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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 05. - 10. September 2004

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Typ I Beziehungsfern (...) zeigt Befragte, die lange Phasen ihres Erwachsenenlebens (bis zum Alter von 45) als Single gelebt haben, für die das Single-Dasein also eine Art Lebensstil darstellt und mehr ist, als eine bloße Übergangsphase. Der Anteil dieser dauerhaft Beziehungsfernen ist nun über die Generationen nicht angestiegen, er liegt einigermaßen konstant bei einem Zehntel. Die (...) Zunahme von Singles (...) ist (...) also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen, beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der großen Beziehungsfluktuation."
(Arne Dekker & Silja Matthiesen in der Zeitschrift für Familienforschung, H.1/2004, S.50)
 
 
 
 
 
  • WALTER, Franz (2004): Fremdeln mit den eigenen Wählern.
    Die großen Sympathien der jungen Männer aus der Unterklasse haben das bürgerliche Lager in Deutschland verunsichert,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.09.
  • SEIBEL, Andrea (2004): "In der Mitte ist viel Platz".
    Nach Meinung des Politologen Franz Walter sind Grüne und FDP die postmodernen Gewinner der Krise der Volksparteien,
    in: Welt v. 09.09.
 
  • SPERBER, Katharina (2004): "Das Elterngeld ist nur ein Baustein".
    Regierungsberater Bert Rürup über Anreize zum Kinderkriegen, Ehegattensplitting und Emanzipation,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.09.
  • GASEROW, Vera (2004): Not bei Krippenplätzen.
    Alle sind sich einig, dass mehr Krippenplätze gebraucht werden. Aber Union und kommunale Spitzenverbände sperren sich gegen ein Gesetz. Grund ist die ungeklärte Finanzierung der Pläne,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.09.
  • RUBNER, Jeanne (2004): Renate Schmidts großer Tag.
    Heute im Parlament: Ein Meilenstein für eine konsequentere Familienpolitik,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 09.09.
  • MONATH, Hans (2004): "Kitaplätze statt Friedhöfe fördern".
    Kirchen, Gewerkschaften und Arbeitgeber fordern vor Bundestagsdebatte besseres Betreuungsangebot,
    in: Tagesspiegel v. 09.09.
  • SIEMS, Dorothea (2004): 230 000 zusätzliche Kita-Plätze.
    Familienministerin will Kinderbetreuung ausbauen - Elterngeld soll Geburtenrate erhöhen,
    in: Welt v. 09.09.
  • KAMANN, Matthias (2004): Abgeschottete Bildungsbürger,
    in: Welt v. 09.09.
 
  • KAUBE, Jürgen (2004): Der Hammer.
    Vollzieht Gerhard Schröder eine Wende in der Familienpolitik?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.09.
    • Kommentar:
      Sozialstaatsgegner Jürgen KAUBE begrüßt, dass SCHRÖDER seine Kräfte nicht mehr an bildungsferne Schichten vergeuden will, sondern die Elite durch ein einkommensabhängiges Elterngeld bevorzugen möchte (den Erfolg dieser Maßnahme bezweifelt KAUBE nichtsdestotrotz):

            
        "angesprochen auf die Pläne seiner Familienministerin (...) ein einkommensproportionales Elterngeld einzuführen, wehrte sich Schröder gegen den Vorwurf, das begünstige die Bessergestellten. Akademikerinnen bekämen immer seltener Kinder und eine solche Entwicklung habe Folgen, denen gegenüber man nicht »vorschnell mit dem Hammer sozialer Ungerechtigkeit« arbeiten solle. (...)
      Er beobachte eine »gefährliche Zurückhaltung« von Akademikern bei der Familiengründung, so der Kanzler. (...).
      Das Argument des Kanzlers ist (...) nicht nur ein Schritt zu einem unbefangeneren Umgang mit dem Thema Demographie. Es wirkt auch (...) wie das Aufflackern einer Idee von Bildungspolitik, die nicht die Abschaffung gesellschaftlicher Schichtung zum ewig unerreichbaren und darum nur kräftevergeudenden Ideal hat."
 
  • SCHWÄGERL, Christian (2004): Die leere Wippe.
    Kann und soll der Staat die Entscheidung für Kinder erleichtern?
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.09.
    • Kommentar:
      Christian SCHWÄGERL verknüpft sein Plädoyer für das einkommensabhängige Elterngeld mit empirischen Daten zum Sinken des Kinderwunsches in Deutschland:

            
        "Nun (...) gibt es Hinweise auf eine kulturelle Verschiebung. Wie Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für demographische Forschung in Rostock berichten, sinkt Umfragen zufolge in Deutschland und Österreich jener durchschnittliche Kinderwunsch, der sich aus den Antworten vieler Menschen errechnet, unter die Zahl Zwei. (...).
      Die Alarmrufe über den demographischen Wandel haben also bisher nicht gefruchtet, ganz im Gegenteil: Das Ideal einer Familie verändert sich, besonders in der Generation zwischen zwanzig und Mitte Dreißig."
  • HIG (2004): Mitnahmeeffekte,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.09.
    • Kommentar:
      HIG befürchtet, dass - wie in Schweden - ein erhöhtes Elterngeld nur zu Mitnahmeeffekten führt, d. h. es werden nicht mehr Kinder geboren, sondern die gewünschten Kinder werden nur früher geboren. 
 
  • SÜSELBECK, Jan (2004): Down & Out.
    Hartz IV ist auch in der Soziologie angekommen. Die Zeitschrift Mittelweg 36 widmet den Arbeitslosen ihre neue Ausgabe
    in: Jungle World Nr.38 v. 08.09.
 
 
 
 
  • VOGEL, Berthold (2004): Der Nachmittag des Wohlfahrtsstaats.
    Reich gegen Arm, Markt gegen Staat heißen die Gegensätze in der gegenwärtigen Debatte um den Wohlfahrtsstaat. Dieser geht seinem Ende zu. An seine Stelle tritt der "gewährleistende Staat". Dieser Modellwechsel ist aber keine Einbahnstraße zu immer weniger Staat,
    in: TAZ v. 08.09.
    • Kommentar:
      Die TAZ druckt einen gekürzten Artikel aus der Zeitschrift Mittelweg 36 nach, den Jens BISKY bereits in der Süddeutschen Zeitung positiv besprochen hat.

            
        Die Soziologie der Neuen Mitte vollzieht damit einen Paradigmenwandel, denn nicht mehr der "unternehmerische Einzelne" oder der Überflüssige, sondern die Statusängste der neuen Mittelschichten stehen im Mittelpunkt des Ansatzes von Berthold VOGEL.
            
        In seinem Essay beschreibt VOGEL zuerst die Prinzipien des "sorgenden" Wohlfahrtsstaates, der als "soziale Aufstiegsmaschine und Statussicherungsinstanz" wirkte und jetzt durch die Hartz-Gesetze zum "gewährleistenden" Staat wird. Dieser neue Gewährleistungsstaat greift in erster Linie repressiv in den Randlagen ein und schafft neue Ungleichheiten.
            
        Um die neuen Bedingungen für die Mittelschichten in den Blick zu bekommen, bedient sich VOGEL eines neuen Begriffsinventars:
            
        "Wenn der wirtschaftliche Strukturwandel die Kernbereiche der Arbeitswelt erreicht, wenn die Neujustierung der wohlfahrtsstaatlichen Politik mehr und mehr auf die Mitte der Gesellschaft zielt und infolgedessen stabile Status- und Wohlstandspositionen fragil werden, dann ist es unabdingbar, den soziologischen Blick aus dichotomen Schemata zu befreien und ihn zu erweitern - von der Exklusion zur Vulnerabilität, von der Armut zum prekären Wohlstand."
            
        Mit dem Begriff der Vulnerabilität bzw. der sozialen Verletzbarkeit greift VOGEL einen Begriff des französischen Sozialhistorikers Robert CASTEL auf. Es geht dabei um die "gefühlte soziale Ungleichheit und Unsicherheit" der Mittelschichten.
            
        Der Begriff des prekären Wohlstandes verweist dagegen auf die Gefährdung des Lebensstandards.
            
        Beide Begriffe zusammen sollen die Mentalitäten der Mittelschichten im Rahmen der neuen Gesellschaftsordnung auf den Punkt bringen:
            
        "Beide Begriffe nehmen eine fragile Zone in den Blick, in der es zwar noch nicht um Armut und Arbeitslosigkeit, um Marginalisierung und soziale Ausgrenzung geht, in der der erreichte Lebensstandard und die errungenen beruflichen und sozialen Positionen dennoch nicht sicher sind.
      Die Frage von Auf- und Abstieg, von Stabilisierung und Destabilisierung, von Sicherheit und Unsicherheit steht in dieser Zone zur Diskussion. (...). Als Prozess- und Wahrscheinlichkeitsbegriffe verändern Vulnerabilität und prekärer Wohlstand die Sichtweise auf die Grundlagen der sozialen Ungleichheitsordnung, sie erweitern das sozialanalytische Vokabular und sie erlauben einen problemgerechten Blick auf die sich herausbildenden Ungleichheitsstrukturen in Zeiten neuer politischer Ordnungsmuster des Wohlfahrtsstaats.
      Prekarität des Wohlstands setzt freilich Wohlstand voraus, und nur Menschen, die Statussicherheit kennen, fürchten deren Vulnerabilität. Es geht um das Arbeiten und das Leben in der Mitte der Gesellschaft, um Aufstiegshoffnungen und Abstiegsängste, um die Bewahrung von Wohlstand und Sicherheit. Die Bezugspunkte dieser sozialen Mentalitäten und Orientierungen sind - neben dem »wohlfahrtsstaatlichen Arrangement« als Statusgarant - die Familie und die mit ihr verknüpften Strategien der Statusreproduktion; die Bildung und das Versprechen auf Statusverbesserung; der Konsum und die Haushaltsführung als Eckpunkte symbolischer Positionsgewinne und die Erwerbstätigkeit als Grundlage beruflicher und sozialer Karrieren, als sozialer Platzanweiser und Türöffner zum wohlfahrtsstaatlichen Leistungssystem.
      An den Orten der Statussuche und der Statusängste sind soziale Vulnerabilität und prekärer Wohlstand lokalisiert. Die Metamorphosen der Erwerbsarbeit spielen für den Gestaltwandel der gesellschaftlichen Mitte die zentrale Rolle."

            
        VOGEL charakterisiert abschließend die gegenwärtige Situation folgendermaßen:
            
        "Der hohe Mittag des sorgenden und auf unmittelbare gesellschaftliche Intervention orientierten Wohlfahrtsstaats ist überschritten, aber der Abend noch nicht erreicht. Wir bewegen uns in einer Zwischenzeit ohne Euphorie und Tragödie, ohne unverhofften Neubeginn und endgültigen Verlust. Staat, Klasse und Gemeinwohl erleben als Strukturbegriffe und Denkkategorien des Sozialen ihre Renaissance. Die Staatsbedürftigkeit der Gesellschaft tritt in den Nachmittagsstunden des Wohlfahrtsstaats aus den Kulissen hervor - zu ihrem letzten Auftritt oder in Erwartung ihrer politischen und sozialtheoretischen Neugestaltung?"
 
 
  • SEEWALD, Berthold (2004): Da weiß man, was man hat.
    Totgesagte leben länger: In Zeiten des Wandels wächst die Bedeutung der Familie,
    in: Welt v. 08.09.
    • Inhalt:
      SEEWALD beschreibt den Bedeutungszuwachs der Familie in Zeiten der Subsidiarität und der Geburtseliten:

            
        "Wer sorgt mit seinen Beziehungen dafür, dass der Nachwuchs in standesgemäße Positionen einrückt, die ein eingeebnetes Bildungssystem nicht mehr öffnet? Die Sippe. Wenn einst die Bundesrepublik als »Klassengesellschaft im Übergang zu einer pluralistischen Sozialverfassung« (Kurt Sontheimer) beschrieben wurde, dann ist es jetzt den Instrumenten dieser Dynamik zu verdanken, dass die Familie als konservierende Macht übrig geblieben ist.
      Der Abschied von der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft« (Helmut Schelsky) in einer Zeit, in der es eben doch wichtig geworden ist, was und wie viel einer erbt, hat das familiäre Selbstbewusstsein nachhaltig gestärkt. Nicht mehr die Leistung des Einzelnen, sondern die der Familie bestimmt die Position in der Gesellschaft, nicht nur ökonomisch, sondern auch mental."
 
  • Der Erfolg der Familienpartei bei der Saarwahl

    • KISSLER, Alexander (2004): Probier's mal mit Geborgenheit.
      Die "Familienpartei" umarmt den Staat und herzt die Kinder,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 07.09.
      • Inhalt:
        Alexander KISSLER stellt die Familienpartei vor:

              
          "Der Slogan »Höchste Zeit! Generation für Generation« hat offenbar die große Gruppe jener Väter und Mütter angesprochen, die von der rot-grünen wie von der christlichdemokratischen Sozialpolitik enttäuscht sind. Im Parteiprogramm (...) präsentiert sich die »Familienpartei« als wertkonservative Avantgarde und etatistisch denkende Umverteilungspartei mit hohem ethischen Anspruch."
              
          KISSLER findet jedoch auch anti-etatistische Züge und unkonservatives Gedankengut bei der Familienpartei.
    • HÖLSCHER, Astrid (2004): Die Familienförderer wollen keine Klientelpolitik betreiben.
      Kleine Partei erzielt im Saarland überraschenden Erfolg. Spitzenkandidat rückt Generationengerechtigkeit in den Mittelpunkt,
      in: Frankfurter Rundschau v. 07.09.
      • Inhalt:
        HÖLSCHER stellt die Familienpartei mit ihrem Bundesvorsitzenden Hans-Josef BREYER vor. Die Partei vertritt u.a. familienfundamentalistische Positionen wie das Familienwahlrecht.
    • KLINGELSCHMITT, Klaus-Peter (2004): Sieg der Kleinen.
      Die großen Parteien kriegen in der Krise ihre Anhänger nicht mehr an die Urnen.
      Im Saarland profitierten kleine Parteien wie die NPD. Aber auch die "Familienpartei",
      in: TAZ v. 07.09.
      • Inhalt:
        KLINGESCHMITT widmet sich nur kurz der Familienpartei:

              
          "Spektakuläre 3 Prozent errang die bürgerliche »Familienpartei« bei diesen Landtagswahlen. Die 1989 in Bayern gegründete Partei trat schon zu den Landtagswahlen 1999 an und kam damals auf etwas mehr als 1 Prozent. Die Partei fordert kostenlose Hort- und Grippenplätze für alle Kinder bis zur Einschulung und die Zahlung eines einkommensadäquaten steuer- und sozialversicherungspflichtigen Erziehungsgelds für Väter und Mütter.
        Der Vorsitzende der Familienpartei an der Saar ist ein Kinderarzt, der Spitzenkandidat im Wahlkreis Saarbrücken auch ein Kinderarzt - und der in Neunkirchen ein Studiendirektor. »Gutbürgerlich« also kommt die Familienpartei daher; und sie dürfte der Union von dem vor der Wahl prognostizierten Stimmenanteil von 51 Prozent doch wenigstens 2 Prozent allein »entführt« haben. Schließlich kam die CDU am Ende »nur« auf 47,5 Prozent."
    • BEWI (2004): Die Familienpartei,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 07.09.
      • Inhalt:
        BEWI berichtet, dass sich die Familienpartei der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) verbunden fühlt.
 
  • Roman "Neue Vahr Süd" von Sven REGENER

    • HEIN, Jakob (2004): Heldensagen.
      Mal was aus Frank Lehmanns Jugend: "Neue Vahr Süd", der neue Roman von Sven Regener ist da,
      in: Berliner Zeitung v. 07.09.
      • Inhalt:
        Der Schriftsteller Jakob HEIN hat "Herr Lehmann" als moderne Odyssee gelesen. Konsequenterweise ist deshalb "Neue Vahr Süd" in der Vergangenheit angesiedelt, denn hier lernt Frank Lehmann alias Odysseus sein Kriegshandwerk...
    • MÄRZ, Ursula (2004): Bremen an sich.
      Tach! Herr Lehmann ist wieder da, Sven Regener sei Dank,
      in: Frankfurter Rundschau v. 07.09.
    • SCHULZ-OJALA, Jan (2004): Berliner Freiheit.
      Sven Regener erzählt in „Neue Vahr Süd“ aus dem Vorleben von Herrn Lehmann,
      in: Tagesspiegel v. 07.09.
      • Inhalt:
        SCHULZ-OJALA ist eigentlich Lokalpatriot, aber dennoch kann er den Bremen-Roman auch Neueinsteigern in den Herr-Lehmann-Kosmos empfehlen:

              
          "Dreierlei macht das Buch auch für Neueinsteiger lesenswert. Zunächst nimmt Regener in seinem Provinz-Mikrokosmos die deutsche Bruchlinie an der Wende zu den Achtzigerjahren ins Visier, als die linken Splittergruppen ihre neue Heimat bei den Grünen suchten – und analysiert sie so sanft satirisch wie unaufdringlich konkret. Zweitens gibt er der Wehrpflicht, die junge Menschen damals 15 Monate in die Totalverblödung oder in den fingierten Selbstmordversuch trieb, zumindest literarisch den Gnadenschuss (...). Am nachhaltigsten aber bleibt dieser Frank als moderner, weil eklektisch-hedonistischer Charakter im Gedächtnis: nirgendwo wirklich zugehörig und daher von allen Denk- und Lebenslagern im Zweifel isoliert. Moral: Man muss Eigensinn kultivieren, anders kommt man nicht zu sich selbst.
        Am Ende ist »Neue Vahr Süd« guter Stoff für eine Coming-of-Age-Geschichte"
 
 
  • MAGENAU, Jörg (2004): Knalltüten zu Popanzen.
    Überzeugt von der eigenen Ideologiefreiheit: Sophie Dannenbergs "Das bleiche Herz der Revolution" ist eine spätpubertäre, eher private und tragisch dumme Abrechnung mit der Generation der 68er,
    in: TAZ v. 07.09.
 
  • SCHMIDT, Michael (2004): "Der harte Kern der CDU ist größer".
    Parteienforscher Walter über die SPD, bunte Milieus und die mangelnde Dynamik der Gesellschaft,
    in: Tagesspiegel v. 07.09.
 
 
  • SIMON (2004): Schweden und das Elterngeld-Modell.
    Interview mit Agnes Bührig, Schwedischer Rundfunk,
    in: DeutschlandRadio v. 07.09.
  • SIEMS, Dorothea (2004): Teure Kopfgeburt.
    Über 150 Milliarden Euro zahlt Deutschland im Jahr für Familien - trotzdem fehlen Kinder gerade aus gut gebildeten Schichten. Ein neues Elterngeld soll zu mehr Nachwuchs animieren. Aber finanzielle Förderung und Geburtenrate haben wenig miteinander zu tun,
    in: Welt v. 07.09.
    • Inhalt:
      SIEMS stellt das Konzept des einkommensabhängigen Elterngeldes von Renate SCHMIDT vor, das u.a. auf dem ökonomischen Konzept der Opportunitätskosten basiert.

            
        Bert RÜRUP hat dies in seiner "nachhaltigen Familienpolitik" ausgeführt.
            
        SIEMS plädiert für mehr Betreuungsangebote, da diese sinnvoller sind, denn "für gut Verdienende ist weniger der kurzfristige Verdienstausfall ein Hindernis als vielmehr die Schwierigkeit, später Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen."
  • EHRENSTEIN, Claudia (2004): Betreuung statt Bezahlung.
    Auch das viel gerühmte schwedische Modell brachte nur kurzfristige Erfolge - Weniger staatlicher Einfluss in den USA führt dort zu mehr Kindern,
    in: Welt v. 07.09.
    • Inhalt:
      EHRENSTEIN sieht nicht Schweden, sondern die USA als Vorbild für Deutschland, denn dort betreuen gering verdienende Kinderfrauen, Tagesmütter und Au-Pairs den Nachwuchs der wohlhabenden Schichten. Die Kinderbetreuung wird also privat und nicht staatlich organisiert.
 
 
  • SOLDT, Rüdiger (2004): Mehr Kinder, weniger Transfer.
    Familienministerin Schmidt bereitet einen Paradigmenwechsel in der Familienpolitik vor,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 06.09.
  • PRIES, Knut (2004): Von den Schweden das Kinderkriegen lernen.
    Schröder liebäugelt mit einem "Elterngeld" auch für Wohlhabende / Eichel und Schily vermissen dabei die Gerechtigkeit,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.09.
  • PRIES, Knut (2004): Schweden-Hammer,
    in: Frankfurter Rundschau v. 06.09.
    • Inhalt:
      PRIES kritisiert das geplante Elterngeld:

            
        "In dieser Logik übernimmt der Staat die Reparatur eines Vermögensschadens, den das Kind darstellt. Das ist nicht nur ungerecht, sondern leicht pervers. Darüber hinaus gilt: Sicher ist, dass hohe Kosten entstehen. Ob damit die angestrebte Wirkung erzielt wird, ist es nicht. Ein besseres Betreuungsangebot und der Abbau des Entgeltgefälles zwischen den Geschlechtern bleiben die überzeugenderen Rezepte."
  • KAMANN, Matthias (2004): Eltern,
    in: Welt v. 06.09.
 
  • BARTELS, Gerrit (2004): Dialektik mit Seelachsschnitzel.
    Die Bundeswehr als heiter-gespenstischer Ort, die K-Gruppen als hässliche Kinder der Studentenbewegung und Frank Lehmann als erfolgloser Glückssucher: Ein Treffen mit Sven Regener, dessen zweiter Lehmann-Roman "Neue Vahr Süd" morgen erscheint,
    in: TAZ v. 06.09.
    • Inhalt:
      Gerrit BARTELS empfiehlt Sven REGENERs Herr-Lehmann-Roman "Neue Vahr Süd" als Fortsetzung von Gerhard SEYFRIEDs Roman und als Gegenmodell zu Sophie DANNENBERGs Roman:

            
        "Lustigkeiten können verdecken, dass sich »Neue Vahr Süd« auch ideal als Fortsetzung von Gerhard Seyfrieds Roman »Der schwarze Stern der Tupamaros« lesen lässt und als Gegenmodell dazu: Beschäftigt sich Seyfried ernsthaft und sehr um Dokumentation bemüht mit der undogmatischen Linken der Siebzigerjahre, verpackt Regener die verbissene Linkspolitisierung in große, flauschige Hohlräume, dämmern bei ihm langsam die hedonistisch-popistischen Achtzigerjahre herauf. Und rechnet die mysteriöse Sophie Dannenberg mit »Das bleiche Herz der Revolution« verbiestert-peinlich mit den 68ern ab, blickt Regener lieber freundlich-entspannt auf eine graue, längst versunken geglaubte Zeit und bevorzugt Witze, statt sich zornentbrannt zu echauffieren."
 
  • BRAUN, Michael (2004): Götterlieblinge und Platzhirsche.
    Die deutsche Gegenwartsliteratur wird inventarisiert,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 06.09.
 
  • SPRECKELSEN, Tilman (2004): Wer zuerst sagt, was er wirklich will, hat verloren.
    Sven Regener über seine Herr-Lehmann-Fortsetzung "Neue Vahr Süd", seine politischen Lehrjahre und das alte Römische Reich,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
    • Inhalt:
      Sven REGENER spricht anlässlich der Veröffentlichung von "Neue Vahr Süd", einen Roman, der 1980 spielt, über seine K-Gruppen-Vergangenheit:

            
        "Das war alles zwischen meinem 16. und meinem 19. Lebensjahr, ich hab' deshalb in meiner Jugend aber nichts verpaßt, es war genauso Rock 'n' Roll wie jede andere Jugend auch. Das war überhaupt so eine Umbruchszeit damals, als es von der K-Gruppe wegging hin zu dieser ganzen Grünen-Geschichte. Leute, die eben noch die Diktatur des Proletariats und die Räterepublik einführen wollten und jeden an der Laterne aufhängen wollten, der bei drei nicht auf dem Baum war, wollten nun plötzlich die Bäumchen schützen. Die Zahl derer, die von den K-Gruppen kamen und bei den Grünen Karriere gemacht haben, ist Legion: Und das Komische ist: Man hört ja nie was von Leuten darüber, was sie damals für einen Schwachsinn erzählt haben."
            
        Im Gegensatz zu Sophie DANNENBERG, geht es bei REGENER also nicht um 68er-Popanze, sondern um jene 68er und deren Adepten, die heute noch die Berliner Republik bestimmen.
 
  • DIEZ, Georg (2004): Die Jahre, die ihr kennt.
    Letztlich sind wir alle aus Brooklyn: Jonathan Lethems Roman "Die Festung der Einsamkeit",
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
    • Kommentar:
      Georg DIEZ gibt anlässlich einer Rezension des Romans "Die Festung der Einsamkeit" Einblick in die Mentalität unserer Mitte-Eliten.

            
        Worauf gründet sich der Hass unserer globalen Klasse auf die deutsche Arbeitnehmergesellschaft und ihren Sozialstaat?
            
        "Es ist fast wie mit Dylan und den schwarzen Jungen, die ihm immer auf dem Weg zum Kiosk auflauern, wo er seine Comics kaufen will. Sie sagen, »hey, Whiteboy, hast du mal einen Dollar«, dann drehen sie ihm den Arm auf den Rücken oder nehmen ihn in den Schwitzkasten, er gibt ihnen seinen Dollar, sie ziehen grinsend ab, aber was soll er machen, das ist die Straße, das ist der Weg, das ist das Versprechen, dort hinten ist der Kiosk, er wird auch morgen wieder kommen, sie werden auch morgen wieder dort stehen, er wird sich vielleicht einen Dollar in den Strumpf stopfen und zwei Quarter in der Hand halten, er will die Comics".
            
        Der Schwarze ist unverkennbar der körperlich überlegende Arbeiter, der das schwächliche Söhnchen aus gutem Hause demütigt. Diese Kränkung zahlt ihm der erwachsene Mitte-Akteur nun heim, indem er - verpackt in neoliberale Ideologie - den Sozialstaat denunziert.
            
        Die Geschichte vom Erwachsenwerden, die DIEZ uns hier erzählt, ist der Kern der Mitte-Ressentiments. Und es ist völlig egal, ob die Geschichte nun selbst erlebt ist, oder Teil der überlieferten Familiengeschichte ist.
            
        Es ist der emotionale Kern der rational verbrämten neoliberalen Ideologie.
            
        Es ist mehr als konsequent, dass DIEZ den zweiten Teil der LETHEM-Geschichte ignoriert und abwertet. Schließlich möchte er seine Ressentiments pflegen.
            
        Dazu reicht die simple Zusammenfassung von Teil 1, eine Art Variation der Eminem-Saga:
            
        "Da sind Dylan und seine Eltern, Rachel und Abraham, sie ein Hippie, bevor es Hippies gab, er ein einst begabter junger Maler, der sich in der Arbeit an einem Zeichentrickfilm verloren hat. Dylan ist praktisch das einzige weiße Kind in der Gegend, er lebt wie ein Versuchskaninchen den Idealismus seiner Mutter, und er hat ein Leben lang Zeit, mit den Demütigungen eines umgekehrten Rassismus klarzukommen."
            
        Wir erkennen hierin die allgegenwärtige Klage unserer Mitte-Akteure, die sich als Opfer der Arbeitnehmergesellschaft fühlen...   
 
  • ADORJÁN, Johanna (2004): Für immer jung und dumm.
    Eine 13jährige im Körper einer 30jährigen - was hätte das für ein spannender Film sein können,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
    • Kommentar:
      Johanna ADORJÁN hat eigentlich keine Lust eine Filmkritik zu "30 über Nacht" zu schreiben, deshalb schreibt sie über das Frauenbild in der heutigen Gesellschaft.

            
        Das kommt jedoch ziemlich moralinsauer daher.
            
        ADORJÁN missgönnt den Hollywood-Diven ihre jüngeren Männer.
            
        In der traditionellen Altersstufen-Gesellschaft, die hier implizit als Maßstab herangezogen wird, erscheinen Serien wie "Sex and the City" als ein Sündenfall:
            
        "Ganze Fernsehserien drehen sich um die Frage, wie Frauen älter werden können, ohne die Würde zu verlieren. Und wenn man dabei an Carrie Bradshaw denkt, die Heldin aus »Sex and the City«, die mit Mitte Dreißig in windelkurzen Rücken und mit grellpink geschminkten Apfelbäckchen durch Manhattan stakst und deren Gedanken um nichts anderes kreisen als um die Fragen einer Siebzehnjährigen (bin ich schön genug, bin ich dünn genug, wie finde ich einen coolen Typen, der auf mich steht?), dann ahnt man: Es ist etwas gehört schiefgelaufen".
            
        ADORJÁN sieht eine größer werdende Zeitspanne zwischen dem biologischen Erwachsenwerden und dem soziokulturellen Erwachsensein als entscheidendes Problem:
            
        "Eine seltsame Welt: Nie waren Menschen schneller erwachsen als heute (das Durchschnittsalter, in dem Mädchen zum erstenmal Sex haben, liegt derzeit bei 16 Jahren, Tendenz immer jünger werdend) - nie konnten sie länger jung bleiben (das Durchschnittsalter, in dem Frauen ihr erstes Kind bekommen, liegt derzeit bei 28 Jahren, Tendenz steigend)."
            
        Leider mangelt es ADORJÁN an einer konsequenten Gesellschaftsanalyse.
            
        Eine Gesellschaft der Langlebigen hat zwangsläufig ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten, die hier völlig unberücksichtigt bleiben.
            
        Was bleibt ist lediglich ein Unbehagen, das sich mit dem Unbehagen von nationalkonservativen Bevölkerungswissenschaftlern deckt. Unerwähnt bleibt, dass zwar das Durchschnittsalter des Erstgebäralters (noch) gestiegen ist, aber bei jüngeren Frauenjahrgängen das Erstgebäralter gesunken ist!
            
        Der international renommierte Demograf John BONGAARTS geht sogar davon aus, dass in den westlichen Industrieländern die Geburtenrate unweigerlich steigen muss, weil der Geburtenaufschub nicht endlos weiter gehen kann. ADORJÁNs Problem würde sich demnach von selbst erledigen...  
 
  • HORN, Karen (2004): "Die Gesundheit wird Europas Wachstumsmotor".
    Der amerikanische Nobelpreisträger Robert W. Fogel erklärt, warum die Vergreisung der Gesellschaft halb so schlimm ist,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
    • Kommentar.
      Robert W. FOGEL hat eine frohe Botschaft für unsere Unternehmer zu verkünden.

            
        Aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung ist der technische Fortschritt auch weiterhin Motor des Wirtschaftswachstums. Die Produktivität wird weiterhin steigen und der Gesundheits- und das Bildungswesen soll der Motor dieses Wachstums werden.
            
        Dazu - und das ist die schlechte Botschaft für die Arbeitnehmer - müssen die staatlichen Sicherungssysteme zerschlagen werden. Der positive Nebeneffekt: Die private Vorsorgeindustrie wird der Profiteur dieser Maßnahmen sein...
 
  • GLOTZ, Peter (2004): Gibt's einen Ausweg aus der Merz-Müller-Sackgasse?
    Der Staubsauger des Keynesianismus hat Asthma bekommen. Und die neoklassischen Litaneien klingen schief,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
 
  • LEHNARTZ, Sascha (2004): Im Land der geistigen Eierwerfer.
    Im Osten wird die Systemfrage wieder etwas lauter gestellt. Daran ist der Westen nicht ganz unschuldig,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 05.09.
 
  • HEINE, Matthias (2004): Mit 40 hat man noch Träume.
    Nicht nur Frauen läuft die Zeit davon: Auch Männer fürchten, irgendwann einfach zu alt für ein Kind zu sein,
    in: Welt am Sonntag v. 05.09.
    • Kommentar:
      Matthais HEINE lässt - bevölkerungspolitisch korrekt - seiner Abneigung gegen späte Väter freien Lauf:

            
        "Je älter die Eltern, desto bizarrer ist meist das überbesorgte Gewese, das sie um ihr einziges Kindlein veranstalten. Man möchte eigentlich nicht enden wie die grauhaarigen Witzfiguren, die auf jedem Spielplatz zu beobachten sind: Im wohl artikulierten Duktus des Studienrats versuchen sie, kleine Terroristen zu überzeugen, dass diese doch bitte die Sandkiste verlassen mögen, ohne in stundenlanges Sirenengeheul auszubrechen."
 
   

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Zu den News vom  01. - 04. September  2004

 
 
   
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