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Medienrundschau:
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News vom
11. - 13. Juli 2006
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MAYER, Susanne (2006): Im Land der Muttis.
Die deutsche Hausfrau gilt
als Stütze der Nation. Dabei kostet es uns ein Vermögen, wenn bestens
ausgebildete Frauen zu Hause bleiben,
in: Die ZEIT Nr.29 v. 13.07.
- Inhalt:
Was
Susanne MAYER da über den
volkswirtschaftlichen Schaden der
Ehegattin mit Hochschulabschluss
schreibt, das konnte man in ähnlicher Weise bereits bei
Susanne FENGLER im Mai/Juni-Heft der Zeitschrift
Emma lesen.
In
Zeiten der neuen Sparsamkeitsrhetorik steht sowohl das "Prinzip der
Ehegattensubsidiarität" (Sabine BERGHAHN), besser bekannt als
Ehegattensplitting,
als auch die staatliche Finanzierung der Hochschulbildung zur
Disposition. MAYER schreibt dazu:
"Seit
einem halben Jahrhundert werden Frauen in Deutschland tipptopp
ausgebildet. In den sechziger Jahren machten nur acht Prozent der
Frauen einen Höheren Schulabschluss, zur Wende ins 21. Jahrhundert
waren es 29 Prozent. Anfang der fünfziger Jahre tendierte die Zahl der
Frauen mit akademischem Abschluss gegen null, 25 Jahre später waren es
40.000, heute verlassen 100.000 Frauen jedes Jahr unsere
Universitäten. Mit welchem Resultat? Schauen wir uns um. Die Frau des
Rechtsanwaltes, den wir nicht nennen wollen, ist eigentlich Lehrerin,
die Frau seines Kollegen ausgebildete Ärztin, die Mutter des Freundes
meines Sohnes ist Betriebswirtin, eine Freundin ist Grafikerin, deren
Freundin promovierte Germanistin. Alles Frauen, die trotz
unterschiedlichster Ausbildungen exakt den gleichen Job machen:
Hausfrau. Ernsthaft berufstätig: wenige. In der Lage, sich zu
erhalten: nur eine Minderheit. Die meisten sind Zuverdienerinnen. So
gesehen, hätte es statt BWL oder Medizin, den mühsamen Jahren der
Promotion, den teuren Auslandsemestern auch eine kleine
Hauswirtschaftslehre getan.
(...).
Es wird immer wieder erregt über die Kinderlosigkeit der akademischen
Frau diskutiert, vielleicht, um ja nicht darüber nachzudenken, was
die Akademikerin, die Kinder hat, uns kostet. Die Rechnung sieht so
aus: In eine akademische Ausbildung investiert die Gesellschaft bis zu
200.000 Euro. Dafür könnte sie eigentlich 30.000 Euro pro Jahr an
Steuern und Sozialabgaben zurückerwarten.
Wer zehn Jahre ausfällt, erzeugt in öffentlichen Kassen also ein
Abgaben-Minus von 300.000 Euro. Dazu addiert sich im ungünstigsten
Fall, wenn die nichtbeschäftigte Akademikerin beispielsweise mit einem
gut beschäftigten Akademiker verheiratet ist, eine Steuersubvention
über das Ehegattensplitting von maximal 7914 Euro pro Jahr, was sich
auf zehn Jahre zu rund 80.000 Euro an entgangenen Steuern addiert. Für
zehn Jahre subventionierten Berufsausstieg macht das rund 380.000 Euro
Verlust. Privat fühlt es sich natürlich an wie Gewinn. Und wird als
»Wahlfreiheit« verteidigt. Wer gar nicht in den Beruf zurückkehrt,
nun, der kann dann schon mit einem Minus von über einer Million Euro
zu Buche schlagen. Weshalb skandinavische Politiker nicht müde werden,
ihre Kollegen in Berlin zu fragen, wieso man sich in Deutschland eine
Hausfrauensubvention leiste, wo es doch an Investitionen im
Bildungsbereich fehle, in Höhe von Milliarden Euro, für Krippen, Kitas,
man weiß es."
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TAZ-Brennpunkt: Politik für
die Generation 3 Minus
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BÖHR, Christoph (2006): Auf eigene Rechnung.
Fördert der Staat Ehe und Familie, geschieht das zu seinem
ökonomischen Nutzen. Ehegattensplitting zu streichen ist deshalb der
falsche Weg,
in: Rheinischer Merkur Nr.28 v. 13.07.
- Inhalt:
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Christoph
BÖHR wendet sich gegen die Abschaffung des Ehegattensplittings, die
vor genau einem Monat selbst der Kölner Kardinal MEISNER
aufgrund der Zunahme kinderloser Ehepaare befürwortet hat. BÖHR
erwidert dagegen:
"Die
Sozialbilanz einer jeden Ehe, auch wenn sie kinderlos bleibt,
rechtfertigt die in unserer Verfassung vorgesehene besondere
Wertschätzung –als eine Regel, die zum gegenseitigen Nutzen und zum
Vorteil der ganzen Gesellschaft die Bereitschaft weckt, bei der
Bewältigung der Lebensrisiken wechselseitig und verlässlich
füreinander einzustehen."
Für
BÖHR ist mit der Bedarfsgemeinschaft die "Atomisierung der
Gesellschaft" als kostenintensives Politikziel durchgesetzt worden:
"Es
lohnt, in Paragraf 7, Absatz 3 SGB II einmal nachzuschlagen, wie die
Legaldefinition der Bedarfsgemeinschaft aussieht. Wie in einem
fotografischen Schnappschuss fängt der Gesetzgeber eine für den
Augenblick zusammengewürfelte Gemeinschaft unterschiedlichster
Beziehungen ein: Um die jeweilige befristete
Lebensabschnittspartnerschaft herum versammeln sich nähere und
fernere Angehörige aus verschiedenen früheren Lebens- und
Lebensabschnittsgemeinschaften. Dabei wird von vornherein
vorausgesetzt, dass die augenblickliche Bedarfsgemeinschaft nicht
von Dauer ist und deshalb nur vorübergehend Bestand hat.
Im
Gesetz wird unverblümt eine Gesellschaft beschrieben, die keine
verlässlichen Bindungen und Beziehungen mehr kennt. In der Art
und Weise eines Flaneurs begegnen sich Menschen wie auf einem
Großstadtboulevard, hier und dort ein wenig verweilend, nach Lust
und Laune mal etwas länger, mal etwas kürzer. So entstehen
Bedarfsgemeinschaften, anders gesagt: So entsteht das Anrecht auf
Alimentierung durch den Staat.
(...).
Mithin kann es nicht verwundern, dass die Zahl der
Bedarfsgemeinschaften innerhalb noch nicht mal eines Jahres von 3,3 auf
vier Millionen angestiegen ist. Paare zogen auseinander, um eine
Anrechnung des Einkommens ihres Partners zu verhindern. Junge Erwachsene
packten zu Hause die Koffer und ließen sich vom Staat einen eigenen
Hausstand bezahlen. So gerät die ursprünglich als Beschreibung der
Wirklichkeit von heute gedachte Regel unter der Hand zur Prägeform
gesellschaftlicher Entwicklungen von morgen."
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KAMANN, Matthias (2006): Sparsamkeit statt Ideologie.
Staatsfinanzierte Abtreibungen,
in: Welt v. 13.07.
- Inhalt:
KAMANN wendet sich gegen die großzügige
Finanzierung von Abtreibungen. Faktisch macht ihn dies zum
Verbündeten derjenigen, denen er schlechte Gründe unterstellt:
"schlechte
Gründe (...) verbinden die Abtreibungen mit der Geburtenrate:
Man verweist darauf, daß einerseits seit 1996 insgesamt 250
Millionen Euro vom Staat für Abtreibungen ausgegeben wurden,
andererseits dem Land die Kinder fehlen, und hofft, daß die von
Sachsen und Thüringen (erfolglos) geforderte Verschärfung der
Bedürftigkeitsprüfung bei abtreibungswilligen Frauen dem
Kindermangel abhelfen könnte. Werden sich Frauen, wenn der Abort
nicht mehr bezahlt wird, nicht doch für das Kind entscheiden?
Dem
steht alle Erfahrung entgegen. (...).
Sie funktioniert
nicht, die Verbindung zwischen Abtreibungsfinanzierung und
Kinderwunsch. Wer sie zieht, ideologisiert die Kostenübernahme
genauso wie jene, die darin eine Absicherung weiblicher
Selbstbestimmung sehen: Gilt dem einen das Kürzen als Dienst am Wert
der Geburtensteigerung, so dem anderen die Großzügigkeit als Dienst
am Wert weiblicher Autonomie."
Wenn
KAMANN die Väterfeindlichkeit der bestehenden Finanzierungsregelung
beklagt, dann liegt er zudem im antifeministischen Trend.
Wenn
KAMANN also Sparsamkeit fordert, dann kann er sich sowohl des
Beifalls von Familienfundamentalisten als auch von
Antifeministen gewiss sein:
"Staatliches
Geld oder dessen Verweigerung ist weder ein Mittel der
finanzpsychologischen Geburtensteigerung, noch eines des
Lebensschutzes per finanzieller Schwangeren-Erpressung, noch eines
der feministischen Emanzipationsgynäkologie. Staatliches Geld ist
einfach nur sparsam auszugeben."
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WALTER, Franz (2006): Bürgerlicher Orientierungsverlust.
Zerrissene Union,
in: Welt v. 13.07.
- Inhalt:
Der Göttinger Politikwissenschaftler Franz
WALTER beschreibt den Niedergang der alten Mitte und seiner Partei.
Sein Fazit:
"Das
altbürgerliche Lager aus der langen Ära von Adenauer bis Kohl bricht
auseinander. Eine Restauration des Alten werden wir nicht erleben.
Neue bürgerliche Allianzen sind nicht ausgeschlossen. Für die CDU
wäre dies ein neuer Abschnitt in der Parteigeschichte - und das Ende
offen."
Anmerkung:
Im Buch "Die
Single-Lüge. Eine Kritik der Argumentationsmuster im Zeitalter der
Demografiepolitik" werden die von WALTER angedeuteten neuen
bürgerlichen Allianzen in ihren Konsequenzen für Singles und
Familien beleuchtet.
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SIRLESCHTOV, Antje (2006): "Die Rente ist jetzt wirklich sicher".
Überraschende Experten-Befunde über Generationengerechtigkeit -
junge Politiker fordern Nachhaltigkeit,
in: Tagesspiegel v. 13.07.
- Inhalt:
Bernd RAFFELHÜSCHEN, der bis vor
kurzem noch den demografisch bedingten Renten-Gau beschwor, macht
sich plötzlich die BLÜM-Formel zu eigen:
"»Die
Rente ist jetzt wirklich sicher«. Insbesondere Letzteres überrascht.
Ist doch gerade das deutsche Rentenversicherungssystem im
öffentlichen Bewusstsein das am wenigsten zukunftsfeste System mit
den größten Generationen-Ungerechtigkeiten. Raffelhüschens Antwort
lautet dagegen: Die Nachhaltigkeitslücke des Rentensystems
(Basiszahlen 2004) ist allein durch die Entscheidung der Regierung
in diesem Frühjahr, das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre zu
erhöhen, von 3,5 Billionen auf 800 Milliarden Euro gesunken. Was
bedeutet, dass den Deutschen jetzt rund 800 Milliarden Euro fehlen,
um jedem Bürger des Landes, egal wie alt, bis zu seinem Tod das
Leistungsniveau zu garantieren, das heute gezahlt wird.
Raffelhüschen nennt den Betrag »vernachlässigbar klein«."
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DERNBACH, Andrea (2006): "Integration verändert auch die
Mehrheitsgesellschaft".
Migrationshistoriker Klaus J.
Bade über neue Chancen und einen Startschuss, der 25 Jahre zu spät
fällt,
in: Tagesspiegel v. 13.07.
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FACTS-Titelgeschichte:
Frau mit 40.
Eine Power-Generation entstaubt die
Schweiz |
- ALTHAUS, Nicole (2006): 40 - Das
Zeitalter der Siegerinnen.
Sie sind unberechenbar, aber verlässlich, eigensinnig, doch
erfolgreich. Die heute 40-jährigen Frauen haben als erste alle
Möglichkeiten - und nutzen sie. Ihre Generation entstaubt das Land,
in: Facts v. 13.07.
- Inhalt:
ALTHAUS berichtet über die größte Schweizer
Altersgruppe der 40jährigen Frauen (38-43Jahre).
"Das wohl
verblüffendste Merkmal der weiblichen Generation 40 aber ist: Sie
ist derzeit die einzige Altersgruppe, in der die Geburtenrate
steigt", findet ALTHAUS.
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FÜLLER, Christian (2006): "Der Staat bekommt Gesellschaft".
Im Zuge der Globalisierung verschwindet der Nationalstaat, sagen
viele. Doch das stimmt nicht. Der Staat delegiert Aufgaben und
erledigt manches anders als bisher. Das ist ein Wandel - kein Ende, so
Stephan Leibfried,
in: TAZ v. 12.07.
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- HARTWIG, Ina (2006): Clash der Milieus.
Kathrin Passig war schon da,
in: Frankfurter Rundschau v. 12.07.
- Inhalt:
Ina HARTWIG möchte dem Literaturbetrieb
weitere Peinlichkeiten ersparen:
"Kathrin
Passig hätte man (...) längst kennen können, man hätte nur die
taz-Wahrheit-Seite regelmäßig zu lesen brauchen (...). Passig
ist nicht identisch mit der taz, aber die taz ist das
Milieu, in dem man sie und die
ZIA versteht,
vielleicht sollte man von fließenden Übergängen sprechen. Die
Verblüffung in Klagenfurt war offenkundig so groß, weil dieses
Wahlberliner Milieu dort weitgehend unbekannt ist. Es wäre
sicherlich wünschenswert, wenn die Jury hier mal nacharbeitete, dann
blieben dem Wettbewerb einige Peinlichkeiten erspart."
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STABENOW, Michael (2006): Europa braucht mehr Kinder,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 12.07.
- Inhalt:
STABENOW berichtet über die Werbekampagne der
Reproduktionsmediziner Paul DEVROEY und Bart FAUSER, die sich für
ein
"Europäisches Gremium für Fortpflanzungsfragen
(European Fertility Body)" einsetzen.
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SCHMITT, Michael (2006): Scheitern an der Freiheit.
Ein Roman und Erzählungen des Amerikaners Richard Yates,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 11.07.
- Inhalt:
"Kann
man (...) über Richard Yates (...) nicht anders als über einen zu
Unrecht Vergessenen schreiben? fragt SCHMITT und gibt sich selbst
die Antwort: "Doch, denn ein bisschen hat sich die Situation (...)
geändert. In den USA wird 2001 eine
Sammlung aller seiner Kurzgeschichten aufgelegt, und für
deutschsprachige Leser erscheint 2002 Hans Wolfs neue Übertragung
von
Yates' erstem Roman, «Zeiten des Aufruhrs» («Revolutionary Road»,
1961) – beides Bücher, die einen tiefen und genauen Einblick in
jene Jahre und Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
geben, in denen sich die moderne Lebensform der amerikanischen
Mittelschichten ausprägt, die dann in vieler Weise stilbildend über
den Ozean hinweg gewirkt hat. Also die
Lebensweise, die der Soziologe David Riesman mit dem Begriff der
«einsamen Masse» charakterisiert hat, und die Art von
Liberalität, die Alfred Kinsey in seinen Studien zum Sexualverhalten
der Amerikaner begutachtete."
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-
TAZ-Serie: Bedingungen und
Möglichkeiten der Kritk
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
05. - 10.
Juli 2006
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