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Medienrundschau:
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News vom
11. - 17. August 2005
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Zitat
des Monats:
"Was
heute an den demografischen Klagemauern bejammert wird -
Geburtenrückgang, Vergreisung, Migration -, sind nicht Irrläufer
und Ausläufer der Evolution. Eher kündigt sich darin eine neue
Entwicklungsstufe mit neuen Problemlösungen an. Gesellschaften
stellten ihre Nachwuchssicherung um: von vielen, riskanten und
kurzen auf wenige, sichere und längere Lebensläufe; von
Quantitäten auf Qualitäten; von biologischer auf soziokulturelle
Reproduktion; von Autarkie auf Arbeitsteilung. Diese neue
Arbeitsteilung zwischen produktiven und reproduktiven,
kinderarmen und kinderreichen Gesellschaften gilt womöglich nur
für eine Übergangsphase von 50 oder 100 Jahren. nach und nach
werden alle Kulturen sich umstellen: von einer breiten
Reproduktionsbasis mit hoher Sterblichkeit auf eine schmale
Basis lang lebender Individuen.
Dies
zu begreifen und zu akzeptieren, fällt uns schwer."
(Karl
Otto Hondrich im Cicero, August 2005)
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FUHRIG, Dirk (2005): Wer braucht einen Sprachkurs?
Imran Ayatas jedenfalls nicht: Sein Debüt "Hürriyet Love Express"
ist federleicht und ohne Attitüde,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.08.
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Vorstellung des 7. Familienberichts
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FR (2005): Junge Frauen und Männer wollen wählen.
Ein einkommensabhängiges Elterngeld schafft mehr Möglichkeiten
für verschiedene Lebensplanungen
Auszug aus dem 7. Familienbericht,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.08.
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SPERBER, Katharina (2005): An der Realität vorbei,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.08.
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KRAMM, Jutta (2005): Geld macht keine Kinder.
Rot-Grün ist in der Familienpolitik gescheitert. Die Union kann
es nicht besser,
in: Berliner Zeitung v. 17.08.
- TAZ-Brennpunkt
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HARTMANN, Andreas (2005): Scheiß auf Punk.
Wo beginnt Punk, wo endet er? Was von New Wave hat überlebt, was
hat sich überlebt? Zwei neue Bücher und diverse Platten fahnden immer
noch,
in: Jungle World Nr.33 v. 17.08.
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ARNING, Matthias (2005): Aus Liebe zum Eigensinn.
Kämpferisch und penetrant: Udo Di Fabio wirbt für die Freiheit und
sehnt sich nach einem Aufbruch in eine neue bürgerliche Epoche,
in: Frankfurter Rundschau v. 17.08.
- Inhalt:
Matthias ARNING lobt das Buch
"Kultur der Freiheit" des
Familienfundamentalisten Udo Di FABIO, weil es in de Tradition des
libertären Konservatismus eines Paul NOLTE und
Paul KIRCHHOF steht:
"Di
Fabios Denken knüpft an den Historiker Paul Nolte und den
Rechtswissenschaftler Paul Kirchhof an. Mit Nolte verbindet ihn das
Verständnis der Brüderlichkeit als sozio-moralisches Substrat des
Sozialstaats, mit Kirchhof teilt er das Bild des in staatlicher
Verfasstheit lebenden Menschen als eines selbstbewussten, zur
autonomen Gestaltung seines Lebens fähigen Wesens."
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VORBRINGER, Anne (2005): Nicht nur für Muttersöhnchen,
in: Berliner Zeitung v. 16.08.
- Inhalt:
VORBRINGER geht kurz auf die Geschichte der
Wohngemeinschaften ein,
stellt das
Problem der Nichterfassbarkeit vor, weil sie mehrheitlich den
Single-Haushalten zugerechnet werden. Daneben gibt es WG-Tipps und
es werden 5 WG-Typen vorgestellt:
- Die Riesen WG: Wohnen wie in einer Großfamilie (Claas WEINMANN)
- Die Villen WG: Zwischen Ölgemälden und Kronleuchtern
- Die Ex-Häftlings-WG: Ein Leben nach dem Gefängnis
- Die Demenz-WG: Würdevolles Vergessen (Antje LANG-LENDORFF)
- Die Politikerinnen-WG: Ein Ersatz-Zuhause fernab vom Wahlkreis
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HARTMANN, Michael (2005): Auf dem Weg zur Zwei-Klassen-Universität.
Der Wandel der westeuropäischen Hochschullandschaft fördert die
soziale Selektion - und zwar nicht nur aufgrund von Studiengebühren,
in: Frankfurter Rundschau v. 16.08.
- Inhalt:
Michael HARTMANN, durch das
wegweisende Buch "Der Mythos von den Leistungseliten" bekannt
geworden, widmet sich in dem Artikel der zunehmenden Selektivität
der Hochschulen:
"In
Zukunft wird sich die Situation auch in Deutschland verändern. Es
wird dann Universitäten mehrerer Kategorien geben. Die der ersten
und zweiten Kategorie werden einen weit überproportionalen Teil der
privaten und staatlichen Gelder erhalten und sich bei den
Wissenschaftlern und Studierenden "die Rosinen" herauspicken können.
Sie werden in weit stärkerem Maße als heute für den Nachwuchs des
Bürgertums reserviert sein, während die Masse der Studierenden aus
der breiten Bevölkerung mit den anderen Hochschulen vorlieb nehmen
muss, die aufgrund fehlender finanzieller wie personeller Ressourcen
immer schlechtere Bedingungen bieten werden."
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SCHIRRMACHER, Frank & Jürgen KAUBE (2005): Die Illusion der Republik.
Was der Sozialstaat
versprochen hat, ist nicht mehr zu finanzieren: Fragen an Kurt
Biedenkopf zu einem Ausweg aus der Krise des Systems der sozialen
Sicherung,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.08.
- Kommentar:
Kurt BIEDENKOPF brüstet sich damit, dass er und
Meinhard MIEGEL bereits im Jahr 1977 erkannt hätten, dass das
Umlagesystem der Sozialversicherung aufgrund des demografischen
Wandels nicht haltbar sei.
Tatsächlich
ist der demografische Wandel gar nicht hauptsächlich für die Krise
der sozialen Sicherung verantwortlich.
Während
z.B. Soziologe Karl
Otto HONDRICH das Problem der Geburtenkrise als sekundär
betrachtet, könnte man genauso gut behaupten, dass die Eliten im
Gegensatz zu früher nicht mehr zur gesellschaftlichen Solidarität
gewillt sind. Wir hätten es dann mit einem Prozess der
Entsolidarisierung zu tun.
Außerdem
gilt: Nicht die Krise, sondern ein profitabler Markt ist es, der
Motor einer Privatisierung der Altersvorsorge ist. Wer Profit machen
möchte, dem sollte verboten werden das als gesellschaftliche Krise
zu deklarieren!
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SZ-Serie: Wahl 2005 - Die Alternde Gesellschaft (Folge 4)
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GRAUPNER, Heidrun (2005): Gemeinsam statt einsam.
Das Drei-Generationen-Modell: In einem Genossenschaftsbau in
München erproben Großeltern, Eltern und Kindern ein friedliches,
freundliches Zusammenleben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
-
HOFFMANN, Andreas (2005): Die Rente als Rätsel und Angstmacher.
Andere Länder, ähnliche Probleme: Das System der Alterssicherung
kränkelt in vielen Industriestaaten - und nicht nur Deutschland
versucht Reformen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
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KISSLER, Alexander (2005): Der fremde Papst.
Schlau aber hoffnunglos katholisch. Joseph Ratzinger und
Deutschland. Eine zerrüttete Beziehung?
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.08.
- Kommentar:
Alexander KISSLER
nervt!
1990
als Sten NADOLNY seinen Roman "Selim
oder die Gabe der Rede" veröffentlichte, war der Topos von den
barbarischen 68ern und dem gekränkten Intellektuellen noch
einigermaßen unverbraucht.
Spätestens
seit Michel HOUELLEBECQ jedoch, und erst recht nach
Sophie DANNENBERG,
ist das nur noch öde! Offenbar soll damit von anderen Problemen
abgelenkt werden.
Sind
die Kritiker der 68er den Kritisierten nicht zum Verwechseln
ähnlich?
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MONATH, Hans (2005): Große Sorgen um die Kleinen.
Der Familienbericht wird am Dienstag vorgestellt. Deutschland hat
danach lange in der Familienpolitik fast alles falsch gemacht. Wie
könnte es in Zukunft besser laufen?
in: Tagesspiegel v. 15.08.
- Inhalt:
Anlässlich der morgigen Vorstellung des 7.
Familienberichts der Bundesregierung, stellt MONATH schon einmal ein
paar Elemente der geplanten Familienpolitik vor, die bereits seit
längerem diskutiert werden.
Dazu
gehören das Elterngeld, eine Familienkasse nach französischem
Vorbild und die Veränderung der Rahmenbedingungen, die dafür sorgen,
dass Frauen ihre Kinder erst ab 30 bekommen (Anmerkung: das kann man
alles bereits unter dem Etikett "Nachhaltige Familienpolitik" z.B.
bei Bert RÜRUP und
Hans BERTRAM nachlesen).
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SCHÄUBLE, Juliane (2005): Wild auf den Westen.
Junge Frauen kehren Ostdeutschland den Rücken. Zurück bleibt eine "männerlastige
Bevölkerung",
in: Tagesspiegel v. 13.08.
- Inhalt:
"In ganz Ostdeutschland gibt es keine einzige Region
mit einem Frauenüberschuss, dafür teilweise 20 Prozent weniger
weibliche als männliche Einwohner", berichtet SCHÄUBLE über eine
Studie von Torsten OBST.
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KREYE, Andrian (2005): Die Beseelung einer Vorstadt durch den
Schrecken.
Von wegen Rückzug in die Idylle: "Lunar Park",der neue Roman von
Bret Easton Ellis, erscheint in den Vereinigten Staaten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.08.
- Inhalt.
Anlässlich des Erscheinens seines neuen
Romans, singt Andrian KREYE ein Loblied auf Bret Easton ELLIS:
"Ellis
war (...) die entscheidende Stimme, der Autor, de eine ganze
Generation gleichaltriger und nachfolgender Schriftsteller prägte,
auch wenn er das selbst natürlich abstreitet. Ohne Ellis hätte es
keinen Christian Kracht, keinen Michel Houellebecq und keinen Irvine
Welsh gegeben - und wahrscheinlich auch nicht seine umso
freundlicheren Antipoden wie Douglas Coupland, Nick Hornby und Dave
Eggers. Ellis war es auch, der mit jedem Roman einen passenden Ton
zum momentanen Lebensabschnitt seiner Altersgenossen fand, egal ob
er in »Less Than Zero« und »Rules Of Attraction« den Hedonismus des
Collegelebens auseinandernahm, den zynischen Kern des Karrierismus
in »American Psycho« oder die planlose Sinnsuche in Pop und Politik
der neunziger Jahre in seinem jüngsten Roman »Glamourama«."
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WIDMANN, Arno (2005): Arbeit, Freiheit, Sicherheit.
Ulrich Beck über das Ende der Erwerbsideologie, die Schwierigkeiten
der Demokratie, die offene Gesellschaft und ihre terroristischen
Feinde,
in: Magazin der Berliner Zeitung v. 13.08.
- Kommentar:
Nichts Neues von Ulrich Beck, aber das wortreich...
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BERTH, Felix (2005): An der Belastungsgrenze.
"Seit den siebziger Jahren hat die Bundesrepublik Chancen
verpasst". Zeitdruck, Finanznot und eine hilflose Politik: Der neue
Familienbericht beschreibt die Lage deutscher Eltern und fordert vom
Gesetzgeber pragmatische Korrekturen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.08.
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RUTSCHKY, Michael (2005): Herr und Verhüter.
Die Utopie vom wohlgeordneten Haus: Das deutsche Sicherheitsdenken
berauscht sich an einem Staat, der alles heilt,
in: Tagesspiegel v. 12.08.
- Kommentar:
Aus der Perspektive des intellektuellen
Überfliegers betrachtet
Michael RUTSCHKY, ein Angehöriger
der 68er-Generation, uns im System Verirrte:
"Der
Aufruhr, den die Hartz-Reformen in den Mittelschichten hervorgerufen
haben, zeigt, wie tief hier die Utopie des wohlgeordneten Hauses
sich auswirkte. Plötzlich schienen alle von Arbeitslosigkeit
bedroht, und der Staat, der Herr im Haus, verweigerte ihnen die
nötigen Subsistenzmittel. Die gefühlte Gesellschaft verwandelte sich
in ein hilfloses Massenheer (...).
Der
Soziologe Ulrich Beck hat die unsere als »Risikogesellschaft«
erkannt und »Individualisierung«
als deren Grundprinzip beschrieben. Das war ein bisschen
geschummelt, denn es ist das Grundprinzip der modernen Welt, in der
jeder für sich selbst verantwortlich ist und seine Existenz nicht
fundamental dem Gehorsam gegenüber seinem Herrn verdankt, dem er von
Geburt an zugehört oder dem er seine lebenslange Loyalität vermacht.
So kann man es schon bei Adam Smith und Hegel und den anderen
Theoretikern der bürgerlichen Gesellschaft lesen; eben dies ist die
Trennung von Staat und Gesellschaft, aus der die moderne Welt
hervorgeht, in der die Freiheit sich selbst kontrolliert.
Die
Angestelltenexistenz, zu der heute die allermeisten Werktätigen
verurteilt sind, kann diese Verhältnisse verschleiern."
Ein
Glück, dass es noch den gefühlten, frei schwebenden Intellektuellen
gibt...
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FINGER, Evelyn (2005): Reine Privatsache.
Es gibt keine Pflicht zum Kind. Wer Frauen etwas anderes einredet,
verrät eine totalitäre Gesinnung,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.
- Kommentar:
"Kinderlosigkeit, so lautet der unterschwellige
Vorwurf, verrät mangelnden Gemeinsinn. Da wird Elternschaft zu einem
Akt des Altruismus umgedeutet. Da wird vergessen, dass noch längst
nicht erwiesen ist, ob die demnächst zu gebärenden Kinder später
unsere Rente erwirtschaften oder nur das Heer der Arbeitslosen
vergrößern. Vor allem aber wird das Recht auf freie Wahl eines
Lebensmodells geleugnet und ein idealistisches
Verantwortungsbewusstsein eingeklagt – ausgerechnet in einem
historischen Augenblick, da der Sozialstaat sich am liebsten aus der
Verantwortung stehlen würde",
klagt
Evelyn FINGER, um dann zu fragen, wie die Kinderlosen auf diese
Vorwürfe reagieren:
"Was
aber tun die kinderlosen Frauen? Sie rechtfertigen sich, anstatt den
Vorwurf des Hedonismus höhnisch lachend zurückzuweisen. Sie lassen
sich einschüchtern von den Schreckensvisionen eines einsamen
Dahinsiechens, das ihnen ab dem 40. Lebensjahr blühe, anstatt den
zynischen Verhältnissen mit Zynismus zu begegnen."
Mit
der Erzählung "Geschlechtertausch" (1975) von Günter De Bruyn und
dem Roman "Der Report der Magd" (1985) von Margaret ATWOOD meint
FINGER das nötige Rüstzeug für die Kontroverse Eltern gegen
Kinderlose zu haben:
"1985
beschrieb Margaret Atwood in ihrem apokalyptischen Zukunftsroman
Der Report der Magd eine fiktive Republik Gilead, deren oberstes
Staatsziel die Sicherung der Fortpflanzung ist.
Nachdem die »europiden Rassen«
jahrelang einen drastischen Geburtenrückgang zu verzeichnen hatten,
werden auf der Grundlage einer perversen Verantwortungsethik die
Frauen entmündigt und zu Gebärmaschinen degradiert. In Gilead ist
das äußerste Mittel zur Erhaltung der Nation zugleich das äußerte
Mittel der Unterdrückung. – Nun besteht vielleicht wenig Gefahr,
dass Deutschland sich bald in ein Gilead verwandelt. Aber Margaret
Atwood erinnert uns daran, dass Kinder Geiseln sein können, die die
Mütter daran hindern, sich gegen die bestehenden Machtverhältnisse
aufzulehnen. Bei Atwood ist die kinderlose Frau das Andere zum
Totalitarismus, der Schrecken der Männer, eine Partisanin, die keine
Rücksichten nehmen muss außer auf sich selbst."
Neben
dieses heroische Modell der kinderlosen Frau stellt FINGER das
Feindbild der kinderlosen Karrierefrau, wie es bereits Mitte der
80er Jahre in der
Kontroverse um das Müttermanifest der Grünen
zutage trat.
Wie
damals Claudi PINL, versucht nun FINGER die Kontroverse zwischen
Eltern und Kinderlosen zu beenden und die Energien auf den
gemeinsamen Gegner zu lenken:
"Doch
solange die Mütter diesen Vorwurf nur den Kolleginnen und nicht auch
den Kollegen machen, bleibt der gemeinsame Feind unerkannt: ein
politisches System, wo Elternschaft eher bestraft wird als belohnt
und wo dem Einzelnen aus dem Gesellschaftsvertrag bald nur noch
Pflichten erwachsen könnten, aber keine Rechte mehr."
Am
Ende bleibt nur der Appell:
"wichtiger
ist es für die Demokratie, Kinderlosigkeit nicht als einen
Lifestyle, sondern als Freiheitsrecht zu verteidigen."
Man
könnte aber auch sagen, Evelyn FINGER ist ein
Opfer der herrschenden Single-Rhetorik,
denn Kinderlosigkeit ist nicht einfach ein oberflächliches
Lifestyle-Phänomen oder Ausdruck eines heroischen Kampfes, sondern
das Ergebnis ganz verschiedener Faktoren.
Lebenslange
Kinderlosigkeit ist zudem wesentlich weniger verbreitet als es die
Rede vom demografischen Wandel nahe legt.
Wer
meint, dass Kinderlose eine ernstzunehmende gesellschaftliche Macht
seien, der ist den Familienfundamentalisten auf den Leim gegangen.
Statt
dem gesellschaftlichen Zynismus mit persönlichem Zynismus zu
begegnen, sollten sich Singles politisch organisieren und der
Single-Lüge in Wissenschaft, Politik und
Medien eine neue Sichtweise entgegen setzen.
Statt
wie Evelyn FINGER, isoliert mit dem Rücken zur Wand zu kämpfen,
hilft hier nur eine gemeinsame politische Offensive.
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GASCHKE, Susanne (2005): Kinder, Küche, Karriere? Nicht bei uns.
Deutschland hat weltweit eine der niedrigsten Geburtenraten. Und es
sind vor allem die Akademikerinnen, die sich auf ein Leben ohne Kinder
einstellen. Helfen kann nur ein neuer Geschlechtervertrag,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.
- Kommentar:
Im
August 2003 hat Susanne GASCHKE ihrer Generation Golf, speziell
dem Frauenjahrgang 1965, Gebärfaulheit vorgeworfen.
Damals
hat single-generation.de bereits widersprochen.
Inzwischen ist auch empirisch bewiesen, dass dieser Geburtsjahrgang
wesentlich gebärfreudiger ist, als GASCHKE damals behauptet hat.
GASCHKE
hat damals nicht mit den Spätgebärenden gerechnet.
Auf diese setzt nun
sogar das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Sie sollen für den neuen Babyboom sorgen.
Aber
auch bei der Kinderlosigkeit der Akademikerinnen liegt GASCHKE
vollkommen daneben.
Christian SCHMITT hat nachgewiesen, dass die Kinderlosigkeit bei
den Akademikerinnen wesentlich niedriger ist als es die öffentliche
Debatte behauptet.
Und
auch der Indikator Heirat, den GASCHKE als Beweismittel nennt, muss
in seiner Bedeutung relativiert werden, denn in den neuen
Bundesländern werden über 50 % der Kinder unehelich geboren.
Unsere
"katholische Statistik" führt dazu, dass Trendaussagen in Zukunft
immer unwägbarer werden.
Dies musste inzwischen auch das Statistische Bundesinstitut in
Wiesbaden eingestehen.
Wir
haben es nicht mehr mit gesicherten Erkenntnissen zu tun, sondern
mit einem Glaubenskrieg, in dem das Ziel die Argumentation leitet.
In diesem Stadium ist es dann auch nicht mehr weit zum Fatalismus:
Der simplifizierenden Gebärstreikthese wird dann ein
trotziges
Gebärweltmeister entgegen geschleudert.
Der
Familienwahlkampf tritt mit dem heutigen Tag in seine heiße Phase
und das sind keine Zeiten für kühle Betrachtungen...
-
GASCHKE, Susanne (2005): Keine Privatsache.
Der neue Familienbericht provoziert: Fortpflanzung ist ein
gesellschaftliches Ziel. Nur die Wirtschaft muss das noch erkennen,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.
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LAU, Jörg (2005): Die Macht der Jugend.
Jugendkulturen, eine ZEIT-Serie: An die Stelle der großen
Jugendbewegungen sind unüberschaubar viele Szenen und Stile getreten.
Die meisten davon sind politischer, als es scheint,
in: Die ZEIT Nr.33 v. 11.08.
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RM-SPEZIAL:
Glücksfaktor Familie.
Nur mit Kindern hat Deutschland Zukunft. Alle
Parteien beklagen im Wahlkampf den fehlenden Nachwuchs. Doch kein
Politiker hat ein wirksames Rezept gegen den Mangel. Was hilft
wirklich?
-
MAYER, Tilman (2005): Kostbarer Nachwuchs.
ROT-GRÜN: Die Familienpolitik hat die Demografie entdeckt –
endlich,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 11.08.
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SCHMID, Josef (2005): Volk des Verschwindens.
Demografie: Neun
Bevölkerungsprognosen gibt es für Deutschland. Keine stimmt
hoffnungsfroh .Selbst wenn mehr Menschen zuwandern, als heute
angenommen wird, nimmt der Anteil der Senioren stetig zu. Doch die
Politik schaut weg
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 11.08.
-
LINNEWEBER, Silke (2005): Vorfahrt für Eltern.
ALTERSVORSORGE: Das umlagefinanzierte System begünstigt
ausgerechnet Kinderlose. Eine Alternative wäre die Kinderrente.
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 11.08.
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GIERTH, Matthias (20059: Schusters Spielwiese.
Stuttgart: Die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg will
kinderfreundlichste Kommune Deutschlands werden,
in: Rheinischer Merkur Nr.32 v. 11.08.
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PROSINGER, Wolfgang (2005): Grüner wird's nicht.
Die Rekordhalter, Teil 1. Wo die Parteien bei der letzten
Bundestagswahl ihr bestes Ergebnis hatten. Heute: die Grünen,
in: Tagesspiegel v. 11.08.
- Kommentar:
PROSINGER stellt uns den Neuen Menschen vor.
Er
wohnt in der grünen Variante der "Gated Community", in Vauban
(bezeichnenderweise nach einem französischen Festungsbaumeister
benannt), einem Stadtteil von Freiburg:
"Fast
88 Prozent von ihnen haben bei der Bundestagswahl 2002 für Rot-Grün
gestimmt. Wobei die SPD mit 18,6 hier entschieden der Juniorpartner
ist. (...). Die CDU scheiterte mit 3,7 grandios an der
Fünf-Prozent-Hürde, nur 41 Bewohner wählten sie, und die FDP
schaffte knapp ein Prozent. Die grünen 69 Prozent sind deutscher
Rekord, nirgendwo anders wurde dieses Ergebnis auch nur annähernd
erreicht."
Den
"Vauban-Menschen" charakterisiert PROSINGER folgendermaßen:
"Zwischen
30 und 40 Jahre sind die meisten Leute hier, sie haben Kinder und
ein bisschen Geld. An die 75 Prozent sind hier privates Eigentum,
und 55 Prozent verzichten aufs eigene Auto. (...) Arme, Alte,
Ausländer ziehen kaum auf Vauban. Gleich und Gleich gesellt sich
nirgendwo so gern wie hier, jeder kennt jeden, und jeder kennt auch
ein bisschen die Gedanken des anderen: Sie sind ja so ähnlich wie
die eigenen. Ein selbst gewähltes Ghetto."
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FEDDERSEN, Jan (2005): neokon ist noch lange nicht cool.
Die Union ist immer noch eine Partei für Lifestyle-Verlierer. Ein
Sumpf von quakenden Nörglern. Daran vermag auch eine Kanzlerkandidatin
Angela Merkel nichts ändern. Vor allem ihr fehlen die Visionen,
in: TAZ v. 11.08.
- Kommentar:
"Warum gelingt es der Opposition, warum gelingt es
deren Anführerin Angela Merkel nicht, aus der Schwäche der Regierung
Kapital zu schlagen? Oder anders gefragt: Warum gibt es unter den
Deutschen, die inzwischen schnell gelangweilt und einer Sache
überdrüssig sind, keine Wechselstimmung? Es hat vermutlich zwei
Gründe, und beide sind letztlich nicht politische, sondern kulturelle.
Der eine Grund ist Angela Merkel, der andere der Zustand der
Konservativen in Deutschland", erklärte
Thomas SCHMID am 19.01.2005 im DeutschlandRadio.
Das
unterscheidet sich nicht von dem, was Jan FEDDERSEN erst gestern im
DeutschlandRadio gehört haben will.
FEDDERSEN
dagegen will
nichts mehr davon wissen,
dass es mit Schwarz-Gelb kulturell doch gar nicht viel schlechter
werden kann, stattdessen zieht er über die Partei der
Lifestyle-Verlierer her.
"Schluss
mit lustig"-Peter HAHNE gilt ihm - wie auch
schon Ijoma MANGOLD -
als konservatives Schreckgespenst.
Ob Schwarz doch noch zu retten ist?
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom
05. - 10. August 2005
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