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Medienrundschau:
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News vom
17. - 31. Dezember 2003
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Zitat
des Monats:
"KLEINFAMILIENNEID:
Bei 35-jährigen Singles weit verbreitete Neigung, Familien zu
beneiden und doch noch über eine Kind nachzudenken. Die eigene Familie
soll dann aber bitte so stylish sein wie bei den Beckhams.
Windelwechsel und Krach wird beim Beneiden nicht bedacht." (S.97)
...
"SINGLENEID: Bei Kleinfamilien und festen Paaren besonders ab Mitte 30
verbreiteter Neid auf Singles. Dabei handelt es sich um eine
Vorstellung von singles, die mehr mit der
TV-Serie
»Sex and the City" als mit der Realität zu tun hat. (S.155)
(aus: Volker Marquardt
"Das
Wissen der 35-Jährigen") |
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TAZ-DOSSIER: 2004? Bloß keine
Angst!
Die Agenda
2010 trifft vor allem die Armen und Arbeitslosen. Doch Zukunftsängste
machen sich auch in der Mittelschicht breit. Warum wollen wir uns
eigentlich immer so sicher sein?
- Kommentar:
Das neue linke Establishment verteidigt die
Agenda 2010. Die Regierungs-TAZ sagt ihren Lesern, warum sie
gefälligst zufrieden sein sollen.
Der ehemalige Maoist und jetzige Berater
der Versicherungsindustrie, François EWALD, plädiert - keineswegs
überraschend - für die private Vorsorge.
Ulrike WINKELMANN erklärt, dass
sich jene, die es besonders hart trifft und die deshalb ums
Überleben kämpfen müssen, gar nicht wehren können. Wer sich gegen
den Sozialabbau wehrt, der lebt also auf jeden Fall verkehrt. Nach
dieser bestechenden Logik ist kein Protest mehr legitimierbar!
Endlich dürfen wir wieder UNTERTANEN sein.
Mehr muss man zu diesem Dossier
wirklich nicht mehr schreiben...
-
WINKELMANN, Ulrike (2003): Die innere Unsicherheit.
Subjektiv fühlt sich nach
den so genannten Reformen niemand mehr sozial sicher. Und die
wenigsten können da noch objektiv bleiben,
in: TAZ v. 31.12.
-
NOLTE, Paul (2003): Noch ist Ruhe Bürgerpflicht.
Angst vor dem Absturz?
Nein. Nur leichte Verunsicherung macht sich in der Mittelschicht
wegen der Reformen von Rot-Grün bemerkbar. Vor echte
Herausforderungen hat die Politik sie bisher nicht gestellt
in: TAZ v. 31.12.
-
HAHN, Dorothea (2003): "Warum ist der Wohlfahrtsstaat ein Risiko,
Monsieur Ewald?"
Das Individuum ist entfremdet.
Der Vorsorgestaat hat die Menschen in Europa von
Not befreit. Doch mittlerweile birgt dieses Modell Gefahren. "Wir
leben dank des Vorsorgestaats, von dem wir immer stärker abhängig
sind: Dieser Widerspruch explodiert heute", sagt der Risikoexperte
François Ewald im taz-Interview
in: TAZ v. 31.12.
-
DRIBBUSCH, Barbara (2003): Das Paradox des Wohlbefindens.
Jobs werden unsicherer, das
Leben ungerechter, die Menschen einsamer - so die Mythen über
Deutschland. Die Wirklichkeit sieht anders aus,
in: TAZ v. 31.12.
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- KLEIN, Michael (2003):
Halali auf Nachwuchsverweigerer.
Der Staat subventioniert das Kinderkriegen - und erreicht das
Gegenteil des Erhofften,
in: Welt v. 30.12.
- Kommentar:
Michael KLEIN, der eine Agentur für Nachrichten aus
den Sozialwissenschaften betreibt, ist leider bezüglich der
Geburtenrate von Frauen der Generation Ally nicht auf dem aktuellen
Stand. Statt der von Jürgen DORBRITZ bereits 2001 errechneten 27 % (und sehr
wahrscheinlich aufgrund der zunehmenden Zahl von Spätgebärenden noch
zu hoch geschätzt) für die
1965 Geborenen werden von ihm
"mindestens" 33 % ausgewiesen.
Bei den Vergünstigungen für Familien
greift KLEIN auf die Daten von
Astrid ROSENSCHON zurück, die hier auf single-dasein.de bereits
vor einiger Zeit vorgestellt worden sind.
KLEIN sorgt sich vor allem um das
"down-breeding", das durch finanzielle Anreize gefördert wird:
"diejenigen, die sich fortpflanzen (...)
(gehören) nicht" unbedingt zur geistigen Elite ihrer Gesellschaft".
Mit diesem Argument hat die derzeitige Familienministerin
Renate SCHMIDT schon vor Jahren ihre Politik für die Mütterelite
begründet und sich damit gegen die Erhöhung des Kindergeldes und für
die Förderung der Kinderbetreuung ausgesprochen.
Mit Verweis auf den Volkswirt
Norbert BERTHOLD erklärt KLEIN, dass die Sicherheit der zukünftigen
Renten nicht in erster Linie von einem Baby-Boom abhängt, sondern
von Erwerbstätigen, die Beiträge zahlen, statt als Arbeitslose die
Sozialkassen zusätzlich zu belasten.
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FR-MAGAZIN: Liebe - Spezial
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PONTZEN, Daniel (2003): sieben auf einen streich.
Speed-Dating: In knapp einer Stunde lernen sieben weibliche
Singles sieben männliche kennen - und entscheiden nach kurzem
Gespräch: Zweites Treffen oder nicht? Ein Selbstversuch,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.12.
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KAPPUS, Monika (2003): Unemanzipiert,
in: Frankfurter Rundschau v. 27.12.
- Inhalt:
KAPPUS kritisiert an der Bestrafung von
kinderlosen Frauen, die
Ulla SCHMIDT in der Berliner Zeitung gefordert hat, dass
die Gründe der Bestrafung nicht richtig hergeleitet werden:
"Nur wer die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf nachhaltig für Männer und Frauen verbessert (...) kann
laut über Umschichtungen räsonieren. Ansonsten sendet er ein
rückwärts gewandtes Signal: Liebe potenzielle Mütte, bei uns lohnt
sich das Daheimbleiben, bestraft wird die Frau, die auf Kinder
verzichtet - warum, ist egal."
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ANDREAE, Matthias (2003): Die Argonauten des östlichen Berlins.
Ethnologie vor der Haustür:
Anna Schöne erforscht die Stammeskultur der Berliner Subkultur,
in: TAZ v. 27.12.
- Inhalt:
ANDREAE berichtet über den stadtsoziologischen
Ansatz von Anna SCHÖNE:
"»Inwieweit
lässt eine Stadt eine bestimmte Szene zu? Und inwieweit nimmt eine
Szene die Gegebenheiten einer Stadt auf und entwickelt auch aus dem
Ideellen, das wir mit einer Stadt verbinden, einen bestimmten Stil?
Die Analyse der Szene als urbaner Akteur stellt bisher ein
soziologisches Defizit dar.« Viel zu lange, glaubt sie, ist
Subkultur als bloße Gegenkultur verstanden worden. »Das Spezifische
an der Subkultur ist, dass sie das, was unsere Kultur ausmacht,
bewusst macht, ausdrückt und in Begriffe und einen Stil bringt.«
Ihr Forschungsfeld umschreibt sie als »alternative Technoszene«.
Anders als auf der Love Parade handele es hierbei nicht um eine
bloße Freizeitkultur, sondern um einen Lebensstil. Schöne sieht in
ihm zahlreiche Parallelen zur Hippiekultur."
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DOMSCH, Sebastian (2003): Die Kundenflüsterer.
Wie der einsame Kritiker
seinen Elfenbeinturm verlässt: Bei Amazon wird mit der Kundenrezension
der Kunstrichter durch Volkes Stimme ersetzt und ganz nebenbei die
Literaturkritik demokratisiert,
in: TAZ v. 27.12.
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SUNDERMEIER, Jörg (2003): Schöne Untergänge.
Das also war Mitte: In seinem
Buch "Minusvisionen" porträtiert der Schriftsteller Ingo Niermann die
Gescheiterten der New-Economy-Blase. Sie wissen immer noch, wie man
eine Geschichte verkauft - und sei es die des eigenen Untergangs. Wie
man ein Unternehmen führt, wissen sie immer noch nicht,
in: TAZ v. 27.12.
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SZENT-IVANYI, Timot & Regina ZYLKA (2003): SPD will Witwenrente
kürzen.
Hinterbliebenenversorgung Kinderloser soll zu Gunsten von Familien
umgeschichtet werden. Sozialministerin geht auf die Union zu,
in: Berliner Zeitung v. 24.12.
-
SZENT-IVANYI, Timot & Regina ZYLKA (2003): "Das Hin und Her der
letzten Jahre war nicht Vertrauen erweckend".
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) über die geplante
Rentenreform, ungedeckte Schecks und ein Leben auf Samoa,
in: Berliner Zeitung v. 24.12.
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TKALEC, Maritta (2003): Ihr Kinderlein, kommet,
in: Berliner Zeitung v. 24.12.
- Kommentar:
Die Bismarcksche Sozialversicherung ist
angeblich eine Versicherung gegen die Kinderlosigkeit.
Leider können die Vertreter dieser These
nicht erklären, warum auch in anderen Länder, die keinen BISMARCK
hatten, die Geburtenrate unter Bestandserhaltungsniveau gefallen
ist.
TKALEC jedenfalls plädiert für die Rente
nach Kinderzahl als Lösungsmittel:
"weil
die jungen Leute eher nicht geneigt sind, auf schicke Kleidung oder
Tauchurlaube zu verzichten und stattdessen Altersicherer zu zeugen,
denken Ökonomen über eine Rente nach Kinderzahl nach: Wer keine
Kinder großzieht, dem könnte eine Halbierung der Bezüge zugemutet
werden, er hätte die Finanzkraft für mehr private Finanzvorsorge.
Zwei Kinder brächten eine volle Rente ein, wer mehr hat, könnte mit
Aufschlägen rechnen.
Die Idee ist rabiat, aber nicht unfair. Sie gibt 90 Prozent - so
viele sind biologisch befähigt, Kinder zu haben -
Entscheidungsfreiheit. Und sie ist frei von Mutterkult. Sie kann
aber nur sehr langfristig wirken und sie braucht vorausschauende
Politik."
Die
Rente nach Kinderzahl
führt dazu, dass zwangsversicherte, geringverdienende Singles
bestraft werden, während besser verdienende Singles der
Zwangsversicherung den Rücken kehren.
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SEESSLEN, Georg (2003): Damit man sieht, wie gut man es doch hat.
Zur Typologie des Weihnachtsfilms - vom Identitätsdrama der
Nikoläuse bis zum Weihnachtshasserfilm,
in: Berliner Zeitung v. 24.12.
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HARTWIG, Ina/MÄRZ,
Ursula/MICHALZIK,
Peter/NUTT, Harry/SCHLÜTER, Christian/THOMAS, Christian (2003):
Wozu Weihnachten?
Am Heiligen Abend erzählt sich die Familie eine Geschichte der
Familie. Christmas uncut - Ein Feuilleton-Gespräch über Eltern,
Kinder, Glaube und Schuld,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.12.
- Kommentar:
Weihnachten ist - glaubt man den Zeitungen -
für Singles kein Fest der Freude.
Aber Single ist nicht
gleich Single und Weihnachten kann durchaus unterschiedlich erlebt
werden, je nachdem, ob jemand Kinderloser,
Elternloser
oder Alleinwohnender (meist fälschlich als
Alleinlebender
bezeichnet) ist. Das FR-Gespräch zeigt eine - wenn auch
eingeschränkte - Palette der Sichtweisen:
"Für
mich gibt es keinen anderen Tag, an dem sich die Menschheit so
deutlich in zwei Klassen teilt, nämlich in die Kinderlosen und die
Eltern. Die Kategorien bekommen an diesem Tag eine starke Evidenz
und Triftigkeit. - Man darf die Kategorie der Elternlosen nicht
vergessen. Meine Eltern sind beide im vorletzten Jahr gestorben. An
dem letzten Weihnachten, das ich mit ihnen verlebt habe, waren sie
schon Pflegefälle. Das war in meinem Leben das wichtigste
Weihnachten, das ich erlebt habe. Im letzten Jahr bin ich dann zum
ersten Mal nicht zu meinen Eltern gefahren. Ich habe es zuvor immer
gemacht und verflucht. Jetzt bin ich in der Situation, für andere
Weihnachten zu erfinden. Keine Eltern mehr zu haben, ist dasselbe,
wie keine Kinder zu haben. - Meine Erfahrung war, dass sich ganz
profan die Weihnachtsordnung ändert, wenn ein Elternteil stirbt. Es
werden Fragen nach dem Wo aufgeworfen. Solange mein Vater lebte, war
es keine Frage dass mein Bruder und ich mit Familie oder ohne nach
Hause zum Fest fuhren. Seit einigen Jahren aber ist die ganze
Familie eine Art Wanderzirkus, der nie so recht weiß, wo man das
Fest verbringen soll. - Ich habe vor ungefähr 10 Jahren damit
gebrochen. Ich fahre nicht mehr zu meinen Eltern. Ich empfinde
Weihnachten als das Fest der Schuldgefühle. Man kann sich diesen
Schuldgefühlen aber selbst dann nicht entziehen, wenn man nicht mit
den Eltern zusammen ist. Die Schuldgefühle sind so massiv, dass sie
alle restreligiösen Gefühle komplett überdecken. - Die Schuldgefühle
deinen Eltern gegenüber? - Ja. Man hat sie auch, wenn man dort ist
und es unerträglich findet, dort zu sein. - Was ist denn die Schuld,
die du auf dich lädst? - Jemanden allein zu lassen. - Weihnachten
stellt die Frage nach der Einsamkeit. Ich habe für dieses Jahr fünf
Leute eingeladen. Die sind zwischen 50 und 60 und leben allein. Als
ich nur eine geringe Bemerkung fallen ließ, sie könnten am 24. bei
mir vorbeikommen, schnappten die sofort zu. Ich merkte, ich greife
da in eine tiefe
Einsamkeit. - An
Weihnachten wird die Wo-Frage gestellt, ganz im Sinne der
christlichen Weihnachtsgeschichte. Wo kommen wir her. Ich will das
gar nicht denunzieren, aber es ist durch die bürgerliche
Kleinfamilie kurzgeschlossen worden, dass da die Wo-Frage gestellt
wird. - Es gibt eine Ortsfrage, aber es gibt auch die Frage, wo
dieses Weihnachten im Inneren ist."
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BRÄNDLE, Stefan (2003): Der Partner, der mit dem Einkaufskorb kommt.
Das Pariser Kaufhaus Galéries Lafayette lockt bindungswillige
Singles zum Kennenlern-Shoppen und steigert damit seinen Umsatz,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.12.
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ENGEL, Marijke (2003): Wo Berlin am jüngsten ist.
Der Bezirk Prenzlauer Berg hat die höchste gefühlte Kinderdichte
der Welt. Alteingesessene Bewohner flüchten vor den jungen Wessis,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.12.
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LIEBS, Holger (2003): Alle Jahre, schon wieder.
Immer an Weihnachten wächst die Sehnsucht nach einer heiligen
Ersatzfamilie - von der Jugendclique bis zur utopischen Kommune,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.12.
- Inhalt:
"Die
Teenie-Clique ist (...) nur die pubertäre Vorstufe älterer und
ausgereifterer Gegenmodelle zur Keimzelle des Staates, zu
künstlichen Ersatzfamilien und Alternativgemeinschaften mit
Patchwork-Struktur, Bürgerschreck-Ästhetik, kollektiver
Zivilisationsflucht und eingebautem Glücks- und Erlebnisversprechen",
lautet die Behauptung, die LIEBS artikellang zu untermauern
versucht.
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PIPER, Nikolaus (2003): Die Moral der Reform,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.12.
- Kommentar:
PIPER denkt öffentlich darüber nach, wie der
Sozialabbau besser vermarktet werden kann. Da Sparen und Kürzen aber
wahrlich wenig motiviert, soll deshalb von
Freiheitsgewinnen durch Sozialabbau geredet werden.
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WAGNER, Gert G. (2003): Ihr Kinderlein kommet.
Familienpolitik ist sinnvoll - aber sie wäre besser, wenn sie mehr
Rücksicht auf die Bedürfnisse der Mütter nähme,
in: Tagesspiegel v. 24.12.
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RIFKIN, Jeremy (2003): Arbeitskraft des Menschen ohne Zukunft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.12.
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SCHWARTZ, Claudia (2003): Liebling Kreuzberg.
Revival des Szene-Quartiers im einstigen Westberlin,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.12.
- Inhalt:
"Der
Lausitzer Platz ist ein unwegsamer Ort, ein tristes urbanes
Niemandsland mit wuchtiger Kirche, eingezwängt zwischen Parkplätzen,
Hochbahn und vierspuriger Strasse. In den Wintermonaten, wenn der
letzte Rest Wiese noch brauner ist als sonst, wird der Platz
vollends zum Berliner Klassiker. Dann genügt ein kurzer Regenguss,
um erdigen Untergrund und Hundedreck in unansehnlichen Schlamm zu
verwandeln. Dort, wo früher die Autonomen Barrikaden errichteten und
darauf im «Pink Panther» ein Bier tranken, werben heute Cocktailbars
mit «alkfreien» Getränken. Letzthin hat hier Herr Lehmann einen
knurrenden Hund, der ihm in der Morgendämmerung den Nachhauseweg
versperrte, mit Whisky mundtot gemacht. Seither zieht der Ort die
Leute in Scharen an. Sie wandeln «Auf den Spuren von
Herrn Lehmann», auf der Führung zum Film zum
Kultbuch von Sven Regener. So etwas gibt es nur in Berlin",
schreibt SCHWARZT in ihrem Bericht über das altneue Szene-Quartier
Kreuzberg.
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BUCHSTEINER, Jochen (2003): Schäkern mit Eva in Indien.
Frauen sind Opfer vielfältiger Gewalt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.12.
- Kommentar:
BUCHSTEINER hat die Medienberichte über indische
Frauen z.B. in
Outlook India
gesichtet.
Dort wird von der Selbstverwirklichung
der Inderinnen berichtet. Und selbst bekennende Singles soll es dort
geben.
BUCHSTEINER konfrontiert diese Berichte
über neue Lebensformen mit den Filmen aus "Bollywood":
"Selbst die scheinbar permissive
Bollywood-Welt ist letztlich brav und stützt den Traum von der
reinen ehelichen Liebe. als verwegen gilt schon ein Film wie »Mumbai
Matinee«, in dem ein unverheirateter dreißig Jahre alter Mann die
erste Erfahrung sucht. Seine harmlosen Erlebnisse würden ein
westliches Publikum langweilen (...). Als der Held am Ende seine
Sehnsucht im Hafen der Ehe erlöst und das Licht angeht, werden die
jungen Frauen von ihren Ehemännern untergehakt. Für die
alleinstehenden Kinogänger gibt es jetzt nicht mehr viel zu tun. "
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MARGUIER, Alexander (2003): "Jetzt seid mal nicht so ängstlich."
Reinhard Marx, Autor des umstrittenen Sozialpapiers der
Bischofskonferenz, über Sparpolitik und die Schamhaftigkeit der
Christen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.12.
- Kommentar:
Kritische Fragen Fehlanzeige! MARX darf sich und die
Zustimmung der Kirche zum Sozialabbau im besten Lichte präsentieren.
Die Kirche wird sich aus jenen Bereichen
zurückziehen, die vom Staat nicht mehr ordentlich subventioniert
werden (sozial-caritatives Engagement) und sich jenen
Bereichen zuwenden, die zukünftig mehr staatliche Zuschüsse
versprechen (Kindergärten).
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RUTSCHKY, Katharina (2003): Was eine rechte Dame werden will.
Der äthiopische Prinz Asfa-Wossen Asserate erklärt den Deutschen,
was "Manieren" sind,
in: Tagesspiegel v. 21.12.
- Inhalt:
"Der
Autofahrer, der Single, der Nachbar, der Erwachsene im Umgang mit
der neuen Jugend oder das geschiedene Ehepaar, kurz alle, die in
einer demokratischen, alters-, geschlechter- oder sonst von
konventionellen Hierarchien nicht mehr geregelten Welt leben, haben
von diesem Buch wenig zu erwarten", klärt
Katharina RUTSCHKY auf.
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WALTER, Franz (2003): "Die SPD hat keine Chance".
Parteienforscher Walter über die Zukunft der Sozialdemokratie,
in: Tagesspiegel v. 20.12.
- Inhalt:
"Was
wir sehen, ist, dass es in der Bundesrepublik eine bisher nicht da
gewesene Kluft zwischen den Interpretationseliten – wie Medien,
Professoren und Politikern – und der Bevölkerung gibt. Die jetzige
Politik wird von den beiden Seiten ganz unterschiedlich bewertet. Es
ist ja doch sehr auffällig, dass die Reformen seit Mitte der 90er
Jahre konstant von zwei Drittel bis vier Fünftel der Bevölkerung
abgelehnt wird. Die Menschen glauben nicht, dass dies der Aufbruch
in eine neue, innovative Gesellschaft ist",
sagt der Politikwissenschaftler
Franz WALTER.
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VOGEL, Berthold (2003): Soziale Kampfeinheiten.
Luc Boltanski und Ève
Chiapello haben eine neue Soziologie der Kapitalismuskritik
formuliert. Ihre Studie setzt die Reihe der großen
Gesellschaftsanalysen fort, die Pierre Bourdieu und Robert Castel
begründeten
in: TAZ v. 20.12.
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GONSMANN, Martin (2003): Hoch die Tür!
in: TAZ v. 20.12.
- Kommentar:
Weihnachten aus der Single-Sicht von GONSMANN.
Aber ganz ohne Familie geht es bei der TAZ schon lange nicht mehr:
"Ich
will lieber allein bleiben. Singlealleinsein heißt doch konsequent,
dass man sich an Heiligabend auch nicht mit Freunden beim Essen
tröstet. Das wäre nur die halbe Wahrheit, viel lieber hätte ich
selbst gern Familie, aber die habe ich nicht. Also allein. Im vollen
Bewusstsein. Ohne den Vorsatz, mich voll laufen zu lassen. Bar eines
Essens, das Lust schon beim Kochen verspricht. Schöner ist es, zu
lesen, Videos zu schauen und Musik zu hören. Irgendwas, was nicht
Stress verheißt."
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HERMANN, Judith (2003): Rheinfall von Schaffhausen.
Vom seltenen Glück des gemeinsamen Wartens,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.12.
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TOBLER, Elsbeth (2003): Einsame Herzen in den Weiten der Netzwelt.
Partnervermittlung als Wachstumsträger,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 19.12.
- Kommentar:
"Liebe ist die Killerapplikation", schrieb
Constantin GILLIES
bereits im Februar. Seitdem florieren die Geschichten über
Online-Partnersuche.
Dies liegt aber auch daran, weil die
Zeitungen und Zeitschriften selber ein Standbein in diesem Markt
haben und deshalb ein Eigeninteresse besitzen. TOBLER hat nun für
die NZZ, die mit
nzz.parship.ch vertreten ist, das Lonely Hearts-Thema
aufgegriffen.
Die Soziologin
Evelina Bühler-Ilieva
mit ihrer Studie über die Entstehung von
Partnerschaften online
wird genannt und der offline-Paartherapeut
Jürg WILLI
darf seine Meinung kundtun, nachdem die Autorin das Problem
vorgegeben hat:
"Erhöhte Scheidungs- und sinkende Geburtenraten wie
auch die zunehmende Mobilität sind Indikatoren für die wachsende
Zahl Alleinlebender. Frauen sind ökonomisch unabhängiger geworden.
Die Individualisierung erhöht die Autonomie und die damit verbundene
Selbstverantwortung, begünstigt aber zugleich auch die Isolation."
Der wichtigste Faktor, der das Alleinleben
forciert, fehlt jedoch: die zunehmende Langlebigkeit!
Wer sich über die Websites für Schweizer informieren
möchte, der wird von TOBLER mit einer umfassenden Liste bedient. Die
Qualität wird zwar nicht bewertet, aber für einen Überblick sind die
Angaben geeignet. Außerdem wird neuere Literatur zum Thema
angegeben.
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- Der singlefeindliche
Beitrag:
FR (2003): Ein Single.
Nullsummenspiel Gesundheit,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
- Kommentar:
"Der Werbetexter Jens B. ist ein überzeugter Single.
Mit 40 000 Euro im Jahr verdient der 32-Jährige recht ordentlich.
Das Erbe seines Großvaters hat er in festverzinslichen Wertpapieren
angelegt, die jährlich 1500 Euro abwerfen. Auch sonst lebt Jens B.
nicht schlecht: Urlaube sind ebenso drin wie ein Auto, mit dem er
täglich zehn Kilometer in die Agentur fährt. Der Sportfreak muss
selten zum Arzt. Ein Laster hat er: In der Hektik der Arbeit pafft
er täglich ein Päckchen Zigaretten,"
so sieht der
typische Single der FR aus, die in
ihrem Tagesthema fragt "Was bringen die Reformen?". Mit der Realität
in Deutschland hat dieser Single wenig zu tun, dafür umso mehr mit
sozialpopulistischen Stereotypen.
Tatsächlich sind überzeugte
Yuppies unter den Alleinlebenden eine Minderheit.
Gerade bei den alleinlebenden
Männern ist die Spaltung in wenige Gutverdienende und viele
Geringverdienende belegt (siehe
HRADIL).
Alleinlebende Frauen verdienen
dagegen im Durchschnitt besser als die Männer.
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DÖRING, Diether (2003): Sozialstaat und Arbeit - Chancen einer
Beziehung.
Bei einer durchgreifenden Strukturreform sollten Beschäftigungs-,
Bildungs- und Elternfreundlichkeit im Vordergrund stehen,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
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FÜLBERTH, Georg (2003): Die Arbeitslosen sind die Verlierer,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
- Inhalt:
FÜLBERTH über den Reformkompromiss:
"Wer keinen Job hat, trotz eines
Aufschwungs auch keinen bekommt und von staatlichen
Transferleistungen leben muss, zahlt keine direkten Steuern, hat
deshalb nichts von deren Senkung und muss jetzt schon mit
Verschlechterungen rechnen. Da haben wir die
hauptsächlichenVerlierer.
Es heißt, die Änderungen seien nur der Anfang. Das kann nur für
diejenigen eine gute Nachricht sein, die die eingeschlagene Richtung
grundsätzlich für richtig halten."
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LÜHRMANN, Anna (2003): Gerecht ist, was Zukunft schafft.
Die Ergebnisse des Vermittlungsausschusses gehen in die richtige
Richtung, springen aber zu kurz: Bildung und Forschung müssen im Sinne
der Generationengerechtigkeit eindeutige Priorität erhalten,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
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MOLL, Sebastian (2003): Urbane Rituale.
Weihnachtseinkäufe in New York - von Traditionskaufhäusern,
Brand-Boutiquen und Müllraum,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
- Kommentar:
Bei Trendsettern wie dem Architekten Rem
KOHLHAAS ist
Individualisierung
out:
"Der
Zyniker Rem Kohlhaas bleibt gegenüber gekaufter Individualität
grundsätzlich skeptisch. Der Prada-Laden in SoHo, den er gestaltet
hat, zeigt sich in dieser Saison ganz im Stil nordkoreanischer
Uniformität. Von den Wänden winken kleine Mädchen mit Parteifahnen,
und die Schaufensterpuppen sind militärisch in Reih und Glied
aufgestellt. Sie unterscheiden sich lediglich durch ihre
verschiedenen Prada-Outfits. Doch weit auffälliger als ihre Kostüme
ist ihre Gleichheit."
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WAGNER, Richard (2003): Unbehagen an der Ordnung.
Partizipation und Subversion: Der Untergrund ist ein Teil des
Labels, gegen das man sich wehrt,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
- Kommentar:
Subversion ist derzeit der Hoffnungsträger
einer Elite im Wartestand.
Im Kursbuch
"Die 30-jährigen"
hat
Ijoma MANGOLD bereits eine Lanze
dafür gebrochen. Jetzt beschäftigt sich der Schriftsteller Richard
WAGNER mit dem Thema:
"Zum
Ausdruck kommt der Wille des Einzelnen in der reglementierten Welt.
Er macht sich bemerkbar, indem er sich die Regeln aneignet, sie aber
auch umdeutet, durch Bootlegging oder durch eine Rezension bei
Amazon. Das Verhalten des Einzelnen bleibt ambivalent. Will man
klare Verhältnisse schaffen, zerstört man den Zauber des
Unangepassten. Das zeigt die zunehmende Vereinnahmung von Attac
durch die klassische Linke oder die Idee, Napster durch einen
Konzern zu betreiben.
Entscheidend bleibt der Transfer ins Virtuelle. Dies ermöglicht eine
ästhetische Dimension, das Sichtbare kann offen zelebriert werden.
Die postmoderne Demokratie lebt durch ihr Formbewusstsein. Ihr Raum
ist weitgehend ästhetisiert. Man kann auf ein Firmenschild mit dem
Namen Soupkultur stoßen. Es handelt sich dabei um eine Suppenküche,
in einer Seitenstraße des Ku'damms. Unter diesen Umständen tritt die
Kulturwissenschaft an die Stelle der Soziologie. Der Link ersetzt
die Statistik, die Hierarchie der Kommunikation wird durch die
Vernetzung ständig unterlaufen."
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ANSELM, Sigrun (2003): Durch das Nadelöhr.
Von den Mühen der Arbeit - ein historischer Streifzug,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.12.
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SCHOLZ, Leander (2003): Wir wissen nicht, was Politik ist.
Ein Essay. Über die Befindlichkeiten des politischen Subjekts in
Friedenszeiten,
in: FREITAG Nr.52 v. 19.12.
- Inhalt:
Der Schriftsteller
Leander SCHOLZ klärt erst
einmal das Verhältnis zu den 68ern:
"In
den letzten beiden Jahren hatte ich häufig die Gelegenheit, mit
Angehörigen der einzigen permanenten Generation zu sprechen, mit den
68ern nämlich. Bei allen möglichen Differenzen über historische
Bedeutsamkeiten dieser oder jener Errungenschaft mochte ich ihnen in
einem Punkt nie widersprechen. Jede dieser Diskussionen erreichte
ihren Höhepunkt, wenn ich wenigstens zugeben sollte, »dass wir«
(also die 68er) »für euch«, also auch für mich, »gekämpft und so
einiges erreicht haben«. Sonst, und das ist gewissermaßen ein
transzendentales Argument, könnte ich gar nicht so frei reden, wie
ich es Zeit meines Lebens gewohnt bin. Wie schon erwähnt, fiel es
mir schwer, in diesem Punkt zu widersprechen. Zustimmen allerdings
konnte ich diesem Argument auch nicht. Also Dankeschön sagen, nein,
das erschien mir dann doch ein bisschen zu einfach. Denn meistens
hieß das nichts anderes als: wir haben die Fackel ein Stück
getragen, jetzt seid ihr damit dran. Ein ideeller
Generationenvertrag gewissermaßen mit ideellem Rentenanspruch, der
nur deshalb nicht funktioniert, weil im Grunde genommen alle
postachtundsechziger Generationen, egal wie man sie nun gerade mal
nennen mag, konsumistisch, hedonistisch und scheißegozentrisch sind.
Dabei tragen wir doch die Fackel, ob wir nun wollen oder nicht. Und
vielleicht liegt hier schon das ganze vertrackte Problem."
Danach geht es um das
Unbehagen am Projekt der Subversion und dem Problem des
Anderssein-Müssens, das nun umschlägt:
"Vor
lauter Freaks gibt es den Normalbürger ja überhaupt nicht mehr.
Vielmehr gibt es nur noch die umfassende Sehnsucht danach, völlig
normal zu sein. In jüngster Zeit kann man sogar schon damit
reüssieren, Bildungsmotten zu recyceln. Keiner will mehr am Rande
stehen, weil man dort jederzeit stehen könnte, gerade wenn man sich
mittendrin wähnt. Am besten, man hält sich diffus und nach allen
Seiten hin offen und lächelt und findet vielleicht etwas so oder
auch so, das ist alle mal besser, als sich vorzeitig festzulegen.
Aber am Ende sind wir alle nur so nett zueinander, weil jeder,
gerade dieser Nächste da, derjenige sein könnte, der einem das
zukünftige Licht ausschaltet. Der überraschende Konsens, der dieses
Land umklammert hält, ist also nichts anderes, als die
Übersetzung des allerältesten Gesellschaftsvertrags, dem gemäß jeder
jeden töten kann. Nur dass der Leib längst nicht mehr die einzige
Möglichkeit dazu bietet."
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THIE, Hans (2003): Skalpell, bitte.
Deutschland vor dem Kollaps. Wenn diese Diagnose richtig ist,
sollten wir jedes Tabu brechen und kein einziges Privileg gelten
lassen,
in: FREITAG Nr.52 v. 19.12.
- Kommentar:
Was den aufstrebenden Bürgern einmal der Adel
war, das ist den aufstrebenden Nicht-Eliten heute die Elite der
Mitte:
"Während
wir im Hamsterrad immer schneller treten sollen, bleibt das deutsche
Establishment an seinem Platz: Fett, unbeweglich und verkalkt."
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SCHMIDT, Kathrin (2003): Mit dem roten Buch ins Bett.
Schröder-Bibel. Die "agenda 2010" als Leseerlebnis,
in: FREITAG Nr.52 v. 19.12.
- Kommentar:
Vielleicht kann man der Regierungs-Werbebroschüre "agenda
2010" nur gerecht nehmen, wenn man sie so liest, als ob es sich um
den Quelle- oder den Ikea-Katalog handeln würde. Der Unterschied ist
nur, dass im Katalog die Kosten auf Heller und Pfennig benannt
werden, während die Kosten der Agenda erst dann sichtbar werden,
wenn die Ware nicht mehr umgetauscht werden kann.
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- Kommentar:
"Opa Schowski" - wie ihn einmal ein Journalist auf
den Punkt brachte - hat geforscht und geforscht. Seit 1980 belästigt
uns der Sozialpädagoge mit seinen fragwürdigen Predigten zur
Single-Spezies.
Im Netz hat der HTML-"Papst"
Rainer MÜNZ ein paar
Stimmen von "Nerds" zu OPA SCHOWSKIs Ansichten über die
angebliche Kommunikations- und Bindungslosigkeit der Internet-Nutzer
gesammelt.
Nicht Empirie steht am Anfang, sondern eine normative
Singledefinition, die bereits die Lösung beinhaltet, für die sie das
Problem erst schafft. Das hat sich natürlich bis heute nicht
geändert, geändert hat sich jedoch das gesellschaftliche Klima und
plötzlich ist Opa Showski endlich dort, wo er schon immer war.
Zur Studie selbst,
wurde bereits alles gesagt.
Über den privaten Generationenfrieden und den
politischen Nutzen von Generationenkriegen erfährt man bei Opa
Schowski nichts.
Den privaten Generationenfrieden hat
bereits vor längerem Marc SZYDLIK empirisch erforscht. Nicht Sozialpädagogik, sondern
das Problem der Erbengeneration steht dabei im Mittelpunkt.
Während also innerhalb der
Familie die Generationen - im Regelfall - friedlich miteinander
umgehen (ausgenommen ist da die Zeit der pubertären Anwandlungen),
herrscht für die Zeit, in der Sozialreformen anstehen, der
Generationenkrieg. Der Krieg der Generationen ist also Lobbyismus in
Reinkultur.
Im Gegensatz zu manchen
Demokratiefeinden, die Lobbyismus als das Böse an sich ansehen, ist
Lobbyismus ein notwendiger Bestandteil unserer
demokratischen Kultur. Das Problem beim Lobbyismus ist nur, dass
er nicht Gegenstand der öffentlichen Kultur ist und nicht alle
Interessen gleichermaßen organisierbar sind. Daran ist unsere Presse
nicht ganz unschuldig!
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KOGELBOOM, Esther (2003): Von wegen Krieg: Generationen leben in
Frieden.
Eine neue Studie widerlegt den Trend zur sozialen Spaltung,
in: Tagesspiegel v. 18.12.
- KNA (2003): Familie als
Altersvorsorge.
Umfrage zu sozialen Bindungen,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.12.
- LÄS (2003): "Billig und barmherzig.
Umfrage: Familie und Freunde sind wichtigste Altersvorsorge,
in: Süddeutsche Zeitung v. 18.12.
-
WULF, Gesine (2003): Die Familie als Retterin der Sozialsysteme.
BAT-Studie findet keinen Generationenkonflikt, aber neuen
Generationenpakt als tragende Säule der Gesellschaft,
in: TAZ v. 18.12.
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BEHRUZI, Daniel (2003): Große Koalition beschließt Sozialabbau: Ist
letztlich Lohnsenkung zentrales Ziel?
jW sprach mit Rainer Roth, Professor für Sozialwissenschaften an
der Fachhochshule Frankfurt/Main,
in: junge Welt v. 18.12.
- Inhalt:
Rainer ROTH weist darauf hin, dass zum Thema
Rentenreform noch längst nicht das letzte Wort gesprochen ist:
"Im
Frühjahr steht zunächst die »Rentenreform« an, durch die das
Rentenniveau über die nächsten Jahrzehnte um ein Drittel gesenkt
werden soll. Viele der beschlossenen Maßnahmen greifen erst zu
Jahresbeginn 2005. Den meisten Betroffenen wird dann erst klar
werden, was das tatsächlich bedeutet."
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- LEIF, Thomas & Rudolf
SPETH (2003): Die Anatomie des Lobbyismus.
Einführung in eine weithin unbekannte und vor allem unbeachtete
Sphäre der Macht,
in: Frankfurter Rundschau v. 18.12.
- Kommentar:
Die beiden Politologen haben das Buch
"Die
stille Macht - Lobbyismus in Deutschland" verfasst. Die FR druckt
einen Auszug aus dem Buch:
"Besonders
in einer von Rousseau herkommenden demokratietheoretischen Tradition
hat man den Lobbyismus als Gefahr für die Demokratie angesehen. Aber
auch bestimmte Konservative waren gegenüber den Interessengruppen
reserviert. Sie sahen im Repräsentativprinzip ein hinreichende
Bedingung der Interessenberücksichtung. Dem naiven Anspruch nach
sollen sich die Interessen der Bürger über die Abgeordneten zu einem
politischen Willen verdichten. Dadurch sei eine angemessene
Interessenberücksichtigung sicher gestellt.
Solche Positionen, die den Gesetzgebungsprozess von äußeren
Einflüssen abschotten wollen, sind aber unrealistisch. (...). Der
Lobbyismus ist ein Subsystem, mit dem komplexe Gesellschaften Wissen
für politische Entscheidungen nutzbar machen kann. Voraussetzung
wäre aber, diese Prozesse öffentlich und kontrollierbar zu machen.
Deshalb birgt der Lobbyismus zahlreiche Gefahren der illegitimen
Interessendurchsetzung.
Dies liegt daran, dass es neben dem Willen der Bürger in allen
Demokratien mächtige und weniger mächtige Interessengruppen gibt,
die den Gesetzgebungs- und Entscheidungsprozess zu ihren Gunsten zu
beeinflussen versuchen. Sie verfügen über mehr Ressourcen und
spezielles Wissen, wann, wo und wie am erfolgreichsten interveniert
werden kann. Darin liegt eine Gefahr. (...) Diese Befürchtung einer
Herrschaft der Verbände teilt der Pluralismus nicht, dessen
Grundgedanken heute wieder aufgegriffen werden. Lobbyistische
Interessenpolitik ist für ihn ein wichtiges Gestaltungsmittel in der
Demokratie. In uramerikanischer demokratischer Tradition empfiehlt
er eher die Vervielfachung der Interessengruppen, als sie aus dem
politischen Prozess herauszudrängen."
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BRÜDERLEIN, Ruth & Lisa STADLER (2003): Zu früh gefreut.
Die Gleichberechtigung in der Schweiz ist zum Stillstand gekommen.
Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer, leisten mehr Hausarbeit
und haben schlechtere Karrierechancen. Daran sind sie nicht
unschuldig,
in: Facts Nr.51 v. 18.12.
- Kommentar:
Nicht nur deutsche Feministinnen, sondern auch
Schweizerinnen verwenden das Gebärstreik-Argument:
"Gleichberechtigung
herrscht in Schweizer Haushalten noch lange nicht. Anfang der
Neunzigerjahre begannen Männer vermehrt Koch-, Putz- und
Kindererziehungsarbeiten zu übernehmen. Seit 1997 herrscht jedoch
Stagnation in der Arbeitsteilung. 43 Stunden pro Woche arbeitet eine
Frau für Haus und Familie; 24 Stunden der Mann.
Unter diesen Bedingungen überlegen sich Schweizer Frauen zweimal, ob
sie Nachwuchs wollen. Die Kinderzahl nimmt seit den Sechzigerjahren
ab: 1970 brachte eine Frau durchschnittlich noch 2,7 Kinder zur
Welt, im Jahr 2000 nur noch 1,5. Bei den Schweizer Akademikerinnen
sind sogar 40 Prozent kinderlos. Insofern ist Verena Müller
Pionierin einer Entwicklung, die sich im Fachjargon «Gebärstreik»
nennt.
Wer nicht streikt und die Kinder partnerschaftlich grossziehen
möchte, lebt nach einem ausgeklügelten Betreuungsplan."
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BENINI, Sandro & Julian SCHÜTT (2003): "Ich werde rot, das verrät
schon alles".
Judith Hermann, 33, ist Schriftstellerin und lebt in Berlin. Sie
habe grosse Angst gehabt vor ihrem zweiten Buch. Sie habe gewusst, wie
kritisch Zweitlinge nach einem gefeierten Erstling aufgenommen würden.
Ihr gehe es in jeder Geschichte nur um einen Augenblick, und der könne
auf zwanzig oder dreissig Seiten erzählt werden. Sie möge die
Offenheit, die Ratlosigkeit, die am Ende einer Erzählung bleibe.
in: Weltwoche Nr.51 v. 18.12.
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FUCHS, Oliver (2003): Generation Bankrott.
Vereint im Leid: Die 30-Jährigen als Gemeinschaft wider Willen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
"Wir
30-Jährigen gelten seit zehn Jahren als Trendgeneration, und haben
doch die ganze Zeit nie gewusst, was das sein soll, eine
„Generation“, und wie sich das anfühlt: Teil davon zu sein. Jetzt,
da die Wirtschaft am Boden liegt und der Sozialstaat aus dem letzten
Loch pfeift, wird dieser Haufen aus atomisierten, höchst
individualistischen Individuen zum ersten Mal als Verbund sichtbar.
Das Band, das die 30-Jährigen verbindet, besteht aus Angst:
Verarmungsangst. Es scheint, als ob es uns nun gemeinsam an den
Kragen geht. Der neueste Trend heißt: Keine Kohle",
behauptet Oliver FUCHS.
War das Slackertum der
Generation X noch "ein
Mittelklasse-Zeitvertreib (...), ein Kokettieren mit dem Elend",
so sieht FUCHS jetzt die Stunde der Wahrheit kommen:
"Der
typische 30-Jährige (...) besteht auf sozialer Ungleichheit, auf
Glamour-Differenzen, ihm liegt daran, ein Coolness-Gefälle aufrecht
zu erhalten. Und so kämpften die 30-Jährigen lieber untereinander um
kulturelles und tatsächliches Kapital, der Krieg gegen die
Vorgänger-Generation blieb aus. Erst die große Wirtschaftskrise hat
diesem Bürgerkrieg ein Ende bereitet. Im Moment sieht es wirklich
ganz danach aus, als ob aus diesem Haufen atomisierter, höchst
individualistischer Individuen doch noch eine Generation mit echtem
Zusammenhalt entstehen würde, eine Solidargemeinschaft der
Leidensgeprüften. Ein Lied zur Lage gibt es auch schon. Es stammt
ironischerweise von einem Techno-Schönling, (früher hätte man
gesagt: Popper), von Christian Kreuz, und der singt: »Erst wenn wir
alle pleite sind, sind wir nicht mehr allein«."
Einer der Mythen unserer
Gesellschaft heißt, dass Armut die Solidarität bzw. den
Zusammenhang fördert.
Das Credo der neoliberalen
Sozialstaatsgegner stimmt mit dieser Sicht des "Uns geht es noch zu
gut!" überein.
Oliver FUCHS und "seine" Generation, sind jedoch Angehörige der
Elite, d.h. ihre Möglichkeiten die Krise zu bewältigen, sind
ungleich besser als es beim Rest der Gesellschaft der Fall ist.
Auf alle Fälle deutet sich
jedoch das
Ende des Individualisierungsglaubens
ab. In letzter Zeit geht es nicht mehr so sehr um
Distinktionsgewinne, sondern um Klassenunterschiede. Typisch für das
neue
Paradigma ist der
KURSBUCH-Beitrag von
Kerstin GRETHER:
"Es
lohnt sich (...) gerade im Umgang mit Kindern aus der gebildeten
Mittelschicht, einen schärferen Ton anzuschlagen. Kommt ja nicht
jeder aus einer Familie, in der das Herumschreien einen ganz eigenen
Wert hatte.
Ich versuche jetzt (...) ihm den seltsamen, neoliberalistischen
Boheme-Lebensstil, zu dem ich mich schon in frühester Jugend
gezwungen sah, zu erklären. (...).
»Du willst mir jetzt erzählen, daß du seit 15 Jahren am
Existenzminimum lebst? Das glaub ich nicht. Du hast doch schließlich
für die Spex gearbeitet.«
Ach, ja, richtig, ich vergaß, ich habe ja an der heiligen Schrift
mitgeschrieben! Die Spex, die Bibel für die Gebildeten, die so tun,
als ob sie Slacker wären. Die Bibel für den Studenten der höheren
Wissenschaft, der noch nicht genug an den Unterschieden in der
Gesellschaft leidet und deshalb - um Unterschiede abzuschaffen -
laufend neue erfinden muß. (...).
Und so erkläre ich mal wieder meine ganz individuelle, ökonomische
Ausgangslage: »Nach der Scheidung meiner Eltern verabschiedete sich
mit meinem Vater auch das Geld, Haus und Garten von uns. Aus Stolz
und Angst verzichtete meine Mutter auf Unterhalt und arbeitete
lieber in einem schlechtbezahlten, typischen Frauenberuf.
Alleinerziehende Mütter sind halt eine Klasse für sich. Freiheit
macht nämlich wirklich arm. (...). Ich fing dann an, selber für
Platten und Bücher und Konzertbesuche zu sorgen und gründete
zusammen mit meiner Schwester ein Musikfanzine. (...). Und seitdem
halt immer die Kultursachen umsonst, und schon seit 15 Jahren auf
jeder Gästeliste, aber nie wissen, wovon die Telefonrechnung, den
Computer, die Möbel, das Leben bezahlen.«
»Ja«, sagt der Freund: »Mach uns nur fertig, du coole Sau. Seit 15
Jahren keinen Eintritt mehr bezahlt, aber hier rumjammern.«
Er hat wieder nichts verstanden. Ich habe es ihm wohl nicht
drastisch genug geschildert. Es ist eben schöner, über die
Unterschiede auf SST-Platten zur reden als über Armut".
Bei
GRETHER blitzt dieses neue Paradigma nur an bestimmten Stellen auf,
ansonsten dominiert das Distinktionsschema und GRETHER erzählt vom
Slacker- und Girlietum und dem dazugehörigen popkulturellen
Universum. Hinter diesem Universum verbirgt sich jedoch nicht mehr
das ästhetische Nichts, sondern der Versuch, die eigene Lage und
popkulturelle Trends in Einklang zu bringen.
Die Rückkehr der Klassengesellschaft
fängt zu
allererst im eigenen Kopf an.
Wenn
GRETHER davon schreibt, dass alleinerziehende Mütter fast ein Klasse
für sich seien, dann deutet sich damit an, dass die neuen
Klassenkämpfe auch zwischen Lebensstilgruppen ausgetragen werden.
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ORZESSEK, Arno (2003): Porsche, Penis, Prostata.
Steve Jones und Wolfgang Schmale erkunden den Mann,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.12.
- Kommentar:
"Etwas
Biogenetik, aber nicht zu viel; etwas Reflexion, aber nicht zu
ernst; etwas Lifestyle, aber nicht zu dick. So schreibt Jones ein
Buch, das gut in die Liegezeit zwischen Weihnachten und Neujahr
passt, wenn man zu Höherem nicht fähig, aber das Fernsehprogramm
erniedrigend ist",
meint ORZESSEK zu jenem Buch, das Frank SCHIRRMACHER als Aufmacher
diente. Ein halbes Jahr lang konnte er damit die
Feuilleton-Debatten über das Auslaufmodell Mann bestreiten und
dem SPIEGEL sogar eine Titelgeschichte aufzwingen.
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ASSHEUER, Thomas (2003): Leben auf eigene Rechnung.
Politiker träumen vom freien Individuum, das dem Sozialstaat nicht
länger zur Last fällt und seine Daseinsrisiken selbst bezahlt. Doch
das Lob dieser Freiheit klingt wie ein neuer Zwang. Warum eigentlich?
in: Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.
- Inhalt:
ASSHEUER lässt zuerst die rechte und linke
Wohlfahrtsstaatkritik - mit ihrem Pathos von der
Regierung der Freiheit
- Revue passieren.
Danach widmet er sich der
Gouvernementalitätskritik,
die im Anschluss an FOUCAULT den Neoliberalismus als
Regierungstechnik beschreibt, die auf Selbsttechniken beruht.
Zum Abschluss widmet sich ASSHEUER dem Vorbild
der Neoliberalen:
"Seltsam
ist auch die Empfehlung, man möge den Blick auf die Vereinigten
Staaten richten und sich die amerikanische Gesellschaft zum Vorbild
nehmen. Denn der Charme der amerikanischen Freiheit steckt überall,
aber gewiss nicht im System seiner Sozialversicherung. Es gibt
nämlich gar keine. Die Armutsentwicklung nähert sich den frühen
siebziger Jahren an, und selbst konservative Beobachter sehen einen
kapitalistischen Neofeudalismus heraufziehen, in dem sich der Staat
aller sozialen Verpflichtungen entledigt und barmherzige
Großkonzerne je nach Gusto und aus schlechtem Gewissen eine
steuerabzugsfähige Suppenküche für die Ärmsten der Armen aufstellen.
(...).
Sowohl die krasse soziale Ungleichheit wie auch der Einfluss der
Großkonzerne auf die Bush-Regierung, so fürchtet der
amerikanische Publizist Kevin Philipps, unterhöhlten die
Grundlagen der Demokratie und weckten dunkle Erinnerungen an die
»Zeit der großen Gummi-, Eisenbahn-, Stahl- und Öl-Barone. Es ist
schon bemerkenswert, wie sich Wahlkampfspenden, Großkapital und
Gesetzgebung vermischen.« Kevin Philipps ist nicht irgendwer. Er war
spin doctor von Ronald Reagan und berät heute Bushs
Republikanische Partei.
Es gibt also Grund genug, mit dem Pathos der Freiheit sparsam
umzugehen und sie nicht dafür zu missbrauchen, staatliche
Funktionszwänge kosmetisch schönzureden oder die Wähler über das
Ende der Vollbeschäftigungsgesellschaft hinwegzutäuschen. Wer nach
»Freiheit« vom Sozialstaat ruft, der sollte darüber Auskunft geben,
wie eine freie Gesellschaft aussieht, die ihre Mitglieder nicht
demütigt, die ihre Chancen und ihren Reichtum gerecht verteilt und
dafür Sorge trägt, dass sich die Menschen nicht als Almosenempfänger
oder Bittsteller, sondern als Bürger begegnen. Mit gleichen sozialen
Rechten."
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NOLTE, Paul (2003): Das große Fressen.
Nicht Armut ist das Hauptproblem der Unterschicht. Sondern der
massenhafte Konsum von Fast Food und TV,
in: Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.
- Kommentar:
Paul NOLTE will die Unterschichten erst
erziehen und dann kommt der materielle Wohlstand von alleine. Und
natürlich sind die 68er wieder einmal schuld:
"Die
68er haben die Bürgerlichkeit als Bürgerkinder angegriffen, also in
dem stillen Bewusstsein, sich am Ende, nach der Revolte, doch auf
das bürgerliche Sicherungsnetz ihrer Bildung, ihrer Herkunft, ihrer
kulturellen Ressourcen ganz allgemein verlassen zu können. Aber
nicht alle, die das nachahmenswert fanden, hatten dieses Netz zur
Verfügung, und dann war ein Absturz die Folge. Die Schäden kann man
jetzt unter anderem in jenen Elterngenerationen besichtigen, die mit
einer missverstandenen Laisser-faire-Erziehung gescheitert sind. So
waren sie dem Ansturm der neuen Medien und Massenkultur seit den
achtziger Jahren wehrlos ausgesetzt.
Wir stehen vor einem Neubeginn, einem Paradigmenwechsel im
politischen Umgang mit den Unterschichten. Wir sind zu lange einem
Konzept gefolgt, das man als »fürsorgliche Vernachlässigung«
bezeichnen könnte. Einer vergleichsweise hohen materiellen Fürsorge
der Unterschicht steht eine Vernachlässigung in sozialer und
kultureller Hinsicht gegenüber. Das Ziel muss es wieder sein,
Kulturen der Armut und der Abhängigkeit, des Bildungsmangels und der
Unselbstständigkeit nicht sich selbst zu überlassen, sondern sich
einzumischen, sie herauszufordern und aufzubrechen. Es geht um
Integration in die Mehrheitsgesellschaft, aber auch – für viele ein
heikleres Thema – um die Vermittlung kultureller Standards und
Leitbilder."
Wir haben gemäß NOLTE kein
Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsproblem, sondern nur ein
Erziehungsproblem!
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JASNER, Carsten (2003): Was für ein Glück.
Vor lauter Reformen könnte
man es fast vergessen: Politik soll hauptsächlich möglichst viele
Menschen möglichst glücklich machen. Geld ist dabei bekanntlich nur
bedingt hilfreich. Ein Gespräch mit dem Glücksberater David Halpern,
in: Die ZEIT Nr.52 v. 17.12.
- Kommentar:
In Zeiten knapper Kasse lautet die Parole: Reichtum
ist nicht alles. Dies sind die Zeiten der Glückspropheten wie David
HALPERN. Lebensqualität ist dann keine Frage des Lebensstandards
oder der optimalen Versorgung, sondern des subjektiven Glücks.
Glück ist machbar, Herr Nachbar!
Die Sozialtechniker des Glücks übersehen
jedoch, dass Glück eine subjektive, individualistische Kategorie ist
und nicht herstellbar wie eine Infrastruktur, auch wenn Glückspillen
Vorstellungen einer
Schönen Neuen Welt nahe legen.
In der
WELTWOCHE vom 11.12.2003 hat sich der Schweizer Ökonom Mathias
BINSWANGER ebenfalls dem Phänomen Glück gewidmet.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 08. - 16. Dezember 2003
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