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Medienrundschau:
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News vom
13. - 18. Oktober 2005
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Zitat
des Monats:
"Die
steigenden Single-Raten sind ein wichtiges Indiz für die
fortschreitende Liebesweisheit unserer Gesellschaft, denn es
handelt sich dabei vor allem um
Menschen, die lieber allein bleiben als in einer Beziehung, die
sie nicht erfüllt.
Ein
Orpheus, Prototyp aller traurigen Singles, hat mir Weiberhelden
vom Schlage eines Casanova oder Porfirio Rubirosa nichts gemein
- Männer, die zwar keine Nacht allein verbringen, aber doch
ungebunden bleiben wollen, weil sie die Einschränkung und die
Verantwortung scheuen, die zur Liebe gehört. Orpheus dagegen
hatte in Eurydike seine große Liebe gefunden und wieder
verloren, aber dabei etwas Unschätzbares gelernt.
Während
Männer meistens einen Rockzipfel brauchen, an dem sie sich
festhalten können, weil sie sonst schnell wunderlich werden,
sind wir umgeben von inspirierenden alleinstehenden Frauen,
weniger vom Typ Bridget Jones als dem von George Sand, Coco Chanel oder
Marion Gräfin Dönhoff. Viele von ihnen haben das Modell Ehe in
seinen verschiedenen Ausprägungen erlebt und verworfen - oder
konnten sich von vornherein nicht dafür erwärmen.
(Felicitas
von Lovenberg in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom
18.09.2005)
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BUDE, Heinz (2005): Die Gefahr ist unsere Rettung.
Den müden, larmoyanten Gesellschaften des Westens stehen harte
Zeiten bevor. Noch haben sie die Wirklichkeit nicht richtig ins Auge
gefasst, da zeigt Meinhard Miegel, wie sie aus ihrer Schwäche eine
Stärke machen können. In seiner Diagnose unserer "Epochenwende"
entpuppt sich der harte Realist des sozialen Wettbewerbs als Moralist
einer menschlichen Gesellschaft,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.
- Kommentar:
Der Soziologe
Heinz BUDE, Angehöriger der
Single-Generation und Erfinder der
Generation Berlin, verteidigt eloquent das Buch
"Epochenwende" von Meinhard MIEGEL.
BUDE
ist für die Nuller-Jahre das, was Ulrich BECK von Mitte der 80er
Jahre bis Anfang der Neunziger Jahre war: ein soziologischer
Sprachmagier. Es führt kein ernstzunehmender Weg an ihm vorbei.
BUDE,
der den nächsten Soziologentag mitorganisiert, setzt mit seiner
Rezension die Bevölkerungspolitik an vorderster Front auf die
Agenda. Dies klingt z.B. bei der Würdigung von MIEGELs
Leistungen an:
"So
hat Miegel als einer der Ersten die sozialpolitische Bedeutung so
archaischer Faktoren wie Bevölkerungszahl und Altersstruktur
herausgearbeitet, er hat die sozialpolitischen Kosten der
allgemeinen Ideologie des Individualismus dargelegt und die
sozialpolitische Illusion einheitlicher Lebensverhältnisse in
Deutschland benannt."
Heinz
BUDE hält einerseits die "Blut, Schweiß und Tränen-Rede", die immer
wieder von SCHRÖDER gefordert worden ist. Gleichzeitig formuliert er
jene Vision bzw. sozialdemokratische Erzählung, deren Fehlen er
in seinem letzten SZ-Artikel selber
eingeklagt hatte. Damit ist das gegenwärtige "Du bist
Deutschland"-Programm unserer neuen Werteelite auf den Punkt
gebracht worden.
Kapitalismus
wird damit zur neuen Religion und trägt messianische Züge, wie sie
der Marxismus in den 1970er Jahren in Westdeutschland getragen hat.
Es
ist kein Zufall, dass gerade jetzt eine Flut von Bekenntnisbüchern
erscheint, in denen der der damalige Messianismus eine
zentrale Rolle spielt. So z.B. bei Stephan WACKWITZ. Gleichzeitig
wird die Geschichte der Gegenkultur neu geschrieben.
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MAIDT-ZINKE, Kristina (2005): In Penneraufmachung.
Nicht nur verhext, sondern auch noch schlecht angezogen: Stephan
Wackwitz erzählt von den Verführungen der Revolution,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.
- Kommentar:
MAIDT-ZINKE bringt das Problem der
"Selbstbezichtigung der marxistisch verführten Söhne" in dem Buch
"Neue Menschen" von Stephan
WACKWITZ auf den Punkt:
Wenn
er den »größenwahnsinnigen Lebensentwurf« seiner frühen Jahre
geißelt und sich des »gnostischen Jugendirreseins« anklagt, dann
spricht daraus noch immer jener Hang zur Überhöhung und
Dramatisierung der eigenen Weltsicht, der ihn seinerzeit für
Welterlösungsphantasien anfällig machte.
Seine studentische Mitgliedschaft im MSB Spartakus (...) vermag er
auch nach drei Jahrzehnten nicht locker als Sturm-und-Drang- Episode
abzubuchen."
Man
könnte noch weiter gehen. Die
Zeitschrift
Merkur ist im Kern ein elitärer Zirkel, in dem der
Kapitalismus (gepaart mit einem kräftigen Schuß Antifeminismus) als
neue Religion jenes Vakuum auffüllt, das der Messianismus der 1970er
Jahre hinterlassen hat.
Das
Merkur-Kernmilieu (selten schreibt dort einmal eine einzelne
Frau!) ist sozusagen die
Tristesse Royale der
Single-Generation.
Während
sich Ewiggestrige noch sophiedannenhaft mit den mumifizierten 68ern
auseinandersetzen, sind längst neue Kaderschmieden entstanden, die
diese Berliner Republik mental prägen.
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MANGOLD, Ijoma (2005): Stimmt, stimmt, stimmt.
Übergewicht, Rückenschmerzen, Altersangst und Eugen Drewermanns
Gesicht: Reinhard Mohr mustert die jammernden Deutschen. Und
ermüdenderweise muss man ihm ständig beipflichten,
in: Literaturbeilage der Süddeutschen Zeitung v. 18.10.
- Kommentar:
Ijoma MANGOLD fehlt bei Reinhard MOHR das Dagegenseinkönnen.
Wir
müssen deshalb einen halben Artikel lang die Meinungen von MANGOLD
ertragen (sind ja sowieso MOHRkonform), bis er konkret auf das
Buch zu sprechen kommt.
Wir
wissen dann aber auch nur, dass wir Angehörige der Single-Generation
eine postnationale Identität aufweisen müssen, die uns nun ziemlich
abseitig aussehen lässt, wenn wir das nicht schnell ändern.
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SCHIRACH, Ariadne von (2005): Der Tanz um die Lust,
in: Spiegel Nr.42 v. 17.10.
- Kommentar:
Adel verpflichtet! Der Adel greift
nun auch in die bevölkerungspolitische Debatte ein und erweitert
damit sein Arbeitsfeld der Manieren auf das Gebiet der
Sexualpolitik.
"Je
pornografischer unsere Gesellschaft wird, desto mehr hat sie die
Lust an der Fortpflanzung verloren", behauptet deshalb unsere junge
Adelige.
Bereits
im Jahr 2001 hatten wir die
bevölkerungspolitische Wende dieser Debatte vorausgesagt.
Dass
kein Zusammenhang absurd genug sein kann, um bevölkerungspolitische
Eingriffe zu rechtfertigen, beweist der Spiegel selber.
Am
24. März 1975 titelte dieses Blatt: "Mehr Sex - weniger Babys.
Sterben die Deutschen aus?" Bereits damals blickte uns der letzte
Deutsche an. Er mußte damals jedoch noch keine Rentner stemmen.
40
Jahre später wird genau das Gegenteil behauptet: weniger Sex -
weniger Babys.
In
beiden Fällen geht es jedoch um die Frage, wie die Entkopplung von
Sex und Fortpflanzung rückgängig gemacht werden kann.
Diese
sexualpolitische Debatte steht erst am Anfang,
bereits letzte Woche griff eine Adelige auf
diesem Gebiet ein und demnächst wird eine Adlige
Familienministerin, wobei dann nicht mehr Familienpolitik
(Verbesserung der Lage von schlechter gestellten Familien), sondern
Bevölkerungspolitik (Bestrafung von Kinderlosen) im Mittelpunkt
stehen wird.
Im
Oktober 2006 findet ein Soziologie-Kongress in Kassel statt. Sein
Thema "Die Natur der Gesellschaft". Dort wird die biopolitische
Wende verhandelt werden. Ganz sicher werden dort
bevölkerungspolitische Themen eine zentrale Rolle spielen.
In
der heutigen FAZ hat
Christian GEYER zur Biologie als
Leitwissenschaft dieser Gesellschaft Stellung genommen.
Wir
sind sozusagen mitten in der Refeudalisierung der Gesellschaft.
Wie
weit diese Viktorianisierung der Gesellschaft betrieben werden kann,
das wird auch an den Singles liegen.
Vergangene
Woche hat der Sexualwissenschaftler SIGUSCH bereits das Ende des
sexuellen Zeitalters begrüßt.
Mit
dem Verschwinden der Jugendlichkeit, an der gerade gearbeitet wird,
werden wir endlich dort angelangt sein, wo wir keineswegs hin
wollten: in der Gerontokratie.
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RATHGEB, Eberhard (2005): Wir, gefesselte Sklaven,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 17.10.
- Kommentar:
Eberhard RATHGEB stellt Sachbücher vor. In
unserem Zusammenhang ist das Buch
"Konsumrebellen" von Joseph Heath & Andrew
Potter erwähnenswert.
Die
"Münchner Schule" des Pop-Journalismus arbeitet gerade an der
Umwertung der Popwerte. Letztes Erzeugnis:
"Global Players" von Sascha
LEHNARTZ.
Die
Konformisten des Anderssein, d.h. die linke Gegenkultur seit den
68er Jahren, wird neu bewertet. Der Muff des Spießertums soll im
neuen Hipsterglanz erstrahlen. Das geht nicht immer ohne
Widersprüche ab, wie man bei LEHNARTZ sehen kann.
"Global
Players" könnte so etwas wie eine Bibel der Neo-Spießer werden, denn
hier spricht die "abservierte Elite", also das elitäre Gegenstück
zum Linkspartei-Proleten.
LEHNARTZ
verpasst der Generation Golf eine neue Identität. Lösungen hat der
Autor jedoch nicht zu bieten. Es geht allein um die Herstellung
einer Gefühlsgemeinschaft.
Wir
sind davon überzeugt, dass unsere Rezension des Buches von Sascha
LEHNARTZ von keinem überboten werden kann, weil unsere Rezension
sozusagen unsere ganze Website vernetzt und damit
Hintergrundinformationen liefert, die keiner sonst bieten kann.
Wir
arbeiten zur Zeit zwar noch an der weiteren Vernetzung, aber auch
jetzt schon ist diese Rezension eine wahre Fundgrube...
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WELTER, Patrick (2005): Willkommen auf dem Heiratsmarkt.
Warum Singles in die Großstadt ziehen und Verheiratete ihr lieber
den Rücken kehren,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.
- Kommentar:
WELTER berichtet über die Studie "Marriage and
the City" der dänischen Ökonomen Pieter GAUTIER, Michael SVARER und
Coen TEULINGS.
Ihre
Daten belegen, dass Unverheiratete bevorzugt in Städte wie
Kopenhagen oder Aarhus ziehen, während Verheiratete eher wegziehen.
Eine
Erklärung sehen die dänischen Ökonomen darin, dass die Stadt als
Heiratsmarkt fungiert.
Die Soziologen
Hans-Peter BLOSSFELD und Andreas TIMM haben für Deutschland
nachgewiesen, dass die
Universität als Heiratsmarkt dient.
Beides
widerspricht sich nicht, denn Universitäten sind meist in Städten
angesiedelt.
Die
Studie der dänischen Ökonomen steht auf der
Homepage von Pieter GAUTIER
als PDF-Datei zum Download bereit. Eine kurze englischsprachige
Zusammenfassung und Downloads bietet auch die Website
CESifo
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MÖNCH, Regina (2005): Überschätzte Kinderlosigkeit?
Aus dem Gewächshaus,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.
- Kommentar:
Der Familienwahlkampf ist vorbei und nun
veröffentlichen die Zeitungen, die sich begierig auf die Zahl von
40 % kinderlosen Akademikerinnen gestürzt haben,
nach und nach
die Gegendarstellungen zu ihrer Wahlkampfberichterstattung. Heute
ist die FAS an der Reihe.
Regina
MÖNCH zitiert Michaela KREYENFELD, deren
Studie zusammen mit Dirk KONIETZKA in der
Zeitschrift Berliner Debatte Initial
schon längst bei uns zu lesen war. MÖNCH muss
zugeben, was unsere Leser seit Jahren wissen:
"Die
herumgeisternden vierzig Prozent beruhen auf den Zahlen der
jährlichen Geburtenrate aus dem Mikrozensus (...). Da er aber
weder Tempoeffekte noch das
höhere Alter von
Müttern - u.a. bedingt durch längere Ausbildungszeiten -
berücksichtigt, ist er ziemlich ungeeignet für die Interpretation
des Geburtenverhaltens heutiger Frauen".
Übrigens
wird das Datum der Veröffentlichung bei der FAS mit 2005
angegeben. Das hätten unsere Journalisten möglicherweise gerne. Die
Veröffentlichung stammt jedoch bereits aus dem Jahr 2004!
War
natürlich nur ein Druckfehler, der ins Weltbild passt und deshalb
unbemerkt durchging.
Wir
wollen aber natürlich nicht unerwähnt lassen, dass in der FAS
wenigstens
schon im letzten Oktober über das
Problem berichtet worden ist, was ja nicht für jede Zeitung
selbstverständlich war.
Bei
der Papier-ZEIT ist
z.B. das familienpolitische
Zugpferd Susanne GASCHKE gerade auf Lesereise mit einem
Buch über die Einsamkeit der kinderlosen
Akademikerinnen. Wir werden wohl mit einer Gegenanzeige
bis nach dieser Buchvorstellung warten müssen.
Wie
viel Peinlichkeit verträgt sich eigentlich mit einer solchen
Position, Frau GASCHKE?
Sascha
LEHNARTZ zeigt mit seinem neuen Buch "Global Players", dass in der
"Spaßgesellschaft" einzig die Schrillheit einer These zählt. Wenn
sie sich als falsch herausstellt, dann macht das auch nichts, denn
wir leben ja im
Zeitalter der Popmoderne.
Unsere
Qualitätspresse hält Singles offenbar für besonders dämlich. Sie
geht davon aus, dass unsere Singleinteressen politisch nicht
organisierbar sind. Diese Rechnung geht bislang auf.
Fragt
sich jetzt nur noch, was dann erstens die
Bevölkerungsvorausberechnungen bis 2050 und zweitens das neue
Buch "Die ausgefallene Generation" von Herwig BIRG noch
wert ist. Ein solches Datendesaster darf nicht folgenlos bleiben.
Wir
warten weiter darauf, dass endlich das
nationalkonservative Deutungsmonopol
gebrochen wird. Und zwar nicht mit solch läppischen Gegenanzeigen,
die spätestens vor der nächsten Kampagne gegen Kinderlose wieder
vergessen sein werden, wenn Singles nicht massiv gegen diese Form
der Mediendiktatur vorgehen.
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FAS (2005): Wir sind Kanzlerin!
Wer hätte es für möglich gehalten: Angela Merkel soll die erste
deutsche Regierungschefin werden. Anlaß genug, zehn Zeitgenossinnen zu
fragen: Was wird sich in Deutschland ändern unter einer
Bundeskanzlerin? Und vor allem: Wird es in Zukunft leichter für
Frauen, Karriere zu machen?
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 16.10.
- Kommentar:
Sascha LEHNARTZ behauptet in seinem Buch
"Global Players", dass die Bildzeitung das neue Leitmedium der
Berliner Republik ist. Das gilt offenbar zumindest für die
Schlagzeilentexter der FAS.
In
seiner Geschichte des Hipstertums aus der Perspektive der
zeitgeistigen Neo-Spießer beschreibt er Angela MERKEL als
"Soft-Koch-Variante". Der Hipster ist eine der letzten männlichen
Domänen.
Und
wenn LEHNARTZ für die ästhetische Generation Golf MERKEL in
die Nähe von Roland KOCH rücken muss, um ihr überhaupt einen
gewissen Hip-Faktor andichten zu können, dann zeigt sich wie unhip
Angela MERKEL im Wahlkampf war.
Die
FAS hat aber die männlichen Hipster erst gar nicht gefragt, sondern
Prominente wie Elfriede JELINEK, Susanne FRÖHLICH, Gisela ERLER,
Ulla HAHN und Juli ZEH.
Das
finden wir ganz in Ordnung, denn
der männliche Hipster ist ein Auslaufmodell, wenn er bereits
durch Squares wie Sasha LEHNARTZ historisiert wird.
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NOLTE, Barbara (2005): "Ich war skalpmäßig im Widerstand".
Peter Hahne, der
ZDF-Journalist. Man kennt sein Gesicht, und jeder hat ein Bild von
ihm. Aber stimmt das auch? Der Imagetest überprüft Klischees und
unsere Vorurteile von Prominenten,
in: Tagesspiegel v. 16.10.
- Inhalt:
"In seinem Buch »Schluss mit lustig«, das ein halbes
Jahr an der Spitze der deutschen Bestsellerlisten stand, erweitert
er den Kreis der zu Verdammenden auf Singles, Selbstverwirklicher
und Alt-68er – das Personal einer vermeintlichen Spaßgesellschaft",
merkt NOLTE zu Peter HAHNE an.
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GOY, Martina (2005): Die Renaissance der alten Werte.
Früher ging es nur um
Geldverdienen und Karriere - heute setzt die junge Elite auf Familie
und soziales Engagement,
in: Welt am Sonntag Hamburg v. 16.10.
- Kommentar:
OPASCHOWSKI, Freizeitpädagoge sponsored by
Tabakindustrie, und der trendige Trendforscher WIPPERMANN sind sich
irgendwie einig über die junge Generation, dass sie anders ist als
frühere.
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STROHMAIER, Brenda (2005): Computer verhüten.
Warum Berliner Männer weniger Kinder zeugen als der deutsche
Durchschnittsmann,
in: Berliner Zeitung v. 15.10.
- Inhalt:
STROHMAIER widmet sich weiter den
Berliner Verhältnisse.
Heute
stehen die Männer im Mittelpunkt. Die Soziologen Christian SCHMITT
und Hans BERTRAM nehmen Stellung dazu.
Ist
die vaterlose Gesellschaft eine kinderlose Gesellschaft?
"Ein
Problem des modernen Großstadtmannes sei, dass immer mehr ohne
männliche Vorbilder aufwüchsen. Das liege nicht nur an den vielen
alleinerziehenden Müttern. "Jungs erleben im Alltag vor allem Frauen
- ob im Kindergarten oder in der Grundschule." Kein Wunder also,
dass sie als ausgewachsene Männer angesichts der Vaterrolle
verunsichert seien.
Das
legt die Idee nahe, dass die Singlemütter tatsächlich verstärkt
kinderlose Singlesöhne produzieren. Söhne, die dann möglicherweise
in einem »modernen Zölibat« landen. Dieses Phänomen hat der
Soziologe Hans Bertram ausgemacht. »Nehmen sie die EDV-Berufe. Da
sind Männer so gut wie unter sich. Manche verbringen sogar die
Freizeit mit Geschlechtsgenossen, etwa beim Fußball oder
Computerspielen und bekommen dann auch kaum eine Frau zu sehen.«
Bemitleiden müsse man sie aber nicht. »Die genügen sich schon
selbst.«"
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GRÖSCHNER, Annett (2005): Herz gebrochen, Spaß dabei.
Kreuzberger Realismus. Von ungeschriebenden
Herr-Lehmann-Rezensionen und der neuen CD von "Element of Crime",
in: Freitag Nr.41 v. 14.10.
- Inhalt:
GRÖSCHNER schreibt u.a. die
Frank-Lehmann-Trilogie weiter:
"wie
es mit Herrn Lehmann weitergeht, kann man sich auch denken. Kann sein,
dass er inzwischen in Delmenhorst den Mittelpunkt der Welt sieht, wo
er hingezogen ist, weil die angesagten Berliner Innenstadtbezirke zu
teuer sind (...). Vielleicht ist er auch in Berlin geblieben und
verteidigt seine Paranoia. Inzwischen wird er auf Hartz IV sein, das
Geld reicht eigentlich nur noch für Sternburgpils-Genuss vorm
Supermarkt, aber die Macht der Gewohnheit spricht dagegen, nicht in
die Kneipe zu gehen. Also steht er bis Monatsmitte jeden Abend mit
Uwe Schmidt an einem Tresen in Prenzlauer Berg, Kreuzberg oder
Friedrichshain. Danach ist er blank. Und wenn er Pech hat, kommt
eine Kontrolleurin vom Jobcenter und überprüft, ob Herr Lehmann zwei
Betten hat, die ungemacht sind. Und streicht ihm die Stütze, weil er
angegeben hat, dass
er alleine lebt. Und dann fängt die Scheiße erst richtig an."
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SCHWENTKER, Björn (2005): Von wegen 40 Prozent.
Obwohl es der Mikrozensus so
weismachen will: Akademikerinnen sind mitnichten schuld am deutschen
Babyschwund,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 13.10.
- Kommentar:
Diesen Artikel suchen Sie heute vergeblich in
der Papier-ZEIT, denn er ist nur in der Online-Ausgabe vom
09. Oktober erschienen!
Dies
wirft ein bezeichnendes Licht auf unsere
angeblich weltoffene globale Klasse.
Die
Medienlandschaft der Neuen Mitte ist inzwischen durch eine
Fragmentierung gekennzeichnet. In den Feuilletons der Papier-Mitte
werden die zunehmenden Parallelwelten beklagt, gleichzeitig werden
sie im Internet vorangetrieben.
Die
Zielgruppe der Papier-Mitte ist der Nicht-Single, die Zielgruppe der
Online-Mitte ist der Single.
Der
Witz ist nur, dass heutzutage gar nicht mehr sicher ist, wer Single
und wer Nicht-Single ist. Viele sind inzwischen sowohl Single als
auch Nicht-Single!
"Selten
waren sich die Deutschen so einig wie in der
Debatte über Kinderlosigkeit. In der Bundesrepublik werden nur
rund 1,4 Kinder pro Frau geboren, und schuld am Fehlen des
nationalen Nachwuchses sind die Akademikerinnen. Deren Gebärstreik
lässt sich an einer besonders imposanten Zahl belegen: 40 Prozent.
So viele der gebildeten jungen Frauen – wenn nicht gar mehr -
bleiben ohne Nachwuchs, hieß und heißt es quer durch die Medien.
Doch während sich eine leidenschaftliche Diskussion über das »Warum«
dieser unerhörten demografischen Ziffer entspannt hat, geht eines
völlig unter: Die Zahl ist schlichtweg falsch",
schreibt Björn SCHWENTKER.
Bereits
am 31. Oktober 2004 hat SCHWENTKER in der Papier-FAS Michaela
KREYENFELD zum Thema zitiert. Zum damaligen Zeitpunkt gab es
eindeutige Hinweise, dass die Zahlen überhöht waren, aber es fehlten
Untersuchungen, die das auch wissenschaftliche korrekt bewiesen.
Das
Datendesaster ist nicht erst seit 2004 bekannt. Single-dasein.de
beweist seit dem Jahr 2000, wie mit Statistik gelogen wird.
Es
geht ja nicht nur um die kinderlosen Akademikerinnen, nicht einmal
nur um die Kinderlosen im allgemeinen. Fakt ist: Auch die
Geburtenrate von 1,4 ist wird von den nationalkonservativen
Demografen zu niedrig ausgewiesen.
Dies
war bereits im April 2001 bekannt als das Bundesverfassungsgericht aufgrund
eines Gutachtens des nationalkonservativen
Bevölkerungswissenschaftler Herwig BIRG die Kinderlosen zu
Zuzahlungen verdonnerte - eine Art Reparationszahlung, die den
Kinderlosen von der gut organisierten nationalkonservativen
Familienlobby aufgezwungen wurde. Schließlich befinden wir uns
mitten im Demografiekrieg!
Nicht
Kinder fördern, sondern Kinderlose bestrafen heißt die Devise.
Dies
wäre niemals möglich gewesen, wenn die weltoffene globale Klasse
nicht mitgespielt hätte. Klammheimliche Sympathisanten sind das
gewesen.
Am
14. August 2003 fragte Susanne GASCHKE in der ZEIT
Wo sind die Kinder?
und forderte die Rente nach Kinderzahl. Einzig bei
single-dasein.de und single-generation.de war damals eine
Erwiderung zu lesen.
Die
Gutmenschen-taz lehnte damals eine Erwiderung in ihrem Blatt
dankend ab, und haute ihrerseits drauf.
Ulrike WINKELMANN schrieb lieber Auf Wiedersehen, Kinder.
Erst
im Januar 2005 machte die taz-Journalistin eine wundersame
Wandlung durch und
im Mai 2005 veröffentlichte sie in der
Zeitschrift Feministische Studien zusammen mit Christian
SCHMITT einen Artikel, in dem die
überhöhten Zahlen widerlegt wurden.
Dieser
Artikel muss insofern als wegweisend betrachtet werden, weil er
erstmals einer breiterer Öffentlichkeit Zahlen präsentierte.
Bereits am 08. März kritisierte SCHMITT die Kinderlosenzahlen,
die den
Elterngeld-Wahlkampf der SPD legitimieren sollten in der FAZ,
während Frank
SCHIRRMACHER in dieser Zeit das Ideal der deutschen Mutter von
Herwig BIRG rechtfertigen ließ.
Wissenschaftsintern
sah das ganz anders aus. Aber wer wil unseren abhängigen
Wissenschaftlern verübeln, dass sie in diesen Zeiten ihren Job
behalten wollen?
Wo
sind die Kinderlosen, Frau GASCHKE? Diesen Artikel vermissen wir
in der deutschen Mitte-Presse immer noch.
Deshalb
erscheint auch SCHWENTKERs Beitrag nicht in der Papier-ZEIT,
die ja jahrelang zu den Hardlinern bei der Verbreitung der
überhöhten Kinderlosenzahlen gehörte.
Noch
im neuen Kursbuch schreibt Frau GASCHKE im Beitrag "Alte
Rollen, neue Frauen. Tolle Karrieren, glückliche Ehen, gute Figur
und prima Kinder. Das kann nicht klappen":
"Für
Frauen (...) ist die Vorstellung, in einem eigenen Beruf zu
arbeiten, inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Für Mann und
Kinder geben sie ihre Berufstätigkeit dann auf, wenn (...) ihr
Verdienstausfall durch Kindererziehungszeiten nicht sehr ins Gewicht
fällt und ihre Aufstiegsmöglichkeiten dadurch nicht wesentlich
geschmälert werden. Dieser Umstand dürfte erheblich zu jenem Trend
beitragen, den Bevölkerungswissenschaftler »gespaltenes
Fertilitätsverhalten« nennen: Dass nämlich die vergleichsweise
schlecht bezahlten Frauen aus den unteren Bildungs- und
Berufsgruppen sich mittlerweile weit häufiger für Nachwuchs
entscheiden als die Akademikerinnen, die am Ende zu über 40 Prozent
kinderlos bleiben."
Es
handelt sich hier um die erste Ausgabe der Vierteljahreszeitschrift
Kursbuch, die nun zum Presseimperium der ZEIT gehört
und die rechtzeitig zur heißen Phase des Familienwahlkampfes
erschien.
"Vergangene
Woche in Rostock rechneten Mitarbeiter des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung (BiB), dem »demografischen Arm« des
Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden, vor, dass man fast die
selben Ergebnisse auch mit dem Mikrozensus bekommt. Wenn man nur die
richtigen, also ältere, Frauenjahrgänge betrachtet und zudem auch
Fachhochschulabsolventinnen zu den Akademikerinnen rechnet. Die
gebären nämlich mehr als Frauen mit Uni-Abschluss. Die neu
berechneten Daten des BiB zeigen: Der Anteil endgültig kinderloser
Akademikerinnen liegt nicht über 30 Prozent. Die Statistiker halten
den Mikrozensus damit für rehabilitiert. An der mächtigen Erhebung,
so der Tenor von behördlicher Seite, führe ohnehin kein Weg vorbei",
erklärt uns SCHWENTKER.
Der
Journalist spielt hier auf die Studie von
UNGER & SCHAREIN
an.
Mitten
in den Endkampf um die Familie, platzte dann noch eine
Pressemeldung des statistischen Bundesamtes,
die nochmals dafür sorgte, dass die 40 %-Marke wenigstens für
westdeutsche Akademikerinnen wieder erreicht wurde.
Die
wenigsten dürften jedoch die Studie von DUSCHEK & WIRTH selber
gelesen haben. Und wenn, dann hätten sie - als Fachfremde - die
Problematik nicht verstanden, weil dort die öffentliche Debatte
nicht dargelegt wird. Nicht deren wissenschaftliche
Beweisführung ist also zu kritisieren, sondern nur die gezielte
Lancierung durch das Statistische Bundesamt lässt Seriösität
vermissen. Das wurde auf single-dasein.de auch beanstandet.
"Die
unglückliche Kommunikation der 40 Prozent Kinderlosigkeit bei
Akademikerinnen sei vielleicht kein Zufall, gibt ein Vertreter der
amtlichen Statistik zu: »Mit dramatischen Zahlen erreicht man eben
mehr Öffentlichkeit.« Genau das war nach dieser Interpretation das
Ziel des Statistischen Bundesamtes. Dessen Pressemeldungen waren es
nämlich, die die 40 Prozent erst in Umlauf brachten",
schreibt SCHWENTKER.
Nur
macht es sich der Journalist mit seiner Ursachenbeschreibung zu
leicht. Keineswegs hatte nur die CDU ein Interesse an hohen
Kinderlosenzahlen gehabt, sondern auch die SPD.
Nachdem
der Traum für Rot-Grün ausgeträumt ist, werden die Karten nun
offensichtlich neu gemischt.
Es
wird sich zeigen müssen, ob unsere globale Klasse das
nationalkonservative Deutungsmonopol der
deutschen Demografen endlich zerschlägt, oder ob weiterhin eine
große Allianz der
Besitzstandswahrer verhindert, dass auf junge Singles - und damit
auf potenzielle Eltern - in diesem Land mehr Rücksicht genommen
wird.
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THADDEN, Elisabeth von (2005): Die ruinierte Intimität.
Dagmar Herzogs »Politisierung
der Lust« rekonstruiert, wie im deutschen 20. Jahrhundert bis in die
Betten hinein regiert wurde,
in: Die ZEIT Nr.42 v. 13.10.
- Kommentar:
Elisabeth von THADDEN missbraucht die
Rezension eines sexualgeschichtlichen Buches, um in
sophiedannenberghafter Tradition
die Viktorianisierung der Berliner Republik nahe zu legen:
"Was
die 68er über den Nationalsozialismus dachten, passt mit dessen
Interpretation in den fünfziger Jahren auffällig nicht zusammen. In
den fünfziger Jahren galt der Nationalsozialismus als sexuell
unerträglich permissiv, also schien Sittenstrenge das Gebot der
Stunde zu sein, um die Republik moralisch neu zu fundieren. Den
68ern hingegen galt der Nationalsozialismus als sexuell repressiv,
als ein Regime unterdrückter Lust, also erschien vielen die sexuelle
Befreiung als der gebotene Weg, die Republik von ihrer Vorgeschichte
zu emanzipieren.
Im stärksten Teil ihrer Studie rekonstruiert Herzog, in Anknüpfung
an Herbert Marcuse, die ambivalente Doppelstrategie der
Nationalsozialisten: zum einen die Sexualität in totalitäre Regeln
gesteuerter Fortpflanzung zu bringen. Zum anderen aber innerhalb
dieser Regeln eine sexuelle Freizügigkeit auszurufen, die eine
Entsprechung im modernisierten Konsum hatte."
THADDEN
verweist u.a. auf den Soziologen Alexander SCHULLER, der
joachimbessinghaft die
Modernisierung der Familie verdammt (da schrieb BESSING noch
Popliteratur), um zum Resümee zu kommen:
"Kann
es sein, dass diese Sexualitätsgeschichte zur heutigen
Kinderlosigkeit der Republik beiträgt? Man darf es in aller Vorsicht
vermuten."
Wie
erklärt sich dann bitte, Frau Thadden, dass bereits in den 20er/30er
Jahre der gleiche Diskurs wie heute geführt wurde?
Die
hohe deutsche Kinderlosigkeit ist kein neues Phänomen und schon gar
nicht durch die NS-Zeit zu erklären.
Der Schweizer Bevölkerungssoziologe HÖPFLINGER hat auf diesen
Sachverhalt hingewiesen.
Die
Single-Lüge erklärt dagegen
eher die heutige Problematik.
Das
politische Patt zwischen Alter und Neuer Mitte erklärt die fatale
Dynamik, bei der junge Singles und damit unsere potentiellen Eltern
auf die Verliererstraße geraten.
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FEHR, Marianne & Michael KROBATH (2005): Gehen lernen.
Liebe ist nur ein Wort.
Schlussstrich auch. Doch wie ihn ziehen, wo es doch für immer sein
sollte? Worüber schweigen, wenn es nichts mehr zu sagen gibt? Ade Ex
und hopp ins nächste Liebesglück? Das gibt’s nur im Film. Fünf
Geschichten über Herz- und Phantomschmerz. Zum nach- und besser machen,
in: Weltwoche Nr.41 v. 13.10.
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vom 09. - 12. Oktober 2005
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