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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 16. - 20. Januar 2005

 
 
     
     
     
 
   
Zitat des Monats:
"Die liebenswerte Solistin, wie wir sie in »Ally McBeal«, »Sex and the City« oder den »Bridget Jones«- Filmen vorgeführt bekommen, ist ein vergleichsweise neues Klischee. Jahrhundertelang kam ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben für »anständige« Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter nicht infrage. Die Hochzeit war eine Pflichtveranstaltung, und solange der passende Partner nicht gefunden war, lebte man zu Hause unter der Aufsicht der Familie, Frauen, die sich einer Heirat verweigerten und allein lebten, mussten häufig eine Existenz am Rande der Gesellschaft führen - als alte Jungfern, Huren oder Hexen diffamiert. Neben dem nicht gerade hoch angesehenen Dasein als Witwe war die Existenz als Nonne die einzige Möglichkeit, sich auf gesellschaftliche anerkannte Weise einer Paarbeziehung zu entziehen.
      
  Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts verließen immer mehr Frauen ihre Familien, um in den großen Städten als Wäscherinnen, Scheiderinnen, Verkäuferinnen oder Fabrikarbeiterinnen ihr Geld zu verdienen. Allerdings galten diese Ahninnen der modernen Single-Kultur nicht als urbane Trendsetterinen, sondern als bemitleidenswerte Kreaturen, die mangels eines solventen Ehemannes schutzlos und isoliert in der Großstadt schuften mussten.
      
  An Glanz gewann das Image der Singles  erst im Zuge der gesellschaftlichen Revolution von 1968.
(...).
Bis in die neunziger Jahre hinein wurde der Single als Symbol eines befreiten, erfüllten, genussvollen Lebensstils gefeiert. (...). Doch in den letzten Jahren hat das Klischee vom schwerelosen Single-Leben Risse bekommen. Angesichts hoher Trennungs- und Scheidungsquoten sowie niedriger Geburtenraten wird die fortschreitende »Individualisierung der Gesellschaft« zunehmend kritisch wahrgenommen. »Zurück zur Familie« - diese Losung hört man jetzt wieder häufiger, und zwar nicht nur vom rechten Rand des politischen Spektrums."
«
(aus: Katja Hertin "Lexikon des weiblichen Klischees", 2005, S.32f.)
 
 
 
 
  • Männerstudie "Männer leben"

    • EPD (2005): Männer wollen Ehe und Familie.
      Studie: Große Unterschiede zwischen Ost und West,
      in: Berliner Zeitung v. 20.01.
 
  • MALCOMESS, Hilde (2005): Kochen ist männlich.
    Für Singles, die nicht allein sein wollen: Die High-Tech-Küchen der Kölner Möbelmesse,
    in: Rheinischer Merkur Nr.3 v. 20.01.
    • Kommentar:
      "Je mehr die Gesellschaft vereinzelt – in manchen Großstädten leben 60 Prozent Singles –, je häufiger Familien und Partnerschaften scheitern oder erst gar nicht zustande kommen, desto größer ist das Bedürfnis nach einer offenen, geselligen Küche", behauptet MALCOMESS.

            
        "Pure Vernunft darf niemals siegen/Wir brauchen dringend neue Lügen", heißt es auf dem neuesten Album von Tocotronic.
            
        Keine Lüge hält sich  hartnäckiger als die Single-Lüge. Damit unsere Medien in Zukunft nicht mehr mit gutem Gewissen verkünden können, daß in manchen Großstädten  60 Prozent Singles leben, wird single-dasein.de ab Februar die Single-Lügen Lüge für Lüge aufdecken.
            
        Dies wird anhand einfachster Beispiele, Schaubildern und literarischen sowie wissenschaftlichen Beispieltexten und Zitaten aus den Medien geschehen.
            
        Durch die Gegenüberstellung verschiedener Zugänge wird Dichtung und Wahrheit sichtbar.
            
        Was Sie nie über Singles wissen wollten, weil Sie aus den Medien immer nur die falschen Fragen und die falschen Antworten kennen. Single-dasein.de stellt ab sofort die richtigen Fragen. Über die Antworten darf dann gerne kontrovers diskutiert werden.
 
  • GIERTH, Matthias (2005): Koalition für Kinder.
    NACHWUCHS / Der Geburtenrückgang offenbart eine Fehlprogrammierung unseres Wertesystems,
    in: Rheinischer Merkur Nr.3 v. 20.01.
 
  • DETTLING, Daniel (2005): Wir Rabenväter.
    Jede Studie richtet den Fokus auf die Frauen. Doch vor allem die Herren der Schöpfung meinen, sich keine Kinder mehr leisten zu können,
    in: Rheinischer Merkur Nr.3 v. 20.01.
 
  • GASCHKE, Susanne (2005): Wo Familien am besten leben.
    Kinderbetreuung, Arbeitsmarkt, Sicherheit - welche Regionen in Deutschland bieten am meisten? Eine neue Studie gibt Auskunft,
    in: Die ZEIT Nr.4 v. 20.01.
    • Kommentar:
      Susanne GASCHKE stellt den "Familienatlas 2005" vor, der nur eine einzige Aufgabe hat: Er soll zeigen, dass dort wo Familien leben, die Welt noch in Ordnung ist. Ein weiterer Meilenstein in der Kinderlosenfeindlichkeit dieser Republik... 
 
 
  • BERG, Sibylle (2005): Die Invasion der grauen Mäuse.
    Jetzt neu: Alle 14 Tage wird die Schriftstellerin Sibylle Berg an dieser Stelle die Worte großer Denker mit dem Leben abgleichen und erklären, was in unserer Welt wirklich Sache ist,
    in: Die ZEIT Nr.4 v. 20.01.
 
  • TAGESSPIEGEL (2005): Berlin bietet nicht genug für Familien.
    Die Geburtenrate liegt weit unter Durchschnitt, die Abwanderung ins Umland bleibt hoch: Prognos-Studie sieht wenig Perspektiven,
    in: Tagesspiegel v. 20.01.
 
  • BRUNS, Tissy (2005): Kleine Freuden.
    Junge Eltern brauchen Vorbilder, junge Frauen Mut - die "Allianz für die Familie" soll helfen,
    in: Tagesspiegel v. 19.01.
    • Kommentar:
      Nach der Springer-Presse droht uns BRUNS nun mit einer Untersuchung im Auftrag der ZEIT zur Situation der Familie in Deutschland:

            
        "Gute Partnerin, erfolgreich im Beruf, perfekte Mutter. Wie sehr das traditionelle Familienbild die Entscheidungen prägt, spiegelt sich im »Familienatlas 2005« wieder, den die Prognos AG im Auftrag des Bundesfamilienministeriums in Zusammenarbeit mit der »Zeit« heute veröffentlicht. Die Untersuchung von 439 Kreisen und Städten findet überdurchschnittliche Geburtenraten und Kinderzahlen dort, wo niedrige Arbeitslosigkeit, geringe Kriminalität – und eine vergleichsweise schlechte Kinderbetreuung anzutreffen ist."
            
        Tissy BRUNS schwärmt von Geburtenraten für ganz Deutschland wie in Cloppenburg, doch ohne den dazu notwendigen Katholizismus.
 
  • DÜWEKE, Peter (2005): Das Kind im Mann.
    Vater werden? Warum viele das größte Abenteuer des Lebens scheuen,
    in: Tagesspiegel v. 19.01.
 
 
  • HEINE, Matthias (2005): Endlich frei vom Terror des Herds.
    Die Küche war lange Schlachtfeld der Reformer. Heute ist Kochen keine Überlebensfrage mehr, sondern Lifestyle-Faktor,
    in: Welt v. 19.01.
    • Kommentar:
      Matthias HEINE ist nicht Sophie DANNENBERG und auch nicht Joachim BESSING oder Paul NOLTE, aber das Lamento ist dasselbe:

            
        "Wenn die Küche trotz (...) versteckten Ideologieterrors heute nicht mehr als politisches Terrain wahrgenommen wird, so hat das mit ihrem Bedeutungsverlust zu tun. Denn die allgegenwärtigen Fastfood-Ketten, Suppenküchen und Dönerbuden haben gemeinsam mit dem Mikrowellenherd und den Fertignahrungsherstellern Lily Brauns Traum doch noch verwirklicht: Niemand muß mehr kochen. Ein Haus mit küchenfreien Wohnungen wäre heute problemlos vermietbar. Die Zahl der kochfernen Menschen ist gewachsen: Gestreßte Freiberufler oder Angestelltensklaven mit 14-Stunden-Arbeitstagen. Gebildete Frauen, die sich noch zu gut erinnern, wie die Küche für ihre Mütter zum Ort der Knechtschaft wurde. Oder Unterschichtler, bei denen die Eltern jede Erziehung versäumt haben - eben auch die zum Kochen."
 
  • MEISTER, Martina (2005): Aisé und aidé.
    Die Musealisierung von Paris,
    in: Frankfurter Rundschau v. 19.01.
    • Kommentar:
      MEISTER berichtet u.a. über das Buch "Sociologie de Paris" der Soziologen
      Michel PINCON & Monique PINCON-CHARLOT.
            
        Das Bobo-Establishment könnte in Paris Opfer ihrer eigenen Politik werden, d.h. die ehemaligen Verdränger (Gentrifier) werden nun selber aus den schicken Quartieren verdrängt:
            
        "Nachdem die Arbeiterklasse erfolgreich in die Vorstädte verdrängt wurde, machen sich Urbanisten und Stadtpolitiker nun Sorgen um das Verschwinden der Mittelklasse. Aisé oder aidé, wohlhabend oder unterstützt, das werden die Klassen sein, die übrig bleiben, prognostiziert Jean-Yves Mano, Wohnungsbausenator im Pariser Rathaus.
      Der Grund für die geballte Immobilienspekulation sind die ins Unglaubwürdige geschossenen Immobilienpreise, die sich seit Mitte der Neunziger Jahre verdoppelt haben. (...). So trifft es zum ersten Mal die so genannten Bobos, die Bourgeois-Bohemien, die zwar in der Lage sind, gepfefferte Mieten zu bezahlen, aber in der Regel nicht über Generationen so wohlhabend geworden sind, dass sie einen Wohnungskauf über mehr als eine Millionen Euro finanzieren könnten."
 
 
 
  • LANG, Susanne (2005): Drei, zwei, eins ... doch lieber keins.
    Mehr Kinderbetreuung heißt das Zauberwort im Kampf gegen die niedrige Geburtenrate in Deutschland. Kein Wunder. Das Schlagwort eignet sich ausgezeichnet, um das traditionelle Mutterbild zu zementieren. Doch es müsste dringend reformiert werden - vor allem von den Frauen selbst
    in: TAZ v. 17.01.
    • Inhalt:
      LANG beklagt die postfeministische Familienbezogenenheit:

            
        "Erst Karriere, dann Kind und Familie - und zwar als bewusste Entscheidung: Dieses Modell erobert sich seit den Neunzigern beständig seinen Platz in der Gesellschaft zurück. Nicht nur Alexa Hennig von Lange ("Ich bin die Frau von Joachim Bessing") propagiert nebst Gatten eine "Rettung der Familie", gesteht, dass sie einen Fehler gemacht habe, als sie sich als allein Erziehende für ein Kind entschieden hatte, um schließlich geläutert nur um so glücklicher in ein Patchwork-erweitertes traditionelles Familienleben auf dem Land bei Hannover einzutreten. Den Karriereehrgeiz verlagert frau auf das Projekt Kind, das nun mit aller Perfektion durchgezogen wird - als Inventar und Ausstellungsstück für ein sozial- und biopolitisch perfekt designtes Leben."
            
        Dagegen setzt LANG auf ein Familienmanagement à la Hans BERTRAM: "eine neue Arbeitsteilung zwischen Mann, Frau und staatlichen Institutionen wie Schulen oder Kitas".
 
  • KNIPPHALS, Dirk (2005): Schutz der Gensphäre?
    Vom Einbruch des Geschlechterkampfs in die aktuellen Bilder von Paarbeziehungen sowie Vater- und Mutterschaft: Was ist eigentlich so irritierend an dem angekündigten Gesetzentwurf zum Verbot von heimlichen Vaterschaftstests?
    in: TAZ v. 17.01.
 
  • MONATH, Hans (2005): Der Generationenkrieg fällt aus.
    Demografie in Deutschland: Elisabeth Niejahr liefert einen wichtigen Beitrag zur politischen Aufklärung – ohne Beschönigungen oder Alarmismus,
    in: Tagesspiegel v. 17.01.
    • Inhalt:
      "Der dicht geschriebene Überblick von 180 Seiten hütet sich vor bequemen Verallgemeinerungen, wird mit seiner genauen Argumentation und Beschreibung verschiedener Szenarien der Offenheit eines gerade ablaufenden historischen Prozesses gerecht und ist trotzdem besser geschrieben als die meisten anderen Werke zum Thema. Weil die Autorin ihre Thesen am Beispiel der Senioren-Gemeinde Sun City in Arizona, der jungen Nation Vietnam oder geschrumpfter ostdeutscher Städte sehr anschaulich entfaltet, macht sie es dem Leser leicht, auch komplizierte Vorgänge zu verstehen", lobt MONATH das Buch "Alt sind nur die anderen" von Elisabeth NIEJAHR.
 
  • TAGESSPIEGEL (2005): "Auch Kinder sind Bürger".
    Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt über Familienpolitik, Ost-Förderung und seine Parteichefin,
    in: Tagesspiegel v. 17.01.
    • Kommentar:
      Georg MILBRADT sieht in Singles Untermenschen, denen man ihr Wahlrecht beschneiden muss. Mittel ist das so genannte Familienwahlrecht:

            
        "Angesichts der drohenden Überalterung wird das Interesse der Alten das der Jungen immer stärker überlagern. Ich halte das Familienwahlrecht – also die Wahrnehmung des Stimmrechts für jedes Kind durch die Eltern – für eine Möglichkeit, dies auszugleichen."
 
  • BRÜNING, Nicola (2005): Party statt Papa.
    Hauptgrund für Deutschlands Kinderlosigkeit ist nicht der fehlende Krippen- und Hortplatz,
    in: Focus Nr.3 v. 17.01.
  • SCHMIDT, Harald (2005): Keine Kinder,
    in: Focus Nr.3 v. 17.01.
    • Kommentar:
      Der gute Onkel SCHMIDT sorgt sich LOTTMANNmäßig um die Jugend von heute, die  zu wenig ergebnisorientiert ist, wenns ums Kinderkriegen geht. Seine onkelhaften Ratschläge à la "
      Suchenden und Verhütenden sei gesagt: Den idealen Lebenspartner gibt es nicht!" sind vielleicht gut gemeint, aber hilfreich sind sie nicht.
 
  • WEHNER, Markus (2005): "Der Kanzler hat eine kluge Frau".
    Renate Schmidt über ihren Einfluß auf Schröder, ihre Jugend und ihre Kinder,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.
  • Vom Verschwinden der Kinder.
    Endlich hat die Republik das Problem erkannt: Zu viele Deutsche haben keinen Nachwuchs. Vor allem die Elite pflanzt sich nicht fort. In Sachsen-Anhalt wird aber darüber abgestimmt: Wieviel Kinderbetreuung können wir uns noch leisten?
    • LOHSE, Eckart (2005): Das große Loch in der Landeskasse,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.
    • WEHNER, Markus (2005): Die letzte lebenslange Bindung,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.
 
  • DANNENBERG, Sophie (2005): Fünf Finger sind kein Gesicht.
    Es gab einmal Kinderbücher, in denen die Zerstörung der Persönlichkeit verklärt wurde. Sie kamen nicht von rechts, sondern von links,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.01.
    • Kommentar:
      Eigenverantwortung ist der Schlüsselbegriff des katholischen Sozialstaats, der z. Z. restauriert wird.

            
        Nachdem DANNENBERG im Tagesspiegel das GRIPS-Theater als Brutstätte unverantwortlicher Sozialisation angegriffen hat, bietet nun die FAS der Autorin erneut die Gelegenheit, um gegen die "organisierte Unverantwortlichkeit" zu kämpfen:
            
        "Wo Freundschaft, Liebe und Verwandtschaft gezielt demontiert werden, bleibt als Bindemittel nur eine abstrakte Solidarität", kritisiert DANNENBERG die Zerstörung von Verantwortung und Liebe durch die Solidarität."
            
        Solidarität - auch Gewerkschaften und nicht nur 68er setzen darauf - wird hier als Gegenbegriff zur Eigenverantwortung konstruiert. Wo Solidarität ist, da kann Eigenverantwortung nicht sein, behauptet DANNENBERG.
            
        Es geht also nicht  primär gegen die 68er, sondern allgemein gegen gesellschaftliche Solidarisierung jenseits der eigenen Kleinfamilie. Damit gibt diese Polemik auch im Rahmen des Neokonservatismus Sinn.
            
        "Michael Ende, du hast mein Leben zerstört" sangen Tocotronic einst. DANNENBERG hat offensichtlich ungleich mehr vor...    
 
  • Meinungsumfragen zum Kinderwunsch in Deutschland

    • Kommentar:
      Bei der WamS ist heute Großkampftag gegen das Aussterben der Deutschen.

            
        Zwei wenig aussagekräftige Umfragen, bei denen weder nach der Lebensphase der Befragten unterschieden wird, noch Repräsentativität gegeben ist (Die Anzahl der tatsächlich Partnerlosen ist in Deutschland sozusagen ein Staatsgeheimnis).
    • BRÜGGEMANN, Axel (2005): Liebe als Kulturkampf.
      Eine neue Studie sagt: Deutsche bekommen keine Kinder, weil ein Partner fehlt. Ein Soziologe prophezeit aber das Ende der Individualität
      in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
      • Kommentar:
        BRÜGGEMANN zitiert von Roland BARTHES ("Fragmente einer Sprache der Liebe") über Niklas LUHMANN ("Liebe als Passion" bis zu Karl Otto HONDRICH ("Liebe in den Zeiten der Weltgesellschaft") Wissenschaftliches über das Liebesleben.

              
          BRÜGGEMANN muss schon beim Islam Anleihen nehmen, um seinem Eheverständnis Ausdruck zu verschaffen:
              
          "Als Ehen formell nach gesellschaftlichen Regeln geschlossen wurden, waren sie ein Zwangsbündnis, dem man sich unweigerlich fügte. Auch im multikulturellen Deutschland funktionieren, etwa im Islam, noch Kulturen nach dem Prinzip der gesellschaftlich legitimierten Nicht-Liebes-Ehe. Paare westlicher Industrienationen bevorzugen unter dem Namen der Freiheit allerdings einen anderen, weitaus komplexeren Zwang: den Zwang zur freien Wahl. Und die wird schwieriger, je größer die Individualisierungstendenzen voranschreiten."
              
          BRÜGGEMANN weiß natürlich auch, wer schuld ist, der Wohlfahrtsstaat natürlich:
              
          "Die Hoffnung auf romantische Bindungen, in der sich das Paar selbst genügt, scheitert meist daran, daß in den Bindungen eine externe Konstante mitgedacht wird: der Staat. Früher haben Könige die Reproduktion angeregt, um Soldaten für das Vaterland zu haben. Heute ist das Kindergeld zum Instrumentarium geworden, die Reproduktion von Rentenzahlern zu fördern."
              
          Gerne wird in diesen Kreisen die USA als bei uns, was Amerikaner durchaus anders sehen) als Vorbild gepriesen (angeblich wird dort die Familie weniger staatlich gefördert). Verschwiegen wird jedoch, dass die USA ihre höhere Reproduktionsrate nur ihren Einwanderern verdankt und nicht den weißen Herrschaftsklassen aus WASP und Bobos. 
    • KEEVE, Viola (2005): Ich wär dann soweit.
      Eigentlich ist alles fertig: Das Haus, der Job, der Lebensplan. Eine kleine Lücke haben die Nestbauer aber noch gelassen - für die passende Frau
      in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
      • Kommentar:
        Die Umfragen konservativer "Meinungsmacherinstitute" haben angeblich ergeben, dass in Deutschland Partnerlosigkeit ein großes Problem sei.

              
          Das darf jeder verbreiten, denn die amtliche Statistik lässt jeden im Stich, der dazu etwas wissen möchte. Politische Fördergelder gibt es dagegen nur für Familienforschung, aber nicht für Paarforschung, weswegen auch die Sozialwissenschaften kaum etwas darüber wissen will.
              
          Wie dem auch sein mag, KEEVE widmet sich trotzdem der Partnerlosigkeit, natürlich nur weil dies angeblich der Hauptgrund für die zu hohe Kinderlosigkeit (Interpretationssache!) in Deutschland sei.
              
          Matthias HORX sieht im Partnermarkt einen wirtschaftlichen Boombereich, was bereits in der FR nachzulesen war.
              
          KEEVE empfiehlt den Partnersuchenden erst einmal ein eigenes Häuschen zu bauen, dann kommt die Partnerin von alleine.
              
          Margit SCHREINER hat den Roman "Haus, Frauen, Sex" über diese Art von Denkgebäude geschrieben.
              
          Wenns schief geht, hat wenigstens die Bauindustrie davon profitiert!
              
          Aber vielleicht ist die Gesellschaft auch schon viel weiter: Die Single-Frau sitzt bereits in ihrer Eigentumswohnung und wartet gar nicht mehr auf den Mann mit Haus...
    • WIN (2005): Wie Sie auf gar keinen Fall Menschen kennenlernen,
      in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
    • SCHWILK, Heimo (2005): Kinder sind eine Verheißung auf Glück,
      in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
      • Inhalt:
        Bei SCHWILK gibt es jenseits der traditionellen Ehe nur Katastrophisches (Demografische Entwicklung!), Zerstörerisches (Individualisierung) und Implodierendes (Sozialsysteme). Es MIEGELt also gewaltig. Der "zerstörerischen Individualisierung" muss deshalb also ein Familienwahlrecht entgegengesetzt werden, um das Unheil abzuwenden.
 
  • POSCHARDT, Ulf (2005): Darum lebt Punk auch heute noch,
    in: Welt am Sonntag v. 16.01.2005
    • Kommentar:
      Ulf POSCHARDT liefert ein neokonservatives Update der Punkgeschichte. Wer bisher meinte, dass die geriatrische Gesellschaft erst noch vor uns liegt, der irrt sich:

            
        "Punk war der Aufstand einer Jugend, die demographisch auf verlorenem Posten stand. Diese Jugend und ihr Kraft-, Energie- und Euphorieüberschuß war nicht gefährlich, weil die Bevölkerungsgruppe der zwischen 15 und 30 Jahre alten Menschen nicht mehr den Rest der Gesellschaft aufgrund ihrer demographischen Dominanz bedrohen konnte. Die Gesellschaft wurde älter und demnach (könnte man schlußfolgern) mußte die Eruption von Jugendlichkeit heftiger und lauter sein, um sich in einer zunehmend geriatrisierten Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Punk war die laute und aggressive Rebellion einer Generation, die nicht mehr sicher sein konnte, sich im Generationskonflikt gegen die Dominanz der Achtundsechziger und ihrer vorgängigen Rebellion durchzusetzen."
            
        Den Erfolg der Punkbewegung erklärt POSCHARDT damit, dass in den Werbeagenturen heutzutage mehr Ex-Punks und Ex-Maoisten als ehemalige JU-Mitglieder arbeiten.
   

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