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Medienrundschau:

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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 16. - 22. Januar

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Die Frau, die ja sonst nichts zu tun hat

"Helga und Alice stehen vor der Liste mit den Urlaubswünschen. (...). »Warum nimmst du nicht den Juni? (...). Du weißt genau, dass ich mit den Kindern auf die Ferien angewiesen bin.  « (...).
             Sie kann tun und sagen, was sie will; was mehr wiegt als alles andere, ist die Tatsache, dass sie eine alleinstehende Frau ist. Danach wird sie beurteilt. Bei der Arbeit zeigt sich dieses Urteil darin, dass sie die unangenehmensten Dienste kriegt, die meisten Wochenenden und fast alle Feiertage. »Das kann Alice mal machen«, heißt es dann, und an dem kleinen Wörtchen »mal« ist zu erkennen, was gemeint ist: Die macht ja sonst nichts."
             Alice macht viel. Sie kümmert sich um ihre alte Mutter, die alleine nicht mehr gut zurechtkommt. Mit ihr verbringt Alice die meisten ihrer freien Tage. Alice hat Freundschaften, die sie sehr ernst nimmt und für die sie einiges tut. Für ihre frisch geschiedene Freundin Ingrid zum Beispiel, die sich nicht traut, mit den zwei Kindern alleine zu verreisen. Ihr hat Alice versprochen, dass sie zusammen wegfahren - wenn sie denn in den Ferien Urlaub bekommt. Alice hat außerdem ein offenes Ohr für alle, die es brauchen. Wo andere sich umdrehen und gehen, weil zu Hause die Männer warten, da bleibt Alice stehen und hört zu. Nur zählt das ja alles nicht. Denn Alice hat sich, wie gesagt, nicht vermehrt."
(aus: Monika Hoffmann "Solo aufs Parkett", 2006, S.116f.)

 
       
   
 
  • TAGESSPIEGEL (2007): Immer mehr Babys kommen, es ist ein kleiner Boom,
    in: Tagesspiegel v. 22.01.
    • Inhalt:
      Der Tagesspiegel meldet für Berlin einen kleinen Babyboom:

                   "Nach Angaben des Statistischen Landesamtes kamen 2006 bis September 260 Babys mehr auf die Welt als noch im Vorjahr. Bis Jahresende waren es rund 30.000."
 
  • METHOLOW, Frank W. (2007): Eva Herman ist der Star des Podiums.
    Die Neuen Darmstädter Gespräche versuchten sich in Ursachenforschung für die "Zerstörung der Familie",
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.01.
    • Inhalt:
      METHOLOW berichtet über eine Darmstädter Podiumsdiskussion:

            
         "Bei der Ursachenforschung und möglichen Lösungswegen scheiden sich die Geister und die Fronten sind schnell abgesteckt: Die einstige Tagesschausprecherin Eva Herman, Autorin von »Das Eva Prinzip«, wirbt für die alte Rolle der Frau in der Gesellschaft. Aus anderer Warte, aber mit ähnlichem Ergebnis kritisiert der Medienwissenschaftler Norbert Bolz (»Die Helden der Familie«) die zunehmende Feminisierung der Gesellschaft. Gemeinsamer Kontrahent ist der Berater des Bundestages und des Familienministeriums Hans Bertram (»Wem gehört die Familie der Zukunft?«). Der »gesetzliche verordnete« Zugriff des Staates auf die Kinder schon vor dem dritten Lebensjahr ist der gegen Bertram und die Politik gerichtete gemeinsame Vorwurf.
            
         Selbst Moderator Alexander U. Martens ist über weite Strecken seine Sympathie für die Herman-Bolz-Konnektion anzumerken. Nur die Publizistin Felicitas von Lovenberg (»Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie«) versucht sich in Vermittlung."
 
  • SCHWAIGER, Rosemarie (2007): Ärztin ohne Grenzen.
    Schweinsbraten-Debatte statt Sachpolitik: Die neue Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky hatte einen schwierigen Start. Langfristig schaden muss ihr das nicht,
    in: Profil Nr.4 v. 22.01.
    • Inhalt:
      Die österreichische Familienministerin Andrea KDOLSKY ist u.a. durch ihre Stellungnahmen zur Familie in die Kritik geraten:

            
         "Tags darauf wurden Wortspenden Kdolskys für das im Vorjahr erschienene Buch »Kinderlos, na und?« bekannt. Die Ministerin identifiziert darin eine »politische Verklärung der Mutterschaft« und spricht salopp über ihr eigenes Verhältnis zum Nachwuchs: »Ich bin eine leidenschaftliche Tante. Das aber schon auch, weil ich weiß, dass ich die lieben Kleinen irgendwann wieder zurückgeben kann.« Schreiende Kinder im Flugzeug oder in einem Nobellokal würden ihr »einiges vermiesen«.
            
         In der ÖVP kam vor allem dieser letzte Teil des Outings nicht reihum gut an. Sissy Potzinger, Obfrau des steirischen Familienverbandes, kritisierte die Ministerin als »inhaltlich völlig inkompetent«."
 
  • SCHOETTLI, Urs (2007): Im Zwischenreich.
    Angst vor Nationalismus, Marginalisierung, Überalterung - in Japan geht die Nachkriegszeit zu Ende,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 22.01.
    • Inhalt:
      SCHOETTLI ist überzeugt, dass Japan den Bevölkerungsrückgang, der mittlerweile eingesetzt hat - aufgrund seiner Tradition - stoppen wird:

                   "Einmal mehr wird Japan für soziale Herausforderungen eine Lösung finden, die sich von den Gepflogenheiten anderer Kulturen markant unterscheiden wird. Nicht ein Kommando der Obrigkeit, sondern ein aus dem allgemeinen Konsens der Gesellschaft erwachsender Druck wird die Menschen zu Verhaltensänderungen, konkret die Frauen wieder zu einem heirats- und kinderfreundlicheren Verhalten, veranlassen. Heute sind in Japan rund sechzig Prozent aller Frauen im Alter von 30 Jahren unverheiratet, und bei den 34-Jährigen haben noch immer rund vierzig Prozent keinen Bund fürs Leben geschlossen. Der Volksmund bezeichnet diese jungen Frauen, die häufig noch bei den Eltern wohnen, als «parasitische Junggesellinnen». Bereits in dieser Bezeichnung, die in einem Land mit einer aussergewöhnlichen Hochachtung für gegenseitige Verpflichtungen einen prononciert vorwurfsvollen Unterton enthält, zeichnet sich ab, wohin in Zukunft die Entwicklung gehen wird. Die Allgemeinheit, die sich auf einen Gesellschaftsvertrag mit gegenseitigen Verpflichtungen berufen kann, wird für die demographische Kurskorrektur besorgt sein."
 
  • SIRLESCHTOV, Antje & Rainer WORATSCHKA (2007): "Auch 2030 wird es sich lohnen zu leben".
    Sozialexperte Bert Rürup fürchtet keinen Aufstand der Alten und vertraut auf längere Erwerbstätigkeit,
    in: Tagesspiegel v. 21.01.
 
  • KAMANN, Matthias (2007): Biologischer Fatalismus.
    Politik und Demographie,
    in: Welt v. 20.01.
    • Inhalt:
      Angesichts des Films "2030 - Aufstand der Alten" kritisiert KAMANN die Beschwörung eines postpolitischen Zeitalters, das nur von demografisch-generationellen Trends, von Biologischem bestimmt wird.

                   Der biologische Fatalismus, der sich dahinter verbirgt ist für KAMANN einerseits Ausdruck sozialer Verlustängste und entspringt andererseits Rachewünschen gegenüber Individualisten.
                   Des Weiteren macht KAMANN eine grassierende Politikverachtung aus, die ihn zur Frage veranlasst, "warum der Bevölkerungswandel ein Thema viel mehr der Medien als der Politik ist." KAMANN vermutet hier ein strategisches Medieninteresse:
                   "Immerhin lässt sich mithilfe der Demografie exzellent suggerieren, wie schwach die Politik, wie dringlich ihre Eindämmung durch andere ist. Und wer deckt im ZDF-Film all das Elend auf? Richtig, eine Journalistin."
                   KAMANN findet diese Entwicklung bedenklich:
                   "Der demografische Wandel ist eine viel zu große Herausforderung an unsere Anpassungsfähigkeit, als dass wir dabei auf demokratisch legitimierte Gestaltung verzichten könnten."
 
  • FEHRLE, Brigitte (2007): Die Alten kommen - 2030
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.01.
    • Anmerkungen:
      FEHRLE nutzt die hysterische Debatte um den Film "2030 - Aufstand der Alten" um die - noch nicht einmal beschlossene - Rente mit 67 - als bereits von den Fakten überholt darzustellen.

                   Indem sie die heutigen Verhältnisse einfach auf 2030 überträgt ("Heute kommen auf 100 Erwerbstätige 32 über 65-Jährige. Dann werden es 50 sein.") suggeriert sie, dass zukünftig sozusagen bis zum Ableben gearbeitet werden muss.
                   Bereits durch die Rente mit 67 verschiebt sich jedoch dieses Verhältnis zugunsten der Erwerbstätigen. Diese Zahlen nennt FEHRLE aber nicht, weshalb eine sachliche Debatte gar nicht erst ermöglicht wird.
                   Gerd BOSBACH hat zudem darauf hingewiesen, dass bereits heutzutage vor allem durch die hohe Arbeitslosigkeit das Verhältnis Erwerbstätiger zu Leistungsempfängern wesentlich schlechter ist als FEHRLE behauptet. Nicht die Zahl der potentiellen Erwerbstätigen, sondern die Zahl der tatsächlich Erwerbstätigen ist also entscheidend.
 
 
  • PETROPULOS, Kostas (2007): Hurra, wir schrumpfen!?
    Von den vermeintlich guten Seiten des deutschen Bevölkerungsrückgangs,
    in: DeutschlandRadio v. 20.01.
    • Inhalt:
      Kostas PETROPULOS, der Leiter des Heidelberger Büros für Familienfragen und soziale Sicherheit, kritisiert - aus nationalkonservativer Perspektive - die These vom Geburtenrückgang als Glücksfall für unsere Gesellschaft:

                   "Hurra, Deutschland schrumpft! - so jubelte kürzlich die Kommentatorin einer großen deutschen Tageszeitung über die Meldung vom anhaltenden Bevölkerungsrückgang. (...).
      Kurz: Wohin das Auge schaut - die kommende Altenrepublik Deutschland ist kein Schreckgespenst, sondern vielmehr eine Verheißung.

                   (...). Der Schlüssel unseres Wohlstandes lag und liegt angeblich in der stets wachsenden Produktivität. Mehr und bessere Technik! - lautet also die Zauberformel (...).
      Doch diese Vision ist eine Schimäre. Denn anders als in den letzten Jahrhunderten bedarf unser Wohlstand kaum eines erhöhten Ausstoßes von materiellen Produkten. Gefragt sind viel mehr Dienstleistungen, vor allem solche, die den persönlichen Umgang mit Menschen erfordern: In den Kindergärten, den Schulen, den Universitäten, den Krankenhäusern oder im Pflegebereich. Hier sind dem Technikeinsatz Grenzen gesetzt. Oder wer will sich beispielsweise im Krankenhaus schon gern von einem effizienten, aber seelenlosen Pflegeroboter umsorgen lassen? Daher brauchen wir für diesen rapide wachsenden Bereich personenbezogener Dienstleistungen auch in Zukunft eine ausreichende Zahl von Menschen.

                   Aber müssen die unbedingt jung sein? - Sicher können bei der Kranken- und Altenpflege oder bei anderen Tätigkeiten Menschen über das 65. Lebensjahr hinaus eingesetzt werden. Aber Forschung, Innovationen und deren rasche Einführung in die Betriebe und den Alltag sind eine Domäne der Jugend - (...) nicht die Alten, sondern die Jungen waren und sind der Motor des Wandels.
      Daher wird unsere alternde und schrumpfende Gesellschaft sich auf eine nachlassende Produktivität und damit sinkenden Wohlstand einstellen müssen.
      Selbst die Hoffnung, wenigstens unser Arbeitslosenproblem zu lösen, ist trügerisch. (...).

                   Ganz gleich, welches der dringendsten Probleme der Gegenwart wir uns näher betrachten - die Vergreisung und Schrumpfung unserer Bevölkerung wird es nicht automatisch beseitigen. Das Schwinden unserer Nachwuchsgeneration ist nämlich nicht die Lösung dieser Probleme, sondern nur Ausdruck einer tief reichenden Krise des deutschen Lebensmodells."
 
  • WUTTKE, Gabi (2007): Sie hat einen enormen "Flurschaden" hinterlassen.
    Désiréé Nick kritisiert das "Eva-Prinzip",
    in: DeutschlandRadio v. 19.01.
    • Inhalt:
      Désiréé NICK hat mit "Eva go Home" ein weiteres Anti-Eva-Herman-Buch geschrieben. Im Gespräch übt sie Kritik an Eva HERMANs Buch "Das Eva-Prinzip":

                   "Wuttke: In der schönen neutralen Schweiz hat man ziemliche Schwierigkeiten nachzuvollziehen, warum wir uns in Deutschland eigentlich so über Eva Hermanns Buch so aufregen. Man mutmaßt, dass Eva Hermann doch irgendwie eine Achillesferse, einen wunden Punkt bei deutschen Frauen gefunden hat. Selbstkritisch gesehen, Frau Nick, ist da ein Punkt?
                   Nick: Ich finde, es ist ein Punkt, wenn man die Hälfte aller Bundesbürger schon mal von Hause aus über den Kamm scherend diskriminiert, denn sie schreibt ja wortwörtlich, dass alle Ostzonalen Krippenopfer sind, dass das Seelenkrüppel sind, zutiefst gestörte Menschen wortwörtlich, ich zitiere, und, wie gesagt, alle Alleinerziehenden, die sind suizidal, depressiv gefährdet. Einerseits schreit sie nach mehr Kindern und Hilfe, wir sterben aus, andererseits denkt sie selbst nicht daran, irgendeins zu adoptieren, denn die Heime in Deutschland platzen aus allen Nähten. In unserem schönen Wohlstandsland gibt es Wartelisten für Kinderheime, und wenn dann Alleinerziehende oder gar Ostzonale Kinder kriegen, veranstaltet sie einen Feixtanz. Außerdem breitet sie über viele Seiten aus, dass jede berufstätige Frau suchtgefährdet ist, nämlich abhängig von der Droge Arbeit, dass dadurch der Hormonhaushalt sich total verschiebt. Pickel sind der Preis des Erfolges, das Business-Kostüm, der Hosenanzug und das flache Schuhwerk treiben Männer in die Zeugungsverweigerung. Also es ist ein solcher Müll, dass es eine Schande wäre, wenn man das so stehen ließe und keine Gegenthese vorlegt, denn sie gibt generell allen berufstätigen Frauen die Schuld für alles. Im Buch macht sie die Frauen verantwortlich für Brustschwund, für Kinderschwund, für Gefühlsschwund, für Männerschwund, für Rentenschwund, und ich muss sagen, wenn man darauf nicht antwortet, dann leidet man selbst an Hirnschwund."
 
 
 
  • FR-Thema des Tages: Die Gesellschaft altert.
    Bloß ein Schreckensszenario oder eine Entwicklung mit Zukunft? Experten plädieren dafür, den Wandel zu gestalten - ohne Panikmache

    • LÖFFEL, Arne (2007): Wenn die Städte überaltern.
      Immer mehr Kommunen in Deutschland bereiten sich auf den demografischen Wandel vor und sehen ihn als Chance,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
    • SPERBER, Kathrin (2007): "Wir könnten die Alten locker versorgen".
      Der Demografie-Forscher Gerd Bosbach warnt vor Horrorgemälden und sieht in Deutschland vor allem ein Verteilungsproblem,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
      • Inhalt:
        Gerd BOSBACH sieht nicht im demografischen Wandel, sondern in der hohen Arbeitslosigkeit das Hauptproblem der Sozialversicherungssysteme:

                     "In den vergangenen hundert Jahren sind wir im Schnitt 30 Jahre älter geworden, aber die Gesellschaft nicht ärmer, sondern reicher. Bis 2050 sollen wir nach verschiedenen Schätzungen sechs bis neun Jahre älter werden. Und das soll jetzt plötzlich ein Problem sein?"
    • GASEROW, Vera (2007): Der Druck auf die Kinderlosen wächst.
      Die Frucht vor der wachsenden Zahl alter, womöglich pflegebedürftiger Menschen setzt die Gruppe Kinderloser zunehmend unter politischen Rechtfertigungs- und konkreten Zahlungsdruck,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
      • Anmerkungen:
        GASEROW berichtet darüber, dass die hysterische Stimmung um den Geburtenrückgang benutzt wird, um Kinderlose zu Menschen zweiter Klasse zu machen.

                     Sowohl die Debatten um ein Elternwahlrecht als auch die von Hans-Werner SINN ins Gespräch gebrachte Rente nach Kinderzahl werden durch unseriöse Filme wie "2030 - Aufstand der Alten" weiter angeheizt.
                     Im Buch "Die Single-Lüge" wird aufgezeigt, wie sich seit dem Pflegefehlurteil des Bundesverfassungsgerichts die Lage der Kinderlosen verschlechert hat und welche Möglichkeiten bestehen, dagegen vor zu gehen. GASEROW schreibt dazu:
                     "In der Debatte um die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme ist (die)(...) Sonderstellung von Kinderlosen bereits Realität.
                     Die zentrale Weiche dafür hat 2001 das Bundesverfassungsgericht gestellt mit seinem Urteil zur Pflegeversicherung. (...). Seit 2005 zahlen deshalb rund drei Millionen Kinderlose ein viertel Prozent mehr in die Pflegekasse als Väter und Mütter - egal, ob deren Fürsorge für die Kinder nur auf dem Papier steht oder sie weit besser betucht sind als viele Singles.
                     Das Vorbild der Pflegeversicherung - darauf dringen jetzt vor allem Unionspolitiker - soll auch auf die Rentenversicherung übertragen werden, in weit stärkerem Umfang."
                     Hans-Werner SINN argumentiert - genauso wie die Verfechter eines Elternwahlrechtes - mit unredlichen Zahlen. Im Buch "Die Single-Lüge" wird diese Single-Rhetorik detailliert kritisiert.
                     Auch im Buch "Deutschland - eine gespaltene Gesellschaft" hat der Lebenslaufforscher Martin KOHLI in seinem Beitrag "Alt - Jung" die Single-Rhetorik, die von Elternwahlrecht- und Rente nach Kinderzahl-Verfechtern verwendet wird, in gleicher Weise kritisiert:
                     "Die Solidarleistungen in der Familie erstrecken sich weit über die Grenzen des Haushalts hinaus. Es gibt ganz erhebliche materielle Transfers auch zwischen den erwachsenen, in getrennten Haushalten lebenden Generationen in der Familie, und sie fließen ganz überwiegend von den älteren zu den jüngeren Generaionen. Dem öffentlichen Generationenvertrag - der Umlage von den Erwerbstätigen zu den Rentnern - entspricht also ein privater Transferfluss in der umgekehrten Richtung."
                     Der Trick der Befürworter: Eltern, deren Kinder nicht mehr im Haushalt leben, werden als Kinderlose gezählt. Ihnen wird per se das gleiche unsoziale Verhalten unterstellt wie Kinderfreien, d.h. Kinderlosen, die kinder- bzw. familienfeindlich gesinnt sind. Nur durch diesen haushaltsstatistischen Trick samt der damit verbundenen Unterstellungen, können Eltern von einer Mehrheit zu einer Minderheit in Deutschland gemacht werden.
    • LÜKE, Reinhard (2007): Albtraum im Fernsehen.
      Vision einer vergreisten Republik,
      in: Frankfurter Rundschau v. 18.01.
 
 
  • KIESSLER, Annika & Dagmar ROSENFELD (2007): Lange leben.
    Der Film „2030 – Aufstand der Alten“ ruft Diskussionen hervor. Wie sieht die Gesellschaft der Zukunft aus?
    in: Tagesspiegel v. 18.01.
 
  • SIEMS, Dorothea (2007): Der Generationenvertrag bröckelt.
    Das ZDF hat mit seinem Doku-Dreiteiler "2030 - der Aufstand der Alten" eine Debatte über die Folgen der demografischen Entwicklung entfacht. Werden die Rentner der Zukunft am Rande der Gesellschaft leben, in Armut und medizinisch schlecht versorgt? Oder sind nicht vielmehr die heutigen Jungen zu bedauern, die von der Last der Sozialabgaben und Staatsschulden erdrückt werden?
    in: Welt v. 18.01.
 
  • SCHINDELE, Eva & Imke ZIMMERMANN (2007): Rohstoff für das Mutterglück.
    Der internationale Handel mit Eizellen für kinderlose Frauen blüht. Um die Probleme der Spenderinnen schert sich niemand,
    in: Die ZEIT Nr.4 v. 18.01.
 
  • SCHMÄHL, Winfried (2007): Raus aus der Armut.
    Vor 50 Jahren wurde in der Bundesrepublik die dynamische Rente eingeführt. Dieses Erfolgsmodell wird nun demontiert,
    in: Die ZEIT Nr.4 v. 18.01.
    • Inhalt:
      Winfried SCHMÄHL schreibt über die Entwicklung des deutschen Rentensystems seit 1957 und beklagt dessen Demontage.

                   Er verweist u.a. auf den merkwürdigen Sachverhalt, dass bei der Wiedervereinigung die Kritiker der Umlagefinanzierung nicht zu hören waren:
                   "Keiner der Verfechter der Kapitaldeckung schlug bei der Wiedervereinigung vor, auf die Umlagefinanzierung zu verzichten, obgleich diese - so beispielsweise die Kritik des Bonner Ökonomen Manfred Neumann - »nach dem Vorsorgeprinzip primitiver Gesellschaften« funktioniere."
 
 
  • BAHR, Daniel (2007): Im Jahr 2030 drohen Deutschland Verteilungskämpfe.
    Der "Aufstand der Alten" ist Fernsehfiktion, das Szenario dahinter aber durchaus realistisch. Wenn am System der Kranken- und Rentenversicherung nichts geändert wird, könnte es nach Einschätzung von Daniel Bahr 2030 in Deutschland zu einem Verteilungskampf kommen. Auf WELT.de erklärt der FDP-Bundestagsabgeordnete, wo er Änderungsbedarf sieht,
    in: Welt v. 17.01.
    • Inhalt:
      Daniel BAHR, der bereits im vorletzten Jahr über die unfruchtbare Elite schrieb (die so unfruchtbar nicht ist, wie sich danach herausstellte), nutzt die Stimmung nach dem ZDF-Film "2030 - Aufstand der Alten", um gleich den Systemwechsel in den Sozialversicherungen zu fordern:

                   "Wir dürfen die Zeit nicht erneut verspielen. Gerade jetzt, wo die Konjunktur gut verläuft. Die umlagefinanzierten Sozialversicherungen müssen durch Eigenvorsorge ersetzt werden. Um einen Systemwechsel hin zu Versicherungen mit Kapitalrücklagen kommen wir nicht herum."
 
 
 
 
  • RICE, David (2007): Zeitverknüpfungsnetzwerke.
    High-Tech für den Mutterbauch der Kriminalität,
    in: Berliner Gazette v. 17.01.
 
 
  • ZDF: "2030 - Aufstand der Alten"

    • SCHIRRMACHER, Frank (2007): Alte, wollt ihr ewig leben?
      Über die Deutschen, die im Jahr 2030 aus der Zeit fallen: Das ZDF sendet heute abend einen Thriller über die, die wir sein werden,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.01.
      • Anmerkung:
        Frank SCHIRRMACHER hat bereits vor längerer Zeit Demografiethriller gefordert, das ZDF ist seiner Aufforderung nun gefolgt.

                     Herausgekommen ist eine Variante von "Jahr 2022...die überleben wollen" (Soylent Green) wie SCHIRRMACHER erläutert. Unerwähnt bleibt jedoch, dass Soylent Green die Vision einer BevölkerungsEXPLOSION war, während "2030 - Aufstand der Alten" als Vision einer BevölkerungsIMPLOSION gepriesen wird. Wenn aber - egal ob wir weniger werden oder uns vermehren - das Ergebnis identisch ist, so stellt sich doch die Frage, ob uns dieser Alarmismus überhaupt weiter bringt. Aufrütteln soll der Film, wozu aber?
                     In der ARD lief letzte Woche "Im Greisenland". Die 40Jährigen werden darin der Verweigerung beschuldigt. Wie Deutschland aussehen würde, wenn es keinen Geburtenrückgang gegeben hätte, das hat single-dasein.de bereits im Jahr 2002 aufgezeigt. Der Statistiker Jürgen VOSS hat im letzten Jahr zusätzlich aufgezeigt, wie sich einige Städte in Deutschland - ohne Pillenknick - entwickelt hätten. Wir sollten also die Chancen des Geburtenrückgangs und die Potenziale einer Gesellschaft der Langlebigen nutzen, statt den 40Jährigen Verweigerung vorzuwerfen.
                     Wenn überhaupt, so müsste sich die Elite dieses Landes fragen lassen, warum nicht bereits in den 80er oder spätestens in den 90er Jahren eine Politik der Vereinbarkeit von Beruf und Familie betrieben wurde. Sind es nicht oftmals die Besitzstandswahrer von gestern, die heute am lautesten nach einer aktiven Bevölkerungspolitik schreien?
                     Keineswegs stehen wir vor der Frage, ob die Politik scheitert oder nicht, wie SCHIRRMACHER das behauptet, sondern wer von der zukünftigen Politik profitieren wird. Wer wie SCHIRRMACHER Angst schürt, der will offenbar nur verhindern, dass die Bürger genauer hinschauen.
    • SCHWÄGERL, Christian (2007): Wir müssen unsere Lebensläufe völlig neu denken.
      Gespräch mit dem Demographen James Vaupel,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.01.
      • Inhalt:
        Der US-amerikanische Demograph James VAUPEL hält nichts von der Hysterie, mit der in Deutschland der demografische Wandel betrachtet wird:

                     "Sie kennen die Demographiedebatte weltweit. Gibt es da deutsche Besonderheiten?
                     Kein anderes Land hat so viel Angst vor dem demographischen Wandel wie Deutschland. Bei einer der Demographiekonferenzen des Bundespräsidenten gab es eine Meinungsumfrage, bei der die meisten Teilnehmer angaben, dass die Zukunft schlechter sein wird als die Vergangenheit - woher nehmen sie diesen Pessimismus? Die Deutschen haben zwei Weltkriege, Hitler, den Kommunismus überstanden und leben im Wohlstand. Als Amerikaner bin ich da auch nach mehr als zehn Jahren in Deutschland noch immer erstaunt.
                     Aber gerade Ihr Institut weist auf Probleme hin, die uns durch Überalterung und Kindermangel bevorstehen. Der Film macht sie nur sehr plastisch greifbar.
                     Deshalb gefällt mir, dass die Möglichkeit enormer sozialer Unterschiede im Alter thematisiert wird. Die Altersarmut wird in Zukunft wieder aktuell, besonders betroffen sind alleinstehende ältere Frauen, geschieden oder ohne Kinder. Es wird überhaupt härter für Kinderlose und für Einzelkinder ohne Familiennetz. Aber die Schärfe im Film halte ich doch für reichlich unrealistisch. Realistischer ist die Darstellung von Brandenburg als entvölkerter Region. Es kann passieren, dass aus ganzen Landstrichen die Jugend wegzieht und nur die Alten zurückbleiben, mit allen Problemen. Das ist jetzt schon zu beobachten."
    • SCHMIDT, Wolf (2007): Der Baader der Alten.
      Die engagierte ZDF-Miniserie "2030 - Aufstand der Alten" (20.15 Uhr) zeigt, wie der demografische Wandel Deutschland umpflügen könnte. Als Spielfilm ist das gelungen. Doch die Macher wollen mehr,
      in: TAZ v. 16.01.
      • Inhalt:
        "
        Als Spielfilm ist der »Aufstand der Alten« gelungen (...). Doch das ZDF will mehr: Der Film soll »aufklären«, »aufrütteln« und zeigen, »was uns erwartet, wenn der Anteil der älteren Bürger immer weiter steigt und der der jüngeren hingegen dramatisch sinkt« (...).
        Oha! Denn das schafft der Film nicht. Als Zukunftsentwurf ist »Aufstand der Alten« von einem Alarmismus durchzogen, gegen den selbst Krieg-der-Generationen-Apologeten wie FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher milde daherkommen. Und so wird die politische Dimension des Filmes polemisch bis platt
        ", meint SCHMIDT.
    • LÜKE, Reinhard (2007): Die Zukunft sieht alt aus,
      in: Frankfurter Rundschau v. 10.01.
    • BUß, Christian (2007): Oma sieht rot.
      ZDF-Schocker "Aufstand der Alten",
      in: Spiegel Online v. 16.01.
    • MIELKE, André (2007): Steht der Aufstand der Alten bevor?
      Keine Doku, keine langweilige Talkshow - Das ZDF inszeniert heute abend das Thema Generationenkonflikt mal anders, nämlich als Kriminalschocker. "2030 - Aufstand der Alten" beschreibt das fiktive Bild einer gnadenlosen Zukunft. Und zwar so düster, dass es vermutlich vor allem die Zuschauer in den besten Jahren erschüttern wird,
      in: Welt v. 16.01.
      • Inhalt:
        MIELKE sorgt sich um die Reichen des Jahres 2030:

                     "Schlimmer könnte es nur kommen, wenn künftige Politiker genau das täten, was Film und Volkes Stimme verlangen: durchgreifen, den Reichen nehmen, den Armen geben".
   

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Zu den News vom   09. -  15. Januar 2007

 
       
   
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