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News vom 09. - 16. März

 
       
     
       
   

Zitat des Monats:

Die Dramatisierung des Geburtenrückgangs durch die Vorwärts-zurück-zur-Sonderrolle-der-Frau-Fraktion

"Es war um 1900, als in Deutschland der erste Geburtenrückgang einsetzte. Nachdem dann in den 1950er und frühen 1960er Jahren kurzfristig ein Babyboom verzeichnet wurde, begann im Jahr 1965 das, was die Bevölkerungswissenschaftler als zweiten Geburtenrückgang bezeichnen: Die Geburtenzahlen ging zurück, sanken weiter und sind seit einigen Jahren annähernd konstant geblieben - freilich auf niedrigem Niveau. Im Jahr 2005, so meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung, hat diese langfristige Entwicklung nun aber einen symbolträchtigen neuen Tiefpunkt erreicht, nämlich weniger als 676 000 Geburten, und das bedeutet: »Im Vergleich zum Jahr 1964, als in der Bundesrepublik und in der DDR mit insgesamt 1,357 Millionen Kindern ein Geburtenrekord erreicht wurde, hat sich die Zahl der Babys sogar halbiert«.
             Solche Zahlen klingen beeindruckend, doch bei näherer Betrachtung sind sie mit einem Schönheitsfehler behaftet. Zu dem Zeitpunkt, als die Meldung den Weg durch die Medien nahm, lagen noch keine gesicherten Daten vor, erst vorläufige Schätzungen. Und es gab andere Schätzungen, etwa zeitgleich vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung vorgelegt, wonach die Geburtenzahlen etwas höher ausfielen. Tatsächlich, so hat sich inzwischen gezeigt, lag die letztere Schätzung richtig, es wurden 686 Kinder geboren.
             (...). Deutschland weltweit am untersten Ende, wie das Berlin-Institut behauptete? Das ist ein Mythos, entstanden durch die bereits genannte Publikation des Berlin-Instituts, die von einem sehr groben Meßwert ausging, nämlich Geburten je 1.000 Einwohner. Nimmt man dagegen den in der Demographie üblichen, nämlich zuverlässigeren Meßwert - die durchschnittliche Kinderzahl je Frau -, verschiebt sich das Bild. Dann kann, so das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, »keine Rede davon sein, daß ... Deutschland Spitzenreiter im negativen Sinn bei den Geburtenzahlen sei«. Dann gibt es eine Reihe von Ländern - insbesondere in Südeuropa und Osteuropa -, wo die Geburtenzahlen noch niedriger liegen.
             (...).
So gesehen ist die aktuelle Dramatisierung des Geburtenrückgangs wesentlich ein Medienereignis, offensichtlich entstanden aus der Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Schlagzeilen, Verkaufszahlen; nicht zuletzt auch eine gezielte Werbekampagne, um eine neue Publikation prominent zu plazieren und zum Bestseller zu machen. Und wer sich in der Geschichte ein wenig auskennt, der weiß: Ähnliche Debatten hat es auch schon früher gegeben. Schirrmacher, SPIEGEL und Co haben das Thema Geburtenrückgang zwar wiederaufgegriffen und medienwirksam gestaltet - aber es hat lange davor schon manche Konjunkturen erlebt. Die aktuelle Erregungskurve hat ihre historischen Vorläufer, pointiert zusammengefaßt: »Wir sterben immer wieder aus«.

( aus: Elisabeth Beck-Gernsheim "Die Kinderfrage heute", 2006, S.9-12)

 
       
   
   
  • SZ-Serie: Projekt Familie (2) Kinder, Krippen, Karriere.
    SZ-Korrespondenten berichten, wie die Kinderbetreuung im Ausland funktioniert. Die Unterschiede sind gewaltig

    • KLÄSGEN, Michael (2007): Mittwochs frei.
      Frankreich: Auch Mütter mit drei Kindern können Karriere machen,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • STEFAN, Ulrich (2007): Unter Druck.
      Italien: Die meisten Mütter müssen arbeiten - sonst reicht das Geld nicht,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • GUNNAR, Herrmann (2007): Der Staat hilft.
      Schweden: Jedes einjährige Kind bekommt einen Betreuungsplatz,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • KLÜVER, Reymer (2007): Kurze Auszeit.
      USA: Viele Firmen bilden Frauen während der Elternzeit weiter,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • URBAN, Thomas (2007): Schocktherapie.
      Polen: Es gibt viele Krippenplätze - weil wenige Kinder geboren werden,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
    • KIRCHNER, Thomas (2007): Gut und teuer.
      Schweiz: Schon Babys kommen in die Krippe, doch die Tarife sind hoch,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 16.03.
 
     
   
  • JUNG, Werner (2007): In einem anderen Licht.
    Streuner: In seine Werken versteckt Wilhelm Genazino "Botschaften des Unscheinbaren". Soeben ist sein neuer Roman "Mittelmäßiges Heimweh" erschienen,
    in: Freitag Nr.11 v. 16.03.
 
     
   
  • PETROPULOS, Kostas (2007): Hurra, wir schrumpfen?
    Der deutsche Kindermangel wird der Welt nicht helfen,
    in: Tagesspiegel v. 16.03.
 
     
     
     
     
   
  • SONNENSCHEIN, Ulrich (2007): Montag ist sowieso Donnerstag.
    Benjamin Kunkels Roman "Unentschlossen" ist viel zu klug (und abgeklärt), um nur komisch zu sein,
    in: Frankfurter Rundschau v. 14.03.
 
   
  • SZ-Serie: Projekt Familie (1)

    • BERTH, Felix (2007): Nicht zu früh, nicht zu viel.
      Jenseits der aktuellen politischen Diskussion gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse darüber, ob Krippen der Psyche schaden oder nicht,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
    • RÜHLE, Alex (2007): Wir Schizo-Eltern.
      Sie sind hin- und hergerissen zwischen Arbeit und Familie, haben ein schlechtes Gewissen und nehmen hochdosierte Ratgeberliteratur ein: ein Krankheitsbild deutscher Eltern,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 13.03.
      • Inhalt:
        Alex RÜHLE beackert weiter sein Thema, wonach das heutige Familienbild in Ratgebern, Fernsehen usw. Elternschaft erschwert bzw. verhindert (hier und hier), statt zu erleichtern bzw. zu fördern.
 
     
   
  • WORATSCHKA, Rainer (2007): "Das war Norbert Blüms Fehler".
    JU-Chef Mißfelder über Konstruktionsschwächen der Pflegeversicherung – und warum man über ihre Reform leichter reden kann,
    in: Tagesspiegel v. 13.03.
 
     
   
  • ZIELCKE, Andreas (2007): Falsche Bergprediger.
    Deutsche Familienromantik, deutsche Kinderfeindlichkeit,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
    • Inhalt:
      Die Hälfte des Artikels ist Zeilenschinderei und bedient sich des üblichen Zitatenschatzes der Familienrhetorik, um die Union zu disqualifizieren.

                   Kurzgefasst: Der CDU/CSU wird eine "Mesalliance aus Wirtschaftsliberalismus und Familienkonservativsmus" vorgeworfen, deren gemeinsamer Nenner die Kinderfeindlichkeit sei. Unvermeidlich ist hier natürlich ein Zitat von FX KAUFMANN.
                   Bei der strukturellen Rücksichtslosigkeit gegenüber Kindern steht dann merkwürdigerweise die Rente für Kinderlose an erster Stelle:
                   "In das Rentenrecht ist die berüchtigtste Perversität eingebaut – je mehr Kinder, desto geringere Rente. Die Singles und Paare, die keine Kinder großgezogen haben, werden mit der größten Rente bedacht. Sie haben im Schnitt mehr Jahre eingezahlt als die Eltern mit Kindern (bei denen in der Regel mindestens einer von beiden, meist die Frau, eine Reihe von Jahren pausiert), und sie konnten im Schnitt höhere Beiträge zahlen und dafür höhere Anwartschaften erwerben, weil sie bei Verdienst und Karriere durch keine Kindererziehung gehandicapt waren.
      Eine satte Belohnung für heroische Kinderlosigkeit und, trotz eines kleinen Ausgleichs für angerechnete Erziehungszeiten, eine herbe Bestrafung für die Frivolität, Kinder aufzuziehen, die später zu allem Überfluss auch noch den Kinderlosen die Rente zahlen.
      "
                   ZIELCKE ist jedoch - im Gegensatz zu Guru FX KAUFMANN zu feige - die Rente nach Kinderzahl explizit zu fordern.
                   An zweiter Stelle wird das Ehegattensplitting angeprangert, "von dem die kinderlose Hausfrauenehe am stärksten profitiert".
                   An dritter Stelle rangiert die Verweigerung von Krankenkassenzuschüssen für die künstliche Befruchtung bei kinderlosen, unverheirateten Paaren (siehe Rente!).
                   Unter ferner liefen kommen dann Wohnungen für Familien und ein familienfreundlichen Wohnumfeld.
                   Auch nicht vergessen werden potentielle Eltern (also Kinderlose, siehe Rente), die aufgrund der Auflösung der festen Beschäftigungsverhältnisse vor größere Probleme gestellt werden.
                   Von der trüben Lage der Alleinerziehenden will ZIELCKE erst gar nicht reden.
                   Summasummarum - Kinderkrippenplätze sind also sowieso unnötig...
  • SCHNEIDER, Jens (2007): Zu schnell für Bremsversuche.
    Ursula von der Leyen und ihre Familienpolitik: Furchtlos vor Freund und Feind: Ihre Konzepte verstören die Traditionalisten in der CDU, die Ministerin kalt zu stellen wagt dennoch keiner - man weiß, wie nützlich sie für die Partei ist,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
 
   
  • DORSCHEL, Andreas (2007): Lockenwickler und Vibrator.
    Eine Geschichte der Ehe: Für Voltaire war sie das einzige Abenteuer, das den Feigen offensteht: die Ehe. Stephanie Coontz schreibt über die Schattenseiten der Liebesinstitution - wie etwa die "Wasserfolter" des täglichen Frühstücks,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 12.03.
 
     
   
  • HASELBERGER, Stephan & Hans MONATH (2007): "Ich grinse oft wie ein Honigkuchenpferd".
    Ex-Familienministerin Renate Schmidt (SPD) über den Unionsstreit zur Kinderbetreuung und die Fehler ihrer eigenen Partei,
    in: Tagesspiegel v. 12.03.
 
     
   
  • SCHMIESE, Wulf (2007): "Wir brauchen mehr Tempo!"
    Ministerin Annette Schavan fordert kürzere Studien - damit den Deutschen Zeit fürs Kinderkriegen bleibt,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
   
  • LOHSE, Eckart (2007): "Wir mutieren zu einer Minderheit".
    Wie schwer der CDU die familienpolitische Wende fällt, zeigt sich im konservativ-katholischen Cloppenburg,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
  • ROSS, Andreas (2007): Wahlfreiheit anders.
    Der Blick zu den Nachbarn (I): Holland,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
  • ALTENBOCKUM, Jasper von (2007): Rückkehr zur Familie.
    Der Blick zu den Nachbarn (II): Schweden,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
   
  • MÜNCHHAUSEN, Anna von (2007): "Mutter sein ist kein Beruf".
    Streitthema Krippen: Unversöhnlich stehen Gegner und Befürworter einander gegenüber. Was sagen die Betroffenen? Ein Gespräch mit Jugendlichen, die als Kleinkinder fremdbetreut wurden,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
  • HANK, Rainer (2007): So kommen die Krippen von alleine.
    Der Staat soll das Geld direkt den Familien geben. Statt Krippen zu bauen. Dann können die Eltern entscheiden, wer dei Kinder betreut. Und dafür auch selbst bezahlen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
   
  • BARBIER, Hans D. (2007): Warum ist Überalterung unser Glück?
    Die Alten werden ärmer, und die Jungen müssen für sie zahlen. So muss es nicht kommen. Solange wir unser Geld da anlegen, wo die Wirtschaft blüht,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
   
  • FAS-Thema Wissenschaft: Genies in Stickstoff

    • ALBRECHT, Jörg (2007): Genies in Stickstoff.
      Nobelpreisträger spenden Samen, um das Erbgut der Menschheit zu retten? Keine Idee der Fortpflanzungsmedizin ist so verspottet worden wie diese. Und keine war am Ende erfolgreicher. Die kuriose Geschichte der Samenbanken,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
    • SCHINDELE, Eva (2007): Eine Leerstelle im Leben.
      Den meisten Kindern, die aus einer Samenspende hervorgegangen sind, wird ihre wahre Herkunft verschwiegen. Das ist keine gute Idee,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
    • HUCKLENBROICH, Christina & Eva SCHINDELE (2007): Anonyme Väter müssen zittern.
      Unklare Rechtslage für Samenspender in Deutschland,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
    • PLOTZ, David (2007): Meine kurze, peinliche Karriere als Samenspender.
      Wie ist das, wenn man als Mann den Entschluss fasst, die Welt mit seinem Samen zu beglücken? Ein etwas halbherziger Selbstversuch,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
    • HUCKLENBROICH, Christina (2007): Nummer 3786 spielt Wasserpolo.
      Was ist denn so im Angebot? Ein nicht ganz ernst gemeinter Selbstversuch,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
   
  • BILLER, Maxim (2007): Sieben Versuche zu lieben.
    Eine Short Story von Maxim Biller,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 11.03.
 
     
   
taz -Brennpunkt:
Lohnt es sich jetzt noch, alt zu werden?
Alles über die Rente mit 67
 
   
  • Der Beschluss der Rente mit 67 durch den Bundestag in der Debatte

    • MUNSBERG, Hendrik (2007): Ein Hoch auf Franz Müntefering,
      in: Berliner Zeitung v. 10.03.
      • Inhalt:
        "Wenn alle immer älter werden, wenn die Jungen immer stärker in Unterzahl geraten und wenn gleichzeitig der Rentenbeitrag wegen seines Einflusses auf die Beschäftigungslage einigermaßen stabil bleiben soll, dann führt kein Weg daran vorbei, das Rentenalter anzuheben", meint MUNSBERG.
    • GÖBEL, Heike (2007): Länger arbeiten,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.03.
      • Inhalt:
        GÖBEL rechtfertigt die Rente mit 67 durch den Druck der steigenden Beitragssätze und behauptet, dass die Heraufsetzung des Rentenbezugsalters das letzte große Einsparpotenzial war:

                     "Das Rentenniveau sinkt bis 2030 auf 43 Prozent des Durchschnittsverdienstes. Weiter runter geht es nicht, sonst fällt die Rente auf Sozialhilfe. Dann gibt es keine Legitimation mehr für das beitragsfinanzierte Umlagesystem".
    • HEFTY, Georg Paul (2007): Ausblick auf die Altersvollbeschäftigung,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.03.
      • Inhalt:
        HEFTY bezeichnet auf Seite 1 die Rente mit 67 als Rentenkürzungsgesetz, das insbesondere Frauen und Geringverdiener treffen wird. Nichtsdestotrotz ist für ihn die Zielsetzung der Reform richtig:

                     "Eine Generation, die nicht genügend Kinder in die Welt setzt und nicht für deren hohe Erwerbs- und Einkommensquote vorsorgt, um ihr eigenes Rentenwunschniveau zu sichern, muss die Folgen in Kauf nehmen."
                     Am Schluss outet er sich zudem als Lobbyist der  Versicherungsbranche:
                     "Eine umlagefinanzierte Alterssicherung erfordert viel mehr kollektive Weitsicht als die Kapitaldeckung, die in der Hand von Versicherungsgesellschaften immer rechnerisch aufgeht".
    • HEBEL, Stephan (2007): Das Renten-Reförmchen,
      in: Frankfurter Rundschau v. 10.03.
      • Inhalt:
        "
        Die Finanzierung der gesetzlichen Rente ist nicht mehr zeitgemäß, weil sie sich überwiegend aus den Einkommen der abhängig Beschäftigten speist. Dass klassische Arbeitsverhältnisse nicht mehr in dem Maß die Regel sind wie vor Jahrzehnten, weiß eigentlich jeder.
                     Die Debatte über die Einbeziehung aller Einkommen ins gesetzliche Rentensystem - Stichwort Bürgerversicherung - ist mit Bildung der großen Koalition praktisch zum Erliegen gekommen", kritisiert HEBEL.
    • HOFFMANN, Andreas (2007): Schröders Vollstrecker,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.03.
      • Inhalt:
        Für HOFFMANN hat die Rente mit 67 in erster Linie symbolischen Wert:

                     "Nach den Berechnungen steigt der Beitrag bis zum Jahr 2030 um 0,5 Prozentpunkte weniger stark an als ohne Reform. (...). Es geht aber um mehr als Zahlen. Die Rente mit 67 ist ein Symbol, ein Symbol für den Weg in die alternde Gesellschaft."
                     HOFFMANN weist außerdem darauf hin, dass zukünftig die Altersarmut wieder steigen kann, weswegen für ihn die Rente mit 67 erst der Anfang der Reformen ist.
 
   
  • VATES, Daniela (2007): "Eine Partei sollte nicht nur missionieren".
    Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Böhmer über den Krippen-Streit in der CDU,
    in: Berliner Zeitung v. 10.03.
  • TKALEC, Maritta: Krippe.
    Kein Bedarf an Heldenmut,
    in: Berliner Zeitung v. 10.03.
 
     
     
     
   
  • LÖWENSTEIN, Stephan (2007): Solidarität unter Frauen,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.03.
    • Inhalt:
      LÖWENSTEIN rekapituliert noch einmal die Debatte um den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung und stellt die nächsten Beratungsetappen vor. Mit dem 2. April (Konferenz der Jugend- und Familienminister von Bund und Länder) und dem 16. April (nächste Sitzung des Koalitionsausschusses) stehen die nächsten Wegmarken der Debatte fest.  
 
     
   
  • WALTER, Klaus (2007): Maximo Park Avenue.
    Das Pop-Magazin "Spex" versucht ein Comeback,
    in: Frankfurter Rundschau v. 09.03.
    • Anmerkungen:
      Klaus WALTER  analysiert die erste Ausgabe des Popmagazins Spex unter Leitung von Max DAX.

                   Mit dem damit verbundenen Generationenwechsel wird der Auflösung des traditionellen poplinken Milieus - oder besser - seiner Mutierung Rechnung getragen.
                   WALTER, ein Angehöriger der 78er-Generation, verteidigt noch einmal sein poplinkes Traditionsmilieu - ohne jegliche Selbstkritik - gegen die Generation Golf und beklagt den Paradigmenwechsel von Diedrich DIEDERICHSEN zu Ulf POSCHARDT als Vatermord:
                   "So umfangreich wie umständlich verabschiedet die Redaktion einen "altlinken Zwangsreflex" und unterstellt der alten Spex eine "verstümmelte Geschichtsschreibung, die Jugendkultur mit Antifaschismus verwechselt und Punk zur letzten authentischen Widerstandsgeste aufbläst."
                   Belegt werden die steilen Thesen durch ein buntes Potpourri aus Spex-Zitaten aus den vergangenen fünfzehn Jahren, die meisten, wenig überraschend, von Diedrich Diederichsen.
                   Der Doyen der Poplinken hatte 1992 bei rassistischen Pogromen in Ostdeutschland junge Nazis mit Malcolm X-Kappen gesichtet und daraus den Schluss gezogen, dass die Gleichung Jugendkultur=Links nach der deutsch-deutschen Wende nicht mehr funktioniert. Der Titel des wegweisenden Essays dementiert einen sprichwörtlich gewordenen Song von The Who: »The Kids are not alright.« Wenn die neue Spex-Redaktion in ihrem Antritts-Editorial das entscheidende not zurücknimmt, dann ist das mehr als der x-te versuchte Vatermord am alten Diederichsen. »The Kids are alright« titeln sie triumphal und kündigen demonstrativ den poplinken Konsens.
                   Damit folgen sie gratismutigen Tabubrechern wie Ulf Poschardt, der ja gern verbreitet, dass man heutzutage nur FDP wählen kann, wenn man Pop ernst nimmt. Mit solchen Parolen hat es Poschardt zum Chefredakteur von Vanity Fair gebracht, dem millionenschweren Blatt für die »Movers und Shakers«."
 
   
  • DIEDERICHSEN, Diedrich (2007): Den Einsatz erhöhen!
    Kritisieren heißt, einen Unterschied zu machen. Und davon zu sprechen, was man politisch und kulturell für wünschenswert hält. Aus Anlass von "Pocket Symphony", dem neuen Album des Pariser Duos Air: einige Gedanken zum Stand der Popkritik,
    in: TAZ v. 09.03.
    • Inhalt:
      Der entthronte Poppapst Diedrich DIEDERICHSEN verteidigt die traditionelle Poplinke gegen den berechtigten Vorwurf, nur noch Distinktionsgeste zu sein.

                   Die Kritik des Besserwissertums (Thomas GROSS) kritisiert er als Urteilsvermeidung. In popkulturell verquaster Umkehrung von Pierre BOURDIEUs Habitustheorie, behauptet DIEDERICHSEN, dass Pop immer zu allererst Pose gewesen sei und nur von seinen Interpreten zur Rebellion stilisiert wurde.
 
   
  • GÜNTNER, Joachim (2007): Hüpfen im Takt der Moderne.
    Die alte bürgerliche Familie ist tot, die neue soll flexibler sein - eine deutsche Debatte,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.03.
    • Inhalt:
      Joachim GÜNTNER erklärt den Schweizern die Debatte um den Ausbau der staatlichen Kinderbetreuung in Deutschland, wobei er den Wandel des Verhältnisses von Arbeitswelt und Familie und den Wortbeitrag von Bischof Walter MIXA in den Mittelpunkt stellt:

                   "Bemerkenswert ist zweierlei. Erstens hat der Bischof sich einer Polemik befleissigt, die doch eigentlich zur feministischen Kampfrhetorik gehört. (...).
                   Zweitens hat Walter Mixa nichts wesentlich anderes gesagt als das, was man schon in Max Horkheimers Kritik der instrumentellen Vernunft lesen kann (...).
                   Noch in den späten 1970er Jahren lasen Studenten im soziologischen Seminar solche Zeilen, ohne den Verfasser für seinen evidenten romantischen Konservatismus zu geisseln. Heute gilt ein Bischof, der in katholischer Adaption kritischer Theorie die alte Frontstellung von Familie contra Gesellschaft erneut probiert, als Reaktionär. Und die jungen Frauen, die er schützen zu wollen behauptet, beschwören nicht den Gegensatz von Privatleben und Beruf, sondern deren möglichst reibungslose Verzahnung. «Vereinbarkeit» heisst die Forderung des Tages.
                   Die Lage hat sich nun allerdings auch gänzlich gewandelt. Jene Familie, die der Grossbürger Horkheimer retrospektiv malte, war im Grunde schon nicht mehr die bürgerliche Familie seines Jahrhunderts, sondern des neunzehnten.
                   (...).
      Mittlerweile aber sind die Hierarchien beiderorts flacher geworden, sowohl in Wirtschaft und Gesellschaft wie auch in der Familie. Zugleich hat die Familie Funktionen verloren: Sie produziert nicht mehr, sie konsumiert nur noch. (...).

                   Am verzweifeltsten ist das Bemühen um Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Alleinerziehenden. Singles und Paare hüpfen leichter im Takt der Moderne. Ihr kinderloses Dasein steht für die grösstmögliche Auflösung des Widerspruchs zwischen Gesellschaft und Familie - freilich mit der Pointe, dass dies nicht nur den strukturellen Antagonismus, sondern gleich die Familie als solche zum Verschwinden bringt.
                   Elterngeld, Kinderkrippen und Ganztagsschulen sollen nun dem Dilemma abhelfen. Dass diese Einrichtungen manchen Familien das Leben und jungen Müttern die Berufstätigkeit erleichtern können, steht ausser Frage; dass sie jedoch weder alle Probleme lösen noch Kinderlose zum Zeugen animieren werden, ist auch klar."
                   Am Ende kommt GÜNTNER noch auf das neue Buch "Die Schule der Frauen" der Kollegin Iris RADISCH zu sprechen:
                   "Hoffnung setzt Radisch nicht in eine Revision der Moderne - sie will kein Zurück -, sondern sie verlangt, die Allgemeinheit möge den Eltern Zeit für ihre Kinder schenken, «alles selbstverständlich mit vollem Rentenausgleich und voller Anerkennung in der Sozialversicherung». In den so gewonnenen «Zeitschutzzonen» soll die Familie zu sich selbst kommen. Als «Gegenmodell zur Allgewalt der Ökonomie und der Beschleunigung» figuriert die Familie bei Radisch wie bei Horkheimer. «Utopisches Träumen» aber wird man ihre Mach-mal-länger- Pause-Philosophie kaum nennen können."
 
   

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