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Medienrundschau:
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News vom
08. - 11. März 2005
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Zitat
des Monats:
"Typisch
für Wochenendpendler ist das »Sonntagsgefühl«. Dieses zeichnet
sich dadurch aus, dass die erste Hälfte des klassisch »letzten
gemeinsamen Tages« vor der routinemäßigen Trennung besonders
harmonisch gestaltet werden soll. Zugleich aber ist die zweite
Hälfte des Tages bereits eingetrübt von der bevorstehenden
Trennung - und kann somit auch nicht mehr unbeschwert erlebt
werden. Dabei handelt es sich um eine vorweggenommene
(prospektive) Trauer. (...). Die mögliche Unbeschwertheit der
gemeinsamen Zeit ist dann vorbei, obwohl vielleicht die Abreise
erst gegen Abend geplant ist. (...). Mit dieser Anforderung muss
das Fern-Beziehungspaar umzugehen lernen bzw. einen eigenen Weg
finden".
(aus:
Peter Wendl "Gelingende Fern-Beziehung. Entfernt - zusammen -
wachsen", 2005, S.40f.) |
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KURTZ, Stanley (2005): Demographie und Krieg der Kulturen.
Werden die Uhren der Moderne zurückgedreht? Der weltweite
Bevölkerungsrückgang könnte zu einer Renaissance des Konservatismus
führen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 11.03.
- Kommentar:
Die FAZ druckt eine zusammen gekürzte Buchbesprechung
aus der Policy Review vom Februar/März 2005 nach, was jedoch
nicht erwähnt wird.
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MAYER, Susanne (2005): Familienkrach:
Kinderlose Akademiker: eine Analyse,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.
- Kommentar:
"Managerinnen
sind zu 60 Prozent kinderlos, Professorinnen zu 80 Prozent.
Wohin das führt? Kann man sich leicht klarmachen. Wenn die Zeitungen
in diesen Tagen die strahlenden Abiturienten abbilden – durchzählen,
eins, zwei, eins, zwei: Jeder Zweite der jungen Leute wird wohl
kinderlos bleiben. Nicht, weil es ihnen an Mut fehle. Versagt haben
ihre Eltern, Politiker, die Eliten. Zum Beispiel jene, die unsere
Jungakademiker zum Semester empfangen werden, Professoren aller
Couleur, meist jedoch eines Geschlechts, die so gerne
sozialkritische Diskurse pflegen, aber den einen verpasst haben. Den
um Nachwuchs",
behauptet Susanne MAYER.
Journalisten setzen am
liebsten auf die Analyse, empirische Probleme werden deshalb
politisch korrekt ausgeblendet.
Über die Kinderlosigkeit
der Akademikerinnen wird zurzeit viel geredet, aber eine Debatte
über das Problem der Erfassung von Akademikerkinderlosigkeit fehlt
bislang.
Wenn MAYER nahe legt, dass
jede zweite Abiturientin kinderlos bleiben wird, dann ist das
sozialpolitische Demagogie.
Christian SCHMITT
hat anhand von Lebensverlaufsdaten (normalerweise werden von
Bevölkerungswissenschaftler gerne
wenig aussagekräftige Haushaltszahlen benutzt) belegt, dass
weniger als 30 % der Akademikerinnen kinderlosen bleiben werden.
Aber nicht jede Abiturientin wird
auch Akademikerin, d.h. die Kinderlosigkeit von Abiturientinnen wird
noch geringer sein.
Die ZEIT veröffentlich heute auch
jede Menge Leserbriefe zu Bernd ULRICH, Stephan LEBERT und die
Akademikerkinderlosigkeit.
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CLAUSNITZER, Beate (2005): Der Kapitalismus frisst seine Kinder.
Was ist weiblich?
Warum die Logik der Arbeitswelt die Familien zerstört,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.
- Inhalt:
"Frauen
gelten als gleichberechtigt – um den Preis der Mutterschaft, also
gerade des Merkmals, das sie von Männern unterscheidet und das
einmal von »statusprägendem Charakter« für sie war. Man könnte darin
ein erschreckendes Indiz für einen Verlust sehen, der viel mehr
bedeutet als nur ein demografisches Problem.
Der Geburtenrückgang ist die Quittung für ein hoch
industrialisiertes Arbeits- (und Bildungs)system und Ausdruck seiner
Werte. Wir arbeiten, um kalkulierbar einen direkten materiellen
Gewinn im Hier und Jetzt zu erzielen. Wert hat, was »sich rechnet«.
Dieser Materialismus steht im Gegensatz zu dem, was Kinder bedeuten:
eine unsichere Investition in eine Zukunft, die man selbst nicht
mehr erleben wird, auf die man nur vertrauen kann",
meint CLAUSNITZER.
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ASSHEUER,
Thomas (2005): In den Stahlgewittern des Kapitalismus.
Kulturelle Eliten.
Zwischen Melancholie und Tragik – wie kulturelle Eliten auf die
wirtschaftliche Dauerkrise reagieren. Eine kleine Typenlehre,
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.
- Kommentar:
Thomas ASSHEUER hat für die Gegenwart zwei
polare Weltsichten identifiziert:
"Wenn
nicht alles täuscht, dann zeichnen sich derzeit zwei Weltsichten ab,
die gegensätzlicher nicht sein könnten. Angesichts einer
schicksalhaften Ökonomie werden die einen zu Melancholikern – und
die anderen zu Tragikern. Die einen pflegen eine Rhetorik der Sorge
und die anderen eine Rhetorik der Härte."
ASSHEUER beschreibt
ausführlich den Heroismus der Anpassung unserer neuen Werteelite,
die im darwinistischen Überlebenskampf das wahre Leben erblickt, und
deshalb den Massen der Sozialstaatsabhängigen das Geschenk der
Freisetzung aus der staatlichen Hängematte macht.
Existentialismus statt Spaß für den
Normalbürger:
"Während
der Melancholiker noch mit erhabener Trauer die Verluste bilanziert,
entschließt sich sein Gegenspieler zur tragischen Flucht nach vorn
und akzeptiert die Welt so, wie sie ist. (...). Heroismus der
Anpassung – so lautet die Antwort des Tragikers auf den Kapitalismus
als Schicksal.
Was daraus folgt, liegt auf der Hand. (...) In seinen Augen ist der
brutale Veränderungsdruck (...) sehr zu begrüßen. Er bringt den
existenziellen Ernst ins Leben zurück. Er macht
Schluss mit der
Spaßgesellschaft,
Schluss mit Hedonismus und
postmoderner Oberflächlichkeit. Kurzum, der Tragiker feiert den
ökonomischen Ernstfall, weil er den letzten Funken linker Utopie
auslöscht und den Schaumteppich zerstört, den der Sozialstaat über die »natürliche
Härte« des Daseins gelegt hat.
Auch
Verteilungskämpfe, die auf dem schmalen Grat zwischen Wirtschaft und
Gesellschaft entstehen, sind nichts, was der Tragiker ernsthaft
beklagen würde, im Gegenteil. Beinharte Konflikte (...) sind für ihn
heilsam und notwendig, (...). So verspürt der Tragiker
Genugtuung darüber,
dass die fetten Jahre vorbei sind und die alte »Bundesrepublik« zu
Grabe getragen wird (...) und bei der Verwaltung des Daseins das
Wichtigste vergessen habe: das »Leben« selbst.
(...). In dem Maß, wie der Wohlfahrtsstaat bröckelt, kommt für den
Tragiker sogar ein »antikes« Moment ans Licht – gleichsam das
Konflikthafte des Lebens selbst, das zeitlose Muster von Triumph und
Niederlage, Gewinn und Verlust."
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- SCHWITALLA, Thomas (2005): Auch die
Väter leiden.
Scheidung. Treffen Trennungen nur Frauen und Kinder? Neue Studien
korrigieren ein schiefes Bild.
in: Rheinischer Merkur Nr.10 v. 10.03.
- Kommentar:
Der anschwellende
Antifeminismus erhofft sich durch
den allgemeinen bevölkerungspolitischen Kurs Rückenwind für eine
väterfreundliche Scheidungsreform.
Für Gerhard AMENDT ist das
gegenwärtige Scheidungsrecht bevölkerungspolitisch bedenklich:
"Bei
dem vorherrschenden Klischee von Männern als Tätern und Unholden
überlegen sich viele junge Männer, ob sie überhaupt heiraten und
eine Familie gründen sollen. Die Männer wissen nicht, was auf sie
zukommt, wenn es zur Scheidung kommt. Die Wahrscheinlichkeit, die
Kinder dann zu verlieren, schreckt viele ab. Man kann nicht auf der
einen Seite eine Politik für die Familie machen, aber auf der
anderen Seite ständig den männlichen Teil der Familie herabwürdigen.
Einzelkritik ist sinnvoll, aber die weit verbreitete kollektive
Entwürdigung von Vätern vergiftet die Gesellschaft."
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- FLORIN, Christiane (2005): Je oller, je
doller.
Klammheimlich wurde die
Midlife-Crisis abgeschafft. Der alternde Mensch von heute geht nahtlos
von von der Dauerjugend in die Rente,
in: Rheinischer Merkur Nr.10 v. 10.03.
- Inhalt:
"Je
weniger Kinder zur Welt kommen, desto infantiler werden die schon
Geborenen. Medizinsendungen, in denen einst Frühinvalide über ihr
Rheuma klagen durften, bitten nur noch paarungswillige Endsiebziger
ins Studio, die vor der Kamera ihr Erektionsverhalten offen legen",
schreibt Christiane FLORIN anlässlich des neuen Buches
"schöne junge Welt" von Claudius SEIDL.
-
MÄRZ,
Ursula (2005): Wie man mit Anstand 50 wird.
Vom Stapel: Claudius Seidl "schöne junge welt",
in: Die ZEIT Nr.11 v. 10.03.
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- OBERLÄNDER, Jan (2005): Das Ich-Mobil.
Ein Funktionstest,
in: Tagesspiegel v. 10.03.
- Kommentar:
"Wenn weniger Kinder geboren werden, sinkt das
zukünftige Arbeitskräftepotential. Darin wird häufig ein großes
Problem gesehen. Es ist eher ein Beispiel für die Chancen der
demographischen Entwicklung: Wir haben heute und für die absehbare
Zukunft wahrlich andere Sorgen als einen Mangel an Arbeitsplätzen.
Es ist paradox, wenn einerseits (...) über »Freisetzung« von
Arbeitskräften durch eine zunehmende Rationalisierung geklagt wird,
in der bevölkerungspolitischen Diskussion dagegen das rückläufige
Arbeitskräftepotential des Jahres 2000 als Katastrophe verbucht
wird", schreiben
Wolf-Reiner LEENEN &
Albrecht MÜLLER
in ihrem -
von Frank SCHIRRMACHER gebrandmarkten Artikel
- Babys - der Rente wegen? Die bevölkerungspolitische Debatte
wird falsch geführt in der ZEIT vom 09. 02.1979.
Angesichts der neuen Klassengesellschaft, die
mit den Hartz-Reformen von Tag zu Tag ihre Konturen gewinnt, waren
LEENEN &
MÜLLER
offenbar in ihrer Prognose für die Jahrtausendwende keineswegs so
falsch gelegen wie das SCHIRRMACHER gerne hätte.
Trotz Geburtenrückgang haben wir
ein Heer von Arbeitslosen. Wir haben also auch - anders als gedacht
- einen Mangel an Arbeitsplätzen, wenngleich ein rückläufiges
Arbeitskräftepotential zur Zeit wahrlich nicht unser Problem
ist.
New Economy-Boom und
Jobkrise zeigen jedoch, dass sich
innerhalb weniger Jahre die wirtschaftliche Situation radikal ändern
kann - unabhängig von demografischen Einflüssen.
Geburtenentwicklung und
ökonomische Entwicklung sind in ihrem Verlauf weit weniger von
einander abhängig als der demografische Alarmismus behauptet.
(der von NAWROCKI angekündigte
Bevölkerungsrückgang von 5,3 - 8,3 Millionen Einwohnern bis zur
Jahrtausendwende ist dagegen ausgeblieben, von
SCHIRRMACHER
anscheinend unter den "ganz wenigen Prognosefehlern" verbucht, quasi
Peanuts!).
OBERLÄNDER stellt deshalb einen "rollenden
Mülleimer" vor, der zur neuen Behausung unserer mobilitätsbereiten
Ich-Niedriglöhner werden könnte:
"Ausgehend von der These, dass die Form
des Equipments die Lebensumstände seiner Benutzer widerspiegelt, hat
Baumann im Rahmen seines Projekts »Instant Housing« so genannte
fahrbare Wohnbehälter (WBF) entwickelt.
Diese wirken auf den ersten Blick, ungern schreibt man es, wie
glänzende Mülltonnen, komplett mit Deckel, Griff und Rollen. Einmal
langgelegt, auf- und ausgeklappt, erweisen sie sich jedoch als wahre
Funktionalitätswunder: Vom Standardmodell »WBF 240 S« (mit
ausziehbarer, gepolsterter Liegefläche, Erste- Hilfe-Paket,
Taschenlampe, Taschenmesser, Spiegel und Trillerpfeife) über den »WBF
240-M« (mit Moskitonetz) bis hin zum »WBF 240-Office« (mit »Baycom
Worldbook II«-Laptop), passen sich die »mobilen Wohnsysteme« ganz
den spezifischen, marktbedingt herabgeschraubten Bedürfnisse
heutiger Berber, Werber und anderer
urbaner Nomaden an."
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- SIRLESCHTOV, Antje (2005): An
Feierabend ist nicht zu denken.
Eine Studie über das Leben im
Jahre 2050 – wenn 70-Jährige morgens zur Arbeit fahren müssen,
in: Tagesspiegel v. 10.03.
- Kommentar:
1968 machte sich das Intellektuellenmagazin
Kursbuch und die Jugendzeitschrift Bravo Gedanken über
unsere Gegenwart,
FELDMANN hat das nun verglichen.
Bevölkerungspolitisch gesehen
waren die Zukunftsentwürfe ein Flop, obwohl der Zeitrahmen nicht
einmal 40 Jahre beträgt.
Unsere Politiker dagegen kennen
kein Pardon. Sie wissen bereits heute was uns 2050 erwartet, z.B.
Ullrich PFEIFFER und Thilo SARRAZIN. Sie haben im Auftrag der
SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung die Studie »Staatshaushalt,
Wachstum, Demographie« verfasst.
Jede Generation muss mit den
Irrtümern ihrer Vorgängergeneration leben, da hilft auch die beste
Studie nichts!
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SIMONE, Jung (2005): Allein in der City,
in: 37 Grad. Sendung des ZDF v. 08.03.
- Kommentar:
In der ZDF-Sendung geht es schwerpunktmäßig um
Einsamkeit,
Alleinleben und Partnersuche.
Die Website geht jedoch über die thematisch
bedingte Einseitigkeit hinaus.
Immerhin hat man dort single-generation.de zur
Kenntnis genommen und setzt sich deshalb auch mit den hier
aufgezeigten Defiziten der öffentlichen Single-Debatte auseinander.
In
Preis der Freiheit? (von Meinolf FRITZEN) wird auf Mario HENÉs
Slogan "Lieber allein als gemeinsam einsam" und die Problematik der
Single-Statistik eingegangen.
In zwei Teilen hat
single-generation.de bisher die Mythen der amtlichen Statistik und
ihrer Interpreten aufgezeigt.
Im
ersten Teil ging es um begriffliche Uneindeutigkeiten und im
zweiten Teil wurde die Verbreitung der Einpersonenhaushalte
unter die Lupe genommen.
Im Thema des Monats April wird -
anlässlich der
FAZ-Kampagne von Frank SCHIRRMACHER
- die Single-Lüge als Elitenversagen thematisiert.
Anders als SCHIRRMACHER und die
Bevölkerungswissenschaft behauptet, ist der Geburtenrückgang
keineswegs die Folge der angeblich zahlreichen lebenslang
Alleinlebenden in dieser Gesellschaft, sondern das falsche Bild über
das Alleinleben im mittleren Lebensalter hat den Geburtenrückgang
zusätzlich befeuert.
Der demografische Alarmismus und
das damit einhergehende Feindbild Kinderloser wirkt auf jene
Kinderlosen, die gerne Kinder hätten eher abschreckend und wer keine
Kinder möchte, der lässt sich durch diese absurde Debatte auch nicht
überzeugen.
Keiner wird gewinnen, aber alle
verlieren.
Aber hier leben, nein danke ist die
unausweichliche Konsequenz der grassierenden
Kinderlosenfeindlichkeit dieser Gesellschaft!
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- Der wichtige Artikel:
SOLDT, Rüdiger (2005): Kinderlose Akademikerinnen?
Die Demographie braucht genauere Zahlen zur Geburtenstatistik,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 08.03.
- Kommentar:
Seit
Ulrike WINKELMANNs Artikel in der TAZ
vom 21.01.2005 ist dies der wichtigste
Artikel für Kinderlose, die dem gegenwärtigen demografischen
Alarmismus nichts abgewinnen können.
Auf Seite 1 werden die
Übertreibungen der deutschen Bevölkerungswissenschaftler
angeprangert (wohlweislich wurde bei
BIRG und
SCHIRRMACHER die Kinderlosigkeit der
Akademikerinnen ausgeklammert, denn beiden geht es ja nicht um die
Probleme der erwerbstätigen Mütter, sondern um die
Rehabilitierung der
"Deutschen Mutter". Dagegen hat
LENZEN-SCHULTE
in der FAZ vom 25.02.2005 die zu hohe Akademikerkinderlosigkeit
zum Anlass genommen, um einen Paradigmenwechsel für den
Aufklärungsunterricht zu fordern).
In der
Welt am Sonntag vom 27.02.2005 durfte jedoch Daniel BAHR,
Bundesvorstand der FDP-Fraktion, unter der Schlagzeile
Unfruchtbare Elite schreiben, dass von "den 35- bis 39jährigen
Frauen mit Hochschulabschluss (...) in Westdeutschland 44,3 Prozent
ohne Kinder" leben.
Christian SCHMITT, der vor kurzem
eine
Studie über kinderlose Männer
veröffentlicht hat, belegt dagegen anhand von - im Gegensatz zur
amtlichen Statistik - aussagekräftigeren Lebensverlaufsdaten, dass
"weniger als dreißig Prozent der Akademikerinnen kinderlos" bleiben
werden. Im Essay
Geburtenkrise - Die politische Konstruktion
eines Themas hat single-dasein.de die Problematik der
Zahlen zu kinderlosen Akademikerinnen ausführlich dargestellt.
Single-dasein.de
hat bereits öfters auf die katastrophale Datenlage hingewiesen.
In dem Artikel von SOLDT werden Hintergründe zu dieser Problematik
geliefert. Um der politischen Korrektheit willen, sind genaue Daten
gar nicht erwünscht, denn dann müssten unsere Sozialpopulisten
Abschied von ihren geliebten Ressentiments nehmen.
Warum erschien dieser
Artikel in der FAZ und nicht z.B. in der TAZ? SOLDT geht es
natürlich vor allem um Daten, die nachweisen sollen, dass staatliche
Kinderbetreuung keinen entscheidenden Beitrag zur Erhöhung der
Geburtenrate leistet. Es heißt dann z.B.:
"die Rolle der Männer (wird) bei der
Entscheidung für Kinder stark unterbewertet, und die Frage,
inwiefern Frauen Mutterrolle und Beruf vereinbaren können, wird
dagegen zumeist überbewertet".
In der
Allgemeinen Zeitung Mainz
hat der Soziologe Norbert F. SCHNEIDER erklärt, dass "Fortpflanzung
keine Menschenpflicht ist".
Wissenschaftler, die jetzt noch schweigen sind
einverstanden mit der FAZ-Medienkampagne gegen Kinderlose, die mit
unseriösen Daten geführt wird!
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FENGLER, Susanne (2005): Ich bin die RICHTIGE Beute!
Von der Gnade der späten Geburt oder Warum ich bisher
0,0 Kinder zur Sicherung des Standorts Deutschlands beigetragen
habe,
in: TAZ v. 08.03.
- Kommentar:
Vielleicht erscheint ja demnächst mal in einem
Magazin eine Titelgeschichte à la "Ich habe abgetrieben".
Das Update müsste dann
lauten: "Ich habe kein Kind gezeugt/geboren".
Susanne FENGLER zeigt schon einmal
wie so etwas aussehen könnte:
"ich
werde gesucht, ach, was sage ich: gejagt! Von der deutschen
Wirtschaft. Den deutschen Sozialkassen. Den deutschen Parteien.
Renate Schmidt im Besonderen. Aber auch von
Frank Schirrmacher,
der gegen den demografischen Untergang des Abendlands kämpft.
Ich werde verfolgt, weil ich DIE RICHTIGE bin. Das größte
Problem, das Deutschland derzeit hat, ist schließlich, dass nur DIE
FALSCHEN noch Kinder bekommen. Hat der
Jungliberale Daniel Bahr
vor einiger Zeit mal gesagt. (...).
Damit aus dem »Methusalem-Komplott«
nicht auch noch eine Verschwörung der Armen wird, müssen endlich wir
Akademikerinnen im gebärfähigen Alter ran. Die anderen Parteien
sagen es nicht ganz so deutlich. Meinen aber das gleiche, wenn sie
höflich auf die Statistiken verweisen, die belegen,
dass 40 Prozent der deutschen Frauen mit Hochschulabschluss
kinderlos bleiben (...).
Ich fühle mich als Buhmann der Nation. (...). Ich bin 33 Jahre alt
und habe bislang 0,0 Kinder zur Sicherung des Standorts Deutschland
beigetragen. Selbst Hans Eichel kann bessere Bilanzen vorweisen.
In der
Frankfurter Allgemeinen rechnet mir der
Bevölkerungswissenschaftler Herwig Birg Tag für Tag vor, dass die
Deutschen spätestens im Jahr 2090 ausgestorben sein werden, wenn ich
nicht bald etwas unternehme. Die Zeit (Anmerkung:
stand auch in
der FAZ unter der Schlagzeile "Wunschkind.de") plädiert
für einen Paradigmenwechsel im Biologieunterricht: Anstatt den
Teenies beizubringen, wie man unerwünschten Nachwuchs vermeidet,
sollte man ihnen künftig klar machen, welch kurze Zeitspanne den
Frauen, den RICHTIGEN zumal, eigentlich zur Fortpflanzung zur
Verfügung steht."
Das Outing der Männer als
Nicht-Zeuger sieht dagegen etwas anders aus. Ein Vorreiter war hier
Hans-Ulrich TREICHEL.
-
SCHMITT, Cosima (2005): Willig, aber unfähig.
Bei der Hälfte der Paare, die kein Kind kriegen,
liegt es am Mann. Frauen nehmen das selten hin,
in: TAZ v. 08.03.
-
WAGNER, Axel (2005): "So können Sie nicht Vater werden.
Von Test zu Test schlechtere Werte: Wie es sich
anfühlt, eingeschränkt zeugungsfähig zu sein,
in: TAZ v. 08.03.
-
WOLTERSDORF, Adrienne (2005): Jede Frau an ihrem Platz.
Wo stehen Frauen in zwanzig Jahren? Haben sie eine
neue Rolle in Beruf, Beziehung und Familie?
in: TAZ v. 08.03.
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- HOHMANN, Silke (2005): Nuala,
in: Frankfurter Rundschau v. 08.03.
- Inhalt:
HOHMANN befasst sich mit der schönen jungen
Wellness welt:
"Wellness
ist so was wie die Befehlsform von »gut«. Der Imperativ zeichnet
einen unerbittlichen Bannkreis der Überlegenheit,
eine Hoheitsmeile der Herrschaft über das Selbst, die unter dem
Zusatz von wohlriechenden Substanzen augenblicklich aufgeht in
dunstige Selbstgefälligkeit, aus der nichts folgt. Außer, dass sich
das grundlose Gutfühlen auswächst zu
haarsträubenden Lifestyle-Thesen wie der von der ewigen Jugend (die
einen erheblichen Bart hat) oder Fragestellungen wie »Warum wir
nicht mehr älter werden«.
Glatt gelogen, bloß steht jetzt auf jedem Leben Wellness drauf, und
darum fühlt es sich haltbarer an. Genau wie das Gehen am Stock
kürzlich einfach zur Sportart umdefiniert wurde. Weil die Begründung
»Vorbeugen von Oberschenkelhalsbruch« wenig Lifestylefaktor hat,
nennt man Nordic Walking »knieschonend«. Der Geronto-GAU ist
natürlich wiederum nur mit Nachwuchs in Schach zu halten. Aber
vielleicht wird ja alles wieder gut, wenn erst die Wellness weg ist."
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Zu den News
vom
04. - 07. März 2005
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