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Medienrundschau:
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News vom
24. -
30. Juni
2004
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Zitat
des Monats:
"Die
Instabilität heutiger Beziehungen ist nicht, wie manche
Moralisten oder auch Psychotherapeuten klagen, eine Folge von
Bindungslosigkeit oder Beziehungsunfähigkeit; sie ist vielmehr
die Konsequenz des hohen Stellenwertes, der Beziehungen für das
persönliche Glück beigemessen wird, und der hohen Ansprüche an
ihre Qualität."
(aus:
Gunter Schmidt & Johannes von Stritzky
"Beziehungsbiographien im sozialen Wandel. Ein Vergleich dreier
Generationen. In: Familiendynamik, H.2, April, 2004, S.99) |
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DATH, Dietmar (2004): Revolutionsstau.
Ruhe im Inland: Die intellektuelle Linke kritisiert nach draußen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.
- Kommentar:
Dietmar DATH attestiert der intellektuellen Linken die
Nicht-Thematisierung der sozialen Frage in Deutschland.
Die sogenannte Neue
Linke hatte sich in den 70er Jahren von der Arbeiterbewegung
verabschiedet.
Das erfolgreichste Enttäuschungsprodukt dieser Neuen Linke
war die Individualisierungs-Linke der 68er um den Popsoziologen
Ulrich BECK.
Dietmar DATH
geht es jedoch primär um die hedonistische Poplinke - sozusagen das
Konkurrenzprojekt der Single-Generation -, das sich erst gar nicht
vom Proletariat verabschieden musste, sondern sich nur von den
großen Brüdern abgrenzte.
DATH zitiert deshalb
den Popintellektuellen Diedrich DIEDERICHSEN damit, daß
"seit '45 kein radikaler Linker in der BRD auch nur einen einzigen
Arbeiter oder andere Soll-Subjekte der Geschichte auch nur zu einem
Schluck Bier mobilisiert hat."
Das
Engagement für den deutschen Arbeiter war für den hedonistischen
Poplinken im Gegensatz zum Engagement für den Nicht-Deutschen unsexy.
Aufgegangen
in der wabernden
Multitude jedoch, könnte nun der
deutsche Arbeiter seine Renaissance als Subjekt der Poplinken
erleben, denn
hier kommt die Kaltfront.
DATH jedenfalls hat
schon einmal "ein ganzes Meer der Unruhe, in den man als
Gesellschaftskritiker schwimmen könnte wie der sprichwörtliche Fisch
im Wasser, ausgemacht.
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HERZINGER, Richard (2004): Die Angst vor dem K-Wort.
Deutsche Geistesnot: Ist ökonomisches Denken unanständig?
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 30.06.
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JW-Thema:
Sehr prekär, mein Herr!
Migration und neue Arbeitsformen
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- BUDE, Heinz (2004): Falsches
Reformgerede.
Worin Köhler und Westerwelle sich irren,
in: Süddeutsche Zeitung v. 29.06.
- Kommentar:
Der Soziologe
Heinz BUDE versucht sein
Projekt der Generation Berlin,
das einen irreparablen Bruch zwischen der Bonner und der Berliner
Republik herbeisehnt, gegen die restaurativen Reformversionen von
Guido WESTERWELLE und Horst KÖHLER zu behaupten.
BUDE wirft KÖHLER
einen Globalisierungsimperativ vor, der die schöne neue Welt der
Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft beschwört, aber einzig dem
Niedriglohnsektor das Wort redet.
BUDE setzt dem
misanthropen, neoliberalen Untergangsdiskurs das
Vorbild Deutschland (Detlef GÜRTLER) entgegen. Er betont die
Stärken des industriellen Kerns (Werkzeugmaschinenbau und
Automobilindustrie) und fordert eine "Ermöglichung einer starken
Dienstleistungsökonomie jenseits von Backshops und Mediamärkten".
Der
demografische Wandel und der High-Tech-Kapitalismus soll das
gegenwärtige Arbeitsmarktproblem der hochqualifizierten
Überflüssigen lösen:
"Nur da sind die
Arbeitsplätze zu schaffen für jene, die, nachdem die Arbeitsmärkte
aufgrund des Bevölkerungsschwunds leergefegt sein werden, keine
Position in den Wachstumsbereichen unserer Wirtschaft finden
können."
Man muss hier wohl
von einer Agenda 2050 sprechen, denn die Hoffnung auf eine
Entlastung der Arbeitsmärkte ist seit den 70er Jahren der
beständigste Mythos unserer Arbeitsgesellschaft.
Der Bevölkerungsschwund wird sich jedoch als Schimäre erweisen.
Ein neuer
Generationenkompromiss, der auf eine Verlängerung der
Lebensarbeitszeit hinausläuft, soll die zukünftige Hochproduktivität
gewährleisten,
denn die nächste Revolution soll wieder einmal
in den Betrieben stattfinden,
"wo es zwischen
Alten und Jungen zu einer Neubestimmung des Verhältnisses zwischen
gewachsener Berufserfahrung und neuem Verwendungswissen kommt."
Die
Abrechnung mit WESTERWELLE ist eigentlich eine Abrechnung mit dem
Aufbauimperativ der Bonner Republik, dem gemäß BUDE in der Berliner
Republik die motivationale Grundlage abhanden gekommen ist. Dazu
bemüht BUDE sein
Generationenmodell.
Er unterscheidet
zwischen den Desillusionierten der 50er Jahre mit ihrer
postheroischen Flakhelfer-Lebensweise und den düpierten
Muttersöhnchen der 90er Jahre, die in
Zeiten der New Economy, den Mund ein wenig zu voll genommen
haben und nun in der "Ideologie- und Utopielosigkeit" zu versinken
drohen.
BUDE erkennt einen
Orientierungsbedarf, den die Reformideen von KÖHLER und WESTERWELLE
nicht decken können. Die Folge ist politische und soziale Apathie.
Ob BUDE mit seinen
utopischen Vorschlägen einer Gesellschaft der Lebensunternehmer
jedoch das Erfolgserlebnis verschaffen kann, das sich die neuen
Desillusionierten ersehen, das bleibt fraglich.
Eines ist jedoch
sicher: Eine enttäuschte
Generation Golf im Wartestand
wartet mittlerweile sehnsüchtig auf den Führer...
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TWICKEL, Christoph (2004): Prekär, aber im Austausch.
Der Kampf gegen Lohndumping
sowie für Arbeitsrechte und die Gewährung von Rechten für MigrantInnen
mit prekärem Aufenthaltsstatus haben miteinander zu schaffen: In
Dortmund versuchte der Kongress "Die Kosten rebellieren" zu klären,
was Ich-AGs und Putzhilfen gemeinsam haben,
in: TAZ v. 29.06.
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- PLATH, Jörg (2004): Nur keine Angst!
Was kommt nach dem „Methusalem“-Komplott?
Schöne Aussichten für die Alten, sagen Experten,
in: Tagesspiegel v. 29.06.
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- BURCHARD, Amory (2004): "Die Jungen
werden die Alten beschützen".
Einen Krieg der Generationen wird es nicht geben, sagt der Berliner
Alternsforscher Paul B. Baltes,
in: Tagesspiegel v. 28.06.
- Inhalt:
Der Entwicklungspsychologe
Paul B. BALTES erklärt den
Unterschied zwischen Sozial- und Generationenkonflikten und fordert
eine Politik, die sich den Herausforderungen einer
Gesellschaft der Langlebigen
stellt:
"Langzeitprognosen sind der Sündenfall
der meisten Wissenschaftler, aber diese Sünde bin ich in diesem Fall
bereit zu begehen. Nein, der echte Generationskrieg, wie er
gelegentlich an die Wand gemalt wird, wird aus meiner Sicht nie
stattfinden. Die Generationsdynamik ist völlig anders gestrickt als
andere Sozialkonflikte. Der Generationenkonflikt ist weniger ein
Gegeneinander denn ein Miteinander, ganz anders als die üblichen
Sozialkonflikte, also etwa der zwischen Reich und Arm oder Schwarz
und Weiß. Wir können nicht gleichzeitig schwarz und weiß sein, aber
wir können in unserem Kopf gleichzeitig jung und alt sein. Die
Jugend blickt auf das Alter und nach einigem Nachdenken erkennt sie,
dass es dabei auch um ihre Zukunft geht; zudem stehen die eigenen
Eltern für die Alten. Daher werden die Jüngeren im Ernstfall das
Alter beschützen. Spiegelbildlich trifft dies vielleicht noch mehr
auf die Alten zu. Was uns fehlt, ist die politische Führungskraft,
die richtigen Entscheidungen zu treffen und die Begründungen vor dem
Hintergrund des modernen Lebensverlaufs überzeugend darzulegen."
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BARTELS, Gerrit (2004): Zeitlos groß in Klagenfurt.
Bei aller gebotenen
literarischen Qualität: Auf den 28. Tagen der deutschsprachigen
Literatur zu Ehren Ingeborg Bachmanns in Klagenfurt wurde offenbar,
dass sich die deutsche Gegenwartsliteratur erstaunlich wenig für die
Gegenwart interessiert,
in: TAZ v. 28.06.
- JANDL, Paul (2004): Trambahn nach
Dresden.
Der Ingeborg-Bachmann-Preis 2004,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
"Eine
transzendentale Obdachlosigkeit, die unterm nächtlichen Firmament
nicht minder erbarmungslos ist als in tristen Hinterhofwohnungen,
führte der in Berlin lebende Wolfgang Herrndorf vor. Das präzise
Kammerspiel von der Hoffnungslosigkeit des Lebens wurde von der
Jury eindeutig unterschätzt, bekam aber den diesjährigen
Publikumspreis",
merkt JANDL an.
- KÄMMERLINGS, Richard (2004): Was
zählt, ist auf dem Blatt.
Unter Wert verkauft: Der 28. Klagenfurter Bachmann-Preis,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
Richard KÄMMERLINGS vermisste zwar eine
Grundsatzdebatte über das, was Literatur heute sein sollte,
kritisierte also vorwiegend die Jury, war aber ansonsten ganz
zufrieden.
"Die Jury ließ sich
begeistern. Etwa gleich am ersten Morgen, bei der short story
von Wolfgang Herrndorf, die kühl von einer höchst
unwahrscheinlichen Annäherung eines bindungsunfähigen, depressiven
Mannes und eines pubertierenden Jungen erzählte, in dessen Träumen
vom Kosmonautenleben der Ältere die eigenen, im täglichen
Daseinskampf längst versickerten Sehnsüchte erkennt. Mit kunstvoll
verknappten Dialogen wurde hier eine Romantik im Endstadium
heraufbeschworen, Caspar David Friedrichs Mond als trübes
Restleuchten im trostlos-schwarzen Hinterhof der Gegenwart",
beschreibt KÄMMERLINGS ausführlich die Story von HERRNDORF.
-
KREKELER, Elmar (2004): das Ritual mit Leben gefüllt.
Ingeborg-Bachmann-Preis: In
Klagenfurt trafen in diesem Jahr gute Texte auf Kritiker in Hochform,
in: Welt v. 28.06.
- MANGOLD, Ijoma (2004): Kuss auf die
Wange.
Alles anders: Der 28. Literaturwettbewerb in Klagenfurt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
Ijoma MANGOLD lobt die Vielfalt und Abwechslung an
Genres und Formaten beim Wettbewerb.
- MELLER, Marius (2004): In
Schokoladengewittern.
Kritik ist die schönste
Drecksarbeit der Welt – beim Wettbewerb um den Bachmann-Preis in
Klagenfurt fand sie würdige Gegner,
in: Tagesspiegel v. 28.06.
- Inhalt:
Marius MELLER hält die Kurzgeschichte von
HERRNDORF für unterbewertet:
"Herrndorf
bekam (...) nur den Publikums-Preis, der per E-mail ermittelt
wird. Nur ein Trostpflästerchen – denn sein Text »Diesseits des
Van-Allen-Gürtels« hätte unter Normalbedingungen mindestens einen
bis anderthalb Bachmannpreise verdient. In einer leisen,
unprätentiösen, lakonischen, intensiven Sprache schildert er den
Spätnachmittag eines Melancholikers um die Dreißig auf dem Balkon
der leer geräumten Nachbarswohnung. Ein pubertierender Rüpel aus
dem Viertel gesellt sich dazu. Es wird getrunken und geraucht. Man
beobachtet den Mond. Der Dreißigjährige dekonstruiert grausam das
Weltbild des Jungen. Aber er bringt ihn zum Weiterdenken, so wie
Samuel Becketts Moran seinen Sohn, den er aus Erkenntnisgründen
lehrt, an die Höllenqualen zu glauben. Auf ihre Weise erleben
beide Figuren einen Moment transzendenter Erhabenheit. Und das
Ganze funktioniert, ohne im Geringsten kitschig zu wirken.
Herrndorf, Jahrgang 1965, war die eigentliche Entdeckung des
Wettbewerbs. Sein Schreiben erweckt den Eindruck, es sei ganz
dicht an der Gegenwart, was immer das heißen mag, und trotzdem
angeschlossen an die Literaturgeschichte: an Kafka, Beckett,
Carver und die deutsche Popliteratur."
- SCHRÖDER, Christoph (2004): Aus der
germanistischen Wundertüte.
Uwe Tellkamp gewinnt bei den 28. Tagen der deutschsprachigen
Literatur in Klagenfurt,
in: Frankfurter Rundschau v. 28.06.
- Inhalt:
"Mit
Wolfgang Herrndorf (...) gewann ein Autor den via Internet
vergebenen Publikumspreis, der gleich am ersten Tag mit einer sich
banal anlassenden Geschichte, die bekannte
Berliner-Hinterhof-Altbau-Schlunzigkeit inszenierend, um sich dann
urplötzlich zu transzendieren und in eine Reflexion über das
Universum zu münden, ein starkes Zeichen setzte und dann in den
Mühlen der Preisvergabe leer auszugehen drohte",
merkt SCHRÖDER an.
- VOGEL, Sabine (2004): Kinderwahn mit
Methusalem-Kompott.
Der Bachmann-Preis und sein
Ritual bei den 28. Tagen der deutschsprachigen Literatur in
Klagenfurt,
in: Berliner Zeitung v. 28.06.
- Inhalt:
"Der
gegenwärtige deutschsprachige Hang zur infantilisierten
Mama-Papa-Literatur" wird nach Meinung von VOGEL mit Geronto-Prosa
(MELLER) zum
»Methusalem-Komp(l)ott« angereichert.
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- LOTTMANN, Joachim (2004): Ohren zu und
durch!
Das Wettlesen beim Bachmann-Preis in Klagenfurt, vom Fernseher aus
gesehen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.06.
- Inhalt:
LOTTMANN charakterisiert zuerst einmal -
Deutsche Einheit-mäßig - den
typischen Wettbewerbs-Literaten, dessen hervorstechendsten Merkmale
sein Dresscode und seine Meinungslosigkeit sind. Davon hebt er dann
die Ausnahmen ab:
"Zwischen ihnen und
den neuen ernsten Gutaussehkandidaten sitzt aber immer die eine
Ausnahme, die sich Klagenfurt jedes Jahr leistet, den einen
Inhaltisten, den einen Pop-Autor, den einen, der etwas erlebt hat
(...), dieses Jahr Wolfgang Herrndorf.
Ein bisschen
Rebellion muss dann auch noch sein:
"Lichtblick: In den
kleinen Filmchen, in denen jeder Autor vor seinem Lese-Akt
gedankenschwer schweigend vorgestellt wird (...) fehlte eines:
Wolfgang Herrndorf hatte sich geweigert, sich dergestalt dämlich
aufnehmen zu lassen. Eine Sende-Leerminute entstand, peinlich irre
und aufregend. Es war die einzige Minute im Fernsehen, die mir
wirklich literarisch vorkam."
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STUCKRAD-BARRE, Benjamin von (2004):
Durst war ja auch nur ein Synonym für Leben.
Er ist wieder da. "Rohstoff". Der Roman des Lebens war lange Jahre
vergriffen. Einer der besten deutschen Romane überhaupt. Von Jörg
Fauser vor zwanzig Jahren geschrieben. Dem Dichter der Wirklichkeit.
Des Drogenrauschs. Schreibrauschs. Lebensrauschs. Der vor siebzehn
Jahren auf die Autobahn lief und starb. Warum gab es dieses Buch so
lange nicht? Unfaßbar. Egal. Jetzt gibt es "Rohstoff" wieder. Endlich,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 27.06.
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LACHMANN, Günther (2004): Plötzlich steht Hartz wieder auf der Agenda.
Gewerkschafter und Politiker
fordern Änderungen bei der Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und
Sozialhilfe. Was heißt die Reform für die Menschen? Fünf Betroffene
berichten,
in: Welt am Sonntag v. 27.06.
- Kommentar:
LACHMANN stellt fünf arbeitslose Männer vor,
die durch die Hartz-Reformen unterschiedlich betroffen werden:
der Single
(49jähriger Ingenieur, der von einer 100-Qudratmeter-Wohnung in
München in eine kleine Vorort-Wohnung umziehen musste), der Ehemann
(41jähriger Sozialpädagoge, der fürchtet, dass seine Ehefrau zu viel
verdient), der Sparsame (35jähriger Bauingenieur und allein
erziehender Vater, der Angst davor hat, dass seine Altersvorsorge
verloren geht), der Vielseitige (52jähriger Pädagoge eines
Jugendausbildungswerkes und geschiedener Vater, der sich ebenfalls
um seine Altersvorsorge sorgt), der Ex-Geschäftsführer (43Jähriger,
der um seine private Altersvorsorge fürchtet und sich sorgt, dass
seine Frau zu viel verdient).
Repräsentativ sind
diese Fälle nicht, aber sie stehen beispielhaft für eine Zielgruppe
der WAMS: Besserverdienende der Neuen Mitte mit Angst vor dem
Absturz.
Was fehlt: die
Normalfälle des Alleinlebens im mittleren
Lebensalter, also die
Karrierefrau der Generation Ally
und der, gering verdienende männliche Partnerlose, sowie
Niedriglöhner und sonstige Modernisierungsverlierer...
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- WEIKMANN, Dorian (2004): Bahn frei für
den Sprößling.
Sybille Buske schildert den Gestaltwandel des unehelichen Kindes,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 26.06.
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ADAM, Konrad (2004): Märchenhafte Angebote.
Zehn Gebote, um den Sozial- und Steuerstaat am besten auszunehmen,
in: Welt v. 26.06.
- Kommentar:
Konrad ADAM prangert wieder einmal das
Sozialschmarotzertum der Singles an.
Ganz abgesehen
davon, dass ADAM die Mehrheit der Ehe- und Familienbefürworter zur
Minderheit stilisiert, greift seine Sozialstaatskritik viel zu kurz.
Bereits 1999 hat
Lutz LEISERING ("Der Sozialstaat in der »zweiten Moderne«.
Ambivalenzen und Zukunftsperspektiven des neuzeitlichen
Individualisierungsprozesses") eine solch selbstgefällige
Sozialstaatskritik, die am Missbrauch ansetzt, zurechtgerückt.
Nach
LEISERING sind BürgerInnen in 3 Rollen vom Sozialstaat betroffen:
als Klienten, als Anbieter sowie als Finanziers. Die typische
Sozialstaatskritik - wie sie auch ADAM betreibt - rückt die Klienten
und die Finanziers in den Mittelpunkt, während sie
Abgabenvermeidungsstrategien der Arbeitgeber (z.B. durch einen
subsidiären Sozialstaat) und die
Anbieter sozialstaatlicher Leistungen ausklammert:
"Anbieter - also
Staatsbeamte, korporierte Akteure, wie Ärzte und assoziierte Akteure
aus Zulieferindustrieen, wie Pharma, medizinische Hilfsmittel und
Sanatorien - bilden im entwickelten Sozialstaat Verteilungseliten,
die Herrschaftsbefugnisse und Ressourcen appropriieren. Als Experten
mit privilegiertem Wissen stehen sie an der Schnittstelle von
Wohlfahrtsstaat und Moderne und sind Gegenstand von
Foucaults Modernitätskritik."
LEISERING verweist
darauf, dass "Beschränkung und Pervertierung von Individualismus"
sich nicht nur im Zusammenhang mit dem Sozialstaat findet, sondern
gleichmaßen am Markt.
Hier ist vor allem
das von
Meinhard MIEGEL und den neoliberalen Eliten
bevorzugte Modell der Wohlfahrtsindustrie zu nennen:
"Bürokratische Strukturen
am Markt sind im Bereich des Sozialen insbesondere die privaten
Wohlfahrtsindustrien wie Versicherungs- und Anlagekonzerne und
private Großanbieter sozialer Dienstleistungen, die besonders in
residualen Wohlfahrtsstaaten wie den USA eine große
Wirtschaftsbranche. Die Foucault'sche Kritik moderner Institutionen
- privilegiertes Fachwissen, Expertentum, bürokratische Apparate und
undurchschaubare Zusammenhänge - trifft sie in grundsätzlich
gleicher Weise wie öffentlich verfasste Anbieter, ja eher mehr, da
sie zunehmend im globalen Maßstab operieren, während
sozialstaatliche Systeme an den Rahmend es Nationalstaats gebunden
bleiben." (S.81).
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- DIEDERICHSEN, Diedrich (2004):
Irgendwann hieß alles House.
Zuerst schließen die Clubs,
dann fällt die Love Parade aus. Die Techno-Kultur sei am Ende, heißt
es. Doch stimmt das? Eine Analyse,
in: Tagesspiegel v. 26.06.
- Inhalt:
Totgesagte leben länger, meint
Diedrich DIEDERICHSEN:
"1982
arbeitete ich bei einer Zeitschrift, die gerade den »Ausverkauf« der
Punkbewegung debattierte. Wir konnten damals einen alten Text
nachdrucken, der 1970 die Kommerzialisierung des Progressive Pop
geißelte. Wir mussten nur ein paar Namen ändern und hatten einen
aktuellen Debattenbeitrag. Heutzutage begehen historische
»Bewegungen« wie die Mods ihren 40. Geburtstag. Die Feiern werden
von Mittzwanzigern bestritten. Und die dunkel umhangenen Anhänger
der Gothic-Kultur, schon seit den mittleren 80er Jahren als ganz
arme Sinnsucherteufel belächelt, treffen sich weiterhin in Leipzig –
auch hier sind die Anwesenden oft jünger als die Subkultur, der sie
angehören. Und da soll Techno tot sein? Doch bevor man leichtfertig
diesen Totenschein unterschreibt, sollte man den moribunden
Patienten vielleicht einmal gründlich untersuchen."
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- SCHULZE, Ingo (2004): Die blasphemische
Kraft des Alphabets.
Von Anton bis Zylinder - Über Bankräuber in der DDR, unser
Kinderlexikon und das Zeitalter des Rechnens,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.06.
- Inhalt:
Der Schriftsteller Ingo SCHULZE sieht im
Playboy die gesellschaftliche Leitfigur unserer
Konsumentendemokratie:
"Der Bürger verschwindet
im Konsumenten (...). Wenn ein guter Bürger jener ist, der viel
konsumiert, dann ist der besere Bürger derjenige, der möglichst viel
von seinem Verdienst möglichst schnell wieder ausgibt, und der Beste
ist schließlich jener, der ein Maximum an Geld in einem Minimum an
Zeit durchbringt, was nichts anderes bedeutet, als daß der Playboy
zur gesellschaftlichen Leitfigur wird. Über den Playboy zu reden
bedeutet heute, wie wir es am besten hinkriegen, möglichst viele
Playboys zu schaffen."
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- RÜBESAMEN, Kristin (2004): Plum Sykes.
Über Codes,
in: Süddeutsche Zeitung v. 26.06.
- Inhalt:
RÜBESAMEN interviewt die Modejournalistin Plum
SYKES, die seit 1997 die High Society für die amerikanische
Zeitschrift Vogue unter die Lupe nimmt.
Nun hat SYKES das Buch
"Bergdorf Blondes" (Frauen, die im Kaufhaus »Bergdorf Goodman«
einkaufen - oder es geerbt haben) veröffentlicht, in dem es u.a. um
PAPs (Park Avenue Prinzessinnen), PJs (Private Jets) und ATMs
(Männer, die den PAPs als Geldautomaten dienen) geht:
"Wie oft findet man
eine übergewichtige, allein erziehende Mutter aus Queens unter
ihnen?
Eine Bergdorf Blondine freundet sich mit jedem an, den sie trifft.
Weil sie findet, dass jeder fabelhaft ist. Das gilt natürlich auch
für eine Alleinerziehende.
Leider werden sich die Wege mit der Mutter aus Queens nie
kreuzen.
Da haben Sie Recht."
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- HANDEL, Stephan (2004): Letzte
Vorgänge.
Eine Frau stirbt, und niemand ist da, der sie beerdigt - immer
öfter müssen die Behörden handeln, wenn der Tag des Todes kommt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.06.
- Inhalt:
"Am Ende ihres Lebens war eine Fremde bei Elisabeth
B., sonst niemand - der Mann schon lange tot, keine Kinder, keine
Verwandten",
schildert HANDEL das Schicksal einer Alleinstehenden am Ende ihrer
Tage, um anschließend auf die Lage in München und in anderen
deutschen Städten einzugehen:
"Etwa 800 Fälle kommen pro
Jahr herein, in gut 400 davon sind die Ahnen-Fahnder erfolgreich und
finden Nachgeborene. In Hamburg dagegen gab es vor sechs Jahren 380
»Bestattungen von Amts wegen«. Im vergangenen Jahr waren es mehr als
zweimal so viele. In Köln und Berlin haben sich die Zahlen ebenfalls
verdoppelt".
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BRONIOWSKI, Stefan (2004): Damit es nützt.
Zum 20. Todestag von Michel Foucault,
in: Junge Welt v. 25.06.
-
BRIELER, Ulrich (2004): Der Riss in der Rezeption.
Was soll er sein? Ein
liberales Foucaultchen für die Lebenskunst - oder der Funke, an dem
sich Kritik der Gegenwart entzündet? 20 Jahre nach seinem Tod toben
symbolische Kämpfe um Michel Foucault,
in: TAZ v. 25.06.
- Inhalt:
"Überall,
wo man nach der linken Depression der frühen 90er-Jahre den Faden
einer materialistischen Kritik der Gegenwart wieder aufgreift, wird
Foucault als theoretischer Anspielpartner in Szene gesetzt. So
unterschiedliche Autoren wie Michael Hardt und Antonio Negri, Giorgio Agamben und Zygmunt
Bauman, John Holloway und Robert Castel profitieren von Foucaults Denkarbeit. Vielleicht
wird man eines Tages dem berühmten Schlusskapitel des ersten Bandes
der »Geschichte der Sexualität« eine ähnliche Bedeutung für das
Verständnis unserer Gegenwart zuerkennen wie Marx Überlegungen zur
ursprünglichen Akkumulation oder Webers Skizzen der protestantischen
Ethik für ihre Zeit. Heute steht die globale Verfügung über das
lebendige Arbeitsvermögen der Gattung auf der Agenda und Foucault war
ihr theoretischer Prophet",
schreibt BRIELER über die Bedeutung des Franzosen Michel FOUCAULT.
BRIELER erinnert
u.a. an die
erste große Foucault-Konferenz in Deutschland im September 2001, wo
verhandelt wurde, ob FOUCAULT weiterhin bloß die Rolle eines zwar
wichtigen, aber eben doch zu unsystematischen und marginalen
Stichwortgebers spielen sollte:
"Aber exakt diese Zuschreibung bildete
den Konfliktstoff der Konferenz. So wenn
Nancy Fraser, Politikprofessorin aus New York, Foucault im Spiegel
der Globalisierung als einen überholten Theoretiker des Fordismus
enttarnte, während ihn Thomas Lemke als hellsichtigen Prognostiker der neoliberalen
Menschenführung interpretierte. Oder wenn Judith Butler
überraschenderweise Foucault als Theoretiker der Anerkennung pries,
während Ulrich Bröckling die panoptische Disziplinierung durch moderne
Managementtheorien zur Diskussion stellte. Zwei Richtungen trafen
aufeinander: Ist der Meister ein Mann von gestern oder von heute und
übermorgen? Erneuert Foucaults Denken eine Kritik an unserer Gegenwart
oder steht es für ein Sich-Einrichten in den Verhältnissen?"
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- ENKE, Julia (2004): Mann hinterm Müll.
Benjamin von Stuckrad-Barres sehr unterhaltsamer "Festwertspeicher
der Kontrollgesellschaft - Remix 2",
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.06.
- Kommentar:
"Literat und Phänomen sind hier eins", so beschwört
ENKE rockistisch das Lebensunternehmen namens
STUCKRAD-BARRE.
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- GROß, Thomas (2004): "Der Mensch ist
zum Feiern geschaffen".
Peter Sloterdijk über sein „Sphären“-Projekt,
das Fernsehen und den unterschätzten Wohlstand,
in: Rheinischer Merkur Nr.26 v. 24.06.
- Kommentar:
Verächter des Sozialstaats sprechen gerne
abwertend vom Wohlfahrtsstaat.
Peter SLOTERDIJK geht
noch einen Schritt weiter und spricht vom Kampf um den "Zugang zu
den Verwöhnungsmitteln des Staates".
Linke und
konservative Sozialstaatskritiker haben dem Wohlfahrtsstaat die
subsidiäre Wohlfahrtsgesellschaft
entgegengesetzt.
SLOTERDIJK
plädiert nun für die "Verwöhngesellschaft", in der
Wohlstandsberichte die Armutsberichte (als abschreckendes Beispiel
könnte man DIERINGs Bericht
in der heutigen Welt
lesen, der SLOTERDIJKs Kritik zu bestätigen scheint) abgelöst haben:
"Es
gibt einen Armutsbericht, der zeigt, dass das miserabilistische
Weltbild falsch ist. Es gibt aber keinen Wohlstandsbericht. Der
müsste geschrieben werden, und er würde zeigen, warum jenes Weltbild
falsch ist. Der Streit über den Zugang zu den Verwöhnungsmitteln des
Staates wird zu Recht geführt, nur nicht in der richtigen
Terminologie. Und zwar deshalb, weil sich fast alle irgendwie arm
stellen, um mehr zu bekommen. Der Mangel an Großzügigkeit ist
vielleicht das ausgeprägteste Merkmal unserer Moraldiskurse. Wir
müssen fragen: Woher kommt das Armeleutegefühl bei den Wohlhabenden?
Die Verarmungsangst der Wohlhabenden ist vielleicht so groß, weil
sie meinen, dass sie ins Nichts stürzten, wenn sie weniger hätten:
Verwöhnte können sich meist nicht vorstellen, dorthin
zurückzukehren, wo sie angefangen haben. Das ist ihr quälendes
Problem, darum leugnen sie ihren Wohlstand. In der vielfältigen
Verwöhnungsdynamik des Westens kann man sich nur die Bewegung nach
oben vorstellen. Schon das Verbleiben auf dem aktuellen Niveau wird
als Absturz begriffen."
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 16. - 23. Juni 2004
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