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Medienrundschau:
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News vom
11. - 20. Oktober 2003
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des Monats:
"Ich
kenne eine Frau, die wäre lieber aus falschen Gründen mit einem
Mann zusammen als aus richtigen Gründen allein - das kommt, weil
sie Angst hat, Angst vorm Verlassenwerden, vor dem Alleinsein.
Dabei entsteht aus der Angst erst Einsamkeit und daraus
letztendlich auch die Freiheit. Zu deprimierend? Nein, überhaupt
nicht. Zu oft und vor allem zu lange habe ich meine Zeit mit
Menschen verbracht, die mir furchtbar egal waren (...). Gerade
in meinem Alter scheint es so ein Zwang zu sein, sich in die
Gesellschaft zu begeben, Menschen kennen zu lernen
(...). Ich kenne welche, die leben seit Jahren in
Partnerschaften und sie sind einsam. Ich kenne welche, die haben
viele Freunde und sie sind einsam. Ich kenne Nachtlebenmenschen,
die gehen ständig aus und sind einsam. Angst zuzulassen bedeutet
also auch, die Einsamkeit hinzunehmen, sie zu ertragen, sie als
das zu akzeptieren, was sie ist, was sie sein sollte: der Ort,
an dem wir alleine sind, von dem wir beginnen - der Ort von dem
aus alles möglich ist."
(Matthias Kalle in
"Verzichten auf", 2003, S.216) |
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MÜLLER, Hans-Peter (2003): Abkehr vom Vater Staat.
Deutschland im Reformherbst,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.
- Kommentar:
Der zynische Lifestyle-Soziologe
Hans-Peter MÜLLER
beklatscht den Sozialabbau:
"Der
Prozess der Umstellung wird mit Härten einhergehen. Vielleicht ist
diese Erfahrung aber sogar notwendig, wenn die neuen Orientierungen
sich auf ganzer Breite gegen das Credo des »Weiter so« durchsetzen
sollen".
Wenn
es irgendwo ein Credo des Weiter so gibt, dann im Bereich der
Lifestyle-Soziologie, die eine selbstgefällige Mittelschicht zum
Maßstab für eine Soziologie der Besserverdienenden gemacht hat.
Fakt
ist jedoch, dass die bevorstehende Polarisierung der Mittelschicht
die Grundlagen dieser Lifestyle-Soziologie zerstört und die
Soziologie der glänzenden Oberflächen wird sich als das erweisen,
was sie ist: eine Schönwetter-Soziologie, deren
Individualisierungsthese nicht das Papier wert ist, auf der sie
geschrieben steht.
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ECKARDT, Thomas (2003): Worte zum Sonntag.
Deutschland vergreist - da hilft nur viel Nachwuchs,
in: Süddeutsche Zeitung v. 20.10.
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GOEBEL, Annette & Esther KOGELBOOM (2003): Was es bedeutet, eine
Frau zu sein.
1973 machte der Bestseller "Angst vorm Fliegen" die Autorin Erica
Jong zur Heldin der Emanzipationsbewegung. Aber was kann ihr Werk den
Frauen von heute noch geben? Zwei haben's gelesen: eine 44- und eine
28-Jährige,
in: Tagesspiegel v. 20.10.
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INACKER, Michael (2003): Der christliche Kitt bröckelt.
Die Reformer in der Union waren meist Protestanten. Auch heute
kommt der Widerstand gegen Angela Merkel meist von Katholiken,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.
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GERMIS, Carsten & Rainer HANK (2003): "50 % der Rente müssen wir
privat absichern".
Alexander Dibelius, Deutschland-Chef von Goldman Sachs, über
Schröders Reformen, soziale Gerechtigkeit und die Neue Aufklärung,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 19.10.
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KNIPPHALS, Dirk (2003): Einer, der auszog, den Ekel zu lernen.
Das Märchen von Onkel Heinz,
dem Kunstreligiösen: Fantasien über den Typus des ewigen
Kopfschüttlers, nebst einigen kopfnickenden Ausflügen ins Nachdenken
über diese unsere Medienwelt und Populärkultur - von Dieter B. bis hin
zu Adorno,
in: TAZ v. 18.10.
- Kommentar:
"Getrieben
von Moritz Baßlers Ausführungen zu Popliteratur und Popfeuilleton,
ließ sich
Jessen zudem zum
Ruf hinreißen, er empfinde »Ekel, Hass und Verachtung« gegenüber der
gegenwärtigen Gesellschaft. Wortwörtlich: »Ekel, Hass und
Verachtung»",
hebt KNIPPHALS am 22.09. in der TAZ
hervor. Nun erzählt KNIPPHALS das Märchen vom angeblich vorbildlosen
Onkel Heinz:
"So
schaltet sich Onkel Heinz angewidert durchs Fernsehprogramm und
sieht dabei seltsam aus: Die Fernbedienung hält er nach vorn
Richtung Glotze, der Zeigefinger bleibt auf den Programmknöpfen
liegen, den Rücken drückt er vom Fernseher weg tief in die Sessel
hinein. Natürlich könnte er auch ein gutes Buch lesen. Aber das ist
das Seltsame an Onkel Heinz: Er kann es nicht lassen - auch wenn er
bald nur noch Hass, Verachtung und Ekel spürt. Jawohl, Hass,
Verachtung und Ekel gegenüber diesem ganzen Schund. Ist die Welt
denn total verblödet? Das kann doch alles nicht wahr sein!"
Bei
der Verteidigung des Pop spielt auch ein Interview von
Peter FUCHS im Rolling
Stone eine Rolle.
Fragt
sich nur, ob es heutzutage noch reicht, dass ein selbsternannter
Spießer den Pop gegen seine neobildungsbürgerlichen Verächter
verteidigt, gleichzeitig jedoch Loblieder auf den Sozialabbau singt
(das war jetzt etwas provokant dahin geschrieben!!!),
nur um sich distinktionstheoretisch gegen ein
paar gehasste FAZ-Journalisten abgrenzen zu können.
Jenseits
dieser selbstreferentiellen Mitte existieren jedoch Milieus ohne
Stimme, in denen die Wut wächst...
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FUHR, Eckhard (2003): Deutsche Wunder,
in: Welt v. 18.10.
- Kommentar:
Damit sich bei den Eliten nichts ändern muss,
darf Deutschland kein Vorbild sein, sondern muss am Abgrund stehen.
Umso mehr, desto schneller die Sozialreformen durch die Parlamente
gejagt werden. Positivmeldungen wie jene über Deutschland als
Exportweltmeister sind deshalb nicht willkommen...
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- DOEMENS, Karl (2003): Pillenknick
gefährdet Versorgung der Babyboomer.
Die langfristigen Probleme der Rentenversicherung bleiben - und
damit die Frage nach der Lebensarbeitszeit,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.10.
- Kommentar:
Die FR betreibt sozialpolitische Demagogie.
Bis
ins Jahr 1910 muss man zurück, um eine Alterspyramide zu finden, die
dem entspricht, was Bevölkerungspolitiker als Ideal betrachten. Zwei
Weltkriege haben jedoch die Altersstruktur deformiert und das
schnelle Bevölkerungswachstum in der Nachkriegszeit ist genauso
wenig zu verkraften gewesen, wie der nachfolgende rapide
Geburtenrückgang innerhalb der 68er-Generation.
Die
Nach-68er-Generationen sollen nun die Zeche für das Versagen der
vorangegangenen Generationen zahlen, so sieht es die gegenwärtige
Politik vor.
1973
schreibt der spätere Direktor des Instituts für
Bevölkerungsforschung, dass weder ein Geburtenrückgang noch das
Bevölkerungswachstum an sich positiv oder negativ bewertet werden
können. Beides muss im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext
betrachtet werden:
"Keine
Bevölkerung kann ewig wachsen, weil der menschliche Lebensraum
begrenzt ist. Wir sollten uns daher davor hüten, den
Geburtenrückgang als ein »Unglück« anzusehen. Die Bundesrepublik
gehört schon heute zu den am dichtesten besiedelten Ländern der
Erde. Viele Probleme würden sich daher leichter lösen lassen, wenn
die Bevölkerung des Bundesgebietes nicht weiter wächst. Viele Kinder
zu haben ist wohl kaum ein Wert an sich. Von daher läßt sich also
ein weiteres Wachsen der Bevölkerung schwerlich rechtfertigen. Wir
haben vielmehr, wie das im Grunde immer schon war, die
Bevölkerungsentwicklung in Einklang zu bringen mit unseren
begrenzten lebensräumlichen Ressourcen. ("Entwicklung und Ursachen
des Geburtenrückgangs", S.34)
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OSWALD, Georg M. (2003): Was ist schon Kunst?
Der Schriftsteller und Rechtsanwalt Georg M. Oswald über das
Besorgnis erregende Literaturverständnis deutscher Gerichte,
in: Welt v. 18.10.
- Inhalt:
Georg M. OSWALD
über Vor- und Nachteil der Zensur:
"Es
gibt deshalb die gelegentlich an literarischen Stammtischen
geäußerte Ansicht, nur unter der Knute der Zensur könne große
Literatur entstehen. So abstrus diese Auffassung ist, sie ahnt
zumindest, dass in unfreien Zeiten von der Literatur mehr erwartet
wird als in freien. Wenn ästhetisch wie politisch alles erlaubt ist,
ist alles egal, also nicht der Rede wert. Selbst, wer - ein kleiner
Marylin Manson der Literatur - seine Schockeffekte so gekonnt setzt
wie Michel Houellebecq, ist nach ein paar
Jahren schon fast wieder vergessen. Hat sich Antje Vollmer
eigentlich je über ihn geäußert?
Umso erstaunlicher ist, dass in dieser Situation der Kunstmüdigkeit,
ja Kunsterschöpfung plötzlich die Gerichte ins Spiel kommen, deren
historische Rolle als Kunst- und Literaturverbieter man nur noch
undeutlich in Erinnerung hat."
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FÜLBERTH, Georg (2003): Systemwechsel? Andere Republik?
Wer wen? Man kann es noch viel toller treiben als Clement und
Schröder,
in: Freitag Nr.43 v. 17.10.
- Kommentar:
FÜLBERTH hält das Politikspektakel um eine
Sozialabbau-Kanzlermehrheit für Volksverdummung:
"Wird
Kanzler Schröder für seine Sozialstaats-Veränderung eine eigene
Mehrheit im Bundestag bekommen, wird er auf die CDU/CSU angewiesen
sein oder wird er gar stürzen?
Wolfgang Storz hat in der Frankfurter Rundschau richtig
darauf hingewiesen, dass die Frage selbst schon ein
Verdummungsprodukt ist. Sie lenkt nämlich von der Tatsache ab, dass
auf jeden Fall in den gegenwärtigen parlamentarischen Prozeduren
eine Stutzung des Sozialstaates herauskommt, bei der die Reichen
ungeschoren bleiben, die Armen ärmer werden und Privatunternehmen -
nämlich die als Versicherungen auftretenden Finanzdienstleister -
ihren Schnitt machen."
Die
Generation Golf hofft auf den Markt und die eigene Schlauheit,
FÜLBERTH dagegen sieht sie als Pseudo-Gewinner:
"Der
teils schon vernehmliche, teils noch zu erwartende Protest ist
aussitzbar, denn die neue Lösung wird nicht nur Verlierer bringen,
sondern auch tatsächliche und scheinbare Gewinner. Im oberen und
meinungsbildenden Drittel kann sich ein positiver Saldo durch
Senkung der Sozialabgaben und Steuern einstellen. Es gibt auch
Pseudo-Gewinner. Das sind diejenigen - vor allem Jüngere -, die
solche Wohltaten für sich selbst erhoffen, aber später merken
werden, dass sie die Gelackmeierten sind. Zur Zeit wissen sie das
noch nicht."
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MORSHÄUSER, Bodo (2003): Wir sahen unschlagbar gut aus.
Der "Dschungel" war der berühmteste Club des alten Westberlin.
Jetzt erzählt eine Ausstellung seine Geschichte. Eine Erinnerung,
in: Tagesspiegel v. 17.10.
- Inhalt:
Bodo MORSHÄUSER ("Berliner
Simulation") räumt mit einer 68er-Legende auf:
"In
den Dschungel ging der angebliche
NST, der Neue Sozialisations-Typ. Dieses bezaubernde Etikett
haben 68er unsereinem aufgeklebt, um das narzisstische Element, das
uns angeblich von ihnen unterscheidet, zu benennen. Es darf gelacht
werden. Die Generation, die in den Dschungel ging, die um 1950
Geborenen, war die erste deutsche Nachkriegsgeneration, der der
Weltkrieg nicht im Gesicht geschrieben stand.
Die Generation Dschungel (das sind die Leute zwischen den 68ern und
78ern) war genauso wie alle anderen Jugendlichengenerationen vor
ihr: jung, laut und unverschämt, ausgestattet mit dem sicheren
Instinkt, dass sie jetzt dran ist. Sie überschätzte sich maßlos,
hatte aber den unschlagbaren Vorteil, gut auszusehen, jedenfalls
besser als die anderen. Die Generation Dschungel war auch nicht
kleinlich in ihren Irrtümern: All die Verkrampfungen aus der Angst
heraus, eventuell spießig zu wirken; der Dogmatismus; das
begleitende Lächeln zum grassierenden RAF-Terrorismus; diese ganze
Schlaumeierei, mit der allerdings jede Jugendlichengeneration, nicht
unbedingt zu ihrem Vorteil, geschlagen ist."
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KRAUTER, Ralf & Andreas SENTKER (2003): "Elitenförderung:
Chancengleichheit - Die große Illusion?".
Zeitforum der Wissenschaft. Transkript der Veranstaltung am 6.
Oktober 2003 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der
Wissenschaften,
in: Die ZEIT Nr.43 v. 16.10.
- Inhalt:
Der Soziologe Michael HARTMANN, der mit
"Der Mythos der Leistungselite"
das wichtigste aktuelle Buch zum Thema Elite verfasst hat, wehrt
sich gegen eine allzu beliebige Definition von Elite:
"Ich
würde als Elite die Gruppen in der Gesellschaft definieren, die
wirklich in der Lage sind, auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen
Einfluss zu nehmen, die entscheidende Positionen in der Wirtschaft,
in der Politik, in der Verwaltung, in der Wissenschaft einnehmen.
Aber es wäre kein Boris Becker dabei geschweige denn Verona
Feldbusch. Solche Sport- und Showstars werden ja oft auch als Elite
tituliert."
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Maxim Billers
Roman "Esra" weiterhin verboten
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KNIPPHALS, Dirk (2003): Literatur ohne Liebe.
Maxim Biller verboten,
in: TAZ v. 16.10.
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BAX, Daniel (2003): Die Heimtücke im Detail.
Nichts Neues in München: Maxim Billers Roman "Esra" bleibt
verboten. Und die Branche rätselt über die Konsequenzen. Denn
inzwischen hat das Verbot über den Einzelfall hinaus Bedeutung
erlangt,
in: TAZ v. 16.10.
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ENCKE, Julia (2003): Zu nah am Leben.
Immer öfter werden Bücher wegen der Verletzung von
Persönlichkeitsrechten verboten,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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MANGOLD, Ijoma (2003): Aufsehen erregen.
Verleger im Zwiespalt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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MANGOLD, Ijoma (2003): "Romane erzählen erfundene Geschichten".
Der Verleger Helge Malchow sieht durch das "Esra"-Ureil seine
Arbeit gefährdet,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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MANGOLD, Ijoma (2003): "In das lebende Fleisch schneiden".
Der Anwalt Wolfgang von Nostitz wirft Maxim Biller die
Verletzung von Menschenrechten vor,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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ZIELCKE, Andreas (2003): Der öffentliche Akt.
Was das Verbot von Maxim Billers "Esra" verrät,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.10.
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FACTS-Titelgeschichte: Sehnsucht
Zeit.
Ausstieg aus der
Nonstop-Gesellschaft
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RIEDI, Stephanie (2003): Die Zeit-Bombe.
Die Nonstop-Gesellschaft stösst an ihre Grenzen: Gegen den immer
höheren Zeitdruck in Beruf und Freizeit setzt eine wachsende Gruppe
von Dauer-Gestressten auf Entschleunigung,
in: Facts Nr.42 v. 16.10.
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BESIER, Gerhard (2003): Ein Informant für den mündigen Bürger.
Zum Tod von Erwin K. Scheuch (1928 - 2003),
in: Welt v. 14.10.
- LEPENIES, Wolf (2003): Entrüstung und
Empirie.
Zum Tod des Kölner Soziologen Erwin K. Scheuch,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.10.
- Inhalt:
LEPENIES hebt u.a. die soziologischen
Schulenbildung hervor:
"In
Köln war 1919 durch den Oberbürgermeister Konrad Adenauer das erste
deutsche Forschungsinstitut für Sozialwissenschaften gegründet
worden. Ihm gab nach dem Zweiten Weltkrieg der Emigrant René König
entscheidende Impulse. Mit König war Erwin K. Scheuch, der wohl oder
übel die Rolle des Kronprinzen spielen musste, maßgeblich an der
Entwicklung der »Kölner Schule« beteiligt. Zur
»Frankfurter Schule« bestand nicht nur eine Regionalkonkurrenz:
König und Scheuch, die sich in ihrer Lust an Polemik nicht
nachstanden, erzogen ihre Schüler bewusst zu nüchterner Empirie. Auf
der soziologischen Landkarte blieb Frankfurt für sie eine Hochburg
der Spekulation.
"
- LEPSIUS, M. Rainer (2003): Ein
unermüdlicher Soziologe und Journalist.
Zum Tode von Erwin K. Scheuch,
in: Tagesspiegel v. 15.10.
- Inhalt:
Der ermeritierte Heidelberger Soziologe
LEPSIUS hebt die Bedeutung von SCHEUCH für die empirische
Sozialforschung in Deutschland hervor:
"Für
die Soziologie war er der wichtigste Promotor der Methoden der
empirischen Sozialforschung. Er gehörte auch zu den Gründern der
Infrastruktureinrichtungen der empirischen Sozialforschung, des
Zentralarchivs für Umfragedaten in Köln, des Zentrums für Umfragen,
Methoden und Analysen in Mannheim und des Informationszentrums für
Sozialwissenschaften in Bonn. Diese Einrichtungen haben das
methodische Niveau der Sozialforschung nachhaltig gehoben und Erwin
K. Scheuch einen Ehrenplatz gesichert als unermüdlichen Motor der
Soziologie."
- SCHLAK, Stephan (2003): Je älter,
desto zorniger.
Zum Tod des Soziologen Erwin K. Scheuch, des Kämpfers gegen den
Klüngel,
in: Berliner Zeitung v. 15.10.
- Inhalt:
Stephan SCHLAK beschreibt SCHEUCH als einen
Angehörigen der Flakhelfer-Generation, der sich im Alter des Gestus
der ehemaligen Gegenspieler bedient hat:
"Scheuch,
1928 geboren, zählt zu jener Bonner Gründergeneration, die sein
konservativer Kollege Helmut Schelsky als "skeptische Generation"
beschrieben hat. Scheuchs erste Aufstiegsschritte vom Flakhelfer
über den Schwarzhändler verbinden ihn mit seinen Generationsgenossen
Enzensberger und Kohl. Die Skeptiker waren gebrannte Kinder des
Krieges; von allen hochtrabenden Visionen ernüchtert, leisteten sie
in den Nachkriegsjahren Flankenschutz für den pragmatischen
Wiederaufbau der Nation. Da konnte der Streit mit der nachwachsenden
Studentengeneration nicht ausbleiben, die radikal noch einmal alles
ganz anders machen wollte.
Es ist eine seltsame bundesrepublikanische Pointe, dass Scheuch
zuletzt die aggressive Pose des zivilen Ungehorsams besetzte, die er
bei den 68ern immer vehement politisch bekämpfte. Erinnern einen
nicht die vielen Bürgerkonvente und politischen Protest- und Sektierergrüppchen
abseits des etablierten Parteienspektrums, denen Scheuch zuletzt
seine Stimme schenkte, an die diversen K-Grüppchen und den
Mickey-Maus-Stalinismus der Siebziger?
Wie Arnulf Baring bunkerte sich auch Erwin K. Scheuch zuletzt immer
mehr in der Polemik gegen die korrupte Republik ein."
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- LEVINE, Tom (2003): Herzog reagiert
sauer.
Sozialpolitiker Weiß moniert Schwarzmalerei,
in: Berliner Zeitung v. 14.10.
- Kommentar:
Der CDU-Politiker
Gerald Weiß
kritisierte die Datenlage der Herzog-Kommission:
"Gerald
Weiß, kritisiert insbesondere die Voraussagen, die die
Herzog-Kommission für den Fall macht, dass die jetzigen
Sozialsysteme unverändert weiter geführt würden. Bei der Berechnung
dieser so genannten Basisszenarien sei »stets die pessimistischste
Annahme zu Grunde gelegt worden, um eine besonders dramatische
Situation zu zeichnen.« Das sei kein Zufall, sagte Weiß am Montag
der Berliner Zeitung, sondern politisch gewollt, »um den Reformdruck
zu erhöhen«.
Er bezweifle den Reformbedarf im Sozialwesen nicht, so Weiß weiter.
»Aber es ist keineswegs so, dass wir am Rande des Abgrunds stehen.«
Sein Vorwurf: Die Daten seien von den Autoren der Studie bewusst »in
den Dienst bestimmter Reformkonzepte gestellt« worden."
Bereits
die Bevölkerungsvorausberechnungen, die Grundlage des Reformbedarfs
sind, hat
Detlef GÜRTLER in der
Welt vom 19.08.2003
kritisiert:
"Das
Statistische Bundesamt (...) hat zwar diverse unterschiedliche
Wanderungs- und Lebenserwartungsszenarien beschrieben, die
Geburtenrate aber konstant bei 1,4 belassen. Warum? Unter anderem um
»den Handlungsdruck auf die Politik aufrechtzuerhalten«, wie einer
der Beteiligten ebenso freimütig wie anonym zugab."
Der
Streit um die Datenlage ist zwar eröffnet, aber offenbar sind die
Mitte-Medien an keiner Debatte interessiert, sondern stützen den
Kanzler-Kurs einmütig. Große Koalition der Eliten, zu Lasten der
Nicht-Eliten...
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HUPERTZ, Heike (2003): Unordnung und frühes Leid.
American Way of Generationenkrieg: Die hochkarätige Serie "The O.C."
schildert die Angst der Jungen, so zu werden wie die Alten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.10.
-
Inhalt:
HUPERTZ lobt die
neue US-Serie "The O. C." als hervorragende Jugendserie. Der Sender
Fox, der bisher für Serien wie "Beverly Hills 90210" oder "Melrose
Place" stand, hat nun einen neuen Star:
"Wie
Jim Stark in »...denn sie wissen nicht, was sie tun« ist Ryan ein
Rebell im Wohlstandsniveau".
Den
sozialpsychologischen Hintergrund liefert HUPERTZ ebenfalls mit:
"»Teenage
angst« heißt im Amerikanischen die adoleszente Identitätskrise, die
mehr ist als die Furcht vor dem Erwachsenwerden (...). Sie kann auch
Menschen jenseits der biologsichen Pubertät packen. Diese
»Angst«, deren Ort vor allem die weiße Mittelklasse ist, ist
seit den fünfziger Jahren immer wieder Stoff für dramatisches Kino
gewesen. Es ist eine Panik, die erkennt, daß der materielle Überfluß
nur die Beschränkung der Lebensentwürfe kaschieren und verstörende
Kontingenzerfahrungen beseitigen soll."
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THOMANN, Jörg (2003): Alt mit 35!
Rundern wie Rudi Rabe: "My Life" - will unser Leben retten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.10.
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Kommentar:
Die Wirtschaft
hat die Zielgruppe der 35jährigen - völlig eigennützig - entdeckt.
Die 30-40jährige sind hierzulande die bevölkerungsstärkste Gruppe.
Nach
dem Jugendwahn kommt jetzt der Alterswahn.
Bereits
vor 20 Jahren hat die Single-Generation dieses Thema für sich
entdeckt und Matthias HORX hat aus der
Perspektive des 35jährigen den Jugendwahn aufgedeckt. Statt
"Verschwende Deine Jugend" ist jetzt Altersvorsorge angedacht...
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THOMAS, Gina (2003): Fuß in der Tür,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung 13.10.
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Kommentar:
Gina THOMAS
stellt den neuen britischen Shooting Star Monica ALI vor.
Die
35jährige Tochter einer Nordengländerin und eines Bengalen hat mit "Brick
Lane" die "Geschichte einer jungen Frau aus Bangladesh, die mit
achtzehn Jahren eine Zwangsehe eingeht und von den Reisfeldern der
Heimat in eine Betonsiedlung des Londoner East End verpflanzt wird"
ihr Romandebüt vorgelegt.
Sukhdev
SANDHU hat das Buch in der
London Review of Books ausgiebig besprochen.
Nicht
unerwähnt bleiben sollte, dass Muttersein offenbar z. Z. die beste
Voraussetzung für eine erfolgreiche Schriftstellerkarriere ist.
ALI
hat jedenfalls erst nach der Geburt ihrer Kinder mit dem Schreiben
begonnen, "um gegen den zermürbenden Alltag als Hausfrau und Mutter
anzukämpfen". Eine solche - ganz nebenbei eingestreute - Information
ist im Zeitalter des Designs von Schriftstellerimages wichtiger als
eine seitenlange Inhaltsangabe...
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REHDER, Julia (2003): Lange Nacht der Frauen.
"Sex and the City" erobert die Kinos - und das weibliche Publikum
unterhält sich während der Vorstellung laut über Männer,
in: Tagesspiegel 13.10.
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Kommentar:
Alle Versuche,
Singlefrauen für die neuen Friede-Freude-Eierkuchen-Familien- und
Babyserien zu begeistern, sind offenbar fehlgeschlagen.
"Sex and the City" hat eine
Marktlücke gefüllt, die momentan brachliegt und nun für einen
Kinoboom besonderer Art sorgt:
"Das
Gemeinschaftsgefühl, davon ist auch Christian Arbeit überzeugt, ist
es, das die Frauen ins Kino lockt. Außerdem ist der Spaß kostenlos.
Lediglich ein Verzehrgutschein von zwei Euro fünfzig muss eingelöst
werden. Chips oder Popcorn also. »Das System rechnet sich, da kein
Filmverleih mitkassiert«, erklärt Arbeit. Die Idee, die
amerikanische Serie, die hierzulande auf Pro Sieben läuft, ins
deutsche Kino zu bringen, hatte ein Theaterleiter aus Düsseldorf.
Zunächst wollte er nur das Sommerloch umschiffen, erzählt Georg
Wellis, Pressesprecher der UCI- Kinos.
Doch dann war der Erfolg so überwältigend, dass nach Düsseldorf und
Duisburg Carrie & Co nun auch in Berlin, Cottbus, Gera und Leipzig
auf die große Leinwand kommen. Voraussichtlich bis zum Ende der
fünften Staffel werden die Kolumnistin Carrie und ihre Freundinnen
vor großem Publikum ihre Suche nach der Wahrheit über Männer und dem
nächsten Paar Schuhe fortsetzen."
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MONATH, Hans (2003): "Die Union will einen anderen Sozialstaat".
Grünen-Fraktionschefin Göring-Eckardt warnt vor deren Plänen - und
nennt manche Äußerung aus der SPD grotesk,
in: Tagesspiegel 13.10.
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SIEMS, Dorothea (2003): Kinder und anderes Kapital,
in: Welt v. 13.10.
- Kommentar:
Dorothea SIEMS behauptet:
"die
Alten weisen zu Recht darauf hin, dass nicht sie es waren, die den
Generationenvertrag verletzt haben. Schließlich haben sie nicht nur
Zwangsbeiträge in die Sozialkassen eingezahlt, sondern auch genug
Kinder bekommen, um das System am Laufen zu halten. Der
Vertragsbruch geht vielmehr auf das Konto der Jüngeren, die zu einem
großen Teil auf Nachwuchs verzichten und damit das
Sozialstaatsgebäude ins Wanken bringen.
Die Konfliktlinie verläuft deshalb viel weniger zwischen Jung und
Alt, wie das Gerede vom Krieg der Generationen suggeriert, als
vielmehr zwischen Eltern und Kinderlosen. Die Sozialsysteme können
angesichts der Überalterung der Gesellschaft nicht so bleiben wie
sie sind."
Tatsache
ist, dass dies in dieser Form falsch ist!
Seit 1900 hat kaum ein Mütterjahrgang zum Bestandserhalt
beigetragen, nur die Gnade der günstigen Bevölkerungsstruktur, hat
dies bisher kaschiert! So schreibt z.B. Klaus JENTZSCH:
"Etwa
12 Mio. Heimatvertriebene und Flüchtlinge haben von 1945 bis 1961
die Flucht in den Westen angetreten. Die Bevölkerung auf dem Gebiet
der heutigen Bundsrepublik Deutschland wuchs in diesen 1 1/2
Jahrzehnten um ca. 9 Mio. an, während die Zahl der Bewohner der
heutigen DDR im gleichen Zeitraum zurückging. Die Wachstumskurve in
der Bundesrepublik Deutschland wurde begünstigt durch die
Alterstruktur derer, die von Ost nach West kamen" (aus: "Sterben wir aus?
1979, S.31.)
Ohne
Zuwanderung wäre also die Bonner Republik bevölkerungsmässig schon
lange nicht mehr gewachsen. Wenn unsere deutschen
Bevölkerungswissenschaftler in ihren Prognosen Zuwanderungen einfach
ignorieren, dann ist dies eine politische Entscheidung und keine
sachlich zu rechtfertigende Entscheidung.
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OUTLOOK INDIA - Titelgeschichte: The Pleausure Seekers
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PETERSDORFF, Winand von (2003): Zehn Tipps für den nächsten
Bestseller - eine Anleitung zum Erfolg,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
- Kommentar:
Neben Frauenbüchern (Marke Hera LIND, Amelie
FRIED und Ildikó von KÜRTHY) nimmt PETERSDORFF die Männerbestseller
in Augenschein:
"Wo
ist das Buch für den Mann, der alle Grishams und Mankells gelesen
hat? In Frank Goosens Buch »Liegen lernen« oder
Nick Hornbys »High fidelity« dürfte sich viele Männer mittleren
Alters zwar wiedererkennen. Doch sind die Helden in diesen beiden
Werken emotional verkrüppelte Verlierertypen", kritisiert
PETERSDORFF und beklagt das Fehlen von "Literatur mit männlichen
Siegertypen".
Da
kann es ja nicht mehr lange dauern und statt Biografien von Dieter
BOHLEN und Michael SCHUMACHER, gibt es dann Romane mit BOHLEN- und
SCHUMACHER-Klonen. Verbunden mit Forderung Sechs, der den
authentischen Autor einfordert, bedeutet dies, dass BOHLEN und
SCHUMACHER demnächst selber Romanautoren werden.
Wolfgang JOOP hat das bereits vorexerziert ...
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FAS (2003): Einstweilige Verwüstung.
Wer gegen neue Bücher klagt, darf die alten nicht schonen: Muß
Thomas Mann verboten werden?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
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ANK (2003): Ein Retter für Deutschland,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
- Kommentar:
ANK preist das Buch "Ist Deutschland noch zu retten"
von Hans-Werner Sinn. Nur ein Streitpunkt wurde entdeckt:
"Sinns
Kinderrente
(...) wird von vielen (...)
abgelehnt; sie plädieren lieber für eine radikale Umstellung der
Vorsorge auf Kapitaldeckung."
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GERMIS, Carsten & Rainer HANK (2003): "Mit Samaritern ist kein Staat
zu machen".
Thüringens Regierungschef Dieter Althaus über katholische
Sozialromantik, arme Leistungsträger und das Gute an Kopfpauschalen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
- Kommentar:
"Die demographische Entwicklung, die alternde
Bevölkerung und die Globalisierung fordern ganz dringend, daß wir
unsere Sozialsysteme zukunftsfähig ausrichten", mit dieser
Leerformel, die hier Dieter ALTHAUS benutzt, versuchen neoliberale
Modernisierer ganz konkrete Sozialabbaupläne zu verbinden, die sich
aus dieser Leerformel gar nicht unausweichlich ableiten lassen. Der
Sozialwissenschaftler Christoph BUTTERWEGGE bezeichnet diese
Sachzwangargumentation deshalb richtig als sozialpolitische
Demagogie.
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SCHMID, Thomas (2003): Merkels Mobilmachung.
Unerbittlich rückt die CDU-Vorsitzende mit ihrem Erweckungsprogramm
der Union zu Leibe und lähmt ihre überrumpelten Gegner,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
- Kommentar:
Der 68er-Veteran SCHMID berichtet über den Kongress "Zukunft
Deutschland - Mut zum Aufbruch" der Christlich-Demokratischen
Arbeitnehmerschaft (CDA).
Die
Sozialausschüsse sind aus der Sicht des sozialdarwinistischen
Neobourgeois ein überflüssiges Relikt:
"Sie
waren ein hübsches Biotop, das - ein wenig abseits von den großen
Arenen bundesdeutscher Wirtschaft - der Bilderbuchvorstellung vom
rheinischen Kapitalismus ziemlich nahe kam".
Wenn
er Horst SEEHOFERs Gesellschafts- und Menschenbild beschreibt, in
dem eine "Gesellschaft der Egoisten und Ichlinge" nicht vorkommen
darf, dann wird dies als "Herz-Jesu-Rhetorik" oder als "Büttenreden
von Verlierertypen" diffamiert.
Einzig
der "Thatcherismus mit
menschlichem Antlitz" von Angela MERKEL wird gelobt:
"Ohne
sonderliche Mühe bekommt Merkel die Todsünde der Union, die
Kopfpauschale samt der Horrorzahl 264 Euro, über die Bühne. Sie
bemüht dazu - wie auf der anderen Seite Stoiber, Seehofer, Blüm und
andere auch - den allmählich legendär werdenden Hausmeister. Sie
selbst, die privat Versicherte, leiste keinen Beitrag dafür, daß
sich der Hausmeister medizinisch sicher fühlen könne; das sei falsch
und ungerecht (...). Das Publikum läßt den Taschenspielertrick (...)
fast gleichgültig über sich ergehen".
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STAUN, Harald (2003): Tue Gutes und schweige darüber.
Der junge kalifornische Bestsellerautor Dave Eggers mißtraut Ruhm
und Reichtum,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.10.
- Kommentar:
Harald STAUN stellt Dave EGGERS als Philantropen vor, dessen Bescheidenheit "keine
falsche war", der aber die
Mechanismen des Pop perfekt beherrscht.
Heinrich WEFING
hat EGGERS in der FAZ bereits gewürdigt, während
Wieland FREUND ihn
in der WELT in die Ecke der "verstorbenen literarischen Postmoderne"
gestellt hat und den neuen Roman als "laue Roadnovel, abgeschrieben
aus dem Handbuch der Beatniks" abwertet.
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MIßFELDER, Philipp (2003): Herzog darf nicht ein ähnliches Schicksal
widerfahren wie Rürup.
Wir können die sozialpolitische Kuschelwärme vergangener Jahrzehnte
nicht in unsere Zeit übertragen,
in: Welt am Sonntag v. 12.10.
- Kommentar:
Philipp Mißfelder
darf die Konzepte von Angela MERKEL und der Herzog-Kommission
abnicken, und erhält dafür die Gelegenheit sich mit dem Thema
"Generationengerechtigkeit" zu profilieren. Ein bißchen Polemik darf
da nicht fehlen; der Karriere wirds nicht schaden:
"In
CDU und CSU bedarf es für den aktuellen Diskussionsprozess einer
großen Kompromissbereitschaft in Detailfragen. Diese ist in beiden
Parteien insbesondere gefragt, um einen Interessensausgleich
zwischen Arbeitnehmern und Mittelstand, Frauen, Jungen und Alten
herzustellen. Kompromisse sind notwendig und sinnvoll, Veränderungen
an der Grundlinie der Herzog-Vorschläge - mehr Eigenverantwortung,
grundlegende Reformen und nicht zuletzt der Systemwechsel selbst -
allerdings nicht.
(...).
Wer versucht, die sozialpolitische Kuschelwärme
vergangener Jahrzehnte - verkörpert durch die schon lange nicht mehr
wahre Aussage "Die Rente ist sicher" - in die heutige Zeit zu
übertragen, hilft der aktuellen Debatte und der Definition eines
zukünftigen Generationenvertrages nicht.
Es gilt daher, auch eigene Fehlentscheidungen zurückliegender Jahre
ohne Scheu zu benennen.
Vor allem darf
der demographische Wandel nicht länger als Kampfbegriff eingesetzt,
sondern muss als unausweichliche Entwicklung diskutiert und
begleitet werden."
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MOERSCH, Karl (2003): Erst Renten, dann Rüstung.
Die Einführung der umlagefinanzierten Rente war ein Meilenstein auf
dem Weg zum Wohlfahrtsstaat unserer Tage. Was heute als letzter Schrei
gilt, das Kapitaldeckungsverfahren, war damals am Ende. Es stammte aus
der Bismarck-Zeit. Unionsparteien und Sozialdemokraten haben den
Systemwechsel gemeinsam vollzogen - was die Ausgestaltung der Renten
als "Vollrenten" betraf, gegen fachlichen Rat. Erinnerungen an eine
folgenreiche Reform,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.
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BLÜM, Norbert (2003): Alt ist nicht blöd,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.10.
- Kommentar:
BLÜM nimmt die sozialpopulistische Rhetorik
auseinander:
"Demographie
ist das Schlüsselwort, um das die sozialpolitische Debatte kreist.
Der zum Schlagwort verkommene Begriff hat drei Dimensionen:
Geburtsverhalten, Lebenserwartung sowie Zu- und Abwanderung".
BLÜM weist darauf hin, dass nicht nur der beschleunigte
Bevölkerungsrückgang, sondern auch das beschleunigte
Bevölkerungswachstum - z.B. in den 60er Jahren der Bonner Republik -
fatale Folgen für die Generationenbalance hat bzw. hatte.
BLÜM
erteilt der Anhebung der Altersgrenzen eine Absage:
"Solange
die Lebenserwartung relativ stabil war, konnte auf den
demographischen Faktor in der Rentenformel verzichtet werden.
(...).
Eine Erhöhung der Altersgrenze löst das demographische Problem nur
unvollkommen, weil asymmetrisch: Wer schon Rente erhält, wird von
der Anhebung der Altersgrenze nicht betroffen."
Der
Bevölkerungswissenschaftler Josef SCHMID hat vor kurzem die
Prognosefähigkeit seiner Disziplin hervorgehoben. BLÜM
weist dagegen nach, dass es damit nicht weit her ist. Dazu greift er
auf einen Einwand zurück, den Detlef GÜRTLER mit seinem Buch
"Vorbild Deutschland" in die sozialpolitische Debatte eingebracht
hat
(siehe dazu auch das Zitat des Monats Februar
2003 auf single-dasein.de):
"1992
wurde von angesehenen Experten, unter ihnen Meinhard Miegel, in dem
aufsehenerregenden Buch »Weil sich das Land ändern muß« für das Ende
des Jahrhunderts ein Bevölkerungsrückgang von einer Million
prognostiziert. Tatsächlich lebten im Jahr 2000 drei Millionen
Einwohner mehr in der Bundesrepublik als 1990, obwohl in derselben
Zeit 784 000 Kinder weniger geboren worden waren. Das läßt sich nur
mit Zuwanderung erklären. In zehn Jahren um vier Millionen
danebengeschossen: Dies kommt der Treffsicherheit eines alten
Vorderladers gleich und sollte die Prognostiker vom hohen Roß
holen."
Die
mangelnde Treffsicherheit hat in der Bevölkerungswissenschaft
Tradition. Dazu vermerkt Klaus JENTZSCH bereits 1979:
"Noch
1966 ging man in der Bundesrepublik Deutschland davon aus, daß im
Jahre 2000 die Bevölkerung um 14 Millionen zunehmen werde. 1972
wurde dann bereits ein Rückgang der Bevölkerung von 4,5 Millionen
vorausgesagt. Dies bedeutet, und damit will ich den Faktor
»Unsicherheit« noch verstärken, einen Unterschied von über 18
Millionen Menschen!" (aus:
Sterben wir aus?, 1979, S.9).
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IMFELD, Anna (2003): Aufstieg und Krise des deutschen Sozialsystems.
Geschichte und heutige Strukturprobleme,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.10.
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Zu den News
vom 01. - 10. Oktober 2003
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