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Medienrundschau:
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News vom 08. - 20. Mai
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Zitat
des Monats:
Die in Medien und
Politik geführte Debatte über Kinderlosigkeit steht auf
wackeligen Füßen
"In fast allen
europäischen Ländern bleiben heute mehr Männer und Frauen
kinderlos als vor zwei oder drei Jahrzehnten. In Westdeutschland
werden voraussichtlich
mehr als 20 Prozent der 1965 geborenen Frauen und
möglicherweise 30 Prozent der höher gebildeten Frauen des
gleichen Jahrgangs ohne eigene Kinder bleiben.
Das Thema Kinderlosigkeit hat in der jüngsten Zeit eine
erhebliche öffentliche Aufmerksamkeit erweckt, jedoch steht
die
in Medien und Politik geführte Debatte auf wackeligen Füßen.
Die dort verwendeten Zahlen zum Ausmaß der Kinderlosigkeit von
Männern und Frauen in unserer Gesellschaft gehen weit
auseinander und die vermuteten Ursachen der hohen
Kinderlosigkeit in Deutschland sind widersprüchlich. Sind
wirtschaftliche Unsicherheiten, schlechte Bedingungen der
Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder einseitig
karriereorientierte Lebenskonzepte von Frauen, insbesondere
Akademikerinnen, für die hohe Kinderlosigkeit verantwortlich?
Fehlt »nur« ein geeigneter Lebenspartner oder, wenn vorhanden,
fehlt diesem das Interesse an Familie?
(...). In deutlichem Kontrast zu den in den Medien mit Inbrunst
vorgetragenen Überzeugungen über die wahren Ursachen und
die wirklich Verantwortlichen der (angeblich) kinderlosen
Gesellschaft steht die sozialwissenschaftliche Analyse der
Kinderlosigkeit.
Wer sich mit dem Thema wissenschaftlich beschäftigt, muss
zunächst verblüfft feststellen, dass es in Deutschland keine
amtlichen Daten über das Ausmaß der Kinderlosigkeit gibt.
Die zur Verfügung stehenden empirischen Daten sind lückenhaft
oder unzuverlässig, sodass grundlegende Fragen (...) allenfalls
näherungsweise beantwortet werden können.
Mit den unterschiedlichen Aspekten des Phänomens Kinderlosigkeit
befassen sich die Autoren und Autorinnen der Beiträge dieses
Buches. Sie liefern sowohl theoretische als auch empirische
Analysen der Kinderlosigkeit in Deutschland und im Vergleich zu
anderen europäischen Ländern. Zusammengenommen korrigieren sie
ein in der Öffentlichkeit eindimensional präsentiertes Bild".
(aus: Michaela Kreyenfeld & Dirk
Konietzka (Hg)
"Ein
Leben ohne Kinder", 2007, S.11f.)
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MARX, Iris (2007): Städte registrieren Baby-Boom.
Nach einer
Umfrage der Welt ist die Geburtenzahl 2007 um bis zu 21 Prozent
angestiegen - Erfolg des Elterngeldes?
in: Welt v. 18.05.
- Exklusiv-Story von
single-dasein.de:
Im Frühjahr 2006 schrieben zwei Welt-Autoren
die Geburtenrate in den Keller, nun will Iris MARX einen
Babyboom in den Städten - und damit gar in ganz Deutschland -
entdeckt haben:
"Die Werte markieren einen
Wendepunkt. Seit den 70er Jahren ist die Geburtenzahl in Deutschland
nicht mehr angestiegen".
Wie üblich stimmt nichts
davon! Die Geburtenzahlen schwanken seit den 70er Jahren in
Deutschland und haben seitdem bereits
mehrere Minimums und Maximums
erreicht.
Ein Anstieg der
Geburtenzahlen ist bereits seit fast 5 Jahren in verschiedenen
westdeutschen Großstädten zu verzeichnen. Die
Prenzlauer Berg-Eltern in Berlin
erregen z.B. seit 2003 immer mal wieder Aufsehen.
Der Anstieg der Geburten in
Großstädten ist also keineswegs ein Effekt des gerade beschlossenen
Elterngeldes.
Für die geburtenstarken Jahrgänge der
Generation Golf (1965 - 1970) kommt das Elterngeld mehr oder weniger
zu spät. Vielmehr dürfte die unsägliche
familienpolitische Debatte in den letzten Jahren zu vermehrten
Geburtenaufschüben dieser geburtenstarken Jahrgänge geführt haben.
Der
"Baby-Boom" der Spätgebärenden wäre
sonst noch stärker ausgefallen.
Wenn nun Geburten endlich
nachgeholt werden, dann wäre das deshalb nicht als Erfolg, sondern
allenfalls als Misserfolg der deutschen Familienpolitik zu werten.
Erreicht werden können nämlich hauptsächlich nur noch die
geburtenschwachen Jahrgänge der 1970er Jahre.
Späte Mütter sind unter den
Vierzigjährigen bisher eher selten. Nur bei
Frauen mit Hochschulabschluss kommt
es noch etwas häufiger zu Erstgeburten, wie die Debatte um das
Ausmaß der Kinderlosigkeit in Deutschland gezeigt hat.
Als Experten werden der
Ifo-Mitarbeiter Martin WERDING befragt, der als Verfechter einer
Rente nach Kinderzahl bekannt ist,
und Jan HOEM, Direktor des Max-Planck-Instituts für demografische
Forschung, der aus dem Anstieg der Geburtenzahlen noch nicht auf die
Wirksamkeit des Elterngelds schließen möchte.
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KLEIN, Georg (2007): In den Gehäusen unserer Zukunft.
Die Zukunft von gestern (8): Wenn die Verelendung kommt - Harry
Harrisons Roman "Make Room! Make Room!",
in: Neue Zürcher Zeitung v. 18.05.
- Inhalt:
"Kann man von einem Einzelnen ernstlich verlangen,
dass er sich mehr als um sein Glück um die Zukunft der Menschheit
sorgt? Der Roman «Make Room! Make Room!» von Harry Harrison erschien
1969, drei Jahre nach der amerikanischen Originalausgabe, unter dem
Titel «New York 1999» auf Deutsch. Das New York, das der Held, der
Kriminalbeamte Andy Rusch, durchstreift, beherbergt 35 Millionen
Einwohner, die durch eine rigide Staatsmacht mit synthetischen
Lebensmitteln obskurer Herkunft und knapp bemessenen Wasserrationen
am Leben erhalten werden. Rusch teilt sich ein Einzimmerappartement
mit dem alten Solomon Kahn. Die extreme Wohnungsknappheit hat den
Greis und den jungen Polizisten zusammengebracht, und im Kampf um
die Bewältigung des von Mangel und Widrigkeiten bestimmten Daseins
sind sie Freunde auf engstem Raum geworden. (...).
(...).
Wer die Leinwand-Adaption mit Edward G. Robinson und Charlton Heston
kennt, die unter dem Titel «Soylent
Green» ein Klassiker des Science- Fiction-Films geworden ist,
weiss, wie die erbärmliche Bude der beiden zugleich ein schützendes
Gehäuse, ja sogar eine Art Glückskammer darstellen kann. Im Buch wie
im Film versammelt das Appartement auf rührend nostalgische Weise
nicht nur ramponierte Überbleibsel der reichen früheren Jahrzehnte,
sondern es ist dazu der Ort, wo Freundschaft, Vertrauen und Humor
eine letzte Zuflucht gefunden haben.
Draussen aber tobt die neue Zeit", meint der Schriftsteller
Georg KLEIN
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PERINA, Udo (2007): Falsche Propheten.
Seit über hundert Jahren sagen Bevölkerungswissenschaftler eine
Vergreisung der Gesellschaft voraus,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 16.05.
- Anmerkungen:
Noch bis zum Juni 2006 war das Aussterben bei
der ZEIT angesagt. Nun möchte man nichts mehr
davon wissen.
"Land ohne Leute. Die
vergreiste Republik" lautete noch im Jahr 2003 ein Zeit-Dossier.
Bereits damals behauptete single-dasein.de, dass die
Bevölkerungsvorausberechnungen nur einem einzigen Zweck dienen: der
Durchsetzung politischer Ziele.
Die 10.
Bevölkerungsvorausberechnung aus dem Jahr 2003, die einzig der
Durchsetzung der Agenda 2010-Reformen diente, musste bereits im Jahr
2006 durch die 11. Bevölkerungsvorausberechnung ersetzt werden.
Während 2003 die Ergebnisse in zahlreichen Titelgeschichten
publiziert wurden, wurde die letzte Vorausberechnung von den Medien
mehr oder weniger ignoriert. Sie passte gerade nicht in die
politische Landschaft...
Nun also darf PERINA im
Geld Spezial der Zeit schreiben:
"Vermutlich hat der britische
Demograf David Eversley recht. Dieser Spezialist für
Bevölkerungsprognosen behauptet, dass Voraussagen von
Bevölkerungsentwicklungen der reinste Irrglaube seien. Sie würden
nur aus einem einzigen Grund gemacht: um bestimmte politische Ziele
durchzusetzen."
Die nächste Reform, die
durch Bevölkerungsvorausberechnungen gestützt werden soll, kommt
bestimmt, dann wird die Zeit sicherlich nichts mehr davon
wissen wollen...
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TAZ-Brennpunkt: Der Anspruch auf Krippenplätze ist gesichert
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MEDICK, Veit (2007): Wo bleibt die Bildung.
Gespräch mit Wassilios Fthenakis,
in: TAZ v. 16.05.
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OESTREICH, Heide & Jens KÖNIG (2007): Bonus für Mutti?
Ab 2013 gibt es den Anspruch auf einen Halbtagsplatz für
Kleinkinder. CDU will eine Herdprämie, von der Leyen ist dagegen,
in: TAZ v. 16.05.
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OESTREICH, Heide (2007): Eine Frage der Hausfrauenehre.
Elke Hornbach lebt auf dem Land. Sie will arbeiten und braucht
Ganztagsbetreuung für ihre drei Kinder. Die Supermütter im Dorf
sehen das anders,
in: TAZ v. 16.05.
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HOLDINGHAUSEN, Heike (2007): Kein Geld für Symbolpolitik.
Nur gute Kitas ermöglichen Frauen, zu arbeiten und Kinder zu
haben,
in: TAZ v. 16.05.
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OESTREICH, Heide (2007): Freiheit statt Feminismus.
In dem Band "Das F-Wort. Feminismus ist sexy" melden sich nun
differenzierte, kluge Frauen und Männer zu Wort. Das "F" steht für sie
zunächst für "Freiheit" - nicht die schlechteste Idee,
in: TAZ v. 16.05.
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BRAUCK, Markus (2007): Das große Krippen-Spiel.
Fast überall, wo zurzeit über Kinderbetreuung, Geschlechterrollen
und Mütterlichkeit diskutiert wird, wirkt das "Familiennetzwerk" mit.
Erzkonservativ-christlich im Grundton führt es einen ideologischen
Kreuzzug an - mitfinanziert von Ex-"Tagesschau"-Sprecherin Eva Herman,
in: Spiegel Nr.20 v. 16.05.
- Inhalt:
Markus BRAUCK berichtet darüber,
wie das familienfundamentalistische
Familiennetzwerk die Medien der Neuen Mitte für seine
Zwecke nutzt:
"Die Kampagne feiert Erfolge auch dort,
wo nicht einmal ihr Name fällt.
In der »Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung« (»FAS«) erschien Anfang April der
Appell eines »Krippengipfels«, zu dem das Blatt Väter und Mütter
geladen haben will. »Liebe Ministerin von der Leyen: Gebt lieber uns
das Krippen-Geld!« lautete die Überschrift. Ohne das
Familiennetzwerk zu erwähnen, gab das Blatt exakt dessen Position
wider.
Und unter den fünf befragten Elternpaaren waren gleich drei Leiter
von Regionalbüros des Familiennetzwerks. Eine getarnte Aktion?
»FAS«-Ressortleiter Rainer Hank sagt dazu: »Wir sind nciht die
geheimen Helfershelfer des Familiennetzwerks.« Die Redaktion habe
aus großen Leserbriefgruppen und dem eigenen Bekanntenkreis Familien
ausgesucht. »Dass mehr als die Hälfte Netzwerker sind, ist purer
Zufall. Jedenfalls wurde es von uns nicht gelenkt«.
Das Konzept der schleichenden Unterwanderung jedenfalls scheint
aufzugehen."
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SÖHLER, Maik (2007): Dunkle Flecken einer Generation.
In Severin Winzenburgs Debütroman "Stille Tage in L. A." hängt ein
Mittzwanziger gerne ab, verliebt sich, entliebt sich, solche Sachen.
Interessant auch das Netzwerk drumherum,
in: TAZ v. 12.05.
- Inhalt:
SÖHLER stellt das Netzwerk zum Buch vor und
macht ganz nebenbei auch Werbung für das taz-blog:
"Der Autor Severin Winzenburg ist sowohl
ein Mensch aus Fleisch und Blut als auch eine Figur aus den letzten
beiden Romanen
Joachim Lottmanns (»Die Jugend von heute« und »Zombie Nation«).
»Stille Tage in L. A.« ist ein eigenständiger Roman, schreibt aber
gleichzeitig Lottmanns Bücher fort und nimmt an diversen Stellen
direkt oder indirekt Bezug auf ihn. Gleichzeitig betreibt Winzenburg
ein Weblog zum Buch (auch wenn es sträflich vernachlässigt wirkt).
Es ist wechselseitig verlinkt mit dem Blog von Rainer Langhans, der
es auch immer wieder in die Romane Lottmanns schafft. Lottmann
wiederum bloggt ja derzeit für die Online-taz und verweist dort
immer wieder auf Winzenburg und gelegentlich auch auf Langhans.
Immer noch zu kompliziert? Gut, noch mal anders und neutral
formuliert: Da ist also eine Gruppe von Personen, die sich
untereinander fördert, indem sie sich gegenseitig Öffentlichkeit
verschafft. Früher nannte man so etwas in der Politik oder
Wirtschaft eine Seilschaft. In der Kultur sprach man lange von einem
Zitationskartell. Heute sind solche Begriffe passé und man nennt es
lieber ein Netzwerk."
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SCHMIEDING, Bettina (2007): Jung und allein, alt und einsam?
Das Leben als Single,
in: DeutschlandRadio v. 11.05.
- Inhalt:
Sendung mit dem Journalisten Ulf POSCHARDT ("Einsamkeit")
und dem Soziologen
Karl LENZ über das Single-Dasein.
In einem
Interview mit dem Dresdner Single-Magazin
Disy SOLO
hat LENZ das Single-Dasein folgendermaßen charakterisiert:
"47 Prozent der Dresdner Haushalte
sollen laut statistischen Angaben Single-Haushalte sein – sind wir
beziehungsunfähig?
Singles werden häufig mit Alleinlebenden verwechselt – das ist ein
Kardinalfehler. Man muss kein Single sein, wenn man in einem
Ein-Personen-Haushalt lebt.
Fernbeziehungen oder
Paare, die in getrennten Wohnungen leben, gelten zum Beispiel
statistisch als Single, sind es aber in Wirklichkeit nicht. Auch
Verwitwete kann man nicht zwangsläufig als Singles bezeichnen. Als
Haushalt gilt, wer zusammen lebt und zusammen wirtschaftet, doch wie
viele Singles leben in Wohngemeinschaften und werden statistisch gar nicht als Singles
registriert? Oder wenn zwei Menschen ein sexuelles Verhältnis
miteinander haben, sind sie dann nicht mehr Single?
Amtliche Statistiken sagen nichts darüber aus, wie viele Singles es
tatsächlich gibt. Und
es kommt darauf an, was man überhaupt unter einem Single versteht.
Was verstehen Sie unter einem Single?
Ein Single ist eine Person mittleren Alters, die sich aktuell in
keiner festen Paarbeziehung befindet. Kinder und Verwitwete kann man
nicht als Single bezeichnen."
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- Exklusiv-Story von
single-dasein.de:
Immer mehr Mütter bekommen ihr erstes Kind
später, könnte die Meldung
ebenfalls heißen.
Die amtliche Statistik und
insbesondere der Mikrozensus unterschätzt die Zahl der Eltern in
Deutschland, wie die erste sozialwissenschaftliche Bestandsaufnahme
zur Kinderlosigkeit in Deutschland zeigt. Erstmalig werden in dem
Buch
"Ein Leben ohne Kinder"
die Mängel der amtlichen Bevölkerungsstatistik und der Mediendebatte
anhand sozialwissenschaftlicher Datensätze umfassend aufgezeigt.
Im Gegensatz zur üblichen Betrachtung
bleibt es nicht bei einem Momentbild, sondern die Lebensverläufe
kommen in den Blick. Kinderlose Haushalte wie sie im amtlichen
Mikrozensus erfasst werden, werden dadurch als Haushalte von
Noch-Kinderlosen, als Haushalte von Wieder-Kinderlosen (weil die
Kinder woanders leben) oder als Haushalte von nur statistisch
Kinderlosen (weil die Kinder zufällig dem getrennt lebenden Partner
zugeordnet wurden) sichtbar.
Gravierende Fehleinschätzungen können vor
allem Ost-West-Vergleiche unterliegen. In der Pressemeldung des
Statistischen Bundesamtes heißt es:
"Die
Ergebnisse des Mikrozensus zeigen weiter, dass die Zahl der Mütter
mit Kleinkindern im früheren Bundesgebiet (ohne Berlin) im Vergleich
zu 1996 um 225.000 auf 1,5 Millionen in 2005 sank, während sie in
den neuen Ländern (einschließlich Berlin) um 71.000 auf rund 346.000
im Jahr 2005 anstieg."
Es wäre ein Fehlschluss, daraus unbesehen
abzuleiten, dass es in den neuen Bundesländern immer mehr Mütter
gäbe. Im Buch
"Ein Leben ohne Kinder" wird die
Kinderlosigkeit in Deutschland insbesondere auch im Hinblick auf die
Unterschiede zwischen den alten und neuen Bundesländern analysiert.
Es zeigt sich nicht nur, dass Akademikerinnen in Ostdeutschland
seltener kinderlos bleiben als im Westen, sondern ostdeutsche
Akademikerinnen wurden auch früher Eltern als in Westdeutschland.
Die Zunahme der Mütter in Ostdeutschland zwischen 1996 und 2005 ist
deshalb nicht unbedingt als Zunahme der Fruchtbarkeit ostdeutscher
Frauen zu interpretieren, sondern als Zunahme später Mütter.
Das Buch
"Ein Leben ohne Kinder"
vermittelt einen guten Überblick über die veränderten Bedingungen
von Mutter- und Vaterschaft in Deutschland, weil erstmals die
Zunahme der Kinderlosigkeit vielseitig dargestellt wird.
In der öffentlichen Debatte wird das Ausmaß
der Kinderlosigkeit meist überschätzt, während die
Debatte um die Steigerung der Geburtenrate unterkomplex bleibt.
Das Buch zeigt auf, dass eine Politik gegen Kinderlose erfolglos
bleiben muss. Stattdessen ist eine Politik erforderlich, die die
Ursachen der Kinderlosigkeit ernst nimmt. Single-dasein.de
wird dem Buch deshalb ein ausführliches Thema des Monats widmen.
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SZ-Magazin-Titelgeschichte:
Mamma Mia.
In keinem BLick liegt mehr Liebe als
in dem unserer Mütter. Fünf Söhne aus unserer Redaktion schauen
zurück |
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HABERL, Tobias (2007): Spiel es noch mal, Mama,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
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BORSCHE, Mirko (2007): Eine andere Welt,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
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STEFANIDIS, Alexandros (2007): Griechisches Blut,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
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WICHMANN, Dominik (2007): Die Geschichte der Magnolienblüte,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
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OBERMAYER, Bastian (2007): Grün, grün, grün sind alle ihre Kinder,
in: Süddeutsche Zeitung Magazin Nr.19 v. 11.05.
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WALTHER, Rudolf (2007): Hausväterliteratur,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 10.05.
- Inhalt:
"Insbesondere die Bücher der religiös geprägten
Autoren Kirchhof, Hahne und die Fabio erinnern in ihrem Zuschnitt an
die »biedermeierliche Hausväterliteratur« (Claudia Pinl) mit ihrer
die gesellschaftlichen Realitäten abwechselnd verteufelnden oder
hellblau einfärbenden Tünche aus religiöser Schwärmerei, Doppelmoral
und Patriarchalismus. Die Autorin spricht, darauf anspielend, vom
Biedermeier-Komplott. Der Titel verdankt sich aber auch
Schirrmachers Methusalem-Komplott, denn alle neokonservativen
Autoren dramatisieren demografische Entwicklungstrends zu
Horrorszenarien.
(...).
Worin liegen für die Autoren die Gründe der Fehlentwicklungen?
Schuld sind berufstätige Frauen und die Revolte von 1968.
Berufstätige Frauen ruinierten die Familie, und die 68er zermürbten
die Autoritäten - so einfach ist das für Neokonservative. Es
verwundert nicht, dass diese von Selbstbestimmung nichts, aber je
nach Gusto von der Macht Gottes, des Marktes oder der Gene alles
erwarten. Trotz einiger Wiederholungen ist es ein erfrischendes
Vergnügen, Claudia Pinls Gegenattacke zu lesen", meint Rudolf
WALTHER zum Buch
"Das Biedermeier-Komplott" von Claudia Pinl.
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Weltwoche-Titelgeschichte:
Die klassische Familie |
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GUT, Philipp (2007): Geborgenheit und Herzenswärme.
Die traditionelle Familie galt als Auslaufmodell. Hausfrauen und
Mütter wurden belächelt. Die herkömmliche Arbeitsteilung zwischen
Mann und Frau kam in Verruf. Allmählich zeichnet sich eine
Emanzipation vom angeblich emanzipierten Zeitgeist ab,
in: Weltwoche Nr.19 v. 10.05.
- Anmerkungen:
Gemäß dem deutschen
Bevölkerungswissenschaftler Jürgen DORBRITZ ist die
Schweiz das Land, in dem neben
Westdeutschland die Kinderlosigkeit das höchste Niveau erreicht
hat. Während jedoch in der deutschen Debatte die
Single-Rhetorik vorherrscht, liest sich das in der konservativen
Schweizer Presse ganz anders:
"Die
Realität sieht – trotz gewisser Auflösungserscheinungen, relativ
hoher Scheidungsraten und einer Generation von Berufsjugendlichen,
die noch mit vierzig dem Lebensstil von Zwanzigjährigen huldigt –
anders aus. In der Schweiz lebten 1980 fast 90 Prozent der Kinder
bei ihren verheirateten Eltern, heute sind es zwar etwas weniger,
aber immer noch knapp 85 Prozent. Mit einem Elternteil zusammen
wohnen 13 Prozent der Kinder, weniger als 3 Prozent werden von
unverheirateten Eltern aufgezogen. Der Anteil der
Einelternfamilien an den Privathaushalten ist in den letzten drei
Jahrzehnten markant gestiegen, macht jedoch lediglich 5 Prozent
aus."
Philipp GUT singt das hohe Lied
auf die neue Hausfrau, die in Eva HERMAN oder Norbert BOLZ
auch in Deutschland
ihre Fürsprecher hat. Da ist dann auch der
Kampf gegen den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung nicht weit.
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BLOCHER, Silvia (2007): Dem Leben verpflichtet.
Warum ich mein Studium abbrach und meinen Beruf aufgab, um mich
voll der Familie zu widmen,
in: Weltwoche Nr.19 v. 10.05.
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FRÖMEL, Susanne (2007): "Wir haben abgetrieben!".
Vor 36 Jahren erklärten das 374 Frauen in einer Kampagne. Und
heute? Fände man noch soe viele Frauen, die zu diesem Bekenntnis
bereit wären? Nein, sagt die Brigitte Mitarbeiterin: Sie fuhr durch
Deutschland, um herauszufinden, wie wir heute zum Thema Abtreibung
stehen - und stieß auf ein neues Tabu,
in: Brigitte Nr.11 v. 09.05.
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RATH, Christian (2007): Bund darf nur den Beton bezahlen.
Auf dem Krippengipfel verhandeln Familienministerin von der Leyen
und Finanzminister Steinbrück heute auch über Wege, wie das Geld für
zusätzliche Kitas aus Berlin in die Gemeinden kommen könnte. Einfach
überweisen ist nämlich nicht erlaubt,
in: TAZ v. 09.05.
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NUTT, Harry (2007): Die endlose Zeit danach.
Untote in der Familie: Harald Martensteins Roman "Heimweg",
in: Frankfurter Rundschau v. 09.05.
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SPERBER, Katharina & Vera GASEROW (2007): Steinbrücks Krippenpläne
"Mogelpackung".
Der Paritätische Wohlfahrtsverband (DPWV) hat die Angaben von
Bundesfinanzminister Steinbrück zur Höhe der familienpolitischen
Leistungen in Frage gestellt. Aus dem Geld sollen nach dem Plan der
Bundesregierung zusätzliche Kinderkrippen finanziert werden,
in: Frankfurter Rundschau v. 09.05.
- Inhalt:
Nach Berechnungen des
Partitätischen Wohlfahrtsverbandes sind unter den 145
Einzelleistungen, die angeblich an Familien gehen, auch Posten,
die Kinderlose ebenso gut in Anspruch nehmen
können. Dazu gehörten etwa Witwenrenten, Ehegattensplitting und die
steuerliche Absetzbarkeit von Haushalthilfen", berichten SPERBER &
GASEROW.
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JUNGLE WORLD (2007): "Well, C'mon-Mmm-Uh!"
»Der Song, der mein Leben veränderte.« 23 Autorinnen und Autoren
erzählen Geschichten aus ihrem Leben und davon, welche Rolle ein
Musikstück darin spielte. Teil II eines zweiteiligen Dossiers,
in: Jungle World Nr.19 v. 09.05.
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GÜNTNER, Joachim (2007): Lob des Geburtenrückgangs.
"Weniger sind mehr", behauptet Karl Otto Hondrich,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 08.05.
- Inhalt:
Joachim GÜNTNER stellt das Buch
"Weniger sind mehr" des Soziologen
Karl Otto HONDRICH vor:
"Hondrichs
Studie steht quer zu
Alarmrufen, wie sie seit einiger Zeit demografische Befunde
begleiten. Die Publizistik ist erfüllt von aufgeregten Stimmen,
die vor dem Kollaps der Sozialsysteme warnen, da diese angeblich,
unter der Überlast pflegebedürftiger Greise ächzend, von den weniger
werdenden Jungen nicht mehr finanziert werden können.
Der Wirtschaft wird ein Niedergang prophezeit, und da weibliche
Akademiker als besonders wenig gebärfreudig gelten, fürchtet man
das Schrumpfen der Bildungselite: Vermehren sich da etwa «die
Falschen»? Schrecken macht überdies der Kinderreichtum der
arabischen Welt. Im
globalen Zusammenprall der Kulturen könnte es scheinen, als
würde die westliche Wertegemeinschaft schon deshalb unterliegen,
weil ihr der Nachwuchs an eigenen Kulturträgern fehlt.
Den Schwarzmalern hält Hondrich seine Gegenthese vor. Der
Geburtenrückgang sei kein Desaster, meint er, sondern ein Glück für
unsere Gesellschaft. Kapitel für Kapitel widerlegt er die
Befürchtungen."
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MOHR, Reinhard (2007): Als Vati über Mutti rollte.
Verführt Feminismus Frauen zur Kinderlosigkeit? Ignoriert er die
nackten Tatsachen der Biologie? Ist er ungeil und männerfeindlich? Das
"F-Wort", eine neue Essay-Sammlung, gibt Antworten. Reinhard Mohr
erinnert sich wie es war, als Männergewalt plötzlich beim Gucken
anfing,
in: Spiegel Online v. 08.05.
- Anmerkungen:
Moderne Männergeschichten der
Single-Generation beginnen heute mit dem Bekenntnis: Als ich einmal
Softie war...
"Ich war eher schüchtern als
djangohaft, und keineswegs reduzierte ich blonde Frauen auf ihre
äußere Erscheinung. Schon auf dem Kinderspielplatz hatte ich
Freundinnen, mit denen man tolle Sandburgen bauen konnte. Die
Gender-Mainstreaming-Experten von heute wären stolz auf mich
gewesen", klopft sich MOHR selber auf die Schulter. Verbale
Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre, lautete
dagegen Mitte der 80er die Diagnose, die fälschlicherweise gerne dem
Soziologen Ulrich BECK zugeschrieben wird.
Der Weg vom geläuterten
Softie zum Individualisierungsoptimisten
Reinhard MOHR vollzog sich seit den
80er Jahren, also irgendwo zwischen "Zaungast" und "Generation Z":
"Wie Schneider gehörte auch ich (ohne
Flusenpulli) zeitweise zu diesen tragikomischen Frauenverstehern,
und ich erinnere mich noch, dass es mir irgendwann zu dämmern
begann:
Beziehungsdiskussionen, Selbstkritik und argumentative Vernunft, so
wichtig sie sind, bestimmen das Leben nicht alleine. Schon gar nicht
das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, das jahrelang unter dem
verkrampft pseudosoziologischen Begriff der »Verkehrsformen«
abgehandelt wurde.
Und so begannen in den
achtziger Jahren die Mühen der Ebene, die Entfaltung der Dialektik
der Emanzipation.
(...).
Bei mir jedenfalls hat sich die feministische Zumutung, die mich vor
dreißig Jahren durchaus noch irritiert und verunsichert hat, in ein,
wie es aussieht, lebenslanges Laboratorium verwandelt, dessen
Ergebnisse ich, versteht sich, natürlich ganz alleine ausbaden
muss."
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STEINFELD, Thomas (2007): Die Desperado-Tomate.
Moppel-Ich, Runzel-Ich: Nach Figurformslip und Sonnenbrille bleibt
dem Leser der aktuellen Sachbuch-Besteller nur das verzweifelte Ich.
Ein Blick in die Liste der Verkaufsschlager,
in: Süddeutsche Zeitung v. 08.05.
- Anmerkungen:
Der
Image-Designer Thomas STEINFELD
mokiert sich über die neueste Mode der Frauenbücher von Susanne
FRÖHLICH/Constanze KLEIS bis Iris RADISCH:
"Die
eigentliche Aufgabe dieser Bücher scheint in einer Art zugespitztem,
pointierten Wiedererkennen zu liegen, in einem Gefühl, sich mit der
Autorin in einer gemeinsamen Lage zu befinden, und also an ihrer
Eroberung des Lebens teilzuhaben".
Die Brüder LEBERT haben mit
ihrer
"Anleitung zum Männlichsein"
mittlerweile die Männerbuch-Variante auf den Markt gebracht.
STEINFELD beklagt das
Ethos dieser neuen Ratgeberliteratur.
Diese "voluntaristische
Munterkeit" sei jedoch nur die "Kehrseite eines Bewusstseins,
das so unglücklich ist wie eh und je. Wenn nicht noch unglücklicher".
STEINFELD vermisst in
diesen Büchern "Aufklärung über die eigene
Lage, zusammenhängende Argumente, Theorie".
Leider vermisst man die
Einlösung dieses Anspruches auch beim Image-Designer, denn die bloße
Aufzählung kulturpessimistischer Schlagworte wie jenen von der
kinderlosen Gesellschaft, den
scheiternden Ehen oder des allgemeinen körperlichen Verfalls setzt
ebenfalls nur auf das zugespitzte, pointierte Wiedererkennen.
Der Alarmismus ist
schließlich nur das E-Pendant zum beklagten U-Ethos.
Die neubürgerliche Identität braucht sein Feuilleton so wie der
kleine Mann seinen Stammtisch.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
01.
- 07. Mai 2007
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