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Medienrundschau:
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News vom 23. - 30. November 2002
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Zitat
des Monats:
"Vereinfacht
formuliert gibt es unter den sogenannt »Alleinlebenden« eine Art
sozialer Polarisierung: Auf der einen Seite finden sich unter
den Alleinlebenden - und dies gilt primär bei Männern -
beruflich-sozial klar desintegrierte Menschen, und es ist
beispielsweise diese Gruppe sozial desintegrierter
alleinlebender Männer, welche - etwa im Vergleich zu
gleichaltrigen verheirateten Männern - ein
überdurchschnittliches Sterblichkeitsrisiko aufweisen. Auf der
anderen Seite findet sich unter den Alleinlebenden - und dies
gilt primär bei Frauen - um eine bedeutsame Gruppe hoch
integrierter, beruflich-sozial hoch kompetenter Menschen. Das
Alleinleben bei dieser Gruppe ist ein spezielle Form des
beruflich-sozialen Erfolgs."
(Elisa Streuli
in
"Alleinleben in verschiedenen Lebensphasen" 2002) |
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GRIESE, Inga (2002): Alice wird gut.
Viele Männer wird es freuen: Alice Schwarzer wird am Dienstag 60.
Doch auf Altersmilde können sie noch lange warten - ein Besuch in
ihrem Emma-Turm,
in: Welt v. 30.11.
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DETJE, Robin (2002): Für die Galerie.
Perfekte Hysterie ist eine Kunst. Deutsche wie der Historiker Oskar
Lafontaine sind auf einem gutem Weg. Aber noch haben wir nicht die
Klasse des Kinderwerfers Michael Jackson,
in: Süddeutsche Zeitung v. 30.11.
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SCHIEßL, Michaela (2002): FAZ.
Massenentlassung bei den Frankfurtern,
in: Manager-Magazin.de v. 28.11.
- Kommentar:
Am Sonntag schrieb
Single-dasein.de bereits zur
Loser-Typologie von Amelie von HEYDEBRECK:
"Damit hat HEYDEBRECK das Kündigungsmotto
für alle scheidenden Frankfurter Allgemeine-Journalisten
formuliert".
Da war noch nicht öffentlich,
dass
Florian ILLIES, der Vordenker der "Generation Golf", die
traditionsreiche FAZ verlassen würde. Aber der "Loser der neuen
Schule" war wohl bereits zu diesem Zeitpunkt auf ILLIES gemünzt und
man kann jetzt den Artikel als "vorgezogenen Nachruf" lesen.
Nach dem
Feuilleton-Revoluzzertum bei der
Frankfurter Allgemeinen war
wohl klar, dass die FAZ-Krise schlimmer sein musste als bisher
bereits offenkundig war.
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HOFMANN, Gunter/JOFFE, Josef/NAUMANN, Michael (2002): Notfalls auch
mit Zwang.
Der Kanzler will eine härtere Gangart einlegen. Die Botschaft an
die Lobbys: "Lasst das Taktieren sein." Ein ZEIT-Gespräch mit Gerhard
Schröder über Vorwürfe, Verbände und Verbündete,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 28.11.
- Kommentar:
"Und jetzt sage ich
etwas Ketzerisches: Man wird klar machen müssen, dass der berühmte
Satz Lampedusas im »Gattopardo«, wonach sich alles ändern muss,
damit es bleiben kann, wie es ist, eigentlich die Leitlinie von
Politik werden muss. All diejenigen, die sich vor Veränderung
fürchten, weil ihre soziale Rolle, auf welchem Level auch immer,
beeinträchtigt wird, werden sich fragen müssen – und wir müssen
ihnen diese Fragen aufzwingen –: Verlieren wir unsere soziale Rolle
nicht gerade dadurch, dass sich nichts verändert?", antwortet
SCHRÖDER zur Freude aller Neue-Mitte-Eliten.
Jenseits der Neuen
Mitte muss man das so lesen: Es muss bei den Nicht-Eliten alles
anders werden, damit es bei den Eliten so bleiben kann wie es ist!
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SCHMIDT,
Thomas E. (2002): In der Wagenburg.
Die Familie wird in der Wirtschaftsflaute wieder zur
Notgemeinschaft. Wir werden ärmer und spießiger. Kinder machen in
Zukunft das Leben schwer oder sie sind neue Statussymbole,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 28.11.
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SUSSEBACH, Henning (2002): Anfang am Ende.
Kaum hat die Karriere begonnen, da ist sie für viele von uns schon
wieder vorbei. Die Krise erreicht die Wohlstandskinder. Ein Anflug von
Panik,
in: Die ZEIT Nr.49 v. 28.11.
- Inhalt:
SUSSEBACH entwirft zuerst eine der von FAZ über
SPIEGEL bis STERN bereits vielfach publizierten, typischen Abstürze
jener Mitglieder der Leistungsgeneration Golf, für die
Arbeitslosigkeit bisher ein Fremdwort war.
Im Gegensatz zu diesen Singles
spricht hier ein Familienvater-ICH, das bislang von der Entlassung
verschont geblieben ist:
"was tun? Man sitzt
und redet. (...) »Halbe Rente für Kinderlose«, sage ich dann immer,
»zumindest für diese Double-income-no-kids-Schnösel, die später
üppig vom Staat versorgt werden. Die haben ja eigentlich genug Geld,
um privat vorzusorgen.« Wenn ich dann aber lese, dass durch die
höheren Rentenbeiträge im nächsten Jahr die Lohnnebenkosten so sehr
steigen, dass nur deshalb noch mal 60000 Menschen ihre Arbeit
verlieren werden (darunter bestimmt auch viele
Double-income-no-kids-Schnösel), dann weiß ich nicht mehr, ob die
Konfliktlinie zwischen Familien und Kinderlosen verläuft oder doch
eher zwischen Jung und Alt. Am Ende haben sich zahllose Gräben
aufgetan, mal stehe ich auf der einen Seite, mal auf der anderen,
nur eine Lösung finde ich nicht, findet niemand von uns. Vielleicht
verzetteln wir uns in Details. Menschen, die bisher mit dem System
konform gingen, fällt es schwer, plötzlich aufzubegehren."
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- LEHMING, Malte (2002): Der Truthahn
macht den Unterschied.
An Thanksgiving sitzen in den USA alle Familienmitglieder am Tisch
- es sind viel mehr als bei uns,
in: Tagesspiegel v. 28.11.
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MEHLITZ, Johannes (2002): "Ja, die Situation ist wirklich dramatisch",
in: Rheinischer Merkur Nr.48 v. 28.11.
- Kommentar:
Beim Rheinischen MERKUR hat man dem Thema
"Endzeitstimmung in Deutschland?" einen ganzen Brennpunkt gewidmet,
der die übliche Sozialstaatskritik beinhaltet. MEHLITZ befragt
Bernd
RAFFELHÜSCHEN, der Mitglied der "Rürup-Kommission" ist.
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NOLTE, Paul (2002): BürgerInnen, ins Parlament!
Vielleicht haben wir eine schlechte Regierung. Aber das ist noch
lange kein Grund, die gefährlichen Klischees des typisch deutschen
Antiparteien-Affektes wieder zu beleben,
in: TAZ v. 28.11.
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FALZOI, Jessica (2002): Uncoole Mutter.
Betr.: "Die Farbe von Doldingers Kacka", taz-Kolumne von Peter
Unfried vom 20.11.02,
in: TAZ v. 28.11.
- Kommentar:
Eine Mutter bedauert in einem Leserbrief einen
falschen Single:
"lieber Peter Unfried, neulich
waren meine Kinder zwei Wochen weg und ich konnte endlich wieder so
leben wie diese glücklichen Singles über 35 und wie du; saufen,
rauchen und schlafen bis zum nächsten Abend. Mir blieb auch ehrlich
gesagt nichts anderes übrig, weil ich diese stumpfe Leere ohne meine
Töchter nüchtern nicht ertragen hätte.
Bist du eigentlich sehr einsam? Das tut mir Leid. Aber noch mehr
Leid tust du mir, wenn du die Zeit verpasst hast und es für dich zu
spät ist. Top Five: Jessica Falzoi, 2 Kinder; Madonna, 2 Kinder;
Jürgen Vogel, 4 Kinder; Mary Wollstonecraft, 2 Kinder; Johnny Depp, 1
Kind (Autor Peter Unfried, 2 Kinder; d. Red.)."
In den USA haben sich die
Kinderlosen angesichts der zunehmenden Diskriminierung zur
Bewegung der Kinderfreien zusammengeschlossen.
Elinor BURKETT hat mit "Baby Boon" die Singlefeindlichkeit des
familienfreundlichen Amerika auf die Agenda der öffentlichen Debatte
gesetzt. In Deutschland steht dies noch an...
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BÖNT, Ralf (2002): Was die Generationen verbindet.
Vorschlag zur Güte: Kann man bitte über Rente und
Generationengerechtigkeit reden, ohne auf jeden Prozentpunkt hinterm
Komma zu achten? Jedenfalls sind die Zielvorgaben der heute
Vierzigjährigen weniger materiell dominiert als die ihrer Eltern,
in: TAZ v. 27.11.
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TOST (2002): Nachrichten vom gelben Gefühl,
in: Süddeutsche Zeitung v. 27.11.
- Inhalt:
Tost ist die
Nörgelei der
Feuilleton-Revoluzzer leid und schreibt:
"Der Neid (...) hat die Grenzen
der Klassen und Generationen übersprungen, er ist universal und
unübersichtlich geworden. In ihm verbirgt sich weniger eine
Forderung nach Gleichheit als vielmehr das blöde Gefühl, demnächst
oder möglicherweise bald zu kurz zu kommen, also nicht clever genug
bei der anstehenden Verteilung der Güter zu sein. (...). Und weil
der Neid nun auch zu einem Gefühl der Besserverdienenden geworden
ist, rivalisieren immer mehr Neidische um den Status als Opfer – und
Opfer ist immer der, der jeweils spricht. Denn so wird
Interessenpolitik, wird Lobbyismus für sich selbst betrieben. Nicht
nur der Geiz, auch der Neid ist geil.
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DRIBBUSCH, Barbara (2002): Karriere ja - aber später.
Wegen ds beruflichen Drucks schieben viele Frauen das Kinderkriegen
auf ein zu enges Zeitfenster zwischen dem 35. und 40. Lebensjahr - es
ist notwendig, das zu entzerren,
in: TAZ v. 26.11.
- Inhalt:
Single-dasein.de berichtete bereits anlässlich der
TIME-Titelgeschichte
vom 15.04.2002 über die US-amerikanische Debatte, die das Buch "Creating
a Life: Professional Women and the Quest for Children" von Sylvia
Ann HEWLETT auslöste. Nun ist die Debatte auch bei der TAZ
angekommen.
DRIBBUSCH referiert zuerst
pflichtgemäß die feministische Kritik von
Garance FRANKE-RUTA (The American Prospect vom Juli 2002), um
anschließend den Grundgedanken von HEWLETT zu verteidigen.
DRIBBUSCH kritisiert das
Grundmuster der "späten Mütter" im Akademikermilieu und plädiert für
die frühe Mutterschaft und späte Karrieren. Als "Role model"
präsentiert sie die jetzige
Familienministerin Renate SCHMIDT.
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RULFF, Dieter (2002): In der elendigen Ironiefalle.
Im historischen Moment der Vereinigung wollten die "89er" weniger
einen politischen Traum verwirklichen als vielmehr ihr privates Glück.
Nun versucht Susanne Leinemann, diese Generation abseits aller
Klischees zu beschreiben und zu verteidigen,
in: TAZ v. 26.11
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BRANDT, Jan (2002): Mit der Krise steigt die Sehnsucht.
Die ostdeutsche Bestsellerautorin Jana Hensel hat sich auf die
Suche nach einer real existierenden Kindheit gemacht. Ihr Buch
"Zonenkinder" erfindet keine Generation Trabbi, sondern markiert die
kulturelle Angleichung zwischen Ost und West,
in: TAZ v. 26.11.
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KILB, Andreas (2002): Die Plünderer der Rentenkassen.
Wie die Regierung eine Generation ausplündert,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 25.11.
- Kommentar:
Jeder darf mal! Heute ist Andreas KILB an der
Reihe über den Rentenkompromiss zu mosern.
Er verkürzt das auf die beliebte
68er-Schelte und klammert wohlweislich die
BARING-Generation
der Flakhelfer aus, die
ebenfalls von der
Anhebung der Rentenbeiträge profitiert.
In Anlehnung an
Gustav SEIBTs Logik der Generationengerechtigkeit schreibt er:
"Aus der Anfangsphase der
Französischen Revolution gibt es eine berühmte Karikatur, auf der
ein Bauer einen Kleriker und einen Aristokraten auf seinem tief
gebeugten Rücken trägt. Inzwischen gibt es keine drei Stände mehr,
aber das ständische Modell ist wieder im Schwange. Diesmal schleppt
ein Erwerbsstand, dessen Kräfte immer erkennbarer schwinden, einen
von Jahr zu Jahr an Umfang und Gewicht zunehmenden Genußstand."
Danach gibt es noch
einen Abstecher ins alte Ägypten, um hinzuzufügen:
"Wie dort die
unermeßlich angewachsene Priesterkaste der Zukunft des Landes ihre
eigene vorzog, finanzieren heute die Kinder von Marx und Coca-Cola
die blühenden Landschaften ihres Ruhestands durch Schröpfung ihrer
Nachkommen."
Zum Abschluss noch ein tiefer
Blick in die Abgründe der Neuen-Mitte-Psyche:
"Wir stehen am Beginn einer
Epoche gesellschaftlicher Beunruhigungen, von deren Form und Ausmaß
wir noch keine Vorstellung haben."
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FRIEDRICH, Julia & Reinhard MOHR
(2002): Aufstand vor dem Kühlschrank.
Depressive Unruhe sucht die krisengeplagte Schröder-Republik heim:
Künstler und andere Intellektuelle Sympathisanten von Rot-Grün
bekunden ihre Enttäuschung oder rufen gar zur Revolte auf. Sturm im
Wasserglass oder Mobilisierung der Zivilgesellschaft?
in: Spiegel Nr.48 v. 25.11.
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- NUTT, Harry (2002): Alle Wetter.
Nörgeln im Kulturkampf
in: Frankfurter Rundschau v. 25.11.
- Inhalt:
NUTT diagnostiziert:
"Kultur, Politik und Wirtschaft
befinden sich gleichermaßen in einer Legitimationskrise. Aus sich
heraus vermögen die gesellschaftlichen Teilsysteme derzeit weder
Werthierarchien zu schöpfen noch Funktionslogiken zu entwickeln. Die
Kanäle zu wechselseitiger Befruchtung sind verstopft. Was zuletzt
als Sinnkrise der bundesrepublikanischen Aufstiegsgesellschaft
gelesen wurde, erweist sich Strukturkrise ihrer Eliten."
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- WELZER, Harald (2002): Eine
Gesellschaft in Angst und Verunsicherung.
Harald Welzer über die Befindlichkeiten der Deutschen und die
Folgen für eine labile Gemeinschaft in den Zeiten des grundlegenden
Umbaus,
in: Frankfurter Rundschau v. 25.11.
- Inhalt:
Der Leiter der
Forschungsgruppe "Erinnerung und Gedächtnis" am
Kulturwissenschaftlichen Institut Essen und Sozialpsychologe der
Universität Witten-Herdecke empfiehlt zuerst Sebastian HAFFNERs
Geschichte eines Deutschen, weil es u.a. "einen irritierenden
Einblick in den Prozess des Umbaus einer pluralistischen in eine
totalitäre Gesellschaft" ermöglicht.
Danach benutzt er
Wilhelm HEITMEYERs neueste Studie, um sich dem
Problem der
"gefühlten Atomisierung" zu widmen.
Diesem Gefühl möchte
er mit Law-and-Order-Politik entgegenkommen. Dazu rehabilitiert er
MARCUSEs Begriff der "repressiven Toleranz", um ihn gegen seine
ehemaligen Verwender aus der 68er-Generation zu richten, die an die
Stelle des Strafens die Sozialpädagogik gesetzt hat.
Es stört ihn
keineswegs, dass ihm "wertkonservatives Gejammer" vorgeworfen werden
könnte, denn die Stabilität der Gesellschaft ist in Gefahr:
"Da (...) die
wirtschaftliche Krise wie die des politischen Handelns inzwischen
nicht mehr nur die Angehörigen des unteren Drittels der Gesellschaft
trifft, sondern in Segmente der gesellschaftlichen Eliten
hineinragt, da nicht mehr »nur« Ungelernte, sondern hoch
qualifizierte Personengruppen wie Journalisten, Informatiker,
Art-Direktoren oder Werksleiter von der Krise bedroht oder bereits
erfasst sind, wird sich die Labilität in den Orientierungen
gesamtgesellschaftlich weiter ausbreiten."
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- SPIEGEL (2002): Wahlrecht für Kinder?,
in: Spiegel Nr.48 v. 25.11.
- Kommentar:
Der
Rheinische Merkur
hat am Donnerstag wieder einmal das Familienwahlrecht propagiert,
das zuvor schon die
Familienministerin SCHMIDT als "Privatfrau"(!) ins Gespräch
gebracht hat.
Singlefeinde wie Paul KIRCHHOF
oder Konrad LÖW möchten damit eine antidemokratische Diktatur der
Eltern durchsetzen.
Die
grüne Kinderpolitikerin DELIGÖZ spricht sich dagegen für eine
Herabsetzung des Wahlalters von 18 auf 16 aus.
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- BRODER, Hendryk M. (2002): Heitere
Müßiggangster.
Die Berliner Initiative der "Glücklichen Arbeitslosen"
will die Arbeitslosigkeit vom Ruch des Unglücks befreien. Das Projekt
ist mit viel Arbeit verbunden, vor allem für die Vordenker,
in: Spiegel Nr.48 v. 25.11.
- Inhalt:
BRODER stellt den Vordenker der "Glücklichen
Arbeitslosen"
Guillaume PAOLI sowie die Philosophie der Initiative vor.
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MISIK, Robert (2002): "Verfangen im
Detailgestrüpp".
Ulrich Beck, deutscher Starsoziologie, über den Fahlstart von
Rot-Grün in Berlin und die Lehr, dass Konservative nicht mit dem
populistischen Chaos koalieren sollen,
in: Profil Nr.47 v. 25.11.
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BLANK, Gunter & Sven BOEDECKER (2002): Der Club der fiesen Dichter.
Eine neue Generation von US-Schriftstellern greift nach der Macht
mit nicht immer feinen Methoden,
in: SonntagsZeitung v. 24.11.
- Kommentar
Jonathan FRANZEN wird in Deutschland sowohl von der rechten
Mitte als auch von der linken Mitte gelobt. Er ist der Dichter unserer
selbstgerechten
Bobokratie, d.h. dem Kampfbündnis der neoliberalen
Besitzstandwahrer und -mehrer, bestehend aus alter und neuer Elite,
die den Ausverkauf der Arbeitnehmergesellschaft betreibt, indem sie
Junge gegen Alte und Arbeitsplatzbesitzer gegen Erwerbslose
ausspielt. Sie betreiben ein perfides Spiel, bei dem alle verlieren
werden und der größte Verlierer ist die demokratische Kultur in
unserem Land.
Jedediah PURDY hat ihre Strategie am
Beispiel der USA in einem
lesenswerten Essay
(abgedruckt im aktuellen Heft der Berliner Republik) beschrieben:
"Für die Theoretiker des
Washington-Konsens war die Politik der Feind, weil sie der Ort war,
an dem sich so antireformerische Haltungen wie die
Angst vor der Veränderung und die
Anhänglichkeit an bestehende Verhältnisse
Ausdruck verschaffen konnten. Williamson schlug sogar vor,
Wirtschaftskrisen mit Absicht herbeizuführen, um die Ketten der
Politik zu sprengen: »Sollte es sich tatsächlich als schwierig
herausstellen, Beispiele dafür zu finden, dass die umfangreichen
politischen Reformen, die für eine offene Markt- und
Wettbewerbsgesellschaft nötig sind, zustande kommen, ohne das ihnen
eine tiefe Krise vorausgeht, dann wäre darüber nachzudenken, ob
solch eine Krise nicht mit Absicht herbeigeführt werden sollte, um
den politischen Reformstau aufzulösen« Aus dieser Perspektive ist
Politik dann nur noch in dem Maße von Interesse, wie sie der
Durchsetzung der ökonomischen Logik im Wege steht."
Feuilleton-Revoluzzer
von Konrad ADAM über
Sascha LEHNARTZ bis zu
Arnulf BARING versuchen in Deutschland
offenbar gerade diese antidemokratische Strategie aus den Arsenalen
der psychologischen Kriegsführung in die Tat umzusetzen.
BLANK & BOEDECKER, die Jonathan FRANZEN
vorwerfen
"kaum
über die Gartenzäune der wohlhabenden weissen Suburbs"
hinauszublicken, beschreiben den Club der Apokalyptiker (LAU) als
"Amigo-System", bei dem die Söhne wohlhabender Familien
("Bankiersprössling Rick Moody, der Anwaltsohn
Dave Eggers und der einer Professorenfamilie entstammende David
Foster Wallace") eine wichtige
Rolle spielen:
"Im Sommer 2002 erhielt Jonathan Franzen von
der staatlichen National Endowment for the Arts (NEA) eine 20
000-Dollar-Unterstützung. Gedacht sind diese NEA-Stipendien für
mittellose Künstler. Doch Franzen war dank seines Bestsellererfolgs
und eines Hollywood-Deals längst Millionär. Wie hat er das
geschafft, fragten sich erbost die übergangenen Bewerber. Die
Antwort ist einfach. In der Jury sass Rick Moody."
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OCHS, Birgit (2002): Am Doorman führt kein Weg vorbei.
Weg mit dem Schmuddelimage vom Hochhaus als sozialem Brennpunkt.
Die neue Generation der Wohnhochhäuser verspricht Luxus und
Exklusivität
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.
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BONDE, Bettina (2002): Die Alten sind ein Segen.
Deutschland fürchtet die Vergreisung. Doch viele Branchen können
sich über die Rentner freuen,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.
- Inhalt:
BONDE hat Sönke JENS vom Forschungsinstitut PROGNOS
in Basel aufgesucht. Gemäß ihrer aktuellen Studie profitieren
Versicherungen, Freizeit- und Gesundheitsbranche sowie der
Maschinenbau vom Rentnerparadies Deutschland.
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HEYDEBRECK, Amelie von (2002): Die neuen Loser.
Warum Literatur und Werbung jetzt den Reiz der Niederlage
entdecken,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.
- Kommentar:
HEYDEBRECK hat die vielversprechende
Marktlücke der LoserSTIL-Beratung entdeckt.
Sie teilt die derzeit bzw.
demnächst verfügbaren Stilvorbilder in zwei Kategorien ein.
Richtschnur ihres Gangs durch die
Loser-Haltungen ist der
Roman "Leider sehen wir uns gewzungen, Ihnen mitzuteilen...Sie sind
gefeuert" des britischen Literaten Graham LORD und dessen
Protagonist Peter Hallam.
HEYDEBRECK unterscheidet zwischen
den Losern alter und neuer Schule.
Zu den Losern alter Schule zählt sie
Peter HEIN, der z.Z. mit seiner Band "Fehlfarben" und der CD
"Knietief im Dispo" die Pessimisten anspricht.
Dieser resignativen Punk-Attitüde
- die sie als "Modell von der Stange" abwertet - stellt sie die
Loser-Avantgarde der Leistungsträger gegenüber.
Zu ihnen zählt sie Peter FELIXBERGERs
"Kunst der Entfesselung" und den
"stilvollen Untergang" à la BELMONDO in "Außer Atem", denn:
"»Zum
Angsthaben ist es jetzt zu spät.«
Lieber einen Neustart wagen" ist das
Motto der flexiblen Menschen (SENNET). Neben diesem bürgerlichen
Präferenzmodell der (leitenden) Angestellten stellt HEYDEBRECK das
linksalternative Konkurrenzmodell der
"Glücklichen Arbreitslosen" um Guillaume PAOLI ("Mehr Zuckerbrot,
weniger Peitsche")
und die
"Neue
Bescheidenheit" im Studentenmilieu, das Juli ZEH im Spiegel
beschrieben hat.
Der Loser ist für HEYDEBRECK nur
dann ein Held, wenn er seine zweite Chance nutzt:
"Nur die Option, entgegen allen
Erwartungen zu siegen, macht den Loser in unseren Augen sexy".
Damit hat HEYDEBRECK das Kündigungsmotto
für alle scheidenden Frankfurter Allgemeine-Journalisten
formuliert...
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ANK/MEC (2002): Rote und grüne Liberale.
Die Neue Mitte lebt: als das kleine Gegengewicht zum
Gewerkschaftsblock
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.
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FAS (2002): "Wir bringen die Trikolore mit".
Zum Beitrag "Freundlicher Aufruf zur Revolte" von Sascha Lehnartz
erreichte uns eine große Zahl an Briefen von zumeist marschbereiten
Lesern. Einige drucken wir hier gekürzt ab,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 24.11.
- Kommentar:
Kanzleramt am Samstag um 12 Uhr, ein Fotograf hat das
klägliche Häufchen Protestpersonal dokumentiert, das der
Feuilleton-Revoluzzer LEHNARTZ
dorthin bestellt hat.
Im Vordergrund 3 Plakatträger - allesamt
den Blick in die Kamera meidend. Sie sehen so aus, wie man sich die
30jährigen entlassenen Frankfurter Allgemeine-Journalisten
vorzustellen hat. Selbst zwei Rentner - über ein Flugblatt gebückt -
sind zu erkennen. Ansonsten ist es neblig trüb.
Ein Leser beschwert sich, dass
LEHNARTZ kein Talent zur Organisation einer Revolution hat. Ein
anderer bescheinigt LEHNARTZ die "Not eines frustrierten
Redakteurs". Andere haben einfach Besseres zu tun und melden sich
ordnungsgemäss ab: "Leider kann ich aus für mich wichtigem Grund am
nächsten Samstag nicht kommen".
Die
Revolution im Reihenhaus findet woanders statt!
Zulauf hatte dagegen der
Bundespresseball. Statt Plakat tragen, ist - symbolträchtig -
Zigarrerauchen angesagt.
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KOENEN, Elmar J. (2002): Nach der Distinktion,
in: Politisches Feuilleton. Sendung des DeutschlandRadio Berlin v. 23.11.
- Inhalt:
Der Münchner Yuppiesoziologe KOENEN beschreibt
die Paradigmenwechsel in der (west)deutschen Nachkriegsgesellschaft
aus Sicht der Individualisierungsthese:
"Die (...) Rede von der
»Leistungsgesellschaft« bezeichnet bereits den Übergang zu
Individualisierung und »Distinktion«. Der Akzent verschiebt sich
seit den sechziger Jahren von der gemeinsamen Bewältigung des
Wiederaufbaus zur individuellen Leistungskonkurrenz um private
Glücksgüter. Seitdem geht es vor allem um den individuellen Erfolg
auf der Basis eines wieder instandgesetzten und funktionsfähigen
Gemeinwesens. Damit wurde die Gesellschaft zur Bühne für die
distinguierten Auftritte der Individuen.
Jetzt, »nach der Distinktion«, ist die Spielzeit erst einmal wieder
zu Ende. Wahrscheinlich muss das gesellschaftliche Theater
schließen, Millionen von Selbstdarstellern werden in eine neue
historische Normalität entlassen."
KOENEN prognostiziert die Wiederkehr der
Zwangsgemeinschaft:
"Nach den Verunsicherungen durch die
Dauerkrise von Familie, Schule und Beruf kehrt die Erinnerung an
ältere, als verzichtbar geglaubte Normen zurück. Bindung,
Verpflichtung, Regulierung, Normtreue, Fleiß, Leistung, Loyalität
und Sparsamkeit gewinnen wieder an Plausibilität. Existenzängste,
ausgelöst durch ökonomische und ökologische Krisensymptome lassen
Familien, Verwandtschaften und Nachbarschaften wieder enger
zusammenrücken. Die Wiederkehr alter sozialer Probleme stiftet einen
Zusammenhalt, der - trotz der drohenden Kontrolleffekte - wieder als
Selbstwert erfahren wird."
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- HILLE, Stephan (2002): Ausverkauf der
Gefühle.
Sie betonen ihre Weiblichkeit, suchen gezielt nach reichen
Ausländern und sagen auch mal "Nein". Viele Russinnen kommen gut mit
der neuen sexuellen Freizügigkeit zurecht. Nur ihre männlichen
Genossen haben damit Probleme,
in: Frankfurter Rundschau v. 23.11.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News vom
16. - 22. November
2002
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