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Medienrundschau:
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News vom
21. - 25. Oktober 2003
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Zitat
des Monats:
"Ich
kenne eine Frau, die wäre lieber aus falschen Gründen mit einem
Mann zusammen als aus richtigen Gründen allein - das kommt, weil
sie Angst hat, Angst vorm Verlassenwerden, vor dem Alleinsein.
Dabei entsteht aus der Angst erst Einsamkeit und daraus
letztendlich auch die Freiheit. Zu deprimierend? Nein, überhaupt
nicht. Zu oft und vor allem zu lange habe ich meine Zeit mit
Menschen verbracht, die mir furchtbar egal waren (...). Gerade
in meinem Alter scheint es so ein Zwang zu sein, sich in die
Gesellschaft zu begeben, Menschen kennen zu lernen
(...). Ich kenne welche, die leben seit Jahren in
Partnerschaften und sie sind einsam. Ich kenne welche, die haben
viele Freunde und sie sind einsam. Ich kenne Nachtlebenmenschen,
die gehen ständig aus und sind einsam. Angst zuzulassen bedeutet
also auch, die Einsamkeit hinzunehmen, sie zu ertragen, sie als
das zu akzeptieren, was sie ist, was sie sein sollte: der Ort,
an dem wir alleine sind, von dem wir beginnen - der Ort von dem
aus alles möglich ist."
(Matthias Kalle in
"Verzichten auf", 2003, S.216) |
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- Der singlefeindliche
Bericht:
BEISE, Marc (2003): Kinderlose müssen zahlen,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.10.
- Kommentar:
"Immer
mehr Menschen haben keine Kinder, jedenfalls in Deutschland",
behauptet BEISE. Beweisen kann er dies jedoch nicht.
Es
existieren keine genauen Zahlen, sondern nur Schätzungen und selbst
die neuesten Zahlen sind immer schon veraltet. Und von welchen
Kinderlosen spricht unser Singlefeind eigentlich? Von Kinderlosen im
biologischen Sinne (gebären und zeugen), sozialem Sinne (erziehen),
rechtlichem Sinne (adoptieren, erziehungsberechtigt sein), im
ökonomischen Sinne (mit Kindern im gleichen Haushalt leben). Um nur
einige Definitionsmöglichkeiten zu nennen.
Für
BEISE gibt es jedoch weder ein Zahlen- noch ein Definitionsproblem,
schließlich vertritt er ja ein genau umrissenes politische
Interesse:
"Kinderlose
sollen nach dem Willen von Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD)
künftig beim Beitrag zur Pflegeversicherung einen Aufschlag zahlen;
es geht um einige Euro. Wobei im Unterschied zu
manchen Plänen das Wort kinderlos bitte wörtlich genommen werden
muss: Eltern, deren Kinder aus dem Haus sind, sind deshalb nicht
kinderlos; sie haben ihre Erziehungsleistung bereits erbracht".
BEISE
suggeriert hier, dass es in der öffentlichen Debatte um lebenslang
Kinderlose geht. Darum geht es aber gerade nicht und schon gar nicht
bei Ulla SCHMIDT.
Das
Missverständnis das BEISE hier bewusst produziert erklärt sich aus
seinem Plädoyer für den SINN-Vorschlag:
"In
der Pflege soll diese seit Einführung des Systems offensichtliche
Fehlkonstruktion nun offenbar korrigiert werden – bei der Rente ist
es nicht minder nötig. Entweder man spaltet auch hier die
Beitragssätze, oder man folgt etwa dem Vorschlag des Münchner
Ökonomen Hans-Werner Sinn, Präsident des Ifo-Instituts, der die
Rente nach der Zahl der Kinder staffeln will. Das ist ein kluger
Gedanke",
findet BEISE und verschärft gleich noch
das SINN-Modell:
"Sinn
will die Normalrente bei drei Kindern ansiedeln, für jedes Kind
weniger gäbe es Abschläge – bis maximal 50 Prozent." Bislang galt
dagegen selbst beim Singlefeind SINN eine Normalrente bei zwei
Kindern.
BEISE
ficht es nicht an, dass dieser Vorschlag jenseits aller
Realisierbarkeit liegt, denn die Finanzierungsgrundlage wäre für ein
solches Rentensystem nicht gesichert.
Außerdem
widerspricht sich BEISE offensichtlich, denn Eltern mit einem Kind
oder zwei Kindern sind nicht Kinderlose, d.h. es müssen doch wieder
Eltern höher belastet werden.
Es
bleibt dabei, auch bei BEISE lügen sich Eltern in ihre eigene
Tasche.
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- MÜLLER, Lothar (2003): Deutschland
sucht den Polarstern.
In einer Gesellschaft ohne wahre Helden wie Dylan oder Cash
verbleibt nurmehr: die übliche Prominenz. Eine kleine Soziologie
unserer so kleinen Skandale,
in: Süddeutsche Zeitung v. 25.10.
- Kommentar:
Kulturpessimist Lothar MÜLLER findet
wie Onkel Heinz
den Ausschaltknopf nicht.
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WALTER, Franz (2003): Selbstgenügsam und pausbäckig.
Die SPD implodiert - und der Nachwuchs der "Generation Berlin"
sieht seelenruhig zu,
in: Welt v. 25.10.
- Kommentar:
Der Politikwissenschaftler
Franz WALTER widmet sich u.a. dem
Schicksal der Single-Generation, die in der SPD keine Heimat fand
und deswegen bei den Grünen und in der CDU landete:
"Die
1950er-Jahrgänge hatten (...) nie eine Chance, in der SPD nach vorn
oder oben zu kommen.
Und so gingen die politischen Köpfe des linken Spektrums dieser
Generation bekanntlich zu den Grünen. Mit Helmut Schmidt und dessen
Atompolitik hatte das alles vermutlich gar nicht so recht zu tun.
Die 1950er-Jahrgänge waren vielmehr blockiert. Der öffentliche
Dienst, der 1978 die Schotten dicht gemacht hatte, nahm sie nicht
mehr auf. Die SPD, der sie eigentlich zuneigten, brauchte sie auch
nicht. So schufen sie sich die Grünen.
Und weil die »Generation Trittin« in den frühen Jahren noch rüde und
extremistisch auftrat, weckte das im verängstigten konservativen
Jungbürgertum der gleichen Generation ganz ähnliche zugespitzte
Gegenreaktionen. Starke Identität lebt schließlich von ebenso
starken Feinden und Gegnern. Und so bekam die CDU, im Unterschied
zur SPD, einen schlagkräftigen Nachwuchs auch aus den
1950er-Kohorten: Eben die Herren Koch, Wulf, Merz, Müller and so on."
Mit
den 1960er Jahrgängen der SPD hadert WALTER:
"Aus
dieser Generation haben es einige in den Bundestag geschafft, haben
sich zu einem »Netzwerk Berlin« zusammengetan. Anfangs firmierten
sie als »Generation Berlin«. Doch bösartige Interpreten sprachen immer
von »Generation Pausbacke«. Denn irritierend war tatsächlich die
pausbäckige Selbstgenügsamkeit und Selbstzufriedenheit der
SPD-Nachwuchsgruppe. Auch in dieser Zeit des Niedergangs der Partei
hat man nicht den Eindruck, dass die sozialdemokratischen
Enkel-Nachfolger aufgewühlt, erregt, voll Tatendrang wären.
Ihnen reicht offenkundig, dass sie in aller Ruhe durchrechnen
können, wer vor ihnen steht und wer von hinten drängt. Kaum jemand
natürlich."
Das
eigentliche Problem sieht WALTER jedoch nicht im drögen Generation
Berlin-Nachwuchs, für den die wertkonservative
Susanne GASCHKE bezeichnend ist. Ihr hervorstechendes Merkmal:
Politik erschöpft sich in identitätspolitischen Abgrenzungskämpfen
gegen die 68er und die Generation Golf.
Das
eigentliche Problem ist für WALTER vielmehr der Abschied von der
Aufstiegsorientierung jenseits der Schlaffi-Mitte:
"Einst
hatte sich die Kraft der sozialdemokratischen Anführer aus den
Aufstiegsenergien der qualifizierten Facharbeiterschaft gespeist.
(...). In den 1970er-Jahren erreichte dann diese Schicht endlich ihr
Ziel. Sie avancierte durch Aufstieg über Bildung zur »neuen Mitte«.
Der Eifer erlahmte daraufhin, der Ehrgeiz brannte nicht mehr. Die
Zurückgebliebenen der Unterschicht indessen koppelten sich
resigniert ab. Dort sind Aufstiegsenergien, ist der Drang nach
gesellschaftlicher Partizipation nicht mehr zu finden. Eben deshalb
verliert die SPD Wahlen; und eben deshalb fehlt der SPD auch der
kraftvolle, zielorientierte, brutal nach vorn drängende Nachwuchs
von unten."
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KREKELER, Elmar (2003): Für härtere Tage,
in: Welt v. 25.10.
- Inhalt:
"Die
gut ausgebildeten Jungen, deren Ausbildung wir uns was haben
kosten lassen, die wir überall hin geschickt haben, die unser Stolz
waren und unsere Zukunft und
die jetzt auf der Straße stehen oder demnächst da landen, die
müssen doch nicht verzweifeln. Die können ja jetzt
Kinder kriegen. Das ist erstens gar nicht schlecht für die
Volkswirtschaft, stellt sie zweitens zwei, drei Jahre ruhig für
den Arbeitsmarkt. Und drittens können sie ja in der Zwischenzeit ein
paar Bücher schreiben.
Wie es war in der Schwangerschaft und mit den Kindern. Und wenn
sich sonst noch irgendwelche Katastrophen eingestellt haben
(Scheidung, Hauspfändung o. ä.), umso besser. Das erhöht die
Lesespannung. Berühmt sein muss man dafür übrigens nicht. Bücher und
Kolumnen wie die gehen immer. Außerdem wächst,
wenn sich alle ans Kinderkriegen machen, der Markt. Die Kolumnen
als Erzählungen zu verkaufen, ist auch keine ganz schlechte Idee",
empfiehlt KREKELER auf den jedoch der Zusatz folgt:
"Allerdings ist
der Markt dafür inzwischen doch ein bisschen übersättigt"
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- Der
lesenswerte Artikel:
KERSCHER, Helmut (2003): Bußgeld für Kinderlose.
Umbau der Pflegeversicherung. Wer keinen Nachwuchs hat, wird sich
auf einen höheren Beitrag für die Pflegeversicherung einstellen müssen
als Eltern,
in: Süddeutsche Zeitung v. 24.10.
- Kommentar:
Manchmal geschehen selbst in der drögen SZ
noch Wunder!
KERSCHER
rollt noch einmal den Fall des BVG-Pflegeurteils vom April 2001 auf. Er berichtet
sachlich über die weitreichenden Folgen, die sich aus der
Argumentation des Bundesverfassungsgerichts ergeben.
Die
bevölkerungspolitische Argumentation der Verfassungsrichter hat u.a.
zur Folge, dass nur jene Kinderlosen belastet werden, die sich nicht
wehren können, weil sie Beitragszahler sind:
"Der
Gesamtbeitrag der Eltern bestehe aus Geldbeitrag plus
Kindererziehung, während die Kinderlosen nur zahlten. Das Urteil
ging also davon aus, dass die Kinder der jetzigen Beitragszahler –
zum Beispiel die zehn des Klägers – in die Pflegeversicherung
einzahlen werden. Privat Versicherte wie Beamte oder Selbstständige
tun dies nicht, für Arbeitslose zahlt das Arbeitsamt."
Zum
anderen ist die vielfach erhobene Behauptung, dass Kinderlose die
Pflegeversicherung teuer zu stehen kommen, empirisch nicht belegbar:
"Der
stets mitschwingende Vorwurf des Schmarotzertums gegen Kinderlose
erhielt in einem zentralen Punkt aber wenig Nahrung: Die Ausgaben
für kinderlose Pflegebedürftige waren bei stationärer Pflege nicht,
bei ambulanter Pflege kaum höher als die für Pflegebedürftige mit
Kindern. "
Die
Pflegeversicherung ist in erster Linie eine Einrichtung zur
Entlastung der mobilen Mittelschicht. Nicht Kinderlosigkeit, sondern
Mobilität und die Gleichberechtigung der Frau erfordert die
Institution der Pflegeversicherung.
Im
Schlussteil kommt KERSCHER auf einen Punkt zu sprechen, der bei
single-dasein.de bereits im Thema des Monats September ausführlich
behandelt worden ist:
"Eher
beiläufig stand ein Satz im »Müller-Urteil«, der jetzt in der
Renten-Debatte eine Rolle spielt. Die Bedeutung des vorliegenden
Urteils »werde auch für andere Zweige der Sozialversicherung zu
prüfen sein«, hieß es.
Die Befürworter höherer Rentenbeiträge oder niedrigerer Renten für
Kinderlose können sich auf diese Bemerkung stützen."
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GUTSCH, Jochen-Martin (2003): Zukunft ist für alle gut.
Reformen, Kommissionen und Rezepte alter Männer. Anmerkungen eines
Dreißigjährigen,
in: Berliner Zeitung v. 24.10.
- Inhalt:
GUTSCH kann sich nicht entscheiden und den
Prognostikern glaubt er auch nicht mehr. Was dann noch bleibt?
"Man
kann überall lesen, dass der größte Umbruch des Landes seit dem
Zweiten Weltkrieg bevorsteht.
Eine Art Revolution, ein heißer Herbst. Er findet bisher in Hotels
statt. In Kongresszentren. Auf Parteitagen und in
Fernsehstudios. Hinter großen Türen.
Als es noch keine Reformen gab, gab es die neue Mitte. Ich wusste
nie genau, wo sie lag und was sie bedeutet, aber das wusste niemand.
Die neue Mitte war ein Ort, an dem man sich nicht zu entscheiden
brauchte. Alle waren dabei. Man konnte SPD wählen, FDP, CDU, die
neue Mitte war jeder. Sie war ein Ausdruck dafür, dass sich die
Parteien kaum noch unterschieden. Dass die Inhalte nicht wichtig
waren. Wahrscheinlich wird die neue Mitte jetzt endgültig
untergehen, sie wird sterben. Die Linien sind klarer geworden.
Entscheidungsmuster, die ich kaum noch kenne, kommen wieder zum
Einsatz. Arm und Reich. Oben und Unten. Die Frage nach der
Gerechtigkeit, die jetzt auch eine Frage der
Generationengerechtigkeit ist. Alt und Jung."
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MERTENS, Mathias (2003): Waren wir was?
Untergang der Deutschland AG. Ein Gespräch mit Constantin Gillies
über die Nachwirkungen der New Economy,
in: Freitag Nr.44 v. 24.10.
- Inhalt:
MERTENS
denkt schon mal an den überüberübernächsten Hype aus dem Geiste der
Nostalgie:
"wer
weiß, vielleicht werden
Gillies´ Erzählungen in ein paar Jahren wieder herausgekramt,
weil die Versager von heute morgen in den Vorstandsetagen und
Aufsichtsräten sitzen und sich ihrer Anfänge vergewissern wollen.
Dann lesen sie sich wie die Flakhelfer- oder die
Straßenkampf-Literatur der Vorgängergenerationen. Vielleicht gibt es
dann die Retro-Welle mit Asahi-Bier, iMacs und Comdirect-Depots. Im
Kino läuft die Verfilmung mit Heike Makatsch als Snacker-Gründerin
Sima von Hoensbroech, Moritz Bleibtreu als der Heavy-Metal-hörende
Business-Plan Frisierer von Cybergene und Till Schweiger in
einer Gastrolle als der geheimnisvolle Nemax.
Jürgen Teipels Punk-Chronik Verschwende deine Jugend
ist schließlich auch so
ins Kino gekommen."
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HERMES, Manfred (2003): Schule der Erbarmungslosigkeit.
Brecht als alter Knochen. Lars von Triers Film "Dogville" lässt
sich an sämtliche aktuellen Diskussionen von Asylrecht bis zu
Sozialabbau anschließen,
in: Freitag Nr.44 v. 24.10.
- Kommentar:
Tout le monde spricht über Lars von Trier, auch HERMES:
"Keine
Frage, Dogville ist ein intensiver, wagemutiger und äußerst
souverän auftretender Film. Es gibt keine aktuelle Diskussion, die
sich hier nicht anschließen ließe: Sozialabbau, Kapitalismuskritik,
europäischer Anti-Amerikanismus, Fragen nach Souveränität und
Ausnahmezustand, Ausbeutung, Menschenwürde und Menschenrecht. Aber
das hat auch seine unheimlichen und finsteren Seiten. Wieder einmal
zeigt sich Lars von Trier höchst fasziniert von gnadenlos
engherzigigen Gemeinschaften und einer alttestamentarischen Moral.
Aus bäuerlicher Knappheit - »bald werden hier Leute auftauchen, die
noch weniger haben als wir« - macht er das Modell für ein soziales
Leben, das nur den Gesetzen von Druck und Hierarchie gehorcht und
immer bereit ist, sich durch den Ausschluss anderer zu definieren."
In
der FAS vom 19. Oktober sprach Lars von TRIER über das Kino als
Höllenort:
"Ein
Film muß weh tun wie ein Stein im Schuh. Es gibt doch keinen anderen
Grund, ins Kino zu gehen. Wenn man was Schönes erleben will, ist Sex
dazu besser. Oder Kanufahren".
Da
war Jürgen THEOBALDY in
"Sonntags Kino" noch ganz anderer Meinung.
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ADAM, Konrad (2003): Ungerecht,
in: Welt v. 24.10.
- Kommentar:
"Mit ihrem
Vorhaben, den vom Bundesverfassungsgericht
geforderten Mehrbeitrag von Kinderlosen zur Pflegeversicherung
auch von solchen Eltern einzuziehen, deren Kinder das Haus bereits
verlassen haben, bleibt die Bundesregierung hinter den Auflagen des
Gerichts weit zurück", moniert Konrad ADAM, der sonst eigentlich in
Sachen Singlefeindlichkeit dem Richter
Jürgen BORCHERT folgt.
Sozialpopulismus
und Doppelmoral gehören zusammen:
Sie
sprechen gerne undifferenziert von Kinderlosigkeit, nur wenn es
plötzlich konkret wird, dann ist ihnen der weite Kinderlosenbegriff
plötzlich doch nicht so recht, dann kennen sie plötzlich Eltern,
deren Kinder außer Haus leben.
Solange
das Ausmaß der Kinderlosigkeit beschrieben wird, greifen
dieselben Journalisten gerne auf Zahlen zurück, die keine
Unterscheidung treffen zwischen lebenslang Kinderlosen und
Kinderlosenhaushalten.
Die
Verlogenheit verdankt sich u.a. dem Sachverhalt, dass Kinderloser
inzwischen ja auch ein Synonym für Rentner geworden ist.
Während
jedoch eine Schlagzeile "Rentner werden belastet" zu einem
unüberhörbaren Aufschrei führt, muss bei der Schlagzeile "Kinderlose
müssen mehr zahlen" mit keinerlei Widerstand gerechnet werden, auch
wenn die gleiche Personengruppe gemeint ist.
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KOMMERELL, Kathrin (2003): Er hat mir nie Blumen gebracht.
Venus und Marx: Eva Illouz hat ein melancholisch-kluges Buch über
das Schicksal der Liebe geschrieben,
in: Süddeutsche Zeitung v. 23.10.
- Inhalt:
"Was wäre unsere Werbung, unsere Warenwelt ohne die
Energie der Liebesutopie, mit der sie die Waren zu
Sehnsuchtsobjekten auflädt, zum abrufbaren Traum?
(...). Wie halten es die Kinder und Kindeskinder von Marx und
Coca-Cola mit der Liebe? Es wird fleißig weiter geliebt, nur anders.
Aber wie anders? Da wird es erst eigentlich interessant. Das wusste
Eva Illouz (...) und schrieb ein Buch darüber" weis KOMMERELL zu
berichten.
Gegen
Schluss geht die Rezensentin auch auf die soziale Ungleichheit in
Liebesdingen ein:
"Eva
Illouz stellt einleuchtend dar, wie Liebende aus der Mittel- und
oberen Mittelschicht dabei privilegiert sind: Ihnen stehen nicht nur
durch ein höheres Einkommen und mehr Freizeit die Konsum-Mittel zur
Verfügung, ihr Liebesverhältnis rituell zu erneuern. Sie verfügen
auch über eine höhere »kulturelle Kompetenz« und damit über ein
größeres Repertoire, besonders über den Weg des Redens ihre
Liebesutopie mit dem Alltag zu verweben. Die soziale Ungleichheit,
die daraus erwächst, ist ein Preis, der im Kapitalismus zu zahlen
ist."
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STOCK, Ulrich (2003): Wie man in Deutschland mit Sexualität umgeht.
Vom Swingerclub bis hin zum Altersheim: Ex, einst verdrängt wird
heute von vielen einfach genossen. neue Probleme schaffen Werbung und
Medien mit ihrer zwanghaften Dauerlust,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.
- Kommentar:
"Der Lehrerberg braucht einen neuen Schülerberg, und
Sie und ich wir wollen nicht die einzigen geblieben sein, die ihr
Scherflein zur Sicherung des versorgten Alters beigetragen haben -
kurzum, das deutsche Volk muß wieder wachsen. Wei nun soll dies am
besten zu erreichen sein? Wie, frage ich Sie
(...) soll der deutsche Mann wieder in die Betten gebracht werden?
(...).
Nun, denkbar ist folgendes: wir bringen seine Ängste auf den
gesellschaftlich anerkannten Punkt. Wir sagen: Sexualität ist ein
schrecklicher Irrtum einer entfesselten sexualneurotischen Mafia
gewesen. Wir geißeln die Folgen dieser Enthemmung: Gefühllosigkeit,
Bindungsarmut, Unfruchtbarkeit, schleichender Wahnsinn. Wir
verbieten fürderhin, im Namen der Volksgesundheit, die Sexualität in
Wort, Bild und Schrift zu verbreiten oder für sie zu werben. Wir
schicken sie ins dunkle Reich des Geheimnisses zurück, von dannen
sie kam. Derart schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: der Mann
muß nicht mehr, solo kann er. Der Mann darf nicht mehr, also will
er: denn nichts macht heißer, als das, was verboten ist. Wir
steigern damit die Fruchtbarkeit, wir steigern den Zuwachs des
deutschen Volkes, wir schicken mehr Kinder in die Schulen, wir
sichern uns ein goldenes Alter".
Dieses
Zitat stammt von dem Kabarettisten Matthias BELTZ und findet sich in
Cora STEPHANs "Ganz entspannt im Supermarkt. Liebe und Leben im
ausgehenden 20. Jahrhundert".
Im
Jahr 1985 als dieses Buch erschien, da war gerade der
Geburtentiefststand im Westdeutschland der 80er Jahre
überwunden.
Was
sich seitdem am Diskurs über die "Sexualisierung der Öffentlichkeit"
geändert hat, das lässt sich anhand des Zeitartikels testen.
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GREINER, Ulrich (2003): Bücher vor Gericht.
Kunstfreiheit ist kein Freibrief für Vertrauensverrat,
in: Die ZEIT Nr.44 v. 23.10.
- Kommentar:
Ulrich GREINER schreibt gegen den
Bedeutungsverlust der eigenen Zunft an:
"Andy
Warhols Versprechen im Ohr, jeder könne zehn Minuten ein Star sein,
ergreift ein Volk von Exhibitionisten jeden Strohhalm des Ruhms, sei
es als Bewerber um den Posten des „Superstars“, als Studiogast in
einer Ehekrisen-Show oder als Alleinunterhalter vor der Web-Kamera.
Die Einschaltquote und das Zählwerk der Homepage
beweisen, dass die Mühsal nicht vergeblich war. Wem Tausende oder
gar Millionen zuschauen, der kann nicht bedeutungslos sein. Ich
werde gesehen, also bin ich."
Und man muss in Bezug auf die Feuilletonisten hinzufügen: Ich werde
gelesen, also bin ich...
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OESTREICH, Heide (2003): Mutti war die Beste!
Im zarten Alter von 50 Jahren
dehnt sich die deutsche Familienpolitik von der reinen Mutti-Förderung
erstmals auch auf die Kinder aus. Noch 50 Jahre, und sie entdeckt auch
noch den Vati. Ein Glückwunsch zum heutigen 50sten,
in: TAZ v. 23.10.
- Kommentar:
Damit der nächste PISA-Test besser ausfällt, hat die
TAZ alle 14 westdeutschen Familienminister aufgelistet.
Darunter gab es nur drei Männer, alle CDU-Mitglieder.
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MESSMER, Nicole (2003): Kaufen, kaufen, kaufen!
Die Werber haben die Kids als
kaufkräftige Klientel entdeckt. Die Verbraucherschützer wollen die
jungen Konsumenten nun vor falschen Versprechen aus Schlaraffia
bewahren,
in: TAZ v. 23.10.
- Kommentar:
"Kinder
und Jugendliche geben anders als viele Bürger immer mehr statt
weniger Geld aus. Im letzten Jahr verfügten die 6- bis 19-Jährigen
über eine Kaufkraft von 20 Milliarden Euro - ein Viertel mehr als
noch Ende der Neunziger und immerhin 1.800 Euro pro Kind und Jahr.
Dementsprechend hoch ist der Druck der Werbewirtschaft auf die Kids",
berichtet MESSMER.
Dies
steht im krassen Gegensatz zur Behauptung der Sozialpopulisten, dass
hierzulande generell Kinderarmut herrscht.
Offenbar
lassen sich Familien nicht generell zu den Verlierern zählen,
genauso wie sich Singles nicht generell unter die Wohlstandsgewinner
subsumieren lassen.
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- Der
lesenswerte Artikel:
BERGER, Ulrich & Christoph STEIN (2003): Die Baby-Boomer in
Deutschland.
Ein herbes Schicksal bis zur Rente,
in: Telepolis v. 22.10.
- Kommentar:
Die Autoren verweisen zwar in ihrem Beitrag
nicht auf single-dasein.de, aber sie benutzen Argumente, die seit
langem auch auf diesen Seiten vertreten werden.
BERGER
& STEIN klären über den
Mär des Geburtenrückgangs auf, den Professor Peter KRAFT auf
seinen Seiten ausführlich behandelt.
Der
privaten Altersvorsorge stehen sie kritisch gegenüber, da sie die
Probleme auch nicht besser lösen kann als das bewährte
Umlageverfahren.
Mit
Detlef GÜRTLER
stimmen sie darin überein, dass nicht die Demografie die Wirtschaft,
sondern umgekehrt die wirtschaftliche Entwicklung das demografische
Schicksal beeinflusst:
"Die
Demografie ist kein Schicksal, sie ist eine Herausforderung, die
gemeistert werden kann - oder auch nicht. Große demografische
Schwankungen haben zwar wirtschaftliche Auswirkungen, aber die
wirtschaftlichen Konjunkturen determinieren am Ende die
demografischen."
Einen
demografisch begründeten Handlungsdruck angesichts der gegenwärtigen
Krise des Sozialsystems verweisen die Autoren ins Reich der
sozialpolitischen Demagogie:
"Ein
demografisch begründbarer Handlungsbedarf zur Stabilisierung der
Rentenkassen entsteht erst ab 2025 und das auch nur, wenn die
unsicheren und umstrittenen Prognosen zur Geburtenrate und zur
Lebenserwartung richtig sein sollten."
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JUNGLE WORLD-Thema: Work Hard, Die Young.
Abbau des Sozialstaats.
Das Kapital ist hungrig, und der Staat füttert es eifrig. Der
ideale Untertan schuftet, bis er 70 ist, und tritt dann flott ab. Weil
die Profite ständig wachsen sollen, muss ab sofort auf eigenes Risiko
gelebt werden. Niemand ist besser dafür geeignet, auch noch die
schlimmsten Grausamkeiten durchzusetzen, als die rot-grüne Regierung
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HERRMANN, Ulrike (2003): Gebildete Rentner verlieren 59 Euro.
Die Regierung streicht
Schul- und Hochschulbildung aus der Rentenzumessung. Der Verlust für
Westrentner: maximal 59, für Ostrentner: maximal 52 Euro. Versicherer
vermuten, dass Rentner bis 2007 noch nicht einmal Inflationsausgleich
kriegen,
in: TAZ v. 22.10.
- Kommentar:
Das Studium unattraktiver zu machen, das ist -
in traditioneller Sicht - konsequente Bevölkerungspolitik.
Ulrich
BECK und die Individualisierungstheoretiker haben frühzeitig darauf
hingewiesen, dass dies ein zentraler Angriffspunkt für die
Refeudalisierung der Familie ist. Man könnte damit den
demografischen Faktor durch die Hintertür einführen. Sind nicht
Akademikerinnen gerade jene, die überwiegend ganz auf Kinder
verzichten?
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FEDDERSEN, Jan (2003): Fröhlich auferstanden aus Ruinen.
Neid auf die Renten heutiger Pensionäre sei ungerecht, heißt es.
Immerhin hätten die Alten Deutschland wiederaufgebaut,
in: TAZ v. 22.10.
- Kommentar:
FEDDERSEN leistet
wie BRUNS
Aufklärungsarbeit an der Rentnerfront und kann deshalb sogar
Philipp MIßFELDER
etwas
abgewinnen, denn dieser rückte
"nur
eine gewisse Lebenslüge der Bundesrepublik zurecht: dass aller
Wohlstand in den Fünfzigern begründet worden sei, dass unsere
Fettlebe auf den Knochen der heute Gebrechlichen erarbeitet wurde.
(...). Die Wahrheit ist, dass
die heutigen Rentner globalisierungsarm schuften konnten.
(...).
Die
Fuffziger - das war die deutsche Partygesellschaft in ihrer
Urszene."
Die
50er werden gerne als "golden Age of marriage" hervorgehoben, so
auch von FEDDERSEN:
"Noch
nix war postmodern, dafür fast alles traditionell. Nur Ehen und
Familien gab es,
in denen Mutti zu Hause blieb und Vati malochte. Diese deutschen
Verhältnisse hörten irgendwann auf, Mitte der Sechzigerjahre."
Vaterlose
Familien, Kriegsheimkehrer, Kriegerwitwen, Onkelehen, italienische
Scheidungen usw., das existiert in der nostalgischen Rückschau nicht
mehr. Offenbar war die Praxis postmoderner als es die
Geschichtsschreibung zulässt...
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PLATEN, Heide (2003): Aber zur 6. Stunde sollst du ruhen.
Jürgen Manneck und sein Kampf für die Fünf-Stunden-Woche.
Er schreibt und referiert, er
verlegt und diskutiert. Unter dem Pseudonym "Darwin Dante" streitet
Jürgen Manneck für seine Utopie: Er will die Arbeit Maschinen
überlassen, Überproduktion beseitigen und dann noch notwendige Arbeit
auf freiwilliger Basis verteilen. Ein Anarchist im besten Sinne also,
in: TAZ v. 22.10.
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Das gehört doch verboten!
Zum Bücherverbot: Vier SchriftstellerInnen entwerfen Romane für die
taz, die - juristisch betrachtet - niemals erscheinen dürften,
in: TAZ v. 22.10.
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BUHR, Elke (2003): Mandy und der schwarze Vogel.
Der Sound junger Melancholiker: Benjamin Leberts zweiter Roman "Der
Vogel ist ein Rabe",
in: Frankfurter Rundschau v. 22.10.
- Inhalt:
"Ist
das der Sound der Jugend? Ist das, noch einmal nach dem Hype, die
Kurzweil des Pop als Roman? Doch dieses Stocken klingt nicht vor
allem jung, dieses Hecheln nicht nach Großstadthektik; Benjamin
Leberts Sätze transportieren vielmehr die Kurzatmigkeit der
Melancholie. Schwer wiegen die Worte, bedeutungsvoll reiht sich Satz
an Satz: Es geht um alles. Beziehungsweise, um einen Zustand, in dem
es immer um alles zu gehen scheint, und der als literarisches Sujet
eine umfangreiche Geschichte hat: Die männliche Adoleszenz und die
mit ihr einhergehenden Probleme mit der Welt, dem Ich, Gott und vor
allem den Mädchen",
meint BUHR.
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DI FABIO, Udo (2003): Die Grundlagen der Gemeinschaft.
Der Sozialstaat ist überspannt: Er gefährdet die soziale
Gerechtigkeit. Auch unser Verfassungsverständnis muß der neuen
Herausforderung angepaßt werden. Gerade unsere
Grundrechtsinterpretation hat aus der Sicherheit einer wohlhabenden
und stabilen staatlichen Gemeinschaft heraus manche Blüte getrieben,
die den Blick auf die Grundlagen verdeckt,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.
- Kommentar:
Der Verfassungsrichter DI FABIO verteidigt
nicht die vertikale (soziale Ungleichheit), sondern nur die
horizontale Gerechtigkeit (Ungleichheit der Lebensformen).
Dies
steht im Einklang mit Positionen von Jürgen BORCHERT und Hans-Werner
SINN, die Kinderlose - unabhängig von ihrer sozialen Lage - gegenüber
Haushaltsfamilien benachteiligen wollen:
"Die
gesamte Sozialpolitik muß dem Umstand Rechnung tragen, daß
Kinderlose mit Erwerbseinkommen weit größere Möglichkeiten zu freiem
Konsum oder gerade auch zur Altersvorsorge besitzen als
vergleichbare Einkommensbezieher mit Kindern. Wer das Rentenniveau
senkt, weil die Beitragszahler weniger werden, sollte dies gebührend
berücksichtigen".
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LEITHÄUSER, Johannes (2003): Silver-Surfer und Junggebliebene.
Rentner sind schwer zu mobilisieren,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.
- Kommentar:
Zum Artikel gibt es eine Karikatur. Dabei geht es um
die Gründungsveranstaltung einer Selbsthilfeorganisation. An der
Wand prangt ein abgewandeltes RAF-Symbol, das für die
"Rentner-Armee-Fraktion" steht.
- KÜPPER, Mechtild (2003): Wilmersdorfer
Witwen sind Folklore.
Das Beispiel Berlin: Vielen Rentnern geht es nicht schlecht,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.
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KÄMMERLINGS, Richard (2003): Vom Ruhr- ins Bleistiftgebiet.
Mahlzeit: Henrik Hieronimus erzählt Stories aus der Produktion,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.10.
- Inhalt:
"Wenn man will, ist das Arbeiterliteratur, alte
Schule, old economy sozusagen, doch ohne jede ideelle
Überformung, erklärt
Richard KÄMMERLINGS.
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DETTLING, Daniel (2003): Damit der Adler wieder fliegen kann.
Welche Reformen müssen nach den Reformen kommen? Welche
Leitbegriffe brauchen wir?
in: Welt v. 22.10.
- Kommentar:
Daniel DETTLING grenzt sich
einerseits gegen die alte Elite ab, nur um andererseits das
Vokabular der Elite der 68er-Generation übernehmen zu können:
"Eine
neue Politik definiert drei Begriffspaare neu: Individualisierung
und Teilhabe, Freiheit und Fairness, Selbstbestimmung und
Nachfragerdemokratie.
Individualisierung und Teilhabe oder »Nutze Deine Freiheit, aber
trage auch die Folgen«."
Der
Individualisierungsbegriff täuscht darüber hinweg, dass
Organisationen, Familienclans und die soziale Herkunft über die
Chancen des Einzelnen bestimmen.
In
der postmodernen Klassengesellschaft werden die Besserverdienenden
die Individualisierungsfreiheiten nutzen, während im
Niedriglohnsektor die Folgen der Individualisierung getragen werden.
Das ist die schöne neue DETTLING-Welt...
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TAZ-Brennpunkt: Nullrunde für
Rentner
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WINKELMANN, Ulrike (2003): "Zuwanderer haben zu wenig Gewicht".
Demograf Ralf Ulrich erklärt, warum Zuwanderung das
Alterungsproblem auch nicht mehr lösen wird,
in: TAZ v. 21.10.
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HERRMANN, Ulrike (2003): Generation Sparschwein.
Das Bild vom "Teneriffa-Rentner" stimmt nicht, aber arm sind
deutsche Senioren auch nicht gerade,
in: TAZ v. 21.10.
- Kommentar:
Der Generationenkrieg findet nur in der
Öffentlichkeit statt, privat herrscht Generationenfrieden:
"Insgesamt
erbringen die Rentner jährliche Leistungen von etwa 40 Milliarden
Euro, schätzt der Berliner Soziologe Martin Kohli - das entspricht einem knappen
Fünftel der jährlichen Ausgaben der Rentenkassen.
(...).
Vom Sparwillen der Rentner profitieren jedoch nicht alle
Nachfahren gleichermaßen. (...). Die ungleiche Verteilung von
Vermögen ist jedoch eine soziale Frage zwischen Arm und Reich.
Einen »Generationenkrieg« gibt es nicht - sondern starke
Familienbande, wie Rentner tagtäglich beweisen, indem sie ihre
Kinder und Enkel beschenken"
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- BRUNS, Tissy (2003): Mythos
Gerechtigkeit.
Debatte über die Rente
in: Tagesspiegel v. 21.10.
- Inhalt:
BRUNS stellt uns Unwissenden die
generationsspezifischen Mythen über die Renten vor:
"der
Rentner-Mythos ist von Politikern und im gesellschaftlichen
Bewusstsein noch gehegt und gepflegt worden, als er mit der
Wirklichkeit nicht mehr in Einklang zu bringen war. Nicht ohne
Folgen. In allen jüngeren Generationen sind darüber eigene Mythen
entstanden. Die mittleren, beruflich etablierten Altersgruppen
pflegen ihren heimlichen Groll. Aus ihren hohen Beiträgen werden die
gut situierten Rentner finanziert, während die Auskunft der
Rentenkasse über ihre eigene Rente höchst fragwürdig ist und die
schönen privaten Lebensversicherungen mächtig nach unten knicken.
Die Generation unter 40 Jahren fühlt sich komplett betrogen. Sie
erwartet für sich selbst nichts mehr aus der gesetzlichen Rente; sie
hält sich mit der privaten Vorsorge aber ebenso zurück wie mit dem
Kinderkriegen. Und so haben alle ihre jeweils eigene Ausrede, warum
es alles nichts werden kann"
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- WEHINGER, Brunhilde (2003): "Madame,
Lesen Sie den Roman nochmal".
Was hat Houellebecq mit Zola gemeinsam? Rita Schober, die Grande
Dame der Berliner Romanistik, will es wissen,
in: Tagesspiegel v. 21.10.
- Inhalt:
Rita SCHOBER hat sich in ihrem
neuen Buch "Auf dem Prüfstand. Zola - Houellebecq - Klemperer" mit
dem französischen Autor
Michel HOUELLEBECQ
auseinandergesetzt:
"Die Wirkung von Romanen, die individuelle Schicksale und drängende
Probleme der eigenen Gesellschaft vergegenwärtigen, hat Rita Schober
schon immer fasziniert. Eine zentrale Frage, die sie sich seit
vielen Jahren stellt, lautet: Welche Wahrheit vermittelt uns ein
Roman im Unterschied zur Geschichtsschreibung oder zur Philosophie?
Im Werk Houellebecqs entdeckte Rita Schober eine aufschlussreiche
Analyse der zeitgenössischen Wirklichkeit. »Die Romane
Houellebecqs«, bemerkt sie, »haben das Format eines
Gesellschaftsromans in der Tradition der großen französischen Romane
des 19. Jahrhunderts. Houellebecq hat eine literarische Sprache
gefunden, die der Analyse unserer Gesellschaft, die sich aus der
Sicht des Autors in einem katastrophalen Zustand befindet, auf
einzigartige Weise gerecht wird.«"
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SIEMS, Dorothea (2003): Die Rente ist unsicher.
Die Generation der 40-Jährigen muss sich jetzt Gedanken machen, wie
sie ihr Leben im Alter finanzieren will. Faustformel: Sechs Prozent
des Gehalts zurücklegen. Aber wie?
in: Welt v. 21.10.
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Zu den News
vom 11. - 20. Oktober 2003
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