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Medienrundschau:
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News vom
15. - 19. Februar 2004
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BUDE, Heinz (2004): Die Lotsen gehen von Bord.
Berger, McKinsey und das Ende der Beratung,
in: Süddeutsche Zeitung v. 19.02.
- Kommentar:
Heinz BUDE, ein Vordenker der "neuen
Soziologie" zieht im allerletzten Moment die Notbremse, denn nicht
nur das Ende der Beratung droht, sondern auch das Ende der "neuen
Soziologie" wie BUDE sie versprach:
"was
die globale Beratungsindustrie versprach, war nicht einfach nur
Festigung einer sozialen Herrschaft oder Optimierung eines
wirtschaftlichen Betriebs, sondern das Heil einer neuen Epoche von
Wirtschaft und Gesellschaft. Die Berater gehören zum Geist der »roaring
nineties« (Joseph Stieglitz), wo der Kapitalismus nach dem
Epochenbruch von 1989 noch einmal seine ganze Kraft und seinen
ganzen Glanz zu entfalten schien. Es ging nicht um den längst
überfälligen Sieg über den Sozialismus, sondern um den Sieg über den
Kapitalismus selbst. Man feierte die »schöpferische Zerstörung«
(Joseph Schumpeter) der Wirtschaftsform, die in der Lage ist, sich
immer wieder aus sich selbst zu erneuern.
Man wollte die Welt der zweiten industriellen Revolution hinter sich
lassen, um in eine Epoche neuer Selbststeigerung auf der Basis neuer
Produktivkräfte und veränderter gesellschaftlicher Verhältnisse
einzusteigen. Dafür stand in Deutschland Roland Berger wie kein
anderer. Im medialen Kontaktfeld mit Gerhard Schröder entwickelte er
sich zum Leitbildverstärker eines neuen Deutschlands, das sich der
Globalisierung nicht entgegenstellt, sondern mit ihr, in ihr und
durch sie seine unentdeckten Potentiale entfaltet. Das
Beratungsgeschäft diente der Weltveränderung.
Damit stand der deutsche Berater natürlich nicht allein. Im
Gegenteil: Mit McKinsey und all den anderen bildete er die Vorhut
einer weltweiten Beratungseuphorie in gesellschaftsrevolutionärer
Absicht. Zu diesem Umfeld muss man auch die verschiedenen Versuche
einer neuen Ökonomie, einer neuen Soziologie und einer neuen
Philosophie rechnen. Es ging jedesmal um dasselbe: um die
Vorstellung, dass wir in eine Welt neuen Wachstums, anderer
Lebensformen und gewandelter Selbstverständnisse eintreten. Insofern
saßen die Theoretiker der Globalisierung und die Berater der neuen
Ökonomie in einem Boot. (...). Positive wie negative Versionen der
Globalisierung waren sich aber darin einig, dass jetzt alles anders
werden würde."
Der neueste Paradigmenwechsel hat einen
Namen:
"Auf
dieser Woge eines beratungsgeleiteten sozialen Wandels fühlten sich
viele junge Unternehmer als Avantgardisten einer neuen Zeit, denen
sich die traditionellen Zukunftsöffner wie Kunst und Wissenschaft
geschlagen geben mussten. Vor diesem Hintergrund konnte sich der
Berater als Geschichtsphilosoph einer gesellschaftlichen
Modernisierung in Szene setzen.
Die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang dieser großen Erzählung
der neuen Zeit hat einen Namen: Das ist die Weltfirma Enron, wo sich
ein lose gekoppeltes System unternehmerischer Stars mit einem Mal
als mafiöse Organisation persönlicher Vorteilsgewinnung entpuppt.
Plötzlich sah der neue Kapitalismus noch viel schlimmer aus als der
alte."
Die Konsequenzen lässt BUDE jedoch
offen, allein die Ernüchterung ist zu spüren:
"Die
Enttäuschung darüber, dass sich die Welt nicht geändert hat, bringt
einen zu der Welt zurück, wie sie immer schon war."
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BRINCK, Christine (2004): Kinder - ein amerikanischer Traum.
Wo sind die Kinder? (Teil 6): Und keiner jammert: Warum es die
Familien in den USA besser haben,
in: Die ZEIT Nr.9 v. 19.02.
- Kommentar:
Heute ist wieder einmal Märchenstunde bei der
guten alten Tante ZEIT!
Elinor BURKETT hat bereits im Jahr 2000 im Buch
"Baby Boon" beschrieben wie das familienfreundliche Amerika die
Kinderlosen betrügt. Und seit kurzem ist die
US-Single-Bewegung der Quirkyalones so erfolgreich, dass sich
die Süddeutsche
Zeitung genötigt fühlte, darüber zu berichten. Von wegen kein
Jammern und eitel Familienidylle!
Noch märchenhafter wird es, wenn BRINCK
schreibt:
"Die
Geburtenrate der Amerikaner wird mit 2,07 in der gesamten OECD nur
von Mexiko mit 2,57 übertroffen – Deutschland liegt mit 1,39
abgeschlagen auf dem 23. Platz. Weniger kinderlieb stehen nur noch
die Mittelmeerländer und ehemaligen Ostblockstaaten da. Warum?"
Gerade hat der - nicht
gerade als Singlefreund bekannte - Kostas PETROPULOS darauf
hingewiesen, dass in den USA das Ausmaß der
Kinderlosigkeit in der weißen Mittelschicht noch gravierender
ist als hierzulande.
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NIEJAHR, Elisabeth & Marc BROST (2004): "Wir haben Stehvermögen".
Ulla Schmidt bleibt hart: Renteneinschnitte und Praxisgebühr werden
nicht zurückgenommen. Dafür lockt nun die Bürgerversicherung,
in: Die ZEIT Nr.9 v. 19.02.
- Kommentar:
"Armut
bei Rentnern, die ich gar nicht wegdiskutieren will, ist vor allem
ein Problem bei alleinstehenden Frauen, die keine Witwenrente
bekommen", weiß Ulla
SCHMIDT, aber das hindert sie nicht daran junge Familien und Rentner
gegeneinander auszuspielen.
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WILLMANN, Urs (2004): Wie man sich in Deutschland im Verein gesellt.
Leben in Deutschland: Das Land steht still, nur bei den Vereinen
gibt es Wachstum: Jedes Jahr werden mindestens 15000 neu e.V.
gegründet. Was treibt ihre Mitglieder? Zu Besuch bei vier Vereinen
rund ums Auto,
in: Die ZEIT Nr.9 v. 19.02.
- Kommentar:
Im wichtigsten Satz des Artikels heißt es:
"Zeiten,
Krisen, Moden und Politik bringen stets neue Vereinstypen hervor.
Die ersten entstanden im 18. Jahrhundert. „Das revolutionär
Neuartige an den Vereinsgründungen war, dass diese über alle
gesellschaftlichen Schranken, sei es des Standes oder der
beruflichen sowie auch konfessionellen Bindungen, hinweg erfolgten
und insofern gesellschaftlichen Wandel erst ermöglichten“, schreibt
die Politikwissenschaftlerin Annette Zimmer von der Universität
Münster in ihrem Buch Vereine – Basiselemente der Demokratie",
schreibt WILLMANN.
Singles haben dies noch nicht begriffen,
weswegen sie von
Familienfundamentalisten immer mehr in die
Defensive gedrängt werden. Die typischen Single-Clubs helfen da
nicht weiter...
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GRETHER, Kerstin (2004): Herzchen mit Reißzahn.
"America's Sweetheart": Courtney Love will nicht länger der
amerikanische Alptraum sein,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.02.
- Kommentar:
Kerstin GRETHER klärt uns zuerst einmal über einen
Rockmythos auf:
"in
ihrer Mythologie hat die Rockmusik schon immer zu beweisen versucht,
dass hinter jedem guten Mann eine böse Frau steht. Was man ja auch
verstehen kann. Denn Rock ist nun mal die Musik, die männliche
Jugendliche, egal ob echte oder eingebildete, zu Rebellionszwecken
hören, während im Hintergrund eine Mutter oder Ehefrau darauf
lauert, dass sie ihre Hausarbeiten erledigen."
Danach stilisiert sie den Rapper Eminem
zu einer Art neuem Kurt Cobain und Courtney Love zum weiblichen
Pendant:
"Loves
Hasstiraden auf den King of Rap, der im heutigen neoliberalen
Amerika vielleicht sogar eine ähnliche Funktion hat wie
Nirvana-Sänger Kurt Cobain Anfang der neunziger Jahre, speisen sich
aus dem Wunsch nach Gleichheit.
»It's not Eminem who's gonna save me«, singt sie, und fleht sogar
Gott an - damit er ihr helfe Songs zu schreiben, die besser sind als
seine. Gemeinsam ist ihnen, dass er auch mal als öffentliches
Ärgernis angefangen hat. Man hört America's Sweetheart den Wunsch
an, von der männlichen Rock-Community endlich ebenso an die Brust
genommen und begehrt zu werden, wie der weiße Rapper Eminem von der
schwarzen Rap-Community und dem ganzen Rest. Immerhin hat Courtney -
zusammen mit Pink-Produzentin Linda Perry - zu diesem Zweck die
Rockmusik neu erfunden."
Falls diese Rechnung aufgehen sollte,
dann dürfte auch
Kerstin GRETHER davon zehren...
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SEZGIN, Hilal (2004): Stilettos,
in: Frankfurter Rundschau v. 19.02.
- Kommentar:
Hilal SEZGIN, die sich bereits im
»Kursbuch: Die 30-Jährigen«
über den Unterschied von 0 und 1 keinen so richtigen Reim machen
konnte, scheitert selbst bei der gönnerhaften Suche nach dem
Revolutionären bei "Sex and the City":
"Wie
schaffen die vier Frauen es, ihren tollen Berufen nachzugehen, wenn
sie jeden Abend in einer Bar versuchen, jemand aufzureißen?"
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DRIBBUSCH, Barbara (2004): Alpha-Weibchen knabbern nicht.
Wer bietet der Frau von heute wirklich Lebenshilfe? Tiermagazine.
Keiner weiß besser, wie man Rivalinnen aussticht,
in: TAZ v. 19.02.
- Inhalt:
"Chrissy
gehört zu den Frauen, die glauben, dass das soziale Netz der Zukunft
in Deutschland sowieso aus alleinstehenden alten Frauen besteht, die
sich über ihre Hunde unterhalten. Einfach, weil das mit den Männern
zu schwierig ist und überhaupt die heterosexuelle Partnerschaft
überschätzt wird",
schreibt DRIBBUSCH.
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MERKUR SPEZIAL - Berlin: Das neue Paris?
in: Rheinischer Merkur Nr.8 v. 19.02.
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- AKYÜN, Hatice (2004): Frauensachen.
Wenn Carrie in „Sex and the
City“ Schuhe kauft, sind am nächsten Tag in Manhattan die Regale bei
Manolo, Blahnik leer gefegt,
in: Tagesspiegel v. 18.02.
- BRODER, Henryk M. (2004): "Sex and the
City".
Carrie, Jenny und die Sache mit dem Furz,
in: Spiegel Online v. 18.02.
- Kommentar:
BRODER beschäftigt sich mit der B-Prominenz, die für
SatC auf Pro Sieben wirbt. Was eher der Serie schaden könnte, als der
B-Prominenz nützen...
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- GRUMBACH, Axel (2004): Böse Zellen.
Nicht nur der Berlinale-Gewinner Fatih Akin beschäftigt sich mit
der Familie als Zwangssystem,
in: Jungle World Nr.9 v. 18.02.
- Kommentar:
"Besonders
auffällig war (...), dass viele der besseren Filme den Ausbruch aus
der biologischen Zwangsgemeinschaft Familie thematisierten. Obwohl
in der westlichen Welt seit 30, 40 Jahren viel über deren Niedergang
lamentiert wird, bildet die Familie immer noch so etwas wie die
Keimzelle der bürgerlichen Gesellschaft. In vielen
Einwandererfamilien wird die bedingungslose Treue zum eigenen Blut
nach wie vor beschworen – und dient somit der Fortführung der
sozialen Kontrolle",
behauptet GRUMBACH über die Berlinale-Filmbeiträge. Der Artikel kann
das ansonsten nicht untermauern...
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KULLA, Daniel (2004): Der Phrasenprüfer.
Szenen aus dem Leben von Wau Holland, Mitbegründer des Chaos
Computer Clubs,
in: Jungle World Nr.9 v. 18.02.
- Kommentar:
Ein
Beitrag zum Infantilismus (das
Gegenteil zum Lieblingskind der journalistischen Klasse, der
Infantilisierung unserer Gesellschaft!):
"Der
zentrale deutsche Fetisch, den es zu exhumieren galt, war die
Sicherheit, die Ursache für den faulen Frieden vorher, das
Bedürfnis, sich in Sicherheit zu wiegen. Daher war die persönlichste
Manifestation des CHAOS der gleichnamige Computer Club, dessen
LautSprecher mit beinahe missionarischem Eifer darauf bestanden, daß
es keine Sicherheit gibt, daß sie nichts weiter als eine nette, aber
ebenso trügerische Illusion ist. Sie machten sich daran, Schritt für
Schritt zu beweisen, an wievielen Stellen diese Sicherheit
trügerisch war. There are no guarantees: wir zeigen euch, was alles
nicht stimmt und wieviel Sicherheit euch nur vorgegaukelt wird.
Phantombild für die Öffentlichkeit: struppige leichtsinnige
Stubenhocker, die fern der Nestwärme deutscher Familien
irregeleitet auf dem Weg ins Verbrechen voranschreiten.
Von den Kinderzimmern aus wurde auf die Leichen im Reihenhauskeller
recht spektakulär aufmerksam gemacht, Probleme wurden verdeutlicht,
exemplarisch vorgeführt."
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KLOPOTEK, Felix (2004): Die Elite wird neu sortiert.
Die Verfeinerung des
Produktionsprozesses in den sechziger Jahren führte zu einer
Vergrößerung der Elite. Ihr Einsatzgebiet wurde die Sicherung der
Herrschaft und der Reproduktion,
in: Jungle World Nr.9 v. 18.02.
- Inhalt:
KLOPOTEK über die Bildungsexpansion der 60er
Jahre:
"revoltierende,
sich bisweilen linksradikal gerierende Student ist eine historisch
recht junge Erscheinung. Früher waren Studenten nicht per se links,
denn sie waren an der Universität, um sich zu Führungskräften, zur
Elite, ausbilden zu lassen.
(...). Wer als Student Kommunist oder auch nur Sozialdemokrat wurde,
muss dies explizit als Klassenverrat verstanden haben und gehörte
auf jeden Fall zur Minderheit.
Das änderte sich in Westdeutschland in den sechziger Jahren. Die
Universitäten wurden geöffnet, und dank eines staatlichen
Stipendiensystems wurde auch Arbeiterkindern der Besuch der
Hochschule möglich. Die Universitäten verloren die Aura der
Eliteschmieden und wurden zu so genannten Massenuniversitäten.
Ein Grund dafür war, so banal das auch klingen mag, der
unaufhörliche Produktivitätsfortschritt der unter kapitalistischen
Bedingungen organisierten Arbeit. (...). Vor allem der Ausbau des
herrschafts- und reproduktionssichernden Sektors der Gesellschaft
(das Therapiewesen, die Pädagogik, die Werbung, die
Öffentlichkeitsarbeit, Beratungen aller Art, der Journalismus und
Sport, kurzum: die Kulturindustrie als ideologischer Staatsapparat)
als erweitertes sozialstaatliches Instrument, um der permanenten
Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zu steuern, sorgte für den Schub
an Innovationen und Arbeiterkindern an den Universitäten. Und er
sorgte für den Eindruck, dass es an den Universitäten, wie sie nach
der sozialdemokratischen Bildungsreform der siebziger Jahre
existierten, eigentlich ganz egalitär und humanistisch zuginge."
Nunmehr geht es nur noch um eine
Neusortierung der Eliten, denn 1968
mit seinen hedonistischen Versprechungen ist passé:
"Wer
heute an den Universitäten streikt, wird nicht mit Mitbestimmung,
einem wilden Leben zwischen Sitzstreik und sexueller Revolution und
in der Abschlussprüfung mit einem marxistischen Professor belohnt.
Man lässt ihn zappeln, bis er sich beruhigt hat."
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BÜRKI, Cynthia (2004): Glück dank rotem Herzkorb.
Im pulsierenden Quartier Zürich West sort ein neuartiges
Einkaufskonzept für pochende Herzen - und vielleicht sogar
Schmetterlinge im Bauch,
in: Brückenbauer Nr. 8 v. 17.02.
- Kommentar:
Der Schweizer Konzern MIGROS hat die französische
Idee des Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette adaptiert.
Flirtwillige sind dort an ihrem speziellen Einkaufskorb erkennbar.
Ob Quirkyalones dies zu schätzen wissen, das
ist eine ganz andere Sache...
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ODOI, Ekua (2004): Comeback und Aus.
"Sex and the City" ist
wieder da. Mit einer neuen, allerdings der letzten Staffel. Weil man
aufhören soll, wenn es am schönsten ist (Pro7, 21.15 Uhr),
in: TAZ v. 17.02.
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BAHNERS, Patrick (2004): "Sex and the City".
Es kann nur einen geben,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.02.
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OSWALD, Andreas (2004):Sex? Hat seinen
Preis.
Nur für Männer: Warum es gut ist, wenn Frauen lästern,
in: Tagesspiegel v. 17.02.
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KEIL, Christopher (2004): Körperwelten.
"Sex and the City" (Pro Sieben): Die letzte Staffel,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.02.
- Kommentar:
"Man
wird nichts vermissen müssen in den verbleibenden 20 Episoden. Es
wird gestorben, gehochzeitet und verlassen. Was nun fehlt, ist
eine Serie für die 40-Jährigen, die an der Ehe, ihrer Karriere und
sich selbst gescheitert sind. Das Ende von Sex and the City ist
ein Anfang",
meint KEIL.
Man wird erst recht nichts
vermissen, wenn dereinst die greisenhafte SZ ausstirbt...
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PETROPULOS, Kostas (2004): Kinder nicht nur für die Volkswirtschaft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.02.
- Kommentar:
PETROPULOS vom neokonservativen Heidelberger
Büro für Familienfragen und soziale Sicherheit, freut sich gar nicht
über die bevölkerungspolitische Offensive in Deutschland:
"Jahrzehntelang
wurde der Hinweis auf die dramatischen Folgen des Geburtenrückgangs
hierzulande als Rückfall ins Gedankengut des Dritten Reiches
diffamiert. Jetzt schwadroniert selbst die SPD im Chor mit der
Wirtschaft von einer »aktiver Bevölkerungsentwicklung« zur
Steigerung der Geburtenrate. Ist dieser Kurswechsel nicht ein
erfreulicher Beweis für die Lernfähigkeit der Parteien, der jeden
Familienaktivisten beglücken sollte? Keineswegs."
Als
single-dasein.de im Juni 2002 schrieb, dass mit dem Pflegeurteil
des Bundesverfassungsgericht im April 2001 faktisch der Einstieg in
die Bevölkerungspolitik vollzogen worden ist, da war landauf landab
noch die Klage zu hören, dass eine Durchsetzung von
Bevölkerungspolitik in Deutschland unmöglich sei. Mittlerweile ist
selbst der Begriff Bevölkerungspolitik in der öffentlichen Debatte
kein Tabu mehr.
Es geht also nun nicht mehr um die Durchsetzung
von Bevölkerungspolitik, sondern um die richtige Strategie.
In diesem Zusammenhang muss dieser Artikel gesehen werden.
PETROPULOS gehört zur Fraktion, der die
"Deutsche Mutter" eine Herzensangelegenheit ist.
Die Forderung nach Vereinbarkeit von
Karriere und Familie wird mit Blick auf die USA abgelehnt:
"Wer
betriebswirtschaftliche Erfordernisse zur alleinigen Richtschnur bei
der Gestaltung der Familien-, Bildungs- und Ausbildungspolitik
machen will, sollte sich die USA genauer ansehen (...): Das Land
verzeichnet zwar eine hohe Geburtenrate (2,1 Kinder pro Frau), aber
zugleich in der Altersgruppe der 15-bis 44jährigen Frauen eine
extrem hohe Quote von Kinderlosen: 44 Prozent waren es im Jahr 2002
(Deutschland 25 Prozent).
(...). Von daher gibt es (...) ein (...) gesellschaftliches
Interesse daran, den kaum noch gezügelten weltweiten Kampf der
Nationen um Siege für ihre einheimische Wirtschaft familienpolitisch
zu zähmen."
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ERB, Hubert (2004): Die Dumping-Preise eines liebeskranken Gehirns.
Was passiert genau mit uns, wenn es schief geht, wenn der oder die
andere nicht mehr mitspielt?
in: Telepolis v. 16.02.
- Kommentar:
"Romantische
Liebe ist, wie Studien mit Kollegen ergeben haben, keine Emotion,
sondern ein primärer Trieb (wie Hunger oder Sex z.B.), der zur
Partnersuche antreibt",
behauptet ERB anlässlich des Buchs "Why we love: The Nature and
Chemistry of Romantic Love" von Helen FISHER.
Die Behauptung
von ERB, dass die romantische Liebe ein Trieb sei, der zur
Partnersuche antreibt, ist mehr als fraglich. Das ist so etwas
wie die Rückkehr des Pawlow'schen Hundes.
Spätestens
seit LUHMANNs Studie "Liebe als Passion" ist die
romantische Liebe
nur als EINE kulturelle Spielart bekannt.
Die
israelische Soziologin Eva ILLOUZ befasst sich dagegen mit dem
"Konsum der Liebe".
Der
biologistische Kurzschluss von ERB ist dagegen ein
Zeitgeist-Phänomen.
Die
Geschichte der Psychologie lehrt, dass neue naturwissenschaftliche
Entdeckungen - auch im Sinne der Ökonomie der Aufmerksamkeit - gerne
als Paradigmenwechsel verkauft werden. Der Kampf um Forschungsgelder
beflügelt die Phantasie der Forschenden.
Zudem
- darauf hat der Schriftsteller Norbert KRON hingewiesen - gibt es eine Affinität
zwischen neoliberalen und biologistischen Ideologien.
Im
New Yorker (16.02.2004) empfahl Judith THURMANN in ihrer
Buchbesprechung demonstrativ:
"If
you really want to know why we love—without any false promises that
the knowledge will improve your muscle tone or your chances for
lasting bliss—skip the lame experiments with a »Love-o-meter« and
speculations on the courtship habits of Homo
habilis (was he really, »two million years ago,« humming
»sexy tunes« to his »special girls«?). Read Colette."
Männer
lesen dagegen am besten in
Nick HORNBYs "High Fidelity nach. Der Roman ist laut
Walter GRASSKAMP (Konsumglück, 2000) eine Satire über die
Pop-Sozialisation. Darin geht es u.a. darum, dass es die Popmusik
Männern erlaubt, über Gefühle reden zu können, ohne sie benennen zu
müssen.
Vor
allem gilt: "Manche Gefühle versteht man ja erst dann, wenn man sie
beschrieben findet, und zwar nicht durch einen Psychologen. In
dieser kulturellen Präzisierung liegt die künstlerische Bedeutung
der Poplyrik für die jeweilige Generation oder Subkultur".
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NÖCKER, Ralf (2004): Wie wir waren.
Rückblick auf die New Economy,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.02.
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LIESKE, Tanya (2004): Kreuzfahrt auf einem Sargschiff.
Sturmhoch: Joseph O'Connors Roman zur irischen Hungersnot,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.02.
- Inhalt:
"Die Konstruktion hat O'Connor beim viktorianischen
Roman abgeschaut, vor allem an Emily Brontës »Sturmhöhe«. Es ist
durchaus eine hübsche Fußnote der Literaturgeschichte, daß man in
dem Waisenkind Heathdoff einen irischen Hungerflüchtling erkannt
hat. Ausgehend davon und von der Tatsache, daß »Wuthering Heights«
1847 erschien, in jenem Jahr, da die Hungersnot ihren Höhepunkt
erreichte, konstruiert O'Connor ein literarisches Verwirrspiel, das
zur Hommage an die große englische Autorin wird", merkt LIESKE an.
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SIEMONS, Mark (2004): Ist ja nur eine Warnung.
Kein Tumult: Hochhuths "McKinsey kommt" in Brandenburg,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.02.
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LEINKAUF, Maxi (2004): Humor ist, wenn man trotzdem lacht.
Im Roten Salon lasen
30-jährige Autoren Geschichten aus ihrem Leben vor: Es geht um
Entlassungen und Begegnungen mit Gott. Hauptsache komisch,
in: Tagesspiegel v. 16.02.
- Kommentar:
Im Roten Salon der Berliner Volksbühne hat
sich der Klüngel des Zeitgeistfeuilletons getroffen.
Das ist, als ob Buchautoren
und ihr Fanclub bei Amazon selber die Rezensionen schreiben würden:
"Zur
Lesung des aktuellen Kursbuches (...)
»Die Dreißigjährigen« heißt die neueste Ausgabe. Moderator und
Herausgeber Tilman Spengler hatte sechs Autoren eingeladen, ihre
Texte zu diesem Thema zu lesen. »Denn damit liegen wir gerade im
Trend«, fand Spengler.
»In Berlin war die Neue Mitte und wir wollten da ankommen«, begann
Stefanie Flamm, die auch für den Tagesspiegel am Sonntag schreibt,
einen Text über ihre erste Entlassung bei den Berliner Seiten der
Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Sie schildert, wie sie in dieser
großen Zeitung ankam – und wie das Verhältnis zu Ende ging. (...).
Als die Berliner Seiten dann eingestellt wurden, sagte man zu
Stefanie Flamm: »Sie sind jetzt ein Mythos.« Mehr nicht. Die Leute
im Saal beklatschen die Geschichte wild. Vielleicht, weil sie
ähnliche Situationen kennen. Auch Moderator Spengler ist hoch
erfreut über diese Resonanz. (...).
Das Publikum nimmt das nicht leicht: Es weiß, Flamms Geschichte
könnte hier jedem passieren.
»Uns ist im Grunde doch alles egal«, beschreibt dagegen
Malin
Schwerdtfeger ihren Jahrgang in »Wir Nutellakinder«. Nur eins
hätten 30-Jährige gemeinsam: Sie wollen nicht erwachsen werden. Was
sie damit meint, das erklärt sie nicht", bemängelt LEINKAUF
(schreibt offenbar nicht für den Tagesspiegel!).
"Der
Autor David Wagner ist Vater geworden, er fährt jetzt »Kinderwagen,
jeden Tag«. Marius Meller, Redakteur beim Tagesspiegel, erzählt wie
einer seiner Freunde mal Gott begegnete. Es ist die Geschichte einer
langen Psychose. Und auch Kerstin Grethers lebt in einer Krise, seit sie 13 ist. Sie
pendelt zwischen »uns komischen Aliens« und Coverversionen von
Nirvana-Songs.
Diese 30-Jährigen da im Roten Salon beobachten nicht andere, sie
bespiegeln sich vor allem selbst. Und das so witzig wie es geht. Als
ginge es nur darum, möglichst viele Lacher auf seine Seite zu ziehen".
Was denn sonst?
Darüber schweigt sich LEINKAUF pseudokritisch aus...
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FÖRSTER, Jochen (2004): Sind wir noch relevant?
Die Generation Golf braucht Beschäftigung: In der Berliner
Volksbühne lesen "Die 30-Jährigen",
in: Welt v. 16.02.
- Kommentar:
In der TAZ und gleichzeitig in der WELT
schreiben, das wäre vor 20 Jahren nicht möglich gewesen. Heute - im
Zeitalter des großen Mitte-Konsens - gelingt dies spielend.
Vielleicht muss sich FÖRSTER deswegen so über
Wir-Konstruktionen echauffieren, weil ihm ein wirklicher Gegner
abhanden gekommen ist. Überall nur Mitte! Keine Opposition weit und
breit! Langeweile en masse! Da bleiben nur solche biedermeierlichen
Sätze wie:
"Natürlich
muss es nicht sein, eine Generation auszurufen, bevor sie überhaupt
den Weg zur Macht beschritt, bevor sie mit dem Establishment
abgerechnet hat, bevor sie also zünftig Bilanz ziehen kann über den
Weg ihres Lebens. Und außerdem, wer soll das sein, wir? Aus der
Vielzahl der Ereignisse Linien zu skizzieren, vermag der Historiker,
nicht der, der mittenmang steckt. Einerseits. Andererseits ist der
Nicht-Kampf wider das Establishment nicht allein unsere Schuld,
zweitens kein Nachteil und drittens, mag sein, gar unser Kapital.
Unsere Eltern hatten Gegner, wir nicht wirklich. Womöglich blicken
wir so früh zurück, weil uns dämmert, dass nicht viel nachkommt an
Barrikaden. Dies als Phänomen erkannt zu haben, ist Florian Illies'
Verdienst."
Mit dieser
Einführung kann FÖRSTER dann mit dem Kursbuch
»Die Dreißigjährigen«
einen Papiertiger aufbauen, den er folgendermaßen beschreibt:
"Auf
Lesungen weit mehr als in Büchern, ist das gebotene Mittel die
Ironie, das 30plusX-Publikum will sich über sich amüsieren. Am
besten kamen deshalb Texte an, die typische Situationen nonchalant
beschrieben: Stefanie Flamm, deren Zeitung sie raus warf und
versuchte, Sie als »Medien-Mythos« zu stilisieren. Und
David Wagner, der herausgefunden hatte, dass auch Väter heute
leicht outsourcebar sind und das ganz gut ist so. Die Analytischen
hatten mehr Probleme:
Malin
Schwerdtfegers Appell an die Neuerfindung der Frühvergreisten
klang zu kompliziert, Marius Meller hatte sich dummerweise
entschieden, seine Fabel von der Gottsuche eines psychotischen
Schulfreundes witzig vorzutragen.
Zwei der bemerkenswertesten Beiträge waren nicht vertreten. Karin
Ceballos Betancur hatte die Geschichte zweier Kubanerinnen vor der
Wahl zwischen Geld- oder Liebesheirat aufgeschrieben, auf jede
Analyse verzichtet und so angedeutet, wie erhebend konkret das »Wir«-Gefühl
sein kann. Ijoma Mangold fiel zuletzt die unangenehme Aufgabe zu, zu
diskutieren. Er hatte Kluges geschrieben wie zu sagen - etwa dass
wir ruhig beginnen sollten, uns weiter zu wähnen als die
»Komplexitätsignoranten« von »68, statt ewig unserem
Wildheits-Defizit hinterher zu trauern. Und dass dabei mehr
Abenteuerlust vonnöten wäre, Lust auf Experimente auch ohne Rezepte.
Diese Generation braucht kein Wir-Gefühl. Sie braucht Beschäftigung.
Ein Döneken-Abend wie dieser kam da gar nicht so schlecht."
So ganz nebenbei bemerkt: Jochen FÖRSTER
ist einer von drei Herausgebern der Vierteljahreszeitschrift
"Dummy" (heißt wirklich so!). Dort
schreibt - man
wundert sich - Amazon sei dank - nicht!
- Malin SCHWERDTFEGER die Filmkritiken. Es bleibt also alles in der
Familie!
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FÖRSTER, Jochen (2004): Die Erkaltung der Welt.
Oder das Ende der
Pop-Rebellion: Der junge, smarte und schon jetzt viel umjubelte
amerikanische Autor Colson Whitehead und sein wuchtiger Angeber- und
Durchblickerroman "John Henry Days"
in: TAZ v. 16.02.
- Kommentar:
FÖRSTER - zum Zweiten - positioniert - diesmal
die TAZ - im Einklang mit dem SPIEGEL und im Gegensatz zur WELT etc
im neuesten Pop-Spektakel.
War
Jonathan FRANZEN mit "Die Korrekturen" der Liebling des
Mitte-Zeitgeistfeuilleton, so wird nun an
Colson WHITEHEADs Roman "John Henry Days" ein Exempel statuiert.
Pop-Sein oder Nicht-Pop-sein, das ist hier die Durchblicker-Frage:
"Wenn
nicht alles täuscht, wird Wunderkind Whitehead der Franzen dieser
Saison.
Genau wie sein Roman ist der Autor Colson Whitehead einer, gegen den
man schwer was haben kann. Ein hoch kultivierter Afroamerikaner,
Harvard-Studium, ehrgeizig, nachdenklich, HipHop-sozialisiert, in
Brooklyn lebend, mit Berufserfahrung als Popredakteur beim New
Yorker Stadtmagazin Village Voice und mit
viel Verständnis für Slacker. Den Spaziergang durch
Berlin-Prenzlauer Berg absolviert er wie einer, der hier zu Hause
ist. (...). Eigentlich sehnt er sich nach Hause. Seine Frau weiß
seit wenigen Tagen, dass sie schwanger ist, ihr erstes Kind. Zu
Hause, da sei das Leben heimelig: Fernsehen, spazieren gehen, das
sind so seine Hobbys, sonst macht er kaum was. Ein Rastafari im
Pyjama"
Puh. Welch ein popkultureller Fehler! Heute
noch Verständnis für Slacker. Das sind doch diese
Arbeitsscheuen, denen SCHRÖDER jetzt endlich kräftig einheizt.
Zweiter popkultureller Fehler: Seine schwangere
Frau lässt man nicht allein zuhause, sondern präsentiert sie
heutzutage als
Popmutter.
Und Pyjamas sind
nur bei Matthias HEINE
Ausdruck des gereiften
Mannes!
Und nicht zuletzt besitzt WHITEHEAD den
menschlichen Makel auf der
Eliteuniversität Harvard studiert zu haben.
Was weiß Jochen FÖRSTER sonst noch?
"Whitehead
ist, keine Frage, ein linker Autor, und wenn man ihm etwas nicht
vorwerfen kann, dann die Relevanz des Themas (...).
Was man Whitehead sehr wohl vorwerfen kann, ist die massive
Eitelkeit seiner Perspektive. Im Grunde ist
»John Henry Days«
wie
»Die Korrekturen«
und »Middlesex« ein Angeberroman.
Der Duktus ist der des Durchschauenden, zugleich Unbeteiligten, des
"Ich kann euch auch nicht helfen"-Intellektuellen. Handeln ist keine
Option. Folglich endet das Kapitel über J. und die PR-Frau Monica
mit einer Kriegsvision (...).
Man kann es auch umgekehrt sagen: "John Henry Days" liest sich wie
das Werk eines hoffnungslos in sich selbst verliebten, politisch
korrekten Strebers. Jede Art Thomas-Bernhardscher Wut geht ihm ab. Trübe
Diagnose, keine Gegenwehr, nirgends. Lieber noch eine
Erzählpirouette. Und noch eine, wie T. C. Boyle in seinen creative-writing-haftesten Zeilen.
Whitehead schreibt Bücher für Air-Hörer. (...).
Das Interessanteste an dieser Art Literatur ist ihre Rezeption.
Schon bei Franzen und Eugenides war das so. (...).
Dass sich niemand (Anm.: also single-dasein.de!) darüber beschwert, hat
wohl mit der allgemeinen Erleichterung zu tun, endlich mal wieder
richtige Erzähler aufs Schild heben zu können. Die sich Raum nehmen,
ideell sprudeln, satirisch veranlagt sind. Und das Ganze zu einer
umfassenden Abbildung zeitgenössischer Trostlosigkeit schnüren, die
man selbst sehr wohl durchschaut, ohne ihr entrissen werden zu
wollen. (...). Hier trifft der Pyjamablick des Autors sich mit dem
der Literaturkritik. Stewart O Nan, das beste lebende Gegenbeispiel
zu solcherlei virtuos saturiertem Kram, hat auch schon ein Wort
dafür: »Smart Guys« nennt er die
Kritikerlieblinge, die so schön aufschreiben können, wie alles den
Bach runtergeht.
Warum schreibt heute ein Autor 526 Seiten über die Erkaltung der
Welt im Pop, ohne dass darin irgendwas von Bedeutung passiert? Weil
er (...) mitmachen, weil er erfolgreich sein will im
Betriebsbücherbus und weiß, welche Regeln dafür gerade gelten. Es
sind die Regeln der »Smart Guys«.
Wunderkind Whitehead wird der Franzen der Saison."
Gut gebrüllt, Herr FÖRSTER! Dem
saturierten Mitte-Milieu eine deftige Kost serviert - ein paar
popkulturelle Frontlinien geschaffen. Was unterscheidet aber Herr
FÖRSTER und die Mitte-Gemeinde von seinem Gegner? Nichts! Das ist
das eigentliche Problem: Kein Engagement, nirgends, nur
selbsternannte Feuilleton-Revoluzzer...
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FREUND, Wieland (2004): Literatur und Rasse,
in: Welt v. 16.02.
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IMUE (2004): Der Griff nach den Sternen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 16.02.
- Kommentar:
"Der
ideelle Gesamtautor der customer reviews ist nicht der naive, mit
Herzblut schreibende »Normalleser« der Internet-Idylle, in der das
Leservolk demokratisch über die Bücher abstimmt. Durch den Irrtum
gibt amazon.com Einblick in die andere Seite seiner Website: in ein
Feld des organisierten Hauens und Stechens, auf dem im Schutz der
Anonymität Familien und Freunde, professionelle Rivalen und Feinde
der Autoren – und natürlich auch diese selbst – nach den Sternen
greifen", schreibt
der SZ-Autor über die lästige Web-Konkurrenz
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HAGER, Angelika (2004): Bitte reparieren Sie unsere Ehe!
Beziehungen als Stressfaktor: Das zusehends krisenanfällige Verhältnis
zwischen Mann und Frau wird zum Hoffnungsgebiet einer ganzen Branche.
Wie Paartherapie die Liebe wieder in Schwung bringen kann, wo sie
nicht mehr hilft und wie man Konfliktkultur lernt,
in: Profil Nr.8 v. 16.02.
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Quirkyalone
- Weblog für eingefleischte Junggesellen &
notorische Einzelgänger
- Kommentar:
Die Süddeutsche Zeitung hat möglicherweise
eine neue Single-Bewegung in Deutschland ins Rollen gebracht.
Der Artikel von Bernd HERBON hat
jedenfalls bereits nach einem Tag das erste Weblog inspiriert:
"Vorhin las ich
einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, der leider nur begrenzte
Zeit online zur Verfügung steht. Er widmet sich den Quirkyalones,
von denen ich bislang nichts, aber auch wirklich gar nichts gehört,
gesehen oder gelesen habe. Um so vehementer war meine Reaktion und
Erkenntnis: Ja doch, ich bin ein solcher Quirkyalone.
Neckischerweise wurde ausgerechnet der 14. Februar (Valentinstag)
zum
International Quirkyalone Day erklärt und gestern zum zweiten
Mal gefeiert. Eine noch junge Sache. Und ich bilde mir ein, dieses
Weblog ist der erste Versuch, in Deutschland ein Sprachrohr, eine
Heimstatt für uns liebenswerte Alleinstehenden zu bilden."
Diese
Entwicklung kommt nicht überraschend, denn
Singles werden seit dem Jahr 2001 verstärkt durch die
sozialpopulistische Debatte in den Medien unter Druck gesetzt.
Inzwischen
erscheint - angesichts der allgemeinen Re-Romantisierung des
Geschlechterverhältnisses - auch ein Hinweis auf die
Differenz zwischen Partnerlosen und Partnersuchenden notwendiger
denn je.
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NEUDECKER, Sigrid (2004): Die Masche mit dem Missverständnis.
"Sex and the City" kommt wieder. Mit Sarah Jessica Parker. Und
die Zuschauerinnen fragen, wie alles ausgeht,
in: Tagesspiegel v. 15.02.
- Inhalt:
NEUDECKER versucht die Männer als Zielgruppe
für die Serie zu gewinnen:
"Carrie
und ihren Freundinnen bei der wöchentlichen Erörterung ihrer
Beziehungsprobleme zu lauschen, das sollte für Männer das sein,
was für Frauen eine versteckte Kamera in einer Männerrunde wäre:
die wunderbare Gelegenheit, etwas aus einem Lebensbereich zu
erfahren, zu dem man für gewöhnlich keinen Zutritt hat."
Außerdem erfahren wir, dass
für den Schluss drei Versionen gedreht worden sind.
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KEEVE, Viola (2004): Im Reich der lila Hasendildos.
Babydoll, Baguette-Tasche
und ein Paar Manolos: Nie zuvor war eine TV-Serie so durchgestylt -
und stilprägend wie "Sex and the City". Am Dienstag beginnt die
letzte Staffel. Aber was machen wir danach?
in: Welt am Sonntag v. 15.02.
- Inhalt:
Für KEEVE ist SatC nichts anderes als "ein
lebendig gewordenes Modemagazin, eine »Vogue« mit Dialog."
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HOLL, Thomas (2004): Hemmungsloser Poet.
Um Jahre seiner Zeit voraus und stets zu früh für den Erfolg - na
und? Pop-Liedermacher Bernd Begemann lebt für die Musik und gibt
alles. In jedem Partykeller der Provinz,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.02.
- Kommentar:
HOLL stellt
Bernd BENGEMANN vor, der mit "Bis
du den Richtigen triffst - nimm mich" die Hymne der neuen
Bescheidenheit in Sachen Beziehungsfragen verfasst hat.
Galt bei den männlichen
68ern noch ganz unbescheiden Stephen STILLS' "Love the one you're
with", so bleibt für die Generation Golf nur noch das, was die 68er
und der Männerüberschuss übrig lassen:
"Die
68er befinden sich zurzeit im Stadium eines gefährlichen
Selbstbewusstseins. Bis auf Heinz sehen alle Männer aus wie Richard
Chamberlain in Dornenvögel, wie Lehrer Doktor Specht oder wie
Ulrich Wickert und werden plötzlich zu gefährlichen Konkurrenten um
die schönsten Frauen, die sie uns in der Regel, braun gebrannt und
charmant parlierend, beim Stehempfang ausspannen", schreibt
Florian ILLIES in "Generation Golf zwei" über den demografischen
Schrecken.
Finden
sich also demnächst die Übriggebliebenen der Generation Golf in
einer Männer-WG wie im
Roman "Herrenbesuch" bei Björn Erik SASS wieder? Oder werden sie
Anhänger der
"Quirkyalone"-Bewegung, die sich dem Single-Chic verschreibt?
Oder reihen sie sich ein in das Heer der Frust-Singles, denen der
Soziologe Rainer PARIS eine Stimme leiht? Nur eines ist sicher:
Es wird alles anders!
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Zu den News
vom 08. - 14. Februar 2004
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