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Medienrundschau:
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News vom
15. - 20. April 2004
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Zitat
des Monats:
"Sie
haben das Privileg, zu einer Generation zu gehören, die nicht
aufs Abstellgleis geschoben werden kann. Der Grund dafür ist
einfach: Die Alterspyramide erfährt eine dramatische Umkehrung,
die Tanne verwandelt sich in einen Atompilz.
Altwerden
als Massenphänomen wird vor allem die Industriegesellschaften
grundlegend verändern.
(...).
Während
diese Entwicklung gemeinhin als Schreckensszenario dargestellt
wird, das der Jugend ihr Recht auf Zukunft nimmt und generell
unfinanzierbar ist, birgt es für die Alten von morgen - und das
sind wir- ungeahnte Chancen.
(...). Die umworbene Masse ist automatisch die privilegierte
Klasse. Nur was uns interessiert, lässt sich verkaufen oder
politisch durchsetzen. (...).
Die
Investmentbank UBS Warburg vertritt die These, dass die
Gesellschaft zwar altert, aber alle davon profitieren. Da sich
in der Gruppe der heute 30- bis 49-Jährigen ein
überdurchschnittlich großer Anteil von Singles oder »Dinks«
(Double income, no kids) tummelt, ständen der Wirtschaft goldene
Zeiten bevor - ganz unabhängig von der US-Wirtschaft oder
strukturellen Reformen in Europa. Dinks und Singles geben ihr
Geld aus, statt es für die Nachkommen fest anzulegen.
Die
Rentendiskussion ist wie ein letztes Aufbäumen der Angstmacher."
(aus:
Martin Schacht "Die ewige Zielgruppe", 2004, S.12ff.) |
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MEL (2004): Wie eine Gemeinde die Geburtenfreude steigert.
Das Beispiel Laer bei Münster. Wo die Ganztagsbetreuung gesichert
ist, enscheiden Frauen sich leichter fürs Kinderkriegen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
- Kommentar:
Neben dem
urbanen Popelternmodell à la Prenzlauer Berg existiert
noch die katholische Landvariante im nordrheinwestfälischen Laer.
Von dort berichtet MEL. Was dabei zu
beachten ist: Sozialpopulisten nehmen den Geburtenrückgang, d.h. den
zahlenmäßigen Rückgang von Geburten, gerne zum Anlass, um die jungen
Singles zu verdammen.
Heutzutage ist es jedoch so,
dass hinter einem Geburtenrückgang eine Steigerung der Geburtenrate,
d.h. mehr Geburten pro Frau im gebärfähigen Alter stehen kann. Dies
ist in Laer der Fall.
Und es könnte auch bundesweit
der Fall sein. Der vor
kurzem gemeldete Geburtenrückgang sagt für sich genommen also noch
nichts aus.
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NOLTE, Paul (2004): Die Resistenz des deutschen Wurstbrotes.
Ulrich Beck, Nathan Sznaider und andere prüfen und präzisieren die
Thesen der Globalisierung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.04.
- Inhalt:
Der Historiker
Paul NOLTE kritisiert die "schicke
Gegenüberstellung einer nationalen »ersten Moderne« und einer
globalen zweiten oder »reflexiven Moderne«" von
Ulrich BECK.
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STEINBAUER, Agnes (2004): Brüchige Schulkarriere mit Happy End.
In den USA gibt es seit langem Klassen für Teenage-Mütter, nun
ermöglicht auch ein Bremer Projekt Jugendlichen mit Kind einen
Abschluss,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.04.
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): "Selbständigkeit überfordert Joblose".
Immer mehr Ich-AGs werden wieder abgemeldet. Sie sind die falsche
Beschäftigungsform, sagt Soziologe Günter Voß,
in: TAZ v. 19.04.
- Kommentar:
Der aktivierende Sozialstaat, der ein
unternehmerisches Selbst (Heinz BUDE) voraussetzt, läuft bei so manchem
auf eine Zwangsindividualisierung hinaus:
"Das Unternehmertum aus Not hat in der
Tat nichts mehr mit dem Unternehmer zu tun, den die Politik da immer
so vorstellt, mit Kreativität, Innovationskraft und Risikofreude.
Wir haben beispielsweise Ausfahrer von Pizzen oder Tiefkühlkost
befragt und sind dabei oft auf tragische Existenzen gestoßen, die
immer am Rande der persönlichen und ökonomischen Überforderung
arbeiteten. Ein Großteil der Berufstätigen sucht einen gesicherten
Arbeitsplatz und Anbindung, gerade auch Leute, die Familie haben."
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MASCHER, Caroline (2004): Babyboom à la française.
Kinder und Karriere sind im Nachbarland kein Widerspruch - dank
staatlicher Hilfe und eines umfassenden Betreuungssystems,
in: Focus Nr.17 v. 19.04.
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WEBER-LAMBERDIÈRE, Manfred (2004): "Für uns gilt das Prinzip
Freiheit".
Als Familienminister setzte Christian Jacob trotz Finanzkrise ein
Milliardenprogramm durch - etwa zur Schaffung von Krippenplätzen,
in: Focus Nr.17 v. 19.04.
- Kommentar:
Der deutsch-französische Vergleich verschweigt
gerne entscheidende Unterschiede der politischen Systeme beider
Länder, die eine einfache Übertragung von einem Land in ein anderes
erschwert.
Der Schweizer Soziologe Franz
SCHULTHEIS hat in seinem Buch Familien und Politik. Formen
wohlfahrtsstaatlicher Regulierung von Familie im
deutsch-französischen Gesellschaftsvergleich aus dem Jahr 1999
einen umfassenden Politikvergleich angestellt. Er kommt zu dem
Schluss:
"Im Unterschied zum
konservativ-verharrenden Charakter bundesdeutscher Familiepolitik,
die ihre normativen Leitvorstellungen weiterhin aus der Gründerzeit
der 50er Jahre zu beziehen scheint, kennzeichnet sich die
französische »politique familiale« durch eine sukzessive Anpassung
ihrer Zielvorgaben und Instrumente an die soziologischen Parameter
des gesellschaftlichen Wandels der letzten 30 Jahre. Da auf eine
explizite normative Vorgabe betreffs zu fördernder oder zu hemmender
familialer Lebensformen (mit oder ohne Trauschein,
»vollständig« oder »unvollständig«, geschlechtsspezifische oder
-neutrale Arbeitsteilung etc.) verzichtet wird, rückt hierbei mehr
und mehr die Kategorie des »Kindeswohls« ins Zentrum und spielt die
Rolle eines kleinsten gemeinsamen Nenners familienpolitischer
Diskurse und Praktiken, während rechtsrheinisch das Modell der
Gattenfamilie weiterhin einen paradigmatischen Stellenwert für die
Familienrhetorik besitzt." (S.70f.)
SCHULTHEIS beklagt also die
Tatsache, dass hierzulande die eheliche Hausfrauenfamilie
festgeschrieben wird, während in Frankreich ein weiter
Familienbegriff bestimmend ist.
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HARRIEHAUSEN, Christiane (2004): Die Lebensabschnittsimmobilie -
passend zum Partner.
Auf den Wohnungsmärkten wird wieder experimentiert. Mobilität und
Wohnen sollen zusammenkommen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.04.
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SCHMID, Thomas (2004): Die Altenrepublik.
Eine Studie über das Wahlverhalten der Deutschen kommt zu
Ergebnissen, die unerfreulich sind für die von Umfragen verwöhnte
Union,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.04.
- Kommentar:
Für die CDU/CSU war in den 50ern die Welt noch in
Ordnung. "Natürliche Gesetze" gab es da noch, jetzt ist alles
anders! Orientierungslosigkeit! Individualisierung! Möglicherweise
gab es bereits in den 50ern keine natürlichen Gesetze und die
Zukunftsoffenheit ist keine Erfindung der zweiten Moderne.
Im Grunde schreibt Thomas
SCHMID über einen Sachverhalt, der heutzutage Allgemeingut sein
sollte: Das Alter entscheidet über Sieg oder Niederlage einer
Partei. Generation 50 + titelte schon der Focus. Darüber hinaus
erfährt der Leser nichts darüber wie man die Alten für eine Partei
gewinnt. Viel Buchstaben für wenig Information...
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SACK, Adriano (2004): Die Medicis des 21. Jahrhunderts.
Sie beherrschen Latein und kennen die Texte von Beyoncé Knowles, sie
googeln täglich, aber lesen trotzdem noch Romane. Außerdem sind sie
perfekte Bluffer. Wie das Bildungsbürgertum eine Zukunft hat
in: Welt am Sonntag v. 18.04.
- Kommentar:
Bildungsbürgerliche Kanons sind in, sie haben
In-und-out-Tabellen und sonstige Pop-Listen abgelöst.
Manche Bildungskanons lesen
sich jedoch wie Flirtguides: eine Liste von Themen, bei denen das
Gegenüber auf alle Fälle smalltalkfähig ist.
Bei
Adrian SACK ist alles Generation Golfmäßig massentauglich.
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LINDEMANN, Thomas (2004): Freiheit, Gleichheit, Bierseligkeit.
Die Rückkehr der Kneipenehrlichkeit: "Kolks blonde Bräute" von
Frank Schulz feiert den kleinen Mann am Tresen,
in: Welt am Sonntag v. 18.04.
- Kommentar:
LINDEMANN verkauft
Popmythen als Rockismus:
"Die »Glocke« in Hamburg-Eppendorf ist
eine von tausenden
Eckpinten, einer jener Orte, an denen - so der Mythos - das Land
zusammentrifft: vom Arbeitslosen bis zum Manager, alle
gleichgemacht durch die Kraft des Bieres. Ein Modell, das gerade
seine Renaissance erlebt. Es scheint, als seien Lounges und Clubs
nicht mehr das, wonach der Zeitgeist am lautesten ruft.
(...) In der Popmusik kam die Neuorientierung zuerst. (...) Und nun
kommen Anzeichen für den neuen Stil der ehrlichen Gefühle auch aus
der Literatur. Doch wer die beiden Bedienungen der
»Glocke« fragt,
ob sie schon einmal von dem Schriftsteller
Frank Schulz gehört
haben, erntet Kopfschütteln. Dabei hatte der Autor eben dieser
Hamburger Kneipe ein literarisches Denkmal gesetzt: Hauptsächlich in
der nur leicht verfremdeten
»Glocke« spielt sie sich ab, die
ungestüme, verschlungene und ergreifende
Säufernovelle
»Kolks blonde Bräute«, die
vor elf Jahren im Schweizer Haffmans-Verlag erschien, bald
vergriffen war und von da an ein Dasein als Geheimtipp führte.
Morgen kommt der Roman wieder auf den Markt."
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ESCH, Christian & Hendrik Munsberg (2004): Den Ruck habe ich noch
nicht gesehen.
Lord Ralf Gustav Dahrendorf über Reformpolitik und den Liberalismus
in Zeiten der Lustlosigkeit,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 17.04.
- Kommentar:
In einem ausuferndem Interview geht es um Gott und
die Welt.
Ralf DAHRENDORF weist u.a.
darauf hin, dass der typische neoliberale Benchmarking-Vergleich in
erster Linie dazu dient, um Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Unterschiedliche politische Regime
wie Großbritannien und Deutschland lassen sich z.B. nicht auf einen
simplen Indikator reduzieren wie DAHRENDORF am Beispiel des
Pro-Kopf-Einkommens aufzeigt:
"Wenn man in beiden Ländern lebt,
dann weiß man, dass im Pro-Kopf-Einkommen allzu vieles einfach nicht
vorkommt. Die Verfügbarkeit von öffentlichen Dienstleistungen ist ja
im Grunde ein Teil des Einkommens von Individuen. Wenn die nicht
verfügbar sind, wie das vielfach in Großbritannien oder den USA
gilt, dann nützen einem die schönsten Zahlen über Pro-Kopf-Einkommen
und Wirtschaftswachstum nichts."
Ob die positive
Einschätzung der Grünen im Vergleich zur negativen Einschätzung der
SPD der Realität entspricht, ist mehr als fraglich:
"Gerade
die Sozialdemokraten sind zur eigentlichen Besitzstandspartei
geworden. In dieser Partei haben die, die profitiert hatten von der
Sicherheitspolitik der Nachkriegszeit, ihre politische Heimat
gesucht. Sie werden daher am härtesten getroffen. Ich finde es
außerordentlich interessant, dass man bei den Grünen viel weniger
Protest hört. Die Grünen sind eben in der Generationenstruktur schon
eine Nachbesitzstandsgeneration, in der sogar Verständnis dafür
herrscht, dass heutige Staatsverschuldung von ihnen bezahlt werden
muss."
Richtig ist eher: Bei den
Grünen werden um andere Besitzstände gekämpft als bei der SPD!
Aufschlussreich dagegen: Auch in den 50er Jahren gab es in
Deutschland strukturschwache Regionen, die sich ENTVÖLKERTEN:
"Ich erinnere mich
noch gut, wie man im Westen in den 50er-Jahren darüber jammerte,
dass Schleswig-Holstein entvölkert wird, weil alle nach Bayern
gehen, wo der Freizeitwert so ungeheuer hoch ist. Das ist bis zu
einem gewissen Grade ja auch wahr gewesen. Heute gehen die alle
zurück nach Schleswig-Holstein."
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BESSING, Joachim (2004): Der Nichtsnutz,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.04.
- Kommentar:
Tristesse Royale in der SZ:
Junker
BESSING beschäftigt sich mit dem Nichtsnutz.
Ist er reich und weiblich wie Paris
HILTON, dann ist der Nichtsnutz zu entschuldigen. Er tritt nicht
pöbelhaft in unseren Alltag, sondern getrennt durch eine Mattscheibe
bleibt er erträglich.
Der ordinäre Nichtsnutz gehört
eindeutig nicht dem gleichen Milieu wie BESSING an, denn er
beherrscht nicht die feinen Unterschiede:
"Wenn der Nichtsnutz keiner
wäre, würde er uns Bartleby von Hermann Melville schenken,
doch dies würde bedeuten, dass er sein eigenes Programm als ein
solches durchschauen wollte".
BESSING wendet sich
offensichtlich an Möchtegern-Insider, denn Hermann Melville ist
einfach zu viel Information für Leute, die sich auskennen, noch
raffinierter wäre einfach die Nennung der Redewendung. So bleibt es
beim Namedropping für Anfänger...
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FUCHS, Oliver (2004): Da-Damm-Da-Damm.
Fünfzig Jahre Rock 'n' Roll: Der Elefant mit Taktgefühl macht
einfach weiter,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.04.
- Kommentar:
FUCHS zitiert erst einmal Christian KRACHTs
Bekenntnis zum Rock - aus - natürlich:
Tristesse Royale (wird grundgesetzlich falsch geschrieben!).
Danach führt er das
typische Erwachsenwerden eines Achtzigerjahrejugendlichen
(ziemlich second order) aus, um danach den Unterschied zwischen Pop
und Rock zu erklären:
"Pops Programm: Zerstreuung,
Irreführung, Ironie. Verwirrend-betörendes Spiel mit Zeichen.
Dagegen Rock: Klartext reden; sich selbst treu bleiben; »Ich« sagen,
zu allem eine »Meinung« haben".
Um dann definitely maybe zu
behaupten, dass Kapitalismus und Rockismus die beiden mächtigsten
Welterklärungssysteme des Westens seien.
Bei soviel 80erjahrejungend
darf Prophet DIEDERICHSEN nicht fehlen, der Anfang der 90er den Rock
für tot und HipHop zum neuesten Trend erklärte.
Und zum Schluss noch ein
richtiger Popmythus für alle, die aufgepasst haben:
"Die Mission ist längst
erfüllt, alle Forderungen sind durchgesetzt, Spaß, Spannung und jede
Menge Sex gibt es längst in jeder Oberammergauer
Reihenhaussiedlung".
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ROX (2004): Frau, ohne Kind,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 17.04.
- Inhalt:
ROX stellt das Buch
"Frau ohne Kind" von Viola
ROGGENKAMP vor:
"Die
Publizistin Viola Roggenkamp hat dreizehn Frauen im Alter zwischen
30 und 55 Jahren um eine opulent gedeckte Tafel versammelt. «Sechs
von uns konnten noch bequem Mutter werden, drei sassen auf der
Kippe, für die anderen vier an meinem Tisch war das Thema gegessen,
sie waren Mitte, Ende vierzig und zwei über fünfzig, eine davon war
ich. Keine von uns dreizehn Frauen war Mutter.»"
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WINKELMANN, Ulrike (2004/2029): "Feuer, das alles treibt. Ein
starkes, klares, das ewig bleibt".
Über neue Gefühle und Probleme beim Partnervertragsrecht,
in: TAZ v. 17.04.
- Kommentar:
Außergewöhnlich bei der Jubiläums-TAZ ist nur der
Preis. Aufgrund des aufwendigen Layouts hat es dann nicht mehr für
das Redigieren des Textes gereicht, was auch gar nichts macht, denn
von Romantik wird man sowieso nur besoffen,
also
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25 Jahre werktäglich TAZ
- Kommentar:
Die Glückwünsche zum Jubiläum sind in erster
Linie Nachrufe auf die Alternativzeitung, die die TAZ einst war.
Joseph von WESTPHALEN
gratulierte bereits am Ostersonntag in der FAS.
Die ZEIT hat ehemalige
TAZ-Journalisten die "gute alte Zeit" beschwören lassen. Auch der
Tagesspiegel hat von Deutschlands billigster Journalistenschule
profitiert.
Im DeutschlandRadio kritisierte der Ex-TAZ-Chefredakteur Michael
SONTHEIMER die heutige TAZ als zu unpolitisch, was wohl eher einem
spezifischen Politikverständnis geschuldet ist. Nie war die TAZ
politischer als heutzutage - gemessen an traditionellen
Politikmaßstäben.
Bascha MIKA legte in der FR
vom 16.03. den TAZ-Führungsanspruch dar:
"In zehn Jahren hat die taz 100 000
Auflage und ist schön, reich und berühmt. Nun sind wir schon
ziemlich schön, in gewissem Rahmen auch berühmt, nur immer noch
nicht reich. In zehn Jahren möchte ich auch das geschafft haben, und
dass wir das entscheidende und meinungsführende Blatt für die
gesellschaftliche und intellektuelle Elite in diesem Land sind."
Wie das zu bewerkstelligen ist,
das hat das TAZ-Gespräch mit
Heinz BUDE und Katrin GÖRING-ECKARDT
gezeigt. Mit der gelifteten Mitte-TAZ wird das rot-grüne Bündnis ins
schwarz-grüne Projekt überführt werden.
Paul NOLTE,
den die ZEIT gerade porträtiert hat, ist neben BUDE jener
Mitte-Intellektuelle, der diese neue Melange zwischen
Wertkonservatismus und
Family-Gentrification verkörpert, mit dem das neue Bürgertum
seine Vormachtstellung in der neuen Klassengesellschaft behaupten
möchte.
Man darf gespannt sein, welche
Brüche dieser Kurswechsel zur Folge hat. Und ob er überhaupt
gelingt...
-
LAU, Mariam (2004): Grüße aus der Gegenöffentlichkeit: die "taz"
wird 25.
Ihr Kapital waren ihre Leidenschaften, der galoppierende Irrsinn
und der zähe Professionalismus ihrer Redakteure: Seit einem
Vierteljahrhundert behauptet sich die andere Stimme der deutschen
Presselandschaft,
in: Welt v. 17.04.
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SEEßLEN, Georg (2004): Madonna mit Kind.
Freundliche Übernahme. Oder warum auch dieser Superstar
verschwinden muss,
in: Freitag Nr.17 v. 16.04.
- Inhalt:
"Madonna Ciccione spielt den Familienroman der
nachpatriarchalen Gesellschaft; sie ist die Frau, die ihre Identität
finden muss jenseits der Organisation einer verlässlichen Familie
(aber nicht unbedingt gegen sie, wie der traditionelle »ödipale«
Rebell)", schreibt
Georg SEEßLEN in einem ausufernden Artikel
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AREND, Ingo (2004): Der Geist kehrt wieder.
Thor Kunkels aufschlussreicher Roman "Endstufe". Rechte
Steilvorlage,
in: Freitag Nr.17 v. 16.04.
- Inhalt:
AREND hat Parallelen zwischen
Michel
HOUELLEBECQ und
Thor KUNKEL entdeckt:
"Was in Michel Houellebecqs
Elementarteilchen der Nachlass des fiktiven Wissenschaftlers
Michel Djerzinski ist, der die »Bedingungen zur Möglichkeit der
Liebe« wiederherstellen möchte, sind bei Kunkel Lottes Vermächtnis,
die den Zusammenbruch überlebt hat, in den USA zur
Tingeltangel-Queen mit NS-Appeal aufgestiegen ist und schließlich
als tote Göttin einer rechten Sekte aufgebahrt wird. Ihr unterlegt
Kunkel die Vision einer Zukunft, in der der »Eros als geistige Macht
gilt« und das »Geld als Statthalter der toten Materie« überwunden
ist. Ähnlich wie sein französischer Kollege reanimiert Kunkel die
antiwestlichen, antizivilisatorischen und antimaterialistischen
Ideologeme der Zwischenkriegszeit."
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KÖHLER, Andrea (2004): Der Blahnik-Code,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 16.04.
- Inhalt:
Andrea KÖHLER berichtet aus New York über die
Folgen des
"Sex and the City"-Konsums:
"Seit Carrie Bradshaw das verschärfte
Stiletto- Fieber auslöste, gilt selbst unter halbwegs
zurechnungsfähigen New Yorkerinnen der Pfennigabsatz als das Podest
der emanzipierten urbanen Frau. Nun waren Schuhwerk und
Arbeitsmarkt, Vorzimmerträume und Hintergedanken immer schon innig
liiert. Der Feminismus, der den Marsch durch die Institutionen in
Birkenstock antrat, ist nun in Pumps in den Chefetagen gelandet. Das
ist vielleicht einer der Gründe, weshalb sich ein grosser
Prozentsatz der Amerikanerinnen die Füsse vom Schönheitschirurgen in
Stöckelschuh-Passform bringen lässt. Immer mehr Frauen, meldete
unlängst die «New York Times», lassen sich die Zehen verkürzen, das
Fersenfett absaugen, die Nägel verkleinern oder die Sohlen polstern
- um hohe Schuhe tragen zu können."
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DIETSCHREIT, Frank (2004): "Ich liebe es, zu weit zu gehen".
Der französische Autor
Frédéric Beigbeder hat es als Erster gewagt,
einen Roman über den 11. September zu schreiben. Ein Gespräch,
in: Tagesspiegel v. 16.04.
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RH (2004): Kinderreich im Osten,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.04.
- Kommentar:
Vor etwas mehr als einer Woche
teilte uns die FAZ noch die zunehmende Kinderlosigkeit in den alten
Bundesländern und die Befürchtungen der Bevölkerungswissenschaftler
mit, nun heißt es plötzlich:
"Im Osten Berlins (...) kündigt
sich eine demographische Wende der anderen Art an: Mitte,
Friedrichshain und Pankow (sind) bevorzugte Wohnviertel für
Neuberliner jüngeren Alters. Und sie bekommen Kinder, sogar mehr
Kinder als sonstwo in der Republik. Die Statistik nennt Zuwachsraten
von dreißig Prozent und mehr. Die Mütter gehören zumeist zu jener
Schicht, die normalerweise das Heer der Kinderlosen verstärkt:
Akademikerinnen unter 45 Jahren, in großen Städten lebend."
Was hier so erstaunt in der Zeitung für
Deutschland wahrgenommen wird, ist für regelmäßige Leser von
single-dasein.de ein alter Hut.
Family-Gentrifier heißt diese Gruppe der
neuen Popmütter im Fachjargon progressiver Soziologen (gibt es
tatsächlich noch in diesem ansonsten dahindämmernden Fach). Die
Vereinbarkeit von Mutterschaft, Beruf und Selbstverwirklichung
treibt hier neue Blüten.
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KÖNIG, Jens/LANG, Susanne/UNFRIED, Peter (2004):
"Etwas Großartigeres als Kinder gibt es nicht".
Katrin Göring-Eckardt hat den Grünen das Thema Familie
beschert. Privat wohnt die Grüne Fraktionsvorsitzende mit Mann und
Kindern in einem Häuschen, glaubt an Gott und baut Ikea auf. Lebt sie
konservativ - oder progressiv?
in: TAZ v. 15.04.
- Kommentar:
Auf der ersten Seite wird ein "ungewöhnliches
taz-Gespräch" angekündigt. Was dann kommt, ist nichts anderes als
Katrin GÖRING-ECKARDT (wird als jene angepriesen, die 2001 die
Umwandlung der Grünen von der Single- zur Familienpartei initiierte.
Mit dem grünen Müttermanifest von 1984 war dagegen nur die
Umwandlung zur Kinderpartei vollzogen worden!)
Einen bestechenden Vorteil hat
diese Sprecherin der Generation Golf: Sie holt endlich die gelebte
Praxis der Neuen Mitte auf die kommunikative Ebene.
Die Ex-Linken haben sich
spätestens seit Anfang der 90er Jahre mit der
Lebenslüge eingerichtet, dass sie
in einer Single-Gesellschaft leben.
Der Bestseller
"Das ganz normale Chaos der Liebe" von BECK/GERNSHEIM war das
erste erfolgreiche wertkonservative Pamphlet dieser Neuen
Mitte. Der Trick dabei: es basierte auf einer "katholischen"
Statistik! Im Thema des Monats Mai wird dies näher begründet werden.
Die Konformisten des Andersseins
sind mit GÖRING-ECKARDT also nur bei sich angekommen. Sie dürfen
jetzt endlich uncool und spießig sein und das sogar sagen! Was jetzt
als "konservativer Schub" gefeiert wird, findet also nur noch auf
der verbalen Ebene statt.
SCHIRRMACHER dürfte sich freuen,
denn die schwarz-grüne Koalition wird im Interview bereits
vorweggenommen.
Die CDU und ihre ehemalige
Familienministerdarstellerin REICHE wird von GÖRING-ECKARDT lässig
rechts überholt:
"Sie sind verheiratet?
Ja.
Warum?
Um den göttlichen Beistand zu erhalten. Weil ich glaube, dass
man eine Partnerschaft nicht alleine schafft, wenn überhaupt."
Dies wird selbst von der CSU und
Markus SÖDER schwer
zu toppen sein!
Weil man nicht nur
wertkonservativ, sondern auch progressiv sein will, bekennt man sich
auch gleich noch zur Privatschule und zur Putzhilfe.
Damit beendet GÖRING-ECKARDT jene
Doppelmoral, die z.B. Bodo MORSHÄUSER 1993 den linken Gutmenschen vorgeworfen hat:
"Ein Beispiel ist das Paar um die
Vierzig, das sich überlegt, auf welche Schule es seine Tochter
schickt. Die nahe gelegene Schule hat einen hohen Ausländeranteil.
Eine weiter entfernte hat fast nur deutsche Schüler. Die
linksliberalen Eltern entscheiden sich für die Schule, die weiter
weg liegt und hauptsächlich von deutschen Schülern besucht wird. Da
sie »im Grunde«, wie sei sagen, für eine multikulturelle
Gesellschaft »eintreten«, haben sie im Gegenzug eine
afrikanische Putzfrau
eingestellt." (Warten auf den Führer, S.104)
Ach ja, mit dem hohen
Ausländeranteil an staatlichen Schulen hat GÖRING-ECKARDT ihre
Entscheidung gegen staatliche Schulen natürlich nicht begründet, so
weit ist man nun doch noch nicht...
Wir warten jetzt eigentlich nur
noch darauf, dass die TAZ endlich auch das Plädoyer für eine aktive
Bevölkerungspolitik auf ihre Agenda setzt! Die Jubiläumsausgabe am
17. April wäre doch die richtige Gelegenheit...
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BUHR, Elke (2004): Achtung alle,
in: Frankfurter Rundschau v. 15.04.
- Kommentar:
Popmutter Elke BUHR lässt am "neuen Junkertum" eines
Joachim BESSING kein gutes Haar.
Während Katharina RUTSCHKY
"Rettet die Familie" bereits als reaktionäres Pamphlet
eingeordnet hat, sortiert es BUHR in die neokonservative Schublade
ein.
Ihre
Story liest sich wie ein Märchen aus 1001 Alpträumen:
"Die unverheirateten Mägde waren
entweder zu jung und zu anstrengend für den ermüdeten Junker, oder
sie waren bereits gebraucht und hatten schon ein Kind von einem
andern. So nahm der Junker also die rotlockige Schönheit Alexa
Hennig von Lange zur Frau, die eine zweijährige Tochter hatte,
zeugte mit ihr ein weiteres Kind und fand sich fortan in einer so
genannten Patchwork-Familie wieder. Doch oh weh: Er fühlte sich gar
nicht gut. Nein, nicht weil seine Frau als Schriftstellerin ungleich
erfolgreicher war als er - zumindest überliefern dies die Zeugnisse
nicht. Sein Problem war vielmehr das Patchwork-Prinzip: Der private
familiäre Raum, in dessen Abgeschiedenheit er sich einzugraben
gedachte, stand unter dem Störfeuer des bösen Dritten, des Vaters
des Patchwork-Kindes."
Was bleibt? Die Rückzüchtung der
Form: "Die Linie der überflüssigen Zusatzfamilie muss in der
nächsten Generation »aussterben«."
Man sollte sich jedoch fragen,
ob es nicht einen Zusammenhang zwischen BECK/GERNSHEIMs
"Das ganz normale Chaos der Liebe"
und BESSINGs "Rettet die Familie!" gibt.
Die Zustandsbeschreibungen sind
sich ähnlicher als man glaubt, nur die Lösungsversuche differieren.
Ohne den
Terror der Individualisierungsthese könnte BESSINGs Buch nicht
auf fruchtbaren Boden fallen.
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THADDEN, Elisabeth von (2004): Rentenbeiträge oder Kinder.
Der Bundesgerichtshof drückt sich um die wichtigen Fragen,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 15.04.
- Kommentar:
Eine Adlige bläst zum Krieg gegen die
Kinderlosen!
Die ZEIT hat den Artikel nicht ins Netz
gestellt. Offenbar sollen Singles nicht lesen, was Frau von THADDEN
fordert:
"Entweder man erzieht Kinder
mit allem was das an Kosten und Einbußen bedeutet, oder man
finanziert die Renten der Alten", fordert die Autorin.
Sie schließt sich damit
Singlefeinden wie Jürgen BORCHERT und
Hans-Werner SINN an.
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MAYER, Susanne (2004): Unsere teuren Alten. Wir.
Was hilft gegen Falten und den Krieg der Generationen: Liebe?
Hormoncreme? Sozialreform? Eine Suche nach frischen Ideen,
in: Die ZEIT Nr.17 v. 15.04.
- Inhalt:
"Ein
Theologe, ein Zukunftsforscher. Eine Sozialarbeiterin, der
Herausgeber einer großen Tageszeitung. Vier Autoren nehmen vier
verschiedene Haltungen gegenüber einem Thema ein, das als
Problemfeld von globaler Dimension beschrieben wird, so weit
herrscht Einigkeit" schreibt
Susanne MAYER in ihrer Besprechung von
neuen Büchern über die alternde Gesellschaft.
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SCHNEIDER, Markus (2004): Die Gedanken danach.
Fortpflanzung und Altersversorgung gehören zusammen wie Mann und
Frau. Was also soll der Staat mit Leuten machen, die kinderlos bleiben
wollen? Ihnen die Rente kürzen? Das Stimmrecht entziehen?
in: Weltwoche Nr.16 v. 15.04.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 06. - 14. April 2004
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