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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
       
       
   

News vom 16. - 25. September 2003

 
       
     
     
     
       
   
Zitat des Monats:
"Der kranke Alleinleidende lebt exterritorial, er ist ein doppelt Vertriebener. Denn sein Reich, das bunte Beziehungsgeflecht der unbegrenzten Freiheit, existiert nur jenseits von Viren und Bakterien. Schon dauerhaft schlechte Laune schränkt den üblichen Bewegungsspielraum empfindlich ein. Dem Single geht es nur gut, wenn es ihm gut geht. Der Pflegefall ist ausgeschlossen."
(Reinhard Mohr in "Generation Z", 2003, S.108)
 
       
   
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  • SZENT-IVANYI, Timot (2003): "Der Generationenvertrag ist in der Kinderfrage überholt",
    in: Berliner Zeitung v. 25.09.
    • Inhalt:
      Interview mit der 35jährigen CDU-Landtagsabgeordneten Silke LAUTENSCHLÄGER u.a. über die Rentenreform:

                "Welchen Schwerpunkt legt die Union bei der Reform der Rentenversicherung?
      Mir geht es vor allem um eine stärkere Berücksichtung von Kindern. Der bestehende Generationenvertrag ist in dieser Frage überholt. Denn er baut darauf auf, dass jeder Kinder hat. Doch das ist heute längst nicht mehr der Fall. Deshalb müssen wir bei der Rente die Leistung derjenigen deutlich anerkennen, die Kinder haben.
      Welche Möglichkeiten sehen Sie?
      Meine Präferenz liegt bei einer besseren Anrechnung von Kindererziehungszeiten. Eine Entlastung für Eltern bei den Rentenbeiträgen kommt auch infrage, aus finanziellen Gründen wäre das aber allenfalls als zweiter Schritt möglich."
 
     
   
  • THEILE, Merlind (2003): Romantisch ist cool.
    Die Zahl der Teenager-Schwangerschaften steigt - sind Jugendliche verantwortungsloser? Nein, sagen Experten,
    in: Tagesspiegel v. 24.09.
  • OESTREICH, Heide (2003): Zehn Jahre alt und schwanger.
    Zwanzig Schülerinnen im Alter von zehn Jahren haben im vergangenen Jahr abgetrieben - ein Phänomen, das es noch vor wenigen Jahren gar nicht gab. Die Schulen sollen mehr aufklären, aber darunter versteht jedes Bundesland etwas anderes,
    in: TAZ v. 24.09.
 
   
  • RATH, Christian (2003): Eigentlich geht es um Krippenplätze.
    Rentenbeiträge: Eltern sollten so viel zahlen wie Kinderlose,
    in: TAZ v. 24.09.
    • Inhalt:
      Christian RATH sieht in der Rente nach Kinderzahl keine zukunftsfähige Lösung:

                "Wenn man Geburten fördern will, ist sie sicher nicht so wirkungsvoll wie eine gute Betreuungsinfrastruktur. Und sie bindet Mittel, die für die Finanzierung der Kinderbetreuung wieder fehlen. Auch das individuelle Gerechtigkeitsargument schlägt nicht durch. Eltern bekommen nicht Kinder, weil sie die Rente sichern wollen, sondern weil sie Lust haben, Eltern zu sein. Als Gegenleistung für ihre Aufwendungen haben sie dann das Glück, mit Kindern zu leben.
      Wer Kinder nur aus Pflichtbewusstsein oder gar aus finanziellem Interesse zeugt, wäre doch eher ein Fall fürs Jugendamt. Das sollte die Bundesregierung endlich klarstellen. Sonst glaubt Karlsruhe noch, die Politik habe die vermeintlich wegweisenden Gedanken des Verfassungsgerichts gar nicht zur Kenntnis genommen"
 
     
     
     
   
  • Der lesenswerte Artikel:
    BUTTERWEGGE, Christoph (2003): Sozialdemokraten in der neoliberalen Falle.
    Der vielbenutzte Begriff der Eigenverantwortung kaschiert nur den Ruf nach sozialer Verantwortungslosigkeit,
    in: Frankfurter Rundschau v. 23.09.
    • Kommentar:
      Der Sozialwissenschaftler Christoph BUTTERWEGGE, der im Gegensatz zu vielen anderen nicht Kinderlose und Familien gegeneinander ausspielt, kritisiert den sozialpolitischen Kurs der Neue-Mitte-SPD und plädiert für einen Erhalt des Sozialstaats.

                Seine Vorstellungen einer Bürgerversicherung sind eine Absage an neoliberale Grundrentenverfechter à la Meinhard MIEGEL.
                BUTTERWEGGE verteidigt - da ist er mit Norbert BLÜM einig - die Beitragsfinanzierung. In Abgrenzung zu BLÜM plädiert er aber für einen Abschied von der Erwerbszentrierung der Sozialversicherung:
                "Es geht darum, die spezifischen Nachteile des deutschen Sozialstaatsmodells auszugleichen, ohne seine Vorzüge preiszugeben. Strukturdefekte des »rheinischen« Wohlfahrtsstaates bilden seine duale Architektur (Spaltung in Sozialversicherung und Sozialhilfe), seine strikte Lohn- und Leistungsbezogenheit (Äquivalenzprinzip) sowie seine Barrieren gegen Egalisierungstendenzen (im Grunde systemwidrige Beitragsbemessungsgrenzen; Versicherungspflichtgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung; partielle Freistellung prekärer Beschäftigungsverhältnisse von der Sozialversicherungs- bzw. Steuerpflicht). Der entscheidende Pluspunkt des Bismarck'schen Sozialsystems gegenüber anderen, damit konkurrierenden Modellen liegt darin, dass seine Geld-, Sach- und Dienstleistungen keine Alimentation von Bedürftigen und Benachteiligten aus Steuermitteln darstellen, sondern durch Beitragszahlungen erworbene und auch verfassungsrechtlich garantierte Ansprüche."
                BUTTERWEGGEs Ansatz möchte also die Sicherheiten der alten Arbeitnehmergesellschaft durch Ausdehnung auf Personengruppen, die im traditionellen Modell ausgeschlossen - oder unzureichend berücksichtigt - sind, und eine breitere Basis der Beitragszahler zukunftsfähig machen.
                BUTTERWEGGE schlägt damit eine Brücke zwischen den unversöhnlichen Strategien von alter und neuer Mitte.
                Wie Michael HARTMANN kritisiert BUTTERWEGGE die neue Gerechtigkeitsformel der SPD. 
 
     
   
  • LOVENBERG, Felicitas von (2003): Sei ein Mann und ruf sie einfach nicht mehr an!
    Sechs Freunde sollt ihr sein und den Geist von New York in euch tragen: Warum die Fernsehserie "Friends" bedeutend ist,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.
    • Kommentar:
      LOVENBURG stilisiert die Fernsehserie "Friends" zum Fernsehformat der "Neuen Ernsthaftigkeit", das den Gegensatz zur "Sex in the City"-Serie der Spaßgesellschaft bildet:
                "Man findet kaum jemanden, dem »Friends« und »Sex in the City« gleichermaßen gefallen: offenbar eine Frage der eigenen Prioritäten.
      Die sechs »Friends« sind nicht cool.
      (...). Wer »Friends« sieht, fühlt sich anschließend besser - eigene Mängel, Mißerfolge und Peinlichkeiten scheinen weniger schlimm, Sehnsüchte und Hoffnungen weniger deplaziert.
      (...).
      In allen Lebenslagen sind die sechs Freunde füreinander da. Und ohne daß man es recht bemerkt, werden sie dabei erwachsen. Das zeigt sich nicht nur daran, daß sie plötzlich über Heirat oder Kinder nachdenken (...).
      So war der 11. September 2001 bizarrerweise auch der Tag, der die Serie beliebter machte als je zuvor. »Friends« verkörperte plötzlich alle Tugenden, auf die die Menschen sich nach den Attentaten beriefen."

                Uncool  bezeichnet im Kontext der Neuen Ernsthaftigkeit das, was cool in der Spaßgesellschaft bedeutete, als man noch nicht von Spaßgesellschaft sprach.
 
   
  • HALTER, Martin (2003): Generation Porsche.
    Arme reiche Kinder: Georg M. Oswald badet im Starnberger See,
    in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.
    • Inhalt:
      "Die Väter haben Erfolg im Beruf, Geliebte und weitläufige Anwesen, die Kinder nichts, was ihr Lotterleben in bester Lage rechtfertigen könnte. (...).
      Marcel (...) ist ein Loser, eben wieder mal sitzengeblieben, linkisch und schüchtern, und wird nur gnadenhalber in die Millionärsclique aufgenommen. (...).
      »Im Himmel« ist »Crazy« für Erwachsene, »Faserland« für Fortgeschrittene", meint HALTER.
 
   
  • WORATSCHKA, Rainer (2003): Form vor Inhalt.
    Wie Richter die Klage von Vätern gegen Rentenbeiträge prüfen,
    in: Tagesspiegel v. 23.09.
    • Inhalt:
      Jürgen BORCHERT und seine Schützlinge müssen offenbar eine Niederlage einstecken:

                "Nach all den Jahren vertreten die Richter plötzlich die Auffassung, dass sich das Trio mit seiner Klage womöglich den falschen Gegner ausgesucht hat: Statt die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) hätten sie eher ihre jeweilige Krankenkasse verklagen müssen, weil die doch ihre Rentenbeiträge eingezogen habe."
 
   
  • SPIEGEL-Titelgeschichte: Wer arbeitet, ist der Dumme

    • SAUGA, Michael/ANWAR, André/BERG, Jan/TIETZ, Janko (2003): Lastesel der Nation.
      Der Staat drückt die Kosten seiner überforderten Wohlfahrtssysteme einseitig den Beschäftigten auf. Längst hat sich die Belastung des Faktors Arbeit durch Steuern und Abgaben zum Konjunkturkiller entwickelt: Es lohnt sich immer weniger, zu arbeiten - und zu investieren,
      in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.
      • Kommentar:
        Wer glaubt, der SPIEGEL hätte nun sein Herz für die Arbeitnehmergesellschaft entdeckt, der täuscht sich:

                  "Was scheinbar nur die Arbeitnehmer traf, hatte in Wahrheit verheerende Folgen für die gesamte Wirtschaft."
                  Es geht wieder einmal um Lohnnebenkosten und vor allem um die Durchsetzung des Niedriglohnsektors.
        Im Mittelpunkt stehen beim SPIEGEL die haushaltsnahen Dienstleistungen. Die Neobourgeois sollen endlich den Lebensstil führen können, der dem Adel früher zukam: Dienstboten für alle Tätigkeiten, die einem Angehörigen der Elite nicht zumutbar sind. Dafür müssen die Zumutbarkeitskriterien für die Nicht-Eliten geändert werden.

                  Weitere Themen sind die Abschaffung des Ehegattensplittings (Der Begriff muss nicht einmal genannt werden!) und Kritik an der hohen Besteuerung der Yuppies, die fälschlicherweise unter der Rubrik "Single" abgehandelt werden. Auch als Ledige kommen sie in den Blick:
                  "Wer zum Beispiel 50 000 Euro mit Aktienspekulationen and er Börse verdient, schneidet besonders gut ab. (...) Wer als Lediger dagegen 50 000 Euro mit ehrlicher Arbeit verdient, kann von solchen Tarifen nur träumen."
    • SPIEGEL (2003): "Riesiges Potenzial".
      Der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, 73, über steuerliche Förderung von Haushaltsjobs,
      in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.
      • Inhalt:
        BIEDENKOPF, auf einem Foto hemdsärmelig im Vordergrund stehend. Im blauen Outfit vor roten Wänden.

                  SPIEGEL: Von dem Modell würden vor allem Besserverdiener profitieren, weil nur die sich eine Haushaltshilfe leisten können. Ist das gerecht?
        BIEDENKOPF: Das Konzept käme vor allem den Arbeitslosen zugute, und das ist das Wichtigste. Wir verbauen uns in diesem Land den Weg zu vernünftigen Lösungen immer wieder durch einen geradezu paranoiden Neidkomplex. wie ist denn die Realität? Dieselben, die den Vorschlag als Dienstmädchenprivileg verteufeln, drehen sich um und fragen: Kennen Sie eine Putzfrau, die bereit ist, für sechs Euro schwarzzuarbeiten?"
 
   
  • MOHR, Reinhard (2003): Langer Lauf zur neuen Liebe.
    Joschka Fischer ist nicht nur der beliebteste, sondern auch der scheidungsfreudigste Politiker Deutschlands - zeugt das von Verlotterung oder radikaler Romantik?
    in: Spiegel Nr.39 v. 22.09.
    • Kommentar:
      Ex-Pflasterstrand-Autor und Frankfurter Kumpane
      Reinhard Mohr schreibt eine Hymne auf Joschka und die sexuelle Monogamie:
                "von Chaos kann zumindest bei Fischer keine Rede sein. Bevor er eine neue Liebesbeziehung ernsthaft in Angriff nimmt, wird die alte erst einmal aufgeräumt. Die Wissenschaft nennt das »sequenzielle Monogamie«: eins nach dem anderen. Da ist er (Donau-)Schwabe, passionierter Nestbauer - und guter Katholik. Vor allem aber ist Fischer ein Romantiker, er es immer wieder versucht mit Glück und großen Gefühlen."
                MOHRs Generationsgenosse Jürgen ELSÄSSER  sah das am 19.09. in der jungen Welt  ganz anders und nimmt dabei auch gleich noch die Generation Golf aufs Korn:
                "Vier Ehen hat er bis dato hinter sich gebracht, und immer erfolgte der Partnerwechsel im Zuge einer vollständigen politischen und charakterlichen, teilweise sogar körperlichen Mutation: Der muskulöse Sponti der siebziger, der verfettende Grüne der achtziger, der heruntergehungerte Minister der späten neunziger Jahre hatte jeweils die passende Lebensabschnittsgefährtin und verkörperte den jeweiligen Zeitgeist".
      (...)
      Diese Prinzipienlosigkeit in Theorie und Praxis, diese »neue Unübersichtlichkeit« im Denken, dieses Patchwork aus Anarchismus und Neoliberalismus ist das Kennzeichen der Postmoderne. Sie prägt nicht nur die Politiker, sondern große Teile der Gesellschaft. Was waren das für schöne Zeiten, als es noch links und rechts gab (...). Tempi passati: Florian Illies’ »Generation Golf« will nicht zurück in die ideologischen Schützengräben der Siebziger. Sie lebt ganz im Hier und Jetzt, das heißt im Kapitalismus, sie will alles, und zwar sofort: Piercing und Ehering, 70-Stunden-Woche und Party-ohne-Ende, Fucking for Virginity und Fighting for Peace. Für diese ganze lügenhafte Melange steht Joseph Fischer wie kein Zweiter, und deshalb ist er der beliebteste Politiker dieses Landes."
 
     
   
  • SCHAAF, Julia (2003): Fremder Mann, sieh mich an.
    Lettland und die EU: Junge Frauen in Riga wählen am liebsten einen Mann aus dem Westen,
    in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 21.09.
 
     
   
  • STANDARD-Dossier: Das Ende der Familie?

    • KASER, Karl (2003): Das Ende der Familie?
      Der Funktionswandel des Zusammenlebens in den westlichen Gesellschaften schreitet rapid voran - daran vermag auch herkömmliche Familienpolitik nichts zu ändern. Insbesondere wenn Migration neue Tatsachen schafft,
      in: Der Standard v. 20.09.
      • Inhalt:
        Karl KASER, Professor für Südosteuropäische Geschichte, kommt nach einem historischen Vergleich und einem internationalen Vergleich zwischen Europa und den Balkanstaaten zum Ergebnis:

                  "Der Vergleich lässt folgende Schlussfolgerungen zu: Familie bedarf funktioneller Begründungen. Herkömmliche Familienpolitik vermeint, sie in der Berufung auf traditionelle Familienwerte bei gleichzeitiger Rückbildung des Sozialstaats finden zu können. Eine moderne Familienpolitik wird auf den Ausbau des Sozialstaats pochen, der einen Rahmen für neue Familien- und Zusammenlebensformen bildet - Lebensabschnittspartnerschaften, RentnerInnenkonkubinate, soziale und biologische Elternschaften - und vor allem Frauen bessere Entfaltungsmöglichkeiten als bisher bietet.
        Eine solche Familienpolitik ist aber auch Zuwanderungspolitik."
    • LINSINGER, Eva & Martina SALOMON (2003): Mehrfachjob ohne Netz.
      Die Politik bemächtigt sich der Reproduktionsbedingungen - ob sie über Familien- oder Frauenangelegenheiten spricht, ob man das Kind beim Namen nennt oder es gar nicht will,
      in: Der Standard v. 20.09.
      • Inhalt:
        Die Autoren beleuchten die familienpolitische Debatte im Hinblick auf die Kontroverse zwischen (schwarzer) Familien- gegen (rote) Frauenpolitik. U.a. werden die Positionen von Helmuth SCHATTOVITS und Bernd MARIN referiert.
    • MON (2003): Nutzerfreundliche Öffnungszeiten.
      Arbeit und Leben unter einen Hut bringen: zwei Modelle,
      in: Der Standard v. 20.09.
    • OEDEHNAL, Bernhard (2003): Das Kind als Luxusgut.
      In Zürich leben die Menschen am liebsten alleine. Wer Familie gründen will, steht vor fast unüberwindbaren Hürden,
      in: Der Standard v. 20.09.
      • Inhalt:
        OEDEHNAL wirft einen Blick über die Grenze auf das kinderfeindliche Zürich:

                  "Zürich ist die Singlehauptstadt der Schweiz. In fast jedem zweiten Haushalt lebt nach der Volkszählung aus dem Jahr 2000 nur eine Person. Gegenüber der Volkszählung 1990 gibt es um über 12 Prozent mehr Haushalte mit Paaren ohne Kinder. Zürcher Frauen wollten eben keinen Nachwuchs mehr, weil »,die Vereinbarkeit von Beruf und Familie schwierig ist«, sagt der Ethnologe Frank Beat Keller"
 
   
  • TAGESSPIEGEL-Tagesthema: Familie

    • MONATH, Hans (2003): Nicht mehr für den Sparstrumpf.
      Verfassungsgerichtspräsident Papier hat die Politik gerügt. Weil Karlsruhe schon lange familienfreundlichere Sozialsysteme verlangt, aber zu wenig passiert. Die Koalition will den Familien nicht mehr Geld geben, sondern mehr für die Kinderbetreuung tun,
      in: Tagesspiegel v. 20.09.
    • MONATH, Hans (2003): "Der Schwerpunkt muss beim Ausbau der Kinderbetreuung liegen."
      Die Mittel sind äußerst knapp, sagt Renate Schmidt und will da ansetzen, wo die Defizite am größrten sind,
      in: Tagesspiegel v. 20.09.
    • LHA (2003): Heiraten ja, Kinder nein.
      Daten aus der Statistik,
      in: Tagesspiegel v. 20.09.
    • BRUNS, Tissy (2003): Wie geht es uns?
      Deutschland ist eine schwerfällige Gesellschaft geworden - auch weil die Kinder fehlen,
      in: Tagesspiegel v. 20.09.
      • Kommentar:
        "Entgegen der Lebenswirklichkeit der meisten Kinder nimmt Deutschland sich als kinderfeindliches Land wahr. Die Selbstbezichtigung ist sympathisch, weil sich in ihr die Sehnsucht nach Kindern ausdrückt", muss BRUNS zugeben. Kinderfeindlichkeit also passé, dafür prägt BRUNS den Begriff "kinderferne Gesellschaft", um damit den Geburtenrückgang zu thematisieren.
 
   
  • HERRMANN, Ulrike (2003): Die Erschöpfung der Eliten.
    Die Leistungsträger sind gestresst. Sie arbeiten zu viel. Die Ratgeberliteratur boomt - die Ratlosigkeit auch. Zeit, sich an einen alten Spruch zu erinnern: Das Private ist politisch,
    in: TAZ v. 20.09.
    • Inhalt:
      Ulrike HERRMANN berichtet über die Leistungselite:

                "Sie haben viel, aber eben auch schon das Mögliche erreicht. Sie sind die zweite Etage der viel zitierten »Leistungselite«. Und man hat den Eindruck: Diese Elite ist frustriert, vor allem aber ist sie sehr, sehr erschöpft.
      Diese Erschöpfung wird kaum je offen thematisiert. Sie bleibt ein peinliches Geständnis unter Freunden. Erschöpfung wird in Europa nur einer Gruppe von Erwachsenen zugestanden: den berufstätigen Müttern. Aus der Darstellung ihrer Erschöpfung lassen sich sogar amüsante Bestseller machen. So hat die
      englische Journalisten
      Allison Pearson die Rechte an ihrem Erstling bereits in 27 Länder und an Hollywood verkauft. Romanheldin Kate Reddy ist eine Fondsmanagerin in der Londoner City, die zwei kleine Kinder hat und manchmal so müde ist, »dass sie sich wünscht, ein Bodydouble könne für sie unter die Dusche gehen« (Die Zeit vom 11. 9.).
      Es ist jedoch Fiktion anzunehmen, dass Fondsmanager nur erschöpft sind, wenn sie zusätzlich Mütter sind und nicht gelassen übersehen können, dass zu Hause kein Klopapier mehr vorhanden ist. Die Erschöpfung grassiert auch ohne Kinder. Aber das ist dann nicht mehr chic und amüsant, sondern nur noch ein Mitleid erregender Fall für die Medizin - und für statistische Erhebungen.
      "
 
   
  • OTTO, Annett (2003): Warum Frauen länger leben - noch.
    Eine aufschlussreiche Studie über die Lebenserwartung von Nonnen und Mönchen,
    in: Berliner Zeitung v. 20.09.
    • Inhalt:
      Annett OTTO bringt die Studie des Demografen Mark LUY auf einen knappen Nenner: "Gleichberechtigung ist offenbar lebensgefährlich".
 
   
  • POLITYCKI, Matthias (2003): "Jungs, es wird ein heißer Tag heute".
    Suche nach einem deutschen Gegenwartsgedicht, auf das man stolz sein kann,
    in: Frankfurter Rundschau v. 20.09.
 
   
  • JANDL, Paul (2003): Party, Party.
    Auch Österreich hat eine Werte-Debatte,
    in: Neue Zürcher Zeitung v. 20.09.
    • Inhalt:
      Die Schweizer Zeitung befasst sich mit der österreichischen Wertedebatte:

                "Seit 1971 werden im Land weniger Kinder geboren, als nötig wären, um die Bevölkerungszahl aus eigener Kraft zu erhalten. Statistisch und im Durchschnitt gesehen, bekommen österreichische Frauen 1,31 Kinder. 2,08 sollten es sein.
      Um diese Differenz ist ein Kampf entbrannt, der neben den pensionsökonomischen Zwecken nun eben auch Distinktionsgewinne für Vorurteile und Meinungen aller Art bringt. Mehr «Lebensbejahung» und «Herzlichkeit» fordern die politischen Befürworter des Familienwachstums. Ein «reaktionäres Gesellschaftsbild», das die Pensionsdebatte dazu nützen will, die Frauen wieder an den Herd zu schicken und zum Kinderkriegen zu verdammen, ortet - wenig überraschend - die Opposition aus Sozialdemokraten und Grünen. Der Philosoph Peter Kampits warnt unterdessen vor der Vermischung von Ökonomie und Metaphysik. Der Spagat «zwischen neoliberalistischer Marktwirtschaft und christlicher Soziallehre unter Berufung auf naturrechtliche Dogmen» werde nicht gelingen."
 
     
   
  • Der lesenswerte Artikel:
    HARTMANN, Michael (2003): Macht muß gelernt sein.
    Die Rekrutierung der deutschen Wirtschaftselite ist keine Frage der Leistung, die bringt man mit,
    in: junge Welt v. 19.09.
    • Kommentar:
      Viel ist zur Zeit vom PISA-Schock zu lesen, wenig dagegen von den weiterführenden Schulen.

                "Voll krasse Bildung" heißt ein Artikel von Martin KRAUSS in der Jungle World. Dort wird auf das Problem der Migrantenkids hingewiesen:
                "Was fürs linke und linksliberale Milieu gern gesehener Anlass ist, über Kanaksprak aus »krass«, »voll konkret« und »ey, Alter« zu lachen, zeigt doch, dass auch hier die Vielfältigkeit dieser Gesellschaft nicht zur Kenntnis genommen wird. Ohne Übertreibung: Die beinah einzige Chance zum sozialen Aufstieg für Millionen Migrantenkids besteht darin, bei RTL als Superstar entdeckt zu werden oder einen Vertrag als Profiboxer zu erhalten."
                Schulbildung ist jedoch nur eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für den sozialen Aufstieg.
                Das ist das Thema des Soziologen Michael HARTMANN. Nicht Leistung zählt in der geschlossenen Gesellschaft, sondern die Herkunft bestimmt in erster Linie die Zugehörigkeit zur Wirtschaftselite.
                HARTMANN kritisiert aus dieser Perspektive auch die Gerechtigkeitsvorstellungen des SPD-Generalsekretär Olaf SCHOLZ. 
 
   
  • RATING, Arnulf (2003): Gemeinsam sind wir umwerfend.
    Die Szene lebt: Von der Westberliner Alternativbewegung der siebziger und achtziger Jahre ist mehr geblieben, als man denkt,
    in: Welt v. 19.09.
    • Kommentar:
      Arnulf RATING, Mitglied der berüchtigten "3 Tornados" u.a. über das gestörte Verhältnis der Alternativbewegung zur Arbeiterklasse:

                "Nachdem die Arbeiterklasse Anfang der Siebziger unseren Aufrufen nicht gefolgt war und die Revolution deswegen erst mal verschoben werden musste, betraten wir einen selbst gemachten - quasi dritten Weg zwischen Pest- und Rostzone.
      (...)
      Manches löste sich in Rausch auf. (...). Manche zogen in die Parlamente und wirkten auf die da ansässigen Räuber zunächst noch schockierend. Heute bestrafen sie die Arbeiter, die uns nicht gefolgt sind, mit der Kürzung von Sozialleistung und Sterbegeld. Ätsch!"
 
     
   
  • ZITTY-Titelgeschichte: Das war die Alternative.
    Wie das Jahr 1978 Berlin bis heute prägt

    • KRASCHINSKI, Antje & Hans-Hermann KOTTE (2003): Das war die Alternative.
      Wie uns das Jahr 1978 bis heute prägt,
      in: Zitty Nr.20 v. 18.09.
    • KAISER, Jost (2003): Im Reich der Sinne.
      Von den 78ern blieb auch die Genuss-Ideologie,
      in: Zitty Nr.20 v. 18.09.
      • Kommentar:
        Jost KAISER befasst sich mit der BoBo-Philosophie in einem kurzen Artikel, ausführlicher hat dies Reinhard MOHR in "
        Generation Z" getan.
    • DÜFEL, Stephan (2003): Das war 1978.
      Eine Zeitreise in Stichworten,
      in: Zitty Nr.20 v. 18.09.
 
     
   
  • SCHMIDT, Thomas E. (2003): Das kleine, runde Loch im Himmel.
    Iris Hanika zeigt den Weg aus der Misere der Forty-Somethings,
    in: Die ZEIT Nr.39 v. 18.09.
    • Kommentar:
      "Dies ist ein Buch, aus dem die geburtenstarken Jahrgänge, die Post-68er also, etwas über sich lernen können, auch wenn sie der Ansicht sind, es sei schon alles gesagt, weil es so wenig über sie zu sagen gibt. Die Autorin ist Jahrgang 1962. Sie findet ihre Generationsgenossen »langweilig«", predigt - sich selbst ausnehmend - ihr Generationsgenosse Thomas E. SCHMIDT.
 
   
  • NEUBAUER, Hans-Joachim (2003): Inflation des "Wir".
    Aufstand. Was falsch ist am lästigen Gerede von den Generationen,
    in: Rheinischer Merkur v. 18.09.
    • Inhalt:
      Hans-Joachim NEUBAUER, Jahrgang 1960, hält nichts vom Generationsgerede, dafür umso mehr von persönlichen Beziehungen:

                "Ich kann nicht von einem Wir reden, das mehr umfasst als meine Freunde oder meine Familie. Und von allen Strategien der Selbstfindung halte »ich persönlich«, wie man so sagt, die für die schlechtesten, die das Ich einem Kollektiv unterordnen. Vor allem, wenn dieses Kollektiv jene Nestwärme simuliert, die früher von Autoritäten gespendet wurde. An denen, die mir nahe sind, interessiert mich am meisten das, was sie von mir unterscheidet."
 
   
  • FILSER, Hubert & Hilmar KLUTE (2003): Im Sinkflug.
    Georg M. Oswald über Moral, Ludwig II. und Langeweile,
    in: Süddeutsche Zeitung v. 18.09.
    • Inhalt:
      Georg M. OSWALD u.a. über die Zukunft der Generation @:

                "In zehn, zwanzig Jahren wird es vornehmlich alte Leute geben. Die Jungen haben nicht mehr die gleiche Aussicht auf wirtschaftliche Prosperität wie die Nachkriegsgeneration. Gleichzeitig können sie bewährte Lebenspläne nicht mehr übernehmen. Das hat sich innerhalb weniger Jahre geändert. Wer versagt, versagt nicht aufgrund persönlicher Schlaffheit. Die Schlaffheit ist geprägt vom tiefen Empfinden, dass sich die Anstrengung nicht lohnt. Das dämmert in der Gesellschaft langsam herauf. Die Gesellschaft befindet sich in einem langsamen Sinkflug, der viel schwieriger wahrzunehmen ist als eine Katastrophe, die von heute auf morgen den Untergang beschert. Für dieses Sinkfluggefühl haben die Jüngeren ein waches Sensorium."
 
   
  • UTHMANN, Jörg von (2003): Der Herbst der Bücher.
    Versoffene Eltern, verprügelte Kinder, magersüchtige Frauen: Was Frankreich liest,
    in: Welt v. 18.09.
    • Inhalt:
      Jörg von UTHMANN stellt die Neuerscheinungen des Bücherherbstes in Frankreich vor.

                U.a. den neuesten Roman von Frédéric Beigbeder, der mit "Windows on the World" bereits auf Platz zwei der Bestsellerliste in Frankreich steht, und Pierre MÉROTs "Mammifères".
                MÉROT wird vom Pariser Nouvel Observateur mit Michel HOUELLEBECQ verglichen:
                "Aux éditions Ubu, dont le fonctionnement singulier est démonté avec une cruauté hilarante, l'oncle rencontre un certain Bruno Michel, jumeau de fiction de Michel Houellebecq. Il n'en fallait pas plus pour qu'on annonce ici et là en Mérot un nouveau Houellebecq, manière comme une autre d'annuler sa singularité. Or sa critique sociale, si elle n'est pas moins féroce que celle de Houellebecq, joue moins sur l'ambiguïté et beaucoup plus sur le comique"
 
   
  • BOLZ, Norbert (2003): Hölle Humor.
    Adornos Sätze (Schluss),
    in: Frankfurter Rundschau v. 17.09.
    • Inhalt:
      Norbert BOLZ  vermisst bei
      ADORNO eine Theorie der guten Unterhaltung. "Fun ist ein Stahlbad" ist seiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß im Zeitalter des Konsumismus:
                "Dem einen Grundelement der Kultur, nämlich der Kunst, gönnt Adornos Werk bekanntlich eine virtuose Dialektik in der modernen Gesellschaft. Das zweite Grundelement der Kultur dagegen, die Zerstreuung, bleibt in seiner ästhetischen Theorie eigentümlich unterbelichtet und entwicklungslos. Hier war sein Freund und Leidensgenosse Walter Benjamin dialektischer, mutiger und moderner.
      Dass Theodor Wiesengrund Adorno heute veraltet wirkt, könnte eben darin seinen Grund haben: Er versteht keinen Spaß - oder genauer: er versteht sich nicht auf Spaß. Nichts könnte heute aber dringlicher sein als eine Theorie der guten Unterhaltung. Und eine Leitfrage könnte lauten: Gibt es nicht doch ein intelligentes Lachen?"
 
   
  • WORATSCHKA, Rainer (2003): "Kinderlose werden zahlen müssen",
    in: Tagesspiegel v. 17.09.
    • Kommentar:
      Familienvater Siegfried STRESING wird von Jürgen BORCHERT bei seiner Klage vertreten. Er darf deshalb Sätze sagen, die man auch von BORCHERT zu Genüge kennt:

                "Ich will, dass deutlich wird, was das Verfassungsgericht schon im Pflegeurteil entschieden hat: Dass in unserem System zwei Säulen gleichberechtigt nebeneinander stehen, die zum Ausgleich gebracht werden müssen: die Beiträge und die Erziehung von Kindern."
 
   
  • ZYLKA, Regina (2003): "Der Sozial-Soli muss her".
    Familienrichter Jürgen Borchert über die Rentenlast für Eltern und Taschenspielertricks der Politik,
    in: Berliner Zeitung v. 16.09.
    • Kommentar:
      "Die Leistungsträger des Jahres 2030 werden 60 bis 70 Prozent der Sozialausgaben für die Singles in der Generation ihrer Eltern aufbringen müssen. Ein immer größerer Teil des Kuchens wird an die Kinderlosen in dieser Gesellschaft verteilt. Und dass für diese demografische Entwicklung nun ausgerechnet die Eltern mitverantwortlich gemacht werden sollen, ist ungeheuerlich", meint Jürgen Borchert.
      Das könnte leicht missverstanden werden,
      denn Leistungsträger sind in Vokabular nur Eltern, die in Haushaltsgemeinschaft mit ihren Kindern leben. Gleichzeitig sind alle anderen kinderlos - ob nun ihre Kinder im eigenen Haus als Nesthocker leben oder anderswo.
      Noch komplizierter wird es mit der Kinderlosigkeit,
      wenn ein(e) Alleinerziehende(r) mit dem Partner unverheiratet zwar zusammenwohnt, aber - dem Staat gegenüber - getrennt haushaltet (Das ist tatsächlich möglich und wird gar nicht so selten praktiziert!). Der Partner ist dann kinderlos im Sinne von BORCHERT, egal ob er biologischer und kultureller "Elter" ist etc. pp.
      Und warum dieser ganze Zirkus? Weil es in unserem Land einige politisch verfeindete Gruppen gibt. Identitätspolitischer Bürgerkrieg mit ganz besonderen Waffen!
 
   

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Zu den News vom 06. - 15. September  2003

 
       
   
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