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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 21. - 28. Februar 2003

 
       
     
   
Zitat des Monats:
"Am 13. November 1992 erblickte ein schmales Taschenbüchlein von gerade einmal 106 Seiten das Licht der Buchläden. Es hieß Weil das Land sich ändern muss, und trotz seines geringen Umfangs vereinte es unter seinen Autoren die Creme der politischen Klasse Deutschlands: Marion Gräfin Dönhoff, Meinhard Miegel, Wilhelm Nölling, Edzard Reuter, Helmut Schmidt, Richard Schröder und Wolfgang Thierse malten die Zukunft der Republik in düstersten Farben. (...). Heute, gut zehn Jahre später, zeigt sich (...), dass der mit Abstand richtigste Satz des ganzen Pamphlets (...) war: »Allenthalben hat die Qualität der politischen Klasse nachgelassen.«
Besonders deutlich wird das im Kapitel »Damit die Deutschen nicht aussterben«. Damit der geneigte Leser bereits an der Pforte alle Hoffnung fahren lasse, beginnt es mit einem Horrorgemälde: Bis Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts werde die Bevölkerung Deutschlands um rund eine Million Menschen abnehmen (...).
Starke Worte, nicht wahr? Nur mit einem kräftigen Haken: Keines davon ist wahr. Jetzt, zehn Jahre später, können wir die ersten Horror-Zahlen an der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung messen. Und die Zahlen, die das Statistische Bundesamt für die Bevölkerungsentwicklung in den 90er Jahren veröffentlicht, haben nicht das Geringste mit der damaligen Schmidt-Dönhoff-Miegel-Prognose zu tun: Die Bevölkerung Deutschlands hat sich im Laufe jenes Jahrzehnts nicht etwa um eine Million Menschen verringert, sie hat um mehr als drei Millionen Menschen zugenommen!"

(aus: Detlef Gürtler "Vorbild Deutschland", Februar 2003, S.43f.)
 
       
     
   
  • Berliner Bevölkerungsentwicklung

    • Kommentar:
      Das Statistische Landesamt Berlin hat in Pressemitteilungen am 12.02.2003 und am 27.02.2003 neue Zahlen zur Berliner Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht.

                  JAHR-WEIDAUER beklagt Steuerausfälle und Wohnungsleerstände wegen Suburbanisierung. Die Abwanderung wird dramatisiert, indem ein Zeitraum von 10 Jahren betrachtet wird. Nicht gemeldet wird deshalb, dass die Bevölkerung in den letzten beiden Jahren gewachsen ist.
                  STOLLOWSKY wiederum sieht Berlin auf dem Weg zur Hauptstadt der Singles (andere Journalisten  behaupten seit Jahren, dass Berlin, bereits die Hauptstadt der Singles sei). Im Gegensatz zu Bevölkerungswissenschaftlern wie Rainer MÜNZ (Berliner Zeitung v. 20.01.2003) bezeichnet er Berlin als sich verjüngende Stadt:
                  "Zu verdanken ist das allein den 18- bis 35-Jährigen, denn nur in dieser Altersgruppe ist die Bilanz der Zu- und Weggezogenen positiv: Im Jahr 2001 gewann Berlin deshalb rund 22800 jüngere Bürger hinzu".
      • JAHR-WEIDAUER, K. (2003): Berliner wandern ins Umland ab.
        Neue Studie des Statistischen Landesamtes zeichnet düsteres Bild: In zehn Jahren zogen 269 900 weg,
        in: Welt v. 28.02.
      • STOLLOWSKY, Christoph (2003): Gute Nachricht für Berlin: Viele junge Menschen ziehen in die Stadt. Die schlechte: Es gibt zu wenig Kinder,
        in: Tagesspiegel v. 28.02.
      • KNOKE, Alexander (2003): 270 000 Berliner sind seit der Wende ins Umland gezogen.
        Im Jahr 2001 lebten knapp 3,4 Millionen Menschen in der Hauptstadt
        in: Berliner Zeitung v. 28.02.
 
   
  • Im Blick: Familienpolitik auf Sparflamme

    • Katharina SPERBER & Pitt von BEBENBURG (2003): Auf der Suche nach einer Balance zwischen Familie und Beruf.
      Ministerin Renate Schmidt setzt in Zeiten knapper Kassen auf Zivildienstleistende. An der Betreuung Schwerstbehinderter soll nicht gespart werden,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.02.
    • SPERBER, Katharina (2003): Zuckerbrot und Peitsche.
      Die Emanzipation des Mannes steht noch immer aus,
      in: Frankfurter Rundschau v. 27.02.
      • Kommentar:
        Gendermainstreaming ist seit einiger Zeit das Zauberwort für posttraditionelle 70er-Jahre-Feministinnen (ein bisschen Alice SCHWARZER und ein bisschen Katja KULLMANN), die von Männern und Frauen sprechen, um Neue-Mitte-Mütterinteressen durchzusetzen.
        Die Emanzipation der Männer liest sich bei SPERBER so:

              
          "Befreiung aus selbstverschuldeter, stets beklagter Überlastung und permanenter Gefahr des Machtmissbrauchs".
                    Nur dumm, dass viele Männer nicht mal in die Nähe der Macht gelangen, und so mancher froh wäre, wenn er vor beruflicher Überlastung klagen könnte.
                    Florian GERSTER muss von Berufs wegen den Mund voll nehmen. "Neue Wege in die Vollbeschäftigung" heißt deshalb der Untertitel seiner Vision für eine Gesellschaft, die so mancher nicht mehr erleben wird.
                    Vollbeschäftigung ist aber auch die Voraussetzung unter der Emanzipation überhaupt erst möglich werden könnte.
 
     
     
     
   
  • JAUER, Marcus (2003): Gang raus und rollen lassen.
    Pendeln zwischen Ost und West, des Lebens wegen: "Es klingt vielleicht blöd, aber irgendwie vergeht die Zeit".
    Armes Deutschland (VII): Das Schicksal einer ostdeutschen Familie: Er arbeitet in München unter seinen Fähigkeiten, und sie wartet in Kodersdorf auf das Wirtschaftswunder,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 26.02.
    • Kommentar:
      In den 80er Jahren kamen die "Aristokraten der Liebe".

                  Living apart together wurde zum Schicki-Micki-Lifestyle. Mit dem Umzug der Regierung nach Berlin flossen sogar Forschungsgelder für wissenschaftliche Untersuchungen über mobile Lebensformen. Das Ergebnis liegt nun seit letztem Jahr vor. "Mobil, flexibel, gebunden" heißt das Werk und Marcus JAUER hätte es vor der Reportage lesen sollen, dann hätte er die mobile Lebensform seiner Fallgeschichte besser einordnen können und es hieße nicht lapidar:
                  "Er ist ein Pendler. Einer von 300000 Ostdeutschen, die jeden Tag, jede Woche oder jeden Monat zur Arbeit in den Westen fahren".
                  Norbert F. SCHNEIDER und seine Mitarbeiter haben die mobilen Lebensformen, die JAUER unter dem Begriff "Pendler" abhandelt, genauer unterschieden.
                  Den Fall, den JAUER präsentiert, bezeichnet SCHNEIDER als "Shuttle" (Wochenendpendler). Wenn die beschriebene Person plant, seine Frau nachzuholen, dann würde er in die Kategorie "Umzugmobile" fallen. Davon zu unterscheiden sind Fernbeziehungen, Fernpendler, Varimobile oder Auslandstätige. Jede mobile Lebensform ist duch spezifische Vor- und Nachteile gekennzeichnet, die SCHNEIDER herausgearbeitet hat.
                  Als SCHNEIDER seine Untersuchungen durchführte, da zeichnete sich zwar schon ab, dass mobile Lebensformen keine Schicki-Micki-Lifestyle-Optionen sind, sondern immer mehr Menschen unfreiwillig zu "Aristokraten der Liebe" werden. Einen Einfluss auf die Buchveröffentlichung hatte das jedoch nicht. Den neuen Realitäten gerecht zu werden, das bleibt anderen Büchern vorbehalten.
                  Die verschärften Zumutbarkeitskriterien für Menschen, die der Single-Kategorie zugeordnet werden, obgleich sie vielfach gebunden sind, wird die Verbreitung dieser mobilen Lebensformen fördern.  
 
   
  • LOTTMANN, Joachim (2003): Meine Abenteuer in der Wirklichkeit.
    "Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sollten zufällige sein - ich lachte nicht schlecht": Joachim Lottmann lieferte 1987 mit "Mai, Juni, Juli" die Blaupause für die Popliteratur. Nun erscheint der lange vergriffene Roman neu. Der Autor erinnert sich,
    in: TAZ v. 26.02.
 
     
   
  • BOLLWAHN DE PAEZ CASANOVA, Barbara (2003):
    König Ludwigs Volk soll leben.

    Babyprämie in einer bayerischen Kleinstadt: In Marktoberdorf im Allgäu zahl der Zigarrenhändler Peter Fendt 1.000 Euro Prämie für das dritte und jedes weitere Kind einer Familie. Ausländer und Heiden kriegen nichts. Denn der Mann will, dass sich die bayerische Bevölkerung erhält. Am Ende des Projekts steht die Unabhängigkeit des Freistaats,
    in: TAZ v. 26.02.
 
     
   
  • HARTMANN, Andreas (2003): Die Typen aus dem Schulaufsatz.
    Die Fernseh-Doku "Was war links?" ist 68er-lastig, lustig und ein Grund, revolutionär drauf zu kommen,
    in: Jungle World Nr.10 v. 26.02.
    • Inhalt:
      "Was war links?" aus der Perspektive der popkulturellen Linken:

                  "Ein Trauerspiel für sich ist der Umgang mit Musik und Pop in dem Fernsehfilm. Das geht schon damit los, dass der Fusselbart-Hippie Mike Chapman dauernd sein weinerliches »Among the trees« seufzen darf. Der Song soll einem durch seinen Dauereinsatz deutlich machen: Taschentücher raus, liebe Linke, hier geht es ums Jammern. Schließlich hätte man ja auch ein weniger transusiges Stück von Jimi Hendrix, Jefferson Airplane oder »Anarchy in the UK« von den Sex Pistols als Erkennungsmelodie einsetzen können".
 
   
  • BONGEN, Robert (2003): Flirten im Untergrund.
    Single-Treff im ersten Wagen der New Yorker  U-Bahnen,
    in: Stuttgarter Zeitung v. 25.02.
    • Kommentar:
      "New York ist die Hauptstadt der Singles: Fast die Hälfte der Einwohner lebt nach Umfragen allein oder getrennt. Unzählige Bücher, Artikel und Kolumnen beschäftigen sich mit dieser Single-Gesellschaft. Und wenn sich die Grazien aus der Fernsehserie »Sex and the City« Woche für Woche auf die Suche nach ihrem »Mr. Perfect« machen, tun sie das im Grunde nur stellvertretend für ihre Leidensgenossinnen aus dem echten Leben. Es ist die Frustration über die Anonymität der Weltmetropole, die Einsamkeit der erwachsenen Großstadtkinder, die nirgendwo mehr grassiert als im Big Apple", so und so ähnlich lesen sich die Märchen aus der Welt der Singles.

                  Aber selbst in New York leben nicht die Hälfte der Einwohner allein. Wie üblich wird hier die Haushalts- und die Personenebene verwechselt.
 
     
     
     
   
  • SCHIRRMACHER, Frank (2003): Uns Deutschen wurde das Oblomow-Syndrom angezüchtet.
    Ordnung des Landes (6): "Die Gesellschaftspolitik ist zur Lachnummer geworden" - Hans D. Barbier trifft Mathias Döpfner und debattiert über die Mission der Jungen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.02.
    • Kommentar:
      Heute ist wieder eine ganze Seite Platz für den FAZ-Stammtisch.

                  Der Kreis neoliberaler Besitzstandwahrer sinniert über die Lage der Nation, deren Stimmung für die Lage nach Meinung der Anwesenden viel zu gut ist. Neue Erkenntnisse darf man da nicht erwarten, aber Mathias DÖPFNER umreißt die Aufgabe von Massenblättern wie BILD:
                  "Es ist immer die Aufgabe einer Massenzeitung, dem Volk aufs Maul zu schauen. Und nicht zwangsläufig das, was die Mehrheit im Augenblick denkt, zu verstärken, sondern es zu akzentuieren".
                  Führung ist also das Zauberwort der Anwesenden.  DÖPFNER stilisiert sich u.a. zum "Opfer hessischer Bildungsexperimente, in den siebziger Jahren".
                  Offensichtlich haben die Bildungsexperimente seine Karriere nicht behindern können, was die These von Michael HARTMANN über den Mythos Leistungselite wiederum eindrucksvoll bestätigt.
 
     
   
  • Nachrufe auf den US-amerikanischen Soziologen Robert K. Merton (1910 - 2003)

    • LEPENIES, Wolf (2003): Die Kunst zu finden, was man nicht suchte.
      Ein Zauberer der Soziologie: Zum Tod von Robert K. Merton,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 25.02.
    • SCHMID, Hans Bernhard (2003): Ein soziologischer Zauberer.
      Zum Tod von Robert K. Merton,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.02.
 
   
  • HOROWITZ, Nina & Edith MEINHART (2003): So viel vor und so wenig Zeit.
    Man muss nicht mehr bis 50 warten, um sein Leben infrage zu stellen. Immer mehr Mittzwanziger leiden an einer Sinnkrise. Das neue Buch "Quarterlife Crisis" beschreibt, warum es so schwer ist, erwachsen zu werden,
    in: Profil Nr.9 v. 24.02.
 
     
   
  • BENDER, Silke (2003): Big Brother für Intellektuelle.
    Wie kann man/frau glücklich leben? Was ist Sex? Warum die ständige Eifersucht? Heute fällt die erste Klappe für eine Reality-Show der besonderen Art. Ex-Kommunarde Rainer Langhans und sein Harem aus fünf Frauen gehen für TV Berlin in den Fernseh-Container. Sie wollen die deutschen "Osbournes" werden,
    in: Tagesspiegel v. 23.02.
 
     
     
   
  • KOHLHÖFER, Philipp (2003): Bis aufs Blut.
    Sie prügeln sich in einem verlassenen Keller. Ihren Lohn erhalten sie von wettfreudigen Zuschauern. Ein Abend in einem Hamburger Fight Club,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
    • Kommentar:
      KOHLHÖFERs Reportage beginnt im Kopf, d.h. beim Mythos, den David FINCHERs Film "Fight Club" hinterlassen hat. Er porträtiert deshalb einen Partnerlosen, der zu dieser Loser-Story bestens passt:

                  "Er fühle sich davor manchmal wie ein Popstar, der die Bühne betritt, sagt er, und normalerweise wäre das auch gar nicht schlimm mit der Erkältung. Normalerweise würde er von seiner Freundin gepflegt werden. Nur leider hat sich das mit der Freundin erledigt. Zehn Tage ist es her, als er nach Hause kam und sie fort war. Einen Zettel hat sie hinterlassen: Er brauche sich nicht zu wundern. Sie komme nie mehr wieder. Seine Schuld". 
 
     
   
  • HUNKE, Jörg & Barbara MAUERSBERG (2003): "Der Chefökonom der Deutschen Bank, Norbert Walter, und der Kapuzinermönch Bruder Paulus über Luxus, Sozialismus und Deutschland in der Krise,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
    • Kommentar:
      Die Kunst des Jammerns auf hohem Niveau
      führt Norbert WALTER aus der Sicht des Familienkommunismus (Subsidaritätsprinzip für Adepten der katholischen Soziallehre) vor:

                  "Wissen Sie, ich versuche seit einigen Jahren verständlich zu machen, was mein Gehalt bedeutet: Ich arbeite 80 Stunden in der Woche. 50 Stunden davon arbeite ich für Steuer- und Sozialabgaben; knapp 30 Stunden arbeite ich für meine Familie und mich. 17 Stunden pro Woche arbeite ich für deutsche Sozialleistungen."
 
   
  • KUHLBRODT, Detlef (2003): Dispo überzogen.
    Ein freundliches Hallo zur Krise - Winternachrichten aus dem Jammertal,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.02.
    • Kommentar:
      Die Kunst des Jammerns der privileged Poor
      führt KUHLBRODT vor.

                  Musste Diedrich DIEDERICHSEN Anfang der 80er Jahre noch nach New York, um dem Lebensgefühl eines privileged Poor ("Sexbeat") nachzuspüren, so reicht heutzutage ein Blick in die Berliner Szenebezirke:
                  "Wir waren so zwischen 30 und Mitte 40; ideologisch ungefestigte Nachfolger der Spontis, halb ironische Stammwähler der Grünen, Lebenskünstler, Künstler, freie Autoren, die lieber für wenig Geld schrieben, was ihnen gerade so in den Sinn kam, nette Kiffer an den weniger werdenden Flipperautomaten, ehemalige Hausbesetzer zuweilen; verhinderte Popstars, meinungsfeindliche Vertreter der Generation Irgendwie, die gerne lustige Beobachtungen an sich selbst und anderen machten, »depressive Hypochonder auf dem Weg zum Augenarzt« (Funny van Dannen).
                  Die Aufträge wurden seltener, die Coolness verliert sich, die Kreditkarte fliegt einem um die Ohren, und wenn man Freunde trifft, spricht man nicht mehr über Bücher, Platten, Filme oder Politik, sondern über Schulden, Wohngeld, Sozialhilfe und darüber, ob man nun doch zum Sozialamt gehen sollte oder lieber nicht, denn eigentlich könnte man ja auch noch den oder den anpumpen."
                  Aber solange man dort noch in "Zwei-Wochen-umsonst-FAZ-oder-ZEIT-Abos seitenlange Jammerartikel von ehemaligen FAZ- oder ZEIT-Redakteuren" lesen kann, ist selbst bei den privileged Poor die Welt noch irgendwie in Ordnung.
 
   
  • BARTELS, Gerrit (2003): Die Männerbuchschreiber.
    Topfit und macho, schlapp und verletzlich: Frank Goosen, Mani Beckmann und Daniel Bielenstein wenden sich mit ihren neuen Romanen sehr gezielt an ein männliches Publikum zwischen 30 und 40,
    in: TAZ v. 22.02.
    • Inhalt:
      Gerrit BARTELS beschäftigt sich mit neuer deutscher Männerliteratur:

                  "Vorbild sind natürlich die Romane von Nick Hornby, Sven Regener oder das Debüt von Frank Goosen. Ging es in diesen aber viel um spätpubertierende Selbstvergewisserungen und popistische Selbstfindungen von sympathischen Losertypen, so ist jetzt die Zeit der ersten richtigen Krisenbewältigungen: Die einstigen Loser sind gestandene Männer und haben zumindest einen leidlich zufrieden stellenden Beruf. Dieser ist aber nur die halbe Miete, wenn es privat nicht stimmt oder das psychische Gleichgewicht aus dem Takt gerät. Wenn es, wie bei Bielenstein, einem Single plötzlich um die Frau fürs Leben geht, oder, wie bei Goosen und Beckmann, Jugend- und Männerfreundschaften zu einem Problem werden und ihrer Wiederaufarbeitung harren.
                  Man könnte sagen, hier haben männliche Mitdreißiger sehr zielgerecht Romane für ihre Altersgenossen geschrieben; Bücher, die aber auch Frauen gefallen könnten, weil sie hier viel von ihren eigenen Männern wiederfinden. Bücher, die man als Antwort auf Frauenzeitschriftenbüchern wie »Im Kühlschrank brennt immer ein Licht« oder »Champagner, News und Liebesträume« lesen kann".
 
   
  • SCHARP, Michael (2003): Häuslebauer, aufgepasst.
    Der Bundestag hat die Kürzung der Eigenheimzulage beschlossen. Aber diese Reform ist weder kinderfreundlich noch wirtschaftlich sinnvoll oder ökologisch durchdacht,
    in: TAZ v. 22.02.
    • Kommentar:
      Grundsätzliche Kritik an rot-grünen Regierungsprojekten ist im Regierungsblatt TAZ erst erlaubt, wenn die Gesetze erfolgreich verabschiedet worden sind. Man hofft dort, dass die Kritik dann bis zur nächsten Reform wieder vergessen ist.

                  Kritisches Bewusstsein in seiner Schrumpfform für Ex-Bewegte im Neue-Mitte-Ohrensessel nach dem Motto: Diese Freiheit leist' ich mir!
 
     
   
  • MELLE, Stefan (2003): Wiederbelebungsversuch.
    Wo es an Arbeit fehlt, schrumpfen die Städte. Die Kultur soll neue Impulse geben,
    in: Berliner Zeitung v. 22.02.
    • Kommentar:
      Für Sozialpopulisten wie Meinhard MIEGEL oder Hermann ADRIAN ist die Sache klar: Der demographische Wandel bzw. Kinderlose sind schuld an allen Problemen unserer Gesellschaft, also auch an schrumpfenden Städten.

                  Tatsache ist jedoch: Die Bevölkerung wächst dort, wo Arbeitsplätze entstehen und Menschen ernähren können. Diesen Ansatz stellt Stefan MELLE vor:
                  "In den meisten Häusern, die in Ostdeutschland abgerissen werden, hätten noch lange Leute wohnen können. Aber sie ziehen weg aus Leinefelde, Schwedt oder Suhl - wie die Industrie, die sie ernährte. Die leeren Häuser verfallen und kosten Geld. Also beseitigen Bund, Länder und Kommunen sie für viel Geld als unerwünschte Ruinen.
      Aber der Abriss ist für die Städte keine Dauerlösung, und er vergeudet Ressourcen. Daher will die Bundeskulturstiftung jetzt die kulturellen Folgen für schrumpfende Städte international untersuchen. Denn seit 1950 büßten 136 Großstädte aller Kontinente jeweils mehr als 100 000 Einwohner ein. In Afghanistan eher durch Kriege. Im Osten der USA oder in Großbritannien aber wie in Ostdeutschland durch den Umbau der Wirtschaft.

                  Das Projekt vergleicht die US-Autostadt Detroit sowie Liverpool und Manchester, die alle rund die Hälfte der Bewohner verloren - mehr als die Region Halle/Leipzig, die in dem Projekt besonders beleuchtet wird."
 
   
  • SCHMOLLACK, Simone (2003): Patchwork des Begehrens.
    Beziehungsmodelle. Bei den 30- bis 40-Jährigen bestimmt der Lebenslauf die Partnerschaft. Nicht umgekehrt,
    in: Freitag Nr.9 v. 21.02.
    • Inhalt:
      "Die Generation der heute 30- und 40-Jährigen ist mehr denn je gezwungen, über Alternativen des privaten Glücks nachzudenken. Wie Umfragen immer wieder belegen, steht die Suche nach erfülltem Liebesglück nach wie vor ganz oben auf der Prioritätenliste. Und der Druck, sich seine Sehnsüchte erfüllen zu können, ist stärker geworden. Der berufliche, materielle und sexuelle Leistungswahn, der Anspruch an sich und an eine perfekte Beziehung, lässt so manchen scheitern. Drei Jahre, 167 Tage und zwei Stunden betrage die Lebenserwartung einer heutigen Beziehung, sagt der Schriftsteller Peter Schneider in seinem Roman Paarungen.
                  Anders als ihre Elterngeneration kalkulieren die 30- bis 40-Jährigen Trennungen und Brüche in ihrem Leben bewusst mit ein, weil sie selbst fast alle schon einmal gescheitert sind - beruflich und/oder privat. Aber dieses Scheitern betrachten sie nicht als Niederlage, sondern als Herausforderung an das Leben. In dieser Hinsicht sind sie ihren Müttern und Vätern um einiges voraus",
                  beschreibt SCHMOLLACK das ganz normale Chaos der Liebe wie es seit Ulrich BECK zum soziologischen Handgepäck der Post-68er-Generation gehört. 
 
   
  • NEUSÜß, Claudia (2003): Männlich belebt und unbelebt.
    UCZYC SIE PO POLSKU. Die Polnische Grammatik weckt Hoffnungen auf Revolutionen in der Geschlechterordnung,
    in: Freitag Nr.9 v. 21.02.
    • Inhalt:
      "Zwar gibt es den Spruch von der »polnischen Wirtschaft«, doch hat Polen die derzeit höchste Männersterblichkeit in Europa in der Altersgruppe der 30- bis 45-Jährigen (Herzinfarkte!). Transformations-Zinsen. Zwei Jobs und mehr prägen den männlichen Erwerbsalltag. Ein Vergleich mit der »amerikanischen Wirtschaft« wäre stimmiger", berichtet Claudia NEUSÜß aus Polen.
                  Kein Wunder also, wenn junge Polen das Land Richtung Berlin verlassen und dort z.B. den "Club der polnischen Versager" eröffnen.
 
       
   

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