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Medienrundschau:

News zum Single-Dasein

 
   
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Medienberichte über single-generation.de
 
 
 
   

News vom 15. - 26. September 2016

 
 
     
 
   

Zitate des Monats:

"Kinder bekommen die Leute immer" - ein Bonmot, das Konrad Adenauer zugeschrieben wird, eine Erfindung der neoliberalen Propagandamaschine?  

"Meines Wissens gibt es bislang keinen Beleg für den immer wieder von Wissenschaftlern wie Politikern Adenauer in den Mund gelegten Ausspruch. So konnte auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages keine Quellenangabe finden. Vielmehr ging er davon aus, dass die Aussage gar nicht von Adenauer stamme, ihm aber zugeschrieben werde, so die schriftliche Mitteilungen darüber an Gregor Amann, MdB"
(Winfried Schmähl "»Bismarcks Rentenversicherung« und der dadurch mitausgelöste Geburtenrückgang in Deutschland - kritische Prüfung hierzu vorgelegter Begründungen" in: Deutsche Rentenversicherung, Heft 2, 2016, Fn S.75)

Konrad Adenauer im Herbst 1953: Das deutsche Volk überaltert, weil die Geburtenzahl abnimmt

"Die wachsende Überalterung des deutschen Volkes steigt andauernd, die Verluste der beiden Kriege sind nur einer der Gründe dieser erschreckenden Erscheinung. Heute stehen 67 % der Bevölkerung im produktiven Alter, 9 % zählen zu den Alten, 24 % stehen im jugendlichen Alter und sind noch nicht arbeitsfähig. Diese Zusammensetzung der Bevölkerung ändert sich stets zuungunsten des Prozentsatzes der im produktiven Alter Stehenden, weil die Langlebigkeit wächst und die Geburtenzahl abnimmt."
(Konrad Adenauer in seiner Regierungserklärung vom 20.10.1953)

 
       
       
   

Die Entwicklung der Gesundheit Älterer in der Debatte

DFAEH (2016): Lebenserwartung: Trends bei Hochgebildeten weisen den Weg.
Unterschiede zwischen gut und wenig Gebildeten nehmen zu,
in:
Demografische Forschung aus erster Hand, Nr.3 v. 26.09.

Bei der Rentenpolitik gilt seit längerem die Kopplung des Renteneintrittsalters an die durchschnittliche Lebenserwartung. Nicht nur die Untersuchung von JASILIONIS & SHKOLNIKOV zeigen, dass sich die Lebenserwartung unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen stark unterscheiden. Eine Rentenpolitik, die das nicht berücksichtigt, privilegiert die obere Mittelschicht und diskriminiert das Nicht-Akademikermilieu.

Die Forschungen zeigen aber auch, dass die Unterschiede möglicherweise noch wesentlich krasser sind als die amtliche Statistik behauptet. Allein schon die Feststellung von Bildungsunterschieden ist ein Problem:

"Werden etwa Zensusdaten und Sterbedaten verwendet, tritt oft das Problem auf, dass der höchste Bildungsabschluss zum Todeszeitpunkt ein anderer sein kann als in der Zensusbefragung. Zudem gibt es international unterschiedliche Bildungsklassifikationen, die einen Vergleich erschweren. Und schließlich ändern sich die Anteile der unterschiedlichen Bildungsklassen an der Gesamtbevölkerung",

werden uns die Probleme geschildert. Tatsächlich ist das nur die halbe Wahrheit, denn Bildung ist meist nur ein Indikator für Einkommensunterschiede. Dabei wird naiverweise davon ausgegangen, dass hohe Bildung sich in hohe Einkommen umsetzt. Dies ist längst nicht mehr der Fall seit sich die Selektivität vom Bildungssystem in das Arbeitssystem verlagert hat. Nicht Bildung, sondern soziale Herkunft ist die ausschlaggebendere Variable. Die Forschungen zur Lebenserwartung berücksichtigen dies nicht.

Bei der hier vorgestellten Untersuchung wird die Situation in Deutschland gar nicht erst erwähnt, denn bei uns ist hier die Datenlage ähnlich katastrophal wie Anfang des Jahrtausends in Sache Kinderlosigkeit. Die Politik verhindert jegliche Forschung, die ihre Pläne durchkreuzen könnte. So wurde die Erhebung der Kinderlosigkeit erst nach Durchsetzung des Elterngelds verbessert. Zuvor wurde diese Durchsetzung jedoch mit weit überhöhten Kinderlosenzahlen erst als alternativlos dargestellt. Inzwischen stellt sich heraus, dass die niedrige Geburtenrate in Deutschland zu zwei Dritteln auf dem Rückgang der Kinderreichen beruht. Bei der Rentenpolitik droht nun das gleiche Spielchen. Mit überhöhten durchschnittlichen Werten zur Lebenserwartung wird die Kopplung des Renteneintrittsalters an diese falsch berechnete Lebenserwartung betrieben.

 
       
   

Der Kinderwunsch in der Debatte

DFAEH (2016): Vom Wunsch zum Kind.
Eine stabile Beziehung ist in Deutschland der wichtigste Faktor bei der Entscheidung für ein Kind,
in:
Demografische Forschung aus erster Hand, Nr.3 v. 26.09.

Befragungen zum Kinderwunsch wurden uns Anfang des Jahrtausends regelmäßig als Begründung für eine Politik gegen Kinderlose präsentiert bzw. als Begründung einer Kluft zwischen Wunsch und Realität. Tatsächlich ist die Wirklichkeit komplexer, wie Untersuchungen, die über einen naiven Zusammenhang hinausgehen, nun erst zeigen: 

"Schon die nackten Zahlen zeigen an, dass die Familienplanung nicht immer aufgeht: Von fast 2700 Frauen und Männern, die im Rahmen des deutschen Beziehungs- und Familienpanels (pairfam) angegeben hatten, in den nächsten zwei Jahren definitiv keine Kinder bekommen zu wollen, waren 142 Befragte (5%) genau in dieser Zeitspanne doch Eltern geworden. Andersherum geht der Plan noch weitaus seltener auf: Von den knapp 600 Befragten, die angaben, ganz sicher ein (weiteres) Kind bekommen zu wollen, hatte nicht einmal die Hälfte diesen Entschluss in die Tat umgesetzt. Insgesamt hatten am Ende der zwei Jahre 9,4 Prozent der Befragten ein geplantes und 4,1 Prozent ein ungeplantes Kind bekommen"

wird das Ergebnis einer Untersuchung von Heike TRAPPE & Anne-Kristin KUHNT zusammengefasst. Auch dieser Ansatz ist völlig unzureichend, weil weder zwischen Kinderlosen und Eltern, noch zwischen unterschiedlichen Altersgruppen differenziert wird.

"Als ganz entscheidend für die Realisierung der Familienplanung erwies sich dabei die Partnerschaft. Hatten die Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer eine stabile Beziehung, die sich über den Befragungszeitraum erstreckte, so war es sehr viel wahrscheinlicher, dass sie ein geplantes Kind auch tatsächlich bekamen, vor allem, wenn vorher bereits ein Kind geboren worden war. Selbst ungeplante Geburten waren bei Männern und Frauen in stabilen Beziehungen häufiger. Andererseits zeigen die Daten auch, dass ein Partnerwechsel die Wahrscheinlichkeit ungeplanter Geburten erhöht. Männer und Frauen, die innerhalb des Befragungszeitraumes eine Partnerschaft beendet haben oder eine neue Partnerschaft eingegangen waren, hatten im Anschluss zumeist keine Absicht, in Bälde ein (weiteres) Kind zu bekommen",

wird uns als Hauptursache erklärt, wobei die einschränkenden Bedingung: "wenn vorher bereits ein Kind geboren worden war" zeigt, dass Familiengründung und Familienerweiterung und damit Kinderlose und Eltern immer getrennt betrachtet werden müssen. Dagegen verstoßen immer noch die meisten Forschungen bzw. Interpretationen ihrer Ergebnisse zum Kinderwunsch.

Der Einfluss des Partnerwechsels wurde bereits durch die Forschungen von Jan ECKARD herausgestellt.

 
       
   

Scheidungskinder in der Debatte

MENKENS, Sabine (2016): Verändert die Elternlobby Studie des Familienministeriums?
Nach Protesten wurden die Prämissen der Forschung über Trennungskinder geändert. Kritiker sehen darin eine Verzerrung der Ergebnisse,
in:
Welt v. 26.09.

 
       
   

Die Erbengeneration in der Debatte

GRÄBER, Berrit (2016): Wilde Ehe, aber sicher.
Ohne Trauschein zusammenzuleben ist beliebt, auch bei Senioren. Stirbt der Partner, kann es aber finanziell eng werden. Denn für Unverheiratete gilt kein gegenseitiges gesetzliches Erbrecht,
in:
Welt v. 26.09.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Gewerkschaften in der Debatte

MEYER, Jörg (2016): Dem Empörungsgestus entgegentreten.
Ver.di-Chef Frank Bsirske über die AfD, die DGB-Rentenkampagne und den SPD-Beschluss zu CETA,
in:
Neues Deutschland v. 26.09.

Frank BSIRSKE berichtet, dass es im DGB bis Januar eine Einigung über das anzustrebende Rentenniveau geben soll. Dabei wird es auch um die Höhe des Beitragssatzes gehen.

"Wenn wir heute schon ein Rentenniveau von 43 Prozent hätten, müsste jemand, der 80 Prozent des Durchschnittsverdienstes erhält, das wären rund 2.400 Euro brutto, rund 40 Jahre lang arbeiten, um eine Rente auf Grundsicherungsniveau zu erreichen",

erklärt uns der Ver.di-Chef, der insbesondere Teilzeitbeschäftigte, Minijobber, Menschen im Niedriglohnsektor und westdeutsche Frauen, die durchschnittlich nur auf 30 Beitragsjahre kommen, als Problemgruppen ansieht.

"Die Bundesagentur für Arbeit muss wieder für Langzeitarbeitslose Beiträge an die Rentenversicherung zahlen",

fordert der Gewerkschafter, der die Riester-Rente als gescheitert betrachtet..

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

FROMME, Herbert (2016): "Das rechnet sich nicht".
Viele Versicherungsmakler empfehlen Lebenspolicen nur noch eingeschränkt zur privaten Altersvorsorge. Und raten dazu, bald auslaufende Verträge zu prüfen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 26.09.

JAHBERG, Heike (2016): "Wir versichern auch selbstfahrende Autos".
Alexander Erdland, Präsident des Versicherungsverbands über Unfälle, Naturkatastrophen und die Altersvorsorge
in:
Tagesspiegel v. 26.09.

Der Tagesspiegel hofiert gerne den Lobbyisten der Versicherungswirtschaft. Wenig uneigennützig erklärt uns Alexander ERDLAND, dass die 3 Milliarden Euro angesichts der Summen für die gesetzliche Rentenversicherung lediglich ein Almosen seien, mit der wir die Finanzdienstleistungsbranche subventionieren sollen. Das ist jedoch eine Milchmädchenrechnung, denn die private Altersvorsorge ist in den meisten Fällen eine mickrige Rente, die weit hinter dem Niveau der gesetzlichen Rente zurückbleibt. Zudem zahlt nicht der Staat die Renten, sondern die Beitragszahler. Der Staat zahlt nicht einmal jene versicherungsfremden Leistungen, die eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sind, sondern bürdet sie allein den Beitragszahlern auf.  

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

SCHÄFER, Thomas & Jörg ASMUSSEN (2016): Die junge Generation braucht sanften Zwang.
Position: Ein Staatsfonds für die zusätzliche Altersvorsorge wäre hilfreich,
in:
Tagesspiegel v. 26.09.

SCHÄFER (CDU-Finanzminister) & ASMUSSEN (Investmentbanker) verteidigen - nicht uneigennützig  - die kapitalgedeckte Altersvorsorge. Um deren Profite zu erhöhen, wollen sie eine Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente verhindern.

Im Vorfeld des morgigen Spitzengesprächs zur betrieblichen Altersvorsorge plädieren die beiden Lobbyisten für das Opt-out-Modell des sanften Zwangs. Ihre Argumentation zeigt die Absurdität dieses Systems: Der Staat soll die Kapitaldeckung fördern, weil deren Kosten zu hoch sind! Weil also die Kapitaldeckung unlukrativ ist, will die Finanzdienstleistungsbranche Subventionen, denn nichts anderes wäre eine solche Förderung unlukrativer Altersvorsorge. Hier soll der Staat plötzlich Verantwortung übernehmen. Sonst soll er sich raushalten. Fondsvermögen wird uns als sicherer Hafen versprochen. Dagegen zeigen die Pensionsfonds in aller Welt, dass das Gegenteil der Fall ist.

Ein Staatsfonds, der von der Finanzdienstleistungsbranche gemanagt wird, soll verlorene Glaubwürdigkeit sichern. Wir sollten genauso wenig Managern trauen wie staatlichen Akteuren auf Kapitalmärkten. Die Finanzkrise hat gezeigt, wo das hinführt. Das Kapitaldeckungsverfahren ist genauso wenig oder viel "demografiefest" wie die gesetzliche Rentenversicherung. Auch die Entwicklungen nach 2030 werden dies zeigen.   

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SDA (2016): Das Volk will keine Rentenerhöhungen.
Deutliche Entscheide an der Urne,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

KRACAUER, Siegfried (2016): Die Rentenreform aufsplitten.
Taktischer Zug in letzter Minute - SVP will drei separate Pakete schnüren,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 26.09.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

MAU, Steffen (2016): Ungleichheit ist längst kein Monopol der Linken mehr.
Solange es nur um Arm und Reich ging, konnten linke Parteien vom Unbehagen an der Ungleichheit profitieren. Jetzt laben sich daran auch die Rechten,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.09.

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

KIESERLING, André (2016): Apologie des Abschöpfens.
Darf es Profite geben? Auch Wirtschaftsliberale sollten es sich mit der Antwort auf diese Frage nicht zu einfach machen,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 25.09.

André KIESERLING erklärt uns mit Joseph SCHUMPETER und Niklas LUHMANN, dass Profite keineswegs dem Eigentümer eines Betriebs alleine zustehen, sondern die Abführung von Lohnnebenkosten und Steuern gerechtfertigt ist. Ein bißchen unterkomplex ist dies jedoch angesichts der Tatsache, dass Großbetriebe und die Finanzdienstleistungsbranche die Bedingungen des Wirtschaftssystem gravierend verändert haben. Darauf fehlen KIESERLING die Antworten.   

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

MICHLER, Inga (2016): Historische Trendwende bei Geburten.
Frauen in Deutschland bekommen mehr Kinder. Ein Grund ist der verstärkte Ausbau von Kitas,
in:
Welt v. 24.09.

Historische Trendwende bei Geburten? Das ist keineswegs eine Neuigkeit wie uns Inga MICHLER weismachen möchte. Schon seit etlichen Jahren ist diese Trendwende bei der Kohortenfertilität der 1970er Jahre Geborenen bekannt. Erstmalig wurde die Trendwende im Jahr 2003 nachgewiesen - also lange vor der Einführung des Elterngeldes oder des Ausbaus der Kinderbetreuung. Martin BUJARD vom BIB spricht schon länger von einer Trendwende, im Gegensatz zum Statistischen Bundesamt, das sich beharrlich weigert diesen Trend anzuerkennen, denn dann müsste die Bevölkerungsvorausberechnung vom letzten Jahr korrigiert werden. Diese wurde aber erst kürzlich von Olga PÖTZSCH verteidigt. Bevölkerungsvorausberechnungen sollen politische Maßnahmen rechtfertigen, so ihre Sicht. Eine Trendwende bei der Geburtenrate wäre da nur störend. Zumal auch die neoliberale Rentendebatte dramatische Entwicklungen benötigt, um weitere Rentenkürzungen rechtfertigen zu können.

MICHLER, Inga (2016): Mehr Kinder, mehr Chaos!
Kommentar,
in:
Welt v. 24.09.

 
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Verdruss über das Spiel mit Abstiegsängsten.
Arbeitsministerin Nahles und der Caritas-Generalsekretär werben für eine Sozialpolitik, die sich nicht von "Untergangsrhetorik" treiben läßt,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.09.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

WOLFF, Volker (2016): Investmentsfonds sind die bessere Lebensversicherung.
Die Vermögensfrage: Fondsgebundene Lebensversicherungen verlieren jeden Vergleich mit ETF-Sparplänen. Ihr Kosten sind viel zu hoch. Außer in einem speziellen Fall,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 24.09.

Volker WOLFF rechnet uns vor, dass bei fondsgebundenen Lebens- oder Rentenversicherungen die Kosten und die großzügig kalkulierten Sterbetafeln die Steuervorteile auffressen. ETF-Sparpläne seien demgegenüber günstiger, jedoch gilt:

"Nur in einem sind Fondspolicen und ETF-Sparpläne gleichwertig: Der Anleger trägt das gesamte Risiko."

Als Ausnahme von der Regel beschreibt uns WOLFF Nettopolicen, die jedoch von Versicherern nicht vertrieben werden:

"Keiner der rund 230.000 Versicherungsvertreter und -makler wird sie auf den Tisch legen. Nur Versicherungsberater und Honorarberater bieten diese provisionsfreien Versicherungsverträge an. (...). Das Angebot ist begrenzt. »Finanztest« zählte 2013 elf Lebensversicherer mit Nettotarifen. Elf von über 70."

Fazit: Letztendlich trägt der Versicherte bei der kapitalgedeckten Altersvorsorge alleine das gesamte Risiko. Dagegen sind die Erträge der gesetzlichen Rentenversicherung sicher und entgegen der Propaganda vor der Teilprivatisierung sogar lukrativer, weswegen inzwischen selbst die FAZ freiwillige Einzahlungen in die Rentenkasse propagiert. Unschlagbar ist alleine die gesetzliche Rentenversicherung! Daran wird auch die demografische Entwicklung nichts ändern, denn auch die Kapitalmärkte sind davon betroffen. Dort wo die Demografie angeblich günstiger ist, ist die Unsicherheit größer. Die Finanzdienstleistungsbranche gewinnt dabei jedoch immer - nur die Versicherten tragen das Risiko der Fehlspekulation!

 
       
   

Der ländliche Raum und Mittelstädte im demografischen Wandel

HÖLL, Susanne (2016): Bleibt bei uns!
Willkommen im hessischen Landreis Werra-Meißner, in einer Region mitten in Deutschland, die ums Überleben kämpft. Niedrige Löhne und leere Gemeindekassen prägen das Bild. Die jungen suchen ihr Glück anderswo, zurückbleiben die Alten - und mutige Menschen, die sich selbständig machen,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 24.09.

 
       
   

Die Neubewertung des Rentners in der altersintegrativen Gesellschaft

DIENING, Deike (2016): Die leise Wucht.
Wolfgang Prosinger war ein Zuschauer im Theater der Welt. Er sah die Menschen in ihren Rollen. Ihre Geschichten erzählte er nie auf Kosten der Figuren. Nun ist der Journalist, Buchautor und langjährige Chef der Seite Drei gestorben,
in:
Tagesspiegel v. 24.09.

Wolfgang PROSINGER wurde in den Mainstreamzeitungen mit seinem letzten Buch In Rente (2014) gerne zitiert, wenn es darum ging die Frührente als Fluch zu beschreiben, denn frühe Rente bedeutet angeblich ein früher Tod - und zwar nicht etwa, wie man denken könnte, weil vor allem Kranke früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sondern umgekehrt: der Renteneintritt wird zur Todesursache erklärt, schließlich sollen wir bis zum letzten Tag malochen. Nun ist PROSINGER im Alter von 68 Jahren gestorben.

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

BIB (2016): Trendwende bei der Geburtenrate.
Grafik des Monats,
in:
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung v. 23.09.

 
       
   

Die Armutsdefinition in der Debatte

ECKERT, Daniel (2016): Das "arme" Deutschland.
Mehr als jeder siebte Deutsche ist armutsgefährdet, sagen die Statistiker. Doch der Begriff ist fragwürdig,
in:
Welt v. 23.09.

Daniel ECKERT kritisiert wie alle Neoliberalen den relativen Armutsbegriff, der sich sinnvollerweise am Median- statt am Durchschnittseinkommen orientiert. Neoliberale würden Armut am liebsten wegdefinieren und sprechen deshalb lieber von Ungleichheit. Die FAZ widmet dieser neoliberaler Umdefinition seit geraumer Zeit eine Reihe von Beiträgen. Ungleichheit ist ein Kampfbegriff der Rechten, während es Linken um Armut geht. Damit ist nicht nur Hunger gemeint, d.h. absolute Armut, sondern auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, d.h. relative Armut. Was ECKERT diffamiert, ist die Tatsache, dass die Teilhabe davon abhängt was sich andere in einem bestimmten Gebiet, z.B. Bundesland, leisten können, weil dies die Preise bestimmt. Leben in einem Gebiet viele Reiche, dann kostet die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mehr als in einem Gebiet, wo es weniger Reiche gibt. Dieses Faktum wollen Neoliberale wie ECKERT diffamieren. Anders ausgedrückt: Arme - und erst Recht - "nur" Armutsgefährdete, sollen aus den Augen der Reichen verschwinden und unter Ihresgleichen. leben. Weil Arme oder Armutsgefährdete Angst vor Ausgrenzung haben bzw. ihr Selbstwertgefühl erhalten wollen, haben Neoliberale in der Regel leichtes Spiel ihre Interessen an der Umdefinition gesellschaftlich durchzusetzen. Die Verschiebung des öffentlichen Diskurses von der Armut zur Ungleichheit belegt diesen Sachverhalt. Wenn die Mitte sich durch Ungleichheit bedroht fühlt, dann ist Armut in Deutschland kein Thema mehr. Längst geht der Riss auch durch die Sozialverbände wie das Beispiel der katholischen Caritas zeigt.

"Nach Cremers Definition lebt jemand, der weniger als 40 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat, in starker relativer Armut. Für Menschen, die auf weniger als 70 Prozent des Medians kommen, schlägt er hingegen den Begriff »prekärer Wohlstand« vor",

erklärt uns ECKERT die Sicht des Kirchenfunktionärs Georg CREMER. Teile und herrsche lautet das Prinzip, mit dem von jeher verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander ausgespielt wurden. Auch CREMER benutzt einen relativen Armutsbegriff, aber er kommt den Neoliberalen entgegen, indem er die Einkommensgrenzen niedriger ansetzt.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

STELTZNER, Holger (2016): Ohne Sicherheit gibt es keine Freiheit.
Die Ordnung der Wirtschaft: Die Wandlungen innerhalb der EU sorgen nicht nur in Britannien für Verwerfungen. Auch Migration braucht Maß und Mitte: Europa muss seine erfolgreichen Sozialmodelle schützen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

SCHARRENBROCH, Christine (2016): Arag stößt Lebensversicherungen ab.
Bestände gehen an die Frankfurter Leben,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Italien

BREMER, Jörg (2016): Kleine Anregungen zur Zeugung.
Italien begeht den "Tag der Fruchtbarkeit", um die Geburtenrate zu steigern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 23.09.

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

MICHLER, Inga (2016): Geburten ausländischer Mütter erreichen Rekord.
Mehr Kinder mit Migrationshintergrund stellen das Bildungssystem vor Herausforderungen. Ifo-Experte fordert gut durchmischte Gruppen,
in:
Welt v. 22.09.

 
       
   

Die Entwicklung der Armut in Deutschland in der Debatte

DESTATIS (2016): Armutsgefährdung in Westdeutschland im 10-Jahres-Vergleich gestiegen,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 22.09.

 
       
   

Die Entwicklung der Mittelschicht in der Debatte

HEUSER, Uwe Jean (2016): Das Märchen von der Gerechtigkeit.
Es gilt als ausgemacht, dass es in Deutschland keine Chancengleichheit gibt. Das stimmt - und ist doch nur die halbe Wahrheit,
in:
Die ZEIT Nr.40 v. 22.09.

RUDZIO, Kolja (2016): Reich sind immer die anderen.
Warum viele Besserverdiener nicht glauben wollen, dass sie Besserverdiener sind,
in:
Die ZEIT Nr.40 v. 22.09.

"Wer als Single mehr als 2.600 Euro netto habe, gehöre bereits zur besserverdienenden Minderheit, da könne man von oberer Mittelschicht reden, und wer mehr als 3.200 Euro habe, gehöre sogar zu den reichsten zehn Prozent im Land",

zitiert Kolja RUDZIO die Ökonomin Judith NIEHUES vom IW Köln. Der IW-Report Faktencheck Gerechtigkeit vom September diesen Jahres definiert folgende Bevölkerungsgruppen:

"IW-Abgrenzung der Einkommensschichten:
(Relativ) Arme: weniger als 60 Prozent des bedarfsgewichteten Medianeinkommens.
Untere Mitte: 60 bis 80 Prozent des bedarfsgewichteten Medianeinkommens.
Mitte i. e. S.: 80 bis 150 Prozent des bedarfsgewichteten Medianeinkommens.
Obere Mitte: 150 bis 250 Prozent des bedarfsgewichteten Medianeinkommens.
Reiche: mehr als 250 Prozent des bedarfsgewichteten Medianeinkommens. Einkommenskonzept: Bedarfsgewichtete Nettoeinkommen (modifizierte OECD-Skala). 2013*: Schätzung ohne die SOEP-Migrationsstichprobe des Jahres 2013 (anschließende Anpassung der bisherigen Stichprobe an die Bevölkerungsstruktur laut Mikrozensus). Quellen: SOEP v31; Institut der deutschen Wirtschaft Köln" (2016, S.13)

Die oberen 10 Prozent der Einkommen beginnen bei einem Monatsbruttoeinkommen von 76.472 Euro (vgl. 2016, S.25). Nach dieser Definition umfasst die obere Mittelschicht ein umfangreiches Einkommenssegment, das ein breiteres Spektrum als untere und mittlere Mitte um fasst. Von daher haben wir es hier mit einer gewissen Willkür zu tun, deren Begründung zudem fehlt.

"amtliche Definition für Reichtum: Wer das Doppelte des mittleren, bedarfsgewichteten Einkommens zur Verfügung hat (...). Danach beginnt Reichtum bei einem monatlichen Netto von etwa 3.100 Euro. Das ist der Wert für einen Single. Ein Paar braucht mehr (...), die Schwelle liegt hier bei mindestens 4.600 Euro",

zitiert RUDZIO die Definition des Armuts- und Reichtumsberichts. 

PLETTER, Roman (2016): Die unsichtbare Wand.
Wohlhabende Einwohner schützen sich vor Armen und Ausländern - ausgerechnet mithilfe des Baurechts,
in:
Die ZEIT Nr.40 v. 22.09.

 
       
   

HANDELSBLATT-Serie: Die Zukunft der Rente (1)

THELEN, Peter (2016): Rentenpolitik am Scheideweg.
HB-Serie Zukunft der Rente (1): Die Gewerkschaften drängen mit Macht auf ein höheres Rentenniveau. Sie reagieren damit auf ein Versagen der Politik. Doch fordern sie die richtige Medizin?
in:
Handelsblatt v. 22.09.

Die SZ hat ihre 26teilige Rentenserie kürzlich beendet, nun beginnt das Handelsblatt seine Serie. Anlass war die Rententagung des DGB, auf der Andrea NAHLES das Einziehen einer Haltelinie beim Niveau der gesetzlichen Rente gefordert hat. Damit hat sie für das Handelsblatt die No-go-Area betreten. Das Handelsblatt will nun mit ihrer Serie NAHLES wieder auf den richtigen Weg bringen. In seinem Leidartikel gibt Peter THELEN die Leitlinie des Handelsblatts und der Rentenserie vor:

"Der beste Ausgleich für ein sinkendes Rentenniveau (...) wäre eine bessere betriebliche Altersversorgung. Alle anderen Vorhaben sollte Nahles zu den Akten legen. Warum, das versucht das Handelsblatt in den kommenden Wochen in einer Reihe von Beiträgen zu beleuchten."

Den Vorschlag für ein Mindestrentenniveau, den THELEN macht, muss man als zynisch einordnen:

"Noch hat sich Nahles (...) nicht festgelegt, wo sie ihre Haltelinie ziehen will. Sie wäre gut beraten, das in der Nähe der Prozentzahl zu tun, bei der das Niveau bis 2060 nach Schätzungen ohnehin landen dürfte: etwa 40 Prozent."

Der Bericht über die Rententagung des DGB bringt nichts Neues. Uns wird der Ökonom Winfried SCHMÄHL, den Gerhard SCHRÖDER aus dem Weg räumte, um 2001 die Riester-Rentenreform durchpeitschen zu können, als Kritiker der kapitalgedeckten Altersvorsorge präsentiert:

"Er teilte den damals verbreiteten Glauben nicht, dass am Kapitalmarkt höhere Renditen zu erzielen wären als in einem Umlagesystem. Nach fünf Jahren Niedrigzinsen sieht es so aus, als sei diese Skepsis berechtigt gewesen",

erklärt uns THELEN, nur um uns dann mit Franz RULAND einen Verteidiger der kapitalgedeckten Altersvorsorge zu präsentieren:

"In der Theorie hätte jeder Arbeitnehmer, wenn alle geriestert hätten und jeder eingezahlte Euro die 2001 angenommenen vier Prozent Rendite gebracht hätte, heute sogar ein etwas höheres Versorgungsniveau als vor der Riesterreform. Das rechnete Franz Ruland, ehemaliger Chef des Verbands Deutscher Rentenversicherer und einer der Nachfolger Schmähls an der Spitze des Sozialbeirats, am Mittwochabend auf einer Veranstaltung in München vor."

Theorie ist das nicht nur - wie THELEN suggeriert - weil nicht alle geriestert haben, sondern vor allem weil die vier Prozent Rendite ein Märchen waren, das bald nach in Kraft treten der Riesterreform wie eine Seifenblase platzte.

Wie andere Mainstreamzeitungen auch, kritisiert THELEN die Köchin-Modellrechnung des DGB, jedoch ohne deren Quelle zu nennen. Im Gegensatz zu unseriösen Darstellungen, kritisiert THELEN nur, dass eventuell mögliche Rentenerhöhungen beim DGB unberücksichtigt bleiben. Dafür könnte man THELEN für die perverse Wortschöpfung "Nettorentenniveau vor Steuern" kritisieren, denn dahinter verbirgt sich die Tatsache, dass von "Nettorentenniveau" im Grunde keine Rede sein kann, denn je nach Geburtsjahrgang muss diese angebliche Nettorente bis zu 100 Prozent versteuert werden, weshalb die von den DGB-Kritikern genannten Zahlen nicht weniger unrealistisch sind als die DGB-Zahlen.

"Bleibe es beim geltenden Recht werde das Rentenniveau bis 2060 gegenüber heute um weitere sechs Prozentpunkte auf 42 bis 41 Prozent sinken",

zitiert THELEN den Kritiker RULAND. Die Wirtschaftswoche erklärte uns dagegen unlängst, dass das Rentenniveau bis 2045 unter 40 Prozent sinken könnte. Die Deutsche Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht August folgende Rechnung aufgemacht:

"In den Simulationen sinkt dabei das GRV-Versorgungsniveau bis zum Jahr 2060 auf etwa 40½ %, sofern – wie im Rentenversicherungsbericht – die Beitrags- und Ansparphase auf 45 Jahre begrenzt bleibt. Bei einer Verlängerung auf 47 Jahre parallel zu der beschlossenen Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters liegt das GRV-Niveau ab Erreichen der letzten Anhebungsstufe um etwa 2 Prozentpunkte höher und damit bei gut 42% im Jahr 2060." (2016, S.74)

Die Kritik von RULAND an Lebensleistungsrente, Ostrentenangleichung (Vorhaben gemäß Koalitionsvertrag), Mütterrente (CSU-Forderung) und Stabilisierung des Rentenniveaus als Bundestagswahlkampfthema stimmt mit der Handelsblatt-Linie überein.

THELEN, Peter (2016): Die Gretchenfrage bei der Rente.
Leidartikel zur HB-Serie Zukunft der Rente (1): Genug der Wahlgeschenke in der Rentenpolitik!
in:
Handelsblatt v. 22.09.

Nach Lesart der Generationenkrieger ist die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente Ausdruck einer Gerontokratie bzw. Rentnerdemokratie. Peter THELEN erklärt uns dagegen, dass vor allem die junge Generation ein Interesse an der Stabilisierung hat:

"Denn diese trifft die bisherige Rechtslage weit heftiger als die heutigen Rentner (...). Denn erst ab 2021 (...) wächst demografiebedingt die Zahl der Rentner an. Die Folge wird eine Beschleunigung des Rückgangs des Rentenniveaus sein."

Meist wird der jungen Generation nur die halbe Wahrheit präsentiert und den Jungen lediglich ein Interesse an einem stabilen Beitragssatz unterstellt. Durch die Umstellung auf die nachgelagerte Besteuerung wird der Beitragssatz jedoch stabilisiert, selbst wenn er moderat steigt. Das Rentenniveau wird dadurch jedoch stärker als in den Schönfärbereien der Befürworter einer kapitalgedeckten Altersvorsorge abgesenkt.

 
       
   

Der Global Wealth Report der Allianz in den Medien

MOHR, Daniel (2016): Deutsche Angst kostet 200 Milliarden Euro.
Die konservative Geldanlage hierzulande wird teuer bezahlt. Im Weltvermögensvergleich treten die Deutschen auf der Stelle. Andere sind im Sinkflug,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 22.09.

SAUER, Stefan (2016): Die Welt wird immer reicher.
Allianz legt Wohlstandsreport vor,
in:
Frankfurter Rundschau v. 22.09.

STOCKER, Frank (2016): Deutsche sparen sich um ihr Vermögen.
Kaum ein Volk in Europa legt sein Geld so schlecht an wie wir, sagt die Allianz. Anleger haben in drei Jahren rund 200 Milliarden Euro verschenkt,
in:
Welt v. 22.09.

 
       
   

Die Entwicklung der Geburtenzahlen in Deutschland

DESTATIS (2016): 2 von 10 der 2015 geborenen Babys hatten eine Mutter mit ausländischer Staatsangehörigkeit,
in: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts v. 21.09.

 
       
   

Die Stabilisierung des Niveaus der gesetzlichen Rente in den Medien

ÖCHSNER, Thomas (2016): Nahles will die Talfahrt stoppen.
Ministerin fordert "Haltelinie" für weiter sinkendes Rentenniveau,
in:
Süddeutsche Zeitung v. 21.09.

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Nahles plant neue Haltelinie für das Rentenniveau.
Die Gewerkschaften trommeln für einen Kurswechsel in der Alterssicherung. Nun fahren sie erste Erfolge ein: Renten sollen bald stärker steigen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.09.

 
       
   

Die Pensionslasten der Unternehmen in der Debatte

SCHÄFERS, Manfred (2016): Zinsvorgabe für Betriebsrenten laut Studie verfassungswidrig.
Johanna Hey: Fiskalische Interessen keine Rechtfertigung,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 21.09.

Manfred SCHÄFERS darf vorab über den noch unveröffentlichten Aufsatz Steuergesetzliche Zinstypisierungen und Niedrigzinsumfeld – insbesondere zur Gleichheitssatzwidrigkeit der Abzinsung von Pensionsrückstellungen gemäß § 6a Abs. 3 Satz 3 EStG von Johanna HEY & Sascha STEFFEN berichten. Das Handelsblatt hatte das Thema schon Anfang August zur Titelgeschichte aufgeblasen. Mitte August wurde das Problem im Handelsblatt dann relativiert. SCHÄFERS berichtet von einer "Ungleichbehandlung der pensionsverpflichteten Unternehmer", was jedoch nicht näher erläutert wird, sodass ein Nachvollzug des Sachverhalts nicht möglich ist..

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

STADLER, Rainer (2016): Eine Bestenliste der Informationsmedien.
Wirtschaftsleute wollen mit einem Rating das Qualitätsbewusstsein in der Medienbranche fördern,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21. 09.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

RASCH, Michael (2016): Kann denn Sparen Sünde sein?
Wer spart, behindert die Wirtschaft, denn nur Konsum treibt die Konjunktur an. Diesen Eindruck erhält man derzeit bei vielen öffentlichen Debatten. Doch das ist falsch - ein Plädoyer für die Tugend des Sparens,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 21. 09.

Michael RASCH predigt uns die protestantische Ethik. Ratenkredit und Kreditkarte werden zum  Fluch der bösen Konsumgesellschaft erklärt:

"Nicht Konsum und Kredit sind die Quellen des Wohlstands, sondern Arbeit und Kapital",

erklärt uns RASCH die Profitinteressen von Unternehmen und Finanzdienstleistungsbranche zu unserer moralischen Pflicht. Dabei werden die Investitionen genauso vergessen wie die Notwendigkeit der Lebenserhaltung, die gerne als Konsum diffamiert wird. Kapital, das lediglich die Finanzdienstleistungsbranche reicher macht, aber nicht in die Realwirtschaft investiert wird, ist noch schädlicher als der verpönte Konsum.  

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

HERZ, Carsten (2016): Ein Brief mit Fragezeichen.
Jedes Jahr erhalten Millionen von Deutschen eine Standmitteilung ihrer Assekuranz. Eine Analyse belegt, dass es mit der Übersichtlichkeit nicht weit her ist,
in:
Handelsblatt v. 20.09.

Carsten HERZ berichtet über die eigennützige Untersuchung der Firma Partner in Life (PiL), die vom Aufkauf von Versicherungen lebt und deshalb von mehr Transparenz profitieren würde.

"Mehr als 55 unterschiedliche jährliche Standmitteilungen von 38 deutschen Versicherungsunternehmen mit einem Marktanteil von insgesamt knapp 90 Prozent hat das Unternehmen gesammelt und ausgewertet",

beschreibt HERZ die Stichprobe von PiL. Auch die Verbraucherzentrale Hamburg hat die Standmitteilungen von Versicherern untersucht:

"Ihr Team wertete eine Stichprobe von 68 Standmitteilungen von 48 Lebensversicherern aus, die rund 89 Prozent des Bruttoumsatzes der Branche abdecken."

In der Einleitung spricht HERZ nur von Kapitallebensversicherungen, während der GDV auch  Musterstandmitteilungen für weitere Arten von Lebensversicherungen auflistet. Es ist daher unklar, auf welche Arten von Lebensversicherungen sich der Bericht bezieht. Uns wird nur verraten, dass 23 Kennziffern von PiL als wichtig erachtet werden, jedoch nicht welche. Der Artikel lässt uns Laien deshalb eher ratlos zurück.  

HERZ, Carsten (2016): Mehr Durchblick.
Versicherer: Die Politik muss dafür sorgen, dass die Standmitteilungen der Versicherer klarer werden,
in:
Handelsblatt v. 20.09.

 
       
   

Gentrifizierung in der Debatte

ROßBACH, Henrike (2016): Höher, enger, lauter - aber urban und mit kurzen Wegen.
Wohnungen sind knapp. In zentraler Lage gibt es fast keine mehr. Für die Mittelschicht werden sie unbezahlbar. Politik und Bauwirtschaft suchen Ideen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.09.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

PENNEKAMP, Johannes (2016): Renteninformation spornt an.
Seit die jährlichen Briefe kommen, wird mehr gespart,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.09.

Zur Kritik dieser allzu einfachen Sichtweise hier.

 
       
   

Das Single-Dasein in der Schweiz

RITTER, Johannes (2016): Inflationsflut erzürnt die Schweizer Wirtschaft.
Die Eidgenossen stimmen über immer mehr wirtschaftsfeindliche Vorschläge ab - zum Ärger von Unternehmern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 20.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

NEIDHART, Christoph (2016): Keine Lust auf Sex.
Immer mehr Japaner leben ohne Liebe. Viele stört das nicht: Beziehungen sind ohnehin zu kompliziert, Romantik nach der Ehe ist überflüssig,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 20.09.

 
       
   

Georg Cremer - Armut in Deutschland

BOHSEM, Guido (2016): Nüchtern betrachtet.
Die Armutsdebatte in Deutschland hilft den Armen nicht. Sagt der Generalsekretär der Caritas, Georg Cremer. Er plädiert dafür, den Ton zu mäßigen und auf die Fakten zu schauen. Und er erklärt, warum die 60-Prozent Regel nicht der einzige Maßstab sein darf,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 20.09.

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

BERNAU, Patrick (2016): Ifo-Institut baut seine Spitzenposition aus.
An der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität lehren die meisten beachteten Ökonomen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 19.09.

Wer meint, dies wäre ein neues Ökonomen-Ranking, der irrt, denn die Ergebnisse vom 03.09. werden jetzt nur anders dargestellt, nämlich auf Institute und Universitäten bezogen, an denen die Ökonomen tätig sind. Nichts als Eigenwerbung.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2016): Zusatzlast um 20.000 Franken pro Kopf.
Neue Zahlen zu den Folgen der Initiative "AHV plus",
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 19.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Japan

RÖTZER, Florian (2016): Japan: Endemische Sexlosigkeit.
Über 40 Prozent der männlichen und weiblichen Singles im Alter zwischen 18 und 34 Jahren sind noch jungfräulich,
in:
Telepolis v. 19.09.

 
       
   

Die neue Klassengesellschaft in der Debatte

WAGNER, Gerald (2016): Von wegen Klassenbewusstsein.
Soziale Systeme: Verblüffend. Wo es große Einkommensunterschiede gibt, sind auch die Armen eher gegen Umverteilung,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.09.

Der Sinn des Artikels lässt sich kurz zusammenfassen: Wer in neoliberalen Gesellschaften, die sich als Gesellschaften mit großer sozialer Ungleichheit beschreiben lassen, für mehr Gleichheit eintritt, outet sich als Verlierer. Man wird sehen müssen, was davon noch in 10, 20 und mehr Jahren übrig bleiben wird!

MECK, Georg & SERRAO, Marc Felix (2016): Müssen Reformer Wahlen verlieren, Herr Schröder?
Mit der "Agenda 2010" hat Gerhard Schröder Deutschland modernisiert - gegen massive Widerstände, auch aus der SPD. Nun erhält er der Altkanzler für seine Reform den Ludwig-Erhard-Preis. Ein Gespräch über linke Marktwirtschaftler, rechte Populisten und die Versäumnisse seiner Nachfolgerin,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.09.

Gerhard SCHRÖDER verteidigt die Agenda 2010 mit der Alternativlosigkeit des demografischen Wandels, schließlich erhält er nun zum Dank einen CDU-Preis. Eigentlich müsste den Preis die neoliberale Lobbyorganisation INSM bekommen, denn schließlich war die Agenda 2010 zum großen Teil deren Verdienst. GABRIEL, der als gnadenloser Opportunist die sozial Schwachen genauso bedient wie die Konzerne, wird von SCHRÖDER als Genosse der Bosse dargestellt, Bezeichnenderweise war es eine Rede vor dem SPD-Wirtschaftsforum, auf die sich SCHRÖDER bezieht.

 
       
   

Freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung in der Debatte

OBERHUBER, Nadine (2016): Der Trick mit der Flexi-Rente.
Wer ab 50 freiwillig einen großen Batzen Geld in die Rentenkasse zahlt, macht ein gutes Geschäft: Am Ende bringt das mehr Zinsen als die private Vorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.09.

Nadine OBERHUBER klärt über die Neuregelungen auf, die mit der Flexi-Rente einhergehen. Angeblich können nur bereits 50-Jährige freiwillig einzahlen. Das stimmt so jedoch nicht. Geändert hat sich lediglich, dass dies nun explizit gesetzlich geregelt ist und diese Möglichkeit nun auch offensiv in den Medien beworben wird, weil die Rendite der gesetzlichen Rentenversicherung höher ist als jene der privaten Altersvorsorge.

Die Lobbyisten der Versicherer sind darüber verärgert und kommen mit ihrem Totschlagargument von der Generationengerechtigkeit:

"Die heute 30- oder 40-Jährigen würden die Zeche zahlen. In Wirklichkeit fürchten die Versicherer wohl eher um den Verkauf ihrer eigenen Produkte, wenn künftig mehr Geld in die gesetzliche Kasse fließt."

Erstaunt jedenfalls, dass die FAZ in diesem Falle das Generationenargument nicht gelten lässt, das sie ansonsten bei jeder anderen Gelegenheit ins Felde führt, um Interessen der Rentner zu diffamieren. Dies mag daran liegen, weil OBERHUBER auf die Geldgier der FAZ-Leser setzt, denn nicht der Ausgleich von Abschlägen bei vorzeitigem Renteneintritt, sondern die Erhöhung der Rente durch Weiterarbeiten über das Rentenalter hinaus, wird von OBERHUBER in den Mittelpunkt ihres Artikels gestellt.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

PENNEKAMP, Johannes (2016): Der Brief, der nervös macht.
Der jährliche Brief der Rentekasse hat auch ein Gutes: Er motiviert die Menschen zur privaten Altersvorsorge,
in:
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 18.09.

Johannes PENNEKAMP referiert das ZEW-Diskussionspapier Do Savings Increase in Response to Salient Information About Retirement and Expected Pensions? von Andreas PEICHL u.a. das sehr gewagte Schlüsse aus der Korrelation von Renteninformation und Veränderungen der Sparrate zieht. Der größte Effekt auf die Sparrate ist nicht auf die Renteninformation zurückzuführen, sondern wurde durch Änderungen bei der Förderung im Bereich der privaten Altersvorsorge und die Finanzkrise hervorgerufen. Bei PENNEKAMP vermisst man einen Hinweis auf solche Einflüsse, denn keineswegs ist die Sparrate kontinuierlich gestiegen, sondern unterliegt extremen Schwankungen (vgl. Schaubild S.27). Korrelationsstudien wie jene von PEICHL u.a. können keine Aussage über die Sparmotivation und deren Ursachen machen, sondern sind mehr oder weniger Spekulation. Die Ergebnisse passen jedoch ideal in die gegenwärtige Debatte um das Nudging, d.h. sanfter Zwang.

 
       
   

TAGESSPIEGEL-Politikthema: Fliessende Übergänge.
Wie die Politik die Alterssicherung umbaut

WORATSCHKA, Rainer (2016): Das ändert sich mit der Flexi-Rente.
Ein Gesetzentwurf soll Anreize schaffen, länger zu arbeiten und gleichzeitig früher einen Teil der Rente zu beziehen. Ein Überblick über die neuen Regelungen,
in:
Tagesspiegel v. 17.09.

Rainer WORATSCHKA arbeitet die Punkte Zuverdienstmöglichkeiten bei Teilrente, Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus, freiwillige Sonderzahlungen und Entlastung der Arbeitgeber ab. Bereits nächste Woche soll das Gesetz in den Bundestag kommen und Anfang 2017 in Kraft treten.

EUBEL, Cordula (2016): Einigung nach einer halben Ewigkeit.
Die Koalition hat lange um den Gesetzentwurf zur Flexi-Rente gestritten,
in:
Tagesspiegel v. 17.09.

Cordula EUBEL referiert nochmals die Geschichte des Gesetzentwurfs und zitiert Einschätzungen von Markus KURTH (Grüne), Annelie BUNTENBACH (DGB), Matthias W. BIRKWALD (Linkspartei), BDA und DRV.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

SCHÖCHLI, Hansueli (2016): Donald Trump und der AHV-Streit.
Herausgegriffen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.09.

LAMPERT, Daniel (2016): Wer rechnet, stärkt die AHV.
Gastkommentar: Leider hat die Diskriminierung der AHV seit den 1990er Jahren gewisse Spuren hinterlassen,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 17.09.

 
       
   

Die Reproduktionsmedizin und die Fruchtbarkeitskrise

NAUE, Laura-Nadin (2016): Ein Kind aus dem Becher.
Emma und Julia lieben sich seit drei Jahren, sie möchten Eltern werden. Doch bei der künstlichen Befruchtung gelten für sie andere Regeln als für Ehepaare. Also versuchen die beiden Frauen ihr Glück auf eigene Faust,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 16.09.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Parteien in der Debatte

TUTT, Cordula & Jurik CASPAR (2016): Nahles' Wahlkampfschlager.
Rente: Ein Jahr vor der Wahl sondieren SPD und Union fieberhaft, was ihnen politisch nützt. Arbeitsministerin Andreas Nahles will mit der Rente punkten,
in:
Wirtschaftswoche  v. 16.09.

TUTT & CASPAR bauen Andrea NAHLES zum Luder auf, indem sie Spekulationen über die Entwicklung des Rentenniveaus bis 2045 verbreiten (mehr hier).

TUTT, Cordula & Jurik CASPAR (2016): "Wir müssen andere Aufgaben bewältigen".
Interview mit Steffen Bilger,
in:
Wirtschaftswoche  v. 16.09.

Gespräch mit Steffen Bilger, der uns als "Chef der 25-köpfigen Jungen Gruppe der Unionsfraktion" vorgestellt wird.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 26 und Schluss): Die späten Jahre.
Wer sein Leben nach der Arbeit gut vorbereitet, profitiert im Alter

BOHSEM, Guido & Thomas ÖCHSNER (2016): "Das ganze Jahr Urlaub ist auch kein Urlaub mehr".
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (26): Der ehemalige Arbeitsminister und frühere SPD-Chef Franz Müntefering über die ruhigere Zeit nach fast 60 Jahren voller Arbeit, Weihnachtsgeld in Lohntüten und die Frage, was sich bei der Rente alles ändern muss,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 16.09.

Franz MÜNTEFERING, strammer SPD-Parteisoldat, liefert keine neuen Erkenntnisse zum Thema Rente, sondern es wird lediglich das Übliche nacheinander abgehakt.

"Angst vor einem Generationenkonflikt habe ich (...) nicht. Die reichen Alten werden sich nicht mit den armen Alten gegen die Jungen verbünden. Und umgekehrt gilt es auch. Die Vernünftigen aller Generationen, müssen sich unterhaken",

erklärt uns MÜNTEFERING seinen Blick auf die Politik.

ÖCHSNER, Thomas (2016): Alles im Fluss.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (26): Die große Koalition muss sich beim Thema Rente erst noch zusammenraufen,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 16.09.

 
       
   

Die Armutsdefinition in der Debatte

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Verteilungskampf mit Kindern.
Kommentar: Die Auseinandersetzung über Kinderarmut beruht auf schiefen Zahlen und verfehlt die Probleme,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.09.

 
       
   

Die globalisierte Dienstleistungsgesellschaft in der Debatte

HINTERMEIER, Hannes (2016): Wir da oben, ihr da unten.
Die polnische Putzfrau war der Anfang, jetzt sind die neuen Heinzelmännchen überall: Christoph Bartmann analysiert die Misere einer zum Dienen verurteilten Klasse. Und fragt, warum wir es uns damit so bequem machen,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 16.09.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

GRUNDLEHNER, Werner (2016): Neue Wege für Pensionskassen.
In der Anlagenot gewinnen eher riskante Investitionsinstrumente an Attraktivität,
in:
Neue Zürcher Zeitung v. 16.09.

 
       
   

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG-Serie (Teil 25)

DOHMEN, Caspar (2016): Zeit schenken, Hilfe bekommen.
SZ-Serie Unsere Zukunft, unsere Rente (25): Wer sich für andere einsetzt, erhält im Alter Unterstützung zurück - so funktionieren Zeitbanken. Zu Besuch bei einem Verfechter dieser Vorsorgeidee,
in: Süddeutsche
Zeitung v. 15.09.

Caspar DOHMEN stellt uns den Ingenieur Karl-Heinz KOCK vor, der die Kölner Vorsorge-Zeitbank gründete, bei der bislang jedoch erst 25 Menschen mitgemacht haben, bei einem geschätzten Potenzial an 25.000 Bürgern der Millionenstadt Köln.

"Er las ein Interview mit dem mittlerweile verstorbenen CDU-Politiker Lothar Späth und dem ehemaligen Mc-Kinsey-Chef Herbert Henzler. Sie propagierten die Idee von Zeitbanken als einer vierten Säule der Altersvorsorge",

beschreibt DOHMEN den Anstoß zur Gründung der Kölner Vorsorge-Zeitbank. Auf seiner Website schreibt KOCK jedoch:

"Die Idee einer solchen VORSORGE-ZEITBANK für ehrenamtliche Tätigkeiten ist nicht neu. Im März 2011 wurde sie von Herbert Henzler und Lothar Späth in ihrem Buch »Der Generationen-Pakt: warum die Alten nicht das Problem, sondern die Lösung sind« aufgegriffen und im Fernsehen dafür geworben. Leider ist der Diskurs hierzu aber zu Erliegen gekommen."

DOHMEN führt den Wandel der Lebensformen und unzureichende Renteneinkommen als Gründe für solche zivilgesellschaftliche Projekte an. Angeblich hätten früher Nachbarn oder die Familie jene Arbeiten erledigt, die nun zivilgesellschaftliche Projekte übernehmen sollen. Früher hieß wohl in der Nachkriegszeit - eine kurze historische Epoche also, die in Zeiten der Demografisierung gesellschaftlicher Probleme gerne idealisiert wird.

"Verbreitet ist die Idee in den USA und Großbritannien, bekannt geworden ist auch das Fureai-Kippu-Systgem (Pflege-Beziehungsticket) in Japan, ein Zeitbanksystem für Pflegedienstleistungen. (...) Als gesichtswahrende Lösung führte der Staat in den Neunzigerjahren das Gutschreiben von Zeit ein. (...)
Im deutschsprachigen Raum wird die Idee häufig unter einem anderen Namen verwirklicht, als Seniorengenossenschaft, die allerdings meist in der Rechtsform des Vereins organisiert ist. Zählt man Seniorengenossenschaften, Tauschbörsen, Zeitbanken und Nachbarschaftshilfen dazu, gibt es bundesweit etwa 220 Initiativen, die auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit fußen. Manche sind ausreichend groß, wie die Seniorengenossenschaft Kronach mit rund 700 Menschen. (...)
Seit dem Jahr 2010 werden verstärkt Seniorengenossenschaften in Deutschland gegründet",

erklärt uns DOHMEN die Geschichte dieser Form des zivilgesellschaftlichen Engagements in anderen Ländern und in Deutschland. Das Thema ist derzeit groß in Mode. So hat z.B. das Deutsche Zentrum für Altersfragen in seiner März/April-Ausgabe des Informationsdienst Altersfragen das Thema Seniorengenossenschaften anlässlich erster Ergebnisse eines BMBF-Forschungsprojektes behandelt.

"Sankt Gallen gehört zu den Vorbildern der Szene, weil die Schweizer Stadt den größten Knackpunkt bei der Etablierung einer Zeitbank gelöst haben: Die Kommune garantiert die erworbenen Guthaben für die Beteiligten",

erzählt uns DOHMEN. Der Sozialwissenschaftler Christoph BUTTERWEGGE sieht in solchen Initiativen jedoch keine tragfähige Lösung, da solche Initiativen eher dort entstehen, wo sie am wenigsten gebraucht werden: in Quartieren der Mittelschicht. Er sieht auch die Gefahr, dass durch solche zivilgesellschaftlichen Projekte staatliche Hilfe ersetzt werden soll. BUTTERWEGGE setzt deshalb auf einen starken Sozialstaat. 

 
       
   

Die Familienpolitik des Familienministeriums in der Debatte

MONATH, Hans  (2016): Zeit für den Nachwuchs.
Mehrheit der Deutschen befürwortet Familiengeld,
in:
Tagesspiegel v. 15.09.

 
       
   

Die Rentenpolitik der Gewerkschaften in der Debatte

SIEMS, Dorothea  (2016): Falsches Spiel mit der Angst vor Altersarmut.
Mit ihrer Rentenkampagne wollen die Gewerkschaften Politiker zur Kurskorrektur zwingen. Doch Modellrechnungen hantieren mit zweifelhaften Annahmen und lassen Parameter außer acht,
in:
Welt v. 15.09.

Dorothea SIEMS präsentiert uns die folgende Modellrechnung, die angeblich in der DGB-Broschüre Kurswechsel zu finden sei:

"Eine Köchin mit 2250 Euro Monatslohn wird 2030 nach 40 Arbeitsjahren 820 Euro Rente bekommen. Würde die Köchin heute nach 40 Beitragsjahren in Rente gehen, wären es immer noch 890 Euro."

In der Broschüre heißt es dagegen:

"Eine Köchin mit 1.943 Euro Monatslohn bekäme, wenn sie 2030 nach 40 Arbeitsjahren in Rente ginge, nur noch 630 Euro Rente. Heute wären es noch 700 Euro und vor den Rentenreformen, also im Jahr 2000, noch 770 Euro gewesen.
Wer aus den geburtenstarken Jahrgängen kommt, also vor 1970 geboren ist, und 2030 in Rente geht, könnte – wie die Köchin im Beispiel – mit einem Rentenniveau von 43 Prozent dastehen, wenn es bei den heutigen Weichenstellungen bleibt. Wäre die Köchin in den 40 Jahren für vier Jahre arbeitslos gewesen und hätte acht Jahre lang nur halbtags gearbeitet, wären heute rund 690 Euro Rente das Ergebnis – ginge sie 2030 in Rente, sogar nur noch 620 Euro." (2016, S.9)

SIEMS lässt also vom Finanzmathematiker Werner SIEPE, der schon in der Wirtschaftswoche eine andere Gewerkschaftsaussage widerlegen durfte, eine Aussage dementieren, die sich in der Broschüre gar nicht findet. Die Frage stellt sich also, wo sich die Aussage, die auch in anderen Zeitungen verbreitet wurde, tatsächlich findet. Auf der Website zur DGB-Rentenkampagne heißt es: 

"Dass das Rentenniveau sinkt, war also eine bewusste politische Entscheidung. Bis heute ist das Rentenniveau um etwa zehn Prozent gesunken. Nach Berechnungen der Bundesregierung wird es bis 2030 um weitere acht Prozent fallen – und wenn sich nichts ändert, wird sich der Sinkflug auch nach 2030 weiter fortsetzen. Vor den Rentenreformen lag das Rentenniveau im Jahr 2000 bei ungefähr 53 Prozent, heute noch bei 47,7 Prozent, im Jahr 2030 wohl nur noch bei 44 Prozent.
Das hat erhebliche Folgen für die gesetzliche Rente: Eine Köchin mit 2.250 Euro Monatslohn wird 2030 nach 40 Arbeitsjahren 820 Euro Rente bekommen. Würde die Köchin heute nach 40 Beitragsjahren in Rente gehen, wären es immer noch 890 Euro. Vor den Rentenreformen wären es noch 980 Euro gewesen. Für immer mehr Menschen ist Altersarmut so vorprogrammiert."
(http://rente-muss-reichen.de/der-sinkflug-war-eine-bewusste-entscheidung-der-politik/)

Das Beispiel will also darauf hinweisen, dass die Absenkung des Rentenniveaus Auswirkungen auf die gesetzliche Rente hat. SIEPE reißt das Beispiel jedoch aus seinem Kontext, wodurch es verfälscht wird. Das obige DGB-Beispiel sagt folgendes aus:

Beispiel Monatslohn Renteneintritt Rentenniveau Monatsrente
Köchin 1 2.250 2000 53 % 980
Köchin 2 2.250 2015 47,7 % 890
Köchin 3 2.250 2030 44 % 820

SIEPE behauptet nun gemäß SIEMS, dass Köchin 2 nicht nur 890 € Monatsrente bekäme, sondern 922 €. Das lässt sich uns nicht nachvollziehen, weil uns die Berechnungsgrundlagen dazu fehlen.

Selbst wenn die Werte von SIEPE richtig wären, wird die Argumentation dann falsch, wenn unterstellt werde, dass Köchin 2 identisch mit Köchin 3 sei, denn nur dann würde die Behauptung greifen, dass die Rentengarantie von 2009 eine Kürzung verhindern würde. Das behauptet der DGB aber gar nicht, sondern es geht um zwei unterschiedliche Köchinnen mit unterschiedlichem Geburtsjahr. Es ist dann höchstens kritisierbar, dass der Monatslohn in den nächsten Jahren bis 2030 voraussichtlich steigen wird, dann müssten aber eventuelle Kaufkraftverluste ebenfalls berücksichtigt werden.

Fazit: Die Kritik von SIEPE, zumindest in der Weise wie sie uns von SIEMS präsentiert wird, führt uns in die Irre, weil sie die Auswirkungen einer Senkung des Niveaus der gesetzlichen Rentenversicherung negiert und die Argumentation des DGB verfälscht, indem so getan wird, als ob wir es nicht mit 3 verschiedenen Köchinnen unterschiedlicher Geburtsjahrgänge zu tun hätten, sondern lediglich mit einer Köchin, deren Rente angeblich gekürzt wird, was natürlich purer Nonsens ist. SIEMS will damit das Problem drohender Altersarmut für künftige Rentner verharmlosen. Wenn also jemand ein falsches Spiel mit der Altersarmut treibt, dann SIEMS!

Am Schluss geht SIEMS noch auf das CDU-Papier Generationengerechtigkeit stärken - Vertrauen sichern ein:

"Die im Gesetz festgeschriebene Untergrenze von 43 Prozent gelte bisher nur bis 2030 und sollte deshalb verlängert werden."

Während uns SIEMS eine Fortschreibung der heutigen Untergrenze über 2030 hinaus suggeriert, lässt die Formulierung von Dietrich CREUTZBURG in der FAZ dagegen offen, wo die Untergrenze festgelegt werden soll. Diese Offenheit entspricht auch der Formulierung im Beschluss, wo es heißt:

"Die Zusicherung der Mindest-Rentenniveauhöhe endet aber nach geltender Rechtslage im Jahr 2030 (§ 154 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 SGB VI), lange bevor die heute 30-Jährigen das Renteneintrittsalter erreichen. Die Zusicherung eines Mindestrentenniveaus muss daher über 2030 hinaus verlängert werden." (2016, S.3)

SIEMS verfälscht also die "Zusicherung eines Mindestrentenniveaus" zum Mindestrentenniveau von 43 Prozent. Seriöser Journalismus sieht anders aus!  

 
       
   

Die Ökonomen-Elite und die Ökonomie in der Debatte

DORN, Florian/KAUF, Benedikt/KRAUSE, Manuela/POTRFKE, Niklas  (2016): Altersvorsorge und Gesetzliche Rentenversicherung - nachhaltig aufgestellt?
in: Ifo Schnelldienst Nr.17 v. 15.09.

Die Autoren berichten von den Ergebnissen einer Umfrage im Juni unter Volkswirtschaftsprofessoren zur Rentenpolitik. Lediglich ein Viertel der Ökonomen beantworte überhaupt die Fragen, was die Autoren nicht davon hindert von "Mehrheiten" zu schwadronieren, wobei eine solche Mehrheit sich gerade einmal auf 16 % berufen kann. Von Repräsentativität kann keine Rede sein - und wird auch in dem Beitrag gar nicht erst behauptet.. Es wundert auch kaum, dass dieser Ökonomenkonsens dem entspricht, was uns in den Mainstreamzeitungen täglich gepredigt wird.   

 
       
   

Die Ostrentenangleichung in der Debatte

BAUREITHEL, Ulrike (2016): Griff in die Sozialreserven.
Fremdfinanzierung: Die Rentenkasse wird geschröpft, um Wahlkampfgeschenke der Koalition zu bezahlen,
in: Freitag Nr.37
v. 15.09.

 
       
   

Der Regierungsbeschluss des Gesetzesentwurfs zur Flexi-Rente in den Medien

CREUTZBURG, Dietrich (2016): Flexirente soll arbeitswillige Ältere belohnen.
Bundesregierung beschließt lange umstrittenen Gesetzesentwurf. Günstigere Verdienstregeln für Rentenbeziehern,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

LAMBECK, Fabian (2016): Wann ist die Zeit zu gehen?
Kabinett beschließt die Flexi-Rente,
in:
Neues Deutschland v. 15.09.

Fabian LAMBECK sieht den Anstieg älterer Erwerbstätiger nicht als Ausdruck von Freiwilligkeit, sondern als Ergebnis der Abschaffung von Frühverrentungs- und Vorruhestandsregelungen.

Die Interpretation, dass die Flexi-Rente ein Tauschgeschäft sei (SPD erhielt Rente ab 63, CDU nun die Flexi-Rente), hält LAMBECK für Schönfärberei. Bei CREUTZBURG heißt es in der heutigen FAZ:

"Union und SPD hatten das Vorhaben 2014 als Ergänzung ihres Pakets aus Rente ab 63 und erweiterter Mütterrente verabredet."

Während gemäß LAMBECK der Gesetzesentwurf noch diesen Monat in den Bundestag eingebracht werden soll, soll das Gesetz gemäß CREUTZBURG noch im Herbst vom Bundestag beschlossen werden und nächstes Jahr in Kraft treten. Thomas ÖCHSNER nennt in der gestrigen SZ sogar den 1. Juli.

LAMBECK präsentiert uns die Kritik von Matthias W. BIRKWALD von der Linkspartei und Wolfram FRIEDERSDORFF von "Ostdeutschlands größtem Sozialverband, der Volkssolidarität". Was gestern bei ÖCHSNER als "Spitzabrechnung" kritisiert wird, das bemängelt gemäß LAMBECK auch die Deutsche Rentenversicherung.  

REEH, Martin (2016): Kein Konzept gegen Altersarmut.
Kommentar zur Flexi-Rente,
in:
TAZ v. 15.09.

Martin REEH begrüßt Verbesserungen bei Teil- und Vollrente, sieht jedoch die Gefahr, dass Weiterarbeiten zukünftig als einzige Lösung drohender Altersarmut zu entgehen propagiert wird. REEH kritisiert, dass Zwangsverrentungen nicht generell verboten werden.

 
       
   

MOHR, Daniel (2016): Fazzi hadert mit dem Älterwerden.
Finanzplanung mit Mitte fünfzig (7): Der Blick auf seinen gebrechlichen Vater erinnert ihn daran, dass der Ruhestand nicht nur aus Lustreisen bestehen wird. Aber müssen Krankheit und Pflege zusätzlich abgesichdert werden?
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

 
       
   

Die Finanzialisierung in der Debatte

KANNING, Tim (2016): Eklat um den Beipackzettel für Finanzprodukte.
Informationsblätter zu Fonds und Derivaten kommen wohl doch nicht zum Jahreswechsel,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

 
       
   

Die Lebensversicherer in der Debatte

MOHR, Daniel (2016): Garantien haben bald ausgedient,
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

 
       
   

Das Single-Dasein in Großbritannien

THEURER, Marcus (2016): Vom Sozialamt aus der Stadt geworfen.
Für ein Arbeiterviertel in London wurde einst das Wort Gentrifizierung erfunden. Hier tobt die Verdrängung schon seit Jahrzehnten. Sozialämter siedeln Einkommensschwache deshalb in die Provinz um,
in:
Frankfurter Allgemeine Zeitung v. 15.09.

 
       
   

Die Altersvorsorge in der Schweiz in der Debatte

ENZ, Werner (2016): Pensionskassen mit dünnem Polster.
Hinter die Aussagekraft der Bilanzen muss ein dickes Fragezeichen gesetzt werden,
in:
Neue Zürcher Zeitung v.15.09.

ENZ, Werner (2016): Sparer schrecken vor Säule-3a-Fonds zurück.
Kommentar zur Schweizer Altersvorsorge,
in:
Neue Zürcher Zeitung v.15.09.

 
       
 

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Zu den News vom 07. - 14. September 2016
 

   
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