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Medienrundschau:

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News vom 10. - 17. Mai 2005

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

"Sie wollte in die Bucht. Die Bucht war das Zentrum der Insel. Die Klippen formten einen winzigen Einschnitt der Küste. Steiles heißes Gestein sparte das Halbrund aus. Der Vulkansand des Strands erwärmte sich ab zehn, elf Uhr, wenn die Sonne über die Felskanten schien.

Gegen Mittag glühte der Körper mit dem Sand. Eine Herzkammer war die Bucht. Die Brecher zerstoben über Lavabrocken. Die Wasserschleier stiegen auf. In Regenbogenfarben wehten sie über auslaufende Wellen, über die Gischt und das Gesicht."
(aus: Hans Pleschinski "Leichtes Licht", 2005, S.37f.)

 
 
 
  • FRYE, Hilde & Holger FUSS (2005): Die Neuentdeckung der Ehe.
    In Deutschlands Standesämtern herrscht Gedränge: Immer mehr Liebende sagen ja zum Bund fürs Leben. Warum Heiraten wieder angesagt ist und wie man die Fehler der Eltern vermeidet,
    in: Woman Nr.11 v. 17.05.
 
  • FREUND, Wieland (2005): "Die Perlen eines Rosenkranzes".
    T.C.Boyle über das Schreiben, die Sexualität und seinen Erfolg,
    in: Welt v. 17.05.
    • Inhalt.
      T.C. BOYLE u.a. zum neuen Papst:

            
        "Was den neuen Papst angeht (und genauso den alten) - ich halte ihn für einen Reaktionär und glaube, daß die Ächtung von Abtreibung und Geburtenkontrolle in einer überbevölkerten Welt großen Schaden anrichtet. Überbevölkerung führt zu Umweltzerstörung, und Umweltzerstörung führt zur Vernichtung der Kultur und schließlich der Spezies."
 
 
  • Die Liebe und das liebe Geld

    • HOFFMANN, Catherine (2005): Mein Geld, dein Geld, unser Geld.
      Geld und Liebe haben nichts miteinander zu tun. So will es das Ideal. Und alle Paare streiten unablässig ums Geld,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • AMANN, Melanie (2005): "Für die Ex-Frau kann es bitter werden".
      Gespräch mit Ulrike Börger, Fachanwältin für Familienrecht,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • CHF (2005): "Wir machen bei allem halbe-halbe".
      Doppelverdiener mit zwei Kindern,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • CHF (2005): "Beim nächsten Mal getrennte Konten".
      Getrenntes paar, zwei Einkommen, vier Kinder,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • CHF (2005): "Wir legen alles zusammen".
      Alleinverdiener mit Frau und zwei Kindern,
      in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
 
  • KRÖHER, Michael (2005): Längst noch nicht auf dem Heimflug.
    Wenn heute ein Mann fünfzig wird, liegen die besten Jahre bereits hinter ihm. Geht es nun nur noch bergab? Nicht unbedingt. Aber er muß sich entscheiden, was jetzt noch passieren soll: Ausbruch aus der Routine? Träume erfüllen? Eine Stimme aus der Untiefe der zweiten Lebenshälfte,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • Kommentar:
      "Gnadenlos Fünfzig" könnte das nächste Buch von Claudius SEIDL heißen.

            
        Michael KRÖHER gibt schon einmal einen kleinen Vorgeschmack:
            
        "Der Mann von fünfzig Jahren merkt zum ersten Mal, daß sein Alter ein Problem darstellt, wenn ihm ein deutlich jüngerer Chef vor die Nase gesetzt wird - eine klassische narzißtische Kränkung. Plötzlich gewinnen Fragen des persönlichen Stils enormes Gewicht. Ist der Jüngere nicht immer viel schlechter angezogen?"
            
        Für das "Hobby" der Durchschnitts-Fünfzigjährigen liefert Nick HORNBY das Zitat:
            
        "Uns über die Vorlieben unserer Kinder zu mokieren gehört zu den wenigen Freuden, die uns bleiben, wenn wir irgendwann alt, überflüssig und kulturell marginalisiert sind."
 
  • HEINE, Matthias (2005): Vorwärts war gestern.
    Dies war einmal ein Paradies für Autofahrer. Nun stehen wir alle im Stau und ruckeln durch Schlaglöcher. Eine Studie belegt: Der Stillstand macht depressiv und unterbindet,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 15.05.
    • Inhalt:
      Matthias HEINE, typischer Deutscher, Angehöriger der mittelalten Jahrgänge schreibt:

            
        "In Verkehr und Politik ist der Deutsche offenbar unfähig sich als Teil des Problems zu begreifen: (...) Ein Volk von Kinderfeinden staunt über die demographische Katastrophe. (...). Besonders selbst gerecht sind übrigens die mittelalten Jahrgänge."
 
  • VOWINKEL, Heike (2005): Glücklich ohne Kind, glücklich mit Kind.
    Warum entscheiden sich viele Paare gegen Kinder? Erschrocken debattiert die alternde Gesellschaft über mehr Kindergartenplätze, kürzere Ausbildungszeiten und staatliche Förderung. Dabei geht es meistens um eine sehr persönliche Vorstellung vom Glück,
    in: Welt am Sonntag v. 15.05.
 
  • HILLGRUBER, Katrin (2005): Ich, Krüppel aus Lust.
    Endlich auf Deutsch: der Norweger Dag Solstad und sein „Elfter Roman, achtzehntes Buch“
    in: Tagesspiegel v. 15.05.
    • Inhalt:
      HILLGRUBER lobt das Buch, das sich dem allgegenwärtigen Familienfundamentalismus widersetzt:

            
        "In einer Zeit, in der die Familie als literarisches Sujet Hochkonjunktur hat, wagt er einen kühnen Widerspruch: Allein lebt es sich besser, zumindest ehrlicher."
 
  • TAZ-Brennpunkt: Was die Datenflut zur Babyflaute aussagt.
    Aktuelle Studien zur Lebens- und Familienplanung heizen die Diskussion um die Babyflaute in Deutschland an. Politiker und Kirchenleute räsonieren über karrieregeile Mütter und faule Väter. Dabei räumen die Forschungsergebnisse mit gängigen Klischees auf oder relativieren sie zumindest

    • SCHMITT, Cosima (2005): Die Papa-Lügen.
      Die Diskussion um Babyflaute und Kinderfeindlichkeit deutscher Männer verstärkt eine Reihe von Klischees, die aktuelle Studien nur selten bestätigen,
      in: TAZ v. 14.05.
      • Kommentar:
        Ob nun die kinderlose Karrierefrau wie beim FOCUS oder der kinderlose Mann wie bei der TAZ im Brennpunkt der Debatte um den Geburtenrückgang steht, beides führt in die Sackgasse.

              
          In seinem Gutachten "Nachhaltige Familienpolitik" weist der Familiensoziologe Hans BERTRAM darauf hin, dass sowohl in den USA als auch in Finnland bei ähnlich hoher Kinderlosigkeit wie in Deutschland, die Geburtenrate wesentlich höher ist.
              
          Seine Erklärung: der drastische Rückgang der Mehrkinderfamilie unterscheidet Deutschland von den anderen Ländern mit hoher Kinderlosigkeit.
              
          Wenn wir eine Wissensgesellschaft wollen, so das Fazit von BERTRAM, dann müssen wir mit einem höheren Anteil an Kinderlosen leben.
              
          In dieser Sicht geht es dann darum, Familienpolitik für differenzierte Lebensstile und Familienstile zu machen.
              
          Weder die Doppel-Karriere-Familie (neue Mitte) noch die Hausfrauenfamilie (alte Mitte) sind die Normalfamilie der Dienstleistungsgesellschaft, sondern  Familien, die  je nach Lebensphase ihrer Mitglieder durch unterschiedliche Zeitarrangements in Beruf und Haushalt gekennzeichnet sind.   
    • MAIER, Anja (2005): Der späte Vater.
      Joachim, 46, Projektleiter im öffentlichen Dienst, drei Kinder: Thomas, 5, Anna, 2, Philippe, 1, verheiratet mit Carla, 33,
      in: TAZ v. 14.05.
    • MAIER, Anja (2005): Der Verweigerer.
      Thomas, 34, Kunsthistoriker, seit 13 Jahren liiert mit Viola, 34,
      in: TAZ v. 14.05.
    • MAIER, Anja (2005): Der frühe Vater.
      Klaus, 35, Journalist, Vater von Sven, 12,
      in: TAZ v. 14.05.
 
  • LOTTMANN, Joachim (2005): Bye-bye, Zombie Nation!
    Was kommt nach Rot-Grün? (5): Deutschland wird wieder jung. Schluss mit der Politik, mit den Medien, mit dem Konsumismus. Dafür setzt sich eine neue Jugend durch, mit ihrem Humanismus,
    in: TAZ v. 13.05.
    • Inhalt:
      LOTTMANN vermarktet LOTTMANN:

            
        "Deutschland wird wieder jung. Frank Schirrmacher muss sein »Das Methusalem-Komplott« umschreiben.
            
        Nach Rot-Grün kommt nicht die zombie nation, die hatten wir nämlich gerade, sondern ein neuer, maßgeblich von jungen Menschen getragener Humanismus, auch Spiritualismus, eine historisch bemerkenswerte Völkerverständigung. Die zu beschreiben, würde diesen Essay sprengen. Ich verweise auf mein Buch »Die Jugend von heute«."
 
FACTS-Titelgeschichte: Die Single-Lüge.
Warum Alleinsein nicht glücklich macht
 
  • ZEIT LEBEN-Spezial: Für immer Kind?
    Jung bis zur Rente - warum es vielen Deutschen so schwer fällt, erwachsen zu werden. Vierzigjährige wollen Kind sein, Sechzigjährige werden Vater

    • Kommentar:
      "
      Ein bisschen ähneln sie resozialisierten »American Psychos«. Ohne ihr protestantisches Arbeitsethos und die Galão-Pipeline am Schreibtisch würden sie zu Staub zerfallen wie Graf Morlock in der Morgensonne", schreibt Nora SDUN über die Protagonisten von Claudius SEIDLs Buch "schöne junge welt". Und es trifft auf so manchen  Schreiber der Beiträge in diesem Zombie-Leben Spezial zu.
            
        Die Debatte atmet den Muff der 50er Jahre-Gruft und wer definiert, was Erwachsensein bedeutet, der gehört zu jener Gruppe Menschen, die bestimmen möchten, wer was überhaupt darf, denn sie wähnen sich an der Definitionsmacht.
            
        Wir pfeifen auf Eure Vorgaben, denn wir sind selbstbewusst genug, dass wir uns - auch ohne Eurer Einverständnis - als erwachsen definieren. Ob wir nun gerade kinderlos oder partnerlos sind. Verpisst Euch!    
    • SOBOCZYNSKI, Adam (2005): Später Absprung.
      Jung bis ins Rentenalter - warum es so schwierig ist, erwachsen zu werden,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
      • Kommentar:
        "
        Gegen die Behauptung einer allumfassenden Jugendlichkeit ließe sich einwenden, dass sie erstens nur die glatte Oberfläche unserer Großstadtkultur beschreibt und damit nicht repräsentativ ist. Zweitens gibt es sehr wohl noch Schwellen der Reife. Für manche ist es das Abitur oder der Studienabschluss, für andere die erste langfristige Beziehung, der erste Sex, das erste Kind oder das erste Auto. Bei anderen mag ein Schicksalsschlag den Punkt des Erwachsenwerdens markieren, die schockierende Konfrontation mit dem Tod eines nahe stehenden Menschen oder mit einer schweren Krankheit. Für die meisten ist es noch immer das erste Gehalt und damit die finanzielle Unabhängigkeit von den Eltern",
        schreibt SOBOCZYNSKI zur Kritik an den Infantilisierungsthesen à la Claudius SEIDL.
        Der Rest sind Strukturprobleme einer Gesellschaft, deren Selbstbild aus den Fugen geraten ist ...
         
    • FALLER, Heike (2005): War das schon alles?
      Früher mündete diese Frage im Leben eines Mannes in die Midlife-Crisis: Er stieg aus der Familie aus. Heute gründet er eine,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • STOLZ, Matthias (2005): In die Enge getrieben.
      Die Geschichte einer jungen Frau, die auszog, studierte, keine Arbeit fand - und mit 27 Jahren in ihr Elternhaus zurückkehren musste,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • AMEND, Christoph & Stephan LEBERT (2005): "Ich denke viel Unsinn".
      Der britische Bestseller-Autor Nick Hornby, 48, ist ein Spezialist für Männer die das Erwachsenwerden noch vor sich haben. Ein Gespräch über das Feuer der Jugend, seine Zeit als Lehrer und das Leben nach dem Haarausfall,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • SEESLEN, Georg (2005): Jugend ist Leiden.
      In deutschen Filmen haben es junge Menschen auffallend schwer,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • SUSSEBACH, Henning (2005): Nur Mut!
      Jugendwart im Sportverein? Zu spießig. Umweltschutz? Zu gutmenschlich. Kinder? Später mal, vielleicht. Ein Aufruf zum Erwachsenwerden,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • ESSIG, Rolf-Bernhard (2005): Früher Abschied.
      Vor 150 Jahren sah man mit 40 Jahren alt aus, 
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • KNÜPLING, Friederike (2005): Jung, arm und tüchtig.
      Erwachsen zu sein wird derzeit vor allem einer Altersgruppe abverlangt: Der Jugend,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • ZEIT (2005): Reife Zahlen.
      Statistiken belegen: Körperlich werden wir immer früher erwachsen - finden aber immer später in Beruf und Beziehung,
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • LEONHARD, Wolfgang (2005): Ich habe einen Traum.
      "Meine Mutter wollte schon immer einen erwachsenen Sohn haben. Die Idee der Kindheit als geschützter Raum war ihr fremd",
      in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
 
  • NIEJAHR, Elisabeth (2005): Den Frauen sei Dank.
    Arbeitslosenquote, Rentenprognosen, Armutsbericht: Alles sieht besser aus, wenn Ökonomen gezielt auf den weiblichen Faktor achten,
    in: Die ZEIT Nr.20 v. 12.05.
    • Inhalt:
      Elisabeth NIEJAHR weist u.a. darauf hin, dass die Bildungsexpansion die soziale Ungleichheit nicht vermindert, sondern verstärkt hat, denn statt der Arbeiter profitierte das katholische Mädchen vom Lande:

            
        "Nicht nur die Höhe, sondern auch die Verteilung der Einkommen, ja sogar die ganze Debatte über soziale Ungleichheit erscheint mit Blick auf die Frauen plötzlich in neuem Licht. Sie glauben beispielsweise, die Bildungsexpansion der sechziger und siebziger Jahre, die Öffnung der Hochschulen für mehr Arbeiterkinder und für mehr Frauen habe geholfen, soziale Unterschiede zu verringern? Tatsächlich geschah das Gegenteil, wie unter anderem eine große international vergleichende Untersuchung der Wissenschaftler Hans-Peter Blossfeld und Andreas Timm zeigt.
            
        In den vergangenen Jahrzehnten entwickelte sich das Bildungssystem zunehmend zum informellen Heiratsmarkt. Man lernt sich während der gemeinsamen Ausbildung kennen und lieben – so wie Bill und Hillary Clinton, die sich in einer Unibibliothek erstmals miteinander unterhielten. Die Folge: Immer häufiger heiraten Männer Frauen mit ähnlichem sozialen Status und vergleichbarem Einkommen. Der Spitzenjurist erwählt die Topanwältin, der Krankenpfleger verliebt sich in die Krankenschwester, der Lehrer heiratet die Lehrerin. »Die bisher im Lebenslauf erfahrenen Benachteiligungen und Bevorzugungen werden dadurch ergänzt«, schreiben die beiden Wissenschaftler. »In den meisten Industrieländern hat sich im Zuge der Bildungsexpansion gleichsam hinter dem Rücken der Individuen und völlig ungeplant die soziale Ungleichheit verstärkt.«"
 
 
 
  • THOMAS, Jens (2005): Was guckt sie?
    Wie werden Frauen im Fernsehen dargestellt, und was wollen sie sehen? Danach fragen Barbara Sichtermann und Andrea Kaiser in einer interessanten mediensoziologischen Analyse,
    in: Jungle World Nr.19 v. 11.05.
    • Inhalt:
      THOMAS über das Buch "Frauen sehen besser aus - Frauen und Fernsehen" von Barbara SICHTERMANN & Andrea KAISER:

            
        "Der Postfeminismus ist da, und der Kampffeminismus am Ende. So jedenfalls lassen sich die Erkenntnisse aus »Frauen sehen besser aus« interpretieren. Denn Frauen wollten überwiegend nicht mehr lamentieren und protestieren, sondern von den Errungenschaften des einstigen Geschlechterkampfes profitieren. »Von femi-nist zu femi-nice«".
 
 
  • BARTELS, Gerrit (2005): Ein Gefühl von Zukunft.
    Literatur des Übergangs, kühl, raffiniert und ernsthaft: Rainer Merkel, Martina Hefter und Claudia Klischat sorgen mit ihren Büchern für die Ehrenrettung der jungen deutschen Gegenwartsliteratur,
    in: TAZ v. 11.05.
    • Kommentar:
      BARTELS zieht sich bei seiner Betrachtung der Highlights junger deutscher Gegenwartliteratur langsam von nicht mehr haltbaren Positionen zurück.

            
        Statt "schöne junge welt" liegen Themen wie die alternde Gesellschaft und soziale Unsicherheit auf der Straße:
            
        "Die Romane deuten allesamt an, dass die junge Gegenwartsliteratur im Moment eine Art Übergangsliteratur ist: Die Popliteratur war gestern, das Draufloserzählen auch, deshalb aber sind Kindheits- und Jugenderinnerungen sowie Beziehungsgeschichten lange nicht passé. Nur ist der Reflexionsgrad ein höherer geworden, stehen Stil und Form mehr im Vordergrund, wird auf unterhaltende Elemente weniger Wert gelegt. Lässt sich kaum sagen, ob das alles bald mehr in eine Punkrock- oder Rechtsrock-Richtung geht, also mehr gen »Die fetten Jahre sind vorbei« oder »Der Eisvogel«, oder ob sich da bald eine richtige Weltferne entwickelt, eine Art Neoromantik, so weisen die Romane von Hefter, Klischat und Merkel zumindest auf die seit 2001 oft gesichtete »Neue Ernsthaftigkeit« hin, als dessen oberster und jüngster Protagonist wiederum Uwe Tellkamp zuletzt gern bezeichnet wurde."
 
 
  • Reform des Unterhaltsrechts

    • KERSCHER, Helmut (2005): Mütter zweiter Klasse.
      Unverheiratete haben erst seit 1969 Recht auf Unterhalt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.05.
    • SCHULTZ, Tanjev  (2005): "Das Gesetz wird einfacher".
      Seit Jahren fordert der Deutsche Familiengerichtstag eine Reform des Unterhaltsrechts. Die Süddeutsche Zeitung sprach mit dem Vorsitzenden Gerd Brudermüller,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.05.
    • ROßMANN, Robert (2005): Erst die Kinder, dann die Ex-Frau.
      Justizministerin Brigitte Zypries will die Rangfolge im Unterhaltsrecht ändern,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.05.
    • ROßMANN, Robert (2005): Ein "kleines bisschen" mehr Gerechtigkeit.
      Das neue Unterhaltsrecht ist ein überfälliger, wenn auch etwas verzagter Reformschritt,
      in: Süddeutsche Zeitung v. 10.05.
    • MÜLLER, Reinhard (2005): Scheidung und Verantwortung,
      in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 10.05.
    • HOLLERSEN, Wiebke (2005): Zweite Chance.
      Die Bundesregierung plant eine Reform des Unterhaltsrechts. Nach Plänen des Justizministeriums sollen Geschiedene künftig weniger Unterhalt erhalten, die eigenen Kinder aber mehr Geld bekommen,
      in: Berliner Zeitung v. 10.05.
    • JANSEN, Klaus (2005): "Das Gefühl, abgezockt zu werden".
      Maika Born hofft auf die Chance zum wirtschaftlichen Neuanfang, wenn Väter erneut eine Familie gründen,
      in: TAZ v. 10.05.
    • SCHMITT, Cosima (2005): Ex heißt bald "Hopp!",
      in: TAZ v. 10.05.
    • DIERING, Frank (2005): Regierung reformiert Unterhaltsrecht.
      Kinder in Deutschland sollen künftig mehr Rechte bekommen - Justizministerin Zypries stellt Gesetzentwurf vor,
      in: Welt v. 10.05.
    • KAMANN, Matthias (2005): Frauen,
      in: Welt v. 10.05.
 
 
  • MÄRZ, Ursula (2005): Verschiebung der Mentalität.
    Kinder als Ursache von Verzicht,
    in: Frankfurter Rundschau v. 10.05.
    • Kommentar:
      Man muss besorgt sein um unser Qualitätsfeuilleton. Statt objektiver Berichterstattung werden reaktionäre Thesen nachgebetet.

            
        Wie kommt es eigentlich, dass in den 90er Jahren die kinderlose, allein lebende Medientante zum Ideal aufsteigen konnte, obwohl zur gleichen Zeit die Verbreitung der weiblichen allein lebenden Besserverdienenden eher bescheidene Ausmaße hatte?
            
        Tatsache ist, dass unsere Medientanten viel zu einem falschen Selbstbild in unserer Gesellschaft beigetragen haben. Nur langsam werden diese Lebenslügen und damit das Ausmaß der Single-Lüge sichtbar.
            
        Das gesellschaftliche Alleinleben im mittleren Lebensalter war bereits in den 90er Jahren männlich. Dieses Leben war jedoch uncool und konnte deshalb kein Thema werden. Christian SCHULDT hat in seinem Buch "Der Code des Herzens" Aufstieg und Niedergang dieser Medienbilder als Effekt der Selbstreferentialität von Medien und dem Aufstieg bzw. Niedergang der New Economy beschrieben.
            
        Möglicherweise war und ist das weibliche Alleinleben in Medienkreisen besonders schick. Die Studien hierzu lassen noch auf sich warten.
            
        Jetzt scheint der Katzenjammer auszubrechen, genau wieder in diesen individualisierten Medientanten-Kreisen, die sich gerne als Pioniere eines neuen Lebensstils betrachten.
            
        Statt Selbstbespiegelung erwarten wir jedoch Fakten zu gesellschaftlichen Tendenzen und keine narzisstischen Spiegelfechtereien à la MÄRZ.
            
        Oder sollte dieses Gejammer mehr mit dem selbstverschuldeten Niedergang der Printmedien zu tun haben?
            
        Möglicherweise hat ja beides viel miteinander zu tun. Man möchte schließlich nicht dauernd mit den Problemen von Medientanten belästigt werden, die weite Teile der Gesellschaft NICHT teilen.
            
        Wenn Ursula MÄRZ nun einen Mentalitätswandel konstatiert, dann ist dieser in erster Linie ein Phänomen innerhalb der Medienwelt, die Lebenslügen dieser überbewerteten Branche werden nun offensichtlich...
 
  • BISKY, Jens (2005): Na, Kapitalismus, wie war ich.
    Immer hip, niemals satisfaktionsfähig: "Wunschlos unglücklich" und "Genial dagegen". Zwei Konsumführer für den Pflasterstrand,
    in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 10.05.
    • Kommentar:
      Die Zukunft der Buchkritik gehört dem Image-Designer.

            
        Ist Thomas STEINFELD ein traditioneller Image-Designer, der die Identität zwischen Autor und Werk herstellt, so spielt Jens BISKY - entsprechend den Maximen des aktuellen Differenzkapitalismus - einen Image-Designer neuen Typus. Er stellt dem Leser Identitäten bereit, die er sich per Entscheid für oder gegen ein Buch erwirbt.
            
        Kenner oder nur Könner, das ist hier die Wahl zwischen dem Wohlfühlbuch "Genial dagegen" und dem Gebrauchswertbuch "Wunschlos unglücklich".
            
        Lässt sich der Rezensionskonsument von BISKY verführen, dann hat er seine Lektion gleich zweifach gelernt, denn die Form ist hier der Inhalt.
            
        Entscheidet man sich für Alexander MESCHNIG und Mathias STUHR, dann hat man sich gleichzeitig für Norbert BOLZ und das Glaubensbekenntnis zum Konsumismus entschieden. Er befindet sich dann in Gesellschaft von Konsumpropheten wie Thomas FRANK und den Ex-Punks HEATH & POTTER. Denn die Moral von der Geschichte: Selbst der kritische Verbraucher bleibt immer noch Konsument.
            
        Entscheidet man sich dagegen für "Genial Dagegen", dann verfängt man sich im "Rebellionsformalismus" der Wohlfühllinken:
            
        "Sie nimmt, was sie kriegt und schielt dabei nach Prominenz und Aufmerksamkeit wie eine Sechzehnjährige, die gerne Model wäre."
            
        Möglich aber, dass man sich bei diesen Optionen doch für den abgeklärten Kapitalismus entscheidet:
            
        "Das Ringen zwischen Kapitallogik und bürgerlichen Interessen, dauert an und solange es nicht endgültig entschieden ist, wird sich der Kapitalismus mit seinen herrlichen Freiheitsgewinnen wie seinen abscheulichen Ausbeutungsmechanismen bester Gesundheit erfreuen. Eine Erlösung durch Katastrophe oder Jenseits wird es so wenig geben wie die Totalisierung".
            
        So kann nur jemand schreiben, der die Katastrophe schon hinter sich wähnt.
            
        Apropos Kenner oder Könner? Lassen Sie sich verführen, dann hat sich die Differenz der Typen aufgelöst...
   

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Zu den News vom  06. - 09. Mai 2005

 
 
   
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