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Medienrundschau:
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News vom
09. - 12. Oktober 2005
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Zitat
des Monats:
"Die
steigenden Single-Raten sind ein wichtiges Indiz für die
fortschreitende Liebesweisheit unserer Gesellschaft, denn es
handelt sich dabei vor allem um
Menschen, die lieber allein bleiben als in einer Beziehung, die
sie nicht erfüllt.
Ein
Orpheus, Prototyp aller traurigen Singles, hat mir Weiberhelden
vom Schlage eines Casanova oder Porfirio Rubirosa nichts gemein
- Männer, die zwar keine Nacht allein verbringen, aber doch
ungebunden bleiben wollen, weil sie die Einschränkung und die
Verantwortung scheuen, die zur Liebe gehört. Orpheus dagegen
hatte in Eurydike seine große Liebe gefunden und wieder
verloren, aber dabei etwas Unschätzbares gelernt.
Während
Männer meistens einen Rockzipfel brauchen, an dem sie sich
festhalten können, weil sie sonst schnell wunderlich werden,
sind wir umgeben von inspirierenden alleinstehenden Frauen,
weniger vom Typ Bridget Jones als dem von George Sand, Coco Chanel oder
Marion Gräfin Dönhoff. Viele von ihnen haben das Modell Ehe in
seinen verschiedenen Ausprägungen erlebt und verworfen - oder
konnten sich von vornherein nicht dafür erwärmen.
(Felicitas
von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom
18.09.2005)
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HARTMANN, Andreas (2005): Die besseren Menschen.
»Die Reise der Pinguine« ist
mehr als nur ein Tierfilm. Vor allem für konservative Christen ist er
eine Parabel auf Monogamie und ein Beweis für die Schöpfung Gottes,
in: Jungle World Nr.41 v. 12.10.
- Inhalt:
Andreas HARTMANN fragt sich, was der Tierfilm
"Die Reise der Pinguine" mit uns Menschen zu tun haben soll:
"Es
sind im übrigen nicht nur die Kreationisten, die in dem Film etwas
entdeckt haben wollen, das für ihre Theorien spricht.
Kirchenvertreter mögen außerdem die Monogamie der Königspinguine,
während wiederum einige Feministinnen in der Tatsache, dass die
Pinguin-Papas die Eier ausbrüten, indes die Mamas schwimmen gehen,
ein Vorbild für alleinerziehende Eltern erkannt haben wollen. Andere
wiederum werfen dem Film vor, er unterschlage, dass in Zoos bereits
homosexuelles Verhalten unter Pinguinen entdeckt worden sei und dass
Pinguine überhaupt gelegentlich zur Promiskuität neigten.
All das, dachte man einmal, müsse uns Menschen gar nicht kümmern.
Die Tiere organisieren ihre Leben, wir unsere. So weit waren wir
eigentlich schon. Sollen wir nun wieder ernsthaft von Tieren lernen?
Gar von Pinguinen? Nur, wenn sie irgendwann wirklich auf ihren ewig
gleichen Reproduktionsstumpfsinn verzichten".
Es
gibt außerdem noch ein
Gespräch mit dem Welt-Kolumnist Michael
MIERSCH zum Film.
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- SIGUSCH, Volkmar (2005): Gibt es
Asexuelle?
in: Frankfurter Rundschau v. 12.10.
- Inhalt:
In seiner wöchentlichen Kolumne geht der
Frankfurter Sexualwissenschaftler SIGUSCH diesmal dem Medienhype um
die Asexuellen nach:
"Irritierend
ist, dass das sexuelle Zeitalter so fest auch in klugen Köpfen
installiert zu sein scheint, dass die Logik außer Betrieb gesetzt
wird. Denn sachlogisch muss es Asexuelle geben, wenn es Sexuelle
gibt. Es darf vermutet werden, dass es Asexuelle schon seit
Jahrhunderten gibt. Wenn das stimmt, verwundert die jetzige Erregung
umso mehr. Liegt sie vielleicht daran, dass sich das sexuelle
Zeitalter unaufhaltsam seinem Ende zuneigt wie das soziale Zeitalter
auch?"
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BARTELS, Gerrit (2005): Der Tatort muss besser werden!
Die Wunder der Demokratie und
die Verantwortung der Literatur: eine Diskussion im Roten Rathaus in
Berlin,
in: TAZ v. 12.10.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler
Herfried MÜNKLER, die
Schriftstellerin
Sibylle Lewitscharoff
und die 78er-Generation in
Person von
Matthias POLITYCKI
schwadronierten über Politik und Literatur.
Letzterer
entwickelte sich innerhalb eines Jahrzehnts vom Frauenversteher zum
Türsteher.
Er
wacht nun darüber, wer Einlass in die Neue relevante Mitte des
Realismus erhält. Bislang drängt sich so recht keiner vor.
Um
seinen Roman Herr der Hörner zu vermarkten, hat er sich ein
Erweckungserlebnis zugelegt. Heute tritt man nicht mehr in eine
K-Gruppe ein, sondern reist nach Kuba. Dort kann man sich noch als
Schlappschwanzeuropäer erleben.
H.
M. ENZENSBERGER hat sich dort von seiner 68er-Sentimentalität
befreit. Was für einen Angehörigen der Flakhelfer-Generation gut
war, das kann einem sentimentalen 78er gerade recht sein.
Es
gab eine Zeit, da haben Manager sich als Bettler verkleidet, um sich
für den marktkonformen Existenzkampf vorzubereiten.
Heute
reisen Literaten nach Kuba um ihre Weichereier-Existenz loszuwerden,
denn im demografischen Zeitalter zählt nur Virilität. Zurück in
Deutschland, fühlen sie sich dann wie die ersten weißen Missionare
in Schwarzafrika...
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MONATH, Hans (2005): Bildung und Familie.
Der Preis der Geschenke,
in: Tagesspiegel v. 12.10.
- Inhalt:
MONATH klagt darüber, dass die SPD die
Ministerien Bildung und Familie der CDU überlässt:
"Ausgerechnet
die Ressorts für Familie und für Bildung und Forschung gibt die SPD
an die Union ab. Dabei bewältigen diese Ministerien wie keine
anderen im Kabinett nicht nur die Probleme der Gegenwart, sondern
gestalten eine positivere Zukunft. Demografie ist in der Politik ein
leidiges Thema. Wer dagegen über gerechte Bildungschancen,
Ganztagsschulen, die Wissensgesellschaft oder über all die großen
Gefühle redet, die Kinder in erwachsenen Menschen auslösen können,
besetzt im Kabinett keine Macht-, ganz sicher aber mächtige
Definitionszentren."
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Statistisches Jahrbuch 2005
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MÜLLER, Andrea B. (2005): Was einem blüht, wenn man 30 und noch ledig
ist.
Das Repertoire an
Überraschungen für ledige 30-Jährige erschöpft sich in Celle
anscheinend nicht im Klinkenputzen und Treppenfegen,
in: Cellesche Zeitung v. 11.10.
- Inhalt:
Die Volkskundlerin Kirstin EHLERT hat ihre
Magisterarbeit über Bräuche zum 30. Geburtstag geschrieben:
"Die
Feger oder Klinkenputzerinnen sind (...) meist gar keine Singles,
sondern oft schon über Jahre fest liiert, nur den Schritt vor den
Traualtar haben sie bisher noch nicht gewagt. »Das Interessante
daran ist, dass der Brauch eigentlich so etwas wie ein
Partnerschaftsritual ist. Der Partner spielt bei dem ganzen
Geschehen eine zentrale Rolle und ist stark in den Ablauf
eingebunden«, erläutert Ehlert ihre Beobachtungen.
Auch
bei ihren Forschungen zur Entstehung der Tradition, machte Ehlert
bemerkenswerte Entdeckungen: den Brauch gibt es erst seit rund 50
Jahren. Geboren wurde er in Bremen und kam erst in den 80er Jahren
nach Celle. Mittlerweile ist er in den Osten Deutschlands hinüber
gewandert und erfreut sich dort zunehmender Beliebtheit.
Celle ist eine Hochburg der emsigen Feger und Klinkenputzerinnen".
Die
Studie ist nun unter dem Titel
Dreißig – ledig – lustig? Moderne Bräuche am 30. Geburtstag
im Göttinger Schmerse Verlag erschienen.
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EMMERICH, Marlies (2005): Ohne Hartz IV ginge in jedem sechsten
Haushalt das Licht aus.
Manche Paare trennen sich pro forma, um mehr Geld zu kassieren,
in: Berliner Zeitung v. 11.10.
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RICHTER, Christine (2005): Die wundersame Zellteilung,
in: Berliner Zeitung v. 11.10.
- Kommentar:
Im Jahr 1980 schrieb Joseph HUBER in dem Buch
Wer soll das alles ändern?
darüber, dass ein neues Familiensystem unumgänglich ist, denn die
Single-Gesellschaft führt in den
Sozialpolizeistaat.
Die
Hartz-Reformen könnten einen Schritt in diese Richtung bedeuten:
"Das
Auseinanderziehen, das Ummelden in eine eigene Wohnung, auch wenn
man ein Paar bleibt, ist angesichts der Lage des Sozialstaates
moralisch verwerflich, rechtlich aber zulässig. Daran ändern kann
man im Moment nicht viel, aber auf jeden Fall sollten die neuen
Singles, die sich bei den Arbeitsagenturen melden, genau und über
einen längeren Zeitraum kontrolliert werden. Denn einige nutzen, wie
sich in den letzten Monaten gezeigt hat, die Wohnung nur für kurze
Zeit nur zum Schein oder schlimmer noch, vermieten sie unter und
betrügen den Sozialstaat damit nun wirklich. Und das kann Berlin
weder dulden noch sich leisten.",
empört sich RICHTER in ihrem Kommentar über die Zunahme der
Single-Haushalte.
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STÜRMER, Michael (2005): Wer sind wir?
in: DeutschlandRadio v. 11.10.
- Kommentar:
Der Historiker Michael STÜRMER, ein Angehöriger der deutschen
Jammer-Elite, schreibt:
"Es
gibt quer durch die Jahrhunderte kein schärferes Zeichen kollektiver
Depression als den Niedergang von Heiraten und Geburten."
Wir
behaupten, dass diese Depression ein Zerrbild ist. Unsere
Bevölkerungsstatistik ist gar nicht in der Lage das Ausmaß der
lebenslangen Kinderlosigkeit korrekt abzubilden, denn sie ist
normativ und nicht wertneutral.
Es
gibt in Deutschland ein nationalkonservatives Deutungsmonopol. Wo
ist unsere angeblich globale Klasse?
Warum
muss z.B. die TAZ-Journalistin Ulrike WINKELMANN einen
Aufsatz über die zu hoch angegebene Kinderlosigkeit von
Akademikerinnen in der
Zeitschrift
Feministische Studien veröffentlichen, der bis heute
nicht in den sich liberal gebenden Medien ausreichend gewürdigt
wurde?
Es
erstaunt uns sehr, dass bis heute weitgehend unwidersprochen Zahlen
in Umlauf gebracht werden dürfen, die offensichtlich völlig überhöht
sind.
Von
Herwig BIRG bis
Susanne GASCHKE predigen uns die
nationalkonservativen Seilschaften, dass es in Deutschland
zu wenig Kinder
gibt. Den Beleg bleiben sie uns jedoch schuldig, wenn man nicht
gerade Anhänger dieser neuen politischen Religion ist.
Sie
können das nur, weil unsere angeblich globale Klasse sie gewähren
lässt! Deutschland sei liberal, heißt es. Dies gilt nicht für das
Gebiet des demografischen Wandels.
Während
internationale Demografen längst die zu niedrig ausgegebenen
Geburtenraten in Deutschland diskutieren, herrscht in Deutschlands
Öffentlichkeit Schweigen im Walde. Wer ist politisch unkorrekt
genug, dieses Tabu zu brechen?
Es
gibt hierzulande ein Schweigekartell. Auf Single-dasein.de
wird dies dokumentiert. Es wird sich also nachweisen lassen, wer
diejenigen gewesen sind, die zu feige waren, die Lage richtig
darzustellen. Dies wird die Wissenschaft in Misskredit bringen.
Nicht Kinderlose haben zu wenig Mut, es sind unsere feigen Eliten!
Es
sollte also im Interesse der Wissenschaft sein, endlich Stellung zu
nehmen zu dieser unerträglichen Situation.
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WINKELMANN, Ulrike (2005): "Die SPD-Länderchefs werden dem Berliner
Kurs entgegenarbeiten".
Flügelkämpfe stehen der SPD
bevor, wenn die Parteilinke mit der Linkspartei konkurriert und die
Länderchefs Wahlschlappen verhindern wollen, meint Soziologe Michael
Vester,
in: TAZ v. 11.10.
- Inhalt:
Der Sozialstrukturforscher
Michael VESTER äußert sich u.a. zur
Neuen Mitte:
"Sie
haben kürzlich der SPD-Fraktion das Wahlergebnis erklärt: Die Idee
der "neuen Mitte" sei unzutreffend, die Milieubindung existiere
fort. Wird die Fraktion daraus lernen?
Ich
glaube, die Fraktion hat erkannt, dass
die »neue Mitte« ein
»neues Oben« ist. Aber die Fraktion wird jetzt erst einmal so
lange still halten, bis sämtliche Posten bis hin zu allen Vizes
vergeben sind. Die Frage ist nur, wie der linke Flügel, der ja
zumindest zahlenmäßig der stärkere ist, unter Kontrolle gehalten
werden soll, wenn die Integrationsfiguren Gerhard Schröder und
Wolfgang Thierse ausfallen."
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Kongress zur Pop-Literatur der 60er Jahre
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VÖLZKE, Daniel (2005): Liebe zur Liste.
Was ist Pop-Literatur? Ein Kongress in Berlin,
in: Tagesspiegel v. 11.10.
- Inhalt:
Moritz BAßLER
und
Diedrich DIEDERICHSEN haben über
die Archivare der Pop-Literatur referiert.
Letzterer
sieht in der Liste die Gemeinsamkeit der alten und neuen
Pop-Literaten:
"Als
bindendes Element zwischen Pop- Literaturen gleich welcher Epoche
macht Diedrich Diederichsen die Liebe zur Liste aus. Doch während
Hubert Fichte oder Brinkmann in ihren Listen vor allem lokale
Begebenheiten verhandeln, beinhalten die Tabellen neuerer
Pop-Literatur Namen und Phänomene, die für globale communities
verständlich sind. Deren Kataloge seien Distinktionsversuche, um
sich aus einem nuancenreichen, aber geschichtslosen Leben eine
Geschichte zu konstruieren. Den Vorgängern hingegen wäre es eher
um das Zeigen von Welt überhaupt gegangen."
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PREISSLER, Brigitte (2005): Pop und Positivismus.
Eine Tagung in der Villa Oppenheim über die Popliteratur der
60er-Jahre,
in: Berliner Zeitung v. 11.10.
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STROHMAIER, Brenda (2005): Schluss mit lustig: Berlins Singlekultur
bekommt Gegenwind.
Staatssekretärin beobachtet wachsende Kritik an Kinderlosen,
in: Berliner Zeitung v. 10.10.
- Kommentar:
STROHMAIER berichtet über die
Berliner Verhältnisse.
Die
statistischen Zahlen, die über das Single-Dasein Auskunft geben
sollen, sind dürftig. Das liegt in erster Linie daran, dass
die Erfassung schon längst nicht mehr zeitgemäß ist.
Zahlen
über Einpersonenhaushalte, so genannte Single-Haushalte, sind
hinsichtlich Kinderlosigkeit oder Partnerlosigkeit nur sehr
beschränkt aussagekräftig.
Von
den 25-45Jährigen Berlinern leben nach den Angaben der Berliner
Zeitung ca. 25 % der Frauen, aber ca. 40 % der Männer allein.
Da
das Durchschnittsalter bei der Geburt eines Kindes inzwischen bei
fast 30 Jahren liegt und bei Akademikerinnen noch weit höher,
handelt es sich bei diesen allein wohnenden Frauen also keineswegs
überwiegend um lebenslang kinderlose Frauen, sondern um noch
kinderlose Frauen.
Um
die Kinderlosigkeit allein lebender Frauen besser abschätzen zu
können, müssten die Zahlen der 35-45Jährigen vorliegen, denn dies
ist jene Altersspanne, die für Karrierefrauen relevant ist.
Diese Zahlen dürften weit unter 25 % liegen.
Das
Institut für Bevölkerungsforschung
hat mittlerweile seine Erhebungsmethoden geändert, weil der
Soziologe
Christian SCHMITT nachweisen
konnte, dass nicht davon ausgegangen werden kann, dass ältere
Akademikerinnen keinen relevanten Beitrag zur Geburtenrate leisten.
"Fakt
ist ein überdurchschnittlicher Nachwuchsmangel in Berlin - trotz
guter Kinderbetreuung: Während im Bundesschnitt die Geburtenrate bei
1,4 Kindern pro Frau liegt, beträgt sie in Berlin 1,2 - auch wenn
die vielen Kinderwagen in Prenzlauer Berg einen anderen Eindruck
erwecken. Fakt ist auch, dass in Berlin deutlich mehr Frauen
zwischen 25 und 45 allein leben als im restlichen Bundesgebiet,
darunter wohl überdurchschnittlich viele Akademikerinnen",
schreibt STROHMAIER.
In
Großstädten leben generell - also nicht nur in Berlin - wesentlich
mehr Menschen allein. Dies ist keineswegs außergewöhnlich. Auch die
Geburtenrate liegt in allen Großstädten niedriger als im
Bundesdurchschnitt.
In
kleineren Universitätsstädten wie Tübingen oder Heidelberg liegt die
Geburtenrate sogar unter 1,0.
Alarmismus ist hier also nicht angebracht.
Die
ZEIT-Redakteurin Susanne GASCHKE schreckt derzeit mit ihrem
neuen Buch
"Die Emanzipationsfalle"
auf, das den Untertitel "Erfolgreich, einsam, kinderlos"
trägt.
GASCHKE
liebt es gerne besonders schrill. Dies mag zwar der Ökonomie der
Aufmerksamkeit entgegen kommen, aber mit den bundesdeutschen
Realitäten hat das dann wenig zu tun.
Im
Jahr 2003 fragte GASCHKE bereits
"Wo sind die Kinder?".
Sie warf ihrer Generation Gebärfaulheit vor. Heute steht fest, dass
der Jahrgang 1965 keineswegs zu 1/3 kinderlos geblieben ist. GASCHKE
und mit ihr die deutschen Demografen haben die Rechnung nämlich ohne
die Spätgebärenden gemacht.
Nie
zuvor gab es in Deutschland so viele gut gebildete Frauen wie
heutzutage, aber bereits vor der Bildungsexpansion bekamen
Akademikerinnen in der Regel weniger Kinder als andere Milieus.
Dies
gab bereits in den 1920er und 1930er Jahre zur Sorge Anlass. Wilhelm
HARTNACKE veröffentlichte z.B. im Jahr 1936 das Buch
"Die Ungeborenen". Darin behauptet er, dass aufgrund der
ausgefallenen Generation im Deutschland der 1960er unmöglich mit
einem Babyboom zu rechnen sei:
"Daß
wir in den 50er/60er Jahren mit hohen Geburtenraten nicht rechnen
können, zeigt ein Blick auf die schwachen Elternjahrgänge von 1915
bis heute.
Der jahrelange Geburtenunterschuß muß zu einem erschütternden
Schwund am Gesamtbestande des deutschen Volkes führen", erklärte
HARTNACKE.
Bereits
damals galt Berlin als besonders problematisch. 1939 erschien von
HARTNACKE das Buch "15 Millionen Begabtenausfall". Hat sich also gar
nichts geändert? Man könnte es fast meinen.
GASCHKE
versucht Singlefrauen zu verängstigen.
Dies versuchte man bereits im Amerika der 80er
Jahre vergebens.
Weder
die Bevölkerungsstatistik noch die Sozialforschung geben genaue
Auskunft über die Lebensverhältnisse von allein lebenden Frauen.
Befragungen
haben in der Vergangenheit jedoch immer wieder ergeben, dass Frauen
mit dem Alleinleben zufriedener sind als Männer:
"Doch
sind die vielen allein lebenden Frauen im besten Mutteralter nun
auch besonders einsam wie Gaschke behauptet, weil sie vergeblich den
perfekten Mann suchen? Der Soziologe Bernd Kittlaus, der die
Webseite single-generation.de betreibt, widerspricht: Ledigsein sei
weder mit Partnerlosigkeit noch mit Unglücklichsein identisch. Wer
wie Gaschke ein überholtes Paarmodell glorifiziere, vertrete
veraltete Wertmaßstäbe, die modernen Beziehungen nicht gerecht
würden",
zitiert mich STROHMAIER.
Das
Alleinleben ist in der Regel eine Lebensphase und keine alternative
Lebensform. Erst seit den 90er Jahren werden
haushaltsübergreifende Paarformen überhaupt mit repräsentativen
Umfragen erforscht. Historische Vergleiche sind damit mit Vorsicht
zu genießen.
Bislang
waren vom dauerhaften Alleinleben vor allem ältere Frauen betroffen.
Da Männer in der Regel früher sterben und zudem noch jüngere
Ehefrauen hatten, gab es für Frauen eine höhere Wahrscheinlichkeit
im Alter allein zu leben. Dies könnte sich in Zukunft ändern.
Partnerschaften Gleichaltriger oder Partnerschaften von älteren
Frauen mit jüngeren Männern nehmen zu.
Weniger
die Partnerfrage oder die Einsamkeit (unter ihr leiden am ehesten
Jugendliche), sondern die zunehmend negativen Reaktionen des
sozialen Umfeldes sowie der soziale Druck durch die singlefeindliche
Medienberichterstattung sind das Problem der Singlefrauen.
Die
Politik versucht Singles zu Sündenböcken für verfehlte
Weichenstellungen zu machen. Diese Website wendet sich gegen solche
Versuche.
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- LOVENBERG, Felicitas von (2005): Jane
Austen.
Austen Powers,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
- Inhalt:
Felicitas von LOVENBERG berichtet
über den anhaltenden Jane Austen-Boom in Großbritannien.
AUSTENs
Romanfiguren gelten als Vorbild für das
Bridget Jones-Personal. LOVENBERG greift aus der Fülle der
Neuerscheinungen zum Thema zwei Publikationen heraus, die zeigen
dass "Jane Austen, die es ablehnte, des Geldes wegen zu heiraten,
und ihr Leben lang Single blieb, zur Ratgeberin der modernen
Romantikerinnen geworden ist".
Da
ist zum einen "Jane Austen's Guide to Dating" von Lauren HENDERSON:
"Darin
soll sich das weibliche Wesen zunächst selbst dem Typ nach einordnen
(...), um sich dann mit literarisch verbürgten Lektionen (...) im
Großstadtdschungel des einundzwanzigsten Jahrhunderts mindestens so
erfolgreich auf die Suche nach dem Gefährten zu machen wie einst
ihre Vorläuferinnen", schreibt LOVENBERG und würdigt dies als
"originelle Idee, changierend zwischen Ratgeber und Nacherzählung
der wichtigsten Paar-Episoden aus Austens Werk".
Zum
anderen stellt LOVENBERG den Roman
"Der Jane Austen Club"
vor, den die 1950 geborene US-Amerikanerin Karen Joy FOWLER
geschrieben hat.
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- KRAUSE, Klaus Peter (2005): Nicht
hoffnungslos.
Der demographische Wandel,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.10.
- Inhalt:
KRAUSE stellt das Buch "Perspektive 2050. Ökonomik
des demographischen Wandels" vor, das vom Institut der deutschen
Wirtschaft herausgegeben wurde und im Kölner Insituts-Verlag
erschienen ist. Sein Resümee der Lektüre:
"Altert
und schrumpft die Bevölkerung, muß sich das nicht zwangsläufig zu
einer Bedrohung für Einkommen, Vermögen und materiellen Wohlstand
entwickeln".
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- VORNBÄUMEN, Axel (2005): Prosecco
bitte!
Reinhard Mohr und sein "Deutschland-Gefühl",
in: Tagesspiegel v. 10.10.
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- LEHNARTZ, Sascha (2005): Lebensentwürfe
aus dem Handgepäck.
Die Globalisierung und der Pop sorgen dafür, daß kaum noch jemand
richtig erwachsen wird. Und ein bißchen sind wir natürlich selber
schuld,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 09.10.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 01. - 08. Oktober 2005
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