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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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News vom 21. - 31. März 2003

 
       
     
     
     
   
Zitat des Monats:
"Eine etwas biedere Mutter von mehreren Kindern hielt ihren Vortrag im Schottenrock. Mit überzeugender Einfalt war es ihr möglich, die Welt in zwei Lager zu teilen: auf der einen Seite die Mutter, die Heim und Kinder schützt, der Frieden, die Blumen. Auf der anderen Seite die Männer mit Presslufthammer, Gewehr und Scheckkarte. Trotz dieser Schematik war es klar, dass sie »uns« gut gelesen hatte.
Nach dem Vortrag, bei der Diskussion, stand Rosi Braidotti auf, und machte sich über die Existenz von »Frauen« lustig. Mit ihrem ironischen Zerriss der Englisch sprechenden Hausfrau traf sie genau den wunden Punkt der meisten Artikel, die ich früher als Mitverlegerin der Courage druckfertig gemacht hatte. »Frau« war für Braidotti ein romantisches, sentimentales, unwissenschaftliches, typisch rassistisches ideologisches Konglomerat. Ein Hochstilisieren von etwas angeblich Gemeinsamem an schottischen Hausfrauen, afrikanischen Sklavinnen, relativ unterbezahlten Leitungsbeamtinnen, arbeitslosen Habilitierten und Dienstmädchen. Braidotti sprach als Wissenschaftlerin. Sie ließ nur das als zuschreibbare Eigenschaft gelten, was gemessen werden kann und was gemessen worden ist. Ich fühlte mich mit der Schottin angegriffen, aber ich konnte nicht umhin, die Stringenz zu bewundern, mit der Braidotti alles, was als eine Substanz, eine Essenz, als Natur, ja als Körper der Frau überhaupt besprochen wurde, als ein unwissenschaftliches Emblem oder Ideologem abservierte. Damals schon im zwanzigsten Jahr meiner feministischen Erfahrung, konnte ich ebensowenig vermeiden, die politische Relevanz von Braidottis Argument zu fassen.
Warum wohl? Nach zwanzigjähriger Bewegung war es mir klar, dass politische Erfolge im Dienst der Ver-wirung aller Frauen der Welt unvermeidlich und primär der Beförderung jener Menschen gedient hatte, mit deren Eigenschaftsprofilen ich mich vergleichen kann. Und dass dieses Modell als Vorbild dienen sollte für weitaus mehr Frauen, die immer ferner und immer schmerzlich bewusster entfernt von unseren Fortschritten waren. So unakzeptabel für mich die Dekonstruktion dessen auch sein mag, als was ich mich fühle, die Dekonstruktion der traditionellen Historizität des Frauseins, in dessen Schatten ich aufgewachsen bin
".

(aus: Barbara Duden im Freitag vom 07.03. 2003)
 
       
   
  • KERNER, Regina (2003): "Solidarität heißt nicht, sich bedienen zu lassen".
    Der EKD-Ratsvorsitzende Kock über Missbrauch von Sozialleistungen, Eigenverantwortung als protestantische Tugend und geschickte Unternehmer,
    in: Berliner Zeitung v. 31.03.
    • Kommentar:
      Was den Katholiken das Subsidiaritätsprinzip ist, das ist den Protestanten die Eigenverantwortung:

            
        "Eigenverantwortung ist etwas Positives. Sie entspricht dem protestantischen Verständnis vom Menschen", erläutert Manfred KOCK.
            
        Wo der Unterschied der Kirchen zum neoliberalen Verständnis des unternehmerischen Einzelnen ist, das bleibt im rhetorischen Gesülze von KOCK unklar.
 
   
  • DETTLING, Daniel (2003): Und der Zukunft zugewandt.
    Die Parteien und der politische Innovationsstandort Deutschland,
    in: Frankfurter Rundschau v. 31.03.
    • Kommentar:
      Sohn Daniel hat bei der FR so etwas wie das politische Repräsentationsmonopol für die Generation Golf ff.

            
        Das Inhaltliche hat man leider alles bereits beim Vater bis zum Überdruss gelesen!
            
        Die Gründung eines "Think Tank" ist nicht ausreichend, um Neues hervorzubringen, aber es reicht, um in der Neue-Mitte-Presse als Generationensprecher zu gelten.
 
   
  • KIPPENBERGER, Susanne (2003): Nase vorn.
    Sie konnte besser riechen, besser sehen, besser hören: die Autorin Virginia Woolf. Jetzt läuft ihre Geschichte im Kino. Was erfahren wir daraus über die Frauen von heute?
    in: Tagesspiegel v. 30.03.
    • Kommentar:
      Über die postfeministische Frau von heute erfährt man nichts, dafür jedoch etwas über Frauen, die wie KIPPENBERGER ihre Jugend in den 70er Jahren verlebten:

            
        "Jedes Studentinnenzimmer hat sie in den 70er Jahren geschmückt, als großes Poster hing sie überall, die Dichterin als junge Frau. Ein Mädchen noch, fast jünger als wir, voller Unschuld und Hoffnung und Melancholie, die vollen Haare zum lockeren Knoten geschlungen, in einem romantisch-verspielten Kleid. Wir saßen in Tübingen und tranken Tee und trugen Kleider wie sie, die hatten wir bei Laura Ashley gekauft, und wir guckten auf Virginia, wie sie mit ihren großen Augen in die Ferne sah, den ersten Nervenzusammenbruch längst hinter sich, das ganze Leben und die Literatur noch vor sich".
            
        Und das Schönste war, dass man WOOLF gar nicht lesen musste:
            
        "»A Room of One’s Own«, 1978 – 60 Jahre nach Erscheinen – ins Deutsche übersetzt, als Schlachtruf reichte der Titel uns schon: ein Zimmer für uns allein, darauf erhoben wir Anspruch als Frau. Mehr brauchten wir nicht zu wissen von dem Buch".
            
        Und mehr braucht man auch nicht über den Artikel zu wissen!
 
   
  • FELDENKIRCHEN, Markus & Ingrid Müller (2003): Darf man in der SPD noch widersprechen, Herr Scholz?
    Der Generalsekretär über Macht in der Partei - und die Gefahr des Untergangs,
    in: Tagesspiegel v. 30.03.
    • Kommentar:
      Was es bedeutet, wenn Jugend ein Auslaufmodell ist:

            
        "Bis wann zählt man bei Ihnen denn noch zu den Jüngeren?
      Bis Anfang vierzig. Es gibt unter den Jüngeren keine Generation mehr mit einer eigenen Identität, wie das früher mal war. Das hat den Vorteil, dass der generative Veränderungsprozess viel einfacher verlaufen wird als der nach 1968 in der SPD. Die Jungen, die sich heute bei uns engagieren wollen, werden viel schneller nach oben kommen".
 
     
   
  • HUNKE, Jörg & Mareen LINNARTZ (2003): "Angst macht uns attraktiv".
    Der Angstforscher Hans-Ulrich Wittchen über die Deutschen in der Krise, den therapeutischen Sinn von Demonstrationen und Herzrasen bei Horrorfilmen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 29.03.
 
   
  • Angela Merkels Rentenvorschläge in der Debatte

    • HOFFMANN, Andreas (2003): "Erziehung muss Einfluss auf Altersruhegeld haben".
      Sozialministerin Schmidt: Die Idee der CDU-Vorsitzenden verstößt gegen das Grundprinzip der Versicherung,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 29.03.
    • UWE (2003): Merkels Rentenvorschläge.
      Arbeit am unendlichen Plan
      in: Tagesspiegel v. 29.03.
      • Inhalt:
        UWE bedauert, dass sich MERKELs Vorschläge höchstens langfristig umsetzen lassen.
    • FEUERSTEIN, Rainer (2003): Zur Kasse,
      in: Stuttgarter Nachrichten v. 29.03.
      • Inhalt:
        FEUERSTEIN hat kein Herz für Angela MERKEL:

              
          "Heißt Generationenvertrag denn nicht in erster Linie, dass die Jungen für die Alten zahlen, was ja auch Kinderlose tun? Wer zahlt mehr Lohnsteuer: Ein Single oder die Familie mit Steuerklasse III und drei Kindern? Wer bekommt Mutterschutz, Erziehungsgeld, Eigenheimzulage, kostenlose Krankenversicherung? Finanzieren das alles die Kinder später nach? Und was ist mit dem Mädchen, das später als Erwachsene im EU-Ausland arbeitet, also keinen Beitrag zur deutschen Rentenfinanzierung leistet? Wird ihren Eltern dann konsequenterweise auch die Rente gekürzt?
        Ein blankes Aufrechnen von Renten mit der Anzahl zur Welt gebrachter Kinder ist ein ungeeignetes Mittel. Nicht der Single ist der Sündenbock für leere Rentenkassen, sondern die Politik. Dabei ginge es auch anders. Die Rahmenbedingungen für Eltern müssen so verbessert werden, dass es nicht mehr um eine Entscheidung für Kind oder Karriere geht. Für diese positive Perspektive zahlen dann alle - steuerfinanziert, damit alle sich daran beteiligen. Auch die kinderlose Abgeordnete Merkel".
    • THURNER-FROMM (2003): Politiker verspielen den Konsens,
      in: Stuttgarter Zeitung v. 29.03.
      • Kommentar:
        THURNER-FROMM stört nur, dass überhaupt über die Rentenreform diskutiert wird.
    • STREIM, Andreas (2003): Nur eine Rentenkürzung,
      in: Märkische Allgemeine v. 29.03.
      • Inhalt:
        "Im Gewand der populistischen Familienförderung kommt nur eine drastische Rentenkürzung daher. Und noch dazu eine ungerechte. Denn ein Drittel der heutigen Renten bezahlen nicht die Beitragszahler, sondern alle Steuerzahler, weil der Bund Milliarden in die Rentenkasse zuschießt. Daran sind wegen ihrer hohen Steuersätze Singles kräftig beteiligt - übrigens ebenso wie an der Finanzierung von Kindergeld, Lehrereinkommen oder dem Bau von Kitas", meint Andreas STREIM.
    • EICKMEIER, Dietrich (2003): Weniger Rente für Kinderlose? Blaue Wunder, blaue Augen,
      in: Weser Kurier v. 29.03.
      • Kommentar:
        EICKMEIER ist der irrigen Meinung, dass MERKEL nur die kinderlosen Ehepaare zur Rentenfinanzierung stärker heranziehen möchte.
    • DRIBBUSCH, Barbara (2003): Ein Schritt zu weit.
      Rentendebatte: Kinderlosigkeit darf nicht bestraft werden,
      in: TAZ v. 31.03.
      • Kommentar:
        DRIBBUSCH will eine Zäsur in der Rentendebatte erkannt haben:
              
          "Es kommt plötzlich ein Moment der Bestrafung auf in der Rentendiskussion. So, als sollten Kinderlose büßen dafür, dass sie keinen Nachwuchs in die Welt setzten. Eine klare Grenzüberschreitung, denn es ist natürlich ein Unterschied, ob man für eine stärkere Förderung von Eltern und Kindern votiert oder ob man sich für massive Kürzungen bei Kinderlosen ausspricht".
              
          Die Zäsur in der Debatte ist nicht erst jetzt, sondern bereits im Zuge des BVG-Urteils zur Pflegeversicherung vor fast 2 Jahren angelegt worden.
              
          In Anlehnung an die HARTZ-Reform macht DRIBBUSCH - humoristisch gemeint - Vorschläge zur Rettung der Sozialssysteme:
              
          "Haben Singles ein Anrecht auf kostenlose staatliche Partnervermittlung, unter drei Vorschlägen muss dann aber einer genommen werden?"
              
          Zum Abschluss kommt DRIBBUSCH dann zum gleichen Ergebnis wie THURNER-FROMM:
              
           "Debatten wie die über den Merkel-Vorstoß befördern Ressentiments - zum Beispiel die zwischen Kinderlosen und Eltern. Mit Ressentiments aber lassen sich keine Sozialreformen machen".
 
   
  • HIG (2003): Merkel will Kinderlose stärker belasten.
    CDU-Vorsitzende für gestaffelte Rentenbeiträge. Selbstbehalt für Patienten mindestens 300 Euro,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.
    • Kommentar:
      Die kinderlose Yuppiefrau Angela MERKEL meint machtpolitisch zu punkten, wenn sie sich - die eigene Lebensform verleugnend - die Vorschläge von Familienvater Hans-Werner SINN zu eigen macht, der seit längerem immer wieder einmal die Halbierung der Renten für Kinderlose ins Gespräch gebracht hat. MERKEL betont, dass es ihre persönliche Meinung sei und sie nicht die Parteiposition vertrete.
 
     
   
  • Filmstart: "Soloalbum" von Gregor Schnitzler 

    • SEIDL, Christian (2003): "Viel Schönes".
      Trennung von Anke Engelke, Premiere von Soloalbum - Benjamin v. Stuckrad-Barre im Wirbel,
      in: Stern Nr.14 v. 27.03.
      • Kommentar:
        Rechtzeitig zur Filmpremiere der Trennungsgeschichte "Soloalbum" ist eine private Trennungsgeschichte des Romanautors STUCKRAD-BARRE bekannt geworden.

              
          So etwas gebietet heutzutage bereits die Ökonomie der Aufmerksamkeit.
    • DIEDRICHSEN, Diedrich (2003): Ganz miese Witze.
      Georg Schnitzlers Verfilmung von Benjamin von Stuckrad-Barres Pop-Erfolgsroman "Soloalbum" karikiert die Wirklichkeit leider viel schlechter als das Buch,
      in: Die ZEIT Nr.14 v. 27.03.
      • Kommentar:
        Es war einmal eine Qualitätszeitung, in der inzwischen nicht einmal mehr die Namen von Autoren und Regisseuren richtig geschrieben werden.

              
          Es gibt nur einen DIEDERICHSEN, der sich den Sabbel nicht verbieten lässt, auch wenn er diesmal auf komplexe Sätze verzichtet hat und damit selbst von den Infoeliten der Generation Golf goutiert werden kann.
              
          DIEDERICHSEN hält sich voll und ganz an die Vorgaben von Gerrit BARTELS und liefert einen sauberen Verriss des Films.
              
          DIEDERICHSEN kennt sich in der echten Popwelt aus und kann nichts davon im Film erkennen. Er möchte SCHNITZLER auch nicht in die Tradition des frühen TRUFFAUT stellen, und wenn es um Sound-Zeichen geht, da ist DIEDERICHSEN ganz in seinem Element.
              
          Vor fast genau 10 Jahren hat Bodo MORSHÄUSER das Sound-Zeichen-System von DIEDERICHSEN ähnlich hart kritisiert:
              
          "Was hat Diederichsen innerhalb dieser zehn Jahre verändert? So wendig wie möglich
        versucht er, kurz bevor man ihm sagen könnte, damit mußt du jetzt leben, Junge, das hast du doch gut angerührt, sich auf die eine Seite von zwei wie Sauerbier angebotenen Meinungsmöglichkeiten zu schlagen: 1992 hängt er den Linken raus.
        Er will nicht auf der falschen Seite gestanden haben. Aber er hat vergessen, daß es einmal darum ging, auf keiner Seite zu stehen. (...).
        Diederichsen ist zu Recht beleidigt. Die Sache geht ihm so nah, wie sie ihm auch zu gehen hat. In seinem Buch »Sexbeat« hat er verraten, auf welchem Mist sein Denken wuchs: »Es ist klar, daß die Second-Order-Generation, also wir, ihren fundamentalen Erkenntnissprung hatte, als sie der Mittel und Wege habhaft wurde, die es ermöglichten, die Inhalte zu vergessen.« Das Problem nur ist: Die Inhalte kehren wieder. Und hier und heute sind sie nun »im Ernst« wieder da".

              
          Die Party ist eben immer mal wieder zu Ende gewesen...  
    • HANICH, Julian (2003): Sag's endlich.
      In Gregor Schnitzlers "Soloalbum", nach Benjamin Stuckrad-Barre, geht es (auch) um Liebe, 
      in: Tagesspiegel v. 27.03.
      • Kommentar:
        HANICH hat auch nicht mehr als DIEDERICHSEN zu sagen.
    • KREITLING, Holger (2003): Damals war alles viel schöner.
      Abgesang wider Willen: "Soloalbum" nach Benjamin von Stuckrad-Barre zeigt, wie schnell Pop altern kann,
      in: Welt v. 27.03.
      • Kommentar:
        KREITLING hat die Platte "Neue Ernsthaftigkeit" am penetrantesten aufgelegt:

              
          "Der Untergang der alten Ordnung bleibt ausgespart; die neue Ordnung existiert noch nicht", und man muss im Gedanken hinzufügen: außer im Kopf von KREITLING und seinen Gesinnungsgenossen...
    • REBHANDL, Bert (2003): Hüfthoch im Selbstbewusstsein.
      Gregor Schnitzlers Verfilmung des Bestsellers "Soloalbum" von Benjamin Stuckrad-Barre,
      in: Berliner Zeitung v. 27.03.
      • Kommentar:
        REBHANDL kennt Peter HEIN und lässt es wissen:

              
          "Ben kommt aus einer Zeit, als die Leute noch nicht knietief im Dispo standen, sondern hüfthoch im Selbstbewusstsein".
              
          Die Leistung von Benjamin von STUCKRAD-BARRE besteht für ihn darin, dass dieser die Zeit des Liebeskummers auf den Begriff Soloalbum gebracht hat. So mancher hat weniger geleistet!
              
          Über das Verhältnis von U und E erfahren wir - wir wissen es aber eigentlich schon vorher:
              
          "Die Zeit des Films ist strukturiert durch Regeln für die Bewältigung von Liebeskummer, die so ähnlich jede Woche neu in Amica und Allegra stehen. Das ist einerseits ironisch gedacht, andererseits eine Konzession an das breite Publikum, das seine Lebensweisheiten nicht in der edition suhrkamp findet, sondern in den Massenmedien, die wiederum alles voneinander abschreiben. Ben ist mit dieser Logik des Kopierens und Einsetzens gut vertraut, er täuscht damit über seine Schreibkrisen hinweg, und vielleicht auch über seinen Mangel an Originalität".
              
          Auch der Rezensent kennt sich mit Kopieren aus. Sein Original heißt jedoch offensichtlich Suhrkamp-Kultur.
    • STERNEBORG, Anke (2003): Keine Zeit mehr für Exzesse.
      Dafür gibt es Hustensaft und ABC-Pflaster: Gregor Schnitzler hat Benjamin Stuckrad-Barres "Soloalbum" verfilmt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 28.03.
      • Kommentar:
        STERNEBORG liefert noch eine Prise  Quarterlife-Crisis nach:
        "Hinter Bens unverbrauchten Gesichtszügen dämmert eine ausgebrannte Seele, ein Hauch von Oscar Wilde hängt in der Luft, auch wenn die Kinoversion des traurigen Helden milder ausfällt als sein literarisches Vorbild".
    • ALTHEN, Michael (2003): Wie im Kino.
      Georg Schnitzler hat "Soloalbum verfilmt,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 28.03.
      • Inhalt:
        ALTHEN schließt sich in der Tendenz DIEDERICHSEN an, kann sich jedoch an der weiblichen Hauptdarstellerin Nora TSCHIRNER erfreuen.
 
   
  • SCHINDLER, Anna (2003): Neid
    Ein Motor der Gesellschaft; Neid vergiftet - besonders Frauenkarrieren. Es gilt, Vertrauen und Autorität an Stelle der Missgunst zu üben.
    in: Facts Nr.13 v. 27.03.
 
   
  • RÜHMEIER, Olaf (2003): Der Eckrentner sagt leise Servus.
    Es geht nicht mehr um Barbourjacken: Der Streit um die Generationengerechtigkeit wird mit immer mehr Gift und Galle ausgetragen. Immerhin, der Krawall lenkt den Blick auf die Zukunft - und auf den größeren Umbau, der noch kommen muss,
    in: Berliner Republik, H.2, März/April
    • Kommentar:
      RÜHMEIER, Jahrgang 1965, geht es um den "Krawall der Generationen", den er gerne für die kommenden einschneidenden Reformen nutzen möchte.

            
        Polarisierer wie Walter WÜLLENWEBER ("Die Last mit den Alten", Stern v. 21.11.2002)  kommen ihm da gelegen, während er besänftigende Stimmen wie jene von Marc SZYDLIK für kontraproduktiv hält:
            
        "Private Solidarität als Verlängerung bestehender Ungleichheit - ob damit die Zukunft der sozialen Sicherung beschrieben ist?"
            
        Ganz offensichtlich möchte RÜHMEIER den Soziologen missverstehen!
            
        SZYDLIK geht es nicht um die Verlängerung, sondern um die Umverteilung bestehender Ungleichheit. Er plädiert deswegen für eine Reform der Erbschaftssteuer.
            
        Im Gegensatz zu RÜHMEIER möchte SZYDLIK soziale Gerechtigkeit nicht auf Generationengerechtigkeit reduzieren.
            
        Zu dieser Website merkt RÜHMEIER an:
            
        "Die Zerwürfnisse sind vielfältig. Sollen Singles jetzt einen Kinderabschlag erleiden, wie Hans-Werner Sinn, Direktor des Münchner ifo-Instituts kürzlich forderte? Sollen Familien vielleicht bei Wahlen Stimmen für ihre minderjährigen Kinder abgeben dürfen? Diese und andere Marginalien zur Lage der Nation kann man unter www.single-dasein.de nachlesen - mit den Kommentaren der Singles dazu. Da wächst kein Konsens."
            
        RÜHMEIER hätte sich lieber weniger mit den Marginalien auf dieser Site beschäftigt, sondern mit den zentralen Aussagen oder z.B. genauer unter Marc SZYDLIK nachgelesen...     
 
   
  • MAILER, Norman (2003): Only in America,
    in: The New York Review of Books v. 27.03.
    • Inhalt:
      Norman MAILER prophezeit ein "Viktorianisches Zeitalter", das mit der Freiheit der Jugend aufräumt, wenn militante Christen zusammen mit dem puritanischen Militär und nicht mehr die Unterhaltungsindustrie die USA der neuen Kreuzzüge bestimmt:

            
        "From a militant Christian point of view, America is close to rotten. The entertainment media are loose. Bare belly-buttons pop onto every TV screen, as open in their statement as wild animals' eyes. The kids are getting to the point where they can't read, but they sure can screw. So one perk for the White House, should America become an international military machine huge enough to conquer all adversaries, is that American sexual freedom, all that gay, feminist, lesbian, transvestite hullabaloo, will be seen as too much of a luxury and will be put back into the closet again. Commitment, patriotism, and dedication will become all-pervasive national values once more (with all the hypocrisy attendant). Once we become a twenty-first-century embodiment of the old Roman Empire, moral reform can stride right back into the picture. The military is obviously more puritanical than the entertainment media. Soldiers are, of course, crazier than any average man when in and out of combat, but the overhead command is a major everyday pressure on soldiers and could become a species of most powerful censor over civilian life".
 
   
  • BARTELS, Gerrit (2003): Pinkel ins Auto, wenns brennt.
    Von der Popliteratur lernen heißt siegen lernen: Gregor Schnitzler verfilmt "Soloalbum" den Debütroman von Stuckrad-Barre. Heraus kommt eine flotte Teenie-Komödie,
    in: TAZ v. 26.03.
    • Inhalt:
      BARTELS geht zuerst auf die Buchvorlage ein, die er als zweite Geburtsstunde der Popliteratur bezeichnet. Joachim LOTTMANNs gerade wieder erschienenes "Mai, Juni, Juli" gilt ihm als Vorläufer.
      BARTELS nimmt den Veriß seiner Popintellektuellen-Kollegen vorweg und prophezeit, dass der Film trotzdem ein Kassenerfolg werden wird. Er sieht bereits eine Neue Deutscher Film Welle heranrollen, die sich am Popliteraten-Paradigma orientiert.
      Die Leistung des Regisseurs Gregor SCHNITZLER findet BARTELS beachtlich, denn er hat aus der wenig filmfreundlichen Vorlage "eine nicht nur hübsche, sondern auch flotte Teenie-Komödie gemacht".
 
   
  • Theaterpremiere:
    "Schau, da geht die Sonne unter" von Sibylle BERG

    • Kommentar:
      Sibylle BERG wandelt auf den Pfaden von Michel HOUELLEBECQs neuem Deprimismus. KRUMBHOLZ bringt diesen Zeitgeist auf den Punkt:
      "Mit vierzig, da hört bekanntlich der Spass auf. Wenn Sibylle Berg ihr szenisches Kaleidoskop über die Spassgesellschaft im Untertitel drohend einen «Spass ab 40» nennt, schrillen die Alarmglocken: Zu lachen wird es wenig geben, es sei denn, man wäre weit unter 40 und hätte seine klammheimliche Freude daran, wie frisch Verliebte mittleren Alters im wilden mitteleuropäischen Strassenverkehr hinweggerafft werden und auf dem Operationstisch verbluten. Frisch verliebt? Kein Ausdruck wäre unangebrachter, denn frisch ist unter Bergs desillusionierter Perspektive rein gar nichts; ihr Text (...) ist ein einziger fünfter Akt, ein Untergangsrausch".

            
        HORDYCH stellt dagegen die Religion der Liebe in den Mittelpunkt:
            
        "all diese Leute, die zu lange in Bars und Uni-Shops auf das Wahrwerden ihrer Träume gewartet haben, sie alle haben vor allem ein Problem, das sie nicht müde werden selbstanalytisch zu benennen: Einsamkeit ist nicht gut für den Menschen. Rettung verheißt nur die Liebe".
            
        Was früher die 30 war, das soll heute die 40 sein, meint HORDYCH und meint damit die "Zeitenwende für die Berufsjugendlichen".
            
        Was würde dazu z.B. Philip ROTH sagen, der gerade mit "Das sterbende Tier" dem 60jährigen Berufsjugendlichen ein Denkmal gesetzt hat? Und was die früh Ergrauten in der "Quaterlife Crises" Mitte 20?
            
        Die Krisenhaftigkeit des Lebens ist offenbar an kein spezifisches Alter gebunden.
    • KEIM, Stefan (2003): Der tägliche Stöpselhund:
      Sibylle Bergs "Schau, da geht die Sonne unter" in Bochum,
      in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.
    • HORDYCH, Harald (2003): Das falsche Leben im richtigen Anzug.
      Sibylles Bergs Auftragsstück "Schau, da geht die Sonne unter" am Bochumer Schauspielhaus uraufgeführt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.
    • KRUMBHOLZ, Martin (2003): Regieblüten im Klub der einsamen Herzen.
      "Schau, da geht die Sonne unter" - Sibylle Berg in Bochum,
      in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.03.
 
   
  • HAUSER, Richard (2003): Neue Armut - neuer Reichtum?
    "Lebenslagen in Deutschland": Ein wesentlicher Ungleichheitsfaktor ist das Vermögen, nicht das Einkommen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.
    • Inhalt:
      Nach einer nüchternen Darlegung der Reichtumsverteilung und des Armutsrisikos in Deutschland, wagt HAUSER am Ende eine Zusammenfassung mit Ausblick:

            
        "Seit den siebziger Jahren hat die Ungleichheit der Verteilung beim Nettoeinkommen und beim Nettovermögen zwar nur mäßig zugenommen. Das System der sozialen Sicherung wirkte ausgleichend; es hat auch die Auswirkungen der hohen Arbeitslosigkeit weitgehend aufgefangen. Angesichts des Meinungswandels in der Öffentlichkeit besteht heute aber die Gefahr, dass mit dem Abbau des Sozialstaates auch dessen ausgleichende Wirkung stark reduziert wird. Dann würde die Ungleichheit der Vermögensverteilung noch gravierender werden; denn nur die Reichen können wegfallende staatliche Leistungen leicht durch Kauf am Markt ersetzen".
 
   
  • HERRMANN, Ulrike (2003): Der Streit ist schon entschieden.
    Grüner Sonderparteitag - Dennoch kommen die Sozialkürzungen,
    in: TAZ v. 25.03.
    • Kommentar:
      HERRMANN mag in vielem Recht haben, aber Soziologie ist nicht ihre Stärke:

            
        "es ist unwahrscheinlich, dass sich (...) eine Mehrheit findet, die den neoliberalen Kurs der grünen Bundesspitze abstraft. Schon aus Taktik (...). Aber auch Soziologisches spricht dagegen: Die meisten grünen Wähler sind inzwischen über 40 Jahre alt und verdienen ganz gut. Wenn die Arbeitslosenhilfe gekürzt und der Staatshaushalt auf Kosten der Armen geordnet wird, gehören sie eher zu den Gewinnern".
            
        Die Grünen-Wähler mögen gut gebildet sein, aber ob sie damit per se zu den Gewinnern gehören, das scheint eher fraglich.
            
        Wer die über 40jährigen in einen Topf wirft, der übersieht, dass die Scheidelinie bei den 55jährigen liegt. Die 68er gehören zu den Sozialstaatsgewinnern, während die nachkommenden Post-68er über 40 zu den großen Verlierern gehören werden.
            
        Nicht umsonst haben vor kurzem Jürgen TRITTIN und Renate KÜNAST  - beide über 45 und unter 50 - davor gewarnt, dass den Grünen-Wählern offenbar nicht bewusst ist, dass sie zu den Verlierern der neoliberalen Reformen gehören könnten. Jürgen TRITTIN schreibt z.B.:
            
        "zweitens ist vielfach noch nicht hinreichend begriffen worden, was die Umsetzung des Hartz-Konzepts in die Praxis für viele grüne Milieus bedeutet. Der Wegfall kommunaler Beschäftigungsgesellschaften, die Einschränkungen bei der Fort- und Weiterbildung, der Rückgang von ABM - all dies wird eine Branche von sozialen Dienstleistern, von kleinen Selbstständigen bis zu Angestellten großer Bildungsinstitute durcheinander wirbeln und tausende den Arbeitsplatz kosten".
 
   
  • FESTENBERG, Nikolaus von (2003): Kinder haften für ihre Eltern.
    Besorgte Söhne, einfühlsame Töchter, interessierte Enkel - die Entzweiung der Generationen scheint passé. Der sensationelle Kinoerfolg "Good Bye, Lenin!" und literarische Neuerscheinungen sprechen für eine wachsende Sympathie von Jung für Alt,
    in: Spiegel Nr.13 v. 24.03.
    • Kommentar:
      FESTENBERG entdeckt den Generationenfrieden in Literatur und Film.

            
        Passé ist angeblich der Wutton eines Michel HOUELLEBECQ:
            
        "Im Stil des zu kurz gekommenen Kindes wetterte der »Elementarteilchen«-Autor noch vor wenigen Jahren gegen seine Mutter, die genusssüchtige und treulose 68er-Schlampe, die ihren Sohn dazu brachte, als bindungsunfähiges Sexmonster mit den Frauen zu verkehren".
            
        Stattdessen führt FESTENBERG die Generation Golf-Autoren Judith HERMANN und Anna GAVALDA sowie Jana HENSEL an, um seine These vom Ende des Generationenkrieges zu bekräftigen.
            
        Richtig erkannt hat er, dass die Jugend für eine Übergangszeit ein Auslaufmodell ist.
            
        Das Nesthocker-Phänomen - das ganz und gar nicht neu ist - muss ebenfalls herhalten für den neuen "Kuschelkurs zwischen den Generationen". Dieser neue Kuschelkurs ist jedoch bereits 15 Jahre alt, wie man so ganz nebenbei erfährt.
            
        Ein Krieg der Generationen entscheidet sich weniger innerhalb von Familien - wie das FESTENBERG suggeriert -  (das kann man bei Marc SZYDLIK nachlesen), sondern auf der politischen Ebene und in der Mediengesellschaft.
 
   
  • GEYER, Christian (2003): Lauter Stromschnellen.
    Gerhard Schulze, Monteur der "Erlebnisgesellschaft" ist wieder da,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.03.
    • Inhalt:
      Christian GEYER verortet Gerhard SCHULZEs "Erlebnisgesellschaft" in der Tradition der Trendforschung von Matthias HORX bis Norbert BOLZ.

            
        Aus dem neusten Werk "Die beste aller Welten" hat er eine "zentrale Botschaft der Diagnose-Mimikry" heraus gelesen:
            
        "Statt eindimensional künftig bitte zweidimensional denken! Gemeint ist: Gemäß einer Seinssoziologie für Angestellte, welche Schulze in Spiegelstücken entwirft, soll die Kassiererin nicht nur kassieren ("Könnenwollen"), sondern sich dem Kunden auch in der Begegnungsdimension widmen ("Seinwollen")".
            
        Sein Urteil über diese Angestelltensoziologie ist - mit Seitenhieb auf einen Kollegen - vernichtend:
            
        "Das ist nicht Feinsinn, wie Ludger Heidbrink kürzlich wähnte, das ist Unsinn".
 
     
     
     
     
   
  • SPÖRRI, Balz (2003): Die falschen Propheten.
    Prognosen von Experten haben oft keine Zukunft. Besser wärs, auf Hausfrauen zu hören,
    in: SonntagsZeitung v. 23.03.
    • Kommentar:
      Der norwegische Soziologe Johan Galtung hat die Expertenprognosen aus den 60er Jahren mit Laienprognosen verglichen.

            
        Er attestiert letzteren größere Treffsicherheit. Trendausrufer wie Matthias HORX haben sich darüber empört.
            
        Über was sich die Laien äußern durften:
            
        "Obwohl die Befragten in so unterschiedlichen Ländern wie England, Japan oder dem kommunistischen Polen lebten, ergab sich ein erstaunlicher Konsens: Sie sagten unter anderem übereinstimmend voraus, dass es im Jahr 2000 mehr Scheidungen, mehr Kriminalität, mehr psychisch Kranke und grössere sexuelle Freiheiten geben werde; zugleich prophezeiten sie, dass der Zusammenhalt innerhalb der Familie abbröckeln und materielle Dinge immer wichtiger werden würden. «Alles ist eingetroffen», stellt Galtung fest".
            
        Ob dies tatsächlich alles eingetroffen ist, das dürfte eher eine Frage der Erfassbarkeit und Bewertung sein.
            
        Dagegen haben sich Experten in anderen Aspekten geirrt:
            
        "Samuel P. Huntington, dessen «Kampf der Kulturen» später für Furore sorgen sollte, prophezeite 1967, dass der Einfluss der USA bis ins Jahr 2000 schwinden und China, Indonesien und Brasilien die Lücke füllen würden".
 
     
   
  • KÜRTHY, Ildikó von (2003): Objekt der Begierde.
    Eine attraktive Frau liegt auf einem Handtuch am Strand, ein junger Mann daneben. Was dann passiert oder auch nicht, erzählt die Schriftstellerin,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.03.
 
   
  • MÖLLER, Simon (2003): Operation gelungen.
    Blick zurück. Dass sich heute kaum noch jemand über Sexismus aufregt, ist Folge einer Immunisierungsstrategie in Sachen "Political Correctness",
    in: Freitag Nr.13 v. 21.03.
    • Inhalt:
      MÖLLER sieht in Katja KULLMANNs "Generation Ally" die typische antifeminstische Haltung der Frau zwischen 25 und 40 repräsentiert.

            
        U.a. am Beispiel des hochgelobten Romans "Die Korrekturen" von Jonathan FRANZEN liest MÖLLER den Erfolg der Normalisierungsstrategie ab:
            
        "Das Erzählmotiv vom universitären Lehrer, der von seiner Studentin wegen einer gemeinsamen Affäre denunziert und dann von einem »politisch korrekten« Umfeld ruiniert wird, ist nur noch ein Element unter vielen. Und auch in den Rezensionen zu diesen Werken bildet der Kampf gegen die »feministische Political Correctness« nicht mehr das Leitmotiv. Gerade in dieser erfolgreichen Normalisierung sexistischer Positionen liegt die Gefahr für Emanzipation und Feminismus".
 
     
       
   

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Zu den News vom 11. - 20. März 2003

 
       
   
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