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News vom 20. - 26. Juni

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Der langfristige Wandel partnerschaftlicher Lebensformen im Spiegel des Mikrozensus

"Entgegen weit verbreiteten Auffassungen kann ein genereller Trend zur Abkehr von festen, verbindlichen partnerschaftlichen Beziehungen nicht festgestellt werden. Ein Vergleich der Lebensverläufe verschiedener Kohorten zeigt aber, dass partnerschaftliche Bindungen zunehmend später und bis zum mittleren Erwachsenenalter auch seltener eingegangen werden. Im höheren Alter nimmt hingegen der Anteil derer, die in einer Ehe oder Lebensgemeinschaft leben, zu, was vor allem auf die Veränderung der Alters- und Geschlechterstruktur der älteren Bevölkerung zurückzuführen ist."
(Andrea Lengerer & Thomas Klein in der Zeitschrift "Wirtschaft und Statistik", April 2007, S.433)

 
       
       
   
  • LAUTERBACH, Karl (2007): Arme subventionieren Reiche.
    Der deutsche Staat bekämpft soziale Ungleichheit nicht - er verstärkt sie sogar noch. Das zeigte sich jetzt wieder bei der Pflegereform: Gutsituierte müssen weniger zahlen,
    in: TAZ v. 26.06.
    • Inhalt:
      Karl LAUTERBACH präsentiert seine Thesen vom Zweiklassenstaat, mit denen die SPD nach seiner Ansicht leicht Wahlen gewinnen könnte:

                   "Die Privilegierten werden das Phänomen des Zweiklassenstaats relativieren oder leugnen.
                   Daher kommt es darauf an, wie sich die SPD entscheidet. Die Sozialdemokraten müssen den Zweiklassenstaat zu ihrem Thema machen, weil sich mit keinem anderen Thema in Deutschland so leicht Wahlen gewinnen lassen. Was die Mitte wirklich will, ist Leistung statt Privilegien. Zudem würde die SPD auch viele linke Wähler überzeugen, weil sich dort die vom Zweiklassenstaat Frustrierten sammeln."
 
   
  • BÖRSCH-SUPAN, Axel (2007): Der Ruf nach Einheit.
    Der SPD-Politiker Karl Lauterbach diagnostiziert vorschnell den "Zweiklassenstaat",
    in: Berliner Zeitung v. 26.06.
    • Inhalt:
      "Viele der von Lauterbach angeprangerten Zustände sind in der Tat himmelschreiend. Lauterbach hat völlig recht, das deutsche Bildungssystem als im Kern marode zu bezeichnen, das es schafft, »oben und unten gleichzeitig zu versagen«. (...). Er hat auch recht, über unser Gesundheitssystem zu klagen, weil es das drittteuerste der Welt ist, aber nur mäßige Leistungen erwirtschaftet. Er hat recht, das absurde Abrechnungssystem, die Überheblichkeit der kassenärztlichen Vereinigungen, die schädliche Trennung von ambulanten und stationären Behandlungen und die Verinselung von Spezialisten anzuprangern und anschließend die verlogene Gesundheitsreform 2006 zu beweinen.

                   Wenn dieses Buch ein wenig dazu beiträgt, Deutschland aufzurütteln (...) - dann hat das Buch einen großen Dienst geleistet. (...).
                   Es ist gut, dass Lauterbach engagiert und mit vielen richtigen Fakten die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen anmahnt. Was aber ganz und gar nicht überzeugt, sind seine Sprünge in den Klassenkampf" meint BÖRSCH-SUPAN, Direktor des Mannheimer Forschungsinstituts Ökonomie und Demografischer Wandel, zum Buch Der Zweiklassenstaat von Karl LAUTERBACH.
 
   
  • WiWo-Serie: Wie wir aus der Demografie-Falle kommen

    • KÖHLER, Angela (2007): Großer Schatz.
      Teil 2: Japans Antwort auf die Volksvergreisung: Jeder soll künftig so lange arbeiten, wie er mag,
      in: Wirtschaftswoche Nr.26 v. 25.06.
      • Anmerkungen:
        Die hysterische Demografie-Debatte bringt solch unfreiwillig komische Sätze hervor wie jenen von KÖHLER:

                     "Japan löste bereits vor einem Jahr Italien als älteste Nation der Welt ab".
                     Gemeint ist damit, dass der Anteil der 65 Jährigen und älteren an der gesamten Bevölkerung in Japan inzwischen höher ist als in Italien.
                     Verantwortlich gemacht wird dafür zum einen die steigende Lebenserwartung (Japanerinnen halten den Weltrekord). Hier kann sinnvollerweise also nur von einer Gesellschaft der Langlebigen geredet werden.
                     Zum anderen der Geburtenrückgang, den Nationalkonservative mit der Wortschöpfung "Unterjüngung" versehen haben.
                     Der Soziologe Karl Otto HONDRICH hat sich in seinem Buch "Weniger sind mehr" mit den scheinbaren Gewissheiten der Demografiedebatte befasst, u.a. auch mit der allseits beklagten "Vergreisung":
                     "Über die durchschnittliche Lebensdauer von Individuen wissen wir inzwischen genau Bescheid; über die Lebensdauer von Gesellschaften wissen wir nichts. Ein Mensch in Deutschland wir heute normalerweise fast 80 Jahre alt; wie alt aber wird, »normalerweise«, die deutsche Gesellschaft? Dass sie eine Gesellschaft mit immer mehr Alten sein wird, heißt nicht, dass sie eine alte Gesellschaft wird. Die Individuen, die sie hervorbringt, sind ein relativ neuer Typus Mensch, den es in früheren Gesellschaften kaum gab.
                     Erst in einer Gesellschaft mit langer Lebensdauer für den Einzelnen kann sich das Individuum als moderner Typus Mensch entfalten. Aber auch als gesellschaftlicher Typus ist die Gesellschaft der Alten jung und neu. Das Alter ihrer Individuen übersetzt sie gleichsam in kollektive Jugendlichkeit. Denn moderne Gesellschaften sind insofern jugendlicher und innovativer als alte, als sich ihre innere Gliederung und äußere Ausdehnung stärker verändern. Im Innern bilden sich für jede Aufgabe oder jedes Problem soziale Subsysteme mit gesteigerter Problemlösungsfähigkeit heraus. Nach außen verschieben sie ihre Grenzen über nationale Rahmen hinaus und vergrößern so ebenfalls ihre Fähigkeit, Auswege für Probleme zu finden." (2007, S.14f.)  
 
     
   
  • MILLER, Tobias/SCHMIDL, Karin/STRAUSS, Stefan (2007): Neue Schulen braucht das Land.
    Bezirke haben die Zahl der Kinder falsch eingeschätzt und voreilig Bildungsstätten aufgegeben,
    in: Berliner Zeitung v. 25.06.
    • Inhalt:
      "Im alten Szenebezirk Kreuzberg stagnieren die Schülerzahlen, aber in Friedrichshain steigen sie durch Zuzüge stark an. »Zunehmend junge Familien kaufen Wohneigentum, bereits jetzt gibt es 300 Kleinkinder mehr als vor zwei Jahren«, sagt Schulstadträtin Monika Herrmann (Grüne). Betroffen sind die Gebiete Alter Schlachthof, die Halbinsel Stralau und der Rudolfplatz", berichtet die Berliner Zeitung.
 
     
   
  • HEYMANN, Nana (2007): Aufbruch Ost,
    in: Tagesspiegel v. 24.06.
    • Inhalt:
      HEYMANN berichtet anlässlich der Studie "Not am Mann" über Herzberg im Landkreis Elbe-Elster.
 
     
     
     
     
     
   
  • FÜHNER, Ruth (2007): Aura der Freiheit.
    Zwei Fälle von Kindstötung im 18. Jahrundert weisen über die Schranken ihrer Zeit hinaus,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.06.
    • Inhalt:
      FÜHNER berichtet über zwei Studien, die sich mit Kindstötungen von armen, unverheirateten Dienstmägden im 18. Jahrundert beschäftigen:

                   "Kindsmord, so befand einst Freud einem träumenden Patienten gegenüber, Kindsmord könne nur eine Frau - eine Mutter - begehen. Schon diese Behauptung entlarvt Prosperi als historische Konstruktion - mit Verweis auf all jene Gesellschaften, in denen die Beseitigung überflüssigen Nachwuchses im familiären Verbund stattfand.
                   Die von christlichen Theologen vorangetriebenen Dispute über den Charakter der Kindstötung - Sünde oder Verbrechen? -, die zunehmende Kriminalisierung, die damit einhergehende Isolation der Täterinnen (vor allem, soweit sie, wie Lucia und Susanna, arme Dienstmägde und ohne männlichen Schutz waren), die Frage nach dem Seelenheil der ungetauft Getöteten und der sündigen Mütter, nach Maske und Substanz der Einzelnen, der Machtkampf zwischen Kirche und weltlicher Gewalt - das ist der riesige Horizont".
 
   
  • SPERBER, Katharina (2007): Unterhalt für Kinder sinkt.
    Richter orientieren sich an niedrigeren Nettolöhnen. Aufschwung bleibt unberücksichtigt,
    in: Frankfurter Rundschau v. 21.06.
  • SPERBER, Katharina (2007): Arme Kinder,
    in: Frankfurter Rundschau v. 21.06.
 
   
  • WIDMANN, Arno (2007): Die Gründerväter.
    Wolfgang Matz über die Gleichzeitigkeit von Flaubert, Beaudelaire, Stifter,
    in: Frankfurter Rundschau v. 21.06.
    • Inhalt:
      Der 68er Arno WIDMANN lobt das Buch "1857" von Wolfgang MATZ in den höchsten Tönen. Die Trias FLAUBERT - BEAUDELAIRE - STIFTER verweist auf niemand anderen als auf Friedrich NIETZSCHE:

                   "Gab es jemanden, fragt Matz am Ende, der die Konjunktion Flaubert-Baudelaire-Stifter erkannte? Gab es auch nur einen, der sie schon alle drei im 19. Jahrhundert las? Man kann es sich nicht vorstellen (...). Aber es gab ihn. Diesen Trumpf hat Matz sich für das Ende des Buches aufgehoben: Der Leser war Friedrich Nietzsche.
                   Wie kein anderer hatte Nietzsche den Zusammenhalt von Kunst, Leben und Wahrheit als Ideologie entlarvt. Er tat es aus Sehnsucht nach ihm. In den drei Autoren der großen Konjunktion von 1857 erkannte Nietzsche Weggenossen, die ebenso unwiderleglich »den monströsen, parasitären Charakter der Kunst« erkannt hatten. Die darum brachen mit allem, was bisher Kunst gewesen war. Der »Nachsommer« war - so Nietzsche - »das einzige deutsche Buch nach Goethe, das für mich Zauber hat«. Stifter schien ihm ein der Moderne entkommener Autor, einer, der den von Baudelaire beschworenen Ennui, die Langeweile, in eine heilende Kraft verwandelte."
 
   
  • BUHRE, Jakob (2007): Singles auf freier Wildbahn.
    lars penke forscht über Speed-Dating, männliche und weibliche Strategien bei der Partnerwahl, die hohe Single-Quote und den Einfluss der Medien auf unsere Beziehungen,
    in: Jungle World Nr.25 v. 20.06.
    • Inhalt:
      Lars PENKE u.a. über die Erfolgsquoten bei Speed-Dating-Veranstaltungen:

                   "Gibt es Zahlen über die Erfolge des Speed-Datings?
      Da ist unsere Quickdating-Studie die erste, die das analysiert. Nachdem wir die ersten Daten oberflächlich analysiert haben, sieht es so aus, als ob es tatsächlich ab und an zu Beziehungen kommt, wo beide Teilnehmer nach sechs Wochen sagen: Das würden wir eine Beziehung nennen.

                   Und was heißt »ab und an«?
      Auf eine Veranstaltung mit insgesamt 20 bis 25 Teilnehmern kam nach unserem bisherigen Erkenntnisstand in etwa eine Beziehung. Viel höher lag bei uns die Erfolgsquote nicht.
      Es ist allerdings unklar, ob man das jetzt hoch oder niedrig nennen soll. Denn was ist der Vergleichsmaßstab? Man kann schwer beurteilen, ob das jetzt eine positive oder negative Nachricht für die Speed-Dating-Agenturen ist.
      "
 
   
  • LIMINSKI, Jürgen (2007): "Das ist das Gegenteil von dem, was getan werden müsste".
    Sozialrichter kritisiert Kompromiss bei der Pflegeversicherung,
    in: DeutschlandRadio v. 20.06.
    • Anmerkungen:
      Wie funktionieren Seilschaften in der Familienpolitik? So wie beim DeutschlandRadio: Jürgen LIMINSKI vom Europäischen Insitut zur Aufwertung der Erziehungsarbeit, das gemäß einem Spiegel-Bericht zum erzkonservativ-christlichen Familiennetzwerk gehört, interviewt Jürgen BORCHERT, Mitbegründer des Heidelberger Familienbüros, das gemäß Claudia PINL ebenfalls zu den Unterstützern des Familiennetzwerkes gehört.
 
   
  • SCHIMMECK, Tom (2007): Haltungen, Popper und Moneten,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.06.
    • Anmerkungen:
      Tom SCHIMMECK, ehemaliger Tempo-Mitarbeiter, sieht sich selber in der Tradition der 68er als investigativer Journalist. Aus dieser selbstgefälligen Sicht kritisiert er den Popjournalismus der Generation Golf:

                   "Der Zeitgeist. Da bin ich Experte. Schon weil ich vor 20 Jahren einmal kurzfristig Redakteur eines damals neuen »Zeitgeist-Magazins« mit dem flotten Namen »Tempo« war. Seither verfolge ich die Wirrungen des so genannten »Popjournalismus« mit einer gewissen Faszination. Betrieben wird er meist von Söhnen und Töchtern aus gutem Hause, die viel Freude an Markenprodukten und der narzisstischen Umkreisung des eigenen Bauchnabels haben. Sie unterscheiden streng zwischen »in« und »out«. Ersteres sind in der Regel sie selber, Letzteres alle anderen, insbesondere »Prolls«, »Alt-68er« und all dieses irgendwie albern engagierte Volk. Politisch endet der Popjournalist nach allerlei Pirouetten verlässlich und sehr pragmatisch irgendwo zwischen Guido Westerwelle und Roland Koch. Sein Feind ist der »Gutmensch« im schlecht sitzenden Anzug. »Gutmensch« ist überhaupt eines seiner liebsten Schimpfwörter. Weil er nämliche jede Art von Haltung zutiefst verachtet.
                   Die Stärke dieser Subspezies Journalist ist ihr üppiges, zuweilen ins Großkotzige changierende Selbstvertrauen. In panischer Angst, einen Trend zu verpassen, am Ende gar die Jugend zu verlieren, haben viele deutsche Chefredakteure solche nassforschen Popper eingekauft. Warum auch nicht? Die sind in der Regel emsig und stören nicht, und deshalb heute in allen Zeitungen und Zeitschriften von Rang vertreten. Manch fruchtbaren Textacker haben sie komplett umgepflügt. Freien Autoren, wie ich einer bin, fällt das regelmäßig auf, wenn sie sich mal wieder fragen: Wo nur bringe ich diese große Reportage noch unter? Oder gar einen richtig analytischen Text? Das ist sehr, sehr schwierig geworden."
                   Bereits Ende der 80er Jahre brachte SCHIMMECK unkritisch die 68er-Sicht des Stadtforschers Hartmut HÄUßERMANN im Spiegel unters Volk.
                   Die undifferenzierte Gleichsetzung von Singles und Yuppies ist Teil jener Single-Lüge, die seit den 90er Jahren den pseudokritischen Diskurs sowohl der Individualisierungsjünger als auch der -verächter prägt. Die Kollateralschäden dieser Debatte, die im Buch "Die Single-Lüge" beschrieben sind, werden in den nächsten Jahren deutlich sichtbar hervortreten.
 
     
     
   

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Zu den News vom   11. -  19. Juni 2007

 
       
   
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