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Medienrundschau:
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News vom 05. -
10. Mai
2004
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Zitat
des Monats:
"Es
stimmt nicht mehr, dass westliche Staaten eine sinkende
Geburtenrate haben.
(...).
In 13 der 58 europäischen Länder (...) hatten Frauen, die gegen
1960 geboren wurden, durchschnittlich mindestens zwei Kinder bis
zum Jahr 2001, wenn sie die 40 überschritten hatten.
(...).
Der niedrige deutsche Durchschnittswert hat sich knapp unter 1,7
stabilisiert. Dem werden sich die Durchschnittswerte von
Spanien, Italien und
Österreich bald anschließen, wenn sie ihn nicht sogar
untertreffen, denn in diesen Ländern hat der Abwärtstrend bis
2001 angehalten und liegt bei deutlich unter zwei Kindern.
(...).
Es gibt ein gewisses Einvernehmen darüber, dass das »echte«
Fertilitätsniveau eher höher ist, als es in den meisten Ländern
den Anschein hat."
(aus:
David A. Colemann "Im Angesicht des 21.
Jahrhunderts: Neue Entwicklungen und alte Probleme. In:
pro familia magazin, 2004, H.1, S.23) |
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NIEDENTHAL, Clemens (2004): Lass es Liebe sein.
Triviale Liebesromane erobern
beständig die Herzen der anderen Generation der 30-Jährigen. Ihr
Versprechen: Schaumbäder für die Seele statt "Sex and the City". Denn
das Bedürfnis nach gänzlich unironischem Kitsch wächst,
in: TAZ v. 10.05.
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- Kommentar:
Gebildete Frauen haben heutzutage in
Deutschland -
so will es jedenfalls die Politik -
die patriotische Pflicht Mütter zu werden - egal wie!
Die FR stellt die zwei
Wege vor, die dieser neuen Mütterelite heutzutage nahe gelegt
werden: zum einen die Vereinbarung von Beruf und Familie und zum
anderen die Deutsche Mutter &
Frau an seiner Seite.
Die neue -
bevölkerungspolitisch motivierte - Familienpolitik ist Mütterpolitik
und als solche primär eine Politik für die privilegierte Frau.
Patriotismus ist
mittlerweile auch dadurch definiert, dass man Deutschland -
medienwirksam - verlässt (Exitoption), um das politische System
unter Handlungsdruck zu setzen (symbolische Politik).
-
MEISTER, Martina (2004): So natürlich
wie Babys kriegen.
Mutterglück auf Französisch: Die Journalistin verbindet Beruf und
Familie,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.05.
-
KROETZ RELIN, Marie Theres (2004):
Karriere? Sorry, keine Zeit.
Managerin zum Nulltarif: Die Schauspielerin gab ihren Beruf auf
und ist Hausfrau und Mutter,
in: Frankfurter Rundschau v. 10.05.
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- SCHULLER, Alexander (2004): Chaos oder
Karzer.
Institutionen sind Schutz und Heimat. Die "68er" wollten sie
zerstören - und das Bürgertum hinderte sie nicht daran,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.05.
- Kommentar:
SCHULLER wettert gegen alle Errungenschaften der
modernen Demokratie und verherrlicht die patriarchale Familie, ohne
die das Individuum vereinsamt und verwahrlost.
SCHULLER sehnt sich
nach den seligen Zeiten zurück, in denen die bildungsfernen
Schichten noch bildungsfern waren und die bildungsnahen Schichten
unangefochtene Autorität genossen. Als Frauen noch Hausfrauen, und
Männer noch Patriarchen waren.
SCHULLER stützt sich
auf Arnold GEHLEN mitsamt seiner Institutionentheorie und verdammt
ADORNO, den er - wie alle, die nicht seiner Ansicht sind, - zu
einem 68er erklärt.
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- HOLL, Thomas (2004): Fett Kohle für die
Hütte.
Warum Bausparen unattraktiv macht,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.05.
- Kommentar:
Das kleinbürgerliche Heiligtum - der
Bausparvertrag - wird nach Meinung von HOLL gerade vehement
attackiert.
Die LBS hat 2003 ihren
Werbespot renoviert. Nun kursiert im bösen Internet eine
Neuinterpretation, nach der nicht der akademische Häuslebauer
den attraktiveren Lebensstil lebt, sondern der proletarische
Nesthocker.
"Das im LBS-Spot als
Lebensniederlage denunzierte Wohnen im Hotel Mama" wird
ärgerlicherweise zum coolen Lebensstil umgedeutet, der "Muttiwohner"
wird gar zum Trendsetter.
Hinter solchen
Machenschaften können gemäß HOLL nur zwei mögliche Feinde stehen,
entweder eine konkurrierende Werbeagentur oder das Kanzleramt...
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- WERMELSKIRCHEN, Axel (2004): Hans
Fleisch.
Der Demograph,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.
- Kommentar:
WERMELSKIRCHEN singt ein Loblied auf den Erfinder des
Berlin-Instituts, das vor kurzem die
Studie
"Deutschland 2020 - die demographische Zukunft der Nation"
publiziert hat.
Reiner KLINGHOLZ,
unternehmerischer Geschäftsführer des Instituts und federführender
Autor der Studie war 12 Jahre lang leitender Redakteur der
Zeitschrift GEO, die der
Studie gleich eine umfangreiche Titelgeschichte mit Beilage gewidmet
hat.
Hans FLEISCH ist ein
46jähriger Jurist, der bereits bei der Allianz Lebensversicherung
tätig war und die "Deutsche Stiftung Weltbevölkerung" (DSW) in
Hannover aufgebaut hat.
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- SCHMITT, Peter-Philipps (2004): Einsam
bis in den Tod.
Immer mehr Menschen werden "zwangsbeigesetzt", weil sich keine
Angehörigen finden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.
- Inhalt:
Die FAZ berichtet über vereinsamte Tote ohne
Angehörige, die den Kommunen teuer kommen. Ein Hamburger Pastor
sieht darin ein typisches Problem der anonymen Großstadt.
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- MEJIAS, Jordan (2004): Auf Joey wartet
jetzt viel Arbeit,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.05.
- Inhalt:
Zur letzten Sendung der US-amerikanischen
Serie "Friends" fasst MEJIAS nochmals die Vorzüge der erfolgreichen
Sitcom zusammen:
"»Friends« schaffte es, daß New York
sich in eine nette, freundliche Stadt mit einigen skurrilen, aber
alles in allem doch netten Menschen verwandelte und nichts von dem
Zynismus und ungefilterten Egoismus übriggließ, die »Seinfeld« einst
viel avantgardistischer und auch realistischer als Ingredienzien
städtischen Lebensgefühls verkaufte. Sechs Kalifornier, die sich als
New Yorker ausgaben, fanden Geborgenheit im urbanen Dschungel, der
ihnen, Gott und Drehbuchautoren sei Dank, nur solche Problemen
zumutete, die mit einem gezielten Gag oder einer herzlichen Umarmung
zu lösen oder zu entschärfen waren. Über allem vertrackten, aber
behandelbaren Liebesstunk und Beziehungszwist wuchs die Gruppe zur
Familie zusammen".
- KREYE, Andrian (2004): Das Ende der
Fernsehkomödie.
Die "Friends" sind weg - das Genre der Sitcoms auch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.
- Inhalt:
Andrian KREYE liefert - im Gegensatz zu MEJIAS - auch
die popkulturellen Hintergründe der Serie:
"Zehn Jahre lang hatten die
sechs Freunde (...) in einem fiktiven New Yorker Greenwich Village
als Stellvertreter der amerikanischen Generation Golf gedient. Sie
verkörperten jene Sehnsucht nach dem Wohlgefühl des Mittelmßes, die
1994 zu Beginn des Wirtschaftswunders der Clintonjahre alle jene
erfasste, die sich weder mit dem Zynismus des wieder auflebenden
Erbes des Punk identifizieren konnten noch zur neuen Elite der
Dotcom-Millionäre gehörten. Sie brachten etwas Glamour in das
Leben all jener Vorortkinder, die während der 90er Jahre die maroden
Innenstädte für das Bürgertum zurückeroberten."
KREYE sieht also in den
urbanen Pionieren - im Sinne der
Gentrificationsforschung - die
Zielgruppe der Serie.
Der US-amerikanische
Journalist Ethan WATTERS bezeichnet die städtischen
Freundschaftsnetzwerke als
"Urban Tribes".
KREYE bezieht sich dagegen auf
die New York Times, die den Lebensstil dieser zugezogenen Yuppies
als "Fauxhemians" bezeichnete:
Die "Accessoires der Bohemiens
mit den Konventionen einer beginnenden beruflichen Laufbahn auf
einen Nenner bringen", das soll die Serie "Friends" für die
Zielgruppe geleistet haben:
"Rachels Haarschnitte und
Chandlers Kalauer wurden von Millionen kopiert und nachgeäfft, Ross
verklärte chronische Bindungsunfähigkeit zur possierlichen Marotte.
Phoebe und Joey zeigten, das man seinen künstlerischen Neigungen
auch nachgehen kann, wenn man aus zerrütteten Familien oder
bescheidenen Verhältnissen stammt."
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- RUBNER, Jeanne (2004): Mach dich locker,
Mama!
Deutschland vergreist, weil wir es lieber romantisch als
pragmatisch mögen. Leider entstehen durch Romantik weder Krippenplätze
noch Schule,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.
- Kommentar:
RUBNER kritisiert an den deutschen Müttern einerseits
das Laissez-faire der anti-autoritären Erziehung (siehe GASCHKE) und
andererseits den konservativen Romantizismus. Ansonsten wäre alles
paletti: Akademikerinnen würden sich endlich ANSTÄNDIG vermehren!
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SCHULZ, Daniel (2004): Lieber Dank als Kampf.
Im Osten der Republik hat der
Muttertag im Mai den Internationalen Frauentag am
8. März abgelöst. Die emanzipierte, arbeitende Frau, einst
Prestigeobjekt der DDR, stirbt aus,
in: TAZ v. 08.05.
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NZZ-Zeitfragen: Muttertag -
Müttertag
-
REINHARDT, Susie (2004): Marlene hat ganz andere Pläne.
Ist Kinderlosigkeit aus freien Stücken unweiblich?
in: Neue Zürcher Zeitung v. 08.05.
- Kommentar:
Susie REINHARDT begründet in dem
NZZ-Artikel - im Gegensatz zum TAZ-Artikel - ausführlich das Recht
der Frauen auf
gewollte Kinderlosigkeit.
Wie die Anthropologin
Sarah Blaffer HRDY ist auch REINHARDT davon überzeugt, dass es
keinen angeborenen Mutterinstinkt gibt.
REINHARDT versucht
darzulegen, dass Mütter die wahren Egoistinnen sind, während
kinderlose Frauen als Pioniere der Gesellschaftsveränderung dafür
sorgen, dass Männer sich ändern müssen. Davon profitierten dann
auch die Mütter.
Die kinderlose
Karrierefrau erhält bei REINHARDT eine historische Mission, die
bei ihrer Zielgruppe
nicht unbedingt auf Gegenliebe stößt.
Man könnte sie damit in
eine Reihe mit Frank SCHIRRMACHER stellen, der eine solche
historische Mission für den Feminismus-gebeutelten Mann salonfähig
gemacht hat.
SCHIRRMACHERs Mission
ist jedoch ungleich erfolgsversprechender, allein deswegen, weil
REINHARDT als Individualisierungsopfer die Truppenstärke ihrer
Armee völlig überschätzt.
- GEISEL, Sieglinde (2004): Mutterrolle
- kein Privileg der Frauen.
Vom Ernährer zum engagierten Vater
in: Neue Zürcher Zeitung v. 08.05.
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Zwei Euro mehr für Familien.
Pläne für Pflegeversicherung
nehmen konkrete Gestalt an: Kinderlose sollen für Defizit in der Kasse
alleine aufkommen. Grüne über Abkehr von umfassender Reform sauer
in: TAZ v. 07.05.
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WINKELMANN,
Ulrike (2004): Mackergeste rächt sich.
Auch Privatversicherte müssen Pflegebedürftige mitfinanzieren,
in: TAZ v. 07.05.
- Inhalt:
WINKELMANN kritisiert SCHRÖDERs Politikwechsel vom Januar:
"Um
das Urteil das Bundesverfassungsgerichts, dass Kindererziehende zu
entlasten sind, kommt er sowieso nicht herum. Seine
Sozial-Staatssekretärin wird ihm nun einen Gesetzentwurf
präsentieren, der entweder das Problem vom Januar wiederholt:
Dann werden Leute, deren
Kinder aus dem Haus sind, wie Kinderlose behandelt. Oder es gibt
ein verschachteltes System aus verschiedenen Pflegebeiträgen, dessen
Bürokratiekosten an die Summen zur Familienbeglückung heranreichen
dürften.
Dafür hat der Kanzler darauf verzichtet, die schwierige Umsetzung
des Karlsruher Urteils in eine strukturelle Reform der
Pflegeversicherung einzubetten."
Die FAZ hat
die Meldung bereits im April gebracht.
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GREFE, Christiane (2004): Es ist halt passiert.
Viele Frauen bleiben
kinderlos – aus den unterschiedlichsten Gründen. Aber seit Deutschland
sich um die Zukunft der Sozialsysteme sorgt, müssen sie sich gegen den
Vorwurf des Egoismus verteidigen. Ein persönlicher Bericht,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 06.05.
- Kommentar:
"Zunehmend
werden Kinderlose in Talk-Shows und Kommentaren als Asoziale
dargestellt, die »weder ihr Geld noch ihre Zeit und Kraft mit
anderen teilen«; die der Gesellschaft, wie der Buchautor Herwig Birg
allen Ernstes schreibt, lebenslang beweisen müssen, dass ihr Handeln
»dennoch mit den Geboten der Sittlichkeit übereinstimmt«.
Fast wünscht man sich bei solchen Übergriffen zurück in jene Zeiten,
in denen man über Kinderlosigkeit nicht mal sprach",
meint GREFE, die Kinderlose angesichts der sozialstaatlichen
Verteilungskämpfe einem wachsendem Rechtfertigungsdruck ausgesetzt
sieht:
"Gegenüber
Männern und Frauen ohne Kinder ist zwar laut Umfragen eine Mehrheit
der Bevölkerung noch tolerant genug, jedem Einzelnen seinen
Lebensentwurf zuzugestehen. Die meisten Bundesbürger lehnen etwa
eine Kinderlosensteuer ab. Doch die Stimmung kippt.
Und obwohl es Alleinlebende gibt, die wenig verdienen und sich
täglich in Vereinen für andere engagieren, und andererseits betuchte
kinderreiche Familien, deren Horizont nur von der Zahl ihrer Urlaube
bis zur Erhöhung ihrer Kontostände reicht, wird die Welt nicht mehr
in Wohlhabende und Bedürftige, Chancenreiche und Abgehängte
eingeteilt, sondern in Alt gegen Jung – oder egoistische Kinderlose
gegen aufopfernde Nestbauer. So lässt sich auch von der
Kompliziertheit der Gerechtigkeitsfrage trefflich ablenken. Meiner
Klischierung zum Job- und Wellness-Maniac begegne ich jedenfalls
immer öfter."
Mehr Zugeständnisse
an die Bedürfnisse der Kinderlosen als der selbstkritische Bericht
von GREFE kann man in einer Zeitung wie der ZEIT nicht erwarten.
Der Rest des LEBEN-SPEZIAL,
das angesichts des nahenden Muttertages ebenjener gewidmet ist,
bringt Beiträge zu
Supermüttern (Ilka PIEPGRAS),
berufstätigen Müttern, die nach 6 Monaten an ihren Schreibtisch
zurückkehren (Susanne MAYER),
Mütter, die sich eine berufliche Auszeit gönnen (SUßEBACH), und
last not least beschäftigt sich Jörg LAU mit den
Mutterbildern in den Medien.
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- DURKA, Cornelia & Tobias TIMM (2004):
Das Fußvolk des Fun hat ausgedient.
In Berlin-Mitte sponsern Turnschuhvermarkter das Partyvolk - doch
denen droht das Feiern zu vergehen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 06.05.
- Kommentar:
Seit dem 11. September 2001 wird der
Spaßgesellschaft immer wieder das Ende prophezeit.
Da die FAZ das Wort
zum Unwort erklärt hat, mehren sich Berichte, die das
Ende der Spaßgesellschaft verkünden, ohne ein einziges Mal das
Wort zu nennen. Die beiden Autoren halten sich strikt an diese
FAZ-Norm.
DURKA & TIMM
beschreiben den Niedergang der authentischen (!) Mitte-Szene in
Berlin.
Die Mitte-Kids
werden als Rebellen des Feierns beschrieben, die Teil einer neuen
Jugendbewegung sein wollten. Ihr Netzwerk verknoteten sie mithilfe
wechselnder Clubs.
Irgendwann kam dann
der Sündenfall: Die Kids ließen sich von der
LOGO-Industrie kaufen! Deshalb werden sie nun selber verkauft.
Während es ein paar
Gewinner der Clubscene gibt, sehen die Autoren das Gros als
Lifestyle-Verlierer an:
"Sie waren die
»Spähtrupps des Glücks« wie sie
Diedrich Diederichsen in seinem Buch »Der lange Weg nach Mitte«
beschrieben hat. Die Mitte-Bohème droht nun endgültig zu stranden:
Unter großen Verlusten - statt bürgerlicher Existenz nur berufliche
Selbstausbeutung, statt Zukunft gelang bloß die temporäre
Definitionsmacht übers Coolsein - haben sie ein paar Jahre der
Exzesse für sich erkämpft. Sie haben Mitte mit dem Image
ausgestattet, das nun solchen Nachmietern für teures Geld verhöckert
wird, die ihre Jugend »vernünftig« gelebt haben und dies heute als
rückkaufbares Versäumnis betrachten", schreibt das Autorengespann
hämisch.
HÄUßERMANN & SIEBEL (1987) haben diesen
Prozess der Gentrification am Beispiel von Hamburg beschrieben,
den die SZ-Autoren nun auch auf Berlin-Mitte anwenden:
Studenten, Kreative
und Künstler werten als Pioniere einen heruntergekommenen,
innenstadtnahen Stadtteil auf. Danach kommen die Yuppies bzw.
Gentrifiers und verdrängen ihre Vorgänger.
Von
Berlin-Mitte in den Wedding, geht gemäß DURKA & TIMM der lange Weg
der Lifestyle-Kids ins soziale Abseits...
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- GROSS, Thomas (2004): Unbegrenzte
Möglichkeiten im Kopf.
Mentalität. Ein autobiografischer Essay: Michael Rutschky weiß,
"Wie wir Amerikaner wurden",
in: Rheinischer Merkur Nr.19 v. 06.05.
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- GREENBLATT, Stephen (2004): Die
privateste Sache der Welt.
Seit gut 290 Jahren wird
Masturbation mit mehr oder weniger Fingerspitzengefühl behandelt. Und
dass sich jetzt zehn von zehn Lesern an dieser Formulierung reiben,
mindestens aber kichern, zeigt, wie verklemmt wir immer noch auf
dieses Thema reagieren.
in: Weltwoche
Nr.19 v. 06.05.
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- GLOTZ, Peter (2004):
Neugründungspathos.
Die Vierziger proben den Aufstand,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 05.05.
- Kommentar:
Peter GLOTZ sieht sich (und
andere 68er wie z.B. Meinhard MIEGEL) mit den Vierzigern
Paul NOLTE ("Generation Reform"), Gabor STEINGART und Christoph
KEESE ("Rettet den Kapitalismus" endlich im Zentrum der Gesellschaft
angekommen.
Die
neue Werteelite soll den Sozialstaat zurechtstutzen und dem
neuen, klassenbewussten Bürgertum zur Blüte verhelfen.
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- BRAUCK, Markus (2004): Leben in Zeiten
der Krise.
Veränderte Situationen erfordern neue Strategien. Eine Annäherung
an das Leiden einer ganzen Generation,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
- Kommentar:
Die Hackordnung der Generationen hat sich dank
Frank SCHIRRMACHERs Megaseller
verändert.
Schaute
Florian ILLIES noch neidisch zu den 68ern auf, so sind nun bei
Markus BRAUCK alle Generationen einen Platz aufgerückt, sodass
die 68er vorne runter fallen und die 78er deren Platz übernommen
haben.
Die Generation Golf ist
damit in die Zaungast-Position aufgerückt. Dies ist jedenfalls jene
Perspektive aus der BRAUCK das Dilemma seiner Alterskohorte
(richtiger: der Elite dieser Altersgruppe) beschreibt, wobei er sich
gleich noch zum Anwalt der Generation Post-Golf macht.
Hatten sich die
Angehörigen der Generation Golf bisher als Lebensunternehmer
stilisiert, so wird das neoliberale "Jeder ist seines Glückes
Schmied" zum fatalistischen "wir sind bloß die Flickschuster des
Zufalls".
Die Leistungsgesellschaft
wird von BRAUCK als Lüge entlarvt. Während jedoch der
Elitenforscher Michael HARTMANN beruflichen Erfolg vor allem als
Ergebnis sozialer Herkunft interpretiert, sieht BRAUCK dagegen
allein den Zufall im Spiel:
"Irgendwo reinzurutschen,
zur richtigen Zeit die richtige Hand geschüttelt zu haben, das
zählt."
Den politischen Ausweg,
sieht BRAUCK nicht als Option seiner Generation:
"Freiheit, werden uns die
Alten sagen, kann durchsetzen, wer sich organisiert. In
Konzernen, Gewerkschaften, Parteien, Kirchen. Aber was ist das für
eine Freiheit, die auf Herrschaft aus ist?"
Da bleibt nur noch
Durchwursteln - jeder für sich. Dieses Programm und die dazugehörige
Hoffnung stirbt zuletzt:
"Wir wollen nicht
mächtiger sein, sondern besser, ideenreicher. Vor allem wollen wir
nichts sein als wir selbst. Eitel, egozentrisch und
individualisiert, wie wir nun mal sind. Wir sind lauter kleine
Davids gegen einen großen Goliath, der nun zufällig Methusalem
heißt."
Die 78er dürfen sich
freuen! Solange die Generation Golf ihr Programm der
Individualisierung weiter verfolgt, so lange ist ihr politische
Führungsanspruch nicht gefährdet,
das hat Bernd ULRICH
richtig erkannt...
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- FR-Thema Politik:
Jung, dynamisch, krisenfest.
Sie sind zwischen 20 und 40, top ausgebildet und haben oft mehr
Erfahrung mit Jobwechsel und Arbeitslosigkeit als ihr Eltern. Sie sind
motiviert und sie wissen: Alles ist so unsicher wie die Rente. Die
"Generation Krise" jammert nicht, protestiert nicht, organisiert sich
nicht. Sie wurschtelt sich so durch und versucht, locker zu bleiben
- HILDEBRANDT, Antje (2004): Volles
Risiko.
Im New-Economy-Hype lebte Jens Thiel auf der Überholspur, nun
lässt er sich "casten",
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
- MIES, Petra (2004): Papperlapapp.
Perspektivlosigkeit? Nicht mit Norbert Altenkamp - er ist 31,
Bürgermeister, will demnächst eine Familie gründen und hält Ziele
für erreichbar, wenn man nur darauf hinarbeitet,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
- THIEME, Matthias (2004): Gegen alle
ökonomische Vernunft.
Zwei Wissenschaftler kennen Theorie und Praxis sozialer
Verwerfungen: Sie freuen sich auf ihr drittes Kind - ohne zu wissen,
wie die Familie dann über die Runden kommt,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
- GROSSMANN, Uta (2004): Zickzack-Kurs.
Alexander Riegel verwandelt sich vom Börsen-Guru in einen DJ und
gibt ein Szene-Magazin heraus,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
- SYWOTTEK, Christian (2004): Frei.
Stressfrei.
Julio Flores Cambrón will Arbeit nicht überbewerten,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
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BRAUCK, Markus (2004): Vom Geld zum Sinn.
Die Zeit der Jäger und Sammler von Statussymbolen ist vorbei: Art
Director Mike Meiré hat nach dem Design-Overkill keine Angst mehr,
sein Geschäft zu verkleinern,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
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- KLEINE-BROCKHOFF, M. (2004): Seid
fruchtbar und mehret euch.
Die Bürger Singapurs bekommen zu wenig Babys, ihre Regierung will
das ändern - mit Kuppelagenturen und Romantikfestivals,
in: Frankfurter Rundschau v. 05.05.
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ZSCHIRNT, Christiane (2004): Wo ist mein Ort?
Anmerkungen zum Generationenbegriff,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 05.05.
- Inhalt:
Für ZSCHIRNT verbirgt sich hinter der
Generationendebatte die Frage der Zugehörigkeit:
"Kritiker
haben bemerkt, das Schlagwort Generation artikuliere ohnehin immer
nur das Lebensgefühl von ehemaligen Mittelklassekindern. Der lockere
Tonfall der Generationenrhetorik verbräme die kruden
Unterscheidungen einer nach wie vor existierenden
Klassengesellschaft.
Nun ist die Spätmoderne zwar viel zu komplex, als dass man sie mit
Begriffen wie Schicht oder Klasse auch nur annähernd verstehen
könnte, die Vorwürfe sind aber nicht von der Hand zu weisen. Hinter
der lockeren Rede von trendigen Ins von Outs verbirgt sich eine
Realität, in der man entweder Drinnen ist, oder Draußen. In oder
out. Das ist nicht nur harmlos und trivial.
Wer sich in einer der »Generation Soundso«-Beschreibungen
repräsentiert findet, ist In. Er oder sie findet sich auch in der
Gesellschaft repräsentiert. Wer nicht, ist eben Out. Und das heißt:
Draußen."
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FACTS-Titelgeschichte:
Wozu noch Kinder?
Neue Studien bezweifeln das Glück der Eltern |
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ALTHAUS, Nicole (2004): Wozu noch Babys?
Sie sind laut, Zeit raubend, unverschämt teuer: Kinder bedeuten
in der Multioptions-Gesellschaft die Wahl, die am meisten
einschränkt. Und nun zeigen Studien, dass Eltern keineswegs
glücklicher leben als kinderlose Paare. Sind Mamas und Papas
hoffnungslose Romantiker?
in: Facts Nr.19 v. 05.05.
- Kommentar:
Auch in der deutschsprachigen Schweiz bestimmt
inzwischen die
bevölkerungspolitische Debatte die Sicht auf die Kinderfrage.
Es trifft sich deshalb gut,
dass erst die Mindestens-Zwei-Kind-Familie so richtig glücklich ist.
Auch Joachim BESSING ist
natürlich mit seinem "Rettet die Familie!" vertreten.
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Zu den News
vom 01. - 04. Mai 2004
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