13 v. 15.03.
    • Kommentar:
      Anlässlich des Erscheinens von "Das Methusalem-Komplott" des FAZ-Herausgeber SCHIRRMACHER druckt der SPIEGEL einen Essay, der UNGEHEUERLICHES verbreitet.

            
         Sowohl im Negativen als auch im Positiven wird damit eine Debatte eröffnet, deren Horizonte weitreichend sein werden.
            
         Nachdem im Jahr 2002 die Novemberrevolution fehlgeschlagen ist und uns Rot-Grün immer noch regiert, greift der gescheiterte Putschist nun erneut nach der kulturellen Hegemonie in Deutschland. Diesmal möchte er sich gleich mindestens bis zum Jahr 2050 die Deutungshoheit sichern.
            
         Der Essay gibt einen Vorgeschmack auf das demagogische Denken von SCHIRRMACHER.
            
         Mit sicherem Instinkt für deutsche Gefühlslagen, hat SCHIRRMACHER das Gelände zukünftiger Debatten dreist vermint.
            
         Wer sich mit der Thematik bisher nicht intensiv beschäftigt hat - und das sind die Wenigsten - wird sicher die eine oder andere Tretmine auslösen.
            
         Der naive Leser wird das von SCHIRRMACHER Vorgetragene möglicherweise ganz vernünftig finden, denn unsere Mitte-Eliten haben ganze Arbeit geleistet.
            
         Seit gut 3 Jahren (alles fein säuberlich auf single-generation und single-dasein dokumentiert) wird uns Nicht-Eliten tagein tagaus das
      Verweissystem des demografischen Wandels
      eingehämmert.

            
         Würde uns jemand mitten in der Nacht wecken und uns danach fragen, dann würden wir gedankenlos antworten: Vergreisung - zu wenige Kinder - wir dürfen uns auf den Sozialstaat nicht mehr verlassen, sondern müssen selber vorsorgen. Als "Poppen für die Rente" hat das jemand scheinbar konsequent auf den Punkt gebracht.
            
         Der Essay leistet zwei zentrale Aufgaben: zum einen stiftet er eine deutsche Eliten-Identität und zum zweiten befeuert er die europäische Angstgesellschaft. Beides sind der Stoff, aus dem heutzutage Bestseller gemacht werden.
            
         Im Gegensatz zu Florian ILLIES beschränkt sich SCHIRRMACHER nicht allein auf die Altersgruppe der Generation Golf, sondern zielt -  wie bereits Martin SCHACHT - auf die "ewige Zielgruppe" der heute 30 - 49Jährigen.
            
         Nach dem Motto "Masse = Kaufkraft = Macht" bastelt SCHIRRMACHER den bislang nur noch als verlorener Generation bekannten Altersgruppen einen goldenen Notausgang.
            
         Dieses Katz-und-Maus-Spiel gelingt am ehesten in Situationen der Panik, in denen man immer die einzige offene Tür wählt - selbst wenn sie in den Abgrund führt!
            
         Nach dieser - notwendig - weit schweifenden Einleitung, sollen nun zumindest ein paar konkretere Details angesprochen werden.
            
         Mit nichts weniger als dem "Trauma eines rapide alternden Landes" befasst sich unser selbsternannter Vordenker:
            
         "Manches spricht heute dafür, dass jene demografischen Veränderungen, die 2014 zweifellos schon für jedermann mit Händen zu greifen sein werden, das 20. Jahrhundert beerdigen werden."
            
         Dieser Satz entfaltet seine Sprengkraft nur im Zusammenhang mit dem perfiden Vergleich. SCHIRRMACHER beruft sich nicht auf eine soziale Innovation, sondern - das Wort "beerdigen" signalisiert es bereits - er vergleicht die Situation mit dem Beginn des 1. Weltkrieges. Wir dürfen uns also als eine Art "Generation Stahlgewitter" 2. Update fühlen!
            
         Hätte sich SCHIRRMACHER nur mit den Folgen der verlängerten Lebenserwartung befasst, single-dasein.de wäre ganz einverstanden gewesen, denn vor kurzem wurde an dieser Stelle "nichts anderes als eine kopernikanische Wende" der Politik im Umgang mit dem Alter gefordert.
            
         Das tut SCHIRRMACHER ebenfalls. Er prangert die Altersdiskriminierung ( neudeutsch: "Ageism") an. Schließlich wird er ja ebenfalls zu diesen "neuen Alten" gehören!
            
         SCHIRRMACHER begnügt sich jedoch nicht mit diesem Aspekt, dessen Ausführungen man gerne gelauscht hätte, nein,
      SCHIRRMACHER geht es primär um das, was Wissenschaftler neuerdings als "Unterjüngung" bezeichnen. Dieser Terminus beinhaltet eine implizite Schuldzuweisung, die eigentlich eine Kernzielgruppe von SCHIRRMACHER, nämlich die Generation Golf, attackiert.

            
         Das passiert so nonchalant nebenbei, dass es im Strahlen der Nebelkerzen nahezu untergeht:
            
         "Unsere Gesellschaft wird aus zwei Richtungen untergraben: Zum einen sind die Menschen, um die es mir geht, alle schon geboren (...). Zum anderen wurden die Jungen, die wir für die Zukunft benötigen, niemals geboren."
            
         SCHIRRMACHER betet hier die Parolen des nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlers Herwig BIRG und seiner Linientreuen in den Statistikverwaltungen nach.
            
         Am 7. März hat die greisenhafte Süddeutsche Zeitung ( meist mit der Verbreitung von Niedergangsszenarien beschäftigt) die Vorwürfe von Gerd BOSBACH mit den gleichen Argumenten zu entkräften versucht. Angeblich sind die neuesten Prognosen ja immer die Genauesten. Ist  immer irgendwie richtig!
            
         Eigentlich ist die SZ nicht mehr im Netz zu lesen, aber der Versuch BOSBACH zu entkräften, wurde von der neoliberalen Elite extra ins Netz gestellt.
            
         Die Bevölkerungsvorausberechnung vom Juni 2003 diente einzig dem Zweck, die Agenda 2010-Reformen ungestörter durchzusetzen. Und der Zweck heiligte dabei gewaltig die demagogischen Mittel!
            
         Man erinnere sich. Gravierendste Neuerung: eine enorme Zunahme der Lebenserwartung, die bislang in Vorausberechnungen zu niedrig angesetzt worden ist.
            
         Was aber wirklich dreist war, das war die Beibehaltung einer Geburtenrate von 1,4 für die nächsten Jahrzehnte! Und genau das ist der Knackpunkt, der das Machwerk der Bevölkerungsvorausberechnung zu Fall bringen wird.
            
         Wir können uns noch genau an die letzte Präsidentschaftswahl in den USA erinnern.
      BUSH wurde nur Präsident, weil mit einem vorsintflutlichen Wahlverfahren gearbeitet wurde.

            
         Wir Deutschen haben uns über die "High-Tech"-US-Nation mit ihrer Low-Tech-Ausstattung lustig gemacht. Unser eigenes statistisches Waterloo steht uns dagegen noch bevor.
            
         Unsere Bevölkerungsstatistik basiert auf den Normen der 50er Jahre-Gesellschaft. Eine korrekte Erfassung setzt ein Golden Age of Marriage voraus!
            
         Die lebenslange Ehe ist notwendig, damit Geburten korrekt einer Frau zugeordnet werden können.
            
         NULL voreheliche Geburten! NULL Scheidungen! NULL Wiederverheiratungen! Ist das gegeben, dann kann das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit korrekt gemessen werden.
            
         Bereits Anfang der 80er Jahre wies die Bevölkerungswissenschaftlerin Charlotte HÖHN auf diesen Missstand hin.
            
         Bis heute basiert die amtliche Statistik auf den 50er Jahre Normen. Dies störte bislang niemand. NIEMAND! Die Mehrzahl profitierte auf irgendeine Weise von diesem skandalösen Zustand!
            
         Die Aufdeckung dieser Misere könnte dazu führen, dass das beliebte Schlagwort von der "Single"-Gesellschaft völlig absurdum geführt würde.
            
         Viele Minderheiten - wie z.B. zusammenlebende Paare mit Kind(ern), die sich aufgrund eines Alleinerziehenden-Status Vorteile verschafften, haben es sich in ihrer "Indivualisierungs-Nische" bequem gemacht. Der eine Lebenspartner firmierte als Single-Haushalt, der andere als Alleinerziehenden-Haushalt. Zwei-Haushalte - eine Familie! Wundersame Explosion der Single-Zahlen! Sozusagen ein familienpolitisch nutzbares Perpetuum Mobile!
            
         Der Knüller kommt jedoch noch! Der Bevölkerungswissenschaftler Gert HULLEN hat anhand einer sozialwissenschaftlichen Erhebung erstmalig nachgewiesen, dass von den in den 60er Jahren geborenen Frauen nur 14 % lebenslang kinderlos geblieben sind!
            
         In der öffentlichen Debatte schwanken dagegen die Zahlen von über 20 % bis zu über 30 % (1965 Geborene). Die angebliche Gebärfaulheit ist auf gravierende Messfehler der amtlichen Bevölkerungsfortschreibung zurückzuführen.
            
         Dies wird sich nicht mehr lange geheim halten lassen. Der Mohr (also die Bevölkerungsvorausberechnung vom Juni 2003) hat inzwischen jedoch seinen Dienst getan und eine Aufdeckung dieses Skandals wird die Reformen nicht mehr rückgängig machen.
            
         Unsere Elite hat uns getäuscht. Sie wird uns sagen, dass es nur zu unserem Besten war. Sie wird verschweigen, dass es vor allem ihr Bestes war!
            
         Während die Anschuldigungen von BOSBACH halbherzig waren, ist die Kritik von single-dasein.de nicht zu entkräften. Die Geburtenrate der jüngeren Kohorten werden zu pessimistisch eingeschätzt. Das ist FAKT!
            
         Die Surveydaten mögen nicht exakt sein, weil die Datenbasis nicht genau der Bevölkerungsstruktur entspricht. Die Verzerrrung ist jedoch nicht so hoch, dass die Ergebnisse von HULLEN gänzlich angezweifelt werden könnten. Es mag um einige Prozentpunkte gehen, aber die Tendenz ist eindeutig:
      die in den 60er Jahren geborenen Frauen sind nicht so gebärfaul wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt werden.

            
         Die Konsequenz ist: der demografische Wandel wird - aufgrund der niedrigeren "Unterjüngung" nicht so dramatisch ausfallen wie unsere Sozialpopulisten behaupten.
            
         Über die Geburtenrate der jüngeren Frauen lässt sich  noch nicht viel sagen. Nur eines ist gewiss: Die Berechnungsgrundlage von Bevölkerungsvorausberechnungen müsste GRUNDLEGEND revidiert werden. Andere europäische Länder sind da weiter.
            
         International renommierte Demografen haben darauf hingewiesen. In der Mitte-Presse gab es darauf jedoch kein Echo.
            
         Einzig Detlef GÜRTLER hat auf eigene Faust Berechnungen angestellt. HULLENs Ergebnisse bestätigen GÜRTLERs Kritik an der Bevölkerungsvorausberechnung
            
         Die einstmals alternative TAZ lehnte dagegen sogar einen Leserbrief von single-dasein.de mit einer ziemlich fadenscheinigen Begründung ab.
            
         Die Mitte-Elite hat nun erfolgreich den Ausstieg aus dem Umlagesystem der Sozialversicherung eingeleitet. Der Skandal ist jetzt nur noch von historischem Interesse, aber er könnte langfristig die Glaubwürdigkeit der selbstgefälligen Eliten erschüttern.
            
         Der Machtzerfall eines überlebten Regimes fängt gewöhnlich an der Peripherie an!
            
         SCHIRRMACHERs Pamphlet steht und fällt aber mit der Richtigkeit der Datenbasis, die alles andere als gegeben ist.
      Mehr zum Thema:
 
     
     
   
  • TIGGES, Claus (2004): Eine kleine Ökonomie des Kinderkriegens.
    Von Söhnen, Hochzeiten und Scheidungen. Und warum sich Volkswirte damit beschäftigen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 14.03.
    • Kommentar:
      In der Soziologie besagt das so genannte Thomas-Theorem, dass Menschen so handeln, wie sie eine Situation sehen, ohne dass sie auch so sein müßte.

            
         Das trifft genau das Problem, um das es hier geht. Volkswirte sehen die Welt durch ihre ökonomischen Kategorien. Und man wundert sich kaum, dass wo man Ökonomie rein steckt auch wieder Ökonomie rauskommt.
            
         Da sich der Artikel auf der Wirtschaftsseite befindet, wird hier der familienökonomische Ansatz von Gary BECKER behandelt. Kinder werden als "Nutzen", "Kosten" oder in Kategorien von Angebot und Nachfrage beschrieben.
            
         Der Sozialstaat ist in dieser Buchhalter-Perspektive - niemand wird es wundern - eher hinderlich...
 
   
  • ECO, Umberto (2004): Die populistische Bedrohung der Demokratie.
    Wie sich der Konservative vom Reaktionär und Faschisten unterscheiden muss,
    in: Welt am Sonntag v. 14.03.
    • Kommentar:
      "Der Reaktionär ist der Meinung, dass es antikes Wissen und ein traditionelles Modell sozialer und moralischer Ordnung gibt, zu dem man um jeden Preis zurückkehren muss. Er stellt sich gegen alle so genannten Errungenschaften des Fortschrittes von den liberal-demokratischen Ideen bis zur Technologie und der modernen Wissenschaft. Der Reaktionär ist somit kein Konservativer, sondern eher ein rückwärtsgerichteter Revolutionär", doziert Umberto ECO.

            
         Der sich als "neuer Reaktionär" missverstanden gefühlte Michel HOUELLEBECQ hat das einfacher gesagt: "Wurzel allen Konservatismus ist die geistige Faulheit."
 
   
  • SACK, Adriano (2004): Die Familie als Versuchslabor.
    Die 68er probierten neue Erziehungsmethoden aus - und machten dabei erstaunlich viel richtig. Rückblick eines Betroffenen,
    in: Welt am Sonntag v. 14.03.
    • Kommentar:
      Selbst die WAMS entdeckt offenbar die Vorzüge einer Mitte jenseits von rechts und links:

            
         Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin eins dieser Kinder: Mein Vater ist Soziologe, er bezeichnete sich in meiner Kindheit als Kommunist, in unseren Bücherregalen standen Karl Marx, Michel Foucault und die antiautoritären Schriften des englischen Pädagogen A. S. Neill."
            
         Dafür gibts heutzutage artige Sätze vom Sohnemann Adriano SACK wie:
            
         "Eine Gesellschaft, in der die Menschen immer älter werden und immer länger gesund sind, die braucht keine 60-jährigen Rentner. Die braucht keinen Jugendwahn, sondern einen Alterskult."
            
         Das trifft sich gut, erscheint doch demnächst die erste Ausgabe von "Cicero" (Das war dieser antike Oberlehrer, der von der Gerontokratie schwärmte und vor dem Jugendwahn warnte. Eben!) 
 
   
  • HERPELL, Gabriela (2004): David Byrne.
    Über Schüchternheit,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
    • Inhalt:
      David BYRNE (Ex-Talking Heads) u.a. über die Vorzüge des Pop-Startums für Schüchterne:

            
         "Vor ein paar Jahren haben Sie einen Song geschrieben, in dem Sie sich darüber beklagen, auf einer Party der am wenigsten angesagte Gast zu sein. Kenn Sie das Gefühl heute noch?
      Ich kann mich gut daran erinnern. Ich habe sehr lange so gefühlt (...). Wenn ich in Clubs und Bars ging, stand ich allein in der Ecke und redete mit niemandem (...).
      Pop-Star zu sein war eher ein wunderbares Vehikel, Leute kennen zulernen. Es funktionierte, da die Leute mich ansprechen. Ich konnte dann antworten, hatte aber selbst nicht den Druck, mich fremden Menschen nähern zu müssen.
      (...).
      Wurden Sie nicht irgendwann sicherer?
      (...) Ich konnte meine Schüchternheit immer nur phasenweise kompensieren (...).
      Waren Sie neidisch auf die anderen, die das Leben leicht nahmen (...)?
      Ja, aber ich habe so getan, als würde ich sie für diese Leichtigkeit verachten."
 
   
  • ROLL, Evelyn (2004): Im Grab mit der Großtante.
    Johannes Rau und Rudi Dutschke trafen sich nur einmal - das hatte folgen,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
 
   
  • Ein Jahr Agenda 2010-Regierungserklärung

    • JACOBI, Robert (2004): Der Katalog der Grausamkeiten...
      ... und was inzwischen daraus geworden ist: Bei welchen Themen sich der Bundeskanzler durchsetzte - und bei welchen nicht,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
 
   
  • RUBNER, Jeanne (2004): Mehr als Klötzchen.
    Der Familienforscher Wassilios Fthenakis fordert ein Bildungsprogramm für Kleinkinder,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
 
   
  • RAPP, Tobias (2004): Strategische Dummheit.
    Der wirklich allerletzte Beweis für das ultimative Ende der Poplinken: Mieze und ihre Band Mia besingen auf ihrem neuen Album "Stille Post" vor allem Gefühle, die einen in ihrer vollen politischen Naivität aber mit einer gewissen Wahrhaftigkeit anlachen,
    in: TAZ v. 13.03.
    • Kommentar:
      Tobias RAPP behauptet, dass mit der Band Mia die Poplinke an ihr Ende gelangt sei. Tatsächlich ist jedoch die Poplinke schon lange nur noch eine Sekte gewesen. Sie hat es nur nicht bemerkt!

            
         In Großstadt-Ghettos konnte sie sich noch lang genug selbst feiern, aber so mancher feiert jetzt nur noch sein Geschichtsgefühl. Andere träumen sich dagegen zur "ewigen Zielgruppe".
            
         Wenn Mia das nun ans Licht bringt, dann hat das ja etwas Gutes: Selbsterkenntnis kann bekanntlich der Anfang einer wunderbaren Geschichte sein. RAPP ist jedoch noch nicht so weit!
            
         Im neuesten Heft von Ästhetik & Kommunikation, das sich pikanterweise mit dem "Geschichtsgefühl" befasst, wird u.a. die Zeitschrift Spex - also das ehemals zeitgeistige Zentralorgan der Poplinken - historisiert. Bekanntlich geschieht so etwas erst, wenn der Verwesungsgeruch schon deutlich riechbar ist...
 
   
  • NZZ-Zeitzeichen: Geburtenkontrolle

    • HE. (2004): Familienplanung anders,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.03.
      • Kommentar:
        Fälschlicherweise wird der Geburtenrückgang im Deutschland der 60er Jahre immer noch gerne als "Pillenknick" bezeichnet.

              
           Tatsächlich ist jedoch Geburtenkontrolle so alt wie die Menschheit, nur die Formen haben sich geändert. Frühere Generationen griffen zur Kindestötung oder -aussetzung, um die Familiengröße anzupassen.
              
           Die Erfindung der Pille kann unter diesem Gesichtspunkt als Humanisierung der Familienplanung verstanden werden. 
    • SCHIEFENHÖVEL, Wulf (2004): Fertilität zwischen Biologie und Kultur.
      Traditionale Geburtenkontrolle in Neuguinea,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.03.
    • TUOR-KURTH, Christina (2004): Familienplanung contra Schutz des menschlichen Lebens.
      Kindesaussetzung in den antiken Gesellschaften des Mittelmeerraums,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.03.
 
   
  • ZYLKA, Regine (2004): Keine Kinder, keine Rente,
    in: Berliner Zeitung v. 12.03.
    • Kommentar:
      "Was Hohmann (...) propagiert, ist nichts anderes als die Ethnifizierung und Utilitarisierung des Rechts. Allein Deutsche und unter ihnen nur die Arbeitswilligen und Fruchtbaren dürfen seinem Blickwinkel zufolge am »Gemeinwohl« teilhaben, nur für sie soll Recht gelten. (...). Ganz unverhohlen fordert MdB Hohmann die Rückkehr der Volksgemeinschaft", schreibt Michael WILDT in der TAZ v. 03.03. zum Rechtsverständnis des Nationalkonservativen Martin HOHMANN.

            
         WILDT versucht in diesem Artikel das Denken der Rechten von den Linken abzugrenzen. Er hält HOHMANN vor, dass er nicht mit dem demografischen Wandel als Erfordernis für einen Sozialstaatsabbau argumentiert. Tatsächlich ist jedoch das Schlagwort vom demografischen Wandel bereits ein originär rechtes Argument. Neue Mitte und Neue Rechte konvergieren in diesem Aspekt.
            
         Dies wird noch deutlicher, wenn der nationalkonservative Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG immer wieder die gravierende Zunahme der lebenslang Kinderlosen behauptet.
            
         Es wird in der öffentlichen Debatte ein Anteil von 25 % bis über 30 %  lebenslang Kinderloser genannt. Gert HULLEN hat jedoch bewiesen, dass der Anteil der lebenslang Kinderlosen bei den in den 60er Jahren geborenen Frauen nur bei 15 % liegt. Dies würde bedeuten, dass die Berechnungen aufgrund der Geburtenstatistik ein völlig falsches Bild liefert.
      Der demografische Wandel wird wesentlich weniger dramatisch ausfallen als dies die Demagogen behaupten.

      Der Knackpunkt der Berechnungen liegt im normativen Gehalt der Bevölkerungsstatistiken, denn es können nur die Geburten innerhalb von lebenslangen Ehen korrekt den jeweiligen Frauen zugeordnet werden. ES WERDEN ALSO NUR POLITISCH KORREKT GEBORENE KINDER ERFASST!

            
         Wie jedermann inzwischen weiß, haben jedoch sowohl uneheliche Geburten also auch Scheidungen und Wiederverheiratungen zugenommen.
            
         Unsere Demagogen interessiert dies jedoch nicht. Und wo kein Kläger ist, da besteht auch keine Notwendigkeit zur Revidierung dieser vormodernen statistischen Erfassung.
            
         Wer wie Regina ZYLKA eine aktive Bevölkerungspolitik fordert, dem muss gesagt werden, dass die Zunahme der lebenslang Kinderlosen kein kontinuierlicher Prozess ist, sondern auch in der Vergangenheit äußerst sprunghaft verlaufen ist.
            
         Susanne GASCHKE hat die Gebärfaulheit der Generation Golf zu beweisen versucht. Die Ergebnisse von Gert HULLEN bestätigen dagegen den Vorwurf von single-dasein.de, dass die Kluft zwischen der Geburtenrate der 68er und der Generation Golf wesentlich geringer ausfällt.
            
         Noch gewagter erscheint die Bevölkerungsvorausberechnungen, die bis zum Jahr 2050 eine konstante Zahl von 1,4 annimmt. Die Untersuchungen von HULLEN bestätigen dagegen eher die Kritik international renommierter Demografen.
            
         Ron LESTAEGHE sah bereits im Jahr 2001 eine Geburtenrate von 1,6 gegeben und John BONGAARTS behauptet gar das Ende des Geburtenrückgangs für die Industriestaaten.
            
         Für Deutschland gibt es aufgrund der vorsintflutlichen Erfassung von Geburten keine exakten Daten. Ein Skandal, der niemanden interessiert.
            
         Möglicherweise werden in nicht allzu ferner Zukunft kinderlose Frauen eine Verfassungsklage anstrengen können. Das Pflegeurteil des Bundesverfassungsgericht hat sich ausdrücklich auf die Bevölkerungsvorausberechnung berufen. Es ist jedoch absehbar, dass diese Berechnungen keinerlei Bestand haben werden.
            
         Gerd BOSBACH hat von "moderner Kaffeesatzleserei" gesprochen. Die Lage ist jedoch noch schlimmer: die Mitte-Medien haben keinerlei Interesse an der Publikmachung unliebsamer Ergebnisse. Solange die Ergebnisse von HULLEN nicht in der breiten Öffentlichkeit debattiert werden, haben die Demagogen die Oberhand.
            
         Die Daten von HULLEN wurden bereits im Jahr 2000 erhoben, das heißt, das von Demagogen in Zukunft benutzbare Argument, dass erst die familienfreundliche Reform die ansteigende Geburtenrate bewirkt hätte, kann heute bereits zurückgewiesen werden. Die Geburtenrate der jüngeren Frauenjahrgänge ist heute bereits höher als der deutschen Öffentlichkeit vorgemacht wird.
            
         Die eingeleiteten Reformen und das Urteil des Bundesverfassungsgerichts haben jedoch heute bereits Fakten geschaffen, die für Kinderlose schwerwiegende Konsequenzen haben werden. Hardliner wie ZYKLA tun ihr Übriges dazu, dass in Deutschland Kinderlose zu Sündenböcken gemacht werden.    
 
     
     
   
  • ENKE, Julia (2004): Der geplünderte Osten.
    Was sind das für Menschen? Peter Richters erstaunliche Heimatkunde "Blühende Landschaften",
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
 
   
  • BINDER, Christiane (2004): Triebwerke.
    Wie angelt sich Frau ihren Traummann? Wie regelt sie den Beischlaf ohne Einbusse von Lebensqualität? Beziehungsratgeber sorgen für hohe Auflagen und Lachsalven,
    in: Facts Nr.11 v. 11.03.
    • Kommentar:
      BINDER befasst sich kritisch mit der Ratgeberliteratur zu Beziehungsfragen, der Suche nach dem Partner fürs Leben und Büchern mit Sextipps für ein erfülltes Leben.

            
         Da die meisten Ratgeber flott und locker geschrieben sind, kommt die Kritik an ihnen im gleichen ätzenden Schreibstil daher. Wer sich gerne an der Dummheit der Leser von Ratgeberbüchern ergötzt, der wird von BINDER gut bedient.
            
         Warum sich aber selbst hoch qualifizierte Menschen bisweilen an Medien vermittelten Rolemodels orientieren und welche Funktion die Abgrenzung zur gewöhnlichen Ratgeberliteratur für das eigene Ego besitzt, darüber erfährt der Leser nichts.
            
         BINDER steht dem Phänomen der postfeministischen Frau offensichtlich ratlos gegenüber, weswegen eine Analyse des Booms unterbleibt und der Humor zur letzten Heimstatt wird.
            
         Dagegen hat der Schriftsteller Norbert KRON einen Zusammenhang zwischen dem Neoliberalismus und dem modernen "Feuersteinfeminismus" hergestellt. 
 
   
  • Thema des Tages: Wahlalternative

    • Kommentar:
      Wählerpotenzial sucht Partei, so könnte man das Problem beschreiben.

            
         Nachdem sich das SPD-Mitgliederbegehren im Frühjahr 2003 als Rohrkrepierer erwiesen hat, ist jede Hoffnung auf eine erneuerungsfähige SPD-Linke illusorisch. Keiner wird SCHRÖDER stürzen.
            
         Die Opposition übertrifft sich im neoliberalen Konkurrenzkampf um den stärksten Abbau des Sozialstaats. Nur eine neue Partei vermag dies zu verhindern. Ob die Wahlalternative eine wirkliche Alternative sein kann, das muss sich jedoch noch zeigen.
            
         In einem Essay hat kürzlich Stephan LESSENICH deutlich gemacht, wie Reformstaurhetorik und Sozialabbau in Deutschland Hand in Hand gehen.
            
         Das Schlagwort vom demografischen Wandel wird dazu missbraucht, den 68ern den Vorteil eines "Vollkaskosozialstaats" zu sichern, während den nachfolgenden Generationen jegliche annehmbaren Wahlmöglichkeiten zwischen staatlicher oder privater Vorsorge genommen werden soll.
            
         Während die 68er also noch die Verheißungen der Individualisierung in vollen Zügen genießen werden, bleibt den Nach-68ern nur noch der Individualisierungszwang. Die Chancen in diesem sozialdarwinistischen Kampf werden jedoch äußerst ungleich verteilt sein.
            
         Die Hardliner der Sozialstaatsgegner sind entweder 68er oder gehören zu den Topverdienern bzw. zur Erbenelite der jüngeren Kohorten. Deren goldene Ära hat Martin SCHACHT als "ewige Zielgruppe" beschrieben.
    • VESTRING, Bettina (2004): Planspiele für eine neue, linke Protestpartei.
      Noch fehlt den Initiatoren fast alles, was einer Partei zum Erfolg verhilft. Nur das Wählerpotenzial ist schon da,
      in: Berliner Zeitung v. 11.03.
    • STAUD, Toralf (2004): Die Augen - links!
      Gewerkschafter planen eine eigene Protestpartei,
      in: Die ZEIT Nr.12 v. 11.03.
 
   
  • Thema des Tages: Rentenreform

    • Kommentar:
      Der Neoliberalismus der Mittelschicht-Eliten kann heute seinen größten Erfolg verbuchen.

            
         Zukünftige Generationen werden nicht mehr das Rentenniveau heutiger Rentner erreichen können, denn nicht die heutigen Älteren werden hauptsächlich von den nun beschlossenen Reformen betroffen sein, sondern die Nach-68er.
            
         Das Schlagwort vom  demografischen Wandel ist erfolgreich in den  in den Köpfen der Nicht-Eliten etabliert worden. Daran ändert auch nichts ein halbherziger Vorstoß von Gerd BOSBACH - zu spät und ohne mediale Verstärkung.
            
         Das Argument von der angeblich zu niedrigen Geburtenrate der jüngeren Kohorten ist nicht entkräftet worden, obwohl mittlerweile ernstzunehmende Einwände gegen die Berechnungen der deutschen Bevölkerungswissenschaftler vorliegen.
            
         Elternlose, Nicht-Erben und Geringverdiener werden von diesen Reformen existenziell getroffen werden.
    • SPANNBAUER, Andreas (2004): "In fünf Jahren brauchen wir die Älteren".
      Dass Arbeitnehmer über 55 Jahre keinen Job finden, wird sich bald schlagartig ändern, meint der Rentenexperte Axel Börsch-Supan. Zuwanderung qualifizierter Kräfte könnte helfen. Aber: "So viele wollen gar nicht nach Deutschland"
      in: TAZ v. 11.03.
    • DOEMENS, Karl (2004): Generation Sandwich.
      Die nächste Rentner-Wutwelle wird nicht lange auf sich warten lassen. Doch wirklich gekniffen sind nicht die Senioren, sondern die "Sandwich-Generation". Sie erhält im Alter ein Fünftel weniger,
      in: Frankfurter Rundschau v. 11.03.
      • Kommentar:
        "Richtig traurig aber sieht es für die heute 35- bis 50-Jährigen aus. »Das Problem ist die Sandwich-Generation«, glaubt Rürup. Bei ihnen kommen nämlich mehrere fatale Entwicklungen zusammen. Zunächst bleibt ihnen nicht mehr so lange Zeit zu sparen wie den Jungen. Außerdem bekommen sie nicht nur die normalen Folgen der Langlebigkeit zu spüren: Die Alterspyramide nähert sich in ihrer Form immer mehr einer Zypresse mit relativ schmalem Stamm und breiterer Krone an. Auf die relativ breiten Jahrgänge der Baby-Boomer folgt unmittelbar der Pillen-Knick. Die Zahl der Teens und Twens liegt also drastisch unter der der Menschen im mittleren Alter. Dieses Manko könnte selbst eine (sehr unwahrscheinliche) Explosion der Geburtenrate in der Zukunft nicht mehr aufheben: Die Sandwich-Generation erreicht das Rentenalter, bevor die Neugeborenen ihr erstes Geld verdienen.
        Vor diesem Hintergrund erschließt sich die Debatte über das Mindestniveau: Die Regierung hat keine Probleme, bis 2020 eine Relation von 46 Prozent zu versprechen. Erst dann nämlich erreichen die ersten Baby-Boomer das Ruhestandsalter. Die wirklich kritischen Jahre für die Rentenkassen folgen 2020 bis 2030. Kaum ein Experte zweifelt daran, dass dann die gesetzlichen Altersgrenzen heraufgesetzt werden müssen. Das Niveau der heutigen Rente wird die Sandwich-Generation trotzdem nicht einmal annähernd erreichen", schreibt DOEMENS.

              
           Dagegen sieht Martin SCHACHT auf diese Generation als die "ewige Zielgruppe" ein goldenes Zeitalter zukommen.
              
           Der Widerspruch lässt sich jedoch leicht klären: Martin SCHACHT spricht nur für jene goldene Erben- und Topverdienergruppe, die zukünftig die Elite dieser Altersgruppe sein wird.
              
           Gelänge dieser Gruppe, das was den 68ern mit dieser Rentenreform gelungen ist, dann winkt ihnen tatsächlich eine goldene Ära. Nach dieser BoBo-Elite kommt dann die Sintflut...
 
   
  • GEER, Nadja (2004): Generation X.
    Scheitern macht Spaß. Ingo Niermann spürt der Mentalitätsgeschichte der deutschen "Generation X" nach,
    in: Die ZEIT Nr.12 v. 11.03.
    • Inhalt:
      "
      Dieses Buch will Mentalitätsgeschichte schreiben: Die der deutschen »Generation X«.
      Damit präsentiert uns Suhrkamp nach Jürgen Teipels Doku-Roman Verschwende Deine Jugend einen weiteren Band, in dem eine alternde Nischenkultur aus dem Nähkasten plaudert. Ging es bei Teipel um deutsche Punks, (...) geht es nun um die Jahrgänge 1963 bis 1970 (...).
      In Minusvisionen wird nicht die Jugend verschwendet, hier haben wir es mit jugendlichen Verschwendern zu tun. Hier verbreiten Berlin-Mitte-Boys ihre Knabenmorgenblütenträume – dass die Blüten echtes Geld waren, stellt man nach der Lektüre mit Bestürzung fest. In der Welt der »Generation X« sind Träume und Geld nahezu identisch. Solange noch Ideen an den Käufer gebracht werden können, und sei es die des eigenen Loser-Daseins, ist noch nichts verloren
      ", schreibt GEER.
 
   
  • NOLTE, Paul (2004): Die große Rolle rückwärts.
    Angela Merkel Superstar? CDU-Chefin will mit einem gemeinsamen Kandidaten ein Signal für die Einheit des "bürgerlichen Lagers" setzen. Aber gibt ges diese Eintracht wirklich?
    in: Rheinischer Merkur Nr.11 v. 11.03.
    • Kommentar:
      Der neokonservative Historiker Paul NOLTE ist sichtlich verärgert darüber, dass Angela MERKEL von seinem präferierten schwarz-grünen Bündnis nichts wissen will, und stattdessen mit der FDP liebäugelt:

            
         "Was ist ein bürgerliches Lager wert, aus dem die zunehmend verbürgerlichten Grünen kategorisch ausgeschlossen sind? Und andersherum: Welchen Wert hat dieser Begriff dort, wo eine bürgerliche Schicht schmal und nicht mehrheitsfähig ist, in Ostdeutschland nämlich oder auch in vielen Städten des Ruhrgebiets?
      Die CDU muss die schwierige Aufgabe lösen, sich mit einem konsistenten gesellschaftspolitischen Reformprogramm neuen Formen der Bürgerlichkeit zu öffnen, dabei aber die »unterbürgerliche Welt« nicht zu vergessen."

            
         Unterbürgerlich, da ist es nicht mehr weit zum Untermenschen!
 
     
     
     
   
  • ROTTENBERG, Thomas (2004): Abschied vom Generationenvertrag.
    Daran, einmal eine Pension zu bekommen, glaubt kaum ein Jugendlicher. Politik und Kirche sind im Leben der unter 30-Jährigen praktisch irrelevant: Eine aktuelle Studie bestätigt, dass der Trend hin zur "Selbstsozialisation" und weg von den etablierten Institutionen weiter anhält,
    in: Der Standard v. 10.03.
    • Inhalt:
      ROTTENBERG berichtet über die "Timescout"-Studie des österreichischen Trendforschers Bernhard HEINZLMAIER.
 
   
  • POFERL, Angelika (2004): Sozialhilfe und Bürgerrecht.
    Familien - oder familienähnliche Strukturen - müssen den Wohlfahrtsstaat ersetzen, diagnostizierte der Soziologe Heinz Bude in der taz. Ein Widerspruch,
    in: TAZ v. 09.03.
    • Kommentar:
      Angelika POFERL wagt drei zaghafte Einsprüche gegen die Renaissance konservativer Familienwerte, die mittlerweile auch von ex-linken Kreisen getragen wird. Aus primär mutterpolitischer Perspektive kritisiert POFERL die Männersicht von Heinz BUDE.

            
         Single-dasein.de vertritt dagegen den Standpunkt, dass die Geburtenkrise in erster Linie ein Phantom ist, das der reibungsloseren Etablierung einer Politik für die Mütterelite dient. Dies wäre nicht unbedingt verwerflich, wenn nicht gleichzeitig die Diskriminierung und Bestrafung von Kinderlosen betrieben werden würde.
            
         Die angebliche Gebärfaulheit der jüngeren Generationen ist das Produkt einer normativen Bevölkerungsstatistik, die - aus politischen Gründen - das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit übertreibt.
            
         Bereits im Jahr 2000 wurde die dritte Welle des repräsentativen Familiensurvey erhoben. Die Ergebnisse wurden erst im letzten Jahr im Buch "Partnerschaft und Familiengründung" veröffentlicht.
            
         Die Sensation wird - mehr oder weniger unscheinbar - von Gert HULLEN geliefert, der das "Tempo und Quantum der Reproduktion" in Deutschland untersuchte.
            
         Er verglich dabei die Angaben der Bevölkerungsstatistiker mit den Daten des Familiensurvey. Dabei ergab sich die - für single-dasein.de wenig, für die Öffentlichkeit jedoch überaus überraschende - Feststellung, dass eine große Kluft zwischen den amtlichen Daten und den  weniger lückenhafteren Daten des Familiensurveys existiert.
            
         Obgleich die jüngeren Kohorten ihre Kinder später geboren haben, ist das Ausmaß der Kinderlosigkeit - entgegen der sozialpopulistischen Debatte - nicht gestiegen. Diese Aussage gilt vor allem für jene in den 60er Jahren geborenen Frauen.
            
         Erstmalig wird in dem Beitrag von HULLEN bestätigt, dass die Berechnungen der deutschen Bevölkerungswissenschaftler von ausländischen Demografen nicht geteilt werden:
            
         "Besonderes Interesse verdienen die Ergebnisse des Familiensurveys zur Geburt erster Kinder, indem sie deutlich machen, dass (...) Erhöhungen des durchschnittlichen Erstgebäralters, Verringerungen des Tempos also, durchaus einhergehen können mit einem gleichbleibendem Quantuum." (2003, S.33).
            
         HULLEN verweist hierbei auf die Kritik der Demografen John BONGAARTS und LESTHAEGE. Einzig single-dasein.de hatte bislang diesen Sachverhalt veröffentlicht.
            
         Wo bleiben die mutigen Journalisten, die diesen Skandal endlich publik machen? Wer wagt dem neokonservativen Mainstream die Stirn zu bieten?
            
         Mit Gerd BOSBACHs Kritik an der Bevölkerungsvorausberechnung (leider ebenfalls nur zaghaft vorgetragen) ist zumindest ein Anfang gemacht. 
 
   
  • MORTSIEFER, Henrik (2004): Reiche sind glücklich - aber selten zu Hause.
    Sozialministerin Schmidt gab eine Studie über Reichtum in Deutschland in Auftrag. Dabei kam heraus: Geld macht doch glücklich,
    in: TAZ v. 09.03.
    • Kommentar:
      Jürgen BORCHERT, eine Art vermeintlicher Robin Hood der armen Kinderreichen, tingelt tagein tagaus unermüdlich durch die Republik und predigt, dass Kinderreichtum finanzielle Armut bedeute und das Single-Dasein mit hohen Einkommen verbunden sei. Dieses Märchen widerlegt nun eine neue repräsentative Studie:
            
         "Die vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gelieferten repräsentativen Ergebnisse förderten nun Erstaunliches zu Tage: (...). Die von den Berliner Wissenschaftlern als »Hocheinkommensbezieher« definierten Deutschen sind nämlich »überdurchschnittlich zufrieden mit ihrer Wohnung und ihrem Lebensstandard«, sie leben in der Regel gesünder und mehrheitlich in »verheirateten Paarhaushalten«, sie zeugen mehr Kinder als weniger Begüterte, und zu Hause steht in neun von zehn Fällen ein Personal Computer, der in fast 80 Prozent der Haushalte von einer Putzfrau entstaubt wird."
            
         Jürgen BORCHERT ist also in erster Linie ein Verfechter der Interessen von Topverdienern.
            
         Genauso wie unter Kinderlosen gibt es unter den Kinderreichen Geringverdiener und Topverdiener.
            
         Im Gegensatz zu den Sozialpopulisten berücksichtigen Kinderpolitiker wie Christoph BUTTERWEGGE die soziale Ungleichheit, die quer zur Lebensform verläuft. 
 
   

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Zu den News vom 01. - 08. März  2004

 
       
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
   
 
   

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