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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 10. - 16. August

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Den Deutschen fehlt die Gelassenheit in Sachen demografischer Wandel

"Fehlprognose nach Fehlprognose hinderte Demographen und andere Publizisten nicht daran, die Katastrophe an die Wand zu malen. Für fünf bis 20 Jahre kann man sinnvolle Prognosen stellen, auf Generationen voraus aber sagen sie seit je den Untergang vorher - denn nur durch die Wahl »möglichst weite[r] Zeiträume für statistische Berechnungen [kann] die konstatierte Bedeutungsschwere der Bevölkerungsentwicklung überhaupt publikumswirksam« dargestellt werden.
             Noch im Jahre 2005 wiederholen die deutschen Medien unverdrossen die alten Schreckensmeldungen - »Kontinent ohne Kinder«, »Land ohne Kinder«, »Land der Greise«, »Den Deutschen fehlt der Wunsch zum Kind«, »Lieber kinderlos als arbeitslos«, »Die kinderarme Gesellschaft« - wie ein Mantra.

aus: Thomas Etzemüller (2007, S.147) - Weltuntergang
             (...).
Ja, wie soll man eigentlich nicht in allertiefste Lebensangst verfallen, wenn Deutschlands Publizisten sich zu derart schrillen Geißelungszügen durch die Republik aufmachen? Sie vereinnahmen jedes Problem, jede Veränderung.

             (...).
Wie erleichternd ist es da, schwedische Tageszeitungen zu lesen. Dank Viggo und Jakob und Elisa wächst die Bevölkerung. Ausländer gehören dazu, man muß sie nur zu integrieren. Immer wieder gibt es einen baby boom, in den 1960ern, 1990ern und just nach der Jahrtausendwende. Junge Akademikerpaare ziehen in die Großstadt, heiraten nicht, arbeiten beide und bekommen trotzdem Kinder, oft mehr als zwei. Die drohende Flut der Alten? Ein Mythos, schreibt der Chefökonom des Arbeitgeberverbandes (...). Die Alten lebten länger und seien gesünder als früher, man müsse sie nur ins Arbeitsleben integrieren, jeden nach seinem Vermögen. Ohnehin habe die Kategorie des Alters etwas Willkürliches, deshalb könne man sie auch neu definieren. (...). Natürlich ist nicht alles eitel Sonnenschein. (...). Die schwedische Geburtenrate ist die niedrigste in Nordeuropa, so etwas wurmt. (...). Aber (...) die Gelassenheit, mit der etwas als Problem beschrieben wird, wenn es wirklich ein Problem aufgefasst wird, um es dann zu lösen, sollte man auch in Deutschland etwas mehr pflegen."
(aus: Thomas Etzemüller "Ein ewigwährender Untergang" (2007, S.146ff.)

 
       
       
     
     
     
   
  • BINDER, Nora (2007): Licht aus, Sport an.
    Eos TV will der erste "Trauerkanal" werden,
    in: Frankfurter Rundschau v. 16.08.
 
     
     
   
  • GERNERT, Johannes (2007): Superreiche als Forschungsobjekt.
    Anwalt der Millionäre,
    in: Frankfurter Rundschau v. 15.08.
    • Inhalt:
      GERNERT porträtiert den Soziologen Thomas DRUYEN, der seit März Professor für Vermögensforschung in Wien ist.

                  Die Superreichen unterteilt DRUYEN in Reiche und Vermögende:
                  "Reiche horten ihre Besitztümer, Vermögende aber lassen die Gesellschaft daran teilhaben - über ihre Stiftungen"
 
   
  • STATISTISCHES LANDESAMT (2007): Rund 92 000 Lebendgeborene im Jahr 2006 - Niedrigster Stand seit 1978.
    Historische Wende: Erstmals seit 1983 wieder mehr Sterbefälle als Geborene,
    in: Pressemeldung Statistisches Landesamt Baden-Württemberg v. 15.08.
    • Exklusiv-Story von single-generation.de
      Die Ökonomie der Aufmerksamkeit verlangt markige Worte. Historische Wende! Dabei ist die verkündete Wende nichts als ein Konstrukt, das Bevölkerungsforscher erfunden haben, um ihrem Gegenstand mehr Dringlichkeit zu verleihen.

                  Der Historischer Thomas ETZEMÜLLER stellt in seinem spannenden Buch "Ein immerwährender Untergang" (siehe auch die Rezension in der TAZ) die Stilmittel des demographischen Katastrophendiskurses vor ("Die Pyramide steht Kopf!", "Die Altenlast ist erdrückend!", oder die Mär von der natürlichen Bevölkerungsbewegung), mit denen Bevölkerungswissenschaftler dem Publikum die Gefährlichkeit von Bevölkerungsvorgängen vermitteln.
                  Der Bevölkerungsstatistiker Friedrich BURGDÖRFER ("Volk ohne Jugend"), der am Ende der Weimarer Republik und im Dritten Reich die  bevölkerungspolitischen  Inszenierungen perfektionierte, war ein Meister dieses Genres. Herwig BIRG ist in dessen Fußstapfen getreten.
                  Niemand würde sich ernsthafte Sorgen über die Bevölkerungsentwicklung machen, wenn nicht ständig irgendwelche Kennzahlen zur Umkehr mahnen würden.
                  Was ist geschehen? In Baden-Württemberg ist quasi Normalität eingekehrt, weil im Jahr 2006 es nun auch im letzten Bundesland mehr Gestorbene als Geborene gibt.
                   Entscheidend ist jedoch, dass die Geburtenrate weiterhin nur geringfügig um das normale Niveau schwankt:
                  "Die durchschnittliche Kinderzahl, die 1 000 Frauen während der Altersphase von 15 bis unter 45 Jahren zur Welt bringen, ist in 2006 mit rund 1 340 Geborenen gegenüber dem Vorjahr (1354 Geborene je 1000 Frauen) nur wenig gesunken."
                  Das leichte Sinken der Geburtenrate dürfte u.a auf die politischen Streitigkeiten um das Elterngeld zurückzuführen sein. Der negative Einfluss politischer Debatten auf die Geburtenrate lässt sich längst belegen. Ein Aufschub von Geburten ins Jahr 2007, der erwartbar war.
                  Zudem hat sich das Gebäralter weiter erhöht, wodurch die tatsächliche Geburtenrate unterschätzt wird.
                  Aber wie Thomas ETZEMÜLLER schreibt: Wenn alles im normalen Bereich ist, dann werden Bevölkerungsstatistiker ignoriert.
                  Die Geschichte, wie sich bevölkerungspolitische Gefahren plötzlich von heute auf morgen im Nichts auflösen, wartet noch darauf geschrieben zu werden.
 
     
     
     
     
     
   
  • GAULAND, Alexander (2007): Der Familie misstrauen.
    Leyen sägt an den christlichen Wurzeln der CDU,
    in: Tagesspiegel v. 13.08.
    • Inhalt:
      "
      Manchmal sind Lösungen verblüffend einfach. Ursula von der Leyen hat mit ihrer Ablehnung der so genannten Herdprämie deutlich gemacht, dass es ihr nicht um Wahlfreiheit, sondern um eine möglichst flächendeckende Kindergartenerziehung geht, und Christa Müller, die Ehefrau Oskar Lafontaines, mit ihrer Unterstützung christlich-konservativer Positionen, dass sie das Kleinkind in der Familie nach wie vor am besten aufgehoben sieht.
      Und so wie von der Leyen mit ihrer familienkritischen Haltung die Grundwerte der CDU/CSU verletzt, so Müller mit ihrem Festhalten an Geschlechterrollen die feministische Linke. Es wäre also das Klügste, Frau von der Leyen übernähme die frauen- und familienpolitische Sprecherrolle der PDS und CDU/CSU würden Frau Müller zur Familienministerin bestellen
      ", scherzt Alexander GAULAND angesichts einer scheinbar verdrehten Welt, die ein SPIEGEL-Sommerloch-Interview sichtbar machte.
 
   
  • KRASTEV, Ivan (2007): Die Stunde des Populismus.
    Gegen das "Andere": Zornige Wähler und antidemokratisch gesinnte Eliten gefährden den Liberalismus,
    in: Tagesspiegel v. 13.08.
    • Inhalt:
      "
      Es ist gleichermaßen pervers wie wahr, dass die europäischen Eliten in unserer Epoche der Demokratie heimlich von einem System träumen, welches unverantwortliche Wähler daran hindert, den Anspruch auf eine vernunftgeleitete Politik zu untergraben, und dass sie nur allzu bereit sind, die Europäische Union zu benutzen, ihren Traum wahr zu machen.
                  (...).
      Im Zeitalter des Populismus verläuft die Front nicht zwischen links und rechts, zwischen Reformern und Konservativen. Vielmehr sind wir Zeugen eines strukturellen Konflikts zwischen Eliten, die die Demokratie mit wachsendem Argwohn betrachten, und einer zornigen Wählerschaft, die zunehmend antiliberal wird.

                  (...).
      Wer die Demokratie retten will, ist dazu aufgerufen, an zwei Fronten zu kämpfen: gegen die Populisten und gegen die liberalen Verächter der Demokratie
      ", meint Politikwissenschaftler Ivan KRASTEV.
 
   
  • GRAUPNER, Heidrun (2007): Armut raubt die Zukunft.
    Der bejubelte Aufschwung in Deutschland ist nur ein Teil der Wahrheit: Wer auf die inflationären Zahlen in den Armutsstatistiken schaut, wird nicht mehr von Aufschwung reden,
    in: Süddeutsche
    Zeitung v. 13.08.
 
   
  • SCHULZ-OJALA, Jan (2007): Zu mir oder zu dir. Die Frage aller Fragen,
    in: Tagesspiegel v. 12.08.
    • Inhalt:
      "Alle Noch-Singles müssen sich entscheiden, wenn sie verzweisamen in der Nacht. Und alle Wieder-Singles. Und die Zwischendurch-Singles und die Sowieso-Singles sowieso: Wenn sie sich finden (...), dann muss die Antwort auf die Frage aller Fragen her. Und zwar schnell.
      Sicher gibt es Vernunftgründe. Zu dir ist es näher. Bei mir steht grundsätzlich Champagner im Kühlschrank. Du hast eine Katze, die gefüttert werden will. Ich habe aufgeräumt. Du wohnst in Tempelhof, mein Flieger geht um acht. Ich hab das schmalere Bett. Du willst mir deine Briefmarken-, pardon: deine Bierdeckel-, pardon: natürlich deine Beach-Boys- DVD-Sammlung zeigen.

                  Tatsächlich aber entscheiden Temperamente. Es gibt die Eroberer und die Abschlepperinnen, die Eroberinnen und die Abschlepper, und nur wenn das passt, passt es auch", meint SCHULZ-OJALA.
 
     
   
  • GUTSCH, Jochen-Martin (2007): Date mit der Portfolio-Frau,
    in: Magazin der Berliner Zeitung v. 11.08.
    • Inhalt:
      Jochen-Martin GUTSCH über eine unangestrengte Form des Zusammenseins:

                  "Mit den Jahren blieben bei Alex ein paar Bekanntschaften in der Phase zwischen Freundschaft und Liebe stecken, sie sammelten sich zu einem kleinen Portfolio an Telefonnummern, und wenn die Einsamkeit zu groß wird, gibt es immer irgendeinen Notausgang. Es passiert automatisch, sagte Alex. Plötzlich hat man ein Portfolio.
                  Ich sagte: Vielleicht ist die Portfolio-Frau das neue Ding. Eine unangestrengte Form des Zusammenseins. Sie könnte sich etablieren wie Bionade oder Sushi."
 
     
   
  • DENK, Felix (2007): Erst nervöser Krach, dann federleichte Pop-Songs.
    Mit Post-Punk kam der große musikalische Umbruch: Simon Reynolds berichtet über die Musik der Jahr 1978 bis 1984,
    in: Süddeutsche
    Zeitung v. 11.08.
    • Inhalt:
      "Die überraschende These des englischen Popkritikers: Nicht Punk revolutionierte die Popmusik, sondern die Jahre danach. Erst mit Post-Punk kam der große musikalische Aufbruch. Punk provozierte zwar seine ideologischen Gegner, also Hippies, Kiffer, Linke und Genesis-Hörer; zu mehr reichte es nicht. (...). Für Post-Punk galt das Gegenteil: »Die Sex Pistols haben 'No Future' gesungen«, so Allen Ravenstine von der Band Pere Ubu. »Aber es gibt eine - und wir bauen sie«", schreibt DENK anlässlich des Erscheines der deutschen Übersetzung von Simon REYNOLDS' Buch "Rip it up and Start Again". 
 
   
  • DAHMS, Martin (2007): Spanien braucht mehr Kinder.
    Der Staat entdeckt die Familienpolitik,
    in: Frankfurter Rundschau v. 11.08.
    • Inhalt:
      "
      Nach dem Tod des Diktators Franco und dem Ende seines »national-katholischen« Regimes sank die Geburtenrate von durchschnittlich 2,8 Kindern pro Frau 1976 auf 1,16 Kinder im Jahr 1996 - eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt. Mittlerweile ist der Wert auf 1,37 (etwa so hoch wie in Deutschland). Das liegt vor allem an den Immigrantinnen", berichtet DAHMS über die demografischen Wandel in Spanien.
 
   
  • PILLER, Tobias (2007): Italiens Trugbild von den Renten.
    Wegen Verschwendung steht den jungen Italienern eine böse Überraschung bevor,
    in: Frankfurter Allgemeine
    Zeitung v. 11.08.
    • Inhalt:
      "Zwar gehört Italien mit einer Geburtenrate von 1,35 Kinder je Frau - zusammen mit Deutschland und Spanien - zu den Ländern mit der ungünstigsten Altersstruktur in der Bevölkerung. Dennoch leisten sich die Italiener noch ein überaus luxuriöses Rentensystem. Nach 35 Beitragsjahren, im Alter von 57 - oder bald 58 - Jahren bezahlt die staatliche Rentenkasse rund 70 Prozent des letzten Gehalts. So viel erhält in Deutschland nicht einmal ein Rentner mit 45 Beitragsjahren. Und dennoch brüsten sich seit Jahren die italienischen Politiker, sie hätten im Gegensatz zu den Deutschen die Rentenprobleme ihres Landes schon gelöst",
      kritisiert PILLER. Erst zum Schluss verrät der Autor, dass diese Luxusrenten nur für die älteren Rentner gelten, denn:

                  "Italiener mit heute 30 oder 40 Jahren können nur noch Sparrenten von 35 oder 40 Prozent des letzten Einkommens erwarten".
 
     
   
  • FUHR, Eckhard (2007): Trilogie der Lebenskunst.
    Die Autoren Eberhard Rathgeb, Christine Eichel und Klara Obermüller suchen Familienwerte,
    in:
    Welt v. 10.08.
    • Inhalt:
      "
      Rathgeb gehört zu den Vorreitern einer neuen Familienliteratur, die den Verfall von traditionellen Familienstrukturen nicht einfach beklagt oder ihn als Voraussetzung für den Aufbruch in ein Reich individueller Freiheit feiert. Diese Polarität hat sich im Sein und im Bewusstsein längst aufgelöst. Die Ökonomie hat die traditionelle Familie gefressen, nicht aber die emotionalen Energien, die schöpferisch und zerstörerisch Familienbeziehungen prägen. Wenn Kinder geboren, wenn Eltern pflegebedürftig werden und sterben, ist der athletische Individualismus der Selbstverwirklichung am Ende. Er ist auch völlig uninteressant. Erst wer die vertikale Dimension der Generationenfolge spürt, erfasst das Leben in seiner ganzen Pracht, in seinem ganzen Elend. Menschen eines bestimmten Alters, sagen wir zwischen vierzig und fünfzig, bekommen heute die Vertikale besonders heftig zu spüren. Sie haben lange Zeit in ihren horizontalen Netzwerken gelebt, bekamen spät Kinder und müssen, während der Nachwuchs eigentlich die gesamte Aufmerksamkeit fordert, sich um ihre hoch betagten Eltern kümmern. Aus gelernten Individualisten müssen opferbereite Familientiere werden", doziert Eckhard FUHR über die Sandwich-Generation.
 
   

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