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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 08. - 20. Mai

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Die in Medien und Politik geführte Debatte über Kinderlosigkeit steht auf wackeligen Füßen

"In fast allen europäischen Ländern bleiben heute mehr Männer und Frauen kinderlos als vor zwei oder drei Jahrzehnten. In Westdeutschland werden voraussichtlich mehr als 20 Prozent der 1965 geborenen Frauen und möglicherweise 30 Prozent der höher gebildeten Frauen des gleichen Jahrgangs ohne eigene Kinder bleiben. Das Thema Kinderlosigkeit hat in der jüngsten Zeit eine erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit erweckt, jedoch steht die in Medien und Politik geführte Debatte auf wackeligen Füßen. Die dort verwendeten Zahlen zum Ausmaß der Kinderlosigkeit von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft gehen weit auseinander und die vermuteten Ursachen der hohen Kinderlosigkeit in Deutschland sind widersprüchlich. Sind wirtschaftliche Unsicherheiten, schlechte Bedingungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder einseitig karriereorientierte Lebenskonzepte von Frauen, insbesondere Akademikerinnen, für die hohe Kinderlosigkeit verantwortlich? Fehlt »nur« ein geeigneter Lebenspartner oder, wenn vorhanden, fehlt diesem das Interesse an Familie?
             (...). In deutlichem Kontrast zu den in den Medien mit Inbrunst vorgetragenen Überzeugungen über die wahren Ursachen und die wirklich Verantwortlichen der (angeblich) kinderlosen Gesellschaft steht die sozialwissenschaftliche Analyse der Kinderlosigkeit. Wer sich mit dem Thema wissenschaftlich beschäftigt, muss zunächst verblüfft feststellen, dass es in Deutschland keine amtlichen Daten über das Ausmaß der Kinderlosigkeit gibt. Die zur Verfügung stehenden empirischen Daten sind lückenhaft oder unzuverlässig, sodass grundlegende Fragen (...) allenfalls näherungsweise beantwortet werden können.
             Mit den unterschiedlichen Aspekten des Phänomens Kinderlosigkeit befassen sich die Autoren und Autorinnen der Beiträge dieses Buches. Sie liefern sowohl theoretische als auch empirische Analysen der Kinderlosigkeit in Deutschland und im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Zusammengenommen korrigieren sie ein in der Öffentlichkeit eindimensional präsentiertes Bild".
(aus: Michaela Kreyenfeld & Dirk Konietzka (Hg) "Ein Leben ohne Kinder", 2007, S.11f.)

 
       
       
   
  • MARX, Iris (2007): Städte registrieren Baby-Boom.
    Nach einer Umfrage der Welt ist die Geburtenzahl 2007 um bis zu 21 Prozent angestiegen - Erfolg des Elterngeldes?
    in: Welt v. 18.05.
    • Exklusiv-Story von single-dasein.de:
      Im Frühjahr 2006 schrieben zwei Welt-Autoren die Geburtenrate in den Keller, nun will Iris MARX einen Babyboom in den Städten - und damit gar in ganz Deutschland - entdeckt haben:

                   "Die Werte markieren einen Wendepunkt. Seit den 70er Jahren ist die Geburtenzahl in Deutschland nicht mehr angestiegen".
                   Wie üblich stimmt nichts davon! Die Geburtenzahlen schwanken seit den 70er Jahren in Deutschland und haben seitdem bereits mehrere Minimums und Maximums erreicht.
                   Ein Anstieg der Geburtenzahlen ist bereits seit fast 5 Jahren in verschiedenen westdeutschen Großstädten zu verzeichnen. Die Prenzlauer Berg-Eltern in Berlin erregen z.B. seit 2003 immer mal wieder Aufsehen.
                   Der Anstieg der Geburten in Großstädten ist also keineswegs ein Effekt des gerade beschlossenen Elterngeldes. Für die geburtenstarken Jahrgänge der Generation Golf (1965 - 1970) kommt das Elterngeld mehr oder weniger zu spät. Vielmehr dürfte die unsägliche familienpolitische Debatte in den letzten Jahren zu vermehrten Geburtenaufschüben dieser geburtenstarken Jahrgänge geführt haben. Der "Baby-Boom" der Spätgebärenden wäre sonst noch stärker ausgefallen.
                   Wenn nun Geburten endlich nachgeholt werden, dann wäre das deshalb nicht als Erfolg, sondern allenfalls als Misserfolg der deutschen Familienpolitik zu werten. Erreicht werden können nämlich hauptsächlich nur noch die geburtenschwachen Jahrgänge der 1970er Jahre.
                   Späte Mütter sind unter den Vierzigjährigen bisher eher selten. Nur bei Frauen mit Hochschulabschluss kommt es noch etwas häufiger zu Erstgeburten, wie die Debatte um das Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland gezeigt hat.
                   Als Experten werden der Ifo-Mitarbeiter Martin WERDING befragt, der als Verfechter einer Rente nach Kinderzahl bekannt ist, und Jan HOEM, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, der aus dem Anstieg der Geburtenzahlen noch nicht auf die Wirksamkeit des Elterngelds schließen möchte.   
 
     
   
  • KLEIN, Georg (2007): In den Gehäusen unserer Zukunft.
    Die Zukunft von gestern (8): Wenn die Verelendung kommt - Harry Harrisons Roman "Make Room! Make Room!",
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.05.
    • Inhalt:
      "Kann man von einem Einzelnen ernstlich verlangen, dass er sich mehr als um sein Glück um die Zukunft der Menschheit sorgt? Der Roman «Make Room! Make Room!» von Harry Harrison erschien 1969, drei Jahre nach der amerikanischen Originalausgabe, unter dem Titel «New York 1999» auf Deutsch. Das New York, das der Held, der Kriminalbeamte Andy Rusch, durchstreift, beherbergt 35 Millionen Einwohner, die durch eine rigide Staatsmacht mit synthetischen Lebensmitteln obskurer Herkunft und knapp bemessenen Wasserrationen am Leben erhalten werden. Rusch teilt sich ein Einzimmerappartement mit dem alten Solomon Kahn. Die extreme Wohnungsknappheit hat den Greis und den jungen Polizisten zusammengebracht, und im Kampf um die Bewältigung des von Mangel und Widrigkeiten bestimmten Daseins sind sie Freunde auf engstem Raum geworden. (...).

                   (...).
      Wer die Leinwand-Adaption mit Edward G. Robinson und Charlton Heston kennt, die unter dem Titel «Soylent Green» ein Klassiker des Science- Fiction-Films geworden ist, weiss, wie die erbärmliche Bude der beiden zugleich ein schützendes Gehäuse, ja sogar eine Art Glückskammer darstellen kann. Im Buch wie im Film versammelt das Appartement auf rührend nostalgische Weise nicht nur ramponierte Überbleibsel der reichen früheren Jahrzehnte, sondern es ist dazu der Ort, wo Freundschaft, Vertrauen und Humor eine letzte Zuflucht gefunden haben.

                   Draussen aber tobt die neue Zeit", meint der Schriftsteller Georg KLEIN
 
   
  • PERINA, Udo (2007): Falsche Propheten.
    Seit über hundert Jahren sagen Bevölkerungswissenschaftler eine Vergreisung der Gesellschaft voraus,
    in: Die ZEIT Nr.21 v. 16.05.
    • Anmerkungen:
      Noch bis zum Juni 2006 war das Aussterben bei der ZEIT angesagt. Nun möchte man nichts mehr davon wissen.

                   "Land ohne Leute. Die vergreiste Republik" lautete noch im Jahr 2003 ein Zeit-Dossier. Bereits damals behauptete single-dasein.de, dass die Bevölkerungsvorausberechnungen nur einem einzigen Zweck dienen: der Durchsetzung politischer Ziele.
                   Die 10. Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2003, die einzig der Durchsetzung der Agenda 2010-Reformen diente, musste bereits im Jahr 2006 durch die 11. Bevölkerungsvorausberechnung ersetzt werden. Während 2003 die Ergebnisse in zahlreichen Titelgeschichten publiziert wurden, wurde die letzte Vorausberechnung von den Medien mehr oder weniger ignoriert. Sie passte gerade nicht in die politische Landschaft...
                   Nun also darf PERINA im Geld Spezial der Zeit schreiben:
                   "Vermutlich hat der britische Demograf David Eversley recht. Dieser Spezialist für Bevölkerungsprognosen behauptet, dass Voraussagen von Bevölkerungsentwicklungen der reinste Irrglaube seien. Sie würden nur aus einem einzigen Grund gemacht: um bestimmte politische Ziele durchzusetzen."
                   Die nächste Reform, die durch Bevölkerungsvorausberechnungen gestützt werden soll, kommt bestimmt, dann wird die Zeit sicherlich nichts mehr davon wissen wollen...
 
     
     
   
  • OESTREICH, Heide (2007): Freiheit statt Feminismus.
    In dem Band "Das F-Wort. Feminismus ist sexy" melden sich nun differenzierte, kluge Frauen und Männer zu Wort. Das "F" steht für sie zunächst für "Freiheit" - nicht die schlechteste Idee,
    in: TAZ v. 16.05.
 
   
  • BRAUCK, Markus (2007): Das große Krippen-Spiel.
    Fast überall, wo zurzeit über Kinderbetreuung, Geschlechterrollen und Mütterlichkeit diskutiert wird, wirkt das "Familiennetzwerk" mit. Erzkonservativ-christlich im Grundton führt es einen ideologischen Kreuzzug an - mitfinanziert von Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman,
    in: Spiegel Nr.20 v. 16.05.
    • Inhalt:
      Markus BRAUCK berichtet darüber, wie das familienfundamentalistische Familiennetzwerk die Medien der Neuen Mitte für seine Zwecke nutzt:

                   "Die Kampagne feiert Erfolge auch dort, wo nicht einmal ihr Name fällt. In der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung« (»FAS«) erschien Anfang April der Appell eines »Krippengipfels«, zu dem das Blatt Väter und Mütter geladen haben will. »Liebe Ministerin von der Leyen: Gebt lieber uns das Krippen-Geld!« lautete die Überschrift. Ohne das Familiennetzwerk zu erwähnen, gab das Blatt exakt dessen Position wider.
                   Und unter den fünf befragten Elternpaaren waren gleich drei Leiter von Regionalbüros des Familiennetzwerks. Eine getarnte Aktion? »FAS«-Ressortleiter Rainer Hank sagt dazu: »Wir sind nciht die geheimen Helfershelfer des Familiennetzwerks.« Die Redaktion habe aus großen Leserbriefgruppen und dem eigenen Bekanntenkreis Familien ausgesucht. »Dass mehr als die Hälfte Netzwerker sind, ist purer Zufall. Jedenfalls wurde es von uns nicht gelenkt«.
                   Das Konzept der schleichenden Unterwanderung jedenfalls scheint aufzugehen."      
 
     
   
  • SÖHLER, Maik (2007): Dunkle Flecken einer Generation.
    In Severin Winzenburgs Debütroman "Stille Tage in L. A." hängt ein Mittzwanziger gerne ab, verliebt sich, entliebt sich, solche Sachen. Interessant auch das Netzwerk drumherum,
    in: TAZ v. 12.05.
    • Inhalt:
      SÖHLER stellt das Netzwerk zum Buch vor und macht ganz nebenbei auch Werbung für das taz-blog:

                   "Der Autor Severin Winzenburg ist sowohl ein Mensch aus Fleisch und Blut als auch eine Figur aus den letzten beiden Romanen Joachim Lottmanns (»Die Jugend von heute« und »Zombie Nation«). »Stille Tage in L. A.« ist ein eigenständiger Roman, schreibt aber gleichzeitig Lottmanns Bücher fort und nimmt an diversen Stellen direkt oder indirekt Bezug auf ihn. Gleichzeitig betreibt Winzenburg ein Weblog zum Buch (auch wenn es sträflich vernachlässigt wirkt). Es ist wechselseitig verlinkt mit dem Blog von Rainer Langhans, der es auch immer wieder in die Romane Lottmanns schafft. Lottmann wiederum bloggt ja derzeit für die Online-taz und verweist dort immer wieder auf Winzenburg und gelegentlich auch auf Langhans.
                   Immer noch zu kompliziert? Gut, noch mal anders und neutral formuliert: Da ist also eine Gruppe von Personen, die sich untereinander fördert, indem sie sich gegenseitig Öffentlichkeit verschafft. Früher nannte man so etwas in der Politik oder Wirtschaft eine Seilschaft. In der Kultur sprach man lange von einem Zitationskartell. Heute sind solche Begriffe passé und man nennt es lieber ein Netzwerk."
 
     
   
  • Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes zum Muttertag: Immer weniger Mütter mit Kleinkindern

    • Exklusiv-Story von single-dasein.de:
      Immer mehr Mütter bekommen ihr erstes Kind später, könnte die Meldung ebenfalls heißen.

                   Die amtliche Statistik und insbesondere der Mikrozensus unterschätzt die Zahl der Eltern in Deutschland, wie die erste sozialwissenschaftliche Bestandsaufnahme zur Kinderlosigkeit in Deutschland zeigt. Erstmalig werden in dem Buch "Ein Leben ohne Kinder" die Mängel der amtlichen Bevölkerungsstatistik und der Mediendebatte anhand sozialwissenschaftlicher Datensätze umfassend aufgezeigt.
                    Im Gegensatz zur üblichen Betrachtung bleibt es nicht bei einem Momentbild, sondern die Lebensverläufe kommen in den Blick. Kinderlose Haushalte wie sie im amtlichen Mikrozensus erfasst werden, werden dadurch als Haushalte von Noch-Kinderlosen, als Haushalte von Wieder-Kinderlosen (weil die Kinder woanders leben) oder als Haushalte von nur statistisch Kinderlosen (weil die Kinder zufällig dem getrennt lebenden Partner zugeordnet wurden) sichtbar.
                   Gravierende Fehleinschätzungen können vor allem Ost-West-Vergleiche unterliegen. In der Pressemeldung des Statistischen Bundesamtes heißt es:
                   "Die Ergebnisse des Mikrozensus zeigen weiter, dass die Zahl der Mütter mit Kleinkindern im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) im Vergleich zu 1996 um 225.000 auf 1,5 Millionen in 2005 sank, während sie in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) um 71.000 auf rund 346.000 im Jahr 2005 anstieg."
                   Es wäre ein Fehlschluss, daraus unbesehen abzuleiten, dass es in den neuen Bundesländern immer mehr Mütter gäbe. Im Buch "Ein Leben ohne Kinder" wird die Kinderlosigkeit in Deutschland insbesondere auch im Hinblick auf die Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern analysiert. Es zeigt sich nicht nur, dass Akademikerinnen in Ostdeutschland seltener kinderlos bleiben als im Westen, sondern ostdeutsche Akademikerinnen wurden auch früher Eltern als in Westdeutschland. Die Zunahme der Mütter in Ostdeutschland zwischen 1996 und 2005 ist deshalb nicht unbedingt als Zunahme der Fruchtbarkeit ostdeutscher Frauen zu interpretieren, sondern als Zunahme später Mütter.
                   Das Buch "Ein Leben ohne Kinder" vermittelt einen guten Überblick über die veränderten Bedingungen von Mutter- und Vaterschaft in Deutschland, weil erstmals die Zunahme der Kinderlosigkeit vielseitig dargestellt wird.
                   In der öffentlichen Debatte wird das Ausmaß der Kinderlosigkeit meist überschätzt, während die Debatte um die Steigerung der Geburtenrate unterkomplex bleibt.  Das Buch zeigt auf, dass eine Politik gegen Kinderlose erfolglos bleiben muss. Stattdessen ist eine Politik erforderlich, die die Ursachen der Kinderlosigkeit ernst nimmt. Single-dasein.de wird dem Buch deshalb ein ausführliches Thema des Monats widmen.  
 
   
SZ-Magazin-Titelgeschichte: Mamma Mia.
In keinem BLick liegt mehr Liebe als in dem unserer Mütter. Fünf Söhne aus unserer Redaktion schauen zurück
  • HABERL, Tobias (2007): Spiel es noch mal, Mama,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
  • BORSCHE, Mirko (2007): Eine andere Welt,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
  • STEFANIDIS, Alexandros (2007): Griechisches Blut,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
  • WICHMANN, Dominik (2007): Die Geschichte der Magnolienblüte,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
  • OBERMAYER, Bastian (2007): Grün, grün, grün sind alle ihre Kinder,
    in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
 
     
   
  • WALTHER, Rudolf (2007): Hausväterliteratur,
    in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
    • Inhalt:
      "Insbesondere die Bücher der religiös geprägten Autoren Kirchhof, Hahne und die Fabio erinnern in ihrem Zuschnitt an die »biedermeierliche Hausväterliteratur« (Claudia Pinl) mit ihrer die gesellschaftlichen Realitäten abwechselnd verteufelnden oder hellblau einfärbenden Tünche aus religiöser Schwärmerei, Doppelmoral und Patriarchalismus. Die Autorin spricht, darauf anspielend, vom Biedermeier-Komplott. Der Titel verdankt sich aber auch Schirrmachers Methusalem-Komplott, denn alle neokonservativen Autoren dramatisieren demografische Entwicklungstrends zu Horrorszenarien.

                   (...).
      Worin liegen für die Autoren die Gründe der Fehlentwicklungen? Schuld sind berufstätige Frauen und die Revolte von 1968. Berufstätige Frauen ruinierten die Familie, und die 68er zermürbten die Autoritäten - so einfach ist das für Neokonservative. Es verwundert nicht, dass diese von Selbstbestimmung nichts, aber je nach Gusto von der Macht Gottes, des Marktes oder der Gene alles erwarten. Trotz einiger Wiederholungen ist es ein erfrischendes Vergnügen, Claudia Pinls Gegenattacke zu lesen", meint Rudolf WALTHER zum Buch "Das Biedermeier-Komplott" von Claudia Pinl.
 
   
Weltwoche-Titelgeschichte:
Die klassische Familie
  • GUT, Philipp (2007): Geborgenheit und Herzenswärme.
    Die traditionelle Familie galt als Auslaufmodell. Hausfrauen und Mütter wurden belächelt. Die herkömmliche Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau kam in Verruf. Allmählich zeichnet sich eine Emanzipation vom angeblich emanzipierten Zeitgeist ab,
    in: Weltwoche Nr.19 v. 10.05.
    • Anmerkungen:
      Gemäß dem deutschen Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ ist die Schweiz das Land, in dem neben Westdeutschland die Kinderlosigkeit das höchste Niveau erreicht hat. Während jedoch in der deutschen Debatte die Single-Rhetorik vorherrscht, liest sich das in der konservativen Schweizer Presse ganz anders:

                   "Die Realität sieht – trotz gewisser Auflösungserscheinungen, relativ hoher Scheidungsraten und einer Generation von Berufsjugendlichen, die noch mit vierzig dem Lebensstil von Zwanzigjährigen huldigt – anders aus. In der Schweiz lebten 1980 fast 90 Prozent der Kinder bei ihren verheirateten Eltern, heute sind es zwar etwas weniger, aber immer noch knapp 85 Prozent. Mit einem Elternteil zusammen wohnen 13 Prozent der Kinder, weniger als 3 Prozent werden von unverheirateten Eltern aufgezogen. Der Anteil der Einelternfamilien an den Privathaushalten ist in den letzten drei Jahrzehnten markant gestiegen, macht jedoch lediglich 5 Prozent aus."
                   Philipp GUT singt das hohe Lied auf die neue Hausfrau, die in  Eva HERMAN oder Norbert BOLZ auch in Deutschland ihre Fürsprecher hat. Da ist dann auch der Kampf gegen den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung nicht weit. 
  • BLOCHER, Silvia (2007): Dem Leben verpflichtet.
    Warum ich mein Studium abbrach und meinen Beruf aufgab, um mich voll der Familie zu widmen,
    in: Weltwoche Nr.19 v. 10.05.
 
   
  • FRÖMEL, Susanne (2007): "Wir haben abgetrieben!".
    Vor 36 Jahren erklärten das 374 Frauen in einer Kampagne. Und heute? Fände man noch soe viele Frauen, die zu diesem Bekenntnis bereit wären? Nein, sagt die Brigitte Mitarbeiterin: Sie fuhr durch Deutschland, um herauszufinden, wie wir heute zum Thema Abtreibung stehen - und stieß auf ein neues Tabu, 
    in: Brigitte Nr.11 v. 09.05.
    • Inhalt:
      Im Vorfeld der Verhandlungen um die Kostenerstattung für Abtreibungen erkundet FRÖMEL die Situation der Abtreibungswilligen in Deutschland:

                   "Die Gesellschaft fordert und fördert angesichts 35 Prozent Kinderlosen im Land das Modell Familie, es gibt Elterngeld und bald mehr Krippenplätze. Dass fast jedes zweite abgetriebene Baby das erste Kind gewesen wäre, werten Experten als Beleg für den Trend zur bewussten Kinderlosigkeit". 
 
     
   
  • RATH, Christian (2007): Bund darf nur den Beton bezahlen.
    Auf dem Krippengipfel verhandeln Familienministerin von der Leyen und Finanzminister Steinbrück heute auch über Wege, wie das Geld für zusätzliche Kitas aus Berlin in die Gemeinden kommen könnte. Einfach überweisen ist nämlich nicht erlaubt,
    in: TAZ v. 09.05.
 
     
   
  • NUTT, Harry (2007): Die endlose Zeit danach.
    Untote in der Familie: Harald Martensteins Roman "Heimweg",
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.05.
 
   
  • SPERBER, Katharina & Vera GASEROW (2007): Steinbrücks Krippenpläne "Mogelpackung".
    Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) hat die Angaben von Bundesfinanzminister Steinbrück zur Höhe der familienpolitischen Leistungen in Frage gestellt. Aus dem Geld sollen nach dem Plan der Bundesregierung zusätzliche Kinderkrippen finanziert werden,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.05.
    • Inhalt:
      Nach Berechnungen des Partitätischen Wohlfahrtsverbandes sind unter den 145 Einzelleistungen, die angeblich an Familien gehen, auch Posten, die Kinderlose ebenso gut in Anspruch nehmen können. Dazu gehörten etwa Witwenrenten, Ehegattensplitting und die steuerliche Absetzbarkeit von Haushalthilfen", berichten SPERBER & GASEROW.
 
   
  • JUNGLE WORLD (2007): "Well, C'mon-Mmm-Uh!"
    »Der Song, der mein Leben veränderte.« 23 Autorinnen und Autoren erzählen Geschichten aus ihrem Leben und davon, welche Rolle ein Musikstück darin spielte. Teil II eines zweiteiligen Dossiers,
    in: Jungle World Nr.19  v. 09.05.
 
     
   
  • MOHR, Reinhard (2007): Als Vati über Mutti rollte.
    Verführt Feminismus Frauen zur Kinderlosigkeit? Ignoriert er die nackten Tatsachen der Biologie? Ist er ungeil und männerfeindlich? Das "F-Wort", eine neue Essay-Sammlung, gibt Antworten. Reinhard Mohr erinnert sich wie es war, als Männergewalt plötzlich beim Gucken anfing,
    in: Spiegel Online v. 08.05.
    • Anmerkungen:
      Moderne Männergeschichten der Single-Generation beginnen heute mit dem Bekenntnis: Als ich einmal Softie war...

                   "Ich war eher schüchtern als djangohaft, und keineswegs reduzierte ich blonde Frauen auf ihre äußere Erscheinung. Schon auf dem Kinderspielplatz hatte ich Freundinnen, mit denen man tolle Sandburgen bauen konnte. Die Gender-Mainstreaming-Experten von heute wären stolz auf mich gewesen", klopft sich MOHR selber auf die Schulter. Verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre, lautete dagegen Mitte der 80er die Diagnose, die fälschlicherweise gerne dem Soziologen Ulrich BECK zugeschrieben wird.
                   Der Weg vom geläuterten Softie zum Individualisierungsoptimisten Reinhard MOHR vollzog sich seit den 80er Jahren, also irgendwo zwischen "Zaungast" und "Generation Z":
                   "Wie Schneider gehörte auch ich (ohne Flusenpulli) zeitweise zu diesen tragikomischen Frauenverstehern, und ich erinnere mich noch, dass es mir irgendwann zu dämmern begann: Beziehungsdiskussionen, Selbstkritik und argumentative Vernunft, so wichtig sie sind, bestimmen das Leben nicht alleine. Schon gar nicht das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, das jahrelang unter dem verkrampft pseudosoziologischen Begriff der »Verkehrsformen« abgehandelt wurde.
      Und so begannen in den achtziger Jahren die Mühen der Ebene, die Entfaltung der Dialektik der Emanzipation.
                   (...).
      Bei mir jedenfalls hat sich die feministische Zumutung, die mich vor dreißig Jahren durchaus noch irritiert und verunsichert hat, in ein, wie es aussieht, lebenslanges Laboratorium verwandelt, dessen Ergebnisse ich, versteht sich, natürlich ganz alleine ausbaden muss."
 
   
  • STEINFELD, Thomas (2007): Die Desperado-Tomate.
    Moppel-Ich, Runzel-Ich: Nach Figurformslip und Sonnenbrille bleibt dem Leser der aktuellen Sachbuch-Besteller nur das verzweifelte Ich. Ein Blick in die Liste der Verkaufsschlager,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.
    • Anmerkungen:
      Der Image-Designer Thomas STEINFELD mokiert sich über die neueste Mode der Frauenbücher von Susanne FRÖHLICH/Constanze KLEIS bis Iris RADISCH:

                   "Die eigentliche Aufgabe dieser Bücher scheint in einer Art zugespitztem, pointierten Wiedererkennen zu liegen, in einem Gefühl, sich mit der Autorin in einer gemeinsamen Lage zu befinden, und also an ihrer Eroberung des Lebens teilzuhaben".
                   Die Brüder LEBERT haben mit ihrer "Anleitung zum Männlichsein" mittlerweile die Männerbuch-Variante auf den Markt gebracht.
                   STEINFELD beklagt das Ethos dieser neuen Ratgeberliteratur. Diese "voluntaristische Munterkeit" sei jedoch  nur die "Kehrseite eines Bewusstseins, das so unglücklich ist wie eh und je. Wenn nicht noch unglücklicher".
                   STEINFELD vermisst in diesen Büchern "Aufklärung über die eigene Lage, zusammenhängende Argumente, Theorie".
                   Leider vermisst man die Einlösung dieses Anspruches auch beim Image-Designer, denn die bloße Aufzählung kulturpessimistischer Schlagworte wie jenen von der kinderlosen Gesellschaft, den scheiternden Ehen oder des allgemeinen körperlichen Verfalls setzt ebenfalls nur auf  das zugespitzte, pointierte Wiedererkennen.
                   Der Alarmismus ist schließlich nur das E-Pendant zum beklagten U-Ethos. Die neubürgerliche Identität braucht sein Feuilleton so wie der kleine Mann seinen Stammtisch. 
 
   

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Zu den News vom   01. -  07. Mai 2007

 
       
   
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