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Medienrundschau:
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News vom
16. - 20. Dezember
2004
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Zitat
des Monats:
"Herbert
behauptet stock und steif, er sei Single. Dabei lebt er seit
über zehn Jahren mit seiner Freundin Angelika zusammen. Unsere
Gespräche darüber verlaufen stets nach dem gleich Strickmuster:
»Herbert, sieh es einfach ein. Du bist kein Single«
»Natürlich bin ich das. Genau wie du«
»Und was ist mit Angelika?«
»Was soll mit ihr sein?«
»Ihr wohnt seit zehn Jahren in einer Wohnung«
»Na und? Wir haben eine WG. Um genau zu sein, eine Zweier-WG.«
»Natürlich. Und die Tatsache, dass ihr miteinander schlaft, hat
wohl auch nichts zu sagen?!«
»Genau. Wir haben Sex miteinander. Deswegen ist man doch in
keiner Beziehung. Das müsstest du doch am besten wissen.«
»Ich habe aber nicht seit zehn Jahren Sex mit derselben Frau.«
»Zufall. Es ergibt sich halt so, wenn man zusammenwohnt.«
(aus:
Daniel Bielenstein "Die Frau fürs Leben", 2004, S.32f.) |
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NORD, Cristina (2004): Das Lachen des Tricksters.
Der Beleidigte rückt auf in die Sprecherposition: Theo van Gogh war
kein neurechter Tabubrecher, sondern vielmehr ein Provokateur, dessen
Respektlosigkeit die Diskurse durcheinander brachte,
in: TAZ v. 20.12.
- Kommentar.
NORD stilisiert den Kanaken-HOUELLEBECQ
Feridun ZAIMOGLU zum deutschen Theo
van Gogh. Als Beleg zitiert sie eine Stelle aus "Koppstoff":
"Was faselst du
deutsches Liebchen? Ein Bein im Bürgerhaus, ein Bein im
Schwangerschaftunterbrechen, heute ganz radikales Frontkeckchen und
morgen, viel früher schon, Singleschnepfe, und hast vier
Altbauzimmer für dich und den Wandschrank mit Lilaschokoagitpop"
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WINKELMANN, Ulrike (2004): Rot-Grün sorgt für Reiche. Ein
Regierungsbericht zeigt, dass die Ungleichheit in Deutschland weiter
zunimmt: Besserverdienern geht es immer besser, Armen schlechter.
Schuld an der Armut sind für Rot-Grün angebliche Schädigungen der
Exportwirtschaft,
in: TAZ v. 20.12.
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HAGER, Angelika (2004): Lifestyle: Morgen war gestern.
Wie werden wir unsere "Patchwork-Identität" evaluieren, wo sollen
wir chillen und wen "maten". Angelika Hager über den "Anything
goes"-Unsinn der Trendforschung,
in: Profil Nr.52 v. 20.12.
- Kommentar:
So viel Hohn für die Trendforschung war nie!
HORX & Co. bläst der eiskalte Wind der "hysterischen Gesellschaft"
(wie
Matthias HORX unsere Gesellschaft
selbstgefällig im elitären Selbstbeweihräucherungsblatt CICERO
Ausgabe Nr.11, November 2004 nennt) mitten ins Gesicht.
Single-dasein.de hat des
öfteren auf den dahinter stehenden BECKschen Laber-Flash
hingewiesen.
Ulrich BECK hat die
Begriffe der traditionellen Soziologie gerne als
Zombie-Kategorien abgewertet, aber vielleicht sind es eher
Zombi-Kategorien im Sinne der Band
"Kante":
"Wir sehen unmöglich
aus/wir sind der Zeit voraus/wir sind die wunde Stelle/mitten unter
euch".
Mit dem
Ende der Individualisierungsverheißungen werden nun die
Individualisierungszwänge sichtbarer. Wer wie HORX den
Individualisierungsoptimismus verkörpert, der muss sich nun an
der HARTZ-Gesellschaft messen lassen.
HORX hat den
Niedergang seiner Branche im Trendreport 2005 bereits
vorweggenommen, wie HAGER feststellt:
"möglicherweise erweist sich
Horx einmal als wirklich treffsicher, wenn er im Vorwort zu seinem
aktuellen Trendreport den Roman
»Mustererkennung« mit folgendem Verweis erwähnt: »Auf eine
seltsame Art wirkt dieser Roman altmodisch. Er schildert die
Trendforschung, als diese Disziplin noch jung, unschuldig und auf
eine verwegene Weise unverschämt war. Aber diese Zeit ist endgültig
vorbei.«"
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SAILER, Steve (2004): Baby Gap.
How birthrates color the electoral map,
in: The American Conservative v. 20.12.
- Kommentar:
Jordan MEJIAS hat in der
FAZ vom 11.12.2004
David BROOKs ("Bobos in Paradise") neokonservative Sicht auf die
Familie in der New York Times ("The
New Red-Diaper Babies", 07.12.2004)
dargestellt.
BROOKS beschreibt in dem Artikel die Natalisten, d.h. kinderreiche
Familien, deren persönliche Identität in der Elternschaft
verankert ist, als überaus harmlose Zeitgenossen.
Diese Eltern
hätten dem Materialismus und dem Hyperindividualismus abgeschworen
und lebten in "Exurbia", d.h. noch jenseits der Städte und
Vorstädte (Suburbia).
MEJIAS kritisiert, dass BROOKs Sicht zu optimistisch sei, wenn er
den Kulturkampf leugnet, der in Amerika entbrannt ist.
Dies belegt
MEJIAS anhand der Titelgeschichte von Steve SAILER, der die
politische Kluft zwischen BUSH- und KERRY-Staaten mit den
jeweiligen Geburtenraten in Verbindung bringt. Das Ergebnis:
"Bush wurde
in den neunzehn Bundesstaaten mit der höchsten Geburtenrate
bevorzugt, Kerry in den sechzehn mit der niedrigsten."
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WOLFF, Ingo (2004): Das Fest der Lieben.
Weihnachten haben Scheidungskinder eine besondere Sehnsucht nach
dem fehlenden Elternteil – für Patchwork-Familien ein Problem,
in: Tagesspiegel v. 19.12.
- Kommentar:
Seit Joachim BESSING
die Familie retten möchte, haben
Patchworkfamilien und 68er eine schlechte Presse:
"Selbst
der rebellische 68er und der hartherzige Eigenbrötler feiern
Weihnachten am liebsten im Kreis der »engen Familie«. Doch was tun,
wenn das partout nicht machbar ist, weil Mama und Papa nicht mehr
miteinander wohnen? Und die Neue mit der Ex nicht kann, deren Kinder
aber auch mit Mama und Papa feiern wollen? Ein Dilemma, ausgerechnet
am Fest der Familie.
Patchwork – das sind Familien wie Flickenteppiche. Bunt
zusammengestellt, nicht immer sauber vernäht und doch ein Lichtblick
für einen Raum, in dem sonst Leere herrschen würde. Aber was sich so
liebevoll anhört, wird in der Weihnachtszeit zum Fluch"
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FUHR, Eckhard (2004): Männer, die von unten kommen,
in: Welt v. 18.12.
- Inhalt:
Eckhard FUHR verkauft den Welt-Lesern
die Hartz-Reform als Konsequenz des Lebenswegs von Gerhard SCHRÖDER:
"»Wir waren die Asozialen«,
sagte der Kanzler kürzlich über seine gesellschaftliche Herkunft. So
deutlich hat man das von ihm noch nie gehört. Für einen
Sozialdemokraten liegen zwischen proletarischer und
subproletarischer Herkunft Welten. Erstere begründet Tradition,
Selbstbewußtsein und soziale Zugehörigkeit, letztere die Abwesenheit
all dessen. Mit dem Bekenntnis seiner »asozialen« Herkunft gibt
Schröder zu verstehen, daß man ihn am Muster eines »typischen«
Sozialdemokraten nicht messen soll. Bevor er aufstieg, mußte er erst
einmal in eine soziale Welt einsteigen, in der Leistung, Bildung,
Verantwortung etwas galten. Man kann Hartz IV auch als Frucht dieser
Erfahrung betrachten.
In dieser Reform nämlich verdrängt die soziale Disziplinierung die
Umverteilung als sozialpolitische Leitidee. Schröder ist zu
diesem Traditionsbruch fähig, weil er von ganz unten, vor allem aber
von draußen kommt."
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SCHULTE, Jan (2004): Hartz IV - nur Verlierer?
Eine Untersuchung aus dem Institut für öffentliche Finanzen und
Sozialpolitik der FU,
in: Tagesspiegel v. 18.12.
- Kommentar.
Jan SCHULTE ist wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Institut für öffentliche Finanzen und Sozialpolitik der Freien
Universität und hat in der Untersuchung "Arbeitslosengeld II und
Arbeitslosenhilfe: Gewinner und Verlierer" für die Empfänger von
Arbeitslosenhilfe, die in der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe
(EVS) von 1998 erfasst wurden, die Höhe des Arbeitslosengeldes II
und den Unterschied zwischen bisherigem und zukünftigem
Nettoeinkommen errechnet.
Es kann davon ausgegangen
werden, dass diese Daten für die heutigen Verhältnisse viel zu
optimistisch sind.
Gerade in Bezug auf die
Alleinlebenden sind die Aussagen mehr als dürftig, wenn es heißt:
"Paare mit Kindern sind
die zweithäufigsten Verlierer, rund die Hälfte der Haushalte in
dieser Gruppe werden verlieren; Alleinlebende stehen etwas besser
da, ein bisschen mehr als die Hälfte der Alleinlebenden werden in
Zukunft mehr Geld zur Verfügung haben.
(...).
Bemerkenswert ist, dass so viele Alleinlebende durch die Reform gar
keine Einkommenseinbußen erleiden. Solche mit einem geringen
Einkommen erhalten ein wenig mehr, während solche mit einem bisher
höheren Einkommen Einbußen hinnehmen müssen. Die Zahlen der
Verlierer und die der Gewinner gleichen sich aus. Das darf aber
nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verlierer weit mehr verlieren
als die Gewinner gewinnen: Der durchschnittliche Gewinn liegt bei
knapp 60 Euro, während der durchschnittliche Verlust über 150 Euro
beträgt. Im Osten ist der Anteil der Verlierer deutlich höher als im
Westen, in keiner Gruppe ist der Unterschied zwischen Ost und West
größer."
Dass eine Bewertung der
Betroffenheit von Alleinlebenden ohne Differenzierung nach Alter,
Geschlecht und Wohnort mehr als fragwürdig ist, das lässt sich aus
diesen Passagen ablesen.
Keine Kategorie ist so
heterogen wie die "Lebensform Einpersonenhaushalt", weswegen
Durchschnittswerte über die Probleme spezieller Teilgruppen von
Alleinlebenden hinwegtäuschen.
Das 18-seitige Diskussionspapier steht im Netz als
PDF-Datei zum Download zur Verfügung.
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DANNENBERG, Sophie (2004): Das Heimchen am Herd.
Kochende Männer. Oder: Der Wandel in der Familie,
in: DeutschlandRadio Berlin v. 18.12.
- Kommentar:
Sophie DANNENBERG erzählt Anekdoten
aus ihrem Bekanntenkreis und macht daraus gleich einen Trend:
"Ob sein Essen gelingt oder nicht: ausgelacht wird er
am Ende immer. Vorbild ist er längst nicht mehr, Familienoberhaupt
schon gar nicht.
Wenn ich meine Freundinnen, lauter kluge, attraktive, straighte
Frauen Mitte dreißig, frage, ob sie kochen können, schütteln sie
stolz den Kopf und erzählen selbstbewusst und fröhlich von
angebrannten Tütensuppen und anderen Küchenkatastrophen. Fast
scheint es, als wollten sie sich gegenseitig übertreffen. Nicht
kochen zu können, ist eine Errungenschaft - für moderne Frauen. Für
moderne Männer gehört das Kochen inzwischen zur Selbstdarstellung.
Sie müssen nicht mehr jagen, Kriege gewinnen oder Unternehmen
führen, sie müssen eine gute Mousse au chocolat machen können und
eine echte Hollandaise, also ohne Mehl."
Für Leute, die glauben, dass
DANNENBERG mit Joachim BESSING identisch sei, bietet sich BESSINGs "Müllschlucker"-Tirade
aus der SZ vom 17.07.04 als Vergleich. Vielleicht hat das
DANNENBERG ja auch nur imitiert...
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REISNER, Stefan (2004): Vom andern Stern.
Anti oder autoritär? Wie das Grips-Theater Kinder, Eltern, Lehrer
und Hausmeister prägte,
in: Tagesspiegel v. 18.12.
- Inhalt:
REISNER, ehemaliger Stücke-Schreiber für das
Grips-Theater und jetziger Direktor eines Botanischen Gartens auf
Bali, schreibt eine
Erwiderung auf Sophie DANNENBERGs Vorwürfe:
"Grips
hat diese Zeit nicht erfunden. Es hat ihre Theorien aufgenommen und
in Form gebracht, was Eltern, Erzieher und Kinderladen-Funktionäre
bewegte. Die ganze 68er-Bewegung endete kurioserweise ja in den
Windeln der Kinderläden. Was die Erwachsenen nicht schafften,
sollten die Kleinen lernen zu vollenden. Es war nicht allein das
Grips, das den Kindern diese Last aufdrückte, sondern eine ganze
Generation von Erwachsenen.
(...). Die vom Grips gesetzten Standards, Theater für Kinder
professionell zu machen, sind heute Norm. Dabei waren wir in den
linken Auen nicht minder umstritten als in den rechten Sümpfen.
Grips galt nämlich als
hoffnungslos revisionistisch, sozusagen viel zu realsozialistisch,
schon weil die Vorstellungen pünktlich um acht Uhr früh anfangen
mussten (wegen der Lehrer!)."
Warum REISNER und nicht
Volker LUDWIG antwortet, das hat
Harald
MARTENSTEIN in der ZEIT ausposaunt.
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SPIEGEL, Hubert (2004): Die letzten Teenager.
Was Joachim Lottmann und Sophie Dannenberg verbindet,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 18.12.
- Inhalt:
SPIEGEL listet erst einmal die
Generationenlabels auf, die in den letzten Jahren ins Rennen um die
Nachfolge der 68er geworfen worden sind. Sein Fazit:
"Zur Zeit ist das
Generationenschlachtfeld des Literaturbetriebs wie leergefegt. Nur an
den Rändern lungern noch der Achtundsechziger und der Popliterat
herum".
Beide werden sich nach Meinung
von SPIEGEL immer ähnlicher, wobei der 68er den Vorteil hätte, dass
ihn die Renegaten immer wieder ins Gespräch bringen würden, während
die Popliteratur sich höchstens auf die Väter der Popliteratur
zurückbesinnen könnten.
Voilà, damit ist SPIEGEL
endlich bei Joachim LOTTMANN angelangt. Dessen Buch
"Die Jugend von heute" ist für
SPIEGEL ein Indiz für die drohende "Veronkelung" der Popliteratur:
"Man muß nicht nach Entenhausen
blicken, um zu wissen, daß der Onkel in der Literatur oft eine eher
lächerliche Figur abgibt.
Wo Machtfülle und
Patriarchenwürde des Vaters Vernichtungswünsche und Tötungsphantasien
der Nachgeborenen auslösen, wird der Onkel in der Regel als
tendenziell gleichrangig betrachtet."
Onkel Jolo, das Alter Ego des
Autors LOTTMANN im Roman um die Jugend von heute, treibt zum einen ein
ethnologisches Interesse in die Clubs von Berlin und München und
andererseits die Sorge um seinen Neffen Elias, der nicht zum Sex,
sondern nur zum Kuscheln vordringt (hier kehrt der Softie, d.h. ein
typisches 78er-Produkt, als Vorwurf an die nachfolgende Generation
wider!).
Elias steht jedoch nur stellvertretend für die
Krankheit der Jugend von heute, oder wie es Jolo ausdrückt:
"Definierte man die Jugend als
die Zeit nach der Kindheit und vor der Berufstätigkeit, so gab es seit
den 90er Jahren gar keine Jugend mehr. keiner erreichte mehr die
postpubertäre Reife, ich war der letzte lebende Teenager."
Hieß es bei Günter FRANZEN "Vor
den Müttern sterben die Söhne", so heißt es bei SPIEGEL nun "Vor den
Onkeln sterben die Neffen". Damit wären wir endlich bei dem derzeit
beliebtesten Sujet: der vaterlosen Gesellschaft.
SPIEGEL spitzt das Romanthema
außerdem feuilletondebattengerecht zu, wenn er erstens Homosexualität
(Metrosexualität) als abweichendes Verhalten problematisiert und
zweitens den türkischen Macho einerseits als sexuell zielstrebiger,
aber brutal beschreibt.
Opfer in dieser
ungleichen Männerkonkurrenz (der Deutsche steht angesichts des
türkischen Barbaren von vorneherein auf verlorenem Posten) ist die
postfeministische Frau der Generation Ally, die SPIEGEL bei LOTTMANN
mit der Figur "Hase" identifiziert.
Onkel Jolo würde Hase gerne mit
Elias verkuppeln, aber da ist deren Erziehung vor. SPIEGEL zieht hier
eine Verbindung zur Kommune I des Rainer LANGHANS, womit wir bei
DANNENBERGs Roman "Das
bleiche Herz der Revolution" sind, für den sich SPIEGEL zwar nicht
begeistern kann, der aber die Folie für das Grundproblem der Jugend im
Zeitalter der Demografiepolitik abgibt.
Hase ist für SPIEGEL identisch
mit Kitty, die Protagonistin und das Alter Ego von Sophie DANNENBERG.
Damit ist auch der Zusammenhang
zwischen LOTTMANN und DANNENBERG hergestellt. SPIEGEL unkt zum
Schluss:
"Wenn Lottmann, angeblich
Jahrgang 1956, und Dannenberg, angeblich 1971, identisch sind, dann
hat die Generation, der sie beide angehören, zwar noch keinen Namen,
aber vermutlich ein Problem. Nicht nur, was den Nachwuchs betrifft."
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KNIPPHALS, Dirk (2004): Mein eigener privater Unglaube.
Gott ist tot? Nicht mehr! Gott existiert also? Wer weiß!
Glaubensfragen haben hierzulande den Furor verloren. Religion ist
Privatsache, und Gesellschaften tun besser daran, sich nicht auf
Glauben oder Werte zu gründen. Wie sie mit dem Unglauben umgehen, ist
die viel entscheidendere Frage,
in: TAZ v. 18.12.
- Inhalt:
KNIPPHALS mag seinem
Projektleiter HABERMAS
in der Religionsfrage nicht folgen:
"Insgesamt herrscht in unserer
Gesellschaft längst ein fröhlicher Polytheismus und pragmatischer
Umgang mit der Religion", wirft er ein.
Weit und breit keine Wertefront
in Sicht...
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REICHERT, Martin (2004): Völkerverbindender Estrich.
Kinder lieben es: Nutella. Dieser Tage wird sein vierzigjähriges
Jubiläum begangen. Bange Frage aber: Ist die nussige Creme ein linkes
oder ein rechtes Lebensmittel?
in: TAZ v. 18.12.
- Inhalt:
REICHERT widmet sich den wirklich wichtigen
Fragen der Nutella-Kinder (SCHWERTFEGER):
"Nutella
hat sich einen prominenten Platz in jenem Konsumwalhalla erobert,
das so identitätsstiftend für jene angebliche »Generation Golf« des
jungen Konservativen Florian Illies ist - und geht demnach in seiner
Bedeutung weit über die mit Kindheitserinnerungen getränkten
Madeleines des Marcel Proust hinaus.
Illies hatte allerdings das Lebensgefühl von Jura- und BWL-Studenten
beschrieben. Ist Nutella eine Nuss-Nugat-Creme für CDU-Wähler? Oder
darf man ihnen diese Leckerei nicht kampflos überlassen? Ist es
nicht eskapistisch und zudem elitär, sich zum teuren »Samba« aus dem
Bioladen zu flüchten? Also: Ist Nutella nun rechts oder links?"
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BUTTERWEGGE, Christoph (2004): Wenn Urängste die Mitte erfassen.
Neue Feindbilder. Natur und Nation werden zu Legitimationsquellen
einer gespaltenen Gesellschaft,
in: Freitag Nr.52 v. 17.12.
- Inhalt:
Was single-dasein.de bereits im August 2002
als
Konvergenz von Neuer Mitte und Neuer Rechte
beschrieben hat, das kann man nun auch bei dem Sozialwissenschaftler
Christoph BUTTERWEGGE nachlesen:
"Mittlerweile fordern auch
Sozialdemokraten und Grüne eine
»aktive Bevölkerungspolitik«, um die Gebärfreudigkeit der deutschen
Mütter zu fördern. Durch die Art, wie Politik, Wissenschaft und
Publizistik den Bevölkerungsrückgang thematisieren und welche
Maßnahmen sie erwägen, um ihm zu begegnen, können Rechtsextremisten
und Neonazis, die sich seit jeher Sorgen um den Fortbestand des
deutschen Volkes machen, Auftrieb erhalten. Wer die
Bevölkerungsprognosen betrachtet, die - Katastrophenszenarien gleich
- sich in den Medien auffällig häufen, stellt fest, dass sich die
Urangst von Rechtsextremisten, das deutsche Volk könne aussterben,
zunehmend in die Mitte der Gesellschaft verlagert. Und so kommen sie
dann zusammen, die Zerstörung des Sozialstaats und der Appell an das
Nationale. Ihr gemeinsamer Nährboden sind Horrorvisionen, düstere
Prognosen und Kassandrarufe."
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ROEDIG, Andrea (2004): Die andere Wut.
Im Gespräch: Michael Linden über ein altes, neues Krankheitsbild -
Verbitterung,
in: Freitag Nr.52 v. 17.12.
- Inhalt:
Michael LINDEN wirbt für ein neues klinisches
Krankheitsbild, das er als posttraumatische Verbitterungsstörung
bezeichnet:
"Wenn ich persönlich die Wahl
hätte, eine Angsterkrankung, eine depressive Erkrankung oder eine
Verbitterungsstörung zu bekommen, würde ich mit Sicherheit nicht für
die Verbitterung optieren, sie ist ein viel schärferes und
negativeres Gefühl als Angst oder Depression.
Was macht sie schlimmer?
Verbitterung ist ein Mischaffekt, der gleichzeitig Verzweiflung,
Aggression gegen sich selbst, Aggression gegen Dritte,
Hoffnungslosigkeit und Denkblockaden einschließt. Sie ist ein sehr
viel breiterer und umfassenderer Affekt als Depressivität oder
Angst. Bei Angst bleiben noch viele Lebensbereiche übrig, die nicht
betroffen sind, Verbitterung aber erfasst alles."
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RM-SPEZIAL: Die Ehe - Ein Auslaufmodell?
Frau und Mann, zu zweit, mit Kindern, lebenslang - das Leitbild
scheint sich zu einer Variante unter vielen zu entwickeln
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Inhalt:
Das Fest der Liebe naht und der Rheinische
Merkur nutzt die Gelegenheit zu einem Ehe-Spezial aus christlicher
Sicht.
Von christlicher Ehe- und
Familienberatung, über Hochzeiten als Event (Christiane FLORIN), das
katholische Heiratsprinzip des unwiderruflichen Einverständnis und
das evangelische Heiratsprinzip mit seiner Möglichkeit des
Neubeginns bis zur Scheidung und dem richtigen Verständnis von Ehe
(Marie-Luise SCHWARZ-SCHILLING) reicht das Spektrum der Beiträge.
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HENRY-HUTHMACHER, Christine (2004): Traut vereint, schnell entzweit.
Gesellschaftstrend. Der moderne Mensch kauft im
Beziehungssupermarkt nach dem Prinzip Versuch und Irrtum,
in: Rheinischer Merkur Nr.51 v. 16.12.
- Kommentar:
HENRY-HUTHMACHER beschreibt den Niedergang
der Ehe mit einer überholten
Single-Rhetorik:
"Wie die
Sozialwissenschaftler Brüderl und Klein in ihrer empirischen
Studie über die Pluralisierung partnerschaftlicher Lebensformen in
Westdeutschland nachweisen konnten, hat die Ehe als dominante
Lebensform an Gewicht verloren. Während bei den 1950 Geborenen
bereits 70 Prozent im Alter von 30 Jahren in erster Ehe
verheiratet waren, sind es bei den 1960 Geborenen nur noch 54
Prozent und bei den 1970 Geborenen lediglich 44 Prozent.
Im Gegenzug werden Single-Lebensformen und nichteheliche
Lebensgemeinschaften beliebter, ohne allerdings zur
vorherrschenden Lebensform zu werden. So ist die Zahl der heute
30-jährigen Singles im Vergleich zur Generation der in den 1950er
Jahren Geborenen von 21 Prozent auf 38 Prozent gestiegen."
HENRY-HUTHMACHER
zitiert hier - wie es für
Sozialpopulisten und
Familienfundamentalisten üblich
ist - Haushaltszahlen und nicht den Anteil der Alleinlebenden an
der gleichaltrigen Bevölkerung.
Diese Zahlen gibt es
inzwischen, aber aus Gründen der politischen Korrektheit werden
sie nicht in den Medien publiziert.
Denn dann sehen
die Relationen völlig anders aus.
Nach Angaben des
Statistischen Bundesamtes (aktualisierte Tabellen zum Datenreport
"Die Familie im Spiegel der amtlichen Statistik" vom November
2004) waren im Jahr 2003 52,1 % der 30-34Jährigen verheiratet.
Nur 20,1 % führten in dieser
Altersgruppe einen Einpersonenhaushalt (Alleinlebende).
Diese Kategorie schließt
jedoch weder zusammenlebende Paare noch Paare ohne gemeinsamen
Haushalt trennscharf aus, d.h. das partnerlose Alleinleben wird in
der amtlichen Statistik immer noch überschätzt.
Eine Widerlegung
populärer Single-Mythen anhand neuerer wissenschaftlicher Daten
wird single-dasein.de mit dem Thema des Monats Februar liefern.
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KRETSCHMER, Tina (2004): Bei mir zu Hause bin ich König.
Einzelkinder. Die meisten gelten als verwöhnt und Egoistisch.
Experten widerlegen dieses Vorurteil,
in: Rheinischer Merkur Nr.51 v. 16.12.
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SCHULLER, Alexander (2004): Rettet uns der Patriotismus?
Eine Polemik,
in: DeutschlandRadio Berlin v. 16.12.
- Inhalt:
Der konservative Soziologe SCHULLER profiliert
sich als Oswald SPENGLER der Berliner Republik:
"In der Konfrontation zwischen
selbstbewussten, totalitären und kinderreichen Gesellschaften sind
identitätslose, kinderlose und kindische Gesellschaften zum
Untergang verurteilt."
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Zu den News
vom 11. - 15. Dezember 2004
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