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Medienrundschau:
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News vom
06. - 09. Mai 2005
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Zitat
des Monats:
"Sie
wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die
Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles
heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des
Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die
Felskanten schien.
Gegen Mittag glühte der Körper
mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher
zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In
Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die
Gischt und das Gesicht."
(aus:
Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.) |
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- FRÖHLINGSDORF, Michael/JUNG,
Alexander/LUDWIG, Udo/NEUMANN, Conny/SCHMIDT, Caroline (2005):
Generation Pflege.
Finanznot in der Pflegekasse: Die Zahl der Bedürftigen steigt,
immer mehr Alte kommen in teure Heime, der Reformdruck wächst. Um
die Zukunft des Alterns beginnt eine Debatte: Pflegen oder pflegen
lassen? Das stürzt Millionen Angehörige in einen tiefen Konflikt,
in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
- Inhalt:
Die Autoren vertreten die These von der
überlasteten Sandwich-Generation:
"Meist sind die Töchter und Söhne
zwischen 40 und 60 Jahre alt, wenn der Ernstfall eintritt. Die
Jahrgänge 1945 bis 1965 werden zur Generation Pflege: Sie haben
schon gut zu tun mit der Erziehung der Kinder, mit Job und dem
Aufbau des eigenen Lebens und plötzlich müssen sie sich noch um
die Eltern kümmern."
- SCHREP, Bruno (2005): Der letzte
Umzug.
Angst, Abwehr, Misstrauen: Die Übersiedlung in ein Altersheim ist
für viele Ältere die schmerzlichste Entscheidung ihres Lebens. Mit
dem Verlust der eigenen vier Wände geht auch die Selbstbestimmung
verloren,
in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
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- BRUHNS, Annette & Horand KNAUP (2005):
Anpassung an die Realität.
Justizministerin Brigitte Zypries will das Unterhaltsrecht ändern.
Ihr Ziel: Geschiedene sollen für sich selbst sorgen, ledige
Alleinerziehende besser gestellt werden,
in: Spiegel Nr.19 v. 09.05.
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IW-Positionspapier
"Alterssicherung im Drei-Generationenvertrag - Zur Berücksichtigung
der Kindererziehung in der umlagefinanzierten Sozialversicherung
- Kommentar:
Der Kölner Think Tank des Neoliberalismus hat
ein Positionspapier von Jochen PIMPERTZ, Jahrgang 1965,
veröffentlicht.
Durch die
Katholisierung des Sozialstaats
soll die Umverteilung der Kosten sozialer Sicherungssysteme von
Arbeitgebern auf Arbeitnehmer vorangetrieben werden.
Die Arbeitnehmer - ob Eltern oder Kinderlose - sollen
sich in Zukunft bekriegen, während die Arbeitgeber das Konfliktfeld
derweil ohne Aufsehen durch die Hintertür verlassen.
Das Erwachen wird schließlich erst später kommen.
Dann nämlich, wenn die Eltern zu spüren bekommen, dass die
vermeintlich Kinderlosen sie selber sein werden!
Wer den Sozialpopulisten glaubt,
dass demnächst mindestens 30 % lebenslang Kinderloser die Rente von
Eltern bezahlen werden, der darf sich genauso gelackmeiert fühlen
wie jene, die Norbert BLÜMs "Die Rente ist sicher" mit "Die
Rentenhöhe ist sicher" verwechselt haben. Der Teufel steckt wie
immer im Kleingedruckten.
Nach einer neuen
BIB-Umfrage ist das
Image von Kinderlosen so schlecht, dass 17 % der 18-65jährigen sie
gerne abzocken würden. Sie übersehen jedoch, dass es auch in Zukunft
viel weniger lebenslang Kinderlose geben wird. Die Folge:
Rentenversicherungspflichtige Eltern werden auf Kosten anderer
rentenversicherungspflichtiger Eltern herangezogen, während
Arbeitgeber und nicht Zwangsversicherte außen vor bleiben.
- ENN (2005): Eichel muß Geld für die
Rente zurücklegen.
Wachstumsschwäche erfordert vorgezogenen Bundeszuschuß. IW für
Rente nach Kinderzahl,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
- ENN (2005): Kein Strafabschlag,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
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- HORST, Ernst (2005): Das Kind ist der
Vater aller Dinge.
Nachwuchs jetzt: Ulrich Deupmann pädokratisches Manifest,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
- Kommentar:
HORST hält den Ansatz von DEUPMANN für
überzogen.
Kinder von gering verdienenden
Eltern zu fördern, das kann gerne auf den Sankt Nimmerleinstag
verschoben werden. Die Elite muss zuerst kommen:
"Bei
uns hat eine Frau im Durchschnitt 1,3 Kinder. Akademikerinnen kommen
auf 1,1, und es sind naturgemäß nicht die schlechtesten Gene,
die da verlorengehen", belehrt uns HORST.
Der kinderlose Yuppie darf
in der Bevölkerungspolitik einen säkularen Ablasshandel sehen:
"Ein gutverdienender Kinderloser
wird sich nicht freuen, wenn er mehr Steuern zahlen muß. (Dafür
braucht er kein schlechtes Gewissen wegen seiner Kinderlosigkeit zu
haben. Er bezahlt schließlich andere fürs Kinderkriegen.)"
Im Gegensatz zu DEUPMANN
sieht HORST das Heil unserer Gesellschaft nicht im
schnellstmöglichen Bevölkerungswachstum. Der Wohlstand ließe sich
auch bei langsamer Schrumpfung erhalten.
Nicht zuletzt plädiert
HORST für mehr Individualisierung:
"Ist in unserer Gesellschaft nicht auch
Platz für die Nur-Hausfrau, die ihre sieben Kinder ohne Kindergarten
großziehen will? Dafür kann es dann eine andere Frau geben, die
keine Kinder will und dafür nach dem Physiknobelpreis strebt. Was
zählt, ist letzten Endes der statistische Durchschnitt."
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- KÄMMERLINGS, Richard (20059: Eisvögel
der Revolution.
Die Zeichen stehen auf Sturm: Über die neue Lust am Aufstand,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.
- Kommentar:
Die alte Lust am Aufstand ist offensichtlich
verflogen.
Man kann ja kaum noch
glauben, dass die FAZ einmal so etwas wie das Revolutionsorgan des
Neuen Deutschland sein wollte.
Bürger auf die Barrikaden! schrie uns der
Beamte auf Lebenszeit Arnulf BARING zu.
Geblieben ist uns jedoch eine
Medien-APO.
Davon will
Richard KÄMMERLINGS nun nichts mehr wissen. Dabei könnte man
eine Linie von BARING zu Uwe TELLKAMPs Roman
"Der Eisvogel" ziehen.
KÄMMERLINGS beginnt dagegen beim
Göttinger Politikwissenschaftler
Franz WALTER, der in den blockierten Gegeneliten, also den
arbeitslosen Akademikern, ein Revolutionspotential erblickt hat.
Diese sitzen offenbar in
überfüllten Frankfurter Hörsälen und hören Robert MENASSE und seinem
"Plädoyer für die Gewalt" zu. Der Terror des 11. September wird in
dieser Sicht zur Notbremse im rasenden Globalisierungszug.
Die Revolutionsmusik dazu spielen
dann Wir sind Helden und
kettcar, also die Protagonisten einer neuen Niedlichkeit.
Neben Uwe TELLKAMPs "Der
Eisvogel" und MENASSEs "Plädoyer der Gewalt" präsentiert uns
KÄMMERLINGS einen dritten Propheten des Aufstands: den französischen
Globalisierungsgegner Camille de TOLEDO, dessen Buch
"Archimondain Superpunk" im Sommer
unter dem Titel "Goodbye Tristesse" erscheint:
"Das Buch (...) zeichnet das Porträt
einer Generation, die nach dem Fall der Mauer in eine alternativlose
und antiutopische Welt hineinwuchs".
Gemäß KÄMMERLINGS leben wir aber
nicht in vorrevolutionären Zeiten, wie diese Propheten des Aufstands
glauben, sondern in nachrevolutionären Zeiten.
KÄMMERLINGS bietet uns dazu auch
eine These an: Die gegenwärtige, inhaltsleere Revolutionssehnsucht
ist die Konsequenz des Zusammenbruchs der New Economy mitsamt den
dazugehörigen Heilserwartungen, die "Technikpropheten wie Norbert
Bolz, Friedrich Kittler, Florian Rötzer" geliefert haben. Rebellen
ohne Markt, was kann schlimmer sein?
KÄMMERLINGS sieht allein im Zweifel die
angemessene revolutionäre Haltung unserer Zeit.
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- DETTLING, Daniel (2005): Samstags
gehört Vati mir! - Aber warum nur samstags?
Familienpolitik heißt, die Männer zu fordern und zu fördern,
in: Tagesspiegel v. 09.05.
- Kommentar:
Der Weg von
DETTLING junior führt in die familienfundamentalistische
Radikalisierung:
"Überfällig ist eine Wirtschafts- und Sozialpolitik,
die Risiken und Chancen, Unsicherheiten und Garantien neu verteilt.
35-Stunden- Woche? Für erziehende Eltern ja, für alle nein. Die
Rente ist sicher? Ja, für die mit Kindern. Für Kinderlose reicht die
Hälfte. Unbefristete Arbeitsverträge? Bekommt, wer sich für Beruf
und (!) Kinder entscheidet."
Brav folgt jedoch auch hier die Generation
Golf den Vorgaben der 68er-Generation von Meinhard MIEGEL über
Herwig BIRG bis zu
Hans-Werner SINN.
Die 68er dürfen sich freuen, die
Lasten werden allein die Nach-68er zu tragen haben...
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MISIK, Robert (2005): Das sind doch keine Pappkameraden.
Was kommt nach Rot-Grün? (1):
Die Konservativen sind bei weitem nicht so aufgeklärt, wie sie sich
gerne darstellen. Deshalb ist es nicht egal, wer regiert.
Unsere Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit. Daher brauchen sie
Rot-Grün. Allerdings muss die Linke wieder streiten: für das gute
Leben aller,
in: TAZ v. 09.05.
- Kommentar:
Robert MISIK
dient Rot-Grün ein Projekt an, das die Grünen bereits
Mitte der 80er und die Roten in den 90er Jahren
aufgegeben haben:
"Unsere
Gesellschaften brauchen mehr Gleichheit - und die Linke braucht eine
Sprache, mit der sich für mehr Gleichheit streiten lässt.
Wir haben uns Begriffe
erkämpft, um für das Recht auf Differenz einzutreten, und die
Sprache verloren, um für ein gutes Leben aller zu streiten. Und
für Sinn jenseits der Marktzone. Aus Angst vor der Pathosfalle sind
wir supercool geworden - auch eine Sackgasse. Ich will damit nicht
viel mehr sagen als zweierlei: Es gäbe schon eine Art
Arbeitsprogrammatik, für die es sich lohnen würde, Rote und Grüne
wieder in Bewegung zu bringen; und es ist nicht so, dass unsereins
mit den Dilemmata, in denen Rote und Grüne stecken, nichts zu tun
hat.
Und weil's mühsam ist, da rauszukommen, soll die Merkel ran? Ein
wirklich kleines Heldentum."
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Der singlefeindliche Artikel:
HOLZER, Kerstin/RÖLL, Thomas/SACHSE, Katrin (2005): Bye-bye
Baby!
Beziehungsstress, Egotrips und Jobangst nehmen den Deutschen die
Lust aufs Kind - vor allem den Männern,
in: Focus Nr.19 v. 09.05.
- Kommentar:
Zynismus pur:
"Vielleicht geht es den Deutschen
noch nicht schlecht genug für eine Umorientierung", schwadronieren
die Autoren und zitieren einen Major, der einen "Babyboom" bei
US-Soldaten auf Krisenerlebnisse zurückführt: "Wenn sie aus dem
Krieg zurückkommen (...) erkennen Menschen, wie kostbar Leben ist".
Ansonsten zeichnet sich der
Artikel durch unseriöse Darstellung von Studien zur Kinderlosigkeit
(BIB-Studie
sowie diverse Umfragen) aus, die mit Hinweis auf die
Single-Titelgeschichte des Focus zum einen auf das
Problem der Partnerlosigkeit verkürzt wird.
"Mehr als 70 Prozent der
Kinderlosen sind laut Bib-Studie allein", behaupten die
Focus-Autoren. Verschwiegen wird jedoch, dass dort 18-65Jährige
befragt wurden. Der Anteil der partnerlosen 25-45Jährigen, der hier
relevant wäre, ist offensichtlich bei weitem nicht so hoch, dass er
sich für die Focus-Ideologie eignet.
Zum anderen stehen kinderlose
Paare am Pranger. Mit Hinweis auf das
Buch "Zeugungsstreik" von Meike DINKLAGE erscheint der
fortpflanzungsunwillige Mann als Opfer von Rechtssystem
("Zahlväter") und Emanzipation. Nach dieser Logik müsste man also
die Karrierefrauen als Soldatinnen an die Front schicken...
Ganz anders bewertet dagegen der
Familiensoziologe Hans BERTRAM im Gutachten "Nachhaltige
Familienpolitik" die Kinderlosigkeit, denn nicht die hohe
Kinderlosigkeit in Deutschland ist ausschlaggebend für den
Geburtenrückgang, sondern der drastische Rückgang der
Mehrkinderfamilie.
Außerdem erfordert eine
Wissensgesellschaft einen höheren Anteil an Kinderlosen.
Kinderlosigkeit einer Minderheit - und das sind lebenslang
Kinderlose im Gegensatz zu Familien immer noch - ist in dieser Sicht
kein Problem, sondern Ausdruck einer effizienten,
sozial-differenzierten Gesellschaft.
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- SCHMIDT, Harald (2005): Kinder,
in: Focus Nr.19 v. 09.05.
- Inhalt:
Den
Nachschlag zum Muttertag liefert
Harald SCHMIDT:
"Vor
allem junge deutsche Männer haben ein schlaff ausgeprägtes
Fertilitätsbewusstsein. Dabei könnten sie nach einem staatlich
gewünschten Zeugungsakt ihr gewohntes Lotterleben weiterführen.
Kümmern tut sich Mutti."
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- Kommentar:
Schade, um das viele Papier!
Zum Muttertag steht der kinderlose Mann am Pranger. Aber interessiert
uns das?
Preaching to the converted
nennt man das, was die Mitte-Presse uns da liefert. Mütter und Väter
in diesem Lande werden zustimmen, Kinderlose werden weiter blättern.
Euer dümmliches Aussterben-Phantasma zieht bei
uns nicht! Eure Statistiken sind nichts wert.
Ihr könnt noch so viele Studien (lächerlich, was heute so alles als
Studie daherkommt!) publizieren. Wir glauben Euch kein Wort. So lange
die Bevölkerungsstatistik nicht in der Lage ist, die Kinderlosigkeit
überhaupt einigermaßen genau zu bestimmen, taugen alle Euren Umfragen
nichts. Werft sie in den Müll, dort gehören sie hin!
"Die Ursachen für das
drastische Ansteigen der gewollten Kinderlosigkeit sind nicht in
erster Linie Geldsorgen, Zukunftsängste und die schwere Vereinbarkeit
von Karriere und Kinderei. Nein, es liegt am Single-Dasein. »Ich
lebe allein und habe keinen festen Partner«.
Das geben 83 Prozent der Twens und knapp 75 Prozent der 20- bis
39-Jährigen als Hauptgrund für die eigene Kinderlosigkeit an", lesen
wir bei Christiane PEITZ. Das sollen wir auch noch glauben?
So viele Partnerlose gibt es unter den
Alleinlebenden gar nicht! Ihr lügt Euch nur selbst an.
Die Haushaltsstatistik täuscht über die
Lebensverhältnisse hinweg.
Hört endlich auf, uns Eure Single-Lügen
aufzutischen.
Deutschland ist ein Familienland. Das
anzuerkennen, ist das wahrhaft letzte Tabu in diesem Land, das sich so
viel einbildet auf sein Anderssein.
-
SCHMERGAL, Cornelia & Heike VOWINKEL (2005): "Kinder sind Lebenssinn".
Familienministerin Renate
Schmidt über Muttertag, Männer zwischen Schreib- und Wickeltisch und
die deutsche Gesellschaft, die sich ein Leben mit Nachwuchs abgewöhnt
hat,
in: Welt am Sonntag v. 08.05.
-
SCHMERGAL, Cornelia (2005): Männer im Zeugungsstreik,
in: Welt am Sonntag v. 08.05.
- PEITZ, Christiane (2005): Vater morgana.
Nation ohne Kinder: Für immer
mehr Deutsche ist die Familie das Wichtigste im Leben. Aber immer
weniger gründen eine,
in: Tagesspiegel v. 08.05.
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LEANDER, Karin (2005): Der Fruchtbarkeitsfalle entkommen.
Kinder? Später vielleicht, oder lieber doch nie... Wer ist schuld?
Junge Frauen? Eine Studie belegt das weitverbreitete Ideal der
Kinderlosigkeit,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.
- Inhalt:
LEANDER referiert noch einmal den
familienpolitischen Diskurs der letzten Monate und Jahre
mit BIB-Studie, dem
Gutachten von Hans BERTRAM der
DIW-Studie von Christian SCHMITT, dem SPIEGEL-Titel ("Der
letzte Deutsche", 2004), Literatur von Herwig BIRG ("Die
demographische Zeitenwende", 2001), Gabriele GÖBEL ("Kinder oder
Karriere - Lebensentwürfe junger Akademikerinnen und ihr
persönlichen Netzwerke" 1997), Bärbel KERBER ("Die Babyfalle",
2003), Susanne REINHRADT ("FrauenLeben
ohne Kinder", 2003), Jeanne SAFER ("Kinderlos glücklich") und
nicht zuletzt die Kontroverse um
Land-Mütter (Laer) und
Stadt-Mütter
(Prenzlauer Berg).
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- BOURMEAU, Sylvain (2005): Aufgetaucht
in Andalusien.
Michel Houellebecq ist wieder da. Nach drei Jahren spricht er
wieder: Über Mercedes-Fahren, das Ende der Religionen und seinen neuen
Roman,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 08.05.
- Inhalt:
BORMEAU schreibt u.a. über
Michel HOUELLEBECQs neuen Roman "La
possiblité d'une ile" (Die Möglichkeit einer Insel), der im Herbst
in Frankreich und fast zeitgleich in Deutschland erscheint:
"Seit anderthalb Jahren wohnt er in
Spanien, in der Nähe von Almería. Vor wenigen Wochen hat er dort
seinen vierten Roman (...) fertiggeschrieben. Alle dachten immer, er
wohne an der Westküste Irlands (...). Aber in Wahrheit war er am
anderen Ende des Kontinents, in Andalusien, und blickte hinüber nach
Afrika."
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SDUN, Nora (2005): Was ist eigentlich Jugend?
Claudius Seidl: Schöne junge Welt,
in: fluter.de v. 08.05.
- Inhalt:
SDUN findet, dass das Gehabe von SEIDL & Co.
absolut nichts mit Jugendlichkeit zu tun hat:
"Seidl
(...) macht Inventur bei den Lässigen seiner Generation. Das
Ergebnis ist bitter für alle, die so eine Lebensart nicht pflegen
können. Sie müssen eben altern. Alternativen nennt Seidl nicht.
Erfolgreiche 40- bis 50-Jährige sind sich, meint Seidl, sicher -
obwohl sie sich nicht festlegen. (...).
Seltsam ist, dass Seidl findet, dass ihr Verhalten etwas mit
Jugendlichkeit zu tun hätte. Kein Jugendlicher benimmt sich so.
Jung zu sein, hat noch nie bedeutet, dass man sich sicher ist.
»Schöne junge Welt« lässt sich aber auch ironisch lesen. Denn wenn
es möglich wird, so überlegen zu schreiben wie Claudius Seidl, über
Filme, Verhaltensbiologie und Anthropologie, dann hätte man keine
Probleme mehr mit den eigenen Drüsen."
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- Der singlefeindliche
Artikel:
VOGEL, Evelyn (2005): Alles auf Anfang.
Frauen und Männer: Neueste Ermittlungen im Krisengebiet (11).
Mädchen, Mutter, Großmutter: Ab 40 stehen
Frauen heute so viele Rollen offen wie noch nie,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
- Kommentar:
In der SZ, dem Publikationsorgan
Frühvergreister, wird wieder einmal über den angeblichen
Jugendwahn gejammert, und zwar diesmal von einer Journalistin, die
offenbar wenig Ahnung hat von dem, worüber sie schreibt!
Wer wissen möchte, welche Märchen
VOGEL uns erzählt, der sollte den Links im Text folgen.
Single-dasein.de stellt den journalistischen Fiktionen die
statistischen Fakten oder alternative Sichtweisen gegenüber.
Die Frau um die 40 war
bereits im Jahr 1984 auf dem Cover des Spiegels. Seit damals lässt
sich ein neokonservativer Rückschritt feststellen:
"Dank des medizinischen
Fortschritts haben erstmals Frauen um die Vierzig die Chance, sich
noch für ein erstes Kind zu entscheiden. Denn die typischen Risiken
der Spätgebärenden können durch Vorsorge gemindert werden.
Und die Frauen sind nicht mehr unbedingt darauf angewiesen, zum Kind
auch den Vater vorzuzeigen. Die Diskriminierung lediger Mütter hält
sich in Grenzen. Eine privilegierte Minderheit gutverdienender
Frauen ist nicht einmal auf das weitere finanzielle Engagement des
Erzeugers angewiesen.
(...).
Nicht zufällig präsentieren sich Busenstars um die Vierzig, wie
Ursula Andress und Claudia Cardinale, als begeisterte später Mütter
mit einem Baby auf dem Arm," schreibt Marion SCHREIBER im Spiegel
vom 26.11.1984.
Vom damaligen Optimismus
über die Vorzüge des Spätgebärens und des Alleinerziehens ist bei
VOGEL nichts mehr übrig geblieben.
Sie beklagt vielmehr, dass Frauen
nicht mehr dem
Normallebenslauf der 1960er und 1970er Jahre folgen.
Stattdessen stehen ihnen drei Optionen offen:
"Die
traditionellen H&M-Lebensbaupläne (Hausfrau und Mutter), denen eine
40-Jährige noch bis in die sechziger und siebziger Jahre des
vergangenen Jahrhunderts verpflichtet war, gelten nicht mehr. (...).
Der spezifisch weibliche Weg durch
dieses Generationen-Crossing stellt sich bei der forty plus des
Jahres 2005 als geradezu himmlische Dreifaltigkeit dar. Sie kann
Mädchen, Mutter oder Großmutter sein, und sie kann zwischen diesen
Rollen wechseln: ein multiples Wesen.
Wenn sie eine
kinderlose Karrierefrau
mit loser partnerschaftlicher Bindung ist, also ein typischer shink
(single high income, no kids), dann schlägt sie sich die wenigen
freien Abende und Wochenenden mit Freizeitvergnügen um die Ohren,
lebt wie eine 20-Jährige. Und keine gesellschaftliche Sanktion kann
sie zwingen, die Bevölkerungszahlen durch Nachwuchs anzuheben.
Aus
der »alten Jungfer« von einst ist längst die emanzipierte Frau
geworden, die den Regeln des Patriarchats einen eigenen
Lebensentwurf entgegensetzt, abseits der Mutterrolle. Diese kann
sie, wenn sie alle Möglichkeiten der modernen Reproduktionsmedizin
ausschöpft, auch noch mit 50 oder 60 Jahren übernehmen.
Andererseits werden heute ganz
bewusst immer mehr Frauen um die 40 zu Erstgebärenden. Sie haben
ihre Mädchen-Phase ausgekostet und gelten in der Mutterphase als
abgeklärt und belastbar. Typischerweise ziehen sie sich nur kurz aus
dem Berufsleben zurück und setzen ihre Multitasking-Fähigkeiten als
Hausfrau, Mutter und berufstätige Frau voll ein.
Gesamtgesellschaftlich gesehen sind sie das Non-plus-ultra. Sie
heben die Geburtenrate, wirken der Überalterung entgegen und
steigern das Bruttosozialprodukt gleich in mehrfacher Hinsicht: als
Arbeitnehmerin und als Arbeitgeberin (für Tagesmutter und Putzfrau,
denn wie sonst sollte sie wohl in diesem Wahnsinn überleben?). Dabei
spielt es für ihren persönlichen Status kaum eine Rolle, ob sie in
einer traditionellen Bindung oder einer Patchwork-Familie lebt.
Und
die Zahlen alleinerziehender Mütter deuten an: Sie kommt auch ganz
gut ohne Partner aus.
Die dritte Vertreterin der
himmlischen Dreifaltigkeit ist schließlich die 40-jährige Frau, die
im Alter von etwa 20 Jahren Kinder bekommen hat. Sie macht nach
traditionellen Musterbiographien zwar eine altersgemäße Erfahrung,
nach den Lebensplanungen des 21. Jahrhunderts entspricht dieses Grandma-Feeling jedoch eher der Perspektive einer 60-Jährigen. Und
davon fühlt sich die forty plus doch Lichtjahre entfernt! Selbst als
biologische Großmutter kann sie problemlos noch einmal durchstarten
und ihre, durch die Kinder eingeschränkte Jugendphase zwischen 20
und 30 auf allen Ebenen neu erleben.
Durch die hohe Trennungsrate in
dieser Altersgruppe sind die Single-Zahlen enorm gestiegen. Jeder
fünfte bis sechste forty plus-Mann lebt allein; bei den Frauen sind
es jede Zehnte bis Zwölfte. Es kann also in Sachen Beziehung
von
vorne losgehen. – Nur,
warum pflegen dennoch so viele Frauen in
diesem Alter das Alleinsein?"
VOGELs Perspektive auf die
Frau um die 40 wird gespeist von der
bevölkerungspolitischen
Debatte, die von familienfundamentalistischen Hardlinern wie Herwig
BIRG geprägt wird. Deren Ideal ist die "Deutsche Mutter", ein
Mythos, der angesichts des angeblichen Aussterbens der Deutschen zur
neuen Grundfigur einer postpostmodernen Gesellschaft werden soll.
Wer sich diesem vormodernen Diktat nicht
unterwerfen möchte, der soll ausgegrenzt werden, notfalls mit
Sanktionen.
Die Szenarien der
bevölkerungspolitischen Hardliner sind jedoch alles andere als
stichhaltig.
Ihre Glaubwürdigkeit beruht
jedoch auf solch unseriösen Gesellschaftsdarstellungen wie sie VOGEL
hier liefert. Deren Kern ist die
Single-Lüge.
Ach ja, natürlich werden
die
neocon-zeitgeistigen Thesen von VOGEL eher durch Claudius SEIDLs
Buch
"schöne junge Welt" gestützt als von
Desiree NICKs Buch "Gibt
es ein Leben nach Vierzig?".
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- SPERR, Franziska (2005): Der Jugend
Rosenbahn zurückzueilen.
Süffig, kulinarisch, locker erzählt Claudius Seidl von den ewig
jung Gebliebenen und ihrem Generationenkampf,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
- Kommentar:
Was macht man eigentlich, wenn ein Buch
schlecht ist und man es dennoch loben muss?
Das Ergebnis liest sich dann so
wie die Rezension von SPERR: "Zur Klärung der eigenen Position ist
das Buch nicht geeignet" heißt das Fazit, nachdem zuerst
hervorgehoben wurde, dass SEIDL für die werberelevante Zielgruppe
der Dreißig- und Vierzigjährigen schreibt (in der SZ wird
fälschlicherweise 30-40jährige geschrieben). Genauer: für
"Kindsköpfe (...),
speziell die Männer aus dem Medienbereich, der Musik- oder
Werbebranche, die ewig Fünfunddreißigjährigen".
Es sind jene, die in der Geschichte
keine Spuren hinterlassen, wie es bei SEIDL selbstmitleidig heißt.
Dagegen die alten Jungen: "Die Superjobs (...) gehen regelmäßig an
die viel zu Jungen, Unreifen, die vitelloni der
Mediengesellschaft. Sie wollen die Vierzigersäcke und
Lesebrillenträger samt ihrer öden Berufs- und Lebenserfahrung nicht
mehr zu Wort kommen lassen".
SPERR stilisiert das Buch
sozusagen zum Stichwortgeber für die
young neocon-Kontroverse der SZ:
"Schlachtengemälde vom Kampf der Generationen". Das ist ziemlich
weit hergeholt für ein Buch, das - wie SPERR richtig angemerkt hat -
für die Lifestyle-Schickeria geschrieben wurde, und deshalb der
Beliebigkeit frönt:
"Und weil er offenbar selbst gespürt
hat, dass da was nicht stimmt, endet das Buch versöhnlich mit einem
klaren Plädoyer gegen den Jugendwahn und der Hoffnung, dass - mögen
die Götter helfen - es mit der Vergreisung dann doch nicht gar so
drastisch kommen muss."
Schonungsloser hat dagegen
single-generation.de die Schwächen des Buches
"schöne junge welt" von Claudius
SEIDL herausgearbeitet, denn nur durch extreme Zuspitzung gewinnt
das laue Buch überhaupt erst jene Konturen, die SPERR hier
beschrieben hat.
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- CASATI, Rebecca u.a. (2005):
Deutschlands mächtigste Modefrauen.
Dieses Land fühlt sich so abgerissen wie lange nicht, aber es gilt,
auch dank der Hauptstadt, im Ausland als schick. 38 Frauen haben den
Heimvorteil bereits genutzt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
- Inhalt:
Die SZ-Autoren porträtieren Promis und
MacherInnen aus der Modebranche, u.a. Barbara VINKEN:
"Wenn es die Bezeichnung gäbe, wäre
Barbara Vinken die erste Modewissenschaftlerin Deutschlands. Sie
hat einen Lehrstuhl für Romanistik in München. (...). Ihr
Standardwerk »Die Mode nach der Mode« wurde unlängst ins Englische
übersetzt."
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- BESSING, Joachim (2005): Verpuppte
blicken dich an.
Die Menschen wollen keine Kinder mehr, sondern selbst welche sein.
Eine haarige Expedition zu den "Furrys" - zur wachsenden Gemeinde der
Stofftierfetischisten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.05.
- Kommentar:
Was treiben eigentlich
frustrierte Familienväter und
Möchtegern-Dandys? Sie schreiben
über
Kinderlose und Internetsurfer im
Publikationsorgan der
Frühvergreisten. Das erbaut das
beschädigte Selbstbewusstsein:
"Wer in
Einsamkeit und dem Gefühl steht, nicht verstanden zu werden, der
erlebt die Kameradschaft seines Stofftieres zunächst als Treue und
Verlässlichkeit, als einen Trost, aber bei anhaltendem Gefühl wird
des sich so ergeben, dass die Suche nach anderen Menschen ersetzt
wird durch das Überwechseln des Einsamen auf die andere Seite,
nämlich die der Stofftiere, die vorbehaltlos Liebe entgegenbringen
können und niemals lügen",
meint der Küchentischpsychologe Joachim
BESSING. Vielleicht hilfts ja beim
Zurückstutzen der Form, wir anderen
dagegen blättern einfach weiter...
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FEDDERSEN, Jan (2005): mama! Ungemütlicher Tag.
Die Nazis wollten Frauen als
Kameradinnen, noch lieber aber als Gebärmaschinen. Die Mutter war eine
Heilige im völkischen Wahn, geehrt zum Muttertag, dem zweiten Sonntag
im Mai. Warum wird er heute noch gefeiert, allem Feminismus zum Trotz?
in: TAZ v. 07.05.
- Inhalt:
FEDDERSEN stellt u.a. eine Studie von Sigrid
CHAMBERLAIN vor:
"In Deutschland ist die Titulierung der Mutter als
Mama erst seit 1945 wieder erwünscht - die
Naziideologie selbst hielt, darauf weist die Frankfurter Soziologin
Sigrid Chamberlain hin, diese Namen für unschicklich, ja aus der
Perspektive des Dritten Reichs unzeitgemäß: Manche Kinder, die unter
dem NS-Regime geboren wurden, so Chamberlain, »wünschten sich sogar,
Mama oder wenigstens Mutti sagen
zu dürfen. Das wurde ihnen aber verboten. Mutter
müsse es heißen, alles andere sei zu sentimental, weichlich, affig
und außerdem nicht deutsch genug.«
Chamberlain hat über den Mutterkult eine erhellende Arbeit
geschrieben. »Adolf Hitler, die deutsche Mutter und ihr erstes Kind«
(Edition Psychosozial, Gießen 2003) heißt sie, die hauptsächlich
eine Analyse zweier NS-Erziehungsbücher ist. Ihre Arbeit ist
insofern besonders verdienstvoll, als sie das Bild der Frau unter
und im Nationalsozialismus nicht eingeengt verstanden wissen will
als Führergläubige, BDM-Mädel oder Kriegerwitwe, die ihre bis dahin
gültigen Lebensromane notgedrungen mit dem 8. Mai 1945 beenden
mussten."
Zum Muttertag zitiert FEDDERSEN den
Popliteraten
Rolf Dieter BRINKMANN:
"Der Muttertag des Nationalsozialismus
war eine Veranstaltung der Dankbarkeit dieser Leistung gegenüber:
die eigenen Kinder zu unnahbaren, funktionstüchtigen Figuren eines
sachlichen Systems gemacht zu haben. Kinder waren der Dank an den
Führer, Kader einer neuen Zeit. Der 1940 geborene Schriftsteller
Rolf Dieter Brinkmann schrieb in
»Rom, Blicke«: »Das ist unsere Generation, eine
Gerümpel-Generation, hastig und mit Angst vor dem Krieg
zusammengefickt - ein verworrenes Motiv: ehe der Mann in den Krieg
zieht, macht er der Frau noch ein Kind - ,ich bin nur da, weil es
einen Krieg gab' - und was ist dann Kindheit und Jugend? Nichts als
eine einzige Entschuldigung, dass man überhaupt da ist,
,entschuldigen Sie, dass ich geboren bin'.«"
-
FEDDERSEN, Jan (2005): Wenn das der Führer wüsste!
Was sähen Altnazis im Deutschland von heute? Untergang und
Zersetzung,
in: TAZ v. 07.05.
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SUNDERMEIER, Jörg (2005): "Wir sind antinationalistisch".
Heute spielen Tocotronic in
Berlin auf der Politgala "Deutschland, Du Opfer", die sich gegen
Geschichtsrevisionismus und deutsche Opfermythen wendet. Ein Gespräch
darüber mit Dirk von Lowtzow, dem Sänger der Band,
in: TAZ v. 07.05.
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DÜCKERS, Tanja (2005): Neue Bilder alter Prägung.
Ein Pokal im Leiden ist nicht
zu gewinnen: Wie junge Generationen auf den 8. Mai reagieren,
in: Welt v. 07.05.
- Kommentar:
Für
Tanja DÜCKERS steht der
Zeitgeist mittlerweile rechts von der Mitte:
"Mit
der Verabschiedung des Ideenguts der 68er fand gerade für die Jüngeren
und die ganz Jungen ein Paradigmenwechsel statt. Während die Älteren
sich oftmals aus ganz persönlichen Gründen von einem
zeitgeistverhafteten Habitus der 68er lossagen wollten, war die
Wirkung dieses tiefgreifenden Werte-Wechsels auf Teile der jüngeren
Generation nicht ganz absehbar gewesen. Die ganz Jungen in Deutschland
haben nämlich nun auf eine frappierende Weise ein »unverkrampftes«
Bild von Deutschland, das sowohl den in der gesellschaftlichen Mitte
angelangten Ex-68ern entgegenkommt als auch zunehmend affin zu den
Ideologien der Neuen Rechten ist."
Der Angriff auf
den Habitus der 68er kam für DÜCKERS in erster Linie mitten aus der
Ex-Linken und 68er-Generation.
Ihre Generation
beschuldigt DÜCKERS, dass sie keine eigenständige gesellschaftliche
Vision hervorgebracht und somit dem neuen Zeitgeist Vorschub geleistet
habe:
"Schuld
an der neuen politischen Unbedarftheit der ganz Jungen, die in manchen
Regionen bei den Wahlen eher für die Rechtsextremen als für eine
gemäßigt-bürgerliche Partei wie die Grünen stimmen, haben natürlich
auch die 30- bis 45jährigen selber - die Teilhaber der politischen
»Sandwich-Generation«, die keine eigene gesellschaftspolitische Vision
hervorgebracht hat außer »Friede, Freude, Eierkuchen«, dem Love
Parade-Motto von Dr. Motte.
Was diese Generation
gesellschaftspolitisch statuiert und hinterlassen hat, ist eine Art
grelles Biedermeier: Ein Biedermeier, das selbstverständlich keine
Schwulen, Lesben, Polygamen etc. ausgrenzt, also kein sexuelles
Biedermeier wie in den fünfziger Jahren, auch kein ethnisches, das
Ausländerfeindlichkeit propagiert, aber dennoch - bei allen lärmenden,
bunten und hedonistisch-experimentellen Aspekten - eines des enorm
verengten Blickfeldes: Privatismus und Stagnation.
Diese an sich harmlose Generation
hat das Individuell-Verschiedene, Schlaglichtartige in Abgrenzung zum
penetranten Wir-Gefühl der Älteren geradezu zum neuen Kult erhoben und
politische, also die Allgemeinheit betreffende Fragen so unbeantwortet
gelassen. Dadurch hat sich hier ein Vakuum für die noch Jüngeren,
denen aber zunehmend der ethisch-moralische Background der
68er-geschulten pc-Partygänger der Achtziger und Neunziger fehlt,
aufgetan."
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- ADRIAN, Michael (2005): Wir sind
hyper-rationale Narren.
Emotionen im Kapitalismus:
Bei den Frankfurter Adorno-Vorlesungen las die Soziologin und
Anthropologin Eva Illouz der Liebe und den Liebenden ganz gehörig die
Leviten,
in: Frankfurter Rundschau v. 06.05.
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Podiumsdiskussion "Hitlers
williges Volk - Raub und nationaler Sozialismus" im Frankfurter IG
Farben-Haus am 03.05.2005
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Zu den News
vom
01. - 05. Mai 2005
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