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Medienrundschau:
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News vom 11. -
21. Mai
2004
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Zitat
des Monats:
"Es
stimmt nicht mehr, dass westliche Staaten eine sinkende
Geburtenrate haben.
(...).
In 13 der 58 europäischen Länder (...) hatten Frauen, die gegen
1960 geboren wurden, durchschnittlich mindestens zwei Kinder bis
zum Jahr 2001, wenn sie die 40 überschritten hatten.
(...).
Der niedrige deutsche Durchschnittswert hat sich knapp unter 1,7
stabilisiert. Dem werden sich die Durchschnittswerte von
Spanien, Italien und
Österreich bald anschließen, wenn sie ihn nicht sogar
untertreffen, denn in diesen Ländern hat der Abwärtstrend bis
2001 angehalten und liegt bei deutlich unter zwei Kindern.
(...).
Es gibt ein gewisses Einvernehmen darüber, dass das »echte«
Fertilitätsniveau eher höher ist, als es in den meisten Ländern
den Anschein hat."
(aus:
David A. Colemann "Im Angesicht des 21.
Jahrhunderts: Neue Entwicklungen und alte Probleme. In:
pro familia magazin, 2004, H.1, S.23) |
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FÜLBERTH, Georg (2004): Lichtblick,
in: Freitag Nr.22 v. 21.05.
- Inhalt:
FÜLBERTH berichtet über die neue
Ökonomie-Zeitschrift
Intervention:
"Es
überwiegt ein radikaler Keynesianismus, von einem der Autoren als »Post-Keynesianismus«
bezeichnet. Es mag sein, dass er das Äußerste ist, was gegenwärtig
nach dem wissenschaftlichen Standard, der hier vorgegeben ist,
dargestellt werden kann. Insofern wäre diese Zeitschrift auch eine
Herausforderung an Marxisten, hier aufzuholen. Ganz offenbar führt
kein Weg darum herum, die neoklassischen Annahmen zunächst auf ihrer
eigenen Grundlage zu zerlegen. Marx hat das nicht viel anders
gemacht.
Layout und Druck der Zeitschrift entsprechen dem Anspruch, den
Keynes »Fine Printing« genannt hätte. Intervention
erscheint halbjährlich. Das nächste Heft wird einen Schwerpunkt zu
finanzpolitischen Fragen haben. - Die Zeitschrift ist ein
Lichtblick. Möge sie lange bleiben und gedeihen."
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MERSCHMANN, Helmut (2004): Man wünscht sich andere Wünsche.
(Alp)-Traum einer Konsumenten-Demokratie. Auf dem neunten
"Trendtag" in Hamburg wurde über Billigangebote, Konsumenthaltung und
"Kontingenz" debattiert,
in: Freitag Nr.22 v. 21.05.
- Kommentar:
MERSCHMANN bietet einen Blick hinter die
Fassaden des Trendtags, der sich mit der angeblichen
"Konsumenten-Demokratie" beschäftigte.
Die Anbieter
dürfen sich auf den zwar technisch aufgerüsteten, aber immer noch
außengesteuerten, Konsumenten freuen:
"In
einer aktuellen Umfrage des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) rangieren Politiker und Markenprodukte
mit nur 14 Prozent Glaubwürdigkeit an gleich niedriger Stelle. Mit
über neunzig Prozent sprechen die Befragten dagegen ihren Freunden
und der Familie das Vertrauen aus.
Das Internet hat diesen Impuls längst aufgegriffen und Rankings und
Bewertungen in die Kaufabwicklung eingeführt. Neue und erfolgreiche
Handelsplattformen wie Amazon und Ebay bitten jeden Käufer
um eine Benotung des Verkäufers. Websites für Paarungs- und
Beziehungswillige wie Match.com, für Leute auf
Freundessuche wie Friendster.com oder für kommunikative
Hundehalter (www.dogster.com), die von Wippermann »Socialware«
genannt werden, weil sie eine »Rationalisierung der sozialen
Beziehungen« betreiben, basieren allein auf Kommunität und
Weiterempfehlung."
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FR-Tagesthema: Die Babylücke
- MIES, Petra (2004): Kind oder
Karriere.
Nicht jede Frau wünscht
sich Nachwuchs - und wenn, dann stehen oft Berufspläne oder
betriebliche Realität im Weg,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.05.
- BEBENBURG, Pitt von & Monika KAPPUS
(2004):
"Betreuung ist wichtig".
Gespräch mit der Bundesfamilienministerin Renate Schmidt,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.05.
- MAYER, Tilman (2004): Ein neues
Verteilungsproblem ist geboren.
Die Babylücke ist Fakt, die
Disproportion in der Alterspyramide in Deutschland bekannt. Längere
Lebensarbeitszeit, Zuwanderung und bessere Vereinbarkeit von Beruf
und Familie könnten helfen,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.05.
- LINK, Christoph (2004): Entschieden.
Porträt: Charity Ngilu,
in: Frankfurter Rundschau v. 21.05.
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- BARING, Arnulf (2004): Rückkehr der
Werte.
Paul Noltes Plädoyer für eine neue Bürgergesellschaft,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 19.05.
- Inhalt:
"Das Wort
»Reform« gewann seinen Glanz in den siebziger Jahren, als immer
neue Vergünstigungen aus dem Füllhorn staatlicher Gelder die Bürger
verwöhnten. Jetzt, wo es um Zumutungen statt Zuteilungen geht, also
um eine Gegenreformation, sollte man eher von »Konsolidierung«
sprechen", meint Arnulf BARING, dem die Ruck-Bücher der Jüngeren generell nicht
entschieden genug sind.
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HABERMAS, Jürgen (2004): Ein Ruck muss durch Europa gehen,
in: Weltwoche Nr.21 v. 19.05.
- Inhalt:
Der Ruck-Rhetorik wird so mancher
inzwischen überdrüssig, nichtsdestotrotz geht es hier um ein
wichtiges Thema.
HABERMAS
begründet in einem langen Essay - entgegen der herrschenden Doktrin
der ökonomischen Integration - die Notwendigkeit einer europäischen
Identitätsbildung:
"Die
Systemintegration und eine Verwicklung der Eliten in pfadabhängige
Entscheidungen scheinen ein gemeinsames europäisches Bewusstsein
überflüssig zu machen. Soweit eine soziale Integration über Werte
und Normen überhaupt nötig sein sollte, würde sie sich als eine Art
Beiprodukt von selbst einstellen.
Ich möchte zeigen, warum sich die Erklärungskraft dieser
sozialwissenschaftlichen Hypothesen erschöpft hat (...) und wie der
Einigungsprozess heute an der Schwelle einer fehlenden europäischen
Identität stockt".
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- MNE (2004): Er war hier.
Benjamin von Stuckrad-Barre hat einen Film gedreht,
in: Tagesspiegel v. 19.05.
- Inhalt:
Bericht über den Dokumentarfilm "Ich war hier":
"In dem
Film geht es um die unzähligen Varianten der Ichwarhiers, die
Menschen gerne hinterlassen.
Stuckrad-Barre nennt sie »Versuche, einen Daseins-Beweis zu
erbringen, unsterblich zu sein «."
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- WIARDA, Jan-Martin (2004): Die Ohnmacht
der Väter.
Plötzlich
war sein Sohn weg. Die Mutter hatte ihn einfach mitgenommen. Seither
kämpft Peter Döring um das Sorgerecht,
in: Tagesspiegel v. 19.05.
- Inhalt:
WIARDA porträtiert den 47jährigen Ethnologen und
unverheirateten Trennungsvater Peter DÖRING, der seit einem Jahr
Berliner Landesvorsitzender des Selbsthilfevereins "Väteraufbruch
für Kinder" ist.
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HONDRICH, Karl Otto (2004): Die mittleren Jahre.
Wie kann der einzelne sich ein langes
Leben in Wohlstand leisten, wenn er (demnächst) nur noch ein Viertel
seines Lebens lang selbst Wohlstand schafft? Aufs Ganze gesehen:
Können die beruflichen Leistungsträger in ihren besten Jahren,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 18.05.
- Inhalt:
HONDRICH vergleicht zu Beginn seinen universitären
Lebenslauf mit dem außeruniversitären Arbeitsleben seines Vaters, um
dann zum Schluss zu kommen, dass eine generelle Verlängerung der
Lebensarbeitszeit der Logik der Produktivitätsdynamik entgegensteht.
Weder die Kindheit/Jugend noch das Alter können unter diesem
Gesichtspunkt entscheidend verkürzt werden.
Für HONDRICH ist die
Produktivitätssteigerung zugleich das Problem und die Lösung für das
Wirtschaftssystems.
Die mittleren Jahren
sind einerseits die beruflich produktiven Jahre, andererseits werden
sie durch familiäre Verpflichtungen gegenüber den Jungen und den Alten
überlastet.
Die so genannte
"Sandwich-Generation" der 40-60jährigen sind gemäß HONDRICH die
gesellschaftlichen Leistungsträger.
HONDRICH definiert
Generationen als familiäre und nicht als politische, sodass er
schreiben kann:
"zwischen den Generationen
ist nicht Gerechtigkeit das Regulativ, sondern Liebe."
Aus dem Blickwinkel
von HONDRICH hat Kinderlosigkeit deshalb primär eine
Entlastungsfunktion:
"Die Fülle der mittleren
Jahre gerät zur Überfülle, für manche zum Überdruß. Wünsche und
Visionen der Jugend konnten nicht erfüllt werden. Erfüllungen
erstarren zu Routinen. Auch was aus Liebe getan wird, kann zur Last,
ja zur Überlast werden. Die moderne Gesellschaft weist Auswege: Sie
bietet Neuanfänge. Sie verringert die Zahl der Kinder und entlastet so
die mittleren Jahre von Bindungen und Verpflichtungen."
Für HONDRICH ist
Kinderlosigkeit zwar in den mittleren Jahren objektiv entlastend für
Kinderlose, wirkt aber doppelt defizitär, d.h. infantilisierend und
vergangenheitsfixierend:
"Erwachsene ohne Kinder
bleiben selbst länger in der Rolle des Kindes. Sie wird nicht dadurch
aufgehoben, daß sie selbst Eltern werden. Sei bleiben immer
Nichteltern. Den eigenen Eltern gegenüber mögen sie sie auch im
sozialen Aufstieg überflügeln, werden sie niemals ebenbürtig. (...).
Mangels Bindungen an eigene Kinder, die nach vorn weisen, dominieren
bei den Kinderlosen Rückbindungen an alte Eltern, eventuell Onkel und
Tanten und Geschwister. Unwillkürlich und untergründig bleiben sie
deshalb (...) der Vergangenheit oft stärker verbunden, als sie selbst
für möglich halten."
Damit nicht genug:
Die Entlastungsfunktion wird gemäß HONDRICH für die Kinderlosen im
Alter zur Falle:
"Die kinderlosen Alten sind
(...) ganz und auf die Kinder von anderen - und immer mehr: aus
anderen Kulturen - angewiesen. Sie wandeln auf dem Grat zwischen
Vereinsamung und
Kommerzialisierung ihrer letzten Lebensbezüge. Dies ist ein hoher
Preis für die Entlastung der mittleren Jahre von eigenen Kindern.
Entlastung enthält den doppelten Verlust einer eigenen familialen
Lebensmitte und eines von eigenen Nachkommen zumindest emotional
mitgetragenen Alters."
HONDRICH sieht wie
Ulrich BECK (Neue Zürcher Zeitung vom
18.06.2004) das Problem der mittleren Jahre (und damit auch
des Demografieproblems) nicht im nationalen Rahmen politisch lösbar,
sondern sieht Chancen durch die Internationalisierung:
"Reformer und
Bewußtseinsexperten (...) überschätzen die Politik und unterschätzen
die soziokulturellen Kräfte, die untergründig und wirksamer an einer
anderen Lösung der Probleme arbeiten - allerdings nicht im nationalen
Rahmen: Die Produktivitätsspirale wird exportiert, mittlere Jahre
werden importiert. Dieser merkwürdige Austausch wird von
Kassandrarufen begleitet: Eine Gesellschaft, die sich nicht mehr
selbst reproduziert, gebe sich selbst auf. Irrtum. Sie geht nur auf -
in einer erweiterten Gesellschaft."
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- MAROLDT, Lorenz (2004): Genau zwischen
die Augen.
Nach sieben Jahren wieder ein neues Album: Morrissey, der Poet des
Pop, kann noch kämpfen,
in: Tagesspiegel v. 17.05.
- Kommentar:
MAROLDT stellt die vielen Facetten des
Steven Patrick MORRISSEY vor, u.a.:
"Morrissey,
der scheue Einzelgänger, der Enthaltsame, das sexuelle Rätsel: The
woman of my dreams, she never came along, the woman of my dreams,
well – there never was one."
Für
Sasha CAGEN,
die in den USA eine neue Single-Bewegung ins Leben gerufen hat, ist
MORRISSEY gar ein typischer Quirkyalone.
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- RÜHLE, Alex (2004): Der wahre
Pop-Besessene wird besessen.
4000 Bänder, eine Taschenlampe und ein roter Punkt: Heinz-Peter
Lauf ist der einzige deutsche Kassettenjockey,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.05.
- Inhalt:
RÜHLE streift bei seinem Porträt des Münchner
Kassettenjockeys Heinz-Peter
LAUF die Geschichte der Mixtapes:
"Ende der Siebziger
Jahre gründete Blixa Bargeld in Berlin-Schöneberg einen Laden namens
»Eisengrau«. Bands nahmen hier morgens Bänder auf, die abends
verkauft wurden. Der Schriftsteller David Toop schrieb in seinen
Erinnerungen, damals habe man die Kassette als geradezu
systemfeindliches Instrument gesehen: »Kassetten waren Post-Punk:
Die Leute glaubten daran in einem ideologischen Sinn. Du brauchtest
kein Geld. Du brauchtest kein Label. Und du brauchtest nicht die
Plattenindustrie.«"
1983 brachte dann Philips
den ersten CD-Spieler heraus und killte damit die Kassette.
Fast muss man sagen. Denn
es gibt Heinz-Peter LAUF, der tagsüber im
Plattenladen
Hausmusik arbeitet und Abends im
Ultraschall (inzwischen Harry Klein) Kassetten auflegt...
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- FLOW (2004): Chronisch belastet.
Den Gerontologen gehört die Zukunft,
in: Süddeutsche Zeitung v. 17.05.
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JEISMANN, Michael (2004): Das Ende der Schonzeit.
Er fragte für den kleinen Mann und für eine bessere Republik: Zum
Tod von Günter Gaus,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 17.05.
- Inhalt:
JEISMANN porträtiert den verstorbenen
Günter GAUS als Gegner von
SCHRÖDERs Basta-Politik und als jemanden, der Widersprüche
offenlegen wollte:
"So hatte das Wort von der
»Gnade der späten Geburt«, das von Gaus stammte (...) keinen
wohlgemuten Unterton, sondern drückte die Skepsis gegenüber der
besseren eigenen Einsichtsfähigkeit unter anderen historischen
Umständen aus."
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- BORGEEST, Bernhard (2004):
Mutterrolle rückwärts.
Urknall Kind: Jäh krempelt der Nachwuchs das Leben um - und
verwandelt oft emanzipierte Frauen in brave Muttis,
in: Focus Nr.21 v. 17.05.
- Kommentar:
BORGEEST schreibt über den "Urknall Kind". Über die
Entscheidung Karriere oder Kind wird viel geschrieben. Was
passiert, wenn die Entscheidung gefallen ist, davon handelt die
Coverstory. Kind oder Sex, das ist u.a. das Dilemma der Vaterfrage
wie sie der Focus sieht.
- FOCUS (2004): "Sexkurve steil nach
unten".
Wo bleiben die Väter?
Wassilios E. Fthenakis über den Mann
zwischen starrem Rollenmodell, sozialen Ängsten und Liebesentzug,
in: Focus Nr.21 v. 17.05.
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PETERSDORFF, Winand von (2004): Ringe kaufen.
Haus bauen. Sohn zeugen.
Ökonomen kümmern sich um alles. Selbst um die Ehe. Sie wissen, was
Partnerschaften stabilisiert. Abgesehen von der Liebe,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.05.
- Inhalt:
PETERSDORFF hat die Ergebnisse der Soziologen
Michael WAGNER, Martin ABRAHAM und Johannes STAUDER zum Thema
Ehescheidungsrisiko zusammengefasst.
U.a. ist das
Scheidungsrisiko von Immobilienbesitzer-Paaren um 52 Prozent
niedriger als das der Mieter-Paare.
Stabil sind auch die
Verbindungen von Unternehmerehepaaren, solange sie nicht mittels
Ehe- oder Partnerverträgen das gemeinsame Eigentum am Unternehmen
ausschließen.
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MINKMAR, Nils (2004): Muß Deutschland wandern,
baden oder pendeln?
Die Bestseller-Autoren Gabor Steingart und Peter Richter im
Streitgespräch über die kulturelle und wirtschaftliche Lage des
Landes,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.05.
- Inhalt:
Peter RICHTER ("Blühende Landschaften")
sieht die Wessis in der Identitätskrise, während die Ossis nun jenes
Verhalten kopieren, das die Wessis ihnen nach dem Mauerfall
vorgelebt haben:
"Das Gefühl der
wirtschaftlichen Dominanz gegenüber dem Osten, das ein wichtiger
Teil der westdeutschen Identität war, geht gerade verloren. Dafür
hat sich kulturelle Arroganz längst weiter in den Osten verlagert.
Dem westdeutschen Hungerleider, der früher wenigstens im Osten einen
»auf dicke Hose« machen konnte, entspricht heute der Arbeitslose aus
Dresden-Prohlis, der jetzt im tschechischen Dubi im »Nachtclub
Diana« sitzt und dort den in mehrfacher Hinsicht präpotenten
Schwerstverdiener spielt. Ich frage mich, ob so etwas wirklich
ausschließlich irrsinnig ist oder nicht auch ein für beide Seiten
ganz einträgliches Tauschgeschäft: Überlegenheitsdünkel gegen Kohle.
Eigentlich haben ja alle was davon gehabt."
Gabor
STEINGART dagegen möchte in Deutschland eine große Völkerwanderung
entfachen:
"Lassen Sie doch die Leute
wandern, die Welt ist voll von Menschen, die wandern. Ich halte es
für eine sehr provinzielle Vorstellung, daß alle immer am gleichen
Ort wohnen sollen. Zumal, selbst wenn sie es wollen, es wird nicht
funktionieren".
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SCHMID, Thomas (2004): Die Reformeliten entdecken
das Volk.
Doch ihr Lied von Bürgergeist und Eigeninitiative klingt wie
Katzenmusik,
in: Frankfurter
Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.05.
- Kommentar:
Thomas SCHMID berichtet darüber,
dass sich am Donnerstag die neoliberalen Rucker Deutschlands zum
Dachverband "Aktionsgemeinschaft Deutschland" zusammengeschlossen
haben.
Das Wirtschaftsbürgertum
und ihre Helfershelfer wie Meinhard MIEGEL sehen sich als Stimme des
schweigenden Volkes gegen die Volksparteienherrschaft.
Diese im Grunde
unpolitischen Bourgeois möchten die erfolgreichen sozialen
Bewegungen kopieren, aber die alten Herren der neuen
Bürgerbewegungen sind keine rechtlosen Minderheiten, sondern die
Wirtschaftselite dieser Gesellschaft.
Für SCHMID haben diese
Eliten nur ein Kommunikationsproblem, tatsächlich gibt es jedoch
auch einen Interessengegensatz zwischen diesen Besitzstandswahrern
des Kapitals und den Interessen der von ihnen abhängigen
Beschäftigten.
Auf dröge Manifeste wie
"Für ein besseres Deutschland" können wir deshalb verzichten. Sie
werden nicht richtiger dadurch, dass neoliberale Parolen seit 30
Jahren ständig wiederholt werden...
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- CASATI, Rebecca (2004): Die Herren der
Trauringe.
Aus dem Album der Arten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.05.
- Inhalt:
"Was soll man mit dem abgelegten Ring machen? (...).
Es hat, wissen Forscher, ab einem gewissen Alter seinen Vorteil,
einen Ring zu tragen. Gebund wirkt man angeblich attraktiver auf das
andere Geschlecht, auch vertrauenserweckender. Joschka Fischer,
obwohl viermal verheiratet, wirkt demnach nicht etwa
bindungsunfähig, sondern - freudig."
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SCHLAFFER, Hannelore (2004): Die Erotik
des Wirtschaftswunders.
Martin Walsers Roman "Ehen in Philippsburg",
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.05.
- Inhalt:
"1957 (...) führte
Martin Walser den Bürgern in ihren niedrigen Neubauwohnungen jene große Welt vor, von der sie nur
träumen konnten, von der sie aber in Zukunft abhängig sein sollen."
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- GRAUPNER, Heidrun (2004): Armut im
Reichtum,
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.05.
- Inhalt:
"»Das Soziale neu denken« schrieb die katholische
Kirche (...). Mit dem Bild des arbeitsscheuen Sozialschmarotzers
folgt die Kirche der Politik und hilft mit, das Sozialstaatsgebot
des Grundgesetzes auszuhöhlen", kritisiert GRAUPNER angesichts der
geplanten Sozialhilfereform.
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- HARPPRECHT, Klaus (2004): Not lehrt
beten, schreiben lehrt sie selten.
Gute Zeilen, schlecht Zeilen - Zur Lage des Journalismus (1),
in: Süddeutsche Zeitung v. 15.05.
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ECONOMIST (2004): Old dogs, new tricks?
German demography: Debating population policy is no longer tabu,
in: The Economist v. 14.05.
- Kommentar:
"After
half a century of obscurity, population issues are resurfacing in
headlines, bestseller lists and talk shows",
lobt der britische Economist die Enttabuisierung der
Bevölkerungspolitik durch die Mitte-Eliten.
Single-dasein.de hat
bereits vor 2 Jahren darauf hingewiesen, dass mit dem Pflegeurteil des
Bundesverfassungsgericht in Deutschland faktisch Bevölkerungspolitik
betrieben wird.
Die Enttabuisierung
der Bevölkerungspolitik hat single-dasein.de
bereits im Jahr 2002 prognostiziert.
Der nächste,
konsequente Schritt ist die Forcierung der Kontroverse Familien
contra Singles.
Die
"nachhaltige Familienpolitik", die Kinderlosigkeit als Problem
definiert muss entschieden gegen Kinderlose Front machen, wenn sie
ihr Ziel erreichen will.
Im Economist werden das
Berlin-Institut
und
Frank SCHIRRMACHERs Buch "Methusalem-Komplott" als Schrittmacher
der bevölkerungspolitischen Debatte gewürdigt.
Das im Herbst erscheinende
Buch "Die Altenrepublik" von
Elisabeth NIEJAHR wird ebenfalls in diese Reihe gestellt.
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DIETRICH, Stefan (2004): Das Beste daraus machen.
Auch die Demographiedebatte hat das Zeug zu einem Glaubenskrieg,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 14.05.
- Kommentar:
"Die Einigkeit endet regelmäßig, wenn es um die
Interpretation der Zahlen geht, also um die Ursachen der
Kinderlosigkeit", behauptet DIETRICH, der über eine
bevölkerungspolitische Tagung berichtet. Geladen waren die Hardliner
der Bevölkerungsdebatte (Herwig BIRG, Meinhard MIEGEL usw.).
Tatsächlich sind jedoch
nicht einmal die statistischen Daten unumstritten, zumindest wenn
man den Blick weitet und die internationale Debatte betrachtet.
David A COLEMAN hat
im Mai-Heft des pro familia magazins ganz andere Daten der
Geburtenentwicklung in Deutschland präsentiert. Einzig die deutsche
Medienlandschaft nimmt das nicht zur Kenntnis...
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EHRENSTEIN, Claudia (2004): "Ich will dem Alter die Würde und die
Lebensfreude zurückgeben".
Der Vorsitzende der
Senioren-Union kämpft für mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen
und droht mit einer Klage beim Bundesverfassungsgericht,
in: Welt v. 14.05.
- Inhalt:
Otto WULFF, der Bundesvorsitzende der
Senioren-Union, kämpft für den Wegfall des Renteneintrittsalters:
"Der
demographische Wandel erfordert meiner Ansicht nach auch einen
Verfassungswandel. Die heute 60-Jährigen sind so leistungsfähig wie
einst die 50-Jährigen. 70-Jährige sind so fit wie 60-Jährige. Die
Politik muss die veränderte Realität endlich zur Kenntnis nehmen und
reagieren. Nicht das Alter, sondern die Gebrechlichkeit darf ein
Kriterium sein, um in den Ruhestand zu gehen. Das gilt für einen
40-Jährigen ebenso wie für einen 60-, 70- oder 80-Jährigen. Viele
junge Menschen sind gesundheitlich anfälliger und weniger belastbar
als mancher Alte. Ich wehre mich dagegen, dass die Alten nur wegen
ihres Alters aus dem Berufsleben herausgedrängt werden. Das muss
stets individuell entschieden werden."
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BARTZ, Dietmar (2004): Glücklich ohne.
Ein Mann wünscht sich keine
Kinder. Weil er ein turbulentes Leben führt. Und weil er sich die
Vaterschaft nicht zutraut. Für viele ist das nicht Grund genug. Ein
Rechenschaftsbericht,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 13.05.
- Inhalt:
"Mich
ärgert es, mein individuelles Recht auf Kinderlosigkeit immer
stärker gegen eine totalitäre, angeblich gesellschaftliche Pflicht
zum Kind verteidigen zu müssen. Dabei geht es mir nur um eines:
Soweit ich mich zurückerinnere, wollte ich noch nie ein eigenes
Kind. Ich habe es mir nie zugetraut. Bis heute besteht meine
Vorstellung von Vaterschaft nur aus Pflichten und Gefahren. Das
bringt aber keinen Horror hervor, sondern nur Desinteresse. Die
Begeisterung von Eltern für ihre Aufgabe macht mich ratlos, obwohl
ich sie ihnen gönne. Selbst in tiefen Gesprächen habe ich keine Spur
eines verdrängten Wunsches entdecken können, den viele bei mir
gesucht, aber nicht gefunden haben. Falls die Unsicherheit von
meinen Eltern stammt, haben sie es gut verborgen; meine eigene
Kindheit birgt jedenfalls keine auffallenden Schrecknisse. Oder
fehlt mir ein Repro-Gen? Die Liste der Negationen lässt sich noch
fortsetzen: Vielleicht hätte ich einfach mal eine Vaterschaft als
Mutprobe betrachten sollen? Aber deswegen setze ich doch kein Kind
in die Welt und zahle noch dafür. Auch nicht, um den Familiennamen
weiterleben zu lassen oder um meinen Kontakt zur nächsten und
übernächsten Generation herzustellen oder um nicht zu verkauzen oder
um Unsterblichkeitsfantasien auszuleben. Wäre ich Buddhist, würde
ich vermutlich von Bescheidenheit sprechen. Bin ich aber nicht. Ich
fordere nur, dass die Wunschlosigkeit im gleichen Maße respektiert
wird wie der Wunsch",
fordert BARTZ.
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SUßEBACH, Henning (2004): Das Tollste und seine Tücken.
Wir sind sieben Väter aus
einem Geburtsvorbereitungskurs. Wir schwanken zwischen beruflichem
Ehrgeiz und väterlichen Ambitionen. Mit viel Stolz – und schlechtem
Gewissen,
in: Die ZEIT Nr.21 v. 13.05.
- Kommentar:
Männer werden von einem Tag auf den anderen zu
Vätern. Das Problem dieses Vaterschocks: danach sind sie
unausstehlich für jeden kinderlosen Mann.
Wie ein Kettenraucher, der
zum Nichtraucher wird, müssen diese neuen Elternfundamentalisten die
Nicht-Eltern missionieren. Obwohl sie gestern noch selber kinderlos
waren - oder gerade deshalb! - müssen sie jetzt gegen jeden
vorgehen, der nicht so ist wie sie nun gerade sind.
Die demografische Debatte
liefert ihnen das passende Feindbild, das sie dazu auffordert, gegen
Kinderlose aggressiv zu werden.
SUßEBACHs Artikel ist ein
Dokument dieses
neuen Familienfundamentalismus, der in den nächsten Jahren
weiter zunehmen wird...
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- KÜNZLER, Hanspeter (2004): Der Mann mit
den Gladiolen.
Nach längerem Schweigen
gelingt Morrissey mit «You Are The Quarry» ein Comeback,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 13.05.
- Inhalt:
KÜNZLER u.a. über die Bedeutung von The
Smiths:
"Niemand
wird den schockierenden Moment vergessen, als The Smiths zum ersten
Mal in «Top Of The Pops» erschienen. Damals, im November 1983,
galten Synthis und Michael Jackson als die Zukunft. Hier aber war
ein linkischer junger Mann, aus dessen Hosentasche Gladiolen hingen
und der mit der japsenden Stimme eines jungen Hundes den Charme
eines jungen Mannes besang. Fünf grossartige Alben lang waren The
Smiths die provokativste und bewegendste Band Grossbritanniens. «Morrissey
rettete die Popmusik nicht nur, indem er sie wieder lyrisch und
melodisch machte, sondern auch intellektuell und literarisch»,
heisst es in «Saint Morrissey»."
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SEILS, Christoph (2004): "Konfliktzonen werden ignoriert".
Die ökologische Gesinnung
liegt wie Mehltau auf Deutschland, sagt der Historiker Paul Nolte, und
wirklich gut gehe es nur den 68ern. Doch zum Klassenkampf wird es
nicht kommen, denn die materielle Not ist nicht das Kernproblem,
in: Weltwoche Nr.20 v. 13.05.
- Kommentar:
Ein umfangreiches Interview mit Paul NOLTE
über die Wohlfahrtsgeneration der 68er, Klassengesellschaft,
Hedonismus, Individualisierung und die Re-Familialisierung:
"Der
Glaube, dass man nur in
Single- und
Patchwork-Konstellationen leben kann, hatte etwas
Verführerisches, aber er hat gleichzeitig katastrophale Konsequenzen
gehabt. Der Gedanke war in einer bestimmten sozialen Schicht erfolgreich,
vor allem in der akademischen Mittelschicht, die über bestimmte
Bildungs- und Verhaltensressourcen verfügte, die ein solches
Modell lebbar machten.
In den unteren Schichten hat die
Auflösung der Familien zu einer Selbstzerstörung der
Gesellschaft geführt, hat sie nicht zuletzt Erziehungs- und
Bildungschancen der Kinder zerstört. Ohne Familien wird die
Gesellschaft auch in Zukunft nicht funktionieren können."
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Der lesenswerte Artikel
BALTES, Paul B. (2004): Der
Generationenkrieg kann ohne mich stattfinden.
Wir sind alle junge und alt zugleich: Warum die Deutschen ihre
Einstellung zum Alter radikal verändern müssen,
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 12.05.
- Inhalt:
Der Berliner Entwicklungspsychologe
Paul B. BALTES sieht in den "alten
Alten" das ungelöste Problem der der Zukunft:
"wenn wir Alters- und
gerontologische Wissenschaftspolitik vor allem als
Lebensverlängerungsprojekt verstehen. Dann würde aus dem
Methusalem-Komplott eine Methusalem-Anstalt. Das ungelöste Problem
der Zukunft ist der Umgang mit der Hochaltrigkeit, also der Zeit ab
dem achtzigsten Lebensjahr."
Eine "altershomogene
Politik" ist nach BALTES zum Scheitern verurteilt.
Im Gegensatz zu den
Generationenkriegern à la
Reimer GRONEMEYER sieht BALTES die
Psychologie der Generationen auf Harmonie angelegt:
"Im Gegensatz zu anderen
Konflikten, wie etwa dem zwischen Schwarz und Weiß oder Reich und
Arm, sind wir alle gleichzeitig jung und alt. Die Jugend denkt im
Vorausgriff an ihr eigenes Alter und an ihre Eltern, ebenso die
Alten im Rückblick an ihre Jugend und deren Auswirkungen auf das
Altwerden. Dieses gleichzeitige Jung und Alt harmonisiert und
verbindet. Zum anderen denken viele ältere Menschen intensiv an die
nachfolgenden Generationen, und sie sind bereit, durch Bescheidung
zu deren Wohlfahrt beizutragen. »Alt für Jung« ist bei vielen
Älteren ein leicht zu aktivierendes Motto. Bei guter Aufklärung, bei
guter politisch-gesellschaftlicher Führung werden sich die Alten im
Interesse der Jugend bescheiden."
Zu dieser Sicht von
BALTES passen Erkenntnisse einer Netzwerksoziologie, die
Singles als Teil der Familie
begreift, statt einem Interessengegensatz à la Singles contra
Familien aufzusitzen.
Den Hauptgrund der
gegenwärtigen "Fertilitätskrise" der 20 - 40-Jährigen sieht BALTES
in einem so genannten "Lebensstau", d.h. der Überfrachtung der
mittleren Lebensphase durch Mehrfachbelastung.
Die Defizite des Alterns
erfordern nach BALTES einen "gerontologischen
Dienstleistungssektor", der zum künftigen Motor der Wirtschaft
werden könnte.
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- GEHLEN, Martin (2004): "Wo sind die
Arbeitsplätze?".
Sozialforscher Leibfried antwortet Friedrich Merz,
in: Tagesspiegel v. 12.05.
- Inhalt:
Der Sozialpolitikforscher
Stephan LEIBFRIED sieht - nicht wie
üblich - in den Alleinerziehenden, sondern in den gering
verdienenden allein stehenden Männern die Problemgruppe unter den
Sozialhilfeempfängern:
"Wir
haben das Verhalten von Sozialhilfeempfängern immer wieder breit
untersucht. Etwa 50 Prozent der Menschen, die neu in die Sozialhilfe
hineinkommen, kommen ein Jahr später wieder ohne Hilfe aus.
Andererseits jedoch gibt es eine kleine Zahl von Menschen, die sehr
lange Sozialhilfe brauchen und sich darum im System sammeln. Aber
die Alleinerziehenden gehören in der Regel nicht dazu, sondern eher
die allein stehenden gering qualifizierten Männer."
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- BEBBER, Werner van (2004): Literatur
aus dem Bauch der Macht.
Ulla Schmidts Sprecher
schrieb ein Buch über das Alter, Feridun Zaimoglu lud ihn ein
in: Tagesspiegel v. 12.05.
- Kommentar:
Feridun ZAIMOGLU hat Klaus VATER, den Sprecher von Ulla SCHMIDT
und Hobbyschreiber, in sein literaturwissenschaftliches Seminar an
der FU Berlin eingeladen.
VATER hat sich eine andere Art
von Methusalem-Komplott einfallen lassen.
Offenbar ist neuerdings das
Ausarbeiten von Horrorszenarien eine Art Initiationsritus, der den
Zugang zu unserer männlichen Elite sichert...
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MAGOLEY, Nina (2004): Für mehr Freude am Gebären.
Der familienfreundliche
Busfahrplan ist da: Lokale "Bündnisse für Familie" sollen das Leben
für Eltern erleichtern.
Auf die Wirkung der Initiative von Familienministerin Renate Schmidt
darf man gespannt sein - denn Geld gibt es nicht,
in: TAZ v. 12.05.
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OESTREICH, Heide (2004): "Frauen haben keine Absicherung mehr".
Der Kanzler hat kein Herz für
Frauen, meint Renate Rubach vom Vorstand der Katholischen
Frauengemeinschaft,
in: TAZ v. 12.05.
- Inhalt:
Renate RUBACH über die Folgen der
Hartz-Reformen für allein stehende Frauen:
"Viele
Frauen arbeiten halbtags oder weniger. Das sind alles Arbeiten, die
jetzt als Mini- oder Midi-Jobs angeboten werden. Dadurch haben die
Frauen keine soziale Absicherung mehr, etwa im Alter. Mit den
Summen, die da in die Rente eingezahlt werden, erreichen Sie später
nicht mal mehr das Sozialhilfeniveau.
Die Regierung sagt umgekehrt, dass Minijobs
jetzt erstmals abgesichert sind.
Das nützt aber gar nichts. Die Regierung sagt nun: Toll,
wie viele Frauen jetzt arbeiten. Dabei sind das alles prekäre Jobs.
Damit sind die Frauen auf die ZuverdienerInnen-Rolle abonniert. Wenn
diese Ehen getrennt werden, dann haben die Frauen keine
Absicherungen. Das erlebe ich gerade am eigenen Leib. Ich bin auch
getrennt und werde kaum Rente bekommen."
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- ZITZMANN, Marc (2004): Vom Ghetto ins
Wörterbuch.
Die Sprache von Frankreichs Banlieue-Jugend,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 12.05.
- Inhalt:
ZITZMANN bringt uns erst einmal den
französischen Mythos Banlieue näher, um ihn zugleich zu
relativieren:
"Frankreichs
Banlieue hat einen schlechten Ruf. Aber die Banlieue gibt es
eigentlich gar nicht; nur sehr verschiedene Vorstädte: solche, wo
Millionäre hausen, solche, wo Kleinbürger Tomaten ziehen, solche, wo
Katzenzüchtervereine und Rentnerklubs gedeihen, und solche, wo Arme,
Arbeitslose und Ausländer am Existenzminimum kratzen. Was letztere
Kategorie betrifft: Besteht eine solche Vorstadt aus einem Ensemble
von Hochhäusern, das in den sechziger oder siebziger Jahren aus dem
Boden gestampft wurde und heute zu einem Gutteil von Maghrebinern
und Schwarzafrikanern bewohnt wird, so nennt man sie eine «Cité» und
macht einen weiten Bogen um sie herum. Im Fall der schlimmsten Cités
tun das sogar die Busfahrer, Postboten und Polizisten - aber das
Fernsehen mag da auch übertreiben.
Nicht übertrieben, sondern tagtäglich auf der Linie B der
Grosspariser Schnellbahn RER zu verifizieren ist hingegen, dass die
Jugend der Cités eine eigene Sprache spricht. Ein raues Idiom, in
bellendem Tonfall rasend schnell skandiert. Jedes banale Gespräch
klingt wie grimmiger Streit. Die Enge, der Druck und der Schweiss
der Cités schwingen mit: «le bruit et l'odeur»".
ZITZMANN zeichnet
in dem Artikel nach wie der neue Jugendslang in den Medien
salonfähig wird.
U.a. wird auf die
ethnographischen Studie
«Cœur de banlieue. Codes, rites et
langages» von David Lepoutre hingewiesen, deren zweiter Teil die
«Sprache der Strassenkultur» untersucht. Der Autor hat nach ZITZMANN
"zwanzig Monate lang neben der berüchtigten Cité des Quatre-Mille
bei Paris gewohnt und dort in der Schule unterrichtet."
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KAUBE, Jürgen (2004): Land (schon wieder) unter
oder Wohin treibt die Zeitdiagnostik?
Von Ruckbüchern und anderen Möglichkeiten, über Deutschland
nachzudenken: Ein Rückblick auf zwei "Soziologien der Bundesrepublik",
in: Frankfurter
Allgemeine Zeitung v. 11.05.
- Kommentar:
Jürgen KAUBE
nimmt die "Ruck-Bücher" von Paul NOLTE & Co. zum Anlass, um das
Genre der soziologischen Zeitdiagnostik anhand zweier Klassiker von
Helmut SCHELSKY ("Auf der Suche nach der Wirklichkeit") und
Ralf
DAHRENDORF ("Gesellschaft und Demokratie in Deutschland") im
Hinblick auf das Reflexionsniveau der Soziologie zu untersuchen.
KAUBE sieht in den Übertreibungen der
Zeitgeistdiagnostik eine Gefahr für die Selbstwahrnehmung der
Gesellschaft. Diese Sicht vertritt auch single-dasein.de, wenn vom
Terror der Individualisierungsthese gesprochen wird.
"Zugleich tragen Übertreibungen und ein Hang
intellektueller Zeitdiagnostik hierzulande (...) vielleicht selber
zu jener Art von Zukunftsangst bei, die sowohl der Konsumquote wie
der Bereitschaft, Kinder zu haben, der sozialen Kraft zu
Experimenten wie der Fähigkeit zu individuellem Entscheiden
abträglich ist", formuliert KAUBE vorsichtig.
Während jedoch KAUBE hier einen direkten Zusammenhang
zwischen diesen wissenschaftlichen Beschreibungen und dem Verhalten
der Menschen herstellt, analysiert single-dasein.de die - durchaus
divergenten - Interessen der Mitte-Eliten an solcher Art von
Zeitdiagnostik.
Schließlich ist es weder Zufall noch logische
Zwangsläufigkeit, dass ausgerechnet bestimmte Zeitdiagnostiken
Konjunktur haben. Die Selektivität der in Deutschland gängigen
Szenarien ist das, was zu erklären ist.
KAUBE arbeitet dagegen anhand von SCHELSKY und
DAHRENDORF die beiden Aufgaben der Zeitdiagnostik heraus.
Während er SCHELSKY als Theoretiker der
"nivellierten Mittelstandsgesellschaft" beschreibt, wird DAHRENDORF
als liberaler Konflikttheoretiker der gesellschaftlichen
Modernisierung vorgestellt:
"Keine Beschreibung der
Bundesrepublik wird von ihm heftiger (...) zurückgewiesen als die
von der »nivellierten Mittelstandsgesellschaft«. (...). Weder hätten
sich die wirtschaftlichen Positionen der Bürger relativ angeglichen,
noch ihr Konsumstil oder ihre Chancen auf Bildung. Dies dennoch zu
behaupten (...) entspreche genau der in der deutschen Gesellschaft
strukturell verankerten Neigung, Kulturpessimismus mit der Leugnung
und Minderschätzung von sozialen Konflikten zwischen Klassen und
anderen Interessengegensätzen zu verbinden."
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Zu den News
vom 05. - 10. Mai 2004
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