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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 09. - 12. Oktober 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Die steigenden Single-Raten sind ein wichtiges Indiz für die fortschreitende Liebesweisheit unserer Gesellschaft, denn es handelt sich dabei vor allem um Menschen, die lieber allein bleiben als in einer Beziehung, die sie nicht erfüllt.
          
Ein Orpheus, Prototyp aller traurigen Singles, hat mir Weiberhelden vom Schlage eines Casanova oder Porfirio Rubirosa nichts gemein - Männer, die zwar keine Nacht allein verbringen, aber doch ungebunden bleiben wollen, weil sie die Einschränkung und die Verantwortung scheuen, die zur Liebe gehört. Orpheus dagegen hatte in Eurydike seine große Liebe gefunden und wieder verloren, aber dabei etwas Unschätzbares gelernt.
          
Während Männer meistens einen Rockzipfel brauchen, an dem sie sich festhalten können, weil sie sonst schnell wunderlich werden, sind wir umgeben von inspirierenden alleinstehenden Frauen, weniger vom Typ Bridget Jones als dem von George Sand, Coco Chanel oder Marion Gräfin Dönhoff. Viele von ihnen haben das Modell Ehe in seinen verschiedenen Ausprägungen erlebt und verworfen - oder konnten sich von vornherein nicht dafür erwärmen.   
(Felicitas von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 18.09.2005)

 
 
 
 
 
  • HARTMANN, Andreas (2005): Die besseren Menschen.
    »Die Reise der Pinguine« ist mehr als nur ein Tierfilm. Vor allem für konservative Christen ist er eine Parabel auf Monogamie und ein Beweis für die Schöpfung Gottes,
    in: Jungle World Nr.41 v. 12.10.
    • Inhalt:
      Andreas HARTMANN fragt sich, was der Tierfilm "Die Reise der Pinguine" mit uns Menschen zu tun haben soll:

                
      "Es sind im übrigen nicht nur die Kreationisten, die in dem Film etwas entdeckt haben wollen, das für ihre Theorien spricht. Kirchenvertreter mögen außerdem die Monogamie der Königspinguine, während wiederum einige Feministinnen in der Tatsache, dass die Pinguin-Papas die Eier ausbrüten, indes die Mamas schwimmen gehen, ein Vorbild für alleinerziehende Eltern erkannt haben wollen. Andere wiederum werfen dem Film vor, er unterschlage, dass in Zoos bereits homosexuelles Verhalten unter Pinguinen entdeckt worden sei und dass Pinguine überhaupt gelegentlich zur Promiskuität neigten.
      All das, dachte man einmal, müsse uns Menschen gar nicht kümmern. Die Tiere organisieren ihre Leben, wir unsere. So weit waren wir eigentlich schon. Sollen wir nun wieder ernsthaft von Tieren lernen? Gar von Pinguinen? Nur, wenn sie irgendwann wirklich auf ihren ewig gleichen Reproduktionsstumpfsinn verzichten
      ".
                
      Es gibt außerdem noch ein Gespräch mit dem Welt-Kolumnist Michael MIERSCH zum Film.
 
 
 
  • SIGUSCH, Volkmar (2005): Gibt es Asexuelle?
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.
    • Inhalt:
      In seiner wöchentlichen Kolumne geht der Frankfurter Sexualwissenschaftler SIGUSCH diesmal dem Medienhype um die Asexuellen nach:

                
      "Irritierend ist, dass das sexuelle Zeitalter so fest auch in klugen Köpfen installiert zu sein scheint, dass die Logik außer Betrieb gesetzt wird. Denn sachlogisch muss es Asexuelle geben, wenn es Sexuelle gibt. Es darf vermutet werden, dass es Asexuelle schon seit Jahrhunderten gibt. Wenn das stimmt, verwundert die jetzige Erregung umso mehr. Liegt sie vielleicht daran, dass sich das sexuelle Zeitalter unaufhaltsam seinem Ende zuneigt wie das soziale Zeitalter auch?"
 
 
 
  • BARTELS, Gerrit (2005): Der Tatort muss besser werden!
    Die Wunder der Demokratie und die Verantwortung der Literatur: eine Diskussion im Roten Rathaus in Berlin,
    in: TAZ v. 12.10.
    • Kommentar:
      Der Politikwissenschaftler Herfried MÜNKLER, die Schriftstellerin
      Sibylle Lewitscharoff  und die 78er-Generation in Person von Matthias POLITYCKI schwadronierten über Politik und Literatur.
                
      Letzterer entwickelte sich innerhalb eines Jahrzehnts vom Frauenversteher zum Türsteher.
                
      Er wacht nun darüber, wer Einlass in die Neue relevante Mitte des Realismus erhält. Bislang drängt sich so recht keiner vor.
                
      Um seinen Roman Herr der Hörner zu vermarkten, hat er sich ein Erweckungserlebnis zugelegt. Heute tritt man nicht mehr in eine K-Gruppe ein, sondern reist nach Kuba. Dort kann man sich noch als Schlappschwanzeuropäer erleben.
                
      H. M. ENZENSBERGER hat sich dort von seiner 68er-Sentimentalität befreit. Was für einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation gut war, das kann einem sentimentalen 78er gerade recht sein.
                
      Es gab eine Zeit, da haben Manager sich als Bettler verkleidet, um sich für den marktkonformen Existenzkampf vorzubereiten.
                
      Heute reisen Literaten nach Kuba um ihre Weichereier-Existenz loszuwerden, denn im demografischen Zeitalter zählt nur Virilität. Zurück in Deutschland, fühlen sie sich dann wie die ersten weißen Missionare in Schwarzafrika...  
 
  • MONATH, Hans (2005): Bildung und Familie.
    Der Preis der Geschenke,
    in: Tagesspiegel v. 12.10.
    • Inhalt:
      MONATH klagt darüber, dass die SPD die Ministerien Bildung und Familie der CDU überlässt:

                
      "Ausgerechnet die Ressorts für Familie und für Bildung und Forschung gibt die SPD an die Union ab. Dabei bewältigen diese Ministerien wie keine anderen im Kabinett nicht nur die Probleme der Gegenwart, sondern gestalten eine positivere Zukunft. Demografie ist in der Politik ein leidiges Thema. Wer dagegen über gerechte Bildungschancen, Ganztagsschulen, die Wissensgesellschaft oder über all die großen Gefühle redet, die Kinder in erwachsenen Menschen auslösen können, besetzt im Kabinett keine Macht-, ganz sicher aber mächtige Definitionszentren.
 
 
  • MÜLLER, Andrea B. (2005): Was einem blüht, wenn man 30 und noch ledig ist.
    Das Repertoire an Überraschungen für ledige 30-Jährige erschöpft sich in Celle anscheinend nicht im Klinkenputzen und Treppenfegen,
    in: Cellesche Zeitung v. 11.10.
    • Inhalt:
      Die Volkskundlerin Kirstin EHLERT hat ihre Magisterarbeit über Bräuche zum 30. Geburtstag geschrieben:

                
      "Die Feger oder Klinkenputzerinnen sind (...) meist gar keine Singles, sondern oft schon über Jahre fest liiert, nur den Schritt vor den Traualtar haben sie bisher noch nicht gewagt. »Das Interessante daran ist, dass der Brauch eigentlich so etwas wie ein Partnerschaftsritual ist. Der Partner spielt bei dem ganzen Geschehen eine zentrale Rolle und ist stark in den Ablauf eingebunden«, erläutert Ehlert ihre Beobachtungen.
                
      Auch bei ihren Forschungen zur Entstehung der Tradition, machte Ehlert bemerkenswerte Entdeckungen: den Brauch gibt es erst seit rund 50 Jahren. Geboren wurde er in Bremen und kam erst in den 80er Jahren nach Celle. Mittlerweile ist er in den Osten Deutschlands hinüber gewandert und erfreut sich dort zunehmender Beliebtheit.
      Celle ist eine Hochburg der emsigen Feger und Klinkenputzerinnen
      ".

                
      Die Studie ist nun unter dem Titel Dreißig – ledig – lustig? Moderne Bräuche am 30. Geburtstag im Göttinger Schmerse Verlag erschienen.
 
  • EMMERICH, Marlies (2005): Ohne Hartz IV ginge in jedem sechsten Haushalt das Licht aus.
    Manche Paare trennen sich pro forma, um mehr Geld zu kassieren,
    in: Berliner Zeitung v. 11.10.
  • RICHTER, Christine (2005): Die wundersame Zellteilung,
    in: Berliner Zeitung v. 11.10.
    • Kommentar:
      Im Jahr 1980 schrieb Joseph HUBER in dem Buch Wer soll das alles ändern? darüber, dass ein neues Familiensystem unumgänglich ist, denn die Single-Gesellschaft führt in den Sozialpolizeistaat.

                
      Die Hartz-Reformen könnten einen Schritt in diese Richtung bedeuten:
                
      "Das Auseinanderziehen, das Ummelden in eine eigene Wohnung, auch wenn man ein Paar bleibt, ist angesichts der Lage des Sozialstaates moralisch verwerflich, rechtlich aber zulässig. Daran ändern kann man im Moment nicht viel, aber auf jeden Fall sollten die neuen Singles, die sich bei den Arbeitsagenturen melden, genau und über einen längeren Zeitraum kontrolliert werden. Denn einige nutzen, wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat, die Wohnung nur für kurze Zeit nur zum Schein oder schlimmer noch, vermieten sie unter und betrügen den Sozialstaat damit nun wirklich. Und das kann Berlin weder dulden noch sich leisten.", empört sich RICHTER in ihrem Kommentar über die Zunahme der Single-Haushalte.
 
  • STÜRMER, Michael (2005): Wer sind wir?
    in: DeutschlandRadio v. 11.10.
    • Kommentar:
      Der Historiker Michael STÜRMER, ein Angehöriger der deutschen Jammer-Elite, schreibt:

                
      "Es gibt quer durch die Jahrhunderte kein schärferes Zeichen kollektiver Depression als den Niedergang von Heiraten und Geburten."
                
      Wir behaupten, dass diese Depression ein Zerrbild ist. Unsere Bevölkerungsstatistik ist gar nicht in der Lage das Ausmaß der lebenslangen Kinderlosigkeit korrekt abzubilden, denn sie ist normativ und nicht wertneutral.
                
      Es gibt in Deutschland ein nationalkonservatives Deutungsmonopol. Wo ist unsere angeblich globale Klasse?
                
      Warum muss z.B. die TAZ-Journalistin Ulrike WINKELMANN einen Aufsatz über die zu hoch angegebene Kinderlosigkeit von Akademikerinnen in der Zeitschrift Feministische Studien veröffentlichen, der bis heute nicht in den sich liberal gebenden Medien ausreichend gewürdigt wurde?
                
      Es erstaunt uns sehr, dass bis heute weitgehend unwidersprochen Zahlen in Umlauf gebracht werden dürfen, die offensichtlich völlig überhöht sind.
                
      Von Herwig BIRG bis Susanne GASCHKE predigen uns die nationalkonservativen Seilschaften, dass es in Deutschland zu wenig Kinder gibt. Den Beleg bleiben sie uns jedoch schuldig, wenn man nicht gerade Anhänger dieser neuen politischen Religion ist.
                
      Sie können das nur, weil unsere angeblich globale Klasse sie gewähren lässt! Deutschland sei liberal, heißt es. Dies gilt nicht für das Gebiet des demografischen Wandels.
                
      Während internationale Demografen längst die zu niedrig ausgegebenen Geburtenraten in Deutschland diskutieren, herrscht in Deutschlands Öffentlichkeit Schweigen im Walde. Wer ist politisch unkorrekt genug, dieses Tabu zu brechen?
                
      Es gibt hierzulande ein Schweigekartell. Auf Single-dasein.de wird dies dokumentiert. Es wird sich also nachweisen lassen, wer diejenigen gewesen sind, die zu feige waren, die Lage richtig darzustellen. Dies wird die Wissenschaft in Misskredit bringen. Nicht Kinderlose haben zu wenig Mut, es sind unsere feigen Eliten!
                
      Es sollte also im Interesse der Wissenschaft sein, endlich Stellung zu nehmen zu dieser unerträglichen Situation.             
 
  • WINKELMANN, Ulrike (2005): "Die SPD-Länderchefs werden dem Berliner Kurs entgegenarbeiten".
    Flügelkämpfe stehen der SPD bevor, wenn die Parteilinke mit der Linkspartei konkurriert und die Länderchefs Wahlschlappen verhindern wollen, meint Soziologe Michael Vester,
    in: TAZ v. 11.10.
    • Inhalt:
      Der Sozialstrukturforscher Michael VESTER äußert sich u.a. zur Neuen Mitte:

                
      "Sie haben kürzlich der SPD-Fraktion das Wahlergebnis erklärt: Die Idee der "neuen Mitte" sei unzutreffend, die Milieubindung existiere fort. Wird die Fraktion daraus lernen?
                
      Ich glaube, die Fraktion hat erkannt, dass die »neue Mitte« ein »neues Oben« ist. Aber die Fraktion wird jetzt erst einmal so lange still halten, bis sämtliche Posten bis hin zu allen Vizes vergeben sind. Die Frage ist nur, wie der linke Flügel, der ja zumindest zahlenmäßig der stärkere ist, unter Kontrolle gehalten werden soll, wenn die Integrationsfiguren Gerhard Schröder und Wolfgang Thierse ausfallen."
 
  • Kongress zur Pop-Literatur der 60er Jahre

    • VÖLZKE, Daniel (2005): Liebe zur Liste.
      Was ist Pop-Literatur? Ein Kongress in Berlin,
      in: Tagesspiegel v. 11.10.
      • Inhalt:
        Moritz BAßLER und Diedrich DIEDERICHSEN haben über die Archivare der Pop-Literatur referiert.
                  
        Letzterer sieht in der Liste die Gemeinsamkeit der alten und neuen Pop-Literaten:
                  
        "Als bindendes Element zwischen Pop- Literaturen gleich welcher Epoche macht Diedrich Diederichsen die Liebe zur Liste aus. Doch während Hubert Fichte oder Brinkmann in ihren Listen vor allem lokale Begebenheiten verhandeln, beinhalten die Tabellen neuerer Pop-Literatur Namen und Phänomene, die für globale communities verständlich sind. Deren Kataloge seien Distinktionsversuche, um sich aus einem nuancenreichen, aber geschichtslosen Leben eine Geschichte zu konstruieren. Den Vorgängern hingegen wäre es eher um das Zeigen von Welt überhaupt gegangen."
    • PREISSLER, Brigitte (2005): Pop und Positivismus.
      Eine Tagung in der Villa Oppenheim über die Popliteratur der 60er-Jahre,
      in: Berliner Zeitung v. 11.10.
 
  • STROHMAIER, Brenda (2005): Schluss mit lustig: Berlins Singlekultur bekommt Gegenwind.
    Staatssekretärin beobachtet wachsende Kritik an Kinderlosen,
    in: Berliner Zeitung v. 10.10.
    • Kommentar:
      STROHMAIER berichtet über die Berliner Verhältnisse.

                
      Die statistischen Zahlen, die über das Single-Dasein Auskunft geben sollen, sind  dürftig. Das liegt in erster Linie daran, dass die Erfassung schon längst nicht mehr zeitgemäß ist.
                
      Zahlen über Einpersonenhaushalte, so genannte Single-Haushalte, sind hinsichtlich Kinderlosigkeit oder Partnerlosigkeit nur sehr beschränkt aussagekräftig.
                
      Von den 25-45Jährigen Berlinern leben nach den Angaben der Berliner Zeitung ca. 25 % der Frauen, aber ca. 40 % der Männer allein.
                
      Da das Durchschnittsalter bei der Geburt eines Kindes inzwischen bei fast 30 Jahren liegt und bei Akademikerinnen noch weit höher, handelt es sich bei diesen allein wohnenden Frauen also keineswegs überwiegend um lebenslang kinderlose Frauen, sondern um noch kinderlose Frauen.
                
      Um die Kinderlosigkeit allein lebender Frauen besser abschätzen zu können, müssten die Zahlen der 35-45Jährigen vorliegen, denn dies ist jene Altersspanne, die für Karrierefrauen  relevant ist. Diese Zahlen dürften weit unter 25 % liegen.
                
      Das Institut für Bevölkerungsforschung hat mittlerweile seine Erhebungsmethoden geändert, weil der Soziologe Christian SCHMITT nachweisen konnte, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass ältere Akademikerinnen keinen relevanten Beitrag zur Geburtenrate leisten.
                
      "Fakt ist ein überdurchschnittlicher Nachwuchsmangel in Berlin - trotz guter Kinderbetreuung: Während im Bundesschnitt die Geburtenrate bei 1,4 Kindern pro Frau liegt, beträgt sie in Berlin 1,2 - auch wenn die vielen Kinderwagen in Prenzlauer Berg einen anderen Eindruck erwecken. Fakt ist auch, dass in Berlin deutlich mehr Frauen zwischen 25 und 45 allein leben als im restlichen Bundesgebiet, darunter wohl überdurchschnittlich viele Akademikerinnen", schreibt STROHMAIER.
                
      In Großstädten leben generell - also nicht nur in Berlin - wesentlich mehr Menschen allein. Dies ist keineswegs außergewöhnlich. Auch die Geburtenrate liegt in allen Großstädten niedriger als im Bundesdurchschnitt.
                
      In kleineren Universitätsstädten wie Tübingen oder Heidelberg liegt die Geburtenrate sogar unter 1,0.
      Alarmismus ist hier also nicht angebracht.

                
      Die ZEIT-Redakteurin Susanne GASCHKE schreckt derzeit mit ihrem neuen Buch "Die Emanzipationsfalle" auf, das den Untertitel  "Erfolgreich, einsam, kinderlos" trägt.
                
      GASCHKE liebt es gerne besonders schrill. Dies mag zwar der Ökonomie der Aufmerksamkeit entgegen kommen, aber mit den bundesdeutschen Realitäten hat das dann wenig zu tun.
                
      Im Jahr 2003 fragte GASCHKE bereits "Wo sind die Kinder?". Sie warf ihrer Generation Gebärfaulheit vor. Heute steht fest, dass der Jahrgang 1965 keineswegs zu 1/3 kinderlos geblieben ist. GASCHKE und mit ihr die deutschen Demografen haben die Rechnung nämlich ohne die Spätgebärenden gemacht.
                
      Nie zuvor gab es in Deutschland so viele gut gebildete Frauen wie heutzutage, aber bereits vor der Bildungsexpansion bekamen Akademikerinnen in der Regel weniger Kinder als andere Milieus.
                
      Dies gab bereits in den 1920er und 1930er Jahre zur Sorge Anlass. Wilhelm HARTNACKE veröffentlichte z.B. im Jahr 1936 das Buch "Die Ungeborenen". Darin behauptet er, dass aufgrund der ausgefallenen Generation im Deutschland der 1960er unmöglich mit einem Babyboom zu rechnen sei:
                
      "Daß wir in den 50er/60er Jahren mit hohen Geburtenraten nicht rechnen können, zeigt ein Blick auf die schwachen Elternjahrgänge von 1915 bis heute.
      Der jahrelange Geburtenunterschuß muß zu einem erschütternden Schwund am Gesamtbestande des deutschen Volkes führen", erklärte HARTNACKE.

                
      Bereits damals galt Berlin als besonders problematisch. 1939 erschien von HARTNACKE das Buch "15 Millionen Begabtenausfall". Hat sich also gar nichts geändert? Man könnte es fast meinen.
                
      GASCHKE versucht Singlefrauen zu verängstigen. Dies versuchte man bereits im Amerika der 80er Jahre vergebens.
                
      Weder die Bevölkerungsstatistik noch die Sozialforschung geben genaue Auskunft über die Lebensverhältnisse von allein lebenden Frauen.
                
      Befragungen haben in der Vergangenheit jedoch immer wieder ergeben, dass Frauen mit dem Alleinleben zufriedener sind als Männer:
                
      "Doch sind die vielen allein lebenden Frauen im besten Mutteralter nun auch besonders einsam wie Gaschke behauptet, weil sie vergeblich den perfekten Mann suchen? Der Soziologe Bernd Kittlaus, der die Webseite single-generation.de betreibt, widerspricht: Ledigsein sei weder mit Partnerlosigkeit noch mit Unglücklichsein identisch. Wer wie Gaschke ein überholtes Paarmodell glorifiziere, vertrete veraltete Wertmaßstäbe, die modernen Beziehungen nicht gerecht würden", zitiert mich STROHMAIER.
                
      Das Alleinleben ist in der Regel eine Lebensphase und keine alternative Lebensform. Erst seit den 90er Jahren werden haushaltsübergreifende Paarformen überhaupt mit repräsentativen Umfragen erforscht. Historische Vergleiche sind damit mit Vorsicht zu genießen.
                
      Bislang waren vom dauerhaften Alleinleben vor allem ältere Frauen betroffen. Da Männer in der Regel früher sterben und zudem noch jüngere Ehefrauen hatten, gab es für Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit im Alter allein zu leben. Dies könnte sich in Zukunft ändern. Partnerschaften Gleichaltriger oder Partnerschaften von älteren Frauen mit jüngeren Männern nehmen zu.
                
      Weniger die Partnerfrage oder die Einsamkeit (unter ihr leiden am ehesten Jugendliche), sondern die zunehmend negativen Reaktionen des sozialen Umfeldes sowie der soziale Druck durch die singlefeindliche  Medienberichterstattung sind das Problem der Singlefrauen.
                
      Die Politik versucht Singles zu Sündenböcken für verfehlte Weichenstellungen zu machen. Diese Website wendet sich gegen solche Versuche.
 
  • LOVENBERG, Felicitas von (2005): Jane Austen.
    Austen Powers,

    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
    • Inhalt:
      Felicitas von LOVENBERG berichtet über den anhaltenden Jane Austen-Boom in Großbritannien.

                
      AUSTENs Romanfiguren gelten als Vorbild für das Bridget Jones-Personal. LOVENBERG greift aus der Fülle der Neuerscheinungen zum Thema zwei Publikationen heraus, die zeigen dass "Jane Austen, die es ablehnte, des Geldes wegen zu heiraten, und ihr Leben lang Single blieb, zur Ratgeberin der modernen Romantikerinnen geworden ist".
                
      Da ist zum einen "Jane Austen's Guide to Dating" von Lauren HENDERSON:
                
      "Darin soll sich das weibliche Wesen zunächst selbst dem Typ nach einordnen (...), um sich dann mit literarisch verbürgten Lektionen (...) im Großstadtdschungel des einundzwanzigsten Jahrhunderts mindestens so erfolgreich auf die Suche nach dem Gefährten zu machen wie einst ihre Vorläuferinnen", schreibt LOVENBERG und würdigt dies als "originelle Idee, changierend zwischen Ratgeber und Nacherzählung der wichtigsten Paar-Episoden aus Austens Werk".
                
      Zum anderen stellt LOVENBERG den Roman "Der Jane Austen Club" vor, den die 1950 geborene US-Amerikanerin Karen Joy FOWLER geschrieben hat.
 
  • KRAUSE, Klaus Peter (2005): Nicht hoffnungslos.
    Der demographische Wandel,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
    • Inhalt:
      KRAUSE stellt das Buch "Perspektive 2050. Ökonomik des demographischen Wandels" vor, das vom Institut der deutschen Wirtschaft herausgegeben wurde und im Kölner Insituts-Verlag erschienen ist. Sein Resümee der Lektüre:

                
      "Altert und schrumpft die Bevölkerung, muß sich das nicht zwangsläufig zu einer Bedrohung für Einkommen, Vermögen und materiellen Wohlstand entwickeln".
 
 
  • LEHNARTZ, Sascha (2005): Lebensentwürfe aus dem Handgepäck.
    Die Globalisierung und der Pop sorgen dafür, daß kaum noch jemand richtig erwachsen wird. Und ein bißchen sind wir natürlich selber schuld,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.
    • Kommentar:
      LEHNARTZ hat das erste Kapitel seines Buches "Global Players" für den FAS-Abdruck überarbeitet.

                
      In dem Buch von LEHNARTZ werden die trendigsten Feuilleton-Thesen aufgenommen und mit ein paar Hintergrundinfos aus Büchern wie Claudius SEIDLs "schöne junge welt", David BROOKs "Bobos in Paradies", Thomas FRANKs "The Conquest of the Cool", John LELANDs "Hip - the history" und "The Rebell Sell" von Joseph HEATH & Andrew POTTER angereichert.
                
      Heraus kommt eine elitäre Hipster-Theorie, die sich eher an Ulf POSCHARDT als an Diedrich DIEDERICHSEN orientiert.
                
      Nach LEHNARTZ haben nicht die 68er die Gesellschaft liberalisiert, sondern die Konsumindustrie war immer schon vorher da. Die Gegenkultur wird als Marsch durch die Illusionen beschrieben.
                
      Im Gegensatz zu Claudius SEIDLs schwammiger Erwachsenendefinition, redet LEHNARTZ Klartext: Orientierungspunkt der Prosa ist die traditionelle Familie. It's hip to be square! Das Buch breitet die Gedankenwelt eines Neocons aus, den die Jobkrise zum Neustart gezwungen hat.
   

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Zu den News vom   01. - 08. Oktober 2005

 
 
   
  • Rezensionen zum Single-Dasein finden sie hier

 
 
   

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