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Medienrundschau:
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News vom
05. - 10. Oktober 2006
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Zitat des Monats:
"Seien
Sie vorsichtig bei einem Partner, der niemals wirklich allein
gewohnt hat. Wenn ein Mann von der Vollversorgung im Hotel Mama
direkt in die Bequemlichkeitszone bei seiner künftigen Frau
zieht, dann ist das eine schwere Hypothek für eine
Partnerschaft. Auch das klassische Modell einer
schutzbedürftigen hilflosen Frau, die sich nach den starken
Schultern eines Mannes sehnt, ist keine gute Basis für eine
dauerhafte Beziehung."
(aus: Marion & Werner
Tiki Küstenmacher
"Simplify your love" (2006, S.43) |
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KASSEL, Dieter (2006): Kröger: Familie ist ein flexibles System.
Familienforscher sieht "rosige Zukunft" für Familien,
in: DeutschlandRadio v. 10.10.
- Inhalt:
Friedebert KRÖGER macht u.a. auf die
Problematik von Bevölkerungsvorausberechnungen aufmerksam:
"Also
die Demografiedebatte ist natürlich substantiell und wichtig. Sie
sollte aber nicht verdecken, dass die Vorhersagen, die Zahlen, die
wir vorhersagen, nicht berücksichtigen dynamische Entwicklungen und
nicht berücksichtigen können auch Strukturbrüche, die es in jeder
Gesellschaft immer gibt und immer gegeben hat."
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CHARIM, Isolde (2006): Der Zorn lebt weiter.
Theorie und Technik: Dass die undogmatische Linke eigene
Institutionen hervorgebracht hat, ist kein Altersdrama, sondern eine
Chance,
in: TAZ v. 10.10.
- Inhalt:
CHARIM beschäftigt sich mit Peter SLOTERDIJKs
neuem Buch
"Zorn und Zeit" , in dem nach
Meinung von CHARIM ein positiver Institutionenbegriff zu entdecken
ist, der linke Selbstzweifel beseitigen könnte:
"Nicht
durch seine allerorts besprochene Rehabilitierung der Zornregung,
sondern durch seinen noch unzureichend gewürdigten positiven
Institutionenbegriff. Dieser sieht vor, eine linke Institution,
mithin also eine, die aus Rebellentum, Dissidenz und Aufbegehren
hervorgegangen ist, als einen Produktionsort zu verstehen. An dessen
Ausgangspunkt stehen Leidenschaften, die aus dem Unbehagen am
Bestehenden resultieren, die hier einer prekären Verwandlung in ein
kollektives Projekt unterzogen werden. Nur so werden individuelle
Energien des Protests in ein überindividuelles und damit erst
politisches Projekt verwandelt."
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CORINO, Eva (2006): Feminismus der Luxusklasse.
Die Fernsehmoderatorin Thea Dorn rät der neuen "F-Klasse", Mercedes
ohne Kindersitz zu fahren,
in: Berliner Zeitung v. 09.10.
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ENGELS, Bettina (2006): Und wenn Sie bitte nachher auch noch dort ein
wenig wischen könnten?
Putzen für die Reichen und beten für die Armen - beides bleibt
Frauensache: Maria Rerrich folgt den Kolonnen cosmobiler Putzfrauen in
die privaten Haushalte,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.10.
- Inhalt:
"Ungefähr ein Jahr lang hielten wir es mit den fast
täglichen Streitereien über eine gerechte Verteilung der
Haushaltsaufgaben aus, dann taten wir das bis dahin Undenkbare und
engagierten eine Putzfrau - aus Polen", schreibt ENGELS über
ihre eigenen Erfahrungen Ende der 90er Jahre.
ENGELS
ist da kein Einzelfall gewesen. Wir erinnern uns, das war genau zu
jener Zeit, über die Florian ILLIES in "Generation Golf" schrieb:
"Dankbar
war man (...), als Kracht und Stuckrad-Barre als erste
Generationsgenossen zugaben, eine Putzfrau zu haben. Da ging ein
Ruck durchs junge Deutschland. Ich wollte ja immer, hatte mich nur
nie getraut, weil ich dachte, das macht man nicht" .
In
einer Rezension des Buches
"Die heimliche Rückkehr der Dienstmädchen"
von ODIERNA hat single-dasein.de diese Problematik bereits im
Jahr 2000 beschrieben. Im Buch
"Die Single-Lüge"
wird dieses Thema im Kapitel über die Ökonomisierung des Sozialen
noch weiter gedacht.
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MENSING, Kolja (2006): Schneestürme der Melancholie.
Douglas Coupland: "Eleanor Rigby",
in: DeutschlandRadio v. 09.10.
- Inhalt:
"In
»Eleanor Rigby«
sind die Twentysomethings, denen Douglas zu Beginn der
Neunzigerjahre mit »Generation X« ein lässiges literarisches Denkmal
gesetzt hat, im grauen Alltag angekommen. Egal, ob sie sich dafür
entscheiden »zweimal täglich etwas Hübsches einzunehmen« oder »Gott
in ihr Leben zu lassen«, sie werden es hier noch eine ganze Weile
aushalten müssen",
meint Kolja MENSING.
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BERGER, Jürgen (2006): Diese Spur von Sehnsucht.
Freiburgs neue Theaterintendantin Barbara Mundel beginnt mit
Houellebecq,
in: Süddeutsche Zeitung v. 09.10.
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BUCH, Hans Christoph (2006): Kulturelles Artensterben.
Viele einst bekannte Schriftsteller sind in der Versenkung
verschwunden, gar aus dem Leben geschieden: eine verlorene Generation
der Nachkriegsliteratur,
in: Spiegel Nr.41 v. 09.10.
- Inhalt:
Hans Christoph BUCH erinnert an die verstorbenen und
vergessenen Schriftsteller der deutschsprachigen 68er-Generation von
Lothar BAIER über
Franz INNERHOFER bis Karin STRUCK. Er plädiert dafür "Bücher und
Manuskripte vor dem Vergessen zu bewahren, aus denen die Nation -
hier stimmt der pathetische Begriff - eine Menge lernen kann."
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BUDE, Heinz (2006): Politik des Bauchs.
Wie das Biologische das Soziale unterwandert. Zum deutschen
Soziologenkongress in Kassel,
in: Süddeutsche Zeitung v. 07.10.
- Inhalt:
Im Jahr 2004 hatte der Deutsche
Soziologentag die Soziale Ungleichheit zum Thema. Obwohl damals
die neue Klassengesellschaft in aller Munde war, blieb die
Soziologie im Abseits. Ulrich BECK beklagte seitdem des Öfteren
die fehlende gesellschaftliche Relevanz.
Der
Soziologe
Heinz BUDE, einer der Mitveranstalter des am Montag
beginnenden
33. Deutschen Soziologentags
zum Thema Die Natur der Gesellschaft, möchte nun alles
besser machen.
BUDE
konstatiert, dass die Soziologie bei der Erklärung sozialer
Phänomene an Attraktivität eingebüßt hat, weil heute niemand mehr
glaubt, dass die "Probleme, die heute die Art und Weise unseres
Zusammenlebens herausfordern, durch gesellschaftliche Maßnahmen
gelöst werden können".
Die
Lebenswissenschaften, zu denen er die Hirnphysiologie, die
Entwicklungsbiologie und die Demographie zählt, haben der
Soziologie den Rang abgelaufen.
Als Beispiel nennt Heinz
BUDE den so genannten "youth bulge", der in Deutschland zuerst von
Gunnar HEINSOHN und in letzter Zeit von Frank SCHIRRMACHER und
Peter SLOTERDIJK popularisiert wurde:
"Das
hat natürlich mit sozialstrukturellen Platzierungsmechanismen und
sozialökonomischen Chancenverteilungen zu tun, aber der Grund des
Auftretens dieser neuen als gefährlich angesehenen Gruppe ist
zunächst demographischer Natur. Sie erscheinen als viele, die
stören."
Damit
erkennt BUDE die Demographie als neue Leitwissenschaft an und
weist der Soziologie die Nebenrolle zu.
Als
weiteres Beispiel führt BUDE das Problem der Zunahme von
Übergewichtigen an, das auch im neuen Buch
Kochende
Leidenschaft des französischen Soziologen Jean-Claude KAUFMANN
eine wichtige Rolle spielt. KAUFMANN stellt das Problem in den
Zusammenhang mit dem Aufkommen des individuellen Essers. Sowohl
BUDE als auch KAUFMANN deuten das Phänomen im Zusammenhang mit der
Reproduktion sozialer Ungleichheit.
Als
drittes Problem führt BUDE die Zunahme der Älteren an, die mit
einer "Invasion der Gehhilfen" einhergehe.
Wer
sich für das Thema Demografie aus soziologischer Sicht
interessiert, der findet einige interessante Veranstaltungen.
Aus
der Sicht von single-dasein.de sind die Veranstaltungen mit
Karl Otto HONDRICH ("Der Fall der
Geburtenrate – ein Fall für Darwin, Luhmann oder Frau Minister von
der Leyen?" und "Wendebedarf? Die soziologische Theorieentwicklung
zwischen 'Natural' und 'Cultural Turn")und
Christian SCHMITT ("Fertilitätsentwicklung
in Europa – die Rolle der Familien- und Sozialpolitik")
empfehlenswert.
Rechtzeitig
vor Beginn des Soziologentags sind zwei interessante Bücher zum
Thema erschienen: zum einen der von Stephan LESSENICH & Frank
NULLMEIER herausgegebene Band
"Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft"
und zum anderen ein von Peter A. BERGER & Heike KAHLERT
herausgegebenes Buch mit dem Titel
"Der demographische Wandel".
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SCHLAFFER, Hannelore (2006): Sie sehen Kunst, doch sei sehen auch
sich selbst.
Kunst und Mode - oder: Warum Seniorinnen so gern Kunstgeschichte
studieren,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 07.10.
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Zeit-Thema:
Was soll ich tun, wenn du Hilfe brauchst?
Altenheim oder daheim. Wenn
die Eltern zu Pflegefällen werden, sind viele Kinder überfordert. |
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MAYER, Susanne (2006): Wohin mit den Eltern?
Weshalb wir überfordert sind, wenn Mutter oder Vater zu
Pflegefällen werden,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
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STOLZ, Matthias & Christoph AMEND (2006): "Sie ist eine Lady".
Wie ist es, wenn die eigene Mutter wieder zu Hause einzieht?
Ingrid Noll kennt sich damit aus – sie pflegt ihre 105 Jahre alte
Mutter. Ein Gespräch mit der Schriftstellerin,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
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KRUG, Anna (2006): Hilfe aus Ungarn.
Damit Mutter zu Hause bleiben kann, umsorgen sie abwechselnd zwei
ungarische Pflegerinnen. Der Bericht eines Lebenswandels - hier aus
der Sicht der Mutter,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
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KRUG, Max (2006): Hilfe aus Ungarn.
Damit Mutter zu Hause bleiben kann, umsorgen sie abwechselnd zwei
ungarische Pflegerinnen. Der Bericht eines Lebenswandels - hier aus
der Sicht des Sohnes,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
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DIEZ, Georg (2006): American Streber.
Eine neue Generation altkluger und frühreifer Schriftsteller in den
USA ist davon überzeugt, dass man die Welt mit Romanen erklären kann –
und sie beweist es,
in: Die ZEIT Nr.41 v. 05.10.
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FACTS-Titelgeschichte:
Das Glück daheim.
Die Karriere der neuen Hausfrau |
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ALTHAUS, Nicole & Michèle BINSWANGER (2006): Rolle vorwärts an den
Herd.
Sie sind souverän und bestens ausgebildet, und sie wissen genau,
was sie wollen: kochen, putzen, Kinder wickeln. Die neuen Hausfrauen
sind glücklich - und schreiben ein aufregendes Kapitel der
Emanzipation,
in: Facts Nr.40 v. 05.10.
- Anmerkung:
In seinem Buch
Das Ende der Alternativen aus
dem Jahr 1985 beschreibt der Ex-Sponti und heutige Trendguru
Matthias HORX die neue Hausfrau folgendermaßen:
"Bettinas
Anspruch ist seit einem Jahr (seit der Kinderwunsch in ihr
»reifte«) anders geworden (...). »Ich sehe gar nicht ein«, sagt
sie fast böse, »warum meine wesentliche Produktivkraft als Frau
- nämlich Kinderkriegen - brachliegen sollte. Ich habe das Gefühl,
daß die Männer uns allmählich auch noch diese Domäne klauen
wollen, gerade das, was Männer und Frauen unterscheidet.
Wenn ich ehrlich bin: Ich will eigentlich gar nicht meine
Erfüllung im Beruf. Ich will Mutter sein (...). Da gibt es immer
die komischten Anmachen, wenn ich so etwas sage, auch und gerade
von Frauen. Plötzlich muß man sogar Rollen, die man freiwillig
übernehmen will, verteidigen - weil es sie früher nur zwangsweise
gab!«" ( S.94)
HORX
beklagte damals - ganz im Sinne des noch ganz hippen
Differenzfeminismus (heute würde man sagen: Postfeminismus) - das
alternative Tabu Heim und Herd.
Die 68er der CDU hatten den
Grünen die Sache zuvor schmackhaft gemacht.
Die
Beiträge von
Barbara SICHTERMANN,
Cora STEPHAN oder
Gisela ERLER zur neuen
Weiblichkeit, die der
neuen Mütterlichkeit zum
Durchbruch verhelfen sollten, erschienen damals z.B. in der
Zeitschrift Freibeuter (später auch in Buchform).
1986
erschien das Buch "Risikogesellschaft", in dem Ulrich BECK, die
noch bis heute gültige Frontstellung in Sachen
Kampf der Lebensstile
formulierte. 1987 tobte dann bei den Grünen der
Streit ums Müttermanifest. Im
Buch
Die
Single-Lüge ist diese
Geschichte unter Berücksichtigung aktueller Entwicklungen
nachzulesen.
Gut
zwanzig Jahre später wird HORX im Schweizer Magazin Facts
folgendermaßen zitiert:
"Seiner
Ansicht nach gehören Frauen wie Myriam Frey zum Typus neue
Hausfrau: Sie ist gut ausgebildet, erfreut sich intakter
Karrierechancen und bleibt zu Hause - freiwillig."
Das
Magazin Facts hat die Debatte um Eva HERMAN und das
"Eva-Prinzip" genutzt, um die
neue Hausfrau auszurufen. Vorbild für diese Kampagne ist die USA.
Die
Frage lautet jetzt nur noch: Wann wird das erste deutsche Magazin
den Trend zur neuen Hausfrau in einer Titelgeschichte verkünden?
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom 01. -
04.
Oktober 2006
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