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News vom 11. - 13. Juli 2006

 
 
     
 
 

Zitat des Monats:

"Anfang Juni 1986, erschien »The Marriage Crunch« (»Die Heiratskrise«). Das angesehene US-Nachrichtenmagazin (Anm.: Newsweek) behauptete unter Berufung auf eine neue Studie: »Weiße Frauen mit College-Ausbildung, die in der Mitte der 50er-Jahre geboren wurden und die mit 30 noch Single sind, haben nur eine 20-prozentige Chance auf Verheiratung ... 40-Jährige werden eher von einem Terroristen getötet: Sie haben eine winzige Chance von 2,6 Prozent, den Bund fürs Leben zu schließen.«
(...). Genau 20 Jahre später distanzierte sich »Newsweek« jetzt in einer neuen Coverstory nicht nur von dem Satz, sondern auch von den damaligen Zahlen. Mit einem gewissen Stolz stellt man aber fest: »Der Vergleich schlug feste Wurzeln in der Popkultur und wird immer noch routinemäßig in Fernsehshows und Nachrichtenbeiträgen zitiert.« Das gilt nicht nur für die USA - auch hierzulande fand die kesse These Eingang in Presseartikel und Partygespräche."
(Frank Gerbert im Focus Nr.24 vom 12.06.2006)

   
   
 
  • MAYER, Susanne (2006): Im Land der Muttis.
    Die deutsche Hausfrau gilt als Stütze der Nation. Dabei kostet es uns ein Vermögen, wenn bestens ausgebildete Frauen zu Hause bleiben,
    in: Die ZEIT Nr.29 v. 13.07.
    • Inhalt:
      Was Susanne MAYER da über den volkswirtschaftlichen Schaden der Ehegattin mit Hochschulabschluss schreibt, das konnte man in ähnlicher Weise bereits bei Susanne FENGLER im Mai/Juni-Heft der Zeitschrift Emma lesen.

                
       In Zeiten der neuen Sparsamkeitsrhetorik steht sowohl das "Prinzip der Ehegattensubsidiarität" (Sabine BERGHAHN), besser bekannt als Ehegattensplitting, als auch die staatliche Finanzierung der Hochschulbildung zur Disposition. MAYER schreibt dazu:
                
       "Seit einem halben Jahrhundert werden Frauen in Deutschland tipptopp ausgebildet. In den sechziger Jahren machten nur acht Prozent der Frauen einen Höheren Schulabschluss, zur Wende ins 21. Jahrhundert waren es 29 Prozent. Anfang der fünfziger Jahre tendierte die Zahl der Frauen mit akademischem Abschluss gegen null, 25 Jahre später waren es 40.000, heute verlassen 100.000 Frauen jedes Jahr unsere Universitäten. Mit welchem Resultat? Schauen wir uns um. Die Frau des Rechtsanwaltes, den wir nicht nennen wollen, ist eigentlich Lehrerin, die Frau seines Kollegen ausgebildete Ärztin, die Mutter des Freundes meines Sohnes ist Betriebswirtin, eine Freundin ist Grafikerin, deren Freundin promovierte Germanistin. Alles Frauen, die trotz unterschiedlichster Ausbildungen exakt den gleichen Job machen: Hausfrau. Ernsthaft berufstätig: wenige. In der Lage, sich zu erhalten: nur eine Minderheit. Die meisten sind Zuverdienerinnen. So gesehen, hätte es statt BWL oder Medizin, den mühsamen Jahren der Promotion, den teuren Auslandsemestern auch eine kleine Hauswirtschaftslehre getan.
                
       (...).
      Es wird immer wieder erregt über die Kinderlosigkeit der akademischen Frau diskutiert, vielleicht, um ja nicht darüber nachzudenken, was die Akademikerin, die Kinder hat, uns kostet. Die Rechnung sieht so aus: In eine akademische Ausbildung investiert die Gesellschaft bis zu 200.000 Euro. Dafür könnte sie eigentlich 30.000 Euro pro Jahr an Steuern und Sozialabgaben zurückerwarten.
      Wer zehn Jahre ausfällt, erzeugt in öffentlichen Kassen also ein Abgaben-Minus von 300.000 Euro. Dazu addiert sich im ungünstigsten Fall, wenn die nichtbeschäftigte Akademikerin beispielsweise mit einem gut beschäftigten Akademiker verheiratet ist, eine Steuersubvention über das Ehegattensplitting von maximal 7914 Euro pro Jahr, was sich auf zehn Jahre zu rund 80.000 Euro an entgangenen Steuern addiert. Für zehn Jahre subventionierten Berufsausstieg macht das rund 380.000 Euro Verlust. Privat fühlt es sich natürlich an wie Gewinn. Und wird als »Wahlfreiheit« verteidigt. Wer gar nicht in den Beruf zurückkehrt, nun, der kann dann schon mit einem Minus von über einer Million Euro zu Buche schlagen. Weshalb skandinavische Politiker nicht müde werden, ihre Kollegen in Berlin zu fragen, wieso man sich in Deutschland eine Hausfrauensubvention leiste, wo es doch an Investitionen im Bildungsbereich fehle, in Höhe von Milliarden Euro, für Krippen, Kitas, man weiß es.
      "
 
 
  • TAZ-Brennpunkt: Politik für die Generation 3 Minus

 
  • BÖHR, Christoph (2006): Auf eigene Rechnung.
    Fördert der Staat Ehe und Familie, geschieht das zu seinem ökonomischen Nutzen. Ehegattensplitting zu streichen ist deshalb der falsche Weg,
    in: Rheinischer Merkur Nr.28 v. 13.07.
    • Inhalt:
      Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph BÖHR wendet sich gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings, die vor genau einem Monat selbst der Kölner Kardinal MEISNER aufgrund der Zunahme kinderloser Ehepaare befürwortet hat. BÖHR erwidert dagegen:

                
       "Die Sozialbilanz einer jeden Ehe, auch wenn sie kinderlos bleibt, rechtfertigt die in unserer Verfassung vorgesehene besondere Wertschätzung –als eine Regel, die zum gegenseitigen Nutzen und zum Vorteil der ganzen Gesellschaft die Bereitschaft weckt, bei der Bewältigung der Lebensrisiken wechselseitig und verlässlich füreinander einzustehen."
                
       Für BÖHR ist mit der Bedarfsgemeinschaft die "Atomisierung der Gesellschaft" als kostenintensives Politikziel durchgesetzt worden:
                
       "Es lohnt, in Paragraf 7, Absatz 3 SGB II einmal nachzuschlagen, wie die Legaldefinition der Bedarfsgemeinschaft aussieht. Wie in einem fotografischen Schnappschuss fängt der Gesetzgeber eine für den Augenblick zusammengewürfelte Gemeinschaft unterschiedlichster Beziehungen ein: Um die jeweilige befristete Lebensabschnittspartnerschaft herum versammeln sich nähere und fernere Angehörige aus verschiedenen früheren Lebens- und Lebensabschnittsgemeinschaften. Dabei wird von vornherein vorausgesetzt, dass die augenblickliche Bedarfsgemeinschaft nicht von Dauer ist und deshalb nur vorübergehend Bestand hat.
                
       Im Gesetz wird unverblümt eine Gesellschaft beschrieben, die keine verlässlichen Bindungen und Beziehungen mehr kennt. In der Art und Weise eines Flaneurs begegnen sich Menschen wie auf einem Großstadtboulevard, hier und dort ein wenig verweilend, nach Lust und Laune mal etwas länger, mal etwas kürzer. So entstehen Bedarfsgemeinschaften, anders gesagt: So entsteht das Anrecht auf Alimentierung durch den Staat.
                
       (...).
      Mithin kann es nicht verwundern, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften innerhalb noch nicht mal eines Jahres von 3,3 auf vier Millionen angestiegen ist. Paare zogen auseinander, um eine Anrechnung des Einkommens ihres Partners zu verhindern. Junge Erwachsene packten zu Hause die Koffer und ließen sich vom Staat einen eigenen Hausstand bezahlen. So gerät die ursprünglich als Beschreibung der Wirklichkeit von heute gedachte Regel unter der Hand zur Prägeform gesellschaftlicher Entwicklungen von morgen.
      "
 
  • KAMANN, Matthias (2006): Sparsamkeit statt Ideologie.
    Staatsfinanzierte Abtreibungen,
    in: Welt v. 13.07.
    • Inhalt:
      KAMANN wendet sich gegen die großzügige Finanzierung von Abtreibungen. Faktisch macht ihn dies zum Verbündeten derjenigen, denen er schlechte Gründe unterstellt:

                
       "schlechte Gründe (...) verbinden die Abtreibungen mit der Geburtenrate: Man verweist darauf, daß einerseits seit 1996 insgesamt 250 Millionen Euro vom Staat für Abtreibungen ausgegeben wurden, andererseits dem Land die Kinder fehlen, und hofft, daß die von Sachsen und Thüringen (erfolglos) geforderte Verschärfung der Bedürftigkeitsprüfung bei abtreibungswilligen Frauen dem Kindermangel abhelfen könnte. Werden sich Frauen, wenn der Abort nicht mehr bezahlt wird, nicht doch für das Kind entscheiden?
                
       Dem steht alle Erfahrung entgegen. (...).
      Sie funktioniert nicht, die Verbindung zwischen Abtreibungsfinanzierung und Kinderwunsch. Wer sie zieht, ideologisiert die Kostenübernahme genauso wie jene, die darin eine Absicherung weiblicher Selbstbestimmung sehen: Gilt dem einen das Kürzen als Dienst am Wert der Geburtensteigerung, so dem anderen die Großzügigkeit als Dienst am Wert weiblicher Autonomie."
                
       Wenn KAMANN die Väterfeindlichkeit der bestehenden Finanzierungsregelung beklagt, dann liegt er zudem im antifeministischen Trend.
                
       Wenn KAMANN also Sparsamkeit fordert, dann kann er sich sowohl des Beifalls von  Familienfundamentalisten als auch von Antifeministen gewiss sein:
                
       "Staatliches Geld oder dessen Verweigerung ist weder ein Mittel der finanzpsychologischen Geburtensteigerung, noch eines des Lebensschutzes per finanzieller Schwangeren-Erpressung, noch eines der feministischen Emanzipationsgynäkologie. Staatliches Geld ist einfach nur sparsam auszugeben."
 
 
  • WALTER, Franz (2006): Bürgerlicher Orientierungsverlust.
    Zerrissene Union,
    in: Welt v. 13.07.
    • Inhalt:
      Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz WALTER beschreibt den Niedergang der alten Mitte und seiner Partei. Sein Fazit:

                
       "Das altbürgerliche Lager aus der langen Ära von Adenauer bis Kohl bricht auseinander. Eine Restauration des Alten werden wir nicht erleben. Neue bürgerliche Allianzen sind nicht ausgeschlossen. Für die CDU wäre dies ein neuer Abschnitt in der Parteigeschichte - und das Ende offen."
                
       Anmerkung: Im Buch "Die Single-Lüge. Eine Kritik der Argumentationsmuster im Zeitalter der Demografiepolitik" werden die von WALTER angedeuteten neuen bürgerlichen Allianzen in ihren Konsequenzen für Singles und Familien beleuchtet.
 
  • SIRLESCHTOV, Antje (2006): "Die Rente ist jetzt wirklich sicher".
    Überraschende Experten-Befunde über Generationengerechtigkeit - junge Politiker fordern Nachhaltigkeit,
    in: Tagesspiegel v. 13.07.
    • Inhalt:
      Bernd RAFFELHÜSCHEN, der bis vor kurzem noch den demografisch bedingten Renten-Gau beschwor, macht sich plötzlich die BLÜM-Formel zu eigen:

                
       "»Die Rente ist jetzt wirklich sicher«. Insbesondere Letzteres überrascht. Ist doch gerade das deutsche Rentenversicherungssystem im öffentlichen Bewusstsein das am wenigsten zukunftsfeste System mit den größten Generationen-Ungerechtigkeiten. Raffelhüschens Antwort lautet dagegen: Die Nachhaltigkeitslücke des Rentensystems (Basiszahlen 2004) ist allein durch die Entscheidung der Regierung in diesem Frühjahr, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre zu erhöhen, von 3,5 Billionen auf 800 Milliarden Euro gesunken. Was bedeutet, dass den Deutschen jetzt rund 800 Milliarden Euro fehlen, um jedem Bürger des Landes, egal wie alt, bis zu seinem Tod das Leistungsniveau zu garantieren, das heute gezahlt wird. Raffelhüschen nennt den Betrag »vernachlässigbar klein«."
 
  • DERNBACH, Andrea (2006): "Integration verändert auch die Mehrheitsgesellschaft".
    Migrationshistoriker Klaus J. Bade über neue Chancen und einen Startschuss, der 25 Jahre zu spät fällt,
    in: Tagesspiegel v. 13.07.
 
FACTS-Titelgeschichte: Frau mit 40.
Eine Power-Generation entstaubt die Schweiz
  • ALTHAUS, Nicole (2006): 40 - Das Zeitalter der Siegerinnen.
    Sie sind unberechenbar, aber verlässlich, eigensinnig, doch erfolgreich. Die heute 40-jährigen Frauen haben als erste alle Möglichkeiten - und nutzen sie. Ihre Generation entstaubt das Land,
    in: Facts v. 13.07.
    • Inhalt:
      ALTHAUS berichtet über die größte Schweizer Altersgruppe der 40jährigen Frauen (38-43Jahre).

                
       "Das wohl verblüffendste Merkmal der weiblichen Generation 40 aber ist: Sie ist derzeit die einzige Altersgruppe, in der die Geburtenrate steigt", findet ALTHAUS.
 
 
 
 
  • HARTWIG, Ina (2006): Clash der Milieus.
    Kathrin Passig war schon da,
    in: Frankfurter Rundschau v. 12.07.
    • Inhalt:
      Ina HARTWIG möchte dem Literaturbetrieb weitere Peinlichkeiten ersparen:

                
       "Kathrin Passig hätte man (...) längst kennen können, man hätte nur die taz-Wahrheit-Seite regelmäßig zu lesen brauchen (...). Passig ist nicht identisch mit der taz, aber die taz ist das Milieu, in dem man sie und die ZIA versteht, vielleicht sollte man von fließenden Übergängen sprechen. Die Verblüffung in Klagenfurt war offenkundig so groß, weil dieses Wahlberliner Milieu dort weitgehend unbekannt ist. Es wäre sicherlich wünschenswert, wenn die Jury hier mal nacharbeitete, dann blieben dem Wettbewerb einige Peinlichkeiten erspart."
 
 
 
  • STABENOW, Michael (2006): Europa braucht mehr Kinder,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.07.
    • Inhalt:
      STABENOW berichtet über die Werbekampagne der Reproduktionsmediziner Paul DEVROEY und Bart FAUSER, die sich für ein
      "Europäisches Gremium für Fortpflanzungsfragen (European Fertility Body)" einsetzen.
 
  • SCHMITT, Michael (2006): Scheitern an der Freiheit.
    Ein Roman und Erzählungen des Amerikaners Richard Yates,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.07.
 
  • TAZ-Serie: Bedingungen und Möglichkeiten der Kritk

   

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Zu den News vom   05. - 10. Juli 2006

 
 
   
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