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Medienrundschau:
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News vom
20. - 30. November 2005
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KIM, Uh-Young (2005): Ich bin ein Moralist:
Ein Gespräch mit dem
Filmemacher, Drehbuchautor und "Buffy"-Erfinder Joss Whedon über
seinen Sci-Fi-Western "Serenity" und die Wechselwirkungen der
Geek-Kultur mit dem Mainstream
in: TAZ v. 26.11.
- Inhalt:
Joss WHEDON erzählt über
uncoole Nerds und coole Geeks:
"Wir
sind Geeks, weil wir Probleme mit der Gesellschaft haben, weil wir
nicht beliebt und nicht schön sind. In einer Welt, in der nicht
viele etwas haben, das ihnen gehört, brauchen wir etwas, worüber wir
sagen können: Das gehört uns, hier stehen wir. Und sei es dadurch,
sich wie ein Jedi zu kleiden."
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ZAIMOGLU, Feridun (2005): Meine kleine Geschichte der
Einwanderung,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 26.11.
- Inhalt:
Der Schriftsteller Feridun ZAIMOGLU erzählt die
Geschichte seines Aufstiegs.
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SEIFERT, Heribert (2005): Luxus und Sozialkritik im selben Baltt.
"Vanity Fair" als Vorbild der Magazinmacher,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 25.11.
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- SEIDL, Claudius (2005): Krankheit der
Jugend.
Camille de Toledo sucht Therapien für seinen
Globalisierungsweltschmerz,
in: Literaturbeilage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung v. 25.11.
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KINDERMANN, Kim (2005): Moderne Frauen allein zu Haus,
in: DeutschlandRadio v. 24.11.
- Kommentar:
"Immerhin
kam mein Kind gerade noch rechtzeitig vor meinem 35. Geburtstag zur
Welt.
Ansonsten
wäre ich jetzt trauriger Bestandteil der Akademikerinnen, die alle
nach 1965 geboren wurden und von denen Zwei Drittel ohne Nachwuchs
einer trüben Zukunft entgegenblicken, im Westen wie inzwischen
auch im Osten",
atmet KINDERMANN bei ihrer Rezension des Buches
"Die Emanzipationsfalle" von Susanne GASCHKE hörbar auf.
Was
im Amerika der 1980er Jahre der Heiratsengpass war, das ist im
Deutschland der 00er Jahre der Gebärengpass geworden.
Beides
läuft auf den
alten-Jungfern-Boom
hinaus, wie ihn Susan FALUDI in "Backlash" beschrieben hat.
Ganz
abgesehen davon, dass bereits die Zahlen nichts als Fake sind,
sind Kinder nicht einmal für KINDERMANN, das was sie sein sollen:
"Es
liest sich flüssig und stimmt auch nachdenklich, aber überzeugende
Antworten, warum Frauen unbedingt ein Kind bekommen sollen, findet
hier niemand, denn die Garantie auf ein betreutes Alter können
Kinder gar nicht leisten."
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ANONYMA (2005): Zu gut für ihn.
Viele Männer suchen das
Weite, wenn ihre Ehefrau zu erfolgreich wird. Eine Verlassene
berichtet,
in: Die ZEIT Nr.48 v. 24.11.
- Kommentar:
Teil II des alten-Jungfern-Booms liefert die
ZEIT:
"Es
ist immer dieselbe Geschichte: Die Männer sind zwischen Ende 40 und
Anfang 60. Nie verlassen sie uns ohne eine andere Frau im
Hintergrund. Die Damen, zu denen sie fliehen, sind 15 bis 20 Jahre
jünger als wir – und stehen schon allein deshalb noch am Anfang
möglicher Karrieren. Meine Geschichte mit Hans – so wollen wir ihn
in Erinnerung an die Männer in Ingeborg Bachmanns Erzählung Undine
geht nennen –, meine Geschichte mit Hans ist natürlich ganz anders",
schreibt die Hochschullehrerin ANONYMA.
Wenn
unsereins verlassen wird, dann nehmen wir das höchstens persönlich,
wird die Elite verlassen, dann nennt man das Trend, weil es
in den Medien oder sogar
in Büchern steht. Man kann das auch
als
Teil II der geschwätzigen Spiegel-Story einer
Adligen lesen.
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GASCHKE, Susanne (2005): Königinnen der Finsternis.
Wird ihr seelischer Druck
unerträglich, fügen sich Borderline-Patientinnen Schmerz zu. Erst
jetzt nimmt die Psychiatrie die Krankheit ernst,
in: Die ZEIT Nr.48 v. 24.11.
- Kommentar:
Jede Zeit hat ihre Modekrankheiten.
In den 1970er Jahren war die
Krebspersönlichkeit angesagt.
Nun
propagiert Susanne GASCHKE die Borderline-Persönlichkeit.
Gemeinsam
ist beiden, dass sie als Ausdruck des Versagens der Erziehung
gelesen werden:
"Was
uns an der Krankheit bewegen muss, ist die Tatsache, dass der
Wahnsinn, der unter dieser gestalteten Oberfläche wütet,
gesellschaftlich mitverursacht ist. Es gibt Menschen – einen Täter
oder ein ganzes Umfeld –, die schuld daran sind, dass andere
Menschen so leben müssen: mit zerstörten Gefühlen, mit
Selbstverachtung und dem verzweifelten Bemühen um Zuwendung.
Und
eine wachsende Zahl von Eltern ist nicht mehr in der Lage, ihren
Kindern die Liebe und Anerkennung zu geben, die ein Mensch zum
unbeschadeten Aufwachsen braucht. Die Zahl der Borderline-Kranken
wird nicht kleiner werden."
Das
Problem ist jedoch:
Allzu oft wird Liebe und Anerkennung mit
Harmonie verwechselt.
Wem
GASCHKE noch nicht reicht, der bekommt bei
Elisabeth WEHRMANN und
Harald MARTENSTEIN noch die
Depression.
Das
Kontrastprogramm liefert heute die taz. Dort gibt es für die
grünen Besserverdienenden der Erbengeneration
Glück statt Geld.
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- WÜLLENKEMPER, Cornelius (2005):
Augenblick der Eleganz.
Der Kultautor Camille de Toledo über Kapitalismus und Schreiben,
in: Frankfurter Rundschau v. 24.11.
- Kommentar:
Das Buch
"Goodbye Tristesse" von Camille de
TOLEDO ist vom stilbewussten
Zonenkind Jana HENSEL ins Deutsche
übertragen worden.
Nun
tingelt der Autor durch die Mitte-Medien als ideale
Projektionsfläche für rebellisch-denkende Globalisierungsromantiker:
"Sie
sprechen von einem individuellen Protest des Ichs (...). Brauchen
wir eine Revolte?
Wenn
bisher nichts passiert ist, dann nur deswegen, weil unsere
Demokratien wie erstarrt sind zwischen dem Zwang der Erinnerung und
den großen Worten wie Frieden, Dialog, Kompromiss, etc... Dabei gäbe
die Verteilung des Reichtums oder die Selbstgenügsamkeit der
politischen Eliten genug Anlass zur Revolte. Die aktuellen Aufstände
in den französischen Vorstädten sind absolut berechtigt. Sie sind
der Ausdruck der sozialen und demokratischen Gewalt des Volkes."
Das
ist ist
genial dagegen,
mehr aber auch nicht...
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BUNZ, Mercedes (2005): Dafür statt dagegen.
Tokio Hotel und der Wandel
popkultureller Zeichen,
in: Neue Zürcher Zeitung v. 24.11.
- Kommentar:
Was für den Mitte-Mainstream "Du bist
Deutschland" ist, das ist für die ehemalige Gegenkultur die
Gegen-Ökonomie. Mercedes BUNZ bringt das auf den Indie-Nenner:
"Pop
und Politik gehen heute eine neue Beziehung ein. Die laute Rebellion
ist von einer leiseren Form des Aufbegehrens abgelöst worden. An die
Stelle der Gegenkultur tritt die Gegen-Ökonomie der eigenen Nische."
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MÜLLER, Hans-Peter (2005): Kontrollierte Defensive.
Die große Koalition will an
den Schwächen des aufgeblähten Staates herumdoktern. Von einem Sinn
für Deutschlands Stärken ist nichts zu spüren,
in: Welt v. 23.11.
- Inhalt:
"Der
globale Kapitalismus wie der betriebswirtschaftliche Managerialismus
haben uns obsessiv konzentriert auf Effizienz und Effektivität. Was
sich nicht rechnet, gehört abgeschafft. Warum trauen wir uns nicht,
diese Vorherrschaft der Mittel über die Zwecke in Deutschland
abzuschütteln und Politik nicht länger der Bertelsmann-Stiftung,
McKinsey oder Roland Berger zu überlassen?"
fragt
der Soziologe
Hans-Peter MÜLLER, lehnt aber gleichzeitig eine Beschränkung des
Staates auf die Wohlstandssicherung ab:
"Wohlstand
sichern - ist das alles? Dann haben wir eigentlich nicht mehr viel
zu tun. Trotz der krisenhaften Stagnation, in der sich Deutschland
seit den achtziger Jahren, vollends aber seit der teuren
Wiedervereinigung befindet, ist es immer noch ein wohlhabendes Land
mit einer leistungsfähigen Wirtschaft und einer blühenden Kultur."
MÜLLER
fordert den "Übergang
von der Industriegesellschaft zur demokratischen Informations- und
Wissensgesellschaft"
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- SCHWEIZER, Michael (2005): Die
Deutschen sind ganz schön flexibel.
Soziologische Interviews nach
Bourdieus Vorbild zeigen das Elend in unserer "Gesellschaft mit
beschränkter Haftung",
in: Berliner Zeitung v. 21.11.
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- SZENT-IVANYI, Timot (2005): "Erziehung
muss als etwas Hochwertiges anerkannt werden".
Die künftige
CDU-Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen über Elterngeld,
Kinderwünsche und moderne Familien,
in: Berliner Zeitung v. 21.11.
- SZENT-IVANYI, Timot (2005): Union setzt
Änderungen beim Elterngeld durch.
Ministerin: Mütter sollen nicht mehr leer ausgehen,
in: Berliner Zeitung v. 21.11.
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- MAI, Meike (2005): Sinnvolles Altern,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.11.
- Inhalt:
MAI porträtiert Andreas KRUSE, Direktor des
Heidelberger Instituts für Gerontologie und Vorsitzender der
Altenberichtskommission der Bundesregierung. Der 5. Altenbericht der
Bundesregierung wird Anfang des Jahres 2006 vorgelegt.
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- JUNGEN, Oliver (2005): Lob der
verbeulten Lebensläufe.
Konversionen: Stephan Wackwitz schreibt seinen Bildungsroman,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.11.
- Inhalt:
Ausführlich bespricht JUNGEN das Buch
"Neue Menschen" von Stephan
WACKWITZ.
JUNGEN stellt das Buch in die Tradition des GOETHEschen
Bildungsromans und des MONTAIGNEschen Essays:
"Diese
Stränge knüpft Stephan Wackwitz (...) zusammen: Roman, Essay,
Autobiographie und Bildung verbinden, durchkreuzen und betrügen sich
hier in jeder erdenklichen Weise, wobei das (...) Zentralmotiv die
titelgebende, religiöser wie kommunistischer Erlösungsrhetorik (...)
bildet."
Für
JUNGEN handelt es sich bei dem Buch um eine Hymne auf
"emanzipatorische Sub- und Gegenkulturen", womit hier der
Liberalismus gemeint ist:
"Juden,
Homosexuelle, der Blues oder die Frauen: in jeder dieser Gruppen
habe eine »Neubeschreibung« stattgefunden. Damit ist Wackwitz bei
seinem wichtigsten Referenztext angelangt: Richard Rortys »Kontigenz,
Ironie und Solidarität«. Im (auch seitentechnischen) Zentrum des
Romans steht das »fast religiöse« Bekenntnis des Erzählers, das auch
ihn einer überwölbenden Idee (der Postmoderne) unterstellt: »eine
Art Glaube daran, daß Gott in Wirklichkeit ein Liberaler ist
(...)«."
JUNGEN
beschreibt "Neue Menschen" als Trostbuch für Menschen mit
Biografiebrüchen:
"Der
einzige, gleichsam spielerische Ausweg aus den Verführungen zur
Teleologie besteht darin, die seit Augustinus in heiligem Eifer
praktizierten Konversionen ausschließlich als performative
Ereignisse zu zelebrieren".
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- LEHNARTZ, Sascha (2005): Poppen statt
reden.
Derzeit wird eine Debatte im popkulturellen Milieu ausgetragen, bei
der alle aneinander vorbei schweigen. Das zeigt schon die Misere auf,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 20.11.
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- SCHULZ, Bernhard (2005): Aufstand in
Metropolis.
Paris, Berlin, Los Angeles:
Entsteht Gewalt immer an der Peripherie? Eine Topografie der
Großstadt,
in: Tagesspiegel v. 20.11.
- Inhalt:
SCHULZ vergleicht die europäische Stadt mit
der amerikanischen Stadt:
"Während
Paris und andere zentralistische Metropolen Europas – wie Mailand –
im Lauf ihres Wachstums gewissermaßen explodiert sind, implodierte
die amerikanische Stadt. Sie vertrieb ihre Bewohner, zumal ihr
Bürgertum, ins Umland, um das Zentrum den Armen, Arbeitslosen und
Migranten zu überlassen."
Los
Angeles passt jedoch nicht in dieses simple Muster:
"Seit
der Soziologie Mike Davis dieser Agglomeration 1990 sein
bahnbrechendes Buch »City of Quartz« widmete, hat die Zahl der
Untersuchungen zur Mikrostruktur dieses Flickenteppichs von höchst
sichtbar abgegrenzten Einzelkommunen erheblich zugenommen. Davis
nennt Los Angeles das »Paradox der ersten postindustriellen Stadt im
präindustriellen Gewand« und spielt damit auf die verwirrende
Gleichzeitigkeit höchst ungleichzeitiger sozialer und ökonomischer
Strukturen an."
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Zu den News vom 05. -
19. November 2005
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