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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 06. - 09. Mai 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
SPIEGEL- Titelgeschichte:
Wohin mit Oma?
Pflege-Notstand in Deutschland
  • FRÖHLINGSDORF, Michael/JUNG, Alexander/LUDWIG, Udo/NEUMANN, Conny/SCHMIDT, Caroline (2005): Generation Pflege.
    Finanznot in der Pflegekasse: Die Zahl der Bedürftigen steigt, immer mehr Alte kommen in teure Heime, der Reformdruck wächst. Um die Zukunft des Alterns beginnt eine Debatte: Pflegen oder pflegen lassen? Das stürzt Millionen Angehörige in einen tiefen Konflikt,
    in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
    • Inhalt:
      Die Autoren vertreten die These von der überlasteten Sandwich-Generation:

            
        "Meist sind die Töchter und Söhne zwischen 40 und 60 Jahre alt, wenn der Ernstfall eintritt. Die Jahrgänge 1945 bis 1965 werden zur Generation Pflege: Sie haben schon gut zu tun mit der Erziehung der Kinder, mit Job und dem Aufbau des eigenen Lebens und plötzlich müssen sie sich noch um die Eltern kümmern."
  • SCHREP, Bruno (2005): Der letzte Umzug.
    Angst, Abwehr, Misstrauen: Die Übersiedlung in ein Altersheim ist für viele Ältere die schmerzlichste Entscheidung ihres Lebens. Mit dem Verlust der eigenen vier Wände geht auch die Selbstbestimmung verloren,
    in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
 
  • BRUHNS, Annette & Horand KNAUP (2005): Anpassung an die Realität.
    Justizministerin Brigitte Zypries will das Unterhaltsrecht ändern. Ihr Ziel: Geschiedene sollen für sich selbst sorgen, ledige Alleinerziehende besser gestellt werden,
    in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
 
  • IW-Positionspapier "Alterssicherung im Drei-Generationenvertrag - Zur Berücksichtigung der Kindererziehung in der umlagefinanzierten Sozialversicherung

    • Kommentar:
      Der Kölner Think Tank des Neoliberalismus hat ein Positionspapier von Jochen PIMPERTZ, Jahrgang 1965, veröffentlicht.

            
        Durch die Katholisierung des Sozialstaats soll die Umverteilung der Kosten sozialer Sicherungssysteme von Arbeitgebern auf Arbeitnehmer vorangetrieben werden.
            
        Die Arbeitnehmer - ob Eltern oder Kinderlose - sollen sich in Zukunft bekriegen, während die Arbeitgeber das Konfliktfeld derweil ohne Aufsehen durch die Hintertür verlassen.
            
        Das Erwachen wird schließlich erst später kommen. Dann nämlich, wenn die Eltern zu spüren bekommen, dass die vermeintlich Kinderlosen sie selber sein werden!
            
        Wer den Sozialpopulisten glaubt, dass demnächst mindestens 30 % lebenslang Kinderloser die Rente von Eltern bezahlen werden, der darf sich genauso gelackmeiert fühlen wie jene, die Norbert BLÜMs "Die Rente ist sicher" mit "Die Rentenhöhe ist sicher" verwechselt haben. Der Teufel steckt wie immer im Kleingedruckten.
            
        Nach einer neuen BIB-Umfrage ist das Image von Kinderlosen so schlecht, dass 17 % der 18-65jährigen sie gerne abzocken würden. Sie übersehen jedoch, dass es auch in Zukunft viel weniger lebenslang Kinderlose geben wird. Die Folge: Rentenversicherungspflichtige Eltern werden auf Kosten anderer rentenversicherungspflichtiger Eltern herangezogen, während Arbeitgeber und nicht Zwangsversicherte außen vor bleiben.   
    • ENN (2005): Eichel muß Geld für die Rente zurücklegen.
      Wachstumsschwäche erfordert vorgezogenen Bundeszuschuß. IW für Rente nach Kinderzahl,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
    • ENN (2005): Kein Strafabschlag,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
 
  • HORST, Ernst (2005): Das Kind ist der Vater aller Dinge.
    Nachwuchs jetzt: Ulrich Deupmann pädokratisches Manifest,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
    • Kommentar:
      HORST hält den Ansatz von DEUPMANN für überzogen.

            
        Kinder von gering verdienenden Eltern zu fördern, das kann gerne auf den Sankt Nimmerleinstag verschoben werden. Die Elite muss zuerst kommen:
            
        "Bei uns hat eine Frau im Durchschnitt 1,3 Kinder. Akademikerinnen kommen auf 1,1, und es sind naturgemäß nicht die schlechtesten Gene, die da verlorengehen", belehrt uns HORST.
            
        Der kinderlose Yuppie darf in der Bevölkerungspolitik einen säkularen Ablasshandel sehen:
            
        "Ein gutverdienender Kinderloser wird sich nicht freuen, wenn er mehr Steuern zahlen muß. (Dafür braucht er kein schlechtes Gewissen wegen seiner Kinderlosigkeit zu haben. Er bezahlt schließlich andere fürs Kinderkriegen.)"
            
        Im Gegensatz zu DEUPMANN sieht HORST das Heil unserer Gesellschaft nicht im schnellstmöglichen Bevölkerungswachstum. Der Wohlstand ließe sich auch bei langsamer Schrumpfung erhalten.
            
        Nicht zuletzt plädiert HORST für mehr Individualisierung:
            
        "Ist in unserer Gesellschaft nicht auch Platz für die Nur-Hausfrau, die ihre sieben Kinder ohne Kindergarten großziehen will? Dafür kann es dann eine andere Frau geben, die keine Kinder will und dafür nach dem Physiknobelpreis strebt. Was zählt, ist letzten Endes der statistische Durchschnitt."
 
  • KÄMMERLINGS, Richard (20059: Eisvögel der Revolution.
    Die Zeichen stehen auf Sturm: Über die neue Lust am Aufstand,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
    • Kommentar:
      Die alte Lust am Aufstand ist offensichtlich verflogen.

            
        Man kann ja kaum noch glauben, dass die FAZ einmal so etwas wie das Revolutionsorgan des Neuen Deutschland sein wollte. Bürger auf die Barrikaden! schrie uns der Beamte auf Lebenszeit Arnulf BARING zu. Geblieben ist uns jedoch eine Medien-APO.
            
        Davon will Richard KÄMMERLINGS nun nichts mehr wissen. Dabei könnte man eine Linie von BARING zu Uwe TELLKAMPs Roman "Der Eisvogel" ziehen.
            
        KÄMMERLINGS beginnt dagegen beim Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER, der in den blockierten Gegeneliten, also den arbeitslosen Akademikern, ein Revolutionspotential erblickt hat.
            
        Diese sitzen offenbar in überfüllten Frankfurter Hörsälen und hören Robert MENASSE und seinem "Plädoyer für die Gewalt" zu. Der Terror des 11. September wird in dieser Sicht zur Notbremse im rasenden Globalisierungszug.
            
        Die Revolutionsmusik dazu spielen dann Wir sind Helden und kettcar, also die Protagonisten einer neuen Niedlichkeit.
            
        Neben Uwe TELLKAMPs "Der Eisvogel" und MENASSEs "Plädoyer der Gewalt" präsentiert uns KÄMMERLINGS einen dritten Propheten des Aufstands: den französischen Globalisierungsgegner Camille de TOLEDO, dessen Buch "Archimondain Superpunk" im Sommer unter dem Titel "Goodbye Tristesse" erscheint:
            
        "Das Buch (...) zeichnet das Porträt einer Generation, die nach dem Fall der Mauer in eine alternativlose und antiutopische Welt hineinwuchs".
            
        Gemäß KÄMMERLINGS leben wir aber nicht in vorrevolutionären Zeiten, wie diese Propheten des Aufstands glauben, sondern in nachrevolutionären Zeiten.
               KÄMMERLINGS bietet uns dazu auch eine These an: Die gegenwärtige, inhaltsleere Revolutionssehnsucht ist die Konsequenz des Zusammenbruchs der New Economy mitsamt den dazugehörigen Heilserwartungen, die "Technikpropheten wie Norbert Bolz, Friedrich Kittler, Florian Rötzer" geliefert haben. Rebellen ohne Markt, was kann schlimmer sein?
               KÄMMERLINGS sieht allein im Zweifel die angemessene revolutionäre Haltung unserer Zeit.
 
  • DETTLING, Daniel (2005): Samstags gehört Vati mir! - Aber warum nur samstags?
    Familienpolitik heißt, die Männer zu fordern und zu fördern,
    in: Tagesspiegel v. 09.05.
    • Kommentar:
      Der Weg von DETTLING junior führt in die familienfundamentalistische Radikalisierung:

            
        "Überfällig ist eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die Risiken und Chancen, Unsicherheiten und Garantien neu verteilt. 35-Stunden- Woche? Für erziehende Eltern ja, für alle nein. Die Rente ist sicher? Ja, für die mit Kindern. Für Kinderlose reicht die Hälfte. Unbefristete Arbeitsverträge? Bekommt, wer sich für Beruf und (!) Kinder entscheidet."
            
        Brav folgt jedoch auch hier die Generation Golf den Vorgaben der 68er-Generation von Meinhard MIEGEL über Herwig BIRG bis zu Hans-Werner SINN.
            
        Die 68er dürfen sich freuen, die Lasten werden allein die Nach-68er zu tragen haben...
 
  • MISIK, Robert (2005): Das sind doch keine Pappkameraden.
    Was kommt nach Rot-Grün? (1): Die Konservativen sind bei weitem nicht so aufgeklärt, wie sie sich gerne darstellen. Deshalb ist es nicht egal, wer regiert.
    Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit. Daher brauchen sie Rot-Grün. Allerdings muss die Linke wieder streiten: für das gute Leben aller,

    in: TAZ v. 09.05.
    • Kommentar:
      Robert MISIK dient Rot-Grün ein Projekt an, das die Grünen bereits Mitte der 80er und die Roten in den 90er Jahren aufgegeben haben:

            
        "Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit - und die Linke braucht eine Sprache, mit der sich für mehr Gleichheit streiten lässt. Wir haben uns Begriffe erkämpft, um für das Recht auf Differenz einzutreten, und die Sprache verloren, um für ein gutes Leben aller zu streiten. Und für Sinn jenseits der Marktzone. Aus Angst vor der Pathosfalle sind wir supercool geworden - auch eine Sackgasse. Ich will damit nicht viel mehr sagen als zweierlei: Es gäbe schon eine Art Arbeitsprogrammatik, für die es sich lohnen würde, Rote und Grüne wieder in Bewegung zu bringen; und es ist nicht so, dass unsereins mit den Dilemmata, in denen Rote und Grüne stecken, nichts zu tun hat.
      Und weil's mühsam ist, da rauszukommen, soll die Merkel ran? Ein wirklich kleines Heldentum.
      "
 
  • Der singlefeindliche Artikel:
    HOLZER, Kerstin/RÖLL, Thomas/SACHSE, Katrin (2005): Bye-bye Baby!
    Beziehungsstress, Egotrips und Jobangst nehmen den Deutschen die Lust aufs Kind - vor allem den Männern,
    in: Focus Nr.19 v. 09.05.
    • Kommentar:
      Zynismus pur:

            
        "Vielleicht geht es den Deutschen noch nicht schlecht genug für eine Umorientierung", schwadronieren die Autoren und zitieren einen Major, der einen "Babyboom" bei US-Soldaten auf Krisenerlebnisse zurückführt: "Wenn sie aus dem Krieg zurückkommen (...) erkennen Menschen, wie kostbar Leben ist".
            
        Ansonsten zeichnet sich der Artikel durch unseriöse Darstellung von Studien zur Kinderlosigkeit (BIB-Studie sowie diverse Umfragen) aus, die mit Hinweis auf die Single-Titelgeschichte des Focus zum einen auf das Problem der Partnerlosigkeit verkürzt wird.
            
        "Mehr als 70 Prozent der Kinderlosen sind laut Bib-Studie allein", behaupten die Focus-Autoren. Verschwiegen wird jedoch, dass dort 18-65Jährige befragt wurden. Der Anteil der partnerlosen 25-45Jährigen, der hier relevant wäre, ist offensichtlich bei weitem nicht so hoch, dass er sich für die Focus-Ideologie eignet.
            
        Zum anderen stehen kinderlose Paare am Pranger. Mit Hinweis auf das Buch "Zeugungsstreik" von Meike DINKLAGE erscheint der fortpflanzungsunwillige Mann als Opfer von Rechtssystem ("Zahlväter") und Emanzipation. Nach dieser Logik müsste man also die Karrierefrauen als Soldatinnen an die Front schicken...
            
        Ganz anders bewertet dagegen der Familiensoziologe Hans BERTRAM im Gutachten "Nachhaltige Familienpolitik" die Kinderlosigkeit, denn nicht die hohe Kinderlosigkeit in Deutschland ist ausschlaggebend für den Geburtenrückgang, sondern der drastische Rückgang der Mehrkinderfamilie.
            
        Außerdem erfordert eine Wissensgesellschaft einen höheren Anteil an Kinderlosen. Kinderlosigkeit einer Minderheit - und das sind lebenslang Kinderlose im Gegensatz zu Familien immer noch - ist in dieser Sicht kein Problem, sondern Ausdruck einer effizienten, sozial-differenzierten Gesellschaft.     
 
  • SCHMIDT, Harald (2005): Kinder,
    in: Focus Nr.19 v. 09.05.
    • Inhalt:
      Den Nachschlag zum Muttertag liefert Harald SCHMIDT:

            
        "Vor allem junge deutsche Männer haben ein schlaff ausgeprägtes Fertilitätsbewusstsein. Dabei könnten sie nach einem staatlich gewünschten Zeugungsakt ihr gewohntes Lotterleben weiterführen. Kümmern tut sich Mutti."
 
 
 
 
 
  • BOURMEAU, Sylvain (2005): Aufgetaucht in Andalusien.
    Michel Houellebecq ist wieder da. Nach drei Jahren spricht er wieder: Über Mercedes-Fahren, das Ende der Religionen und seinen neuen Roman,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.
    • Inhalt:
      BORMEAU schreibt u.a. über Michel HOUELLEBECQs neuen Roman "La possiblité d'une ile" (Die Möglichkeit einer Insel), der im Herbst in Frankreich und fast zeitgleich in Deutschland erscheint:

            
        "Seit anderthalb Jahren wohnt er in Spanien, in der Nähe von Almería. Vor wenigen Wochen hat er dort seinen vierten Roman (...) fertiggeschrieben. Alle dachten immer, er wohne an der Westküste Irlands (...). Aber in Wahrheit war er am anderen Ende des Kontinents, in Andalusien, und blickte hinüber nach Afrika."
 
  • SDUN, Nora (2005): Was ist eigentlich Jugend?
    Claudius Seidl: Schöne junge Welt,
    in: fluter.de v. 08.05.
    • Inhalt:
      SDUN findet, dass das Gehabe von SEIDL & Co. absolut nichts mit Jugendlichkeit zu tun hat:

            
        "Seidl (...) macht Inventur bei den Lässigen seiner Generation. Das Ergebnis ist bitter für alle, die so eine Lebensart nicht pflegen können. Sie müssen eben altern. Alternativen nennt Seidl nicht.
      Erfolgreiche 40- bis 50-Jährige sind sich, meint Seidl, sicher - obwohl sie sich nicht festlegen. (...). Seltsam ist, dass Seidl findet, dass ihr Verhalten etwas mit Jugendlichkeit zu tun hätte. Kein Jugendlicher benimmt sich so. Jung zu sein, hat noch nie bedeutet, dass man sich sicher ist.
      »Schöne junge Welt« lässt sich aber auch ironisch lesen. Denn wenn es möglich wird, so überlegen zu schreiben wie Claudius Seidl, über Filme, Verhaltensbiologie und Anthropologie, dann hätte man keine Probleme mehr mit den eigenen Drüsen.
 
 
  • SPERR, Franziska (2005): Der Jugend Rosenbahn zurückzueilen.
    Süffig, kulinarisch, locker erzählt Claudius Seidl von den ewig jung Gebliebenen und ihrem Generationenkampf,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
    • Kommentar:
      Was macht man eigentlich, wenn ein Buch schlecht ist und man es dennoch loben muss?

            
        Das Ergebnis liest sich dann so wie die Rezension von SPERR: "Zur Klärung der eigenen Position ist das Buch nicht geeignet" heißt das Fazit, nachdem zuerst hervorgehoben wurde, dass SEIDL für die werberelevante Zielgruppe der Dreißig- und Vierzigjährigen schreibt (in der SZ wird fälschlicherweise 30-40jährige geschrieben). Genauer: für "Kindsköpfe (...), speziell die Männer aus dem Medienbereich, der Musik- oder Werbebranche, die ewig Fünfunddreißigjährigen".
            
        Es sind jene, die in der Geschichte keine Spuren hinterlassen, wie es bei SEIDL selbstmitleidig heißt. Dagegen die alten Jungen: "Die Superjobs (...) gehen regelmäßig an die viel zu Jungen, Unreifen, die vitelloni der Mediengesellschaft. Sie wollen die Vierzigersäcke und Lesebrillenträger samt ihrer öden Berufs- und Lebenserfahrung nicht mehr zu Wort kommen lassen".
            
        SPERR stilisiert das Buch sozusagen zum Stichwortgeber für die young neocon-Kontroverse der SZ: "Schlachtengemälde vom Kampf der Generationen". Das ist ziemlich weit hergeholt für ein Buch, das - wie SPERR richtig angemerkt hat - für die Lifestyle-Schickeria geschrieben wurde, und deshalb der Beliebigkeit frönt:
            
        "Und weil er offenbar selbst gespürt hat, dass da was nicht stimmt, endet das Buch versöhnlich mit einem klaren Plädoyer gegen den Jugendwahn und der Hoffnung, dass - mögen die Götter helfen - es mit der Vergreisung dann doch nicht gar so drastisch kommen muss."
            
        Schonungsloser hat dagegen single-generation.de die Schwächen des Buches "schöne junge welt" von Claudius SEIDL herausgearbeitet, denn nur durch extreme Zuspitzung gewinnt das laue Buch überhaupt erst jene Konturen, die SPERR hier beschrieben hat.   
 
  • CASATI, Rebecca u.a. (2005): Deutschlands mächtigste Modefrauen.
    Dieses Land fühlt sich so abgerissen wie lange nicht, aber es gilt, auch dank der Hauptstadt, im Ausland als schick. 38 Frauen haben den Heimvorteil bereits genutzt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
    • Inhalt:
      Die SZ-Autoren porträtieren Promis und MacherInnen aus der Modebranche, u.a. Barbara VINKEN:

            
        "Wenn es die Bezeichnung gäbe, wäre Barbara Vinken die erste Modewissenschaftlerin Deutschlands. Sie hat einen Lehrstuhl für Romanistik in München. (...). Ihr Standardwerk »Die Mode nach der Mode« wurde unlängst ins Englische übersetzt."
 
  • BESSING, Joachim (2005): Verpuppte blicken dich an.
    Die Menschen wollen keine Kinder mehr, sondern selbst welche sein. Eine haarige Expedition zu den "Furrys" - zur wachsenden Gemeinde der Stofftierfetischisten,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
    • Kommentar:
      Was treiben eigentlich frustrierte Familienväter und Möchtegern-Dandys? Sie schreiben über Kinderlose und Internetsurfer im Publikationsorgan der Frühvergreisten. Das erbaut das beschädigte Selbstbewusstsein:

            
        "Wer in Einsamkeit und dem Gefühl steht, nicht verstanden zu werden, der erlebt die Kameradschaft seines Stofftieres zunächst als Treue und Verlässlichkeit, als einen Trost, aber bei anhaltendem Gefühl wird des sich so ergeben, dass die Suche nach anderen Menschen ersetzt wird durch das Überwechseln des Einsamen auf die andere Seite, nämlich die der Stofftiere, die vorbehaltlos Liebe entgegenbringen können und niemals lügen",
      meint der Küchentischpsychologe Joachim BESSING. Vielleicht hilfts ja beim Zurückstutzen der Form, wir anderen dagegen blättern einfach weiter...
 
 
 
  • FEDDERSEN, Jan (2005): mama! Ungemütlicher Tag.
    Die Nazis wollten Frauen als Kameradinnen, noch lieber aber als Gebärmaschinen. Die Mutter war eine Heilige im völkischen Wahn, geehrt zum Muttertag, dem zweiten Sonntag im Mai. Warum wird er heute noch gefeiert, allem Feminismus zum Trotz?
    in: TAZ v. 07.05.
    • Inhalt:
      FEDDERSEN stellt u.a. eine Studie von Sigrid CHAMBERLAIN vor:

            
        "In Deutschland ist die Titulierung der Mutter als Mama erst seit 1945 wieder erwünscht - die Naziideologie selbst hielt, darauf weist die Frankfurter Soziologin Sigrid Chamberlain hin, diese Namen für unschicklich, ja aus der Perspektive des Dritten Reichs unzeitgemäß: Manche Kinder, die unter dem NS-Regime geboren wurden, so Chamberlain, »wünschten sich sogar, Mama oder wenigstens Mutti sagen zu dürfen. Das wurde ihnen aber verboten. Mutter müsse es heißen, alles andere sei zu sentimental, weichlich, affig und außerdem nicht deutsch genug.«
      Chamberlain hat über den Mutterkult eine erhellende Arbeit geschrieben. »Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind« (Edition Psychosozial, Gießen 2003) heißt sie, die hauptsächlich eine Analyse zweier NS-Erziehungsbücher ist. Ihre Arbeit ist insofern besonders verdienstvoll, als sie das Bild der Frau unter und im Nationalsozialismus nicht eingeengt verstanden wissen will als Führergläubige, BDM-Mädel oder Kriegerwitwe, die ihre bis dahin gültigen Lebensromane notgedrungen mit dem 8. Mai 1945 beenden mussten."

            
        Zum Muttertag zitiert FEDDERSEN den Popliteraten Rolf Dieter BRINKMANN:
            
        "Der Muttertag des Nationalsozialismus war eine Veranstaltung der Dankbarkeit dieser Leistung gegenüber: die eigenen Kinder zu unnahbaren, funktionstüchtigen Figuren eines sachlichen Systems gemacht zu haben. Kinder waren der Dank an den Führer, Kader einer neuen Zeit. Der 1940 geborene Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann schrieb in »Rom, Blicke«: »Das ist unsere Generation, eine Gerümpel-Generation, hastig und mit Angst vor dem Krieg zusammengefickt - ein verworrenes Motiv: ehe der Mann in den Krieg zieht, macht er der Frau noch ein Kind - ,ich bin nur da, weil es einen Krieg gab' - und was ist dann Kindheit und Jugend? Nichts als eine einzige Entschuldigung, dass man überhaupt da ist, ,entschuldigen Sie, dass ich geboren bin'.«"
  • FEDDERSEN, Jan (2005): Wenn das der Führer wüsste!
    Was sähen Altnazis im Deutschland von heute? Untergang und Zersetzung,
    in: TAZ v. 07.05.
 
 
  • DÜCKERS, Tanja (2005): Neue Bilder alter Prägung.
    Ein Pokal im Leiden ist nicht zu gewinnen: Wie junge Generationen auf den 8. Mai reagieren,
    in: Welt v. 07.05.
    • Kommentar:
      Für Tanja DÜCKERS steht der Zeitgeist mittlerweile rechts von der Mitte:

            
        "Mit der Verabschiedung des Ideenguts der 68er fand gerade für die Jüngeren und die ganz Jungen ein Paradigmenwechsel statt. Während die Älteren sich oftmals aus ganz persönlichen Gründen von einem zeitgeistverhafteten Habitus der 68er lossagen wollten, war die Wirkung dieses tiefgreifenden Werte-Wechsels auf Teile der jüngeren Generation nicht ganz absehbar gewesen. Die ganz Jungen in Deutschland haben nämlich nun auf eine frappierende Weise ein »unverkrampftes« Bild von Deutschland, das sowohl den in der gesellschaftlichen Mitte angelangten Ex-68ern entgegenkommt als auch zunehmend affin zu den Ideologien der Neuen Rechten ist."
            
        Der Angriff auf den Habitus der 68er kam für DÜCKERS in erster Linie mitten aus der Ex-Linken und 68er-Generation.
            
        Ihre Generation beschuldigt DÜCKERS, dass sie keine eigenständige gesellschaftliche Vision hervorgebracht und somit dem neuen Zeitgeist Vorschub geleistet habe:
            
        "Schuld an der neuen politischen Unbedarftheit der ganz Jungen, die in manchen Regionen bei den Wahlen eher für die Rechtsextremen als für eine gemäßigt-bürgerliche Partei wie die Grünen stimmen, haben natürlich auch die 30- bis 45jährigen selber - die Teilhaber der politischen »Sandwich-Generation«, die keine eigene gesellschaftspolitische Vision hervorgebracht hat außer »Friede, Freude, Eierkuchen«, dem Love Parade-Motto von Dr. Motte.
            
        Was diese Generation gesellschaftspolitisch statuiert und hinterlassen hat, ist eine Art grelles Biedermeier: Ein Biedermeier, das selbstverständlich keine Schwulen, Lesben, Polygamen etc. ausgrenzt, also kein sexuelles Biedermeier wie in den fünfziger Jahren, auch kein ethnisches, das Ausländerfeindlichkeit propagiert, aber dennoch - bei allen lärmenden, bunten und hedonistisch-experimentellen Aspekten - eines des enorm verengten Blickfeldes: Privatismus und Stagnation.
            
        Diese an sich harmlose Generation hat das Individuell-Verschiedene, Schlaglichtartige in Abgrenzung zum penetranten Wir-Gefühl der Älteren geradezu zum neuen Kult erhoben und politische, also die Allgemeinheit betreffende Fragen so unbeantwortet gelassen. Dadurch hat sich hier ein Vakuum für die noch Jüngeren, denen aber zunehmend der ethisch-moralische Background der 68er-geschulten pc-Partygänger der Achtziger und Neunziger fehlt, aufgetan."
 
  • ADRIAN, Michael (2005): Wir sind hyper-rationale Narren.
    Emotionen im Kapitalismus: Bei den Frankfurter Adorno-Vorlesungen las die Soziologin und Anthropologin Eva Illouz der Liebe und den Liebenden ganz gehörig die Leviten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.
 
 
 
   

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Zu den News vom  01. - 05. Mai 2005

 
 
   
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Bernd Kittlaus
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