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News vom
11. - 15. September
2004
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Zitat
des Monats:
"Typ I
Beziehungsfern (...) zeigt Befragte, die lange Phasen
ihres Erwachsenenlebens (bis zum Alter von 45) als Single gelebt
haben, für die das Single-Dasein also eine Art Lebensstil
darstellt und mehr ist, als eine bloße Übergangsphase. Der
Anteil dieser dauerhaft Beziehungsfernen ist nun über die
Generationen nicht angestiegen, er liegt einigermaßen konstant
bei einem Zehntel. Die (...) Zunahme von Singles (...) ist (...)
also tatsächlich nicht als Durchsetzung eines eigenen,
beziehungsfernen Lebensstils zu werten, sondern als Ergebnis der
großen Beziehungsfluktuation."
(Arne
Dekker & Silja Matthiesen in der Zeitschrift für
Familienforschung, H.1/2004, S.50) |
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FUHR, Eckhard (2004): Eine böse Moritat in Prosa.
Mehr als eine Abrechnung mit den Achtundsechzigern: Sophie
Dannenbergs "Das bleiche Herz der Revolution"
in: Welt v. 15.09.
- Kommentar:
FUHR hat sich Zeit gelassen mit der Rezension
des Buchs
"Das bleiche Herz der Revolution"
von Sophie DANNENBERG, um uns nun die Reaktionen der schnelleren
Rezensenten zu erklären und ihre Beiträge in seinem Sinne
umzudeuten.
"Wer auf die Suche geht, wird zu
Ascheklumpen verbrannte Professoren und sexuelle
Grundwiderspruchs-Kalauer, er wird das ganze grelle, überzeichnete,
comicartig reduzierte Dannenberg-Personal im Ozean der
subkulturellen Achtundsechziger-Überlieferung und ihres Fortwirkens
finden, von den »Drei Tornados« seligen Angedenkens bis zur
»Titanic«. Die »linke Öffentlichkeit« selbst hat die Stereotypen
hervorgebracht, mit denen Sophie Dannenberg spielt", belehrt uns
FUHR.
Wir fragen uns jedoch, wen das
interessiert? Offenbar nur Ewiggestrige auf beiden Seiten der
68er-Front...
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COSMO, Claudia (2004): Ohne Traumprinz.
Katja Kullmann: "Fortschreitende Herzschmerzen bei milden 18 Grad",
in: Büchermarkt. Sendung vom DeutschlandRadio v. 14.09.
- Kommentar:
Hatte die
"Generation Ally"-KULLMANN
verachtend auf Ramona, die Unterschichtfrau, herabgeblickt, so wird
in dem
literarischen Debüt von Katja KULLMANN
die "Generation Golf" aus der Perspektive der Unterschichtfrau
Simone beschrieben.
Simone möchte gerne
dazugehören und mitspielen beim Distinktionsspiel der Mittelklasse.
Verliebt in einen - na ja
- Feuilletonisten, entwickelt sich die Frauenzeitschriften-Leserin
in eine versierte Feuilleton-Leserin und Kennerin. Ihr Angebeteter -
offenbar vom
Typus Matthias HEINE - lässt sie
jedoch seine Verachtung spüren.
KULLMANN merkt dazu an:
"Eine Sache, die mich gekitzelt
hat und die ganz in der Ursprungsinspiration dieser Geschichte
liegt, ist, dass mir aufgefallen ist, dass die Feuilletons, diese
Anzug tragenden, flotten, mehrsprachig aufgewachsenen Männer, die
heute die Seiten voll schreiben, immer wieder- ich habe die Artikel
dazu gesammelt!- sich in ihren Berlin-Texten mokieren über die
schwäbisch sprechenden Verkäuferinnen, die die Frechheit hatten,
nach Berlin zu ziehen und den Hauptstadtruf zu versauen. Die gibt es
ja real, die werden dann immer »gedissed«. Da formiert sich die
bürgerliche Klasse neu. In meinem Buch sagt ja Simone auch mehrfach:
Die Unterschiede kehren zurück. Das ist genau das, was wir haben:
Unterschicht und Mittelschicht unterscheiden sich neu."
Dies könnte spannend sein und
die Rezensentin findet den Roman auch für Männer interessant.
KULLMANN macht aber nichts
daraus, denn sie schreibt nicht aus der "Klassen"-Perspektive,
sondern aus der Sicht des Gleichheitsfeminismus.
Es ist jedoch fraglich, ob die
Substitution der individualistischen Distinktionsstrategie
durch feministische Strategien der richtige Weg ist, um die
Rückkehr der neuen Klassengesellschaft
zu verhindern oder zumindest abzufedern.
KULLMANN setzt dagegen auf
einen Eliten-Feminismus. Ramona oder Simone kommen darin nicht
wirklich vor.
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- ROLOFF, Juliane (2004): Die Wahrheit in der
Bohnenstange.
Der Vier-Generationen-Kleinfamilie wird die Zukunft gehören: Über
die Neuordnung unseres Privatlebens,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 14.09.
- Kommentar:
Die Mitarbeiterin des Bundesinstituts für
Bevölkerungsforschung
Juliane ROLOFF referiert
Erkenntnisse zur
multilokalen Mehrgenerationen-Familie.
Dies muss als Fortschritt
betrachtet werden, denn ROLOFF gibt damit die übliche
haushaltsbezogene Sichtweise auf und macht sich eine
haushaltsübergreifende Perspektive zu eigen.
Für Single-dasein.de ist ein
solcher Ansatz Grundvoraussetzung, um das Single-Dasein angemessen
betrachten zu können. In einer solchen Perspektive sind Singles dann
Teil der Familie.
ROLOFF greift bei ihren
Ausführungen das Konzept der "Nähe auf Distanz" von
Leopold ROSENMAYR und den Begriff
der "Bohnenstangenfamilie" von
Sarah HARPER
auf.
Nichtsdestotrotz betreibt
ROLOFF die gängige demografische Demagogie:
"Die Kinderlosigkeit steigt von
Frauenjahrgang zu Frauenjahrgang stetig an. Hier nur ein Beispiel:
Lag der Anteil der Kinderlosen an den west- und ostdeutschen
Frauenjahrgängen 1932 unter zehn Prozent, werden jetzt, nach
Berechnungen des Bundesinstitutes für Bevölkerungsforschung von den
1966 in Westdeutschland geborenen Frauen fast dreißig Prozent und
von den 1966 in Ostdeutschland geborenen Frauen fast zwanzig Prozent
keine Kinder haben. Die Folge: Innerfamiliäre
Generationenbeziehungen werden ausdünnen, das heißt Beziehungen
zwischen nichtverwandten alten und jungen Menschen, werden an
Bedeutung gewinnen müssen."
Offenbar funktioniert die
Kommunikation im Hause des Instituts nicht, denn in den neuesten
Mitteilungen hat
Jürgen DORBRITZ das Ende des
Geburtenrückgangs ausgerufen und
Gert HULLEN hat eine weitaus
geringere Kinderlosigkeit für die in den 60er Jahren geborenen
Frauen errechnet.
Von daher sind die von ROLOFF
ausgerufenen Trends zur Ein-Kind-Familie, zur Bohnenstangenfamilie
und zur höheren Kinderlosigkeit keineswegs hieb- und stichfest,
sondern die Zukunft ist offener als es uns die Demografie aufgrund
politischer Vorgaben weismachen
möchte.
Am Ende formuliert ROLOFF im
Einklang mit SCHIRRMACHERs
"Methusalem-Komplott":
"Es gilt, die Jüngeren, die
nachfolgenden Generationen zu einer positiven Einstellung zum Alter,
zum Altern zu erziehen."
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- Der singlefeindliche
Artikel:
SCHREIBER, Wilfried (2004):
Altersrente und Kindergeld sind eine Einheit.
Wilfried Schreiber, Vordenker einer gerechten Familienpolitik,
verfasste 1955 die Denkschrift: Existenzsicherheit in der
industriellen Gesellschaft,
in: Frankfurter Rundschau v. 14.09.
- Kommentar:
Die FR druckt Auszüge aus dem 1955
veröffentlichen Pamphlet "Existenzsicherung in der industriellen
Gesellschaft".
Es handelt sich hier um
das Manifest des Bundes der katholischen Unternehmer (BKU), dessen
Mitbegründer
Wilfried SCHREIBER war.
Single-dasein.de hat die singlefeindlichen Prinzipien des
katholischen Sozialstaats bereits ausführlich beschrieben.
In der Dokumentation wird
zum einen deutlich, dass sich die Unternehmer aus der solidarischen
Gesellschaft verabschieden, denn das Konzept von SCHREIBER ist eine
Solidarität innerhalb einer Klasse. Diese Entsolidarisierung wird
folgendermaßen begründet:
"Im Streben nach höherem
Lebensstandard, diesem neuen und durchaus nicht nur negativ zu
beurteilenden Lebensimpuls des Menschen der dynamischen Ära, ist
(...) der anhanglose Einzelne stets im Vorsprung vor dem
Familienvater, dessen Lohnsumme zwar gleich hoch ist, aber in so
viel mehr Teile geht.
Dieser Missstand trifft wesentlich den Arbeitnehmer, dessen
individueller Zeit- oder Leistungslohn weitgehend unelastisch ist
und sich durch persönliche Initiative mindestens in viel geringerem
Grade steigern lässt als etwa der Geschäftsgewinn des Selbständigen.
Der vorliegende Plan (...) empfiehlt den Arbeitnehmern, unter sich
einen Solidarvertrag zu schließen, der dem Arbeitnehmerkind einen
Vorgriff auf sein eigenes zukünftiges Einkommen gestattet."
Zum anderen diskriminiert
SCHREIBER sowohl nach dem Familienstand als auch nach der
Kinderzahl. Letzteres wurde von Hans Werner SINN in seiner
Rente nach Kinderzahl aufgegriffen.
Ganz unverblümt spricht
SCHREIBER davon, dass Teenager-Schwangerschaften - natürlich
katholisch korrekt in Form der Frühehe - biologisch und sittlich
erwünscht sind.
Erklärtes Ziel dieser
völkischen Politik (die Rente soll dementsprechend aus einer
Rentenkasse des Deutschen Volkes bezahlt werden!) ist das
Bevölkerungswachstum.
Unter diesem
bevölkerungspolitischen Aspekt werden Kinderlose und Kinderarme als
Parasiten der Gesellschaft diffamiert:
"Es ist klar, und nicht
wegzudiskutieren, dass ein Elternpaar, das mehr als 2,4 gesunde
Kinder in die Welt setzt, der Gesellschaft einen Dienst leistet,
während der Kinderlose oder das Ehepaar mit weniger als 2,4 Kindern
der Gesellschaft einen Dienst schuldig bleibt. Denn 2,4 Kinder je
lebendem Menschenpaar (das heißt statistisch 1,2 Kinder je lebendem
Einzelmenschen) sind notwendig, um den Bestand der Gesellschaft zu
erhalten, das heißt eine stationäre Bevölkerungsstruktur zu sichern.
(...).
Wer kinderlos oder kinderarm ins Rentenalter geht und, mit dem
Pathos des Selbstgerechten, für gleiche Beitragsleistungen gleiche
Rente verlangt und erhält, zehrt im Grunde parasitär an der
Mehrleistung der Kinderreichen, die seine Minderleistung kompensiert
haben."
Sind dies erste Anzeichen
dafür, dass die Frankfurter Rundschau nun ihre linksliberale
Vergangenheit endgültig entsorgt?
Single-dasein.de hat die
derzeitige Entwicklung bereits im April als
Katholisierung der Berliner Republik
beschrieben. Damit einher geht eine neue Qualität der
Kinderlosenfeindlichkeit.
Wie lange lassen sich
Kinderlose dies gefallen?
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- BALTES, Paul B. (2004): Heiter scheitern.
Sisyphos als moderner Erfolgsmensch: In jeder Lebensphase wälzen
wir neue Steine – bis ins hohe Alter,
in: Tagesspiegel v. 14.09.
- Inhalt:
Der Entwicklungspsychologe und Alternsforscher
Paul B. BALTES sieht im
traditionellen Sisyphos-Mythos ein Hindernis für ein angemessenes
Altern:
"Früher schien es so etwas wie
den Zustand der Reife und Ruhe im Erwachsenenalter zu geben. Heute
regiert eher das Gefühl der chronischen Unfertigkeit. (...).
Unsere gesellschaftlichen Bilder des Lebensverlaufs sind ganz und
gar nicht hilfreich bei dieser Erkundung der lebenslangen
Entwicklung, wie es Sigrun-Heide Filipp und Anne-Kathrin Mayer in
»Bilder des Alters« (Kohlhammer, 1999) zeigen. Vor allem die
negativen Bilder und Vorstellungen vom Alter stehen einer aktiven
Gestaltung im Wege. Wie soll hieraus ein Subjekt entstehen, dass mit
der richtigen Mischung von Realitäts- und Möglichkeitssinn sein
Leben entfaltet?
Wir sind in Gefahr, ein gesellschaftliches Bild vom Lebenslauf zur
Norm werden zu lassen, das Versagen statt Verzauberung zur Leitfigur
erklärt. Die altgriechische Geschichte des Sisyphos würde zur
dominierenden Mentalität, vor allem der zweiten Lebenshälfte.
Permanente Frustration als antizipierte Lebensgeschichte? Sisyphos
als Symbol der psychosozialen Grundarchitektur des Lebens?"
Vor dem Hintergrund der
modernen Entwicklungspsychologie der Lebensspanne versucht sich
BALTES an einer Neudeutung des Sisyphos-Mythos.
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Focus-Titelgeschichte:
Der Beziehungscode.
Von Singles, glücklichen und unzufriedenen
Partnern.
Zwei Langzeitstudien entschlüsseln den Einfluss von Kindheit und
Jugend auf die Persönlichkeit |
- SACHSE, Katrin (2004): Der geheimnisvolle
Code.
Single, Fremdgänger oder zuverlässiger Partner: Jeder Mensch
entwickelt schon in der Kindheit einen Bindungsstil. Dieser prägt
auch spätere Partnerschaften,
in: Focus Nr.38 v. 13.09.
- Kommentar:
Die Bindungsforschung lag bereits in der
formierten Gesellschaft der 50er Jahre im Trend.
Dass dies nun wieder der Fall
ist, ist kein Zufall, sondern die Folge der gegenwärtigen
Gesellschaftspolitik, die ein "Zurück zur Familie" und lebenslange
Bindungen als "sozial"-staatstragend propagiert.
In der Bindungsforschung
erscheint das Single-Dasein wieder als abweichendes Verhalten und
nicht als notwendige Lebensphase, die Teil der
pragmatischen Partnerfindung ist,
oder als alternativer Lebensstil, der den eigenen Bedürfnissen
besser entspricht.
SACHSE stellt anlässlich des
Erscheinens des Buches
"Bindungen - das Gefüge psychischer
Sicherheit" die Ergebnisse der Bindungsforscher Karin &
Klaus E. GROSSMANN vor.
Im Gegensatz zur traditionellen
Bindungsforschung, die sich auf die Mutter-Kind-Beziehung
konzentrierte, wird hier auch die Vater-Kind-Beziehung
berücksichtigt.
SACHSE beschreibt im Artikel drei
Bindungsstile: den sicheren, den unsicher-vermeidenden ("Vermeider")
und den unsicher-verstrickten ("Klammerer") Bindungsstil.
Die schlichte Botschaft dieser
Forschungsrichtung:
Bindungsstile werden in der Familie
reproduziert, d.h. das Risiko eigener Trennungen und Scheidungen
ist für Trennungs-bzw. Scheidungskinder größer als für Kinder
bindungssicherer Eltern.
Ergo sind die Chancen auf eine
lebenslange Partnerschaft bei zwei bindungssicheren Partnern
größer als bei anderen Partnerkonstellationen (Bindungssicher -
Vermeider, Bindungssicher - Klammerer, Vermeider - Klammerer).
Nun kann man sich bekanntlich
seine Familie nicht aussuchen, d.h. ob man als Erwachsener
bindungssicher ist, ist in erster Linie Schicksal.
Aber auch hier hat SACHSE eine
scheinbar frohe Botschaft.
Für diese ist der Sozialpsychologe
Hans Werner BIERHOFF zuständig.
Der Psychologe ist der Ansicht, dass
Bindungsstile im Laufe der Lebensgeschichte verändert werden
können. Bindungssicherheit kann also gelernt werden.
Ein bindungssicherer Partner kann
einen Klammerer oder einen Vermeider "umerziehen". Das kann sich
dann zur Lebensaufgabe auswachsen - Enttäuschungen sind hier
vorprogrammiert. Der bindungssichere Partner muss darüber
hinwegsehen (viel "Frustrationstoleranz" ist hier notwendig!).
Apropos: Singles kommen
konsequenterweise nur im abstrakten Sinne vor. Dagegen stehen
außereheliche Affären (Pierre FRANCKH, der hat gleich einen
Ratgeber über sein Glück geschrieben; bekanntlich sind Bekehrte
die gnadenlosesten Missionare) und ehelich abgesegnete serielle
Monogamie (Joschka FISCHER wird als Klammerer vorgestellt) im
Vordergrund.
- SACHSE, Katrin (2004): "Das braucht sehr
viel Geduld".
Psychologe Hans Werner Bierhoff verrät, wie man Fremdgänger zur
Treue bekehren kann und wann ein Therapeut helfen muss,
in: Focus Nr.38 v. 13.09.
- Inhalt:
Hans Werner BIERHOFF erklärt
zuerst einmal, dass das Verdikt von der Beziehungsunfähigkeit im
Alltag allzu häufig fällt, während die Psychologie diese für
Persönlichkeitsgestörte reserviert.
Ursachen dafür sind schwere
Traumata, wie z.B. sexueller Missbrauch.
Ein unsicherer Bindungsstil ist
für BIERHOFF keine Krankheit und damit kein Fall für den
Psychiater oder Psychoanalytiker, sondern dafür genügt oftmals
eine einfache Partnerschaftsberatung.
Gemäß BIERHOFF ist der
Bindungsstil gelernt und kann damit auch wieder verlernt werden:
"Der in der Kindheit erworbene
Bindungsstil gilt zwar als relativ stabil, aber er beherrscht
nicht das ganze Leben. So wie ein unsicher gebundener Mensch in
einer verlässlichen Partnerschaft Sicherheit erlernen kann,
funktioniert es auch umgekehrt. Ein eigentlich sicher Gebundener,
der mehrmals an einen untreuen Partner gerät und immer wieder
betrogen wir, stellt sich auf ein neues Muster ein: In der
nächsten Partnerschaft wird er entweder klammern (...) oder er
vermeidet künftig feste Beziehungen."
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- SIEMONS, Mark (2004): Ende der
Vogelperspektive.
Im ökonomisierten Leben geht es um Interessen statt Ideen,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 13.09.
- Inhalt:
Mark SIEMONS verabschiedet die "Blüten des Überbaus", d.h. die so
genannte Postmoderne:
"Mit einem Male sieht sich die Mittelschicht um jene
Polsterungsgarantie gebracht, die ihnen das abgeklärte Räsonieren im
gesamtstaatlichen Interesse bisher ermöglicht hatte", stellt SIEMONS
fest.
Grundlage der Postmoderne ist für den Autor die
Angestelltenkultur der "nivellierten Mittelstandsgesellschaft"
(SCHELSKY), die im Osten jedoch nie richtig angekommen ist, weshalb
der Osten die Avantgarde des Hartz-Protestes ist:
"Bisher konnten sich auch Arbeitslose in gewisser Weise als
Angestellte der großen Firma Bundesrepublik vorkommen (...); heute
müssen sich auch Angestellte als potentielle Arbeitslose fühlen, die
jederzeit aus der gewohnten Lebensmodell herausfallen können.
Im Osten aber war die bundesrepublikanische Angestellten-Abstraktion
ohnehin nie ganz heimisch geworden, und deshalb kommt der Protest dort
auch früher als andernorts."
In der Sicht von SIEMONS sieht sich vor allem die Mittelschicht vom
Statusverlust bedroht. Auf diese Bedrohungsgefühle reagiert inzwischen
auch die Soziologie der Neuen Mitte à la Heinz BUDE, so z.B. der hoch
gelobte Essay von
Berthold VOGEL
in der Zeitschrift Mittelweg 36.
SIEMONS erhofft sich vom neuen
Existentialismus eine solidarischere Gesellschaft, bei der jedoch die
Postmoderne auf der Strecke bleiben wird.
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- WELZER, Harald (2004): Die Zukunft von
einst.
Zwischen Hartz und Hitler: Wie sich die Demokratie wandelt,
in: Süddeutsche Zeitung v. 13.09.
- Inhalt:
Harald WELZER führt das Ideengebäude von
Götz ALY noch einmal aus, wonach Hitlerdeutschland und die
Bonner Republik durch die Kontinuität des Sozialstaatsprinzips
miteinander gekoppelt gewesen sind.
Mit dem Umbau des Sozialstaats
wird die Entkopplung betrieben. Dies hatte bereits Heinz BUDE als
Aufgabe der "Generation Berlin" beschrieben. Aus der Sicht der
Berliner Republik liest sich das dann so:
"Die Demokratisierung der
Bundesrepublik und ihre stabile Einbindung in das westliche
Wertesystem war von Beginn an verknüpft mit dem Sozialstaatsprinzip,
und sie war moralisch grundiert durch das mörderische Scheitern des
Modells »Tausendjähriges Reich«. Diese Grundierung beginnt sich im
neuen Bild vom »Dritten Reich« aufzulösen. Zugleich wird das
idiotische Versprechen von den blühenden Landschaften, an das die
damals noch naiven Ostdeutschen in ihrem paternalistischen
Staatsverständnis wohl tatsächlich geglaubt hatten, als Lüge
empfunden".
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- KAUBE, Jürgen (2004): Wie geht es der Familie?
In den letzten 50 Jahren hat sich die Rolle von Ehe und Familie im
sozialen Leben stark verändert. Jetzt werden die gesellschaftlichen
Folgen sichtbar,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.09.
- Kommentar:
Jürgen KAUBE zitiert Ulrich BECK
als Ankläger der "Single"-Gesellschaft, um "Das ganz normale Chaos
der Liebe" zu beschwören.
Speziell die hohe
Scheidungsrate wird unter die Lupe genommen. Im Gegensatz zur
üblichen Betrachtung (Bezug auf die Scheidungszahlen) hebt KAUBE die
Sicht des Familiensoziologen
Hans BERTRAM hervor, wonach nicht
die Ehen instabil geworden sind, sondern nur die Heiratsneigung
zurückgegangen ist (Bezug der Scheidungen auf die Größe der
Altersgruppen):
"Im Jahr 2003 wurden etwa 383
000 Ehen geschlossen und etwa 214 000 geschieden, im Durchschnitt
liegt die Scheidungsrate bundesweit also bei 55 %. Vor zehn Jahren
war es noch ein Drittel. Bezieht man allerdings (...) die Zahl der
Scheidungen nicht auf die der Eheschließungen, sondern auf die Größe
der jeweiligen Altersgruppe, ergibt sich ein anderes Bild. (...). In
Berlin sind etwa die Hälfte der Bewohner verheiratet, davon vier
Fünftel in erster Ehe. Es ist also nicht die Ehe instabil geworden,
sondern nur die Heiratsneigung zurückgegangen und das Ledigsein für
die 25- bis 45jährigen zu einer mancherorts geradezu dominierenden
Lebensform geworden".
Single-dasein.de hat
schon öfters auf diesen
"Terror der Singlerhetorik"
hingewiesen, der dann dazu führt, dass die
Instabilität der Ehe
thematisiert und Ehestabilität als Wert an sich beschworen wird.
Neuere empirische
Untersuchungen weisen dagegen darauf hin, dass
die Ehe das Monopol verloren hat Beziehungen zu definieren.
Nichtsdestotrotz ist es
durchaus möglich, das jüngere Generationen die Ehe - aus
unterschiedlichen Gründen - wieder entdecken, weswegen das Ausrufen
einer generellen, zukünftigen Tendenz verfrüht erscheint.
KAUBE jedenfalls hat für
die FAS eine neue Zielgruppe entdeckt, und zwar jenes
großstädtische, individualisierte Milieu das der Ehe abgeschworen
hat:
"Weder die Ehe noch die
nichteheliche Lebens- und Wohngemeinschaften ist also in den großen
Städten länger die zentrale Lebensform. 14,5 Millionen Deutsche
leben als Singles. Nicht eine Individualisierung der Familienformen,
sondern ihr Verschwinden und eine entsprechende Atomisierung sind zu
diagnostizieren. Ledigsein heißt dabei allerdings in vielen Fällen »living
apart together«, also Partnerschaft ohne Wohngemeinschaft - und ohne
Kinder", belehrt uns Jürgen KAUBE.
Die FAS zieht die Konsequenz
und beglückt uns zukünftig vierzehntägig mit einer neuen Kolumne:
"Vor dem Familiengericht", um die "sozialen Folgen individueller
Entscheidungen wie Heirat und Familiengründung oder der Verzicht
darauf" zu thematisieren.
Es soll darum gehen, was
"politisch wünschenswert, fair, effektiv und sachangemessen ist."
- CASPARY, Esther (2004): Vor dem Familiengericht.
So'ne und solche Mütter,
in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 12.09.
- Inhalt:
In der ersten Folge der neuen Kolumne prangert
CASPARY die unterschiedliche Behandlung von verheirateten Müttern
und Single-Müttern durch die neue HARTZ-Gesetze an:
"Warum ist es der Beziehung von
Arbeitslosengeld II und der unverheirateten Mutter zumutbar zu
arbeiten, sobald ihr Kind das dritte Lebensjahr beendet hat, der
geschiedenen dagegen nicht?
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- ZYLKA, Regine (2004): Vater
Staat und seine Kinder.
Familienpolitik. Die SPD bricht mit
einem Dogma und hat ein neues Wahlkampfthema. Das
Erziehungsgeld soll in ein Elterngeld umgewandelt
werden - dann bekommen Gutverdiener mehr,
in: Berliner Zeitung v. 11.09.
- Kommentar:
Die
Familienfundamentalistin ZYLKA hat die
Argumente der Befürworter für ein
einkommensabhängiges Elterngeld
zusammengetragen - kein informativer
Bericht also, sondern ein verkapptes
Plädoyer für das Elterngeld.
- ZYLKA, Regine (2004):
"Wir müssen uns der Realität
stellen",
in: Berliner Zeitung v. 11.09.
- Inhalt.
Interview
mit Katherina REICHE von der CDU.
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ALANYALI, Iris (2004): Perfekt
für eine Nacht: Ein "Vollidiot",
in: Welt v.
11.09.
- Inhalt:
Das Buch
"Vollidiot" von Tommy JAUD ordnet ALANYALI dem Genre der
Beziehungsgestörten-Storys zu. JAUD hat
mit dem Buch vor allem Erfolg bei den
Frauen, ist ergo also ein Frauenbuch:
"Eigentlich
könnte »Vollidiot« (ähnlich wie »High
Fidelity«) ein Trostbuch für Männer
sein, die verständnislos dabei zusehen,
wie all die coolen Singlefrauen lieber »Mondscheintarif«
lesen und »Sex and the City« kucken,
als sich ihren pulitzerpreisverdächtigen
Sprüchen hinzugeben. Aber es sind vor
allem die Leserinnen,
die Jauds Roman mögen. "
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Das schönste Popehefamilien-Paar
der Generation Golf - sponsored by SZ
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LANGE, Alexa Henning von (2004): Tatsächlich Liebe.
Kate Hudsons Äußerung, dass ihr Mann der Herr im Haus ist, sorgte
für Entrüstung. Warum eigentlich?
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.09.
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BESSING, Joachim (2004): Einmal Gehirnwäsche und zurück.
Entspannte Zahnbehandlungen, käufliche Buchten und tolle
Geschäftsmodelle - manche kehren aus der Fremde nicht mit Fotos,
sondern mit Flausen heim,
in: Süddeutsche Zeitung v. 11.09.
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[ zum Seitenanfang ]
Zu den News
vom 05. - 10. September 2004
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