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News vom 16. - 22. November 2002

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Vereinfacht formuliert gibt es unter den sogenannt »Alleinlebenden« eine Art sozialer Polarisierung: Auf der einen Seite finden sich unter den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Männern - beruflich-sozial klar desintegrierte Menschen, und es ist beispielsweise diese Gruppe sozial desintegrierter alleinlebender Männer, welche - etwa im Vergleich zu gleichaltrigen verheirateten Männern - ein überdurchschnittliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen. Auf der anderen Seite findet sich unter den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Frauen - um eine bedeutsame Gruppe hoch integrierter, beruflich-sozial hoch kompetenter Menschen. Das Alleinleben bei dieser Gruppe ist ein spezielle Form des beruflich-sozialen Erfolgs."
(Elisa Streuli in "Alleinleben in verschiedenen Lebensphasen" 2002)
 
       
   
  • FRANKFURTER RUNDSCHAU (2002): Die Benachteiligungen berufstätiger Frauen werden erweitert.
    Das Hartz-Konzept und die großen Verliererinnen. Ein Appell mehrer Frauenorganisationen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.11.
 
   
  • KNIPPHALS, Dirk (2002):Wir sind die Hagenströms.
    Die Buddenbrooks und die aktuellen Erzählungen vom deutschen Niedergang,
    in: TAZ v. 22.11.
    • Kommentar:
      KNIPPHALS definiert Deutschland in Anlehnung an die Münchner Yuppie-Soziologie als "Gesellschaft der Sozialaufsteiger".

                  Er sieht sich deshalb von "Hagenströms" und nicht von niedergehenden "Buddenbrooks" umzingelt. Die "günstigste Verteilung des erwirtschafteten Reichtums" und nicht die Verarmung von "Familien mit altem Geld" sind deshalb für KNIPPHALS das Problem dieser Republik.
                  Hätte sich KNIPPHALS jedoch nicht nur mit den "Erzählungen der Soziologie", sondern mit der soziologischen Empirie befasst, dann wüsste er, dass erstens eine Elitenforschung oder gar eine Soziologie der Oberschicht in Deutschland so gut wie inexistent ist, denn das Lieblingssujet der Soziologen sind die "gefährlichen Klassen".
                  Folgt man den wenigen Empirikern und nicht den sprachgewaltigen Popsoziologen, dann ist Deutschland im Kern eine geschlossene Gesellschaft. Die Sozialaufsteiger tummeln sich stattdessen am Rande in Politik und Medien. Das dadurch entstehende Getöse mag darüber hinwegtäuschen, dass die "aufwärtsmobile Gesellschaft" in erster Linie eine Fiktion ist.  Die nicht im Scheinwerferlicht der Medien stehen, die sieht man eben nicht...
 
   
  • Brennpunkt: Familienwahlrecht

    • Kommentar:
      Der Rheinische Merkur hat eine elternfreundliche und singlefeindliche Lösung für den herbeigesehnten Generationenkonflikt zu bieten.

                  Singlefeindlich heißt hier, dass Junge und Alte zu Menschen zweiter Klasse mit weniger Rechten werden sollen. Das Familienwahlrecht wird als das ideale Instrument propagiert.
                  Dies kann als Versuch interpretiert werden, die Verhältnisse im vormodernen "Ganzen Haus" auf die ganz anders geartete Familie in der halbmodernen Gegenwart zu übertragen.
      PETROPULOS, Kostas (2002): Neue Balance gesucht.
      Familienwahlrecht. Eine Lösung für den Generationenkonflikt,
      in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
    • KÜHNE, Hartmut (2002): Paul Kirchhof: "Die Rechtsordnung ist zukunftsoffener",
      in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
    • MAINZER, Harry (2002): Aus Berlin nur leere Versprechungen.
      Sozialpolitik. Karlsruhe hat familienfreundliche Reformen gefordert. Doch die Regierung handelt nicht,
      in: Rheinischer Merkur Nr.47 v. 21.11.
 
   
  • WÜLLENWEBER, Walter (2002): Die Last mit den Alten.
    Konflikt der Generationen. Die Jungen klagen an! Rentenbeiträge, Krankenversicherung, Steuern - die Belastung wird unerträglich. Ihre Eltern hinterlassen ihnen einen hochverschuldeten, abgewirtschafteten Staat. Gleichzeitig bedienen sie sich rücksichtslos weiter. Eine zornige Abrechnung,
    in: Stern Nr.48 v. 21.11.
  • GERWIEN, Tilman (2002): Gewinner und Verlierer.
    Für jüngere Jahrgänge wirkt die Rentenversicherung wie eine Kapitalvernichtungsmaschine, für die Alten wie ein Sparbrief,
    in: Stern Nr.48 v. 21.11.
    • Inhalt:
      Nach GERWIENs Recherchen sind alleinstehende Männer ab Jahrgang 1950 und alleinstehende Frauen ab Jahrgang 1970 bei der Rentenversicherung im Minus.
 
     
   
  • BRENNPUNKT: "Aufruf zur konservativen Revolution"
    Deutschland siecht. Eine konservative Koalition aus Medien von der "Bild"-Zeitung bis zur "FAZ" ruft deshalb den "nationalen Notstand" aus. Die Kampagnen zielen auf ein Ende des herrschenden Systems und sind reich an Verweisen auf die Weimarer Republik - aber arm an Alternativen,

    in: TAZ v. 21.11.

    • Kommentar:
      Was bei single-generation.de bereits vor zwei Tagen pointiert zu lesen war, damit beschäftigt sich die TAZ nun ausführlich in Form eines Brennpunkts.

                  Es geht dabei jedoch "nur" um den antidemokratischen Affekt , während das "Tabu"-Thema Bevölkerungspolitik ausgeklammert wird.
    • SEMLER, Christian (2002): Reden vom Notstand.
      Wo alarmistische Rhetorik herrscht, dort ist es mit der sachlich-politischen Auseinandersetzung vorbei,
      in: TAZ v. 21.11.
      • Inhalt:
        SEMLER stellt BARINGs Argumentation in die Tradition des Denkens von Carl SCHMITT.
    • BOLLMANN, Ralph (2002): Panik im Krittelstand:
      Wenn es sogar dem Feuilleton wirtschaftlich an den Kragen geht, dann ruft es eben auf die Barrikaden,
      in: TAZ v. 21.11.
      • Inhalt:
        BOLLMANN interpretiert die Artikel von BARING und GEYER in der FAZ als Ausdruck einer "Panik des Mittelstand" (Theodor Geiger), wie es sie zuletzt in den 20er und 30er Jahren der Weimarer Republik gab:

                    "Das alles liest sich wie der Hilferuf einer »verlorenen Generation«".
    • KNIPPHALS, Dirk (2002): Streben nach Aufstand.
      Der Ruf nach einer Revolution stellt das Wesen der Republik in Frage - aber Alternativen gibt es keine,
      in: TAZ v. 21.11.
      • Inhalt:
        KNIPPHALS stellt die Debatte unter das Motto "Erkundungen für die Präzisierung des Gefühls für einen Aufstand" von Rolf Dieter BRINKMANN:

                    "Was derzeit zu erleben ist, ist der Ansatz eines Schulterschlusses der Geiz-ist-geil-Generation, die gerade die Reize des Sparens entdecken muss und wenig Anreize hat, weiterhin für die Renten der älteren Generation aufzukommen, mit den konservativen Kadern, denen nicht nur die ganze Richtung des rot-grünen Weiterwurstelns nicht passt. Sondern auch des ja ebenso vorhandenen Weiterwurstelns in seiner CDU/CSU-Variante. Die Verweise auf die Ermattung aller politischen Parteien und auf das Scheitern der Konsensmodelle im Ganzen sind ja nicht zufällig." 
 
   
  • MÜLLER, Lothar (2002): Der Weg ins gemeine Unglück.
    Hysterie oder Selbstblockade: die Rückkehr der deutschen Malaise,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 21.11.
    • Kommentar:
      Lothar MÜLLER befürchtet einen Rückfall in die Lagermentalität der 70er Jahre und beklagt den fehlenden intellektuellen Nachwuchs bei der SPD:

                  "Ihr fehlt ein intellektueller Nachwuchs, der ihre Selbstmodernisierung als Partei des sozialen und auch demographischen Krisenmanagements konzeptionell vorantreiben könnte."
                  Da trifft es sich doch gut, dass just Gustav SEIBT schon einmal die Logik der Generationengerechtigkeit dargelegt und ihre politische Brauchbarkeit für ein demographisches Krisenmanagement demonstriert hat.
                  Ansonsten ist die SZ jedoch über das wiederholte Beklagen des "demographischen Schicksals" und die Präsentation von Lösungen aus der Mottenkiste nicht hinausgekommen.  
 
   
NOUVEL OBSERVATEUR-Titelgeschichte: Somme-nous tous devenus réacs?
  • JOFFRIN, Laurant (2002):  Sommes-nous tous devenus réacs?
    Insécurité, famille, école, mœurs...
    in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.
  • LANCELIN, Aude & Fabrice PLISKIN (2002): Les pavés anti-68.
     Est-ce la fin de l’hégémonie intellectuelle de la gauche ?,

    in: Nouvel Observateur Nr.1985 v. 21.11.
 
   
  • BUDE, Heinz (2002): Ihr Helden und wir Leute.
    Augstein und Unseld sind tot. Die Generation der heute 40-Jährigen trauert um sie - und auch ein wenig um sich selbst. Denn die Jungen bringen keine unverwechselbaren Biografien mehr hervor,
    in: Tagesspiegel v. 20.11.
 
     
   
  • SCHELLER, Benjamin (2002): Die Toten fraßen die Lebenden.
    Fehlende Generationengerechtigkeit ließ das Kloster Cluny vor 850 Jahren zum Auslaufmodell werden,
    in: Welt v. 19.11.
    • Kommentar:
      Während es die FAZ mit plumpen Frontalangriffen versucht, liebt es die Welt geschichtspolitisch.

                  Wer in der Bruderschaft von Cluny nicht die Neue-Mitte-Bruderschaft wiedererkennt, der lebt jenseits dieser Neuen Mitte als Teilnehmer der Armenspeisung:
                  "Petrus Venerabilis war verzweifelt. Die große, berühmte Klostergemeinschaft von Cluny, zu deren Abt man ihn 1122 gewählt hatte, war verarmt. (...).
                  Zeitgenössischen Quellen zufolge versorgte das Kloster an bestimmten Festtagen bis zu 17 000 Arme. (...). Es waren frühere Generationen, die den Mönchen diese Last aufgebürdet hatten. Sie war die Folge eines Solidarsystems".
 
     
     
   
  • BARING, Arnulf (2002): Bürger, auf die Barrikaden!
    Deutschland auf dem Weg zu einer westlichen DDR,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.11.
    • Kommentar:
      Die Pop-FAZ schickt ihren ergrauten Flakhelfer an die Front, um gegen die Spassgesellschaft zu wettern, die mit ihren Plebisziten (= Stimmabgabe bei Wahlen) die gemütliche Friedhofsruhe der alten Eliten stört.

                  Ansonsten lernen wir, dass Tabus jene Themen sind, die ausführlich in den Elitenblättern der Republik debattiert werden und die aus jedem öffentlich-rechtlichen Fernseh- und Radiokanal die dreckige Atmosphäre zusätzlich verschmutzen.
                  Wer heutzutage den Begriff "demographischer Wandel" noch nicht bis zum Überdruss satt hat (inklusive der immergleichen Experten mit ihren Lösungen aus der Mottenkiste), dem wird er von BARING nochmals mit dem Zaunpfahl nahegebracht.
                  Wenn jemand wie BARING so offenkundig offene Türen eintritt, dann fragt man sich, ob es sich hier nicht um den zutiefst verzweifelten Versuch von Identitätspolitik in einem sich längst überlebten Milieu handelt.
                  Da kann wohl nicht einmal mehr Harald SCHMIDT etwas retten...
 
     
     
   
  • ALBRECHT, Jörg (2002): Seid fruchtbar, zahlt Rente.
    Von den Klassikern lernen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
    • Inhalt:
      ALBRECHT definiert den Menschen lohnerwerbs- und bevölkerungstechnokratisch:

                  "Aus ökonomischer Sicht wäre es (...) wünschenswert, wenn die Menschen mit dreißig geboren würden und mit sechzig freiwillig abträten".
 
   
  • LAAK, Dirk van (2002): Die zornigen Alten.
    In der vertrauensseligen Gemütsruhe des Sozialstaates taten sich Rentner und Junge lange Zeit nicht weh. Jetzt aber droht Streit,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
 
   
  • HÜSTER, Wiebke (2002): Geld oder Liebe?
    Wie geben Paare das getrennte oder gemeinsame Einkommen aus? Geht es gerecht dabei zu?,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 17.11.
 
   
  • HACHMEISTER, Lutz (2002): Eine Elite ohne Bewusstsein.
    In Zeiten der Medienkrise erweist sich das Personal der Branche als kopflos. Zu sehr sind die selbstgefälligen Damen und "Herren Journalisten" aus der Nach-68-Generation in politische und ökonomische Machtinteressen eingebunden,
    in: TAZ v. 16.11.
    • Kommentar:
      Eine überfällige und noch viel zu harmlose Abrechnung mit dem selbstgefälligen Neue-Mitte-Betroffenheitsjournalismus:

                  "Gängige Bilder von Journalisten als unstete Gesellen, rasende Reporter, verkappte Sozialrevolutionäre oder auch als Schreibknechte im Dienst des kapitalistischen Systems verzerren die Wirklichkeit - Journalisten sind in ihrer Weltsicht und Kommentierung eher darauf aus, den eigenen Status in der gehobenen Mittelschicht oder als bourgeois bohemian zu wahren, als dass sie in irgendeiner Weise aus dem Rahmen der formierten Wohlstandsgesellschaft herausfielen."
                  HACHMEISTER beschreibt die "Elitepublizistik" als eine Publizistik, die "politisch-publizistische Lager simuliert und fügt abschließend hinzu:
                  "Fraglich ist auch, ob der wohlig im spätbürgerlichen Zentrismus eingerichtete Prestige-Journalismus die Entfremdung breiter Bevölkerungsschichten von den formaldemokratischen Ritualen überhaupt mitbekommt. Seit geraumer Zeit scheinen ihm selbstbezügliche Feuilleton-Scharmützel und medienwirtschaftliche Positionskämpfe wichtiger als die nüchterne Bestandsaufnahme der gesellschaftlichen Realität."
                  Da Lutz HACHMEISTER selber zur Elitepublizistik der Neuen Mitte zählt, muss natürlich gefragt werden, ob dieser Artikel nicht auch Teil der beklagten selbstreferentiellen Feuilleton-Scharmützel ist und deshalb nur einer Neupositionierung des "Neue-Mitte-Regierungsblatts" TAZ dient.
 
     
     
   
  • POTTHOFF, Antje (2002): Ich habe nie abgetrieben.
    Schwanger? Schon wieder? Wie kann man nur. Dabei predigen Emanzen und Ärzte doch einhellig, wie leicht das zu vermeiden wäre. Antje Potthoff hat sechs Kinder - und ist sehr glücklich,
    in: Frankfurter Rundschau v. 16.11.
    • Kommentar:
      Die Frankfurter Rundschau wird zum Abklatsch der Süddeutschen Zeitung! Früher gab es das Mutterkreuz, heute dürfen sich kinderreiche Mütter in den krisengeschüttelten Tageszeitungen inszenieren. Willkommen im Club der schönen Mütter!
 
   
  • Thema des Tages: Reform des Arbeitsmarkts

    • JACOBI, Robert (2002): Clements Gesetz.
      Der Minister beharrt darauf, die Hartz-Vorschläge "eins zu eins" umzusetzen - doch das ist unmöglich,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
    • JACOBI, Robert (2002): Gleiches Geld für gleiche Arbeit.
      Leiharbeiter keine Billiglöhner,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
    • JACOBI, Robert (2002): Singles müssen umziehen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
      • Inhalt:
        Im Familienblatt heißt es zum Umzugszwang für Singles lapidar:

                    "Der Umzugszwang gilt nicht, wenn »familiäre Bindungen« bestehen. Dieser Ausdruck wird nicht konkretisiert, sodass die Arbeitsämter einen weiten Ermessensspielraum haben, was die Regel entwerten könnte. Der Gesetzgeber beruft sich auf den Schutz von Ehe und Familie nach dem Grundgesetzes. Singles sollen dagegen umziehen."
    • JACOBI, Robert (2002): Selbständig statt arbeitslos.
      Ich-AG und Mini-Jobs sollen Schwarzarbeit eindämmen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
    • JACOBI, Robert (2002): Fördern oder in Rente schicken.
      Widersprüchliche Ideen zum Umgang mit älteren Arbeitslosen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
    • JACOBI, Robert (2002): Gutschein für die Bildung.
      Arbeitsamt bezahlt Lehrgänge, Fahrkosten und Verpflegung,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
 
   
  • NIEMANN, Norbert (2002): Niederbayern.
    Deutsche Landschaften (5). Ländliche Entwicklung - Genau hier vermutete der Oberdadaist Johannes Baader "Omphalos", den Nabel der Welt. Der Dichter Herbert Achternbusch wusste es genauer: In Plattling ist das Nichts,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 16.11.
 
   
  • BRUNS, Gabriele (2002): Und das ganz andere Gedöns.
    Um die Gleichberechtigung von Frauen steht es noch immer nicht zum Besten. Doch im Kampf gegen den Mann an sich und seine patriarchalischen Strukturen wird das nicht zu ändern sein. Moderne Frauenpolitik ist Politik mit Männern,
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
    • Kommentar:
      BRUNS fordert eine Politik für die Generation Golf bzw. die Generation Ally.

                  BRUNS stellt der alten Betroffenheitskultur der 70er-Jahre-Frauenbewegung die neue Betroffenheitskultur der Töchtergeneration entgegen. Frauen sollen sich nicht mehr als Opfer sehen, sondern sind Täter. Die  Kinderlosenbewegung der 70er Jahre soll einer Mütterbewegung weichen:
                  "Schwerpunkt einer neuen Geschlechterpolitik muss der Rollenwandel im familiären Bereich sein."
                  BRUNS möchte unter dem Stichwort "Gendermainstreaming" bzw. "Geschlechterdemokratie" Männern jene Hausarbeit schmackhaft machen, die Frauen gerne abtreten würden.
                  Warum Hausmänner keine Lust auf ihr Dasein haben, auch wenn BRUNS das gerne hätte, das haben HEINZEN & KOCH bereits Mitte der 80er Jahre beschrieben:
                  "Jutta unterschätzte meine Arbeit, und das kränkte mich. Mich kränkte auch, daß an manchen Abenden, während sie auf einer Gewerkschaftssitzung war, immer nur sie am Telefon verlangt wurde. Und wenn sie dann spät nach Hause kam, hätte ich gern etwas über das Leben draußen erfahren, aber ich wollte sie nicht danach frage, weil es sich wie Kontrolle angehört hätte. Ich hoffte, sie würde von sich aus etwas erzählen, aber sie war müde und ärgerte sich, daß kein Bier mehr im Kühlschrank war."
                  Solange attraktive Frauen Karriere-Machos wie Gerhard SCHRÖDER und  Joschka FISCHER den "neuen Vätern" vorziehen,  solange wird Gendermainstreaming ein schlecht absetzbares Produkt für ewige Außenseiter sein.
  • MACKROTH, Petra & Malte RISTAU (2002): Die Rückkehr der Familie.
    Stets in der Geschichte unserer Republik galt die Familienpolitik als Domäne der Union. Das ist vorbei. CDU und CSU haben den Anschluss an die Entwicklung dieser Gesellschaft verpasst. Jetzt muss die SPD nachlegen,
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
  • LÜBBERDING, Frank (2002): Epoche machen.
    In der Umwelt- und Familienpolitik gelingt Rot-Grün vieles. Doch die Republik steckt mitten in ihrer schwersten Wirtschaftskrise. Mit dieser Herausforderung muss die neue Regierung fertig werden. Sonst könnte sie auf epochale Weise scheitern,
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
    • Inhalt:
      Familienpolitik ist nicht das Anliegen des Autors, sondern er plädiert für eine Wirtschaftspolitik in der Tradition von ROOSEVELT und Helmut SCHMIDT, um dem "Gespenst der Deflation" entgegenzuwirken. Das heißt Ausweitung der Staatsverschuldung, statt Sparprogramme à la BRÜNNING.
  • PURDY, Jedediah (2002): Was war Neoliberalismus?
    World of Passions: How to Think About Globalization Today lautet der Originaltitel eines großen Essays, in dem der junge amerikanische Autor Jedediah Purdy untersucht, an welchen Defekten das neoliberale Projekt gescheitert ist. Warum führt selbst gut gemeinte Liberalisierung allzu häufig in illiberale und undemokratische Verhältnisse? Purdys Diagnose: Die Bannerträger des Neoliberalismus haben die Bedeutung menschlicher Leidenschaften ignoriert. Die Berliner Republik veröffentlicht Jedediah Purdys Essay in zwei Folgen,
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
  • LEINEMANN, Susanne (2002): Die Enttäuschung.
    Nach der Bundestagswahl 2002 hat Gerhard Schröder die SPD zur einzigen "wirklich gesamtdeutschen Partei" ausgerufen - dreizehn Jahre nach dem Fall der Mauer. Warum hat es so lange gedauert? In ihrem neuen Buch Aufgewacht. Mauer weg geht Susanne Leinemann der Lähmung der westdeutschen Linken unmittelbar nach der Revolution von 1989 auf den Grund. Die westdeutsche Autorin, Jahrgang 1968, erlebte die letzten Jahre der deutschen Teilung sehr bewusst, nachdem sie sich 1985 in einen jungen Dresdner Fotografen verliebt hatte. Im Kapitel Die Enttäuschung beschreibt sie die Zeit zwischen dem 9. November 1989 und dem 3. Oktober 1990,
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
  • RÜHMEIER, Olaf (2002): Magenbitter nach der Tortenschlacht.
    Meinhard Miegel beschreibt prägnant die tiefe Krise einer Gesellschaft, die sich der Realität verweigert. Nur seine Vorschläge kommen über Hans-Olaf-Henkel-Niveau nicht hinaus, 
    in: Berliner Republik Nr.6, November/Dezember
    • Kommentar:
      RÜHMEIER präsentiert eine halbherzige Rezension zu Meinhard MIEGELs Pamphlet "Die deformierte Gesellschaft". Statt die vorgelegten Fakten von MIEGEL zu hinterfragen, stört sich RÜHMEIER nur an MIEGELs neoliberalen Lösungsvorschlägen, an dem Hedonismus-Vorwurf und am geringen Interesse an der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
 
       
       
   

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