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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
     
       
     
       
       
   

News vom 21. - 31. März 2003

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

"Eine etwas biedere Mutter von mehreren Kindern hielt ihren Vortrag im Schottenrock. Mit überzeugender Einfalt war es ihr möglich, die Welt in zwei Lager zu teilen: auf der einen Seite die Mutter, die Heim und Kinder schützt, der Frieden, die Blumen. Auf der anderen Seite die Männer mit Presslufthammer, Gewehr und Scheckkarte. Trotz dieser Schematik war es klar, dass sie »uns« gut gelesen hatte.
Nach dem Vortrag, bei der Diskussion, stand Rosi Braidotti auf, und machte sich über die Existenz von »Frauen« lustig. Mit ihrem ironischen Zerriss der Englisch sprechenden Hausfrau traf sie genau den wunden Punkt der meisten Artikel, die ich früher als Mitverlegerin der Courage druckfertig gemacht hatte. »Frau« war für Braidotti ein romantisches, sentimentales, unwissenschaftliches, typisch rassistisches ideologisches Konglomerat.
Ein Hochstilisieren von etwas angeblich Gemeinsamem an schottischen Hausfrauen, afrikanischen Sklavinnen, relativ unterbezahlten Leitungsbeamtinnen, arbeitslosen Habilitierten und Dienstmädchen. Braidotti sprach als Wissenschaftlerin. Sie ließ nur das als zuschreibbare Eigenschaft gelten, was gemessen werden kann und was gemessen worden ist. Ich fühlte mich mit der Schottin angegriffen, aber ich konnte nicht umhin, die Stringenz zu bewundern, mit der Braidotti alles, was als eine Substanz, eine Essenz, als Natur, ja als Körper der Frau überhaupt besprochen wurde, als ein unwissenschaftliches Emblem oder Ideologem abservierte. Damals schon im zwanzigsten Jahr meiner feministischen Erfahrung, konnte ich ebensowenig vermeiden, die politische Relevanz von Braidottis Argument zu fassen.
Warum wohl? Nach zwanzigjähriger Bewegung war es mir klar, dass politische Erfolge im Dienst der Ver-wirung aller Frauen der Welt unvermeidlich und primär der Beförderung jener Menschen gedient hatte, mit deren Eigenschaftsprofilen ich mich vergleichen kann. Und dass dieses Modell als Vorbild dienen sollte für weitaus mehr Frauen, die immer ferner und immer schmerzlich bewusster entfernt von unseren Fortschritten waren. So unakzeptabel für mich die Dekonstruktion dessen auch sein mag, als was ich mich fühle, die Dekonstruktion der traditionellen Historizität des Frauseins, in dessen Schatten ich aufgewachsen bin".

(aus: Barbara Duden im Freitag vom 07.03. 2003)

 
       
       
   
Was den Katholiken das Subsidiaritätsprinzip ist, das ist den Protestanten die Eigenverantwortung: "Eigenverantwortung ist etwas Positives. Sie entspricht dem protestantischen Verständnis vom Menschen", erläutert Manfred KOCK. Wo der Unterschied der Kirchen zum neoliberalen Verständnis des unternehmerischen Einzelnen ist, das bleibt im rhetorischen Gesülze von KOCK unklar.
 
       
     
       
   
  • KIPPENBERGER, Susanne (2003): Nase vorn.
    Sie konnte besser riechen, besser sehen, besser hören: die Autorin Virginia Woolf. Jetzt läuft ihre Geschichte im Kino. Was erfahren wir daraus über die Frauen von heute?
    in: Tagesspiegel v. 30.03.

 
       
   
  • FELDENKIRCHEN, Markus & Ingrid Müller (2003): Darf man in der SPD noch widersprechen, Herr Scholz?
    Der Generalsekretär über Macht in der Partei - und die Gefahr des Untergangs,
    in: Tagesspiegel v. 30.03.

Was es bedeutet, wenn Jugend ein Auslaufmodell ist:  "Bis wann zählt man bei Ihnen denn noch zu den Jüngeren?
Bis Anfang vierzig. Es gibt unter den Jüngeren keine Generation mehr mit einer eigenen Identität, wie das früher mal war. Das hat den Vorteil, dass der generative Veränderungsprozess viel einfacher verlaufen wird als der nach 1968 in der SPD. Die Jungen, die sich heute bei uns engagieren wollen, werden viel schneller nach oben kommen".
 
       
   
  • KRON, Norbert (2003): Dienst am Vaterland.
    Warum es falsch ist, dass immer nur Günter Grass sich öffentlich äußert
    in: Welt v. 29.03.

 
       
   
  • HUNKE, Jörg & Mareen LINNARTZ (2003): "Angst macht uns attraktiv".
    Der Angstforscher Hans-Ulrich Wittchen über die Deutschen in der Krise, den therapeutischen Sinn von Demonstrationen und Herzrasen bei Horrorfilmen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 29.03.

 
       
   
THURNER-FROMM stört nur, dass überhaupt über die Rentenreform diskutiert wird.
 
       
   
  • HOUELLEBECQ, Michel (2003): Liebe deinen Klon.
    Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq erklärt, warum er sich klonen lassen will und was das mit Literatur zu tun hat,
    in: Weltwoche Nr.13 v. 27.03.

Die Weltwoche hat einen Text von Michel HOUELLEBECQ veröffentlicht, der bereits am 01. 01. 2003 als Why I want to be cloned im britischen Guardian erschienen ist.
 
       
     
       
   
  • Die Neidgesellschaft in der Debatte

    • SCHINDLER, Anna (2003): Neid
      Ein Motor der Gesellschaft; Neid vergiftet - besonders Frauenkarrieren. Es gilt, Vertrauen und Autorität an Stelle der Missgunst zu üben.
      in: Facts Nr.13 v. 27.03.

 
       
   
  • MAILER, Norman (2003): Only in America,
    in: The New York Review of Books v. 27.03.

Norman MAILER prophezeit ein "Viktorianisches Zeitalter", das mit der Freiheit der Jugend aufräumt, wenn militante Christen zusammen mit dem puritanischen Militär und nicht mehr die Unterhaltungsindustrie die USA der neuen Kreuzzüge bestimmt: "From a militant Christian point of view, America is close to rotten. The entertainment media are loose. Bare belly-buttons pop onto every TV screen, as open in their statement as wild animals' eyes. The kids are getting to the point where they can't read, but they sure can screw. So one perk for the White House, should America become an international military machine huge enough to conquer all adversaries, is that American sexual freedom, all that gay, feminist, lesbian, transvestite hullabaloo, will be seen as too much of a luxury and will be put back into the closet again. Commitment, patriotism, and dedication will become all-pervasive national values once more (with all the hypocrisy attendant). Once we become a twenty-first-century embodiment of the old Roman Empire, moral reform can stride right back into the picture. The military is obviously more puritanical than the entertainment media. Soldiers are, of course, crazier than any average man when in and out of combat, but the overhead command is a major everyday pressure on soldiers and could become a species of most powerful censor over civilian life".
 
       
     
       
   
  • Theaterpremiere: "Schau, da geht die Sonne unter" von Sibylle BERG

Sibylle BERG wandelt auf den Pfaden von Michel HOUELLEBECQs neuem Deprimismus. Martin KRUMBHOLZ bringt diesen Zeitgeist auf den Punkt:

"Mit vierzig, da hört bekanntlich der Spass auf. Wenn Sibylle Berg ihr szenisches Kaleidoskop über die Spassgesellschaft im Untertitel drohend einen «Spass ab 40» nennt, schrillen die Alarmglocken: Zu lachen wird es wenig geben, es sei denn, man wäre weit unter 40 und hätte seine klammheimliche Freude daran, wie frisch Verliebte mittleren Alters im wilden mitteleuropäischen Strassenverkehr hinweggerafft werden und auf dem Operationstisch verbluten. Frisch verliebt? Kein Ausdruck wäre unangebrachter, denn frisch ist unter Bergs desillusionierter Perspektive rein gar nichts; ihr Text (...) ist ein einziger fünfter Akt, ein Untergangsrausch".

Harald HORDYCH stellt dagegen die Religion der Liebe in den Mittelpunkt:

"all diese Leute, die zu lange in Bars und Uni-Shops auf das Wahrwerden ihrer Träume gewartet haben, sie alle haben vor allem ein Problem, das sie nicht müde werden selbstanalytisch zu benennen: Einsamkeit ist nicht gut für den Menschen. Rettung verheißt nur die Liebe".

Was früher die 30 war, das soll heute die 40 sein, meint HORDYCH und meint damit die "Zeitenwende für die Berufsjugendlichen". Was würde dazu z.B. Philip ROTH sagen, der gerade mit Das sterbende Tier dem 60jährigen Berufsjugendlichen ein Denkmal gesetzt hat? Und was die früh Ergrauten in der "Quaterlife Crises" Mitte 20? Die Krisenhaftigkeit des Lebens ist offenbar an kein spezifisches Alter gebunden.

  • KEIM, Stefan (2003): Der tägliche Stöpselhund:
    Sibylle Bergs "Schau, da geht die Sonne unter" in Bochum,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.

  • HORDYCH, Harald (2003): Das falsche Leben im richtigen Anzug.
    Sibylles Bergs Auftragsstück "Schau, da geht die Sonne unter" am Bochumer Schauspielhaus uraufgeführt,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 24.03.

  • KRUMBHOLZ, Martin (2003): Regieblüten im Klub der einsamen Herzen.
    "Schau, da geht die Sonne unter" - Sibylle Berg in Bochum,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.03.

 
       
   
  • HAUSER, Richard (2003): Neue Armut - neuer Reichtum?
    "Lebenslagen in Deutschland": Ein wesentlicher Ungleichheitsfaktor ist das Vermögen, nicht das Einkommen,
    in: Frankfurter Rundschau v. 25.03.

Nach einer nüchternen Darlegung der Reichtumsverteilung und des Armutsrisikos in Deutschland, wagt HAUSER am Ende eine Zusammenfassung mit Ausblick: "Seit den siebziger Jahren hat die Ungleichheit der Verteilung beim Nettoeinkommen und beim Nettovermögen zwar nur mäßig zugenommen. Das System der sozialen Sicherung wirkte ausgleichend; es hat auch die Auswirkungen der hohen Arbeitslosigkeit weitgehend aufgefangen. Angesichts des Meinungswandels in der Öffentlichkeit besteht heute aber die Gefahr, dass mit dem Abbau des Sozialstaates auch dessen ausgleichende Wirkung stark reduziert wird. Dann würde die Ungleichheit der Vermögensverteilung noch gravierender werden; denn nur die Reichen können wegfallende staatliche Leistungen leicht durch Kauf am Markt ersetzen".
 
       
     
       
   
  • FESTENBERG, Nikolaus von (2003): Kinder haften für ihre Eltern.
    Besorgte Söhne, einfühlsame Töchter, interessierte Enkel - die Entzweiung der Generationen scheint passé. Der sensationelle Kinoerfolg "Good Bye, Lenin!" und literarische Neuerscheinungen sprechen für eine wachsende Sympathie von Jung für Alt,
    in: Spiegel Nr.13 v. 24.03.

Nikolaus von FESTENBERG entdeckt den Generationenfrieden in Literatur und Film. Passé ist angeblich der Wutton eines Michel HOUELLEBECQ:

"Im Stil des zu kurz gekommenen Kindes wetterte der »Elementarteilchen«-Autor noch vor wenigen Jahren gegen seine Mutter, die genusssüchtige und treulose 68er-Schlampe, die ihren Sohn dazu brachte, als bindungsunfähiges Sexmonster mit den Frauen zu verkehren".

Stattdessen führt FESTENBERG die Generation Golf-Autoren Judith HERMANN und Anna GAVALDA sowie Jana HENSEL an, um seine These vom Ende des Generationenkrieges zu bekräftigen.

Richtig erkannt hat er, dass die Jugend für eine Übergangszeit ein Auslaufmodell ist. Das Nesthocker-Phänomen - das ganz und gar nicht neu ist - muss ebenfalls herhalten für den neuen "Kuschelkurs zwischen den Generationen". Dieser neue Kuschelkurs ist jedoch bereits 15 Jahre alt, wie man so ganz nebenbei erfährt.

Ein Krieg der Generationen entscheidet sich weniger innerhalb von Familien - wie das FESTENBERG suggeriert -  (das kann man bei Marc SZYDLIK nachlesen), sondern auf der politischen Ebene und in der Mediengesellschaft.

 
       
     
       
     
       
   
  • HAGER, Angelika & Nina HOROWITZ (2003): Kriege in der Seele.
    400 Millionen Menschen leiden weltweit an Angststörungen. Bedrohungen wie der Irak-Krieg wirken verstärkend. Woher die Angst kommt, wie man mit ihr lebt, wie man sie behandelt,
    in: Profil Nr.13 v. 24.03.

 
       
   
  • Multilokalität in der Debatte

    • LESSING, Lukas (2003): "Spätestens nach einer Woche muss ich den Ort wechseln".
      Grafikdesigner und Professor Ruedi Baur wohnt in Paris wie ein Student,
      in: SonntagsZeitung v. 23.03.

Lukas LESSING inspiziert die Pariser "Junggesellenwohnung" des Wochenendvaters BAUR, dessen Familie in Zürich lebt.
 
       
   
  • OEHMIGEN, Karin (2003): "Wie? Derrick hütet auch keine Enkel?"
    Keine Lust, Oma und Opa zu spielen. Auch die Alten sind nicht mehr die Alten,
    in: SonntagsZeitung v. 23.03.

 
       
   
  • SPÖRRI, Balz (2003): Die falschen Propheten.
    Prognosen von Experten haben oft keine Zukunft. Besser wärs, auf Hausfrauen zu hören,
    in: SonntagsZeitung v. 23.03.

Der norwegische Soziologe Johan Galtung hat die Expertenprognosen aus den 1960er Jahren mit Laienprognosen verglichen. Er attestiert letzteren größere Treffsicherheit. Trendausrufer wie Matthias HORX haben sich darüber empört. Über was sich die Laien äußern durften:

"Obwohl die Befragten in so unterschiedlichen Ländern wie England, Japan oder dem kommunistischen Polen lebten, ergab sich ein erstaunlicher Konsens: Sie sagten unter anderem übereinstimmend voraus, dass es im Jahr 2000 mehr Scheidungen, mehr Kriminalität, mehr psychisch Kranke und grössere sexuelle Freiheiten geben werde; zugleich prophezeiten sie, dass der Zusammenhalt innerhalb der Familie abbröckeln und materielle Dinge immer wichtiger werden würden. «Alles ist eingetroffen», stellt Galtung fest".

Ob dies tatsächlich alles eingetroffen ist, das dürfte eher eine Frage der Erfassbarkeit und Bewertung sein. Dagegen haben sich Experten in anderen Aspekten geirrt:

"Samuel P. Huntington, dessen «Kampf der Kulturen» später für Furore sorgen sollte, prophezeite 1967, dass der Einfluss der USA bis ins Jahr 2000 schwinden und China, Indonesien und Brasilien die Lücke füllen würden".

 
       
   
  • Gregor Schnitzler - Soloalbum 

    • AMEND, Christoph & Andreas AUSTILAT (2003): "Ich nenne das eine Mitteldingbeziehung".
      Sie lehnt den Krieg ab und will kein Mäuschen sein. Sie arbeitet bei MTV und hat keinen Fernseher. Nora Tschirner ist ein Star ihrer Generation. Und sie sagt: "Lange lief mein Leben so schnuffi-schnaffi",
      in: Tagesspiegel v. 23.03.

 
       
   
  • KÜRTHY, Ildikó von (2003): Objekt der Begierde.
    Eine attraktive Frau liegt auf einem Handtuch am Strand, ein junger Mann daneben. Was dann passiert oder auch nicht, erzählt die Schriftstellerin,
    in: Frankfurter Rundschau v. 22.03.

 
       
   
  • MÖLLER, Simon (2003): Operation gelungen.
    Blick zurück. Dass sich heute kaum noch jemand über Sexismus aufregt, ist Folge einer Immunisierungsstrategie in Sachen "Political Correctness",
    in: Freitag Nr.13 v. 21.03.

Simon MÖLLER sieht in Katja KULLMANNs Generation Ally die typische antifeminstische Haltung der Frau zwischen 25 und 40 repräsentiert. U.a. am Beispiel des hochgelobten Romans Die Korrekturen von Jonathan FRANZEN liest MÖLLER den Erfolg der Normalisierungsstrategie ab:

"Das Erzählmotiv vom universitären Lehrer, der von seiner Studentin wegen einer gemeinsamen Affäre denunziert und dann von einem »politisch korrekten« Umfeld ruiniert wird, ist nur noch ein Element unter vielen. Und auch in den Rezensionen zu diesen Werken bildet der Kampf gegen die »feministische Political Correctness« nicht mehr das Leitmotiv. Gerade in dieser erfolgreichen Normalisierung sexistischer Positionen liegt die Gefahr für Emanzipation und Feminismus".

 
       
     
       
   

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Zu den News vom 11. - 20. März 2003

 
       
   
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