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Medienrundschau:
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News vom 16.
- 30. November 2001
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- HERMANN,
Ulrike (2001): Hast du es gut, dass du allein
bist.
Familienväter
habens wirklich nicht leicht - vor allem wenn sie
glauben, Singles trösten zu müssen
in: TAZ v. 30.11.
- TAZ
(2001): Alleinstehende, Alleinwohnende.
Singles
im Dschungel der Statistik,
in: TAZ v. 30.11.
- Kommentar:
Einer der wenigen
Berichte, in denen der Unterschied
zwischen Einpersonenhaushalt und
Partnerlosigkeit deutlich wird.
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- KOHSE, Petra (2001):
Mandate fürs Puppenhaus.
Biedermeier-Alarm:
Der neue Staatsbürger und seine Liebe zur
Dekoration
in: Frankfurter Rundschau
v. 30.11.
- Kommentar:
Petra KOHSE widmet
sich dem trendigen
Cocooning. Im
Gegensatz zu dem üblichen
11.September-Geplapper, weist sie auf
einen Aspekt hin, der langfristiger
angelegt ist: den "Umbau" des
Sozialstaats:
"Es
ist kein Zufall, dass Schöner
Wohnen, die
sprichwörtliche Zeitschrift für
Wohnkultur in Deutschland, in jüngster
Zeit Konkurrenz bekommen hat:
Häuslichkeit sells, und Magazine wie das
im Webdesign gestaltete H.O.M.E.
oder das familienorientierte Living
at home versorgen
alle, die bisher im nackten Loft im
Eisenbett schliefen oder nur bei Ikea
kauften, mit Ideen für das neue
Jahrtausend. Im Augenblick des Umschlags
vom Sozialstaat in eine neue
Klassengesellschaft ist es nicht mehr
egal, ob und wenn ja, welche Gardinen an
den Fenstern hängen. Schließlich sollen
die anderen nicht mehr reinschauen
können, aber eben doch wissen, wie es
drinnen aussieht."
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- LAU,
Mariam (2001): Carl Djerassi, Erfinder der Pille,
setzt sich nicht zur Ruhe.
Der
Chemiker Djerassi wollte ein Mittel gegen
Arthritis entwickeln und entdeckte einen Stoff,
der die Welt revolutionierte,
in: Welt v. 30.11.
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- SCHEPP, Matthias
(2001): "Sie hat sich für das Land
geopfert".
Endlich! Ein Baby für
Japans Thronfolgerpaar - und ein Lichtblick für
die weltgewandte Prinzessin Masako, die sich seit
acht Jahren den strengen Regeln des Kaiserhofes
unterordnet,
in: Stern Nr.49 v. 29.11.
- Kommentar:
So stellen sich
Monarchisten die
Disziplinierung der Karrierefrau vor...
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- SCHNEIDER, Florian
(2001): Privat ist öffentlich ist privat.
Intime Tagebücher als Hype
- Eine Passage durch Websites und Mailinglists,
in: Süddeutsche Zeitung v.
29.11.
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- AP (2001): Vor der
Trennung fliegen Tassen.
Studie: Gewalt bei Paaren
geht oft von Frauen aus,
in: Frankfurter Rundschau
v. 29.11.
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- SAD
(2001): Pille gegen Schüchternheit,
in:
Hamburger Abendblatt v. 27.11.
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- HILGERS, Micha (2001):
Zwischen Himmel und Hölle.
Verliebtheit
ist ein Aufbruch der Seele zu einer
Wunschfantasie, mit der der reale Partner nur
selten übereinstimmt / FR-Serie (11).
in: Frankfurter Rundschau
v. 27.11.
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FUCHS,
Peter & Jörg MUSSMANN (2001): Die Erkrankung
Einsamkeit.
Aufzeichnungen
aus Pflegehäusern (5): Im rationellen
Zeitmanagement kann eben nicht wahrgenommen
werden, dass Kommunikation zwar alles andere als
effektiv und linear ist, sondern eher ornamental,
aber genau darin - unverzichtbar,
in: TAZ v. 27.11.
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- SPIEGEL (2001):
Flirten mit Fernbedienung,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
- Inhalt:
Die Szene-Bar
"Remote Lounge" in East
Village, New York, wird vorgestellt. Dort
geschieht die Kontaktaufnahme per
Computer oder Telefon. Das Objekt des
Begehrens wird über das Kamerasystem
ausgesucht.
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- BREDOW, Rafaela von
(2001): Kleben gegen Leben.
In den USA ist ein neues
Mittel zur Empfängnisverhütung zugelassen
worden: das Antibaby-Pflaster. Es wirkt wie die
Pille - nur besser,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
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- SPIEGEL (2001): Ein
leasender Verleger.
Die österreichische Schriftstellerin Margit
Schreiner, 47, über ihre Situation nach dem
Konkurs ihres langjährigen Zürcher Verlegers
Gerd Haffmans,
in: Spiegel Nr.48 v. 26.11.
- Inhalt:
u.a. wird berichtet,
dass ihr neuestes
Buch
"Haus, Frauen, Sex" in der
letzten Sendung des Literarischen
Quartetts vorgestellt wird.
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- SCHMOLL, Heike (2001):
Kinder brauchen Wurzeln.
Ein Kongreß von Erziehern
und Psychiatern sieht Kinder auf der Suche nach
Orientierung,
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 26.11.
- Kommentar:
SCHMOLL sieht die
"autistische
Gesellschaft" nahen:
"Kinder,
die ohne emotionale Bindungen groß
werden, entwickeln keine Wurzeln, die sie
in der Gemeinschaft verankern (...). Sie
bleiben in hohem Maße abhängig von
fremden Einschätzungen und damit
manipulierbar (...). Dramatisch wird
diese Entwicklung für eine Gesellschaft
dann, wenn immer mehr Erwachsene selbst
keine Orientierung mehr haben. Denn sie
sind auch nicht in der Lage, gemeinsame
Ziele und Sinngebungen an die Kinder
weiterzugeben. So kann eine ganze
Gesellschaft in die
Orientierungslosigkeit stürzen."
In den 50er
Jahren war diese Vorstellung ebenso weit
verbreitet wie heutzutage. Filme wie Don
SIEGELs"Die
Dämonischen" waren
Ausdruck dieser diffusen Angst.
Man kann
diesen Beitrag auch als Plädoyer für
die
"deutsche
Mutter" lesen und
somit als Absage an eine
Effizienzrevolution wie sie FREEMAN &
SCHETTKAT
vorschwebt.
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- MÜLLER,
Francis (2001): Futtern beim Schongang.
In
Berlin kann man im Waschsalon die eigene Trommel
füllen,
in: SonntagsZeitung v.
25.11.
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- FREEMAN,
Richard B. & SCHETTKAT (2001): Verschenkte
Zeit.
Deutsche
Frauen leisten mehr Hausarbeit als
Amerikanerinnen - und schaden so der Wirtschaft,
in: Tagesspiegel v. 24.11.
- Kommentar:
Die beiden Autoren
haben die Dienstleistungsgesellschaft
vermessen und Deutschland im Vergleich zu
Amerika für schlecht befunden. Ihr
Credo:
"Eine
deutsche
Mutter mit Kindern unter
sechs Jahren verwendet etwa 20 Stunden
pro Woche auf die Kinderbetreuung; eine
amerikanische Mutter dagegen nur elf
Stunden pro Woche - rund neun Stunden
weniger. Aber gleichzeitig ist die
Geburtenrate in den Vereinigten Staaten
höher als in Deutschland.
Amerikanerinnen nutzen in höherem Maße
kommerzielle, nicht kommerzielle und
gemeinschaftlich organisierte
Kindertagesstätten, und sie nutzen den
Fernseher als 'Babysitter'."
Neill
POSTMAN und die
Erziehungsnotständler dürften
beim letzten Punkt auf die Barrikaden
gehen. Der Bericht ist ansonsten im
typischen Ökonomistenslang verfasst.
Wohl noch
nie etwas von Zeitwohlstand oder
"working
poors" gehört!
Am wichtigsten jedoch: Wie wurde das
Zeitbudget erhoben? Mit Stoppuhr oder
Fragebogen? Bitte bei Erving GOFFMAN
nachlesen, denn "Wir spielen alle
Theater"!
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-
WACKWITZ,
Stephan (2001): Im Zaubermantel der Verneinung.
Fünfzig
Jahre "Minima Moralia", fünfzig Jahre
"Fänger im Roggen": Ein Plädoyer
dafür, Adornos Kulturkritikbuch als Zwilling von
Salingers Roman zu begreifen. Zugleich ein
Rückblick auf die Siebzigerjahre, als das Ganze
noch das Unwahre war
in: TAZ v. 24.11.
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- GREFE,
Christiane (2001): Von wegen Privatsache.
Kinder,
Alte und Beruf: Die Familie ist zu klein geworden
für immer größere Aufgaben,
in: Die ZEIT Nr.48 v.
22.11.
- Kommentar:
GREFE stellt das
Mütterzentrum in Salzgitter als Modell
für eine familienfreundlichere
Gesellschaft vor.
Sie
kritisiert, "dass viele Politiker
und Publizisten die Lösungen der
Probleme immer wieder an diese
überforderte Kleinfamilie delegieren -
statt mehr städtische Dörfer wie das
Mütterzentrum zu schaffen."
Eine
Ursache sieht GREFE in dem Mütterbild,
das
Barbara
VINKEN als "deutsche
Mutter" bezeichnet. Sie beklagt,
dass, "vor allem
Mittelschichtsmütter gar nicht mehr auf
die Idee kommen, ihre Kinder 'Dritten'
anzuvertrauen: Auf die öffentliche
Missachtung ihrer Aufgabe haben sie mit
deren Professionalisierung reagiert.
Erziehung ist ihr Beruf, das Kind ihr
Projekt - und wer weiß, was die Tante
ihm beibringt!"
GREFE geht
es letztendlich um die
Zurückverlagerung
von privaten Aufgaben auf die
Zivilgesellschaft: "Von
unmittelbarer Öffentlichkeit
profitierten neben den Frauen vor allem
die Alten, erzählt Hildegard Schooß:
'Sie sind wieder Teil von etwas. Sie
erfahren nicht nur Berichte von außen,
sie erleben selbst - zum Beispiel, wenn
sie nach einem langen Leben ohne Kinder
mit Enkeln spielen.'"
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- MEISTER, Martina
(2001): Le Porno chic.
Frankreichs
neue erotische Literatur ist wie die Nouvelle
Cuisine: Weniger Sauce und am Ende bleibt man
hungrig
in: Frankfurter Rundschau v.
22.11.
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- DRIBBUSCH,
Barbara (2001): Wir alle sind Experten.
Gebildete
Frauen finden schwerer Liebhaber, weil zu wenig
Männer Chef werden wollen. Oder was meinen Sie?
in: TAZ v. 22.11.
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- PESSL,
Fritz (2001): Beim Flirt der Landwirte ist nichts
Zufall.
Management-Methoden
für Einsame - Stilberatung, dann Hüttenabend,
in: Salzburger Nachrichten
v. 22.11.
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- OBERMAUER,
Ralph (2001): Enkel an die Macht!
Jonathan
Franzen wollte nur für Eingeweihte schreiben.
Und hat mit "The Corrections" den
US-Hit der Saison gelandet. Ein Porträt
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Kommentar:
Im Jahre 1991
erschien in Amerika das
Buch
"Embattled Paradise" der
kalifornischen Psychologin Arlene
SKOLNICK. Sie beschrieb darin die Familie
als "umkämpftes Paradies". Das
zentrale Thema war die Romantisierung der
50er-Jahre-Kleinfamilie.
Die von
SKOLNICK kritisierte nostalgische
Sichtweise hat nun 10 Jahre später mit
Jonathan
FRANZEN ihren
popliterarischen Ausdruck gefunden.
Nachdem
Bret Easton
ELLIS ebenso wie
Michel
HOUELLEBECQ die
sexuelle Befreiung und ihre Folgen
kritisiert haben, führt FRANZEN nun
deren Werk fort, indem er zur
Rehabilitierung der 50er-Jahre-Familie
beiträgt.
Diese Sicht
wird nahe gelegt, weil er das äußerlich
gelungene Leben der Eltern den
Lebenskrisen der Kinder gegenüberstellt.
In diesem unfairen Vergleich liegt das
Geheimnis der romantischen Verklärung.
Auch das
Gegenteil ist eben wahr: gescheiterte
Leben in den 50ern und erfolgreiche
Lebensentwürfe danach!
FRANZEN ist
auf jeden Fall die konsequente
Weiterführung der Themen von ELLIS und
HOUELLEBECQ gelungen. Die Familien der
Neuen Mitte werden ihn hierzulande ebenso
begeistert aufnehmen wie die Amerikaner.
Bis zum nächsten Herbst müssen sie
jedoch noch auf dieses "Coming home
for Christmas" warten.
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- DEGEN,
Rolf (2001): Karriere ist nicht die Barriere.
Kinderlose
Frauen gelten als "Karrieretypen" -
aber gerade sie träumen von der
Frühpensionierung,
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Kommentar:
Rolf DEGEN versucht
das sozialpolitisch motivierte Stereotyp
von der kinderlosen Karrierefrau zu
entkräften.
Er zitiert
hierzu die beiden
Sozialwissenschaftlerinnen Fiona
MCALLISTER und Lynda CLARKE vom Family
Policy Studies Center in London, die 176
freiwillig kinderlose Frauen zwischen 33
und 49 Jahren befragt haben. Über die
Repräsentativität der Studie sagt DEGEN
leider nichts aus. Ausserdem muss bedacht
werden, dass die Ergebnisse nur für
Grossbritannien aussagekräftig sind und
nicht umstandslos auf deutsche
Verhältnisse übertragen werden dürfen.
Offenbar
bezieht sich DEGEN auf die bereits im
Juli 1998 publizierte Studie
"Choosing childlessness: a study of
childlessness in Britain".
Keineswegs
außergewöhnlich ist das Ergebnis, dass
sich die befragten Kinderlosen nicht
selbst durchgängig als
karriere-orientiert betrachten. Die
angebliche Neuheit dieser Tatsache ist
das Ergebnis einer selektiven Wahrnehmung
der deutschen Studien zu diesem Thema.
Es stellt sich
deshalb die Frage, warum gerade jetzt das
Stereotyp der Karrierefrau einer Revision
unterzogen werden soll.
Die Gründe
hierfür müssen in erster Linie im
Kontext der veränderten
sozialpolitischen Debatte gesehen werden.
Mit dem
beabsichtigten
Paradigmenwechsel von Welfare zu Workfare
und damit von der
"sozialen Hängematte" zum
"Trampolin" einerseits (siehe auch heutige
FAZ) und der
bevölkerungspolitisch motivierten
Debatte um die Verlängerung der
Lebensarbeitszeit andererseits, gerät
die "Frühpensionierung" (der
Begriff verweist weniger auf die
britischen als auf die deutschen
Verhältnisse) zum zentralen Kritikpunkt.
DEGEN geht
es also weniger um eine
Entstigmatisierung von kinderlosen
Berufstätigen, sondern um eine Anpassung
des Stereotyps an die gegenwärtige
sozialpolitische Faulenzer-Debatte.
Wenig
überraschend ist auch der Befund von
Sonja Bischoff, BWL-Professorin an der
Hochschule für Wirtschaft und Politik in
Hamburg:
"Sie
hat 1998 zum dritten Mal - nach 1986 und
1991 - jeweils 1000 Männer und Frauen in
Führungspositionen in Deutschland
befragt. Der Anteil der kinderlosen
Frauen ging zurück. Frauen auf der
ersten Führungsebene haben heute zu 60
Prozent Kinder und in der zweiten und
dritten Ebene noch zu 45 Prozent."
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- SCHELKLE,
Waltraud (2001): Das große Sparschwein des Robin
Hood.
Die
Rezession setzt den Wohlfahrtsstaat unter Druck:
Welchen Leitbildern soll die soziale Hilfe
folgen?
in: Frankfurter Allgemeine
Zeitung v. 20.11.
- Kommentar:
SCHELKLE befasst
sich weniger mit der Frage, die in der
Schlagzeile suggeriert wird. Stattdessen
stellt sie das angelsächsische Modell
vor, das die Umstellung von
"Welfare" auf
"Workfare" als Lösung des
Problems propagiert.
Ziel ist
die Kopplung von staatlichen Leistungen
an individuelle Gegenleistungen, sowie
die Einschränkung des Sozialstaats auf
eine Grundsicherung. Dies soll einerseits
die Zahlungsbereitschaft der
Besserverdienenden und andererseits die
Legitimität des Bezugs von
Staatsleistungen erhöhen. Ob dies die
Debatte um
die Neidgesellschaft
verhindert, scheint jedoch mehr als
fraglich. Zentraler als diese
Pseudobegründungen ist das Problem der
"Working
poors" in der
Dienstleistungsgesellschaft.
Den
britischen Verfechter dieses Modells -
Anthony
GIDDENS - erwähnt SCHELKLE
nicht, sondern nur die US-amerikanischen
Verfechter.
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- BAYER, Gudrun
(2001): Mehr Spaß durch Gewalt?,
in: Nürnberger Nachrichten v. 19.11.
- Kommentar:
BAYER interviewt
Norbert MERZ, den Vorsitzenden der
Landesarbeitsgemeinschaft ehrenamtlicher
Mitarbeiter im Strafvollzug. In seiner
Argumentation treffen sich die
Ressentiments gegen die
Gegenwartsgesellschaft, die abwertend als
Spaßgesellschaft bezeichnet
wird, mit der romantischen Verklärung
der bislang quantitativ unbedeutenden
Großfamilie:
"In
der Spaßgesellschaft ist leider eine
Portion Gewalt programmiert. Man handelt
aus lauter Egoismus und schädigt andere
dabei (...). Wir müssen bei den Kindern
ansetzen. Wenn wir von Anfang an keine
Zeit für die Kinder haben, lernen die
doch nicht, wo die Richtschnur ist. In
der Schule ist es schon fast zu spät.
Die ersten drei oder vier Jahre sind
wichtig. Der Hautkontakt; das Umfeld, in
dem das Kind Vertrauen schöpfen kann. In
der Hinsicht bedauere ich es auch, dass
es keine Großfamilien mehr gibt. Die
konnten das ausgleichen. Wir leben in
Hochhäusern direkt nebeneinander und
haben doch die größten Entfernungen.
Wir merken nicht einmal, wenn nur
getrennt durch zwölf Zentimeter Wand
einer stirbt."
Angesichts
der gängigen Großfamilienfolklore
sollte man sich Hermann HESSEs
Beschreibung der bürgerlichen Familie
Anfang des 20. Jahrhunderts ins
Gedächtnis rufen:
"Zwei
Welten liefen dort durcheinander, von
zwei Polen her kamen Tag und Nacht.
Die eine Welt war das Vaterhaus, aber sie
war sogar noch enger, sie umfaßte
eigentlich nur meine Eltern. Diese Welt
(...) hieß Liebe und Strenge, Vorbild
und Schule. Zu dieser Welt gehörte
milder Glanz, Klarheit und Sauberkeit,
hier waren sanfte freundliche Reden,
gewaschene Hände, reine Kleider, gute
Sitten daheim (...).
Die andere Welt indessen begann schon
mitten in unserem eigenen Hause und war
völlig anders, roch anders, sprach
anders, versprach und forderte anderes.
In dieser zweiten Welt gab es
Dienstmägde und Handwerksburschen,
Geistergeschichten und Skandalgerüchte,
es gab da eine Flut von ungeheuren,
lockenden, furchtbaren, rätselhaften
Dingen, (...) Erzählungen von
Einbrüchen, Totschlägen,
Selbstmorden" (aus: Hermann HESSE
"Demian", 1919).
Hermann
HESSE beschreibt im
Demian
die
Tristesse
Royale der
"Spaßgesellschaft am Vorabend des
1. Weltkrieg" aus der Sicht des
Bürgersohns Emil Sinclair.
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- RED (2001):
Für die Besserstellung von Familien.
KKV-Diözesanverbandstag
verabschiedete "Wiesbadener Erklärung,
in: Wiesbadener Kurier v.
19.11.
- Kommentar:
Der
Sozialrichter
Jürgen BORCHERT, der sich
gerne als DER
Hauptakteur
der Kontroverse "Familien contra
Singles" sieht, hat
den Stand der Kontroverse im Sinne meines
Essays vom
"Ende der Spaßgesellschaft" upgedated:
"Kinderlose
lebten in der 'Spaß-Gesellschaft' auf
Kosten der Familien ein
'unsoziales Verhalten des Gesetzgebers'
mache dies möglich", wird er
zitiert.
BORCHERT
schätzt die Arbeit von single-dasein.de,
auch wenn er natürlich nicht die hier
vertretene Position teilen kann.
Im
Gegensatz zu so genannten
Zukunftsforschern wie
Matthias
HORX, die Altbekanntes
in trendige Worte fassen, widmet sich
single-dasein.de den jeweils aktuellen
gesellschaftlichen Entwicklungen und
ihren Folgen für Singles. Ein solches
Informationsangebot dürfte im
deutschsprachigen Bereich alternativlos
sein.
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- BALDINGER,
Inge (2001): Die Rückkehr des Risikos.
Sicherheitsboom,
Krisenvöllerei und "ehrliche"
Produkte: Wie die Zukunftsforschung die
Wirtschaft in Zeiten des Terrorkrieges sieht
in: Salzburger Nachrichten v. 19.11.
- Kommentar:
Matthias
HORX möchte zu den
Terrorgewinnlern gehören und hat schnell
seine Begrifflichkeiten dem neuen (alten)
Zeitgeist angepasst.
"Das
(Un)Sicherheits-Zeitalter - Der
Terrorkrieg und die Auswirkungen auf
Wirtschaft, Politik und
Gesellschaft" heisst diese schnelle
Neuverwertung.
Statt
"Entschleunigung" heißt es
horxianisch "Slowness-Kultur".
Man lese
nochmals "Das Wörterbuch der 90er
Jahre. Ein Gesellschaftspanorama"
aus dem Jahre 1991. Unter dem Stichwort
"Biedermeier" findet man alles,
was HORX jetzt wieder predigt.
Damals
reagierte HORX auf die Wiedervereinigung,
für HORX sozusagen die damalige Fassung
des Terrors: "In den nächsten
Jahren erwartet uns auf breiter Front die
Rückkehr des Gartenzwerges. 16 Millionen
DDR-Bürger werden schaffen, was die
Allianz aus Bayernkurier
und Bild
seit 1968 nicht vermochte: die
Renaissance der alten, spießigen
Wirtschaftswunder-Werte".
Für die
"Rückkehr des Gartenzwerges"
muss man nur den Begriff
"Cocooning" einsetzen und schon
ist das Update fast fertig.
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- CORSTEN,
Volker (2001): Tragödienstoff im Wartestand.
Reality-TV
mit Herz: Eine Dokumentation begleitet kinderlose
Paare bei ihren Versuchen, dem Glück
nachzuhelfen,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
- Kommentar:
"Ungewollte
Kinderlosigkeit" ist im Zeitalter
von Reproduktionsmedizin und
Bevölkerungspolitik das Topthema. RTL2
zeigt die Serie "Wunschkinder",
in der das Thema zeitgeistmäßig
aufgegriffen wird.
"Glücklichsein
ohne Kind", das darf
in der heutigen Zeit nicht sein!
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- LAMPRECHT,
Peter (2001): Neue Visionen vom Eigenheim.
Ein
Wettbewerb zeigt, wie sich angehende
NRW-Architekten das citynahe Wohnen der Zukunft
vorstellen,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
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- LORENTZ,
Frank (2001): Workout um Mitternacht.
Einige
Fitness-Studios im Land sind rund um die Uhr
geöffnet. Was sind das für Menschen, die zu
nachtschlafender Zeit trainieren? Ein Besuch,
in: Welt am Sonntag v. 18.11.
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- MESSMER,
Matthias (2001): Die Rückkehr der Konkubinen.
Die sexuelle Revolution ist
nun auch in China angekommen,
in: Neue Zürcher Zeitung
v. 17.11.
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- STELZER,
Tanja (2001): Neurosen zum Dessert.
Mit
ihren Romanen trifft sie den Nerv von
Hunderttausenden von Frauen. Sie weiß: Schwäche
zeigen kommt gut an. Ein Abendessen bei Ildikó
von Kürthy.
in: Tagesspiegel v. 17.11.
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SLOTERDIJK,
Peter (2001): Von Terror und von Genen.
Ein Plädoyer für die
Enthysterisierung zweier Selbsterregungskampagnen
in: Frankfurter Rundschau
v. 17.11.
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- SCHÄFER,
Thomas (2001): Das Erbe der Romantik.
Soll
man sich nun selbst finden oder erfinden? Und
überhaupt: Ist Selbstverwirklichung ein Zwang?
Diesen Fragen geht Undine Eberleins Studie über
"Einzigartigkeit" nach
in: TAZ v. 17.11.
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- JANSSEN,
Susanne (2001): Altenhilfe am Bedarf orientieren.
Wie
wird die Altenhilfe in 20 Jahren aussehen? Der
Paritätische Wohlfahrtsverband hat Leitlinien
für den zukünftigen Bedarf entwickelt. Denn die
Ansprüche der jetzt 40- bis 50-Jährigen werden
sich nach Ansicht des Verbandes stark verändern.
in: Stuttgarter Zeitung v.
17.11.
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- Abschied von
der Ich-AG
Im RM-Gespräch erklärt der
Freizeitforscher Horst Opaschowski, warum die
Kirchen als moralische Sinnstifter künftig
stärker gefordert sein werden,
in: Rheinischer Merkur
Nr.46 v. 16.11.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01.-15. November
2001
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