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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
       
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 09. - 14. Mai 2018: [09.05.] [11.05.] [12.05.] [14.05.]

 
 
     
 
   

Zitat des Monats:

Urban Birding als coole Beschäftigung der Stadtmenschen

Rotkehlchen in der Großstadt, Foto: Bernd Kittlaus 2018

"Lindo sagt: »Urban Birding ist der neue Rock'n'Roll.«
Es gab auch schon vor ihm Menschen, die wussten, dass es in Städten Rotkehlchen und Amseln gibt (...).
Braucht Natur diesen neuen Anstrich?
»Ja, unbedingt«, sagt Derk Ehlert. Er ist seit 18 Jahren Wildtierreferent der Stadt Berlin (...). Wer nur Tauben und vermooste Wegplatten vor Augen hat, wenn er an Natur in der Stadt denkt, wird auch nur diese sehen, wenn er auf die Straße tritt. Dabei gibt es in Berlin 20.000 nachgewiesene Tier- und Pflanzenarten, mehr als auf gleicher Fläche im ländlichen Brandenburg."
(Claudia Fromme "Wild in der City", Süddeutsche Zeitung v. 05.05.2018)

 
       
       
   

14.05.2018

 
       
   

Sachsen-Anhalt im demografischen Wandel

HASELOFF, Reiner (2018): Die Verwandlung der Welt.
Die Gegenwart: 28 Jahre nach der Einheit fühlen sich viele in den neuen Ländern abermals vom sozialen Abstieg bedroht. Diese Zukunftsängste werden durch Migration und Flicht verschärft. Es ist unerheblich, ob diese Ängste berechtigt sind oder nicht. Die etablierte Politik muss sie ernst nehmen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

"Das Positive wird zu wenig gewürdigt und das Negative umso mehr kritisiert. Diese Tendenz wird mitunter auch von den den Medien befeuert. Das »Normale« und »Alltägliche« findet in der Berichterstattung eher selten statt. Es fehlt auch an einem Resonanzraum. Der Soziologe Niklas Luhmann beobachtete schon vor Jahrzehnten »ein hohes Maß an Reflexivität«. Berichte in Medien berichten über Berichte in den Medien",

erklärt uns Reiner HASELOFF, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Wer den Soziologen Niklas LUHMANN zitiert, der sollte das zumindest richtig tun und nicht wie HASELOFF. Mit Reflexivität hat der Satz "Berichte in Medien berichten über Berichte in den Medien" nämlich gar nichts zu tun, sondern mit Selbstreferentialität.

Tatsächlich strotzt der Artikel von vermeintlicher Gebildetheit und zwar in Form einer Zitatsammlung, die Belesenheit ausdrücken soll. Lässt man dieses Füllmaterial, das der Zielgruppe Bildungsbürger geschuldet ist, weg, dann schrumpft der Artikel von einer Zeitungsseite auf maximal die Hälfte der Zeitungsseite zusammen, wenn man gutwillig liest.

"Es fehlt schlicht an Informationen über die Lebenswirklichkeit jenseits der deutschen Grenzen",

behauptet HASELOFF. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Es mangelt keineswegs an Information, sondern an glaubwürdigen Interpretationen von wissenschaftlich produzierten Fakten. Das aber ist HASELOFF schlichtweg egal. Er polemisiert lieber gegen das Internet und "alternative Fakten", was viel mit Selbstverständigung der Eliten über die Dummheit der Wähler und wenig mit den Problemen des Landes zu tun hat.

Das neue Mantra der Neoliberalen ist der Populismus, nachdem das Mantra der Alternativlosigkeit seine Wirksamkeit eingebüßt hat. HASELOFF watscht erst einmal rechte ("Untergang des Abendlandes") und linke Populisten (Gleichheitsideal)  ab, um sich dann als pragmatischer Verantwortungsethiker gegen die populistischen Gesinnungsethiker abzugrenzen. Sein rhetorisches Credo lautet:

"Neue Wählerinnen und Wähler wird sie (Anm.: die CDU) nicht durch einen Rechtsruck gewinnen, nicht durch einen Überbietungswettbewerb, sondern nur in der Mitte".

Dies aber ist nur reine Rhetorik, wie der Rest des Artikels zeigt. Die Leitkultur kehrt als Heimat wieder und die Definition der Flüchtlingskrise entspricht dann voll und ganz der AfD-Perspektive.

Wer wie HASELOFF auf die Wahlerfolge der AfD mit reaktiver Politikrhetorik antwortet, der stärkt lediglich die AfD. Er setzt ein fatales Signal mit der Botschaft: Nur wer AfD wählt, der kann die etablierten Parteien vor sich her treiben und wirklich etwas bewirken.

Fazit: Mit seiner reaktiven Politikrhetorik stärkt HASELOFF die AfD. Nur eine anti-neoliberale Politik, die die Prämissen der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme radikal in Frage stellt, führt zu neuen Antworten auf die gegenwärtigen Probleme. Wer sich von der AfD die Themen aufdrängen lässt, der wird auf der Strecke bleiben, denn warum sollte man die Mitläufer aus den etablierten Parteien wählen, statt das Original?   

 
       
   

Die Verschuldung der Kommunen in der Debatte

BURGER, Reiner (2018): Tickende Zinsbombe.
Das Altschuldenproblem von Kommunen nicht nur in NRW muss dringend gelöst werden,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

Reiner BURGER sieht in den Kassenkrediten einen Krisenindikator, wobei es dabei nur um westdeutsche Städte in Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland und Nordrhein-Westfalen geht:

"Betroffen sind unter anderem Saarbrücken, Pirmasens, Kaiserslautern, Offenbach, Duisburg, Oberhausen, Essen oder Hagen. Auf mehr als 40 Milliarden Euro summieren sich die Kassenkredite nach Angaben des Städtegas aktuell. Gut die Hälfte entfällt auf Nordrhein-Westfahlen".

Der Koalitionsvertrag von SPD und CDU behandelt das Problem im Kapitel Heimat mit Zukunft. Das Problem wird jedoch erst einmal vertagt und die Kommission "Gleichwertige Lebensverhältnisse" eingerichtet. Als Protagonisten der Koalitionäre werden Michael GROSCHEK (SPD) und Reiner HASELOFF (CDU) genannt. Die CDU/FDP-Koalition in NRW hält jedoch am neoliberalen Projekt "Stärkungspakt Stadtfinanzen" der Vorgängerkoalition fest, das eine Entschuldung grundsätzlich ablehnt. Als richtungsweisend wird von BURGER beschrieben, dass im Koalitionsvertrag erstmalig nicht nur der ländliche Raum, sondern auch Städte als förderwürdig betrachtet werden. 

 
       
   

Michael Angele - Schirrmacher

KREYE, Adrian (2018): Feuer und Tratsch.
Michael Angele porträtiert den FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher und vergisst über dem Anekdotischen das publizistische Projekt des Journalisten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.05.

Mit Büchern wie Das Methusalem-Komplott und Minimum kann Frank SCHIRRMACHER als einer der Brandstifter gelten, der mit seinem Alarmismus in Sachen demografischer Wandel und dem Feuilletonteil der FAZ den Weg für nationalliberale Hardliner wie Thilo SARRAZIN und Gunnar HEINSOHN geebnet hat, die wiederum AfD-Rhetorik salonfähig machten.

Adrian KREYE will dagegen SCHIRRMACHER zum Helden verklären, wenn er schreibt:

"Überhaupt ist Michael Angeles »Schirrmacher. Ein Porträt« ein (...) durch und durch boshaftes Buch. Damit verschenkt der Journalist und Literaturwissenschaftler die Chance, ein Stück Geschichte der Bundesrepublik zu beschreiben, das nur selten beschrieben wird - die Geschichte der Ideen und Debatten, die das Land in den letzten dreißig Jahren prägten. Frank Schirrmacher war eine Schlüsselfigur dabei. Ein brillanter Denker, begnadeter Publizist, gerissener Netzwerker und brutaler Chef (...). Angele beschäftigt sich nur mit den beiden letzteren Facetten."

Als Großtat wird SCHIRRMACHER die "Warnung vor der Überalterung der Gesellschaft" zugeschrieben. Der Begriff "Überalterung" oder "Vergreisung" wird auf dieser Website abgelehnt, weil er das Phänomen mit einer negativen Wertung belegt. Stattdessen wird hier wertneutral von einer Gesellschaft der Langlebigen gesprochen. Diesen Unterschied machen Alarmisten und ihre Sympathisanten nicht. Sie wollen das Phänomen nicht empirisch erkunden, sondern vorneweg als gesellschaftliche Bedrohung verstanden wissen. Demographismus nennt der Politikwissenschaftler eine solche ideologische Perspektive auf den demografischen Wandel.

Die SZ widmete der "Vergreisung" bereits im Jahr 2002 gleich eine ganze Serie und war damals - im Vorfeld der Agenda 2010 - nicht allein damit. SCHIRRMACHER war also kein Ideenlieferant oder gar Debattenanstifter, sondern ein Schwimmer auf dem jeweiligen Zeitgeist. Seine Demografie-Texte (2004: "Das Methusalem-Komplott", 2006: "Minimum") strotzen nur so von Unsinn, weshalb KREYE in seiner Rezension auch kein einziges Argument vorbringt, um seine Sicht zu belegen. Stattdessen verweist er auf eine Textsammlung mit dem Titel Ungeheuerliche Neuigkeiten. Aber Neuigkeiten findet man dort nicht, sondern lediglich Zusammenfassungen des jeweiligen Zeitgeistes der neuen Mitte.      

 
       
   

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland in der Debatte

ROSSBACH, Henrike (2018): Ich arbeite, also bin ich.
Wer lange ohne Beschäftigung ist, soll bald auf einem sozialen Arbeitsmarkt unterkommen. Dabei geht es nicht nur ums Geld, sondern auch um Würde und die Vermeidung von Unfrieden in den Städten. Aber kann das funktionieren?
in: Süddeutsche Zeitung v. 14.05.

Henrike ROSSBACH stellt Michael MÜLLER (SPD) und Ideenlieferant für das "solidarische Grundeinkommen" (Definition: "gemeinnützige Stellen für alle willigen Arbeitslosen"), und zwei Befürworter des sozialen Arbeitsmarktes vor. Der eine leitet das Jobcenter Bautzen in Sachsen und der andere das Jobcenter in Wuppertal, das als Aktivierungssieger im Konkurrenzkampf um die beste Statistik hervorgehoben wird.

Bei Hartz IV wurde die Losung "Fördern und Fordern" herausgegeben. In der Wirklichkeit blieb es meist beim Fordern. Der soziale Arbeitsmarkt wird nun als sinnstiftende Arbeit bzw. würdevolle Arbeit angepriesen. Dazu wird passend von Alexander HAGELÜKEN die Rezension des Buchs Bullshit-Jobs von David GRAEBER geliefert: Schwachsinn, gut bezahlt heißt die Schlagzeile. 

 
       
   

Das Alterseinkünftegesetz in der Debatte

SCHNEIDER, Katharina (2018): Das Finanzamt kennt kein Pardon für Rentner.
Steuererklärung: Auch Senioren müssen Steuern zahlen - doch sie können gegensteuern,
in: Handelsblatt v. 14.05.

 
       
   

Sachsen-Anhalt im demografischen Wandel

ECKERT, Daniel (2018): Rezepte für den Aufstieg des Ostens.
Wissenschaftler entwickeln Lösungen für den wirtschaftlichen Anschluss der ostdeutschen Bundesländer - nötig sind vor allem mehr Innovationen,
in: Welt v. 14.05.

Daniel ECKERT fasst die Aussagen der Ökonomen Karl-Heinz PAQUÉ, Gunther SCHNABL, Christian GROWITSCH und Oliver HOLTEMÖLLER so zusammen, dass daraus eine Polemik gegen Umverteilung wird:

"Aktuell profitiere der Osten (...) von der Umverteilung innerhalb der Bundesrepublik. Während die verfügbaren Einkommen im Westen durch Steuern und Abgaben deutlich vermindert werden, haben viele Ostdeutsche dank Transferzahlungen netto fast so viel zur Verfügung wie brutto. Das gilt vor allem für das wirtschaftsschwächste Bundesland Sachsen-Anhalt.
(...). »(...). Das deutsche Steuer- und Transfersystem halbiert die Lücke zwischen West und Ost mitsamt Pendlereinkünften von 35 Prozent auf 17 Prozent«, rechnet Oliver Holtemöller vom Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung (IWH) vor. Den wichtigsten Posten stelle dabei die gesetzliche Rentenversicherung."

 
       
   

Das Single-Dasein in Singapur

MEYER, Ulf (2018): Aus dem Großstadt-Dschungel in die Dschungel-Großstädt.
Mit Gebäuden wie dem "Interlace" von Ole Scheeren stellen Architekten den Massenwohnungsbau auf den Kopf. Sie schaffen nicht nur Platz für viele, sondern kreieren einen neuen öffentlichen Raum und holen sogar die Natur zurück,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.05.

Ulf MEYER preist die Architektur einer Gated Community in Singapur. Dies in der Schlagzeile als "öffentlichem Raum" zu bezeichnen, ist der Gipfel der Perversion von Architekturverklärung:

"Auch wenn das Interlace eine umzäunte »Gated Community« ist, entsteht Gemeinschaftsleben erstmals auch in einer Eigentumswohnungsburg",

heißt es kurz vor Ende des schwärmerischen Artikels.

 
       
   

12.05.2018

 
       
   

Schwangerschaft und Geburt in der Debatte

WARNER, Ansgar (2018): Eins, zwei - viele!
Familienplanung ist in aller Munde. Theoretisch möglich, sieht es in der Realität mit der Planbarkeit von Familie jedoch anders aus. Die Unwägbarkeit beginnt bei der Verhütung,
in: TAZ v. 12.05.

HEIDORN, Julia (2018): Vater, Mutter, Kind? Wir können auch anders!
Was ist Familie? Dem traditionellen Familienmodell des 20. Jahrhunderts haben sich inzwischen einige Alternativen hinzu gesellt,
in: TAZ v. 12.05.

 
       
   

Die Linke und die soziale Frage in der Debatte

SCHULZ, Daniel (2018): "Ostdeutsche sind auch Migranten".
Die Professorin Naika Foroutan erforscht, was Ostdeutsche und Migranten gemeinsam haben. Unser Autor, geboren in der DDR, hat mit ihr darüber diskutiert,
in: TAZ v. 12.05.

Das Interview zeigt wie eingefahrene linke Denkmuster die Auseinandersetzungen prägen und dass das linke Akademikermilieu keineswegs Lösungen bietet:

"Mein Sohn sagte neulich: Wir Ausländerkinder. Und ich habe ihn gefragt: Ausländerkinder? Was hast du für einen Pass? Er hat geantwortet: Den deutschen. Dann habe ich gesagt: Du bist kein Ausländerkind. Und er sagt: Ja Mama, in deinem Büro in Berlin-Mitte heißt das »Migrationshintergrund«."

Das ist die einzige Passage des Interviews, die etwas mit der Realität in diesem Lande zu tun hat. Der Rest ist linke Ideologie, die ihre eigenen blinden Flecken produziert.

Nach dieser linken Sicht gibt es gute und schlechte Identitäten. Gute Identitäten sind Geschlechter- und sexuelle Identitäten, schlechte Identitäten sind dagegen Klassen- und nationale Identitäten. Solange Politik jedoch in Gebietseinheiten organisiert ist, solange gibt es auch Identitäten, die sich an solchen Gebietseinheiten festmachen lassen und damit das Leben prägen. Diesen Identitäten kann man auch nicht entrinnen, selbst nicht als eine taz-Journalistin wie das Beispiel Anja MAIER zeigt.

Naika FOROUTAN stellt regressive und progressive Ansätze zum Umgang mit dem Identitätsproblem vor, die sich aus Denktraditionen speisen, die eine Vorgeschichte haben, die wiederum die eigene Position verorten. Beispielhaft heißt es z.B.

"Schauen Sie sich Teile der SPD und der Linken an, die propagieren, man habe zu lange auf Frauen- und Migrantenthemen geschaut und das Klassenthema vernachlässigt. Das Ganze dekorieren sie mit einer Verachtung gegenüber einer vermeintlich abgehobenen kosmopolitischen Elite - ohne zu merken, wie sehr dieser Vorwurf der entfremdeten Kosmopoliten an das antisemitische Narrativ der vaterlandslosen Gesellen andockt."

Kritik an den "kosmopolitischen Eliten" wird immunisiert und moralisiert, indem ein Vergangenheitsbezug hergestellt wird. Indem Kritik zur Verachtung stilisiert wird, muss keine Auseinandersetzung mit der Kritik stattfinden, denn Verachtung ist keine Kategorie, die dazu zwingt. Linke Ressentiments können also weiter gepflegt werden.

In dem Interview werden einfach nur gruppenbezogene Vorurteile gegeneinander ausgespielt, statt zu fragen, ob damit nicht Probleme einfach der Bearbeitung entzogen werden. Das Klassenproblem wird neoliberal zum Problem bestimmter Gruppen umgedeutet, die dann gegeneinander ausgespielt werden können:

"Aber wer ist denn bitte noch Arbeiterklasse? Wer hat wenig Geld? Zuallererst Migranten, Ostdeutsche auch alleinerziehende Frauen ebenfalls."

Das Phänomen ist sattsam vom Sozialabbau bekannt: Neoliberale greifen sich jene Gruppen heraus, die einen schlechten Ruf haben und brandmarken deren Privilegien. Nicht etwa, um die anderen besser zu stellen, sondern umgekehrt, um sich nach erfolgreicher Privilegienentzug der nächsten privilegierten Gruppe zuzuwenden. Dieses Spiel lässt sich immer weiter treiben bis der Sozialstaat vollständig ausgehöhlt ist. Im Artikel wird das gleiche Spiel angewandt, nur dass die nicht-privilegierten Gruppen herausgegriffen werden, wodurch alle anderen automatisch zur privilegierten Gruppe werden. In beiden Fällen werden Ausgrenzungen vorgenommen, die sich gegen Personen richten. Nicht die Problembearbeitung steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Sündenböcken.

Fazit: Politik wird heutzutage von allen Seiten als Identitätspolitik betrieben, um argumentative Auseinandersetzungen zu umgehen und stattdessen Bevölkerungsgruppen gegeneinander auszuspielen. Dagegen hilft nur grundsätzliche Kritik und Infragestellung der Prämissen dieses politischen Denkmusters, das Gefühle erzeugt, die dann als unberechtigt abgetan werden können. Bei Identitätspolitiken wird jede Kritik zum gefühlten Problem und damit letztendlich zur unberechtigten Kritik. Widerstand leisten gegen diese Art der Identitätspolitik, heißt heutzutage die Demografisierung gesellschaftlicher Probleme grundsätzlich infrage zu stellen!      

MAIER, Anja (2018): Kennste eine, kennste alle.
Über diese Leute "aus den neuen Ländern" mit ihren fiesen Dialekten und den falschen Kleidern darf man in so gut wie jeder Weise herziehen und lachen. Es kotzt mich so an,
in: TAZ v. 12.05.

Der Artikel von Anja MAIER wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand einer sich links verstehenden Tageszeitung und auf das Buch Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Von Edel-Eltern und ihren Bestimmerkindern aus dem Jahr 2011.

"»WIR SIND EIN VOLK!«, prangte a in weißen Großbuchstaben auf schwarzem Grund. Darunter: »UND IHR SEID EIN ANDERES, Ostberlin, 9. November 1990«. Gemeint waren mit dieser Schmähung die Zugezogenen, die Westler. Und ja, ich weiß, das war fies. Aber sorry, es gefiel. Weil es subversiv war. Und weil es mal jemand anderen traf."

Oder anders formuliert: Demütigungen, die sich der ostdeutschen Identität der Autorin verdanken, suchen sich ein Ventil. Wer wie MAIER in einer Zeitung arbeiten muss, in der Ostdeutsche in fast allen Belangen abgewertet wurden, der neigt dazu seine innere Wut auf jene Objekte zu lenken, die Anerkennung versprechen. In der taz waren dies z.B. die Kritik an Latte Macchiato Müttern.

Dies aber wirft dann wiederum ein Schlaglicht auf das ganz spezifische Versagen der Linken aufgrund neuer Verhältnisse und die Blindheit gegenüber Phänomenen, sodass angemessene Strategien nicht mehr entworfen werden können.   

 
       
   

Der Fachkräftemangel in der Debatte

BRÖMME, Tino (2018): Fachkräfte kann es gar nicht genug geben.
Regelmäßig warnen Unternehmer- und Industrieverbände vor Engpässen in den Technikberufen. Davon kann keine Rede sein - aber so bleibt die Nachfrage nach den Jobs hoch,
in: Neues Deutschland v. 12.05.

 
       
   

Die Osterweiterung der EU in der Debatte

MÜNCH, Peter (2018): Balkan-Express
Buch Zwei: Von Albanien bis Serbien träumen die Menschen von der EU. Eine Reise in sechs Länder, die ihre Hoffnungen auf Europa richten - und die vielleicht auch Europa Hoffnung geben könnten,
in: Süddeutsche Zeitung v. 12.05.

 
       
   

11.05.2018

 
       
   

Späte Elternschaft - Eine Bibliografie

DESTATIS (2018): 2,4 % der Erstgeborenen im Jahr 2016 hatten eine Mutter ab 40 Jahren.
Anteil lag im EU-Durchschnitt bei 3,2 %,
in:
Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 11.05.

"In Deutschland hatten im Jahr 2016 rund 2,4 % der Erstgeborenen eine Mutter, die zum Zeitpunkt der Geburt mindestens 40 Jahre alt war. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Muttertages weiter mitteilt, ist der Anteil gegenüber 2010 (2,5 %) relativ stabil. Die Zahl der erstgeborenen Kinder mit einer Mutter ab 40 Jahren erhöhte sich zwischen 2010 und 2016 von rund 8 500 auf rund 9 200.
 In elf EU-Staaten war der Anteil der Erstgeborenen von Müttern im höheren gebärfähigen Alter größer als in Deutschland. Nach Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hatten 2016 in Italien bereits 7,2 % der Erstgeborenen eine Mutter ab 40 Jahren. In Spanien waren es 6,6 % und in Griechenland 5,3 %. Am geringsten war der Anteil in Litauen mit 1,0 %. Der EU-Durchschnitt lag bei 3,2 %", meldet das Statistische Bundesamt.

 
       
   

Alleinerziehende in der Debatte

ZÜLCH, Tim (2018): Alleinerziehende gehen auf die Straße.
68 Prozent aller alleinstehenden Väter und Mütter sind laut einer Studie armutsgefährdet. Protest in Berlin,
in: Neues Deutschland v. 11.05.

"Für Martina Krahl ist wichtig, dass vor allemd as Thema Rente bei Alleinerziehenden angepackt wird: »Es ist doch absurd: wer Kinder hat, lebt in Altersarmut, aber seine Kinder zahlen die Rente für alle«",

heißt es in dem Artikel von Tim ZÜLCH. Wer so unsolidarisch argumentiert, der könnte schnell Opfer seiner eigenen Argumentation werden. Neoliberale lieben es, wenn sich die angeblichen Opfer ihrer Politik gegenseitig bekriegen, denn das hilft beim Abbau des Sozialstaats. Statt sich gegeneinander ausspielen zu lassen, wäre es sinnvoller die neoliberale Argumentation zu hinterfragen.

ZÜLCH zieht die Broschüre Wie hat sich die Einkommenssituation von Familien entwickelt? der neoliberalen Bertelsmann Privatstiftung heran, die nicht kürzlich, sondern bereits von über 3 Monaten veröffentlicht wurde. Mitautor Martin WERDING vertritt nationalkonservative Ansichten, die genauso gut von der AfD stammen könnten.

Fazit: Dass eine sich links verstehende Zeitung unreflektiert nationalkonservative Ideen verbreitet, ist mit ein Grund für das Versagen der Linken, denen längst eine eigenständige Position abhanden gekommen ist. Es reicht nicht aus, sich der Fakten Neoliberaler bzw. Nationalkonservativen zu bedienen und sie lediglich anders zu interpretieren!    

 
       
   

Die Kinderbetreuung in der Debatte

LASCH, Hendrik (2018): Beitrag nur noch fürs jüngste Kind.
Sachsen-Anhalt bekommt neues Gesetz zur Kinderbetreuung - Linkspartei: Es bleibt Chaos,
in: Neues Deutschland v. 11.05.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2018): Die Altersrenten müssten um einen Viertel sinken.
Die Oberaufsicht zur beruflichen Vorsorge beziffert erstmals die starke Umverteilung zulasten der Jüngeren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.05.

ENZ, Werner (2018): Swiss Life bleibt im BVG-Geschäft vorsichtig,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 11.05.

 
       
   

09.05.2018

 
       
   

Die Entwicklung der Altersarmut in Deutschland in der Debatte

STARK, Manuel (2018): Meine Oma ist eine ganz normale Rentnerin. Warum geht sie putzen?.
Entdecken,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 09.05.

Manuel STARK erzählt die Geschichte seiner Großmutter, die als Flüchtlingskind nach Westdeutschland kam und zuletzt als Oberinspektorin beim Bund der Steuerzahler arbeitete. Über ihren familiären Hintergrund wird nichts erzählt, nur dass ihr Ehemann eine Fabrik geerbt hat. Mit ihrer Rente liegt die Frau aus der 68er-Generation über jener Grenze, die als relative Armut bezeichnet wird. STARK nennt das "gefühlte Armut". Richtig genommen geht es jedoch um eine standesgemäße Altersversorgung. Diese wäre auch möglich gewesen, wäre die Frau nicht dem Kapitalmarkt zum Opfer gefallen:

"Das »andere Leben«, wie meine Oma es nennt, endet am 29. Oktober 2009 mit Schlagzeilen: Betrugsverdacht, Schneeballsystem. Über 200 Millionen Euro Schaden. Manager in U-Haft. Auf Anraten von Anlageberater und Bank hatte Oma, eigentlich meine ganze Familie, in den K1-Hedgefonds des Würzburger Milliardärs Helmut Kiener investiert. Noch heute wühlen sich Anwälte durch Akten, Hunderte Anlegen fordern vor Gerecht Entschädigung. Auch Oma."

Seit Anfang des Jahrtausends werden dank Rot-Grün auch Geringverdiener in die Arme des Kapitalmarkts getrieben. Risiken werden von Neoliberalen zu Chancen umgedeutet. Aber Risiken sind immer Risiken. Und dass jemand, der beim Bund der Steuerzahler gearbeitet hat, also im Grunde ein Gegner staatlicher Rentensysteme ist, dem Kapitalmarkt zum Opfer fällt, ist die eigentliche Ironie dieser Geschichte, die zeigt, dass Altersarmut gerade auch jenseits des staatlichen Alterssicherungssystems lauert.

Fazit: Die Frau, deren Geschichte hier erzählt wird und die gerne als leichtgläubige "Lehmann-Omas" bezeichnet werden, zeigt die Risiken des Kapitalmarkts. Der Wegfall der privaten Altersvorsorge kann dazu führen, dass die standesgemäße Lebensführung im Alter wegbricht. Inwiefern derzeit noch hochgelobte Anlageformen sich in Zukunft als unsicher erweisen, das werden wir erst nach dem nächsten Crash wissen. Eines ist sicher: Risiken bleiben Risiken, egal ob Neoliberale sie zu Chancen umdeuten - nur um die Risiken der Finanzdienstleister zu minimieren!    

 
       
   

Soziale Herkunft, Bildungsaufstiege und soziale Mobilität in der Debatte

SPIEWAK, Martin (2018): Wer schafft es nach oben?
Sozialer Aufstieg sei in Deutschland kaum möglich, heißt es. Dennoch wächst die Zahl der Studenten von Jahr zu Jahr. Wie geht das zusammen? Erkundungen im Dschungel der Bildungssoziologie,
in: Die ZEIT Nr.20 v. 09.05.

Martin SPIEWAK präsentiert uns einen Bildungstrichter, der die soziale Ungleichheit bei den Bildungschancen demonstrieren soll. Das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, kurz: DHZW, hat dazu in seiner Pressemitteilung Bildungstrichter: Die Aufnahme eines Hochschulstudiums hängt stark von der Bildung der Eltern ab ausführlichere Informationen veröffentlicht.

"2,85 Millionen Studenten sind heute an deutschen Universitäten und Fachhochschulen eingeschrieben, so viele wie niemals zuvor. Im Jahr 2000 haben 29 Prozent eines Jahrgangs zu studieren angefangen, heute sind es 43 Prozent. Nur in den siebziger Jahren gab es eine ähnliche Bildungsexpansion",

behauptet Martin SPIEWAK. Dagegen heißt es in der gerade veröffentlichten Broschüre Hochschule im Blick des Statistischen Bundesamts:

"Im Jahr 2016 schrieben sich insgesamt 252.200 Studienanfänger und 257.600 Studienanfängerinnen erstmals an einer deutschen Hochschule ein. Das entspricht einer Studienanfängerquote nach Studienort von rund 57 %. Das bedeutet, dass im Jahr 2016 fast sechs von zehn Personen der altersspezifischen Bevölkerung ein Studium aufgenommen haben. Damit lag diese Quote um21 Prozentpunkte über der aus dem Jahr 2006. Der bisher höchste Wert für die Studienanfängerquote nach Studienort lag im Jahr 2013 bei rund 58 %." (2018, S.14f.)

Wie kommen diese Unterschiede bei der Studienanfängerquoten zustande? Während das DHZW mit 360.860 Studienanfängern für das Jahr 2016 rechnet, sind es bei DESTATIS 509.800 Studierende. Obwohl beide mit einem Quotensummenverfahren rechnen, differieren diese Zahlen gewaltig.

Der Artikel endet dort, wo es eigentlich erst beginnen müsste. Die Studienanfängerquoten sind nicht entscheidend für die soziale Ungleichheit. Wir lesen nichts über Studienabbrecherquoten oder über den noch entscheidenderen Übergang von der Hochschule zum Beruf. Selektion nach Herkunft endet keineswegs beim Übergang von der Schule zur Hochschule. Da nützt auch mehr frühkindliche Bildung nichts. Je weniger Unterschiede im Bildungssektor existieren, desto entscheidender werden andere Faktoren der Herkunft.

Fazit: Der Artikel trägt wenig zur Erhellung sozialer Ungleichheit in Deutschland bei. Von den zahlreichen Selektionsstufen zwischen Geburt und Berufseinstieg wird lediglich eine einzige Selektionsstufe betrachtet. Das ist typisch für die Verharmlosung des Phänomens Chancengleichheit.  

 
       
   

Die Stärkung der gesetzlichen Rentenversicherung in der Debatte

STEFFEN, Johannes (2018): Ein stabiles Rentenniveau? – "Unbezahlbar!".
Kommissionsmitglied polemisiert gegen Umlagesystem,
in:
sozialpolitik-portal.de v. 09.05.

 
       
   

Die Pensionslasten der Unternehmen in der Debatte

KROHN, Philipp (2018): Pensionszusagen belasten Öffentlich-Rechtliche.
ARD und ZDF müssen mehr Geld zurücklegen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 09.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

VÖGELI, Dorothee (2018): Alt und allein zu Hause.
Es gibt viele sinnvolle Ansätze zur Entlastung von Betagten, die trotz schwindenden Kräften zu Hause leben. Im weiten Feld ambulanter Altersbetreuung bleibt in der Schweiz aber noch viel zu tun,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 09.05.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

BORRELLI, Silvia Sciorilli (2018): Keine Lust auf Frankfurt.
Im Zuge des Brexits sollen Tausende Banker London in Richtung Kontinent verlassen. Davon ist bisher wenig zu sehen. Vor allem die Ehefrauen verhindern den Umzug,
in: Welt v. 09.05.

 
       
 

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